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182. Zahlgang

Bonneistag, 28. Januar 1932

Lrschetnl täglich, außer Sonntags und FeieNags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat tm Biß) Die Scholle Monotr Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen BTl.1.95 Ohne Illustrierte . 1 80

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zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach^ rid)ten: Anzeiger »tetzeu. psstscheckkonto: ziautsuil am Main 11686.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Will). Lange. DerantwoNlich für Dolttik Dr. Fr. Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Gieße-

Abrüstung!

Don Glara Mende.

Solange die Abrüstung nicht burchgeführi ist, ist der Friede stets gefährdet. Die Friedcnsver- träge haben einzelne Länder zur Abrüstung ge­swungen. und die Abrüstung der anderen ver­sprochen. Die langen Verhandlungen in Genf haben jedoch bisher kein greifbares Resultat ergeben. Die Lasten der Rüstungen wachsen." DaS find die einleitenden Sätze einer sozial­demokratischen Resolution zur Abrüstungssraqe.

Auch politisch Andersdenkende können ihnen suftimmcn. denn sie geben ja nur unbestrittene Tatsachen bekannt, vermeiden eS aber leider, daraus Folgerungen sür Deutschland Ali ziehen, daS sich ja in einer ganz besonderen Lage besindet und durchaus berechtigt ist, Forde­rungen an die anderen zu stellen.

Welche Konsequenzen müssen auS den Fest­stellungen gezogen werden?

Klipp und klar die, daß Deutschland e i n gutes verbrieftes und besiegeltes Recht hat, auf der Abrü stung der an­deren zu bestehen und sie unentwegt zu fordern. Ob man auf diesem Weg zum Ziel kommt, ist eine andere Frage. LS ist auch noch keineswegs sicher, daß die Abrüstung der anderen den Frie­den in die Welt bringt Beim Scheitern der bevorstehenden Konferenz must vor aller Welt klargelegt werden, dast Deutschland nicht die Ver­antwortung für daS Mißlingen trägt. eS wird sich dann zeigen, dast die Forderung der Ab­rüstung bei den anderen nicht ernst gemeint war und ist. sondern dast die Wehrlos-

machung Deutschlands und seiner Ver­bündeten nur dazu dienen sollte, die Macht der anderen zu starken und dieVeutedeSKrie- geS ihnen auf Zeit und Ewigkeit zu sichern.

Diese Erkenntnis must sich ausbreiten und die deutschen Ideologen des reinen Pazifismus wer- den erkennen, dast der Traum deS ewigen Welt­friedens in dieser schlechtesten aller Welten wohl geträumt werden kann, aber sich schwerlich reali­sieren lassen wird. Friedensbewegung ist eine 3bet mit starker ethischer und religiöser Grund­lage, der sittlich hochstehende Menschen immer zu- ftimraen werden. Für die Deutschen gilt eS aber jetzt, die realen Tatsachen der Ab­rüstung der anderen klar zu erkennen und für Deutschland daS zu erkämpfen, was eS braucht: seine wirtschaftliche, politische, nationale Selbständigkeit und daS vielgerühmte Recht der Selbstbestimmung. Die ungeheure Mn- aerechtigkeit, die in der ungleichen Behandlung Deutschlands und seiner früheren Verbündeten, mit Ausnahme der Türkei, die nicht abgerüstet hat, liegt, must beseitigt werden.

Welche Konsequenz soll aus den .bisher nicht greifbaren Resultaten" gezogen werden? Sicher­lich einmal die Feststellung vor aller Welt, dast unterschriebene Verträge von allen Seiten ge­halten werden müssen, wenn sie nicht in Gefahr geraten sollen, von keiner gehalten zu wer­den. Daher fordern wir die Erfüllung des ge­gebenen Versprechens .der Abrüstung Deutsch­lands die eigene folgen zu lassen. Schon Clc- menccau hat im 3uni 1918 auf derartige Folgen hingewiesen, selbst dem .Tiger" waren rechtliche Folgerungen nicht unbekannt. Der chauvinistische französische Sozialdemokrat Paul Boncour spricht das ebenso Kar und deutlich aus wie englische Generale, tote Wccdonald. Baldwin. £o d George, der Bischof von Plymouth und in Amerika der Präsident der Carnegie-Stiftung und viele feiner Landsleute. Diese Stimmen mehren sich in der Welt und Deutschland must sie stärken und stützen durch seine immer wiederkehreno.n Vorwürfe der Mngerechtigkeit und des Verrates heilig erklärter Verträge. Dabei Ist es ganz gleichgültig, ob die Gegner den Friedenswillen und die Friedens­liebe Deutschlands anzweifeln und auch damit wieder eine feindliche Stimmung gegen das deut­sche Volk schaffen möchten.

Einmal muh die Welt doch die Machenschaften Frankreichs erkennen. Was soll es heißen, die deutsche Schupo als Truppe angurcchnen und die französische Gendarmerie nicht? Die Dienst tage der Soldaten auszurechnen und dabei für Deutsch­land mit dem Berufsheer bei zwölf äh g r Dienst­zeit eine ungeheure Zahl heruuszurecynen und bei dem französischen einjährigen Dienst weit hinter der effektiven Zahl zurückzubleiben? WaS soll eS heißen, wenn französische Minister die .unerhörte Höhe" des deutschen Wehretats öffent­lich kritisieren und so tun, als ob ihnen unbekannt sei, daß ein Berufsheer mit langer Dienstzeit teurer fein must, als eine Armee der allgemeinen Dienstpflicht. Deutschland hat und darf keine Re­serven haben, Frankreich hat deren 4,5 Millionen. Polen und die Tschechoslowakei, feine Vasallen Aufammen »ast ebensoviel, und dazwischen liegt das wehrlose, waffenlose Deutschland.

Man muh sich auch darüber tlar fein, daß Frankreichs Ruf nach .Sicherheit und Schutz" nur politisches Spiel ist, um für sich Stimmung zu machen, wenn seine Angst nicht auf anderen von uns nur zu ehrenden Beweggründen beruht.

Frankreich fürchtet angeblich die deutschen Wehrverbände, die deutsche .kriegerische Iugenb- auSbildung" hat es schon verboten: aber_ selbst bildet es seine Jugend, Knaben und Mädchen, vom Kindesalter an in der Landesverteidigung aus. Ebenso macht es Polen, die Tschechoslowakei, England und Amerika. Alles offenbar zur Vor­bereitung auf die Abrüstung! Rur in Deutschland tut man nichts in bezug au» rinße^liche Willens­bildung. Es ist tief bedauerlich, bah auch in dieser so verhängnisvollen Angclegenyeit für das deutsche Volk eine Einheit der Auffassung und

Für die Wiederwahl Hindenburgs.

Bayern geht voran.

Ein Aufruf üb.rpartcilidjcr Pc sönlichkeiten.

München, 27. Ian. (IDIB.) (Ein größerer firels überparteilicher Persönlichkeiten aus oerschie denen Ständen und streifen des Landes Bayern erläßt nachstehenden Ausruf zur Wiederwahl des Reichspräsidenten o. Hindenburg:

Der außenpolitische Erfolg der kommenden cnlscheidungsreifen internationalen Verhandlungen ist mitbedingt durch die Geschlossenheit, mit der das deutsche Volk hinter seinen Unterhänd­lern steht. Aus den Einsatz des gewaltigen Ansehens, das der Harne Hindenburg Im In- und Aus­lande genießt, dürfen wir nicht verzichten, stein zweiter Deutscher besitzt in ähnlichem Maße das überparteiliche vertrauen des deutschen Volkes, kein zweiter verkörpert jo vollkommen für die Mett den Glauben an Deutschland, wir sollten des­halb dem Schicksal sürjede Stunde dan­ken, die der Generalfeldmarschall fein hohes Amt noch weiterhin ausübt. Sein Ausscheiden würde schwere Partclkämpse heraufbeschwören, deren Ausgang ungewiß ist. würde den weg für Zusallsanwartschaften frei machen, die vermieden werden müssen, zumal der erprobte Führer vorhan­den Ist.

vor sieben Jahren feierte Deutschland die Wahl Hindenburgs als Sieg des deutschen Ge­dankens. Deutsche Pflicht ist es auch heute, den Feldmarschall auf den Schild zu heben. Die Reichs- oerfassung sieht die Volkswahl vor und damit die stundgebung des Volkswillens jenseits der Par­teimeinungen. Ls ist höchste Zeit und Aufgabe aller, die Volk und Vaterland lieben, zur lat zu schreiten.

Das bayerische Volk hat 1925 die Wahl des Feldmarschalls entscheidend mitbeeinfluht. wir halten uns daher befugt, den ersten Schritt zu tun. Wir rufen auf. zur Wiederwahl des Mannes, der. wie kein zweiter, Deutschland verkör­pert. wir wollen den Herrn Reichspräsidenten bit­ten, sich zur Wahl erneut zur Verfügung zu stellen.

Unser Ruf ergeht an alle ohne Unterschied des Alters, des Standes, des Geschlechtes, des Bekennt­nisses und der Partei.

München, den 27. Ianuar 1932.

gej. Iahn , Präsident des Reichsfinanzhoses L R.

Ls folgen eine Reihe weiterer Unterschriften, un­ter ihnen:

Grafv. Bothmer, Generaloberst a. D-, Frei- Herr v. Lrarner-stlett. Gutsbesitzer, Dr. h. Dorn, Präsident des Reichsfinanzhofes, Dr. Fehr (weihenftephan), Minister a. D., Dr. Lscherich, Forstrat, Lajetau Freund, Schristleiter, Fürst Fugger-Glött, h. Freiherr o. Gebsat- t e I (Bamberg), General a. D., Dr. st. Göbel. Präsident der Akademie der Wissenschaften, Dr. Max halbe, Schriftsteller, Dr. Georg heim, Regens­burg, hipp, Regensburg. Oberbürgermeister, v. Seiher. Oberst a. D., Dr. st. Scharnagl. Oberbürgermeister, Dr. R. w illstaetter, Üni- versitätsprofessor.

Wie sich aus den Mnterichriften des Aufrufs ergibt, handelt es sich um eine von nicht Par­tei mäßig eingestellten Persönlichkeiten eingeleitete Aktion. Man kann feftstellen, daß sich hier ein Gremium zusammengefunden hat, dem die Sorge um Deutschlands Schicksal über Parteiintern essen geht. Demerkenstoert ist, daß sich unter den Mnterzeichnern auch Persönlichkeiten befinden, die zur heutigen Reichsregierung in Opposition stehen, so die führenden Mitglieder der Deutschen Volks­partei in Bayern, Geheimrat Dr. Dietrich und die Landtagsabgeordnete der gleichen Partei, Frau Gertrud Wolf, sowie, wenn wir recht unter»

Einigkeit in der Behandlung nicht zu erzielen ist. Jede Partei strebt dem Ziel auf eigenem, nicht immer ganz geradem Weg zu. Es ist nur zu hoffen, daß wenigstens die letzten Tage vor der Konferenz noch von allen genutzt werden, um das eine zu erreichen: Deutschlands Dele - gation auf der Abrüstungskonferenz durch einmütige Forderungen des Heimatlandes dem Ausland gegenüber zu stärken und zu stützen, die Forderung: »Die einseitige Abrüstung Deutschlands" aufzugeben, und die Abrüstung der anderen durchzusetzen. Ihre Berechtigung ist all­gemein anerkannt, ihre Richterfüllung müßte zu einer Aenderung jetzt bestehenderDer- pflichtungen fuhren Keinesfalls darf eine erneute Bestätigung ehemaliger entwürdigender Bedingungen erfolgen. Darum muß im ganzen deutschen Doll die Mebcrjeugung geweckt werden, daß der vorliegende Konventions- Entwurf keine Basis für die Ab­rüstungskonferenz sein kann Wesent­liche Aenderungen müssen erreicht werden. Hier­für werden unsere Mnterbänblcr sich Bundes­genossen in den anderen Delegationen gewinnen müssen: denn es handelt sich nicht um Abmachun­gen allein zwisch<m Frankreich und Deutschland, sondern um feierliche Versprechen, durch Mnter- schriften verantwortlicher Staatsmänner von mehr als 20 Staaten besiegelt, die nicht mir von

richtet sind auch Persönlichkeiten au» dem bah» rischen Stahlhelm. Von namba'tcn Organisa- tionen und Verbänden finden sich durch die Ramen ihrer Führer oder maßgebender Persönlichkeiten vertreten. der Bayrische Christliche Bauernverein mit Geheimrat Dr. Heim, der Bayrische Heimatschuh durch Ober, sorstrat Dr. Lscherich, der Bayrische Be. amtenbunb durch Regierung»Ltircflor Ey - mann und die deutsch » österreichische ArbeitSgemeinschast durch Dr. Frei- Herrn v. Dranca. Mit Dr. R i 11 e r v. H a l t und dem Senatspräsidenten i. R. Dr Müller- Meiningen stehen die Ramen zweier promi­nenter Führer bayrischer Sport- und Turnerverbände auf der ersten Liste der Mnterzeichner. Qicbcn der christlichen Arbeiter, schäft haben Kreise von Industrie. Handel und Handwerk, weiteste Schichten der Landwirtschaft, der Jtün,,Ärf(h'',t der Presse und deS Schrifttums, der Geistlichkeit un) der Wissenschaft, Justiz und Äommuiiaitoirifaju, t ihre klangvollsten Ramen ge­geben

Auch Sahm bereitet einen Aufruf vor.

Lin überparteilicher Ausschuß in Bildung begriffen.

Berlin, 27. Ian. (IDIB.) Der Oberbürger­meister der Reichs Hauptstadt Dr. Sahm ist feil mehreren Tagen um die Bildung eines über­parteilichen Ausschusses führender Persönlichkeiten aus allen Kreisen des deutschen Volkes bemüht, der die Wie­derwahl des gegcnroätllgen Reichs­präsidenten v. Hindenburg In die Wege leiten soll. Ls ist dabei an Männer und Frauen gedacht, die in maßgebender Stellung mit großen Bevölkerungsschichten in enger Fühlung stehen. Dr.

Sahm wird die Einladungen an die In Aussicht genommenen Persönlichkeiten In kürzester Frist hin­ausgehen lasten, so daß derHindenburg Ausschuß" schon Anfang nächster Woche mit einem Ausruf an die Oessentlichkeit treten dürste.

Zur Bildung eines Hindendurg-Aueschusses unter Oberbürgermeister Dr. Sahm und zu dem Ausruf prominenter Bayern nehmen ooriäusig nur wenige Berliner Blätter Stellung. DieDAZ." begrüßt es, daß die Rrichsprästden lens rage hiermit nun end­gültig in Fluß gekommen sei. DieDo,fl­iehe Zeitung" nennt von Persönlichkeiten, die dem Hindenburg-Ausschuß angehören werden, Dr. Ecke­ner, Dr. Goerdeler und Prasestor Kahl, vomLokalanzeiger" werden außerdem noch Ober­bürgermeister Bracht und Dr. Krupp von Bohlen und Halbach genannt.

Reichskanzler Jllarr zur politischen Lage.

Halberstadt, 27. Ian. (WTB.) In einer Versammlung der Zentrumspartei behandelte der frühere Reichskanzler Dr. Marr die gegenwär­tige politische Lage. In der Frage der Reichs­präsidentenwahl vertrat Marr die Ansicht, daß Reichspräsident v. Hindenburg der einzige in Frage kommende Kandi­dat für die Reuwahlen sei. Die Stunden mit Hindenburg seien ihm die schönsten Er­innerungen au» der Zeit feiner Kanzlerschaft. Ein Zusammengehen mit der RSDAP. sei für da» Zentrum so lange un­möglich, als die Rationalsozialisten ihre Grund­sätze nicht revidierten. Der Redner beHagtc, daß man dem Gedanken der Demokratie in Deutschland häufig eine falsche Auslegung geoe, er bedauerte auch den ewigen Zwist, insbesondere den kon­fessionellen Hader. Wahre nationale Ge­sinnung bestehe in Mitarbeit und Ver­antwortung.

Begierungskn'sis in Oesterreich.

Bundeskanzler Burefch erneut mit der Kabinettsbildung betraut. Schober wird als Außenminister ausgeschifft.

Wien, 27. Ian. (WTB. Amtlich.) Der Ministerrat beschloß heute nach einem Bericht des Bundeskanzlers die Gesamtdemission der Bundesregierung, die von dem Bun­deskanzler Dr. Burefch sogleich dem Bundes­präsidenten unterbreitet wurde. Der Bundes- Präsident nahm die Demission der Gcsamtregie- rung an. In Berücksichtigung der innen- und außenpolitischen Lage Oesterreichs, die zwischen dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler eingehend erörtert wurde, hat sodann der Bun­despräsident Dr. Burefch ersucht, die Wic - berbetrauung mit dem Amte des Bundes­kanzlers zu übernehmen und ihm sobald wie mög­lich seine Vorschläge über die Bildung der neuen Regierung zu übermitteln. Bundeskanzler Dr. Buresch hat sich bereit erklärt, diese Aus­gabe zu übernehmen.

Heber die Gründe deS Rücktritt» Du» reschs verlautet in parlamentarischen Kreisen, er habe gefühlt, daß er unter den gegenwärtigen Verhältnissen, besonders angesichts der Haltung der Ehristlich-Sozialcn in Tirol und Kärnten, bei seiner Partei nicht mehr die notwendige Unterstützung finden würde. Ferner soll ein gewisses Mißverhältnis zwischen den Deriretem der Großdeutschen (national. Wirtschaftsblock) in der Regierung und der Hal­tung ihrer FraktionSgenofsen im Rationalrat mit­gesprochen haben.

Bei der Reubildung des Kabinetts gehe nun sa» Bestreben dahin, durch Austausch Persön- 4feiten an ministerielle Stellen zu sehen, die in ihren Parteien wirklich verankert sind und dort einen Rückhalt haben. Zur

außenpolitischen Richtung deS in Aus­sicht stehenden zweiten Kabinetts Buresch erklärte Dr. Burefch: Wir haben den Völkerbund um ein größeres Maß wirtschaftlicher Be­wegungsfreiheit gebeten, damit wir m i t allenRachbarstaaten ohne AuSr a, m: und ohne dabei an irgendeine politische Bindung zu denken, Abkommen für die Förderung der öster­reichischen Wirtschaft treten können. Wir werden dabei nie auS dem Auge verlieren, daß Oester­reich ein deutscher Staat ist und daß b i e beu tsche Linie eingehalten wirb.

Absage des nationalen Wirtschastsbtocks.

Befolg- is nm den ausenpo it fchen Kurs.

Wien, 27. Jan. (WTB.) Bundeskanzler Burefch verhandelte wegen der fKcgierungsbilbung mit den Christlich. Sozialen, die ihm ihr Vertrauen aussprachen und dem Landbund, der sich seine Entscheidung für morgen vorbehalten haben soll. Dr. Buresch richtete an den nationalen W iri­sch a f t s b l o ck das eindringliche Ersuchen, in die neue Regierung einzutreten Der SUuboorftanb er­klärte hierauf, daß er nicht in der Lage sei, dieser Einladuna zu folgen. Mit Rücksicht auf den geplanten Wechsel im Außenministerium sei für den nationalen Wirtschaftsblock keine GJe- wöhr mehr gegeben, daß der bisherige außen- politische Kurs auch weiterhin eingehalten werde. In parlamentarischen Kreisen spricht man von der Möglichkeit einer Minderheitsregierung Ehristlich-Soziale-Landbund.

Deutschland und seinen Verbündeten gehalten werden müssen, sondern gerade von denen, die damit der Welt »den Frieden bringen wollten". Der Frieden, den die ganze Welt braucht, kann 'ich nur begründen auf »Recht und Gerechtigkeit", 'arnadj strebt Deutschland, es ist an den an­deren, sie zu geben unb zu bringen.

Die Preiesenkungsaktion.

Der Reichskommissar verlangt erneut Preisschilder.

Berlin, 27. Ian. (ERB.) Amtlich. Der Reichskommistar für Preisüberwachung hat an die 2anbe6bcauffragten für Presiüberwachung und an die Gemeinden ein Rundschreiben gesandt, in dem er sich mit einer Reihe von Schwierigkeiten beschäftigt, die bei der Durchführung der Preissenkungsaktion entstanden sind. Der ReichSkommissar teilt in diesem Schreiben mit, bah in einer Reihe von Fällen bie Preisver­zeichnisbestimmungen nur unvoll­kommen befolgt werben. Er empfiehlt, bie- jenigen Geschäfte, bie bie Bestimmungen nicht be­folgen, zu verwarnen unb von ihnen mit einer 24ftünbigen Frist bie Aushängung der Preisver­zeichnisse zu verlangen. CKeiter wendet sich ber PreiSkommtssar gegen in« Unfitte, beim Ver­

kauf kleinerer Mengen eine unzu­lässige Aufrundung des Preises vor­zunehmen, wie eS inebefonbere im Fleischer- gewerbe beobachtet worben ist. Der PrciSkom- miflar bezeichnet eS als völlig unzulässig, Bruchteile von Pfennigen auf 5 ober 10 Pfennig auszurunden: sie dürfen nur auf ganze Pfennige ausgerundet werden. Außer­dem beschäftigt sich das Rundschreiben mit einer Reihe von Beschwerden, insbesondere aus west­lichen Bezirken, die sich gegen eine Er­höhung der Preise an Lohntagen wen­den. Dr. Goerdeler ersucht, gegen diejenigen Ge­schäfte. bie auf diese Weise die Preissen­kungsaktion durchkreuzen, gegebenenfalls m i t b er Androhung ber Geschäftsschliehung vvrzugehen.

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Die Verhanblungen mit bem Braue- te igewerbe haben zu einer Senkung ber gebunbenen Bierpreise um 2 Mark je Hektoliter Vollbier ab 1. Februar 1932 geführt. Die volle Senkung beS biersteuerfreien Telles bes Erzeugerteiles um 10 v. H laut Rotvervrd- nung ist bamit nicht erreicht, wäre aber auch nur bei einer bamit verbundenen Steigerung be- Konsums vertretbar, bie gegenwärtig nicht zu erwarten sei. Eine etwaige Her­absetzung der Biersteuer wird «cht nui