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27/12/1932 Frühausgabe
 
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Aus der provinzialhaupistadl

Buntes Allerlei

** Ausfu

Mittwoch die Mitarbeitevinnen unb Mitarbeiter im freiwilligen weiblichen Arbeitsdienst Gießen zu einem geselligen Abend eingeladen. Die Vorsitzende begrüßte die Vertreter und Vertreterinnen des Ar­beitsamtes, des Wohlfahrtsamtes, des Hess. Heimat­werkes, der Schulen und alle erschienenen Gäste und dankte den Herren und Damen für das Inter­esse und Wohlwollen, das sie dem freiwilligen Arbeitsdienst entgegenbringen. Die Mitarbeiterinnen der Nähstube hatten selbst ein reichhaltiges Pro- grdmm zusammengestellt, das sich unter der Leitung von Frl. Luise Flick flott abwickelte. Im Mittel­punkt stand ein von den 19 jungen Mädchen recht gut gespieltes TheaterstückDer Wettstreit", ein Kampf verschiedener Berufszweige um den Wert und die Notwendigkeit ihrer Aufgaben. Im weiteren Verlaufe des Programmes wurde ein lustiger Volks- reigen vorgeführt. Gesangsoorträge, Dialekt- und andere Gedichtdeklamationen trugen zur Unterhal­tung bei. Zum Abschluß des Abends versammelte man sich an weihnachtlich gedeckten Tischen, um bei Kaffee und Kuchen zwanglos zusammen zu sein. Den Mitarbeiterinnen der Nähstube brachte das Cbttstbind ein kleines Geschenk in Gestalt eines Nahkörbchens mit Gebäck gefüllt.

Pfarrer Veit tritt in den Ruhestand.

WSR. Frankfurt a. M.. 24. Dez. Der in weiten Kreisen Frankfurts geschätzte Predigerder St. Katharinenkirche und weit über Frankfurts Grenzen hinaus bekannte Pfarrer Willy Veit tritt am 1. Mai k. 3. wegen Krankheit in den Ruhestand. 27 Jahre lang hat der jetzt 60 Jahre alte Pfarrer auf der Kanzel der Katharr- nenkirche mit seiner packenden Beredsamkeit ge­standen. Die Freunde Pfarrer Veits hoffen, daß er in seinem Ruhestand sein Werk der Darstellung des Inhaltes seiner religiösen Verkündung fort­führen und vollenden kann. Von dem beabsich­tigten vierbändigen Werk ist ein Band erschienen: Ter Gitthei lebendiges Kleid".

Festnahme

eines Oarlehnsvermittlungsbeirügers.

Einbrecherkleeblati festgenommen.

WSR. F r a n k f u r t a. M., 24. Dez. Kürzlich wurden von der Frankfurter Polizei zwei Einbrecher und deren Dräute fest- genommerl. Die beiden Einbrecher haben hier unangemeldet gewohnt. Dis jetzt konnten ihnen drei schwere Einbrüche nachgewiesen werden. Ein Teil der entwendeten Sachen konnte noch vorgefunden werden, während der größte Teil verkauft bzw. von den Tätern mit ihren Dräuten verbraucht worden ist. Als Täter kom­men in Betracht der 24jahriae Heinz Sievert aus Hannover und der 28jährige Fritz R ü r n - berger aus Frankfurt.

in die Dereinsbücher, sowie -und 31000 Mark Getreidelieferungen nicht in die Konto­bücher eingetragen und auf die Einzelkonten ver-- teilt hat. Durch die Kontrolle war festgestellt worden, daß rein bilanzmäßig ein Fehlbetrag von 90 000 M k. vorhanden war. Die Buch­führung war außerordentlich lückenhaft und ge­nügte in keiner Weise den gesetzlichen Bestimmun­gen. Die Ehefrau des Angeklagten D i e t o r stand unter der Anklage der Urkundenfälschung, wäh­rend die Vorstandsmitglieder der Raiffeisenkasse Wickert und Siebert sich des Betrugs schul­dig gemacht haben sollten.

Zauberland der Kinderzeit

Unpolitischer Brief aus der Neichshauptstadt.

Die Ursachen dieser Krise sind seit langem all- grme.n bekannt: Ausnahmeunfähigkeit desHolzmarktes für den b-etriebsplanmäßigcn Einschlag: Holzprsife, die 40 bis 50 Prozent unter dem Borkvieg:stand liegen-, Unkosten, die den Frie­dens fta-nd um ein Vielfaches übeiftoigen.

Der Hessische Walübesitzeroerband ist nach gewissen­hafter Prüfung des Zahlenmaterials über die Be- t rieb sergeb nisse angeschlossener Forstbetriebe im Frieden und in der Nachkriegszeit zu dem Ergeb­nis gelangt, daß mangels Preisstützung durch E.n- fuhrbeschränkung zur Behebung der Watdwirtschafts- knise unverzüglich folgende Maßnahmen ge­troffen werden müssen:

1. Herabsetzung und Neugestaltung der Fracht­sätze für Holz durch die Re.chsbahngesellschaft oder Entlastung der Waldwirtschaft durch angemessene Vergütungen auf unwirtschaftliche Tarifsätze durch das Reich: .

2. allgemeine Verminderung der steuerlichen Belastung der Waldwirtschaft über de im Rahmen der steuergesetzlichen Billigkoitsoorschriften möglichen Erlässe und Stundungen hinaus-,

3. Regle m ent i e r u n g des Einschlags der staatlichen For st Verwaltungen, durch die ein preispolitisch unvertretbarer Druck auf dem Holzmarkt verhindert wird:

4. Umwandlung h o ch v e r z in s li ch e r Kurzkredite in langfristige, tilgbare zu einem wirtschaftlich tragbaren Zinsfuß: Ausgestaltung eines den besonderen Verhältnissen der Waldwirtschaft an- gepaßten Realkredits: Eröffnung eines den wirtschaft chen Bedürfnissen der Waldwirtschaft an­gepaßten Personalkredits.

Der Hessische Waldbesitzerverband erwartet na­mentlich auch im Hinblick, darauf, baß ihm die Herbstnotoerordnungen des Vorjahres und dieses Jahres keine bemerkenswerten Erleichterungen brin­gen konnten und gebracht haben, daß

Mittel und Wege gefunden werden, die die Ge­fahr des Zusammenbruchs, die infolge der zu­nehmenden Verluste und des Mangels an baren Betriebsmitteln für die gesamte nichtstaatliche Waldwirtschaft in unmittelbare Nähe gerückt ist. in letzter Stunde abwenden.

Er spricht die dringende Ditte aus, daß das. Er­forderliche unverzüglich in die Wege geleitet wird."

Tagung des Hessischen Waldbescherverbandes

Vier Forderungen zur Behebung der Waldwirischastskrise.

aufgepflanzt hatten. Ich glaube, sie waren durch die Dunkelyeit verstört und suchten herauszugelan­gen: dadurch aber nahmen sie mir die Möglich­keit des Entkommens. Man kann wohl einem Löwen, bisweilen auch einem Tiger, nie aber Bären trauen."

Verwegene Flucht ausSing-Sing".

Eine verwegene Flucht ist, wie aus Aeuyork berichtet wird, zwei Insassen vonSing-Sing" aus dem für ausbruchsicher gehaltenen neuen Teil des bekannten amerikanischen Zuchthauses gelun­gen. Bei dichtem Rebel und Regen wählten die beiden Gefangenen, der zu dreißigjähriger Strafe wegen Einbruchs verurteilte William Sutton und der eine zehnjährige Strafe wegen schwerer Kör­perverletzung abbühende John Egan, die frühen Morgenstunden der Winternacht zu ihrer wohl- vorbereiteten Flucht. Sie hatten zwei Zellen an entgegengesetzten Enden der vierten Reihe des ganz aus Stahl und Zement errichteten neuen Bauteiles inne. Mit einer heimlich eingeschmug­gelten Säge sägten sie die unteren Riegel durch, machten aus den Bettüchern eine Puppe, die sie, um den Wächter zu täuschen, an ihrer statt ins Bett legten, und schlichen sich in das Dachgeschoß des Hauses, wo sie sich bis zum frühen Morgen verbargen. Dann wählten sie den Zeitpunkt, um in den Kühlraum zu gelangen, so, daß sie mit keiner der Wachtrunden zusammenstießen: hier überwältigten sie den die Aufsicht führenden, we­gen guter Führung mit diesem Amt betrauten Sträfling John Tytsch und fesselten ihn mit einer elektrischen Leitungsschnur, die sie sich aus der daneben liegenden Gerätekammer geholt hatten. In dem gleichen Raum fanden sie auch zwei Lei­tern von drei Meter Länge, die sie zusammen- banden. Mit ihrer Hilfe erkletterten sie die äußere Mauer an einer Stelle, wo keine Wache vorhan­den war. Von da ließen sie sich an einem Seil auf die Straße herab, bevor es dem gefesselten, Tytsch gelang, sich seiner Bande zu entledigen und telä>honifch Hilfe herbeizuholen. Wan glaubt, daß die beiden Ausbrecher die Säge, die chnen ihre waghalsige Flucht ermöglichte, von einer Frau erhalten haben, die sich am Tage vorher in Sing-Sing eingefunden und als Ehefrau des einen Gefangenen ausgegeben hatte: sie hat hier eine Adresse angegeben, die sich später als falsch erwies.

Oie polar-Medaille.

Der König von England hat 14 Mitgliedern der britischen arktischen Luft-Expedition von 1930 und 1931 die Polar-Medaille bewilligt. Diese achteckige Medaille wird an einem roten Band getragen: es ist eine seltene Auszeichnung, die im Jahre 19)4 von ig E.uard VI-. nach der S ott- Expeditton zum Südpol geschaffen wurde. Die Kö­nigin Viktoria hatte im Jahre 1857 eine Medaille für die Mitglieder der Polar-Expeditionen von 1818 bis 1855 und im Jahre 1878 eine zweite Me­daille für die Mitglieder der Expeditionen von 1875 und 1876 gestiftet.

Schreckliches Erlebnis im Bärenkäfig.

Furchtbare Minuten erlebte der Tierbändiger Ianesco, als bei einer der letzten Vorführungen in einem Londoner Variete plötzlich das Licht er­losch, während er sich mit sechs Eisbären im Käfig befand.Es war die längste Viertelstunde mei­net Lebens", so schildert der dem Tode Entron­nene das schreckliche Erlebnis in einem Londoner Blatte.Bären sind unter allen wilden Tieren die gefährlichsten. Es ist ganz gleichgültig, wie gut man sie behandelt, man muß doch immer ge» wärtig sein, daß ihre wilde Ratur zum Durchbruch kommt. Ich lasse niemals meine Augen von ihnen während einer Vorstellung, und ich war aufs äußerste erschrocken, als plötzlich die Lichter aus­gingen. Ich fühlte, wie die Tiere sich im Dun­keln an mir rieben und wußte, daß wenn em« mich auch nur im geringsten kratzte und dadurch Blut flösse, sogleich die ganze Schar sich auf mich stürzen und es mit mir aus sein würde. Die ein­zige Verteidigungswaffe, die ich besah, war eine kurze Peitsche. Ich kam mir vor wie ein Mann in einem untergehenden Schiff, denn ich war mir bewußt, daß mein Leben an einem Haar hing. Meine Glieder wurden schwer wie Blei, aber ich muhte mich ganz still verhalten. Einer der Daren zerriß mein Beinkleid, verletzte mich aber glück­licherweise nicht. Don einem Fenster kam ein schwacher Lichtschein herein, durch den ich die grünen Augen und weihen Felle der Tiere erken­nen konnte. Aber ich wußte wohl, daß sie mich sehr gut sahen, da Daren im Dunkeln besser als bei Licht sehen. Endlich brachte ein Angestellter einige Lampen. Es zeigte sich, daß sich zwei der größten Bären gerade vor der Tür des Käfigs

Die diesjährige Hauptversammlung des Hessischen Waldbesitzerverbandes fand bei zahlreicher Beteiligung in Frankfurt a. M statt.

Aus dem geschäftlichen Teil ist hervorzuheben, daß der M i t g l i e d e r b e i t r a g u m 2 0 P r o - z e n t gesenkt wurde. Der seitherige Sterbanbs» ausschuß wurde wiedergewählt unb der Voran­schlag für 1933 genehmigt.

Nach einem Referat des Forstmeisters Scheel (Braunfels) überFreiwilliger Arbeits­dienst im Privatwald" äußerte sich der Präsident des Landesarbeitsamts Frankfurt a. DL, Dr h c Engler, eingehend zu diesem Thema und erklärte, daß man Anträgen des Privatwaldbesitzes gegenüber nicht engherzig jein werde.

Es folgte ein Vortrag des Pvivatdozenten Dr. Mörath (Darmstadt) überBedeutung der Holz for schung für di« heutig« Technik u n d F o r st w i r t s ch a f t".

In längeren Ausführungen verwies sodann Kammerdirektor Noll (Lauterbach) auf die

außerordentliche Notlage des Gemeinde- und Privatwaldbesitzes.

die zu einer Katastrophe führen müsse, wenn nicht unverzüglich Abhilfemaßnahmen seitens der Regierungen des Reiches unb der Länder getroffen würden. Einstimmig faßte die Versammlung folgende

Entschließung:

Die im Hessischen Watdbesitzerverband zusammen­geschlossenen Gemeinden und Privatwaldbesitzer hal­ten sich, nachdem sich di« Hoffnung der deutschen Waldwirtschaft auf Beschränkung der ausländischen Holzeinfuh anscheinend nicht erfüllt hat, angesichts der Verschärfung der Waldwirtschaftskrise und der immer mehr zunehmenden Unrentabilität ihrer Forstbetriebe für verpflichtet und berechtgt, die Aufmerksamkeit aller deutschen Wal'dbesitzer und Waldbesitzerverbände, des Reichsoerbandes deutscher Waldbesitzerverbände und des Reichsforstwirtschafts. rate, der Landwirtschastskammer, Lr zuständigen Landes- und Reichsministerien und r Oeffentläch- feit auf die Tatsache zu lenken, daß

die seit Jahren mit Verlust arbeitende Wald­wirtschaft vor dem wirtschaftlichen Zusammen­bruch steht.

H^bi Mitleid mit überflüssigen Tieren!

Der Gießener T i e r s ch u h - V e re i n , Henselstraße 10, schreibt uns:

Wer in vielem Winter die Mittel für Steuern und Futter seines Hundes nicht aufbringen kann, erweise ihm die Gnade, ihn rasch und schmerzlos töten zu lassen, stakt daß das Tier Hunger leiden muh. Keinesfalls gebe man ihn in zweifelhafte Hände, selbst wenn es eine Kleinig­keit an Geld einbringt, oder jage ihn vo-n Hause fort. Heutzutage nimmt weniger denn je jemand einen fremden Hund auf. Das Tier verkommt elend, oder muß meist doch getötet werden, wenn es ihm gelingt, sich einem Herrn anzu- schliehen. w t,r.

Das gleiche gilt für K a tz e n. Auch überzählige Katzen werden am besten sachgemäß getötet. Her­renlose Tiere kommen um, oder werden aus Rot schreckliche Vogelräuber.

Daten für Dienstag, 27. Dezember.

1525: der italienische Kirchenkomponist Giovanni Pierluigi da Palestrina geboren; 1571: der Astronom Johannes Kepler in Weil der Stadt (Württembergs geboren; 1822: der franzö­sische Chemiker Louis Pasteur in Dole geboren: 1890: der Altertumsforscher Heinrich Schlie­mann in Reapel gestorben.

2>ornonzcn.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Als 13. Vorstellung im Diens­tag-Abonnement heute 19.33 Uhr, Wiederholung der Operette3m weißen Rößl". Operettenpreise. Ende 22.30 Uhr. Moraen Mittwocy als 12. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement, ebenfalls Wiederholung der Operette3m weißen Röhl", in der Besetzung der Erstaufführung. .Operetten­preise. Spieldauer von 19.30 Uhr bis 22.30 ülhr. Freitag, 30. Dezember, als 12. Vorstellung im Freitag-Abonnement, letzte Aufführung des SchauspielsDer Dieb" von Dernstein. Anfang 20' Ufjr, Ende 22 Uhr. Gewöhnst ;e Preise. Zu Silvester meldet der Spielplan die Erstauf­führung des SchwankesStöpsel", von Arnold und Dach unter der Spielleitung von Peter Fassott. Die Vorstellung ist außer Abonne- ment und zu ermäßigten Preisen. Spieldauer von 20.15 ilfjr bis 22.30 Llhc.

** 3n den Ruhestand versetzt. Auf Grund des Altersgrenzegefetzes tritt am 1. Fe­bruar 1933 der Oberreallehrer bei der Zellenstraf­anstalt Butzbach, Friedrich Joseph Grohe, in den Ruhestand. r . ... .

** Ein kleiner Zimmer brand entstand am Samstag gegen 18 Uhr in einem Seitenbau auf dem Pachtgrundstück des Landwirts Hen­necke (früher Gottmann), Marburger Straße. Dort war in der Leutewohnung ein nahe dem geheizten Ofen stehendes Bett angebrannt, wobei der Strohsack in Flammen aufging. Die alar­mierte und rasch herbeigeeilte Feuerwache brauchte nicht in Tätigkeit zu treten, da der Brand mitt­lerweile von den Grundstücksbewohnern gelöscht worden war.

träum wird erfüllt, wir haben das Reich der Wirk­lichkeit verlassen, wir stehen nicht mehr in der Friedrichstraße, sondern im Zentrum der Phan­tasie, aus der Aladins Wunderlampe geboren wurde, wo der Aberglaube wuchert, dessen liebstes Kind das Wunder ^ist. Und betritt man nun, einen Preife-Ausweis vorzeigend, diesen hübschen Laden, so entfaltet sich erst recht das ganze Za ub erlaub der Kinderzeit, aber in einer magischen Vollendung, die wir damals nicht für möglich gehalten haben. Denn schon ist der Herr Zaubermeister auf eine Art Bühne im duftem Hintergrund des Ladens gestiegen Rocht muß es sein, wo seine Sterne strahlen auf eine Bühne, die noch von 1880 her hier zu stehen scheint: sie ist behängt mit Sofitten als Kulissen, sie glitzert von Sternchen unb Tierbiidern, alles schillert, funkelt, sprüht aus dem Hintergründe von schwarzem Samt, unb es ist überaus herrlich.

Der Meister aber zaubert, eine ganz kultische Angelegenheit. Er ist einer von denen, die aus einem winzigen Etui, das er leer vorzeigt, eine ganze Hand voll Goldstücken herausholen, er ver­steht auch das Kunststück mit der. Nickelschatulle, der er ganze Blumenguirlanden heroorkilM, er kann alles, was man auf den großen Bühnen sieht aber in dieser Atmosphäre, zwischen diesen Wän­den, die mit allerlei Geheimnisvollen bestellt sind, wirkt jein Spiel doch bedeutend stärker und sozu­sagen magischer. Um diese Bühne schwebt nämlich noch ein Stück Vergangenheit, da sind die Makartsträuße und die vielfach gerafften Dra­perien mit den Ritterwaffen unb die Paneele mit den altdeutschen Humpen, die einst unsere Wände zu verkleiden pflegten, und am Fenster hing die altdeutsche Butzenscheibe mit dem Trompeter von Säckingen:Behüt dich Gott, es war so schön gewesen ..." blies er natürlich, umb von feinem Instrument hing bie Fahne mit einem Wappen, und im Hintergründe ahnte man den Burgturm mit dem dazugehörigen Fräulein Margarete .. -

Der Meister zaubert ... aber man ist nicht mehr bei der Sache, man hängt dieser Welt nach, die mit diesen merkwürdigen Dingen versank, mit den Mo- kartsträußen und den Rittechumpen: das alte Bür­gertum der Zeit, bie zwischen bem Säckinger Trom­peter unb bem Jugendstil gelegen hat. Wir haben neulich im Sommer in Oslo ein Zimmer gesehen, das ungefähr aus dieser Zeit kam, das Arbeitszim­mer, an dessen Tür ein kleines Messingschild stand: Dr. Henrik Ibsen. Das war, o Grausamkeit, in einem Osloer Museum. Ja, diese Zeit ist schon Geschichte geworden, aber es scheint jetzt, sie werde nun erst museumsreif, da sich die Jugend von heute keine Zauberkästen mehr wünscht.

Wenn manreichlich benebelten unb verschwom­menen Gemüts wieder auf die Straße kommt, hat man so etwa die Empfindung: die Erde hat mich wieder ja, die Straße hat einen wieder gepackt, die Wirklichkeit. Es scheint, wir haben uns lange beim Meister aufgehalten: seltsam, bei ihm fragte man nicht nach der Zeit, und inzwischen haben sich die Nebel verzogen, und die Friedrich­straße liegt in der schönsten Mittagssonne, unb es ist, als wollte diese Helle schon das neue Jahr mit einem flutenden Licht einleiten ... A.

** Äusfuhrbescheinigungen für Kar­toffeln, Pflanzen usw. Die Hessische Haupt- jtelle für Pflanzenschutz Gießen schreibt uns: Ver­zögerungen in der Ausstellung der Bescheinigungen für die Ausfuhr von Kartoffeln, Pflanzen usw. sind nur dadurch zu vermeiden, daß die Exporteure möglichst schon bei der Bestellung der Erzeugnisse, spätestens aber bei der Verladung der Sendungen alle erforderlichen Unterlagen unb Angaben bei- bringen. Bei Kartoffelsendungen, die nach Italien ausgeführt werden sollen, ist auch die Angabe des Inhabers der Einfuhrermächtigung unbedingt nö­tig. Die mit der Pflanzenbeschau beauftragten Hauptstellen für Pflanzenschutz und Sachverständi­gen sind strengstens angewiesen, keine Zeugnisse auszuhändigen, bevor nicht die erforderlichen An­gaben darin vollständig eingetragen sind.

** Der Allgemeine Deutsche Frauen­verein hatte wie man uns berichtet am

Unter allen Bekannten und Familien fragten wir nach: Wünscht sich von euern Jungens keiner einen Zauberkasten mehr? Ach, sagten sie, einen Zauberkasten, beileibe nicht, wir leben doch in einer aufgeklärten Epoche! Oder: Dieser Unfug, das zer­brochene Zeug liegt hernach herum und beschwert die Wirtschaft, wer wünscht sich heute einen Zau­berkasten! Man erlaubte sich daraus hinzuwei­sen, daß wir doch selbst als Jungens gezaubett hatten, wir langten uns sogar einen Band von Hans Carofja aus dem Schrank unb zeigten es gedruckt vor, wie stark der Carosfa-Junge durch diese schwarze Magie beeinflußt worden sei, aber die Skeptiker lächelten: Wandlung der Wettan- schauung! .

So berührte es ganz befreiend, als man in die­sen Tagen an einer Litfaß-Säule las: auber­lösten von 1 bis 3 0 0 Mark." Dazu war ein Laden in der Friedrichstraße genannt: ,Lum Zauberkönig". Also das gab es immer noch! Es war ausgemacht, daß man den Zauberkönig be­suchen würde.

Schon stand man an einem dieser grauen Vor­mittage, an denen der Nebel im Schacht der Fried­richstraße hängt, wenn die Läden unb Geschäfts­räume Licht brennen müssen und es beinahe ist wie in London ... also an einem so heimlichen Vormittag, an dem man sich vorkommt wie in Watte gepackt, standen wir vor dem Schaufenster des Zauberkönigs, der die Zauberkästen von 1 bis 300 Reichsmark zu oertaufen hat, und erinnerten uns der Weihnachtswunschyettel, auf denen stand: Etwas für den Zauberkasten", und wir hätten so­gleich das ganze Fenster ausrauben mögen, denn hier lag nicht Etwas, hier war das ganze Zauber- reich versammelt: zunächst in der Mitte derAegyp- tische Totenschädel", dieWahrsagenden Karten , dasVerzauberte Ei", hänfene Stricke:Der gor­dische Knoten" oderDie mysteriösen Ml ein , bann dasGeld, das sich vermehtt", dieKaraffe füllt sich mit Wein", und so weiter, und alles u>ar eingewiegt und eingebettet von einer Riesenschlange aus papiernen Blumen, die sich aus einer Nickel­hülle durch das ganze Schaufenster ringelten:Der siamesische Blumengarten."

Ja, das erfreut einen doch, hier ist bie ganze Wunderwelt der Kindheit noch einmal in überwäl­tigender Fülle ausgeschüttet: hier liegen auch die ,Lauberkästen", unb sie scheinen noch ganz genau so wie damals: die Behälter aus Pappe -mit Den vielen kleinen Abteilungen, deren jede einen höchst merkwürdigen und seltsam geformten Gegenstand enthält. Da haben wir zum Exempel den Zauber- jtab, ohne den es niemals abging, ober den. ge­heimnisvollen Dolch, den man sich in bie Hand stechen kann, ober bie magische Kugel, bie an einem Faden entlang gleitet und auf Befehl eines Herrn aus dem Publikum anhält, hier ist der gelbe Be­cher mit dem roten Holzei, das man verschwinden und erscheinen lassen kann, hier liegen auch die beiden Blechbecher, von denen man einen durch den andern fallen läßt, oder bie eisernen Ringe, die die wetten Damen und Herren auf ihre Halt­barkeit prüfen können unb die man bann doch zu einer Kette vereinigt ... es ist alles noch vorhan­den, unb es fehlt gar nichts.

Die Naturgesetze sind aufgehoben, jeder Wunjcy-

Frankfurt a. M., 24. Dez. (WsN.) Ein ganz gerissener Darlehnsbetrüger konnte in der Person des 35 Jahre alten Kaufmanns August Steinbach von der Kriminalpolizei f e ft ge­nommen werden. Steinbach wurde auch von der Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. gesucht. Er gründete hier in Der Mddastraße den Kapital- nachweis A. Steinbach. Das Geschäft war groß aufgezogen, unb es haben sich viele Darlehns- sucher an Steinbach gewandt. Nachdem die ersten Anzeigen gegen die Firma eingegangen waren, änderte Steinbach seine Firmenbezeichnung in Kreditgesellschaft m. b. H. um. Als Geld- geb er selbst ist Steinbach nicht aufgetreten, sondern nur als Vermittier. Geldsuchende erhielten von Steinbach Adressen nachgewiesen, jedoch wurden diese nur per Nachnahme unter 25 b i 5 40 Mark an die Darlehnsnehmer gefanpt. Diese mußten dann feststellen, daß die nachgewiese­nen Adressen durchweg faul waren.

Oaö Urteil

im Schlierbacher Haiffeisen-Prozeh.

WSA. Schlierbach, 24. Dez. Rach fünf­tägiger Verhandlung verurteilte das Marbur­ger Große Schöffengericht. das in Schlierbach tagte, den Rechner der Schlierbacher Raiffeisenkasse Jakob Dietor wegen fortgesetz­ter Unterschlagung und Untreue zu 2 '. 2 2 ahren Gefängnis. Von der Anklage der fortgesetzten Dücherfälfchung wurde er freigesprochen. Die Ehefrau des Vietor wurde an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 10 Tagen zu 30 M k. Geldstrafe verurteilt. Die Angeklag­ten Wickert und Siebert wurden wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. 2m Laufe der Verhandlung, zu der 50 Zeugen ge­loben waren, wurde festgestellt, daß der Angeklagte Victor etwa 4500 Kassenposten nicht