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27/12/1932 Frühausgabe
 
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Ruhiges Weihnachtsfefl

eine am Sonn>

Aus aller Welt

wie

Einsiedler im hohen Norden.

Ruhestätte zr

Hozelton. 1)1

politischer Vereinigungen. Lediglich tagabend in Moabit tagende Versammlung eines ..Naturwissenschaftlichen Vereins" erwies sich als

In der Reichshauptstadt.

Berlin, 26. Dez. (SU.) Die Weihnachts- feier tage verliefen in der Reichshauptstadt in völliger Ruhe. Der Reichspräsident ver­brachte, wie vorgesehen, die Festtage im eng­sten Familienkreise. Reichskanzler non Schleicher hat das Weihnachtsfest in Ber in verbracht. Auch die übrigen Reichsminister sie­ben größtenteils, bis auf den Reichsauhen- minister und den Reichsernährungsminister, in der Reichshauptstadt. Irgendwelche politischen Er­eignisse sind im Gegensatz zu manchen früheren Jahren der Nachkriegszeit nicht eingetreten. Da die Bestimmungen über den Burgfrieden noch in Kraft sind, unterblieben auch Kundgebungen

keine warme Mahlzeit mehr bereitet wer­den konnte. Eine Woche lang muhten sich bie Leute von Schiffszwieback und von Maisbrei nähren, den der Koch aus dem der Ladung entnommenen Mais bereitete.

Schweres Bergwerksunglück am Heiligabend.

erst jetzt gemeldet wird, hat sich in einer

nicht allzusehr lächeln: denn auch das ist Tra­dition. Wie sollte man sonst die Mütter, die sich kein Kinderfräulein leisten oder von ihren ver­götterten Lieblingen nicht trennen können, in die Oper bringen? Es ist gar nicht gesagt, daß die Darsteller an solchen Nachmittagen indigniert dar­auf verzichten würden, ihr Bestes zu geben. Lind wenn mitten im Waldweben Kindergeschrei er­tönt, va bene, wir sind im Süden, den Eltern ist es die schönste Musik.

Dann wird sich auch die unsterbliche kleineFrau Schmetterling" von Puccini einer Neueinstudie­rung erfreuen und die unvergleichlichen Lichthori­zonte der römischen Bühne heraussordern. G i g l i singt in derGioconda" und inRigoletto". Humperdinck ist wieder da mitHänsel und Gretel", Gluck mitOrpheus". Volpi bleibt derTroubadour" Vorbehalten, M a s c a g n i wird mit seinerCavalleria" dauergeehrt, geht es ihm doch geburtstäglich wie Hcruptmairr. Der Barbier von Sevilla" undCarmen" leben auch noch.

Man greift gerne zu Generationen, die alles hinter sich haben, denn dem Reuen setzt der- «cr ,^stges Vorurteil entgegen. Eine einzige Uraufführung also:Farsa amorosa von Zan - o o n a i, eine römische Erstaufführung:Palla dei arinuzzi. Marinuzzi führt na­türlich dabei den Dirigentenstab, während er sonst zwischen Antonio Guarnieri, San- tlnl und Teofilo de Angelis wechselt. Ber- nardo Molinari regiert nicht, wie man oft im Ausland hören kann, in der Königlichen Oper, sondern im Augusteum, wo er in diesem Konzert- tointec eine ungemein klangreiche Aussprache mit 2"chard Strauß, Dimitri Mitropoulos vom Rationalkonservatt rium in Athen, Clemens Krauß von der Wiener Philharmonie und an­deren internationalen Kämpen haben wird.

G. W. E.

Hochfchulnachrichten.

..Di« Gesellschaft der Wissenschaften zu Göt- tlngen hat in ihrer letzten Sitzung zu Korre- spondlerenoen Mitgliedern gewählt: In der Philologisch-Historischen Klasse: Dr. Arthur Haseloff, Professor der Kunstgeschichte in der Mathematisch-- Physikalischen Klasse: Dr. Peter Paul Ewald, Professor der Theorettschen Physik in Stuttgart: Professor Dr. Ernst Kohlschütter, Direktor des Preußi. scheu Geodätischen Instituts in Potsdam: Dr. Hans Schneiderhöhn, Professor der M> neralogie in Freiburg i.Br.

das Andauern der politischen Schwierigkeiten, das sich im letzten Jahr gezeigt habe, wurde vom Papst lebhaft beklagt. Vor der Ansprache des Papstes hatte ihm das Kardinalskollegium seine Weihnachtsglückwünsche dargebracht.

Der König von England spricht im Rundfunk.

London, 26. Dez. (TLl.) König Georg hielt am Weihnachtstage von seiner Residenz San­dringham aus eine kurze Ansprache über den neuen Weltreichssender in Daventry, in der er den 400 Millionen britischen Staatsangehörigen in der ganzen Welt ein frohes Weihnachts- fcst wünschte. Der König sprach von der enge­ren Verbindung der britischen Staa­ten, die durch den Rundfunk noch fester geknüpft worden sei. Die Zukunft werde den Staaten wahr­scheinlich manche schwere Probe auferlegen. Die Vergangenheit habe jedoch gelehrt, wie man sie be­zwingen könne. A lle britischen Staatsangehörigen seien im gegenwärtigen Augenblick in gleicher Meise verpflichtet, fürVernunftundRuhe innerhalb der Grenzen des Welt­reichs zu sorgen, um die Wohlfahrt wieder zu gewinnen und diejenigen mitzuziehen, die die Last der letzten Jahre entmutigt habe.

Römische Oper.

Rach einem unerforschlichen Ratschluß öffnet dos Teatro Reale dell Opera in Rom seine Pfor­rn erst dann, wenn anderswo die Saison ihren Höhepunkt schon erreicht oder überschritten hat: am zweiten Weihnachtsseiertag. Dafür schließt es erst unter dem glühenden Druck des Himmels, spät im Mai.

Eine weitere, allerdings jüngere, an die na­tionale Wiedergeburt anknüpfende Tradition ver­langt, daß mit einer opera italianissima eröffnet toirö. Heuer ist es derMacbeth" von Verdi. .Un^> billig. Aber daß im Wagnergedenk-

deutsche Meister nur mitSiegfried" kommen soll, will den Römern nicht recht . rmn?1* 'br Magnerhunger ist gegenwärtig unstillbar und immer noch im Wachsen. Das hat man jüngft Im Augusteum erlebt, wo der Totge- - > An jungen Amerikanismus mit einer Wucht nlederstreckte, die man in einem anderenRing" \ber3«i$n«t hätte. Immerhin, wir sind dankbar, denn es darf Sm Aufführung gerechnet wer-

ulcht gerade hingehen.

?a8 letztemal dieGötterdämme- Sr0Ris 8 Äll^tt>orgeIIung gegeben wird. Kin- der bis zu sechs Jahren freien Eintritt. (Bitte

Ein wenig bekannter Kultur-Vorposten im hohen -Horben sind die Stationen der Yukon-Telegraphen- Gesellschaft in Nordkanada, die sich über ein Gebiet von 3000 Kilometer erstrecken. Die Telegraphen­tangen sind hohe Bäume, und die Aufgaben ber- Beamten werben im Winter durch Schneeverwehun­gen gehindert, die manchmal bis 10 Meter sich aufturmen Außer der Hauptstation zu Ashcroft in -ontisch-Columbien gibt es im Polarkreis zahlreiche Unterstationen, die als Hütte Nr. 1, Nr. 2 usw. be­zeichnet werden. Wie aus Vancouver berichtet wird hat einer der Beamten, I. T. Phelan, ber kürzlich starb, den Rekorb eines 30jährigen Wirkens m biefem Gebiet aufgestellt. Wenn auch ber Dienst sehr anftrengenb ist, so ist doch das Klima gesund, und selbst bei den schwersten Influenza-Epidemien ist unter den Yukon-Telegraph.sten niemals ein Krankheitsfall vorgekommen. Dafür leben sie als Einsiedler in ber Polarwelt, beren einzige Zer­streuung bann besteht, bem Runbfunk zu lauschen oder telegraphisch miteinander Bribge zu spielen Bei ber Jnstanbhaltung bes Netzes fehlt es nicht an aufregenden Abenteuern, besonders bei Begeg­nungen mit Grizzly-Bären. Der Beamte von Hütte Nr. 5 traf auf den ersten Grizzly ganz in ber Nähe feiner Behausung, als er sich auf der Entenjagb befanb. Da das riesige Tier plötzlich vor^ihm auf­tauchte, gab er mehrere Schüsse ab, ließ dann die Flinte fallen und stürzte in seine Hütte zurück Ein Kollege fand dann den Bären tot über ber Flinte liegen .Ein großer Granitstein schmückt bie letzte Ruhestätte zweier Beamten auf dem Friebhof von Hazelton. Der eine starb ganz unerwartet unb wurde von einem Kollegen, ber seinen Spuren folgte, im Schnee aufgefunden. Dieser trug den ver- eisten Körper, von Wölfen unb Coyoten umheult, nad) der nächsten Station. Ein anderer sandte zwei Morgen feinen Wetterbericht. Sein Kamerad in der nächsten Hütte legte 50 Kilometer auf Schneeschuhen gurucf, um nach ihm zu sehen. Er begegnete einem Indianer, der ihm auf die Nachfrage sagte:Lange u'cht gesehen, denke, daß er mamalee (tot)". Er fand Öen Kollegen auf seinem Lager mit gekreuzten Ar- men verschieden vor: neben ihm auf dem Tisch lagen drei versiegelte Briefe, einer an seinen Kame- raben der andere an seinen einzigen Bruder in den Vereinigten Staaten und der dritte an ein Edchen in Vancouver, die er nach dreijährigem Dienft bei seiner Rückkehr in dieWelt" zu heiraten gehofft hatte.

nick an ber Neudadelsberger Sternwarte in Ver- binbung mit den fpektroskvpvschen Ergebnissen ge­stattete den Schluß auf bie absoluten Maße des Systems Dabei ergab sich, daß ber rote Hauptstern 3U_. den Uebergiganten gehört. Sein Durchmesser be­tragt bas 252fad)e des Sonnendurchmessers, so baß es trotz seiner relativ niedrigen Temperatur von 3000 Grab die Sonne an Leuchtkraft um das 2400- fache übertrifft. Der Begleiter ist zwar achtzigmal kleiner als der Hauptstern, also im Durchmesser nur" dreimal so groß wie unsere Sonne, ersetzt aber durch sehr hohe Oberflächentemperatur, die bei 15 000 Grad liegt und enorme Strahlung, was 'hm an Größe abyeht. Er ist 420mal Heller als die Sonne, ber Oberflächentemperatur rund 6000 Grad betragt. Sehr bedeutend ist auch bie Masse, bie bas Doppelsternsystem in sich vereinigt, da dem Haupt­stern 29, bem Begleiter 12 Sonnenmassen zukom­men. Seine Entfernung beträgt 1100 Lichtjahre ober runb 10 000 Billionen Kilometer. Währenb er uns als Stern vierter Große erscheint und mit freiem Auge sichtbar ist, mürbe bie Sonne an feiner stelle nur ein Stern dreizehnter Größe fein unb nur in den größten Fernrohren als winziges Licht- punktchen erkennbar werden.

Zusammenstoß

zwischen Eisenbahnfähre und Schoner.

Die bänische EisenbahnfähreKorsar", mit Weih­nachtspassagieren bis auf den letzten Platz besetzt, stieß bei dichtem Nebel im Großen Belt mit einem großen dänischen Schoner zusammen. Der schöner wurde buchstäblich durchschnitten. Die Besatzung des Schoners, sechs Mann, konnten von der Fähre gerettet werben. Der Schoner Philipp" befand sich mit Kohlen auf der Fahrt nach Danzig. Der Schoner ist sofort unterqe- gangen.

Vier verletzte durch eine Ofenexplosion.

Am 1. Feiertag ereignete sich in der Wohnung des Arbeiters Elias in Weidenau (Land­kreis Gleiwitz in Schlesien) ein schweres Esplo- sionsunglück. Durch die Explosion von Kohlen- gasen flog in der Wohnstube ein von der daneben liegenden Küche aus geheizter Ofen in die Luft, too&ei die Wohnungseinrichtung in CB r a n t> geriet und die Fensterrahmen und Fen­sterkreuze herausgerissen wurden. Drei in der Wohnstube befindliche Personen wurden schwer verletzt und mußten in das Krankenhaus ge­bracht werden. Ein in der Küche spielendes Kind erlitt leichtere Verletzungen.

Sieben Kinder verbrannt.

Bei einem nächtlichen Brande in Birining - Ham kamen sieben Kinder einer Familie in den Flammen um. Die Ettern und das jüngste Kind erlitten schwere Brandverlet­zungen und wurden in ein Krankenhaus über­geführt. Drei Feuerwehrleute wurden ebenfalls verletzt.

Mißglückter Bombenanschlag auf den Simplen- Expreß.

Wie die griechische Staatsbahn mitteitt, wurde bei Djevdjelija (Gjewgjelü) in Süd slaw ien, di ch t an der griechischen Grenze, ein Bombenanschlag auf denS.mplon-Expreß" ver­übt. Die auf die Schienen gelegte Bombe explo­dierte jedoch vorzeitig und tötete einen ma­zedonischen Aufständischen (Komitalschi), während ein zweiter verletzt wurde. Der Lokomotivführer des Schnellzuges wurde durch den Feuerschein ^r Bombenexplosion aufmerksam und konnte den Fug rech tzeitig zum Halten bringen.

Linier den Fahrgästen entstand eine große Er­regung. Der verletzte Komitatschi ist unerkannt geflüchtet.

Brand in einem holländischen Irrenhaus.

3n einem Pavillon des Irrenhauses in Hel- loo in der Provinz Rordholland brach am Morgen des ersten Weihnachtstages ein Brand aus. In dem Pavillon befanden sich 100 Kranke, derer s ich größte Erregung bemächtigte. Den Be­mühungen des Pflegepersonals sowie der Feuer­wehr gelang es jedoch, sämtliche 100 Per­sonen in Sicherheit zu bringen. Der Pa­villon brannte vollständig nieder.

Ein seit VA Monaten vermißter SA.-Mann tot aufgefunöen.

Dom P olizeipräsidium Dresden wird mitgeteilt:Rachdern sich der Wasferstand der Talsperre Malter durch die Eisbil­dung gesenkt hat, ist am Montag unter Sand verborgen d i e Leiche des seit dem 4. R o-- vernber vermißten Rationalsozia- Nsten H ent sch zutage getreten. Die Leiche toar in Säcke gehüllt und diese waren mit schweren Steinen belastet. Die äußere Besich­tigung der Leiche hat gezeigt, daß Hentsch durch einen Schuh in die Brust getötet wor-- den ist. Hiernach steht nun einwandfrei fest, daß Hentsch einem Word zum Opfer ge­fallen ist. Die Kriminalpolizei hat inzwischen zu­sammen mit der Staatsanwaltschaft eingehende Ermittlungen angestellt, die für die Aufklärung des Falles wichtiges Material erbracht haben. . Im Interesse der älntersuchung kann jedoch hier­über zur Zeit weiteres nicht gesagt werden."

Abenteuerliches Schicksal eines jungen Russen.

Nnem 18jährigen Russen, der aus Indien aus- gew:esen worden war, wurde bei feiner Ankunft in Plymouth die Einreise-Erlaubnis nach Eng­land verweigert. Vor mehr als einem Jahr hatte er fein Heimatland berraffen. Z u Fuß legte er unter schweren Entbehrungen den lan­gen Weg über Persien und Belutschistan nach Indien zurück, wo er ins Gefängnis gewor­fen wurde. Jetzt soll er in feine Heimat zurück- befördert werden, wo ihm nach seiner Ansicht der Tod durch Erschießen sicher ist. Seine Hoffnung ist, daß es ihm gelingen wird, sich nach Lettland durchzuschlagen.

Zwei Schmuggler an der polnischen Grenze erschossen.

Auf der Roßberger Chaussee bemerkte bei Kattowitz ein Zollbeamter drei Personen, die Schmuggelware über die Grenze nach Polen schassen wollten. Da sie auf Anruf nicht stehen blieben, gab er einen Schuß ab, durch den einer der Schmuggler getötet wurde. Einer der bei­den, anderen Schmugier, zweier Brüder des Er­schossenen, griff daraufhin den Beamten an. In der Rvtwehr griff der Beamte abermals zur Waffe und verletzte den Angreifer tödlich.

Deutsche Musik in Italien.

3m Augusteum zu Rom dirigierte am ersten Weihnachtstag Richard Strauß den ersten seiner beiden Konzertabende mit derZauber- slöten"-Ouvertüre, der 2. Symphonie von Deet- hcven und seiner Suite aus dem Ballett Scylagobers". Der Beifall des zahlreichen Pu- blckums für den in Rom sehr beliebten deutschen Komponisten war äußerst achtungsvoll. Die Kritik betont w:e früher schon, daß Strauß fein Dirigent im e.genlttchen Sinne des Wortes sei, aber daß in seiner etwas unpersönlichen Wiedergabe den­noch der reine musikalische Gehalt der Korndo- Ntion klar zum Ausdruck komme. Die neue Är- lett von Strauß,' die Ballett-Suite sei gut ge­macht, entbehre aber der Erfindung und füge fernem rechen Schaffen nichts wesentliches hin- SU. D:e Opernspielzeit 1932/33 ist nach italienischem Herkommen am 26. Dezember, dem Stephanstag, in allen Städten gleich­zeitig eröffnet worden. Die Mailänder' Scala hat dieGötterdämmerung, das Carls-Theater von Reapel eine Neueinstudierung perOTe i ster si ng e r" und das Verdi°Theater in Triest dieWal küre" als Croffnungsvor- stellung gewählt.

Zeche bes kleinen Bergroerfffäbfdjens Mowcaqua bei Springfield im Staate Illinois (USA.) am heiligen Abend ein schweres Grubenunglück ereig­net Durch eine Explosion wurden in einem 300 Meter unter Tage liegenden Stollen 52 Berg­leute verschüttet. Die sich entwickelnden giftigen Gase verbreiteten sich saft über bas ganze Bergwerk. Dadurch werden die Rettungsarbeiten sehr erschwert. 3n den Stollen spielten sich furcht­bare Schreckensszenen ab. Bisher konnten neun Leichen geborgen werden. Es muß befürchtet werden, daß auch die übrigen 43 Berg­leute durch einstürzende Gesteinsmassen ober durch die giftigen Gase den Tod gefunden haben.

Das größte Warenhaus Barcelonas niedcrgebrannt.

3n den Mittagsstunden des ersten Feiertages brach im größten Warenhaus Barcelonas,El S i g l o, ein Brand aus, der bei dem herrschenden starken Wind bald riesige Ausmaße annahm. Die Löscharbeiten wurden dadurch außerordentlich erschwert, daß der Wasserdruck der Jener- sprihen sich als zu schwach erwies. Das ganze riesige Gebäude brannte bis auf bie Grund­mauern nieder. Der Sachschaden beträgt etroa 30 Millionen Peseten. Bei der Bekämpfung des Brandes wurden acht Personen verletzt, lieber 1000 Angestellte sind durch das Brandunglück brot­los geworden.

Sturmfahrt auf dem Atlantik.

3n Rotterdam traf der englische DampferC o - rinthic" ein, ber am 6. Dezember Montreal mit einer Ladung Mais verlassen hatte. Der Dampfer geriet auf bem Atlantik in einen orkanartigen Sturm. Vier Tage lang kämpfte bie Besatzung einen unermüblichen Kamps gegen die wütenden Elemente. Durch hohe Sturzseen wurde an Bord schwerer Sachschaden angevchtet: u. a. mürbe auch bie Ruderanlage beschädigt. Ein Ma­trose wurde von einer Sturzsee über Bord gespült. Zwei weitere Mitglieder der Besatzung erlitten Beinbrüche. E-ine zeitlang hatte die Be­satzung die Hoffnung auf Rettung schon fast aufge­geben. Besonders übel war die Lage auch dadurch, daß de r Proviant durch das Seewasser völlig verdorben war und in der Kombüse

Ein neuer Riesenstern.

Von Dr. Erwin Kvssinna.

Wohl kaum eine Wissenschaft hat durch Verbesse- rung ber Instrumente und Verfeinerung der Meß­methoden in ben letzten zwanzig Starren so enorme 6ortichr,tte zu verzeichnen, wie bie Astronomie, ^ternsysteme und kosmische Nebel von unfaßbarer Große enthüllen sich bem Blick des Forschers, wo °^r "ur durch ein Fernglas 9ar nichts ober höchstens einen schwachen Lichtschimmer sieht. Was wußte man noch oor einem Vierteljahrhunbert von Riesensternen? Die Erkenntnis, baß insbesondere die gelben und . außerordentlich verschiedener Leuchtkraft sind unb in zwei Klassen Riesen unb ~ Zerfallen, ist noch nicht alt. Unter den Riesensternen aber gibt es einige, bie durch ihre unb bie durchschnittlichen IRafje freier Krnsse von Sternen weit überragen Es |inb die fogenannten Uebergiganten, als deren

Vertreter Beteigeuze im Orion unb Antares im otorpion. Die Bestimmung der Durchmesser bie­der Sterne nt freilich auch mit Hilfe ber Inter­ferometer-Messungen bes Mount-Wilson-Observato- riums (Kaßfornien) nur angenähert möglich, ba bie größten Schwierigkeiten immer noch in ber Ermitt- Jung der Entfernung liegen. Nur bei einer Art von ^oppenternen, deren regelmäßiger Lichtwechsel da­durch hervorgerufen wird, baß ber Begleiter bei Um öen Hauptstern hinter bemfelben auch ohne Kenntnis ber ^jernung bie Dimensionen zu berechnen. Ein sol­cherBebeckungsveranberlicher" ist ber Doppel- fern Zeta im Sternbild bes Fuhrmanns in langem, baß dieser

Auae ä* der hellstrahlenben Kapella mit freiem ftern Ctn 'pektroskopischer Doppel-

kXttern6 unbenb aus./inem sehr großen roten y)auptjtern unb einem kleineren, in höchster Weiß- glut strahlenden Begleiter. Die periodischen Aenbe- be3 Gesamtlichts ließen auf

Mrtief ft, T J°hr-n »ch!

fließen. -Da man aber die Entfernung nicht kannte

Vb.e.r ,b'e Großenverhältnvsie dieses Dop' Erst dem aus Vermutungen angewiesen.

Zusammenarbeiten ber Ber- ra 1 öfc?IDatle in Neubabelsberg Äeb<^^aTnfaßTr Fkrnwarte ist es in diesem Äm50dS i'niH Dimensionen bes Doppelltern- 3 e ?<bariet'%rfn(r genauer festzulegen.

1.. Icha/l.e Erfassung bes Lichtwechsels durch die Photometrischen Messungen von Prozessor G u t h-

öffentliche politische Veranstaltung der KPD. unb wurde aus diesem Grunde durch Be­amte der politischen und der Schutzpolizei auf­gelöst. Auch von größeren Bränden und Derkehrsunfällen ist Berlin an diesem Weih­nachtsfest verschont geblieben. Feuerwehr und Sanitäter wurden zwar verschiedentlich alarmiert, doch handelte es sich durchweg um geringfügige Unfälle. Nur ein Verkehrs-Unfall am Delle Alliance-Platz hat ein Todesopfer gefordert.

Bayern ohne Gchnee.

München, 26. Dez. (TU.) Das diesjährige Weihnachtsfest litt in Bayern unter einer sehr unweihnachtlichen, nebligen und naßkal­ten Witterung. Don Schneefall war keine Spur. Der Weihnachtsverkehr wurde durch diese Witterung sehr beeinträchtigt. Vom 23. bis 26. Dezember sind in München- Hauptbahnhof 175 662 Personen abgefahren gegen 204 801 im Vorjahr. Angekvmmen find 156 475 Personen gegenüber 176 843 im Vorjahr. Win- tersportler wurden an den Feiertagen nur 7340 in die Berge befördert gegenüber rund 29 000 im Vorjahr. Die Zahl der abgefahrenen Züge bezifferte sich auf 2380 gegenüber 2437 im Vor­jahr. Der gesamte Verkehr hat sich reibungslos abgewickelt.

BifchofundGeneralftpennfendenf von Berlin am Mikrophon.

Berlin, 24. Dez. (ERB.) Am Heiligen Abend sprachen Generalsuperintenbent D. Karvw unb Bischof Dr. Schreiber vor bem Mikrophon ber Deutschen Welle. Der Generalsuperinten-bent von Berlin erinnerte an die Zeit ber Heilsbotschaft, in ber aus ber Armut ber Krippe heraus b a s E v an­gel i u m ber helfenben Liebe in einer zer­rissenen Welt Wirklichkeit würbe. Diese Wirklichkeit müsse auch in ber jetzigen Not des deutschen Men­schen wieder geschaffen werden. Gott wolle von uns, baß wir bie ©rüber lieben, nicht nur mit Ge­fühlen, fonbern mit ben Sinnen unb ber lat. Dazu biete bie Winterhilfe angesichts ber tausendfachen Not reiche Gelegenheit.

Der Bischof von Berlin sagte, wer gewohnt sei, den, geschichtlichen Ereignissen, namentlich auch Schichalsschlägen, von denen ein Volk betroffen werde, einen Sinn abzugewinnen, der werde un­schwer erkennen, baß ber Sinn unserer Notzeit, ber fei, den Gemeinschaftsgeist zur Gel­tung zu bringen, aus der Volksverb unden- he > t heraus füreinander einzustehen. Es sei ber Grundsatz bes Christentums, bie Liebe selbst unter Opfern unb Verzichtleistungen zu betätigen. Nicht nur bie Erwerbslosen gelte es zu unter­stützen, sondern auch bie Kranken unb die Einsamen, nicht nur leibliches Elend gelte es zu lindern, sondern auch seelische Not, Ver­zweiflung unb Verbitterung. Diel mehr als bisher muffe die Notzeit, bie wir durchlebten, eine große Zeit ber Menschenliebe werben, eine Zeit, in ber Menschlichkeit unb Ge- meinschaftsgeist Brücken schlügen über alle Unter­

schiede ber Parteien, ber Weltanschauungen, ber Rassen unb ber Bekenntnisse hinweg.

Die Weihnachisansprache des Papstes.

Rom, 24. Dez. (TU.) In einer auch durch Rundfunk übertragenen Ansprache an das Kar­dinalskollegium kündigte der Papst an, daß das nächste Jahr, in dem sich zum 1900. Male der Todestag Christi jährt, wie jetzt auch als Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung an­genommen werden könne, als Jubeljahr zur Erinnerung an dieses bedeutendste Ereignis begangen werden soll. Das Jubeljahr soll am Palmsonntag beginnen und mit dem Pcttmsonntag 1934 sein Ende finden. Die ganze Menschheit soll eingeladen werden, sich an diesen Feiern zu beteiligen, bamiit sie von den po­litischen Streitigkeiten abgelenkt werde. In diesem Zusammenhang erwähnte der Papst den Streit um die Kriegsschul­den und die Abrüstung. Die Verschärfung der wirtschaftlichen und finanziellen Krise und

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