Ausgabe 
27.12.1932 Erstes Blatt
 
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Die Aufgabe -er Zentral» fomnuffion in der RG OAP

München, 24. Dez. (TU.) Der Dorfitzende der politischen Zentrulkommission der NSDAP-, Ru­dolf Heß, erläßt Ausführungsbestimmungen zu der Verfügung vom 15. Dezember über die Her­stellung einer erhöhten Schlagkraft der Bewegung. Danach sind die nationalsozialistischen Vertretungen in den Land er Parla­menten und Kommunen verpflichtet, An- träge von grundsätzlicher Bedeutung vor der Ein­reichung sowie die beabsichtigte Stellungnahme zu Anträgen grundsätzlicher Art anderer Parteien der Reichsleitung oorzulegen. Die national­sozialistischen Fraktionen des Reichstages sowie des Preußischen und Bayerischen Landtages werden da­von nicht berührt. Diese unterstehen direkt dem Führer der Bewegung. Die Dienststellen haben für die Oeffentltchkeit bestimmte parteiamtliche Verlautbarungen, die grundsätzlichen Cha­rakter besitzen, vor ihrer Derossentlichung der politischen Z e n t r a l k o m m i s s i o n vor» z u l e a e n. Die Schriftleiter der Nationalso^ialisti- Ichen Presse sind verpflichtet, sich vor der Aufnahme von Verlautbarungen grundsätzlichen Charakters zu vergewissern, daß die politische Zentralkominis- sion von ihrem Einspruchsrecht nicht Gebrauch machte. Alle nicht vom Führer selbst stammenden für die Auslandpresse bestimmten Artikel und Interviews, welche durch Mitglieder der NSDAP, über sie berührende Fragen abgegeben werden, müssen vor der Veröffentlichung der politischen Zentralkommission oorgeleat werden. Die Ver­öffentlichung darf erst erfolgen nach Mitteilung des Vorsitzenden der politischen Zentralkommission, daß er keinen Einspruch erhebt. Die Dienststellen sind verpflichtet, Anträge auf Genehmigung über Teilnahme an Streiks o d e r A u s s p er­rang, deren Bedeutung voraussichtlich über einen örtlichen Rahmen hinausreicht, oer PZK. einzu­reichen. Alle anläßlich von Streiks oder Aussper­rungen seitens der Dienststellen beabsichtigten Ver­öffentlichungen, Aufrufe usw. von grundsätzlichem Charakter sind vor der Hinousgabe der PZK. oor­zulegen.

Aus aller Wett.

Bier Personen vom Auto überfahren und getötet

Da» Polizeipräsidium Chemnitz teilt mit: Am zweiten weihnachtvfeierlag ereignete sich auf der Chemnitzer Straße in Limbach ein schwerer Ver- kehrsunsall. Vas Auto eine» Limbacher Fabrikanten, da» dieser selbst steuerte, geriet in einer langgestreck­ten Kurve auf den rechten Fußsteig und überfuhr dort vier in gleicher Rich- tung gehende Fußgänger, und zwar einen Mann, eine Frau und zwei Knaben. Nachdem stieß der Kraftwagen an eine Gartenmauer, be­schädigte diese, fuhr auf dem Fußsteig zwölf Meter weiter und gelangte dann ausdengegen- überliegenden Fußsteig, wo der Kraft­wagen einen Gartenzaun einstieh und dadurch zum halten kam. Die vier Fußgänger wurden durch das Auto zu Boden geschleudert, überfahren und schwer verletzt. Der Mann und ein Knabe starben nach ihrer (Einlieferung in das Krankenhaus Limbach. Die Frau und das andere Kind sind ebenfalls im Laufe des Nachmittags ihren Verletzungen erlegen. Wahrend der Führer des Magens un­verletzt blieb, wurden die fünf Mitinsajsen schwer verletzt. Die Namen der Getöteten es handelt sich wahrscheinlich um eine Familie sind noch nicht bekannt. Den bisherigen Feststellungen nach ist der Unfall auf grobe Fahrlässig­keit de» Krastwagenführers durch übermäßig schnelle» Fohren und Schneiden der Kurve zurück,uführen.

Flammentod eine» Ehepaare».

In der Nacht -um ersten Feiertag ist in M e - mel das Ehepaar Darkows.Y in seinem Schlafzimmer verbrannt. Die Eheleute hatten wahrscheinlich beim Schlafengehen i m 2 ett geraucht. Dabei muh die Bettdecke Feuer gefangen haben. Die Feuerwehr fand das Ehepaar von den Flammen bis zur Unkenntlich- feit zerstümmelt vor.

vom Einbrecher erschossen.

In Papendorf (Kreis Prenzlau - Ucker» mark) drang in der Nacht zum 1. Feiertag ein Einbrecher bei dem Mühlenbesitzer Schaerping ein. Er hielt den Mühlenbesiher und dessen Schwager mit der Waffe in Schach und raubte aus dem Laden eine Kassette mit etwa 70 Mark. Als es im Hause lebendig wurde, fluch- tete der Einbrecher, zu dem sich auf der Land­straße ein Komplize gesellte. Einer der beiden Verbrecher schoß auf die Verfolger meh­rere Male. Dabei wurde ein Müllergeselle mehr­fach getroffen, so daß er t o t z u s a m m e n b r a ch. Die Täter konnten unerkannt entkommen.

Feuerüberfall auf einen Amnestierten. Ein Unbeteiligter erschossen.

In der Frühe des 1. Weihnachtstages kam es in Bottrop zu einer schweren Bluttat. Der Bergmann C o n t u r a , der mit seinem Schwager S z e z o t o k ein Haus bewohnt, feierte mi>k dessen Fam.-li« Weihnachten. Plötzlich wurde am F e n st e r geklopft. Als S. hinausgehen wollt«, wurde er beim Betreten der Haustür­schwelle beschossen. Etwa sieben bis acht Schüsse fielen, von denen S. zwei an beiden Oberarmen und in der Dauchgegend verletzten. Er brach blutüberströmt zusammen. Auf die Schüsse eilten die Angehörigen ans Fen­ster und vor die HauStür. Bon den Tätern war aber nichts mehr zu sehen. S. st a r b im Kranken­haus. Gr hinterläßt Frau und zwei klein« Kin­der. Am Tatort wurden sieben Patronenhülsen verschiedenen Kalibers gefunden. Zwei Männer wurden unter dem dringenden Derdacht der Mit­täterschaft f ft genommen. Sie leugnen aber. Den Umständen nach ist ein politischer Racheakt nicht ausgeschlossen. S war partei­los, während sein Schwager Contura Mit­glied der NSDAP, war. C. war bei der Schießerei zwischen Kommunisten und National­sozialisten in der Haardtstraße beteiligt und sah deshalb in Untersuchungshaft. Infolge des Straf, «rlasses wurde er aber vor Weihnachten ent­lassen. Es ist möglich, daß di« Kugeln ihm gegolten haben. Diese Annahme wird bestärkt durch bi« Tatsache, daß einer der Festgenommenen erklärt hatte, daß. wenn Contura wieder heraus­käme, er in Stücke geschossen würde.

Ein neues Wagner-Denkmal an der Enistehungsstäite desLohengrin".

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Links Das bronzene Wagner-Denkmal von Professor Guhr (Dresden) zeigt den Komponisten als Gralsritter Es wird am 13. Februar 1933, dem 50. Todestag Richard Wagners, im Liebetaler Grunde enthüllt werden Rechts: Die Lochmühle im Liebetaler Grunde in der Sächsischen Schwerz, wo Wagner 1846 Teile seinesLohengrin" komponierte.

Lin Bubenstück am heiligen Abend.

In S-aalfeld wurde am Heiligen Abend von noch nicht bekannten Tätern durch das Fenster der Wohnung des Pfarrers Fischer von der Stra­ßenseite aus eine mit Salzsäure und Karbid gefüllte Flasche geworfen, dre mit lautern Knall in tausend Splitter zersprang. Die ätzende Saure hat an den Wanden und Mö­beln in der Stube große Verwüstungen ange- richtet. Die zu Besuch weilende Schwester des Pfarrers, die im Augenblick des Anschlags ge­rate in einer Ecke des Zimmers stand, war durch den lauten Knall sehr erschreckt und f i e l ohn­mächtig zu Boden. Eine zweite Flasche wurde nach der über ter Pfarrerwohnung gele­genen Wohnung des Polizeioberinspektors Schu- mann geworfen. Die Flasche prallt« aber am Fen­sterkreuz ab und explodiert« a uf der Straße. Ein« dritte, ebenfalls gegen die Wohnung des Poliz.ioberinspektors geworfene Flasche, die ebenfalls eine ätzende Flüssigkeit ent­hielt, explodierte überhaupt nicht und wurde zwi­schen dem Wohnhaus und dem Dorgarten ge­funden.

Familienrach« in Bulgarien.

Ein blutiger Vorfall spielte sich in den Gesell­schaftskreisen Sofias ab. Der Kavallerieleutnant Simeonow besuchte am Abend des 1. Feiertages mehrere befreundete Studenten in ihrer Wohnung. Man trank viel und war laut und ausgelassen.. Ein im gleichen Hause wohnender Rechtsanwalt Dimitrow ersuchte schließlich um Ruhe. Hierbei entstand ein scharfer Wortwechsel, der zu Tätlichkeiten ausartete. Der Rechtsanwalt gab schließlich, weil er sich bedrängt fühlte, mehrere Schüsse aus seinem Revolver in die Luft ab. Daraus zog der Leutnant seinen Säbel und schlug den Rechtsanwalt zu Boden. Blutüberströmt und schwerverletzt mußte der Anwalt ins Krankenhaus geschafft werden. Der Leutnant wurde verhaftet, aber mit dem Versprechen, sich am nächsten Mor­gen den Militärbehörden zu stellen, auf freien Fuß gesetzt. Am arbeiten Feiertag traf er auf der Straße aus den Oberleutnant Dimitrow, dem Bruder des schwerverletzten Rechtsanwalts. Beide Offiziere gehörten ein und demselben Regiment an. Nach kurzem Wortwechsel schoß mitten auf der Straße Oberleutnant Dimitrow den Leutnant Simeonow nieder, verletzte ihn tödlich und stellte sich dem nächsten vorbeikommenden Offizier

311 tödliche Unfälle an Weihnachten in USA.

Reuyort, 26. Dez. (WTB. -Reuter.) Wäh­rend des Weihnachts-Wochenendes haben in den Vereinigten Staaten 311 Personen ins olge von U n f a 11« n ben Tod gefunden und 566 Verletzun­gen erlitten. Zum größten Teil handelt es sich um Opfer von Autounfällen, 11 Per­sonen sind ertrunken, acht wurden bei Eisenbahnunfällen getötet und 10 Per­sonen kamen bei Bränden ums Leben. Eine aus fünf Personen bestehende Familie starb nach dem Genuß eines Kuchens, in den versehentlich Insektenpulver eingebacken worden war.

Eine mysteriöse Angelegenheit. Verhaftung einer Prinzessin Hohenlohe amtlich nicht bekannt.

Zu der kürzlich von derLiberte" gemeldeten a ri­tze b l i ch e n Verhaftung einer Prinzessin Hohenlohe in Biarritz wegen Spionage ist im Innenministerium und bei der Kriminalpolizei in Paris nichts bekannt. Auch die Polizei von Biarritz betont, daß keine Verhaftung vorgenommen worden sei. Darauf ist es zurückzusühren, daß die Pariser Morgenblätter sich mit dieser Angelegen­heit nichl befassen mit Ausnahme desJournals", das darauf besteht, daß die erwähnte Ausländerin verhaftet fei. Ihre Bitte gegen eine entsprechende Kaution auf freien Fuß gesetzt zu werden, sei ihr abgeschlagen worden In diesem Zusammenhang wärmen die Blätter eine geheimnisvolle Geschichte auf, die schon vor einigen Wochen in einem kleinen Boulevard-Wochenblatt erschienen ist. Danach sei die Pariser Wohnung der Prinzessin, vor einem Jahr versteigert worden Bei dieser Gelegenheit habe ein Möbelhändler einen alten wertvollen Schreibtisch erstanden. Bald darauf habe Jid) bei ihm ein Käufer eingefunden, der nach dem Schreib­tisch gefragt habe Während der Möbelhändler die­sem Käufer den Tisch genau zeigte, habe er zufällig ein Geheimfach geöffnet, in dem sich verschie­dene Schriftstücke befunden hätten. Ein Scheck über eine große Summe, ein ausführlicher Schriftwechsel, verschiedene Uebersetzungen auf vorgedruckten Bo­gen eines ausländischen Spionagedienstes und Pho­tographien. Diesen unerwarteten Fund habe der Möbelhändler dem Innenministerium übergeben, durch dessen Vermittlung von dem Inhalt einiger Schriftstücke auch die Botschaft des Landes Kennt­nis erhielt, gegen das sich die Tätigkeit der ur- sprüngllchen Besitzerin des Schreibtlsches gerichtet

haben soll. Dem Möbelhändler seien später mehr­fach Kaufgebote für diese Papiere gemacht worden. U. a. habe ein Russe nicht weniger als 200 000 Franken für sie geboten. Die ganze Geschichte klingt reichlich verworren

Schwerer Unfall bei der Weihnachtsfeier.

Am Wechnachtstag ereignete sich in Kopen­hagen in einer Familie ein Unfall. Ein junger Mann, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hatte, schrie plötzlich um Hilfe. Di« Verwandten befanden sich im Nebenzimmer und glaubten, daß ter Hilfeschrei desWeih­nachtsmannes" zu seiner Nolle gehöre. Erst als di« Nuf« immer lauter wurden, stürzten sie ins Zimmer hinein. DerWeihnachtsmann" stand in hellen Flammen. Aus noch nicht auf­geklärte Weise war sein Gabensack in Brand ge­raten. Schwerverletzt wurde terWeih­nachtsmann" ins Krankenhaus geschafft.

Heuschreckenplage in Argentinien.

Riesige Heuschreckenschwärme suchen den Norden Argentiniens heim. An manchen Stellen haben sie 40 v. H. der Ernte vernichtet. Eine Strecke von ungefähr 500 Kilometer Länge soll von Heu­

Gesundheit, Schnee und Kälte ...

23 tm Dr G. Kayser.

Mit dem Beginn winterlich-kalten Wetters und dem ersten Schnee kommen dem Arzte alljährlich «ine Anzahl von Kranken zu Gesicht, die über Bren­nen und Jucken an Fingern und Zehen, das beson­ders in den Abendstunden oder beim Aufenthalt in aeheizten Räumen zunimmt, zu klagen haben. Der Arzt kennt diese Leiden nur zu gut, es sind die ersten Frostbeulen. Diese verdanken ihre Entstehung einer unzureichenden Blutzirkulation und treten daher besonders bei Personen auf, deren Blutum­lauf durch allgemeine Körperschwäche, durch Skro­fulose und Tuberkulose, durch Herz- oder Gefäß­erkrankungen und ähnliches gestört ist. Frostbeulen finden sich gelegentlich aber auch da, wo unzweck­mäßige Kleidung die Biutzirkulation behindert, so a. B. da, wo am Unterschenkel der Stiefelrand- schneidet oder dort, wo ein rund um das Bein herumlaufendes Strumpfband getragen wird. Auch zu enge Stiefel ober Handschuhe' bilden weiter« Ge­legenheitsursachen. In den letzteren, auf äußeren Anlässen beruhenden Fällen ist es leicht, Frost­beulen durch entsprechende Kleidung zu verhüten. Bei den durch krankhafte, innere Störungen her- oorgerufenen Frostbeulen wird man gut tun, durch warme und kalte Wechselbäder oder durch spiri- tuose Abreibungen usw. die Blutzirkulation anzu­regen. Im übrigen ist ein schon im Sommer ein- setzendes Training der Haut und der Blutgefäße durch Turnen, Sport, Massage usw. das beste Dor­beugungsmittel, dessen sich mir Nutzen alle diejeni­gen bedienen sollten, die schon einmal Frostbeulen gehabt haben. Frostbeulen neigen nämlich auch nach völliger Ausheilung doch immer wieder zu Rück­fällen.

Handelt es sich um schwerere Frostschäden oder ist der Frost garaufgebrochen", so muß unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Diese ist gleichfalls unentbehrlich, wenn jemand nach längerer Wanderung auf schneebedeckten und sonnenbeglänzten Wegen Augenschmerzen ober gar Sehstörungen bekommt. Eine mitunter auftretende Schneeblindheit" heilt unter ärztlicher Behandlung gewöhnlich rasch ab, während eine Augenentzün- bung zwar vom Arzte auch in mehr ober minber langer Zeit behoben werben kann, aber boch häufig recht schmerzhafte Stunden bereitet.

Als Ursache für diese 21ugenertrantungen kommt weniger der Schnee selbst in Betracht, als vielmehr die ultravioletten Strahlen der Sonne, die von der weißen Schneefläche in unser Auge zurückgeworfen, statt wie sonst von der grauen Erde verschluckt werden. Wer an empfindlichen Augen leidet, wer Augenkrankheiten ober gar eine Ent­fernung der Linse des Auges durchgcmacht Hal, der wird daher gut tun, auf Wanderungen durch den Schnee fein Auge durch das Tragen einer mit rauchgelben ober grünlichen Gläsern versehenen Schutzbrille vor Schaben zu bewahren.

Schließlich sei noch einiger, selbstverschuldeter Unfälle beim Schlittschuhlaufen gebucht. Das Schlittschuhlaufen ist gesunb, wie wohl kaum irgenbein anberer Sport, aber er setzt eine auf größte Zweckmäßigkeit eingestellte Bekleidung der Füße voraus. Der Schlittschuh muß babei seinem Träger ebenso genau passen und sitzen wie der Stie­fel und darf nicht zu klein und nicht zu groß sein.

schrecken bebeckt sein. An vielen Orten ist der Schwarm fast neun Kilometer breit. Be» sonders betroffen wurde das Tal des Bermayo- Flusses, wo hauptsächlich Baumwolle, Tabak und Maispflanzen der Landplage zum Opfer gefallen sind. In der Ortschaft San «aloabore be­ging ein Landwirt mit seiner Frau Selbstmord, nachdem die Heuschrecken alles k a h l g e s r e s - s e n hatten. Der Landwirt hinterließ einen Brief, in dem er erklärte, er könne das Leben nicht länger ertragen, da alte Mühe und Arbeit von drei Jah­ren aus Mangel an Gegenmaßnahmen von den Heuschrecken vernichtet worden wäre.

Protest der süd- und südwestdeutschen Landwirtschaft.

Am 22. Dezember fand in Wiesbaden eine Ta­gung der sÜd und südwe st deutschen Landwirtschaftskammern statt, die sich u. a. eingehend mit der Lag« der bäuerlichen Der- sdekungswirtschaft beschäftigte. Nach eingehender Aussprache, in der besonders der

mangelnde Schuh für die bäuerlichen Veretelungserzeugnisse

scharf kritisiert wurde, fand folgende Entschließung einstimmg Annahme:

Die süd- und südwestdeutsche Landwirtschaft ver­folgt mit ernster Sorge und wachsender Erbitterung den schleppenden Gang der Beratungen über die Hilfsmaßnahmen für den zusammenbrechenden Bauernstand. Sie verwahrt sich dagegen, daß jede der häufigen Regierungskrisen weitere Derzögerun- gen der vorgeschlagenen Rettungsmaßnahmen und damit neue Preisabschläge und letzten Endes die Gefährdung der Existenz unserer Landwirte mit sich bringt. Sie zweifelt an dem ernsten Aufb au - willen eines Teiles der führenden Regierungskreise, solange er nicht einsieht, daß

in erster Linie der Binnenmarkt und die hei­mische Landwirtschaft wieder gekräftigt werden muh, wenn eine Gefundung der gesamten Wirt­schaft herbeigeführt werden soll.

Bei der starken Exporsichrurnpfung und der Aus- sichtslosigteit einer Steigerung der Ausfuhr sollte endlich di« Reichsregierung zu der Einsicht kommen, daß die bisherigen Aufbaumethoden erfolglos waren und daß nur bi e Gesundung der Landwirtschaft eine Ankurbelung der Wirt- schäft und eine Verringerung der Arbeitslofenzahl bringt. Wie lange soll es noch dauern, bis diese Zusammenhänge an den führenden Stellen erkannt werden? Wir warnen davor, zuzuwarten, bis an die Stell« der resignierten Verzweiflung di« Helle Em­pörung tritt. Wir bitten die Reichs re gierung in letz­ter Stunde, aus der Tatenlosigkeit der letzten Zeit heranszutreten und durch kräftiges Zupacken endlich einmal die der Landwirtschaft gegebenen schriftlichen und mündlichen Zusagen einzulösen. Dor allen Dingen fordern wir die

sofortige Einführung der konttngenkierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse,

insbesondere für di« bisher Hantelsvolitisch vernach­lässigten Produkte ter bäuerlichen Verede­lungswirtschaft, deren weiter« Vernachläsfi- aung auch den Zusammenbruch der Getreitewirt- schast zwangsläufig nach sich ziehen wird.

In beiden Fällen wird dadurch die Geschicklichkeit des Läufers behindert und die Gefahr eines Un- alls durch Sturz heraufbeschworen. Beim Kinde »siegt dies im Gegensatz zum Erwachsenen meist -armlos abzulausen, aber auch hier kann man na­türlich eine Garantie dafür nicht übernehmen, und die großen gesundheitlichen Vorteile, die der Eis­laufsport gewahrt, sollte man nicht durch Torheit und Gleichgültigkeit zunichte machen.

Spende für die Winternothilfe.

Bei ter Geld-Anna hmesteUe des Gießener Anzeigers für die Gießener Winternothilfe wurde am Samstag folgende neue Geld­spende eingezahlt: QL®., Gießen 10Mark.

Das Weihnachtsfest in Gießen.

Die Weihnachtsfeiertage wurden in unserer Stadt in gewohnter feierlicher Weise begangen. Zur Ein­leitung des Festes sanden am Heiligen Abend Gottesdienste statt, die sehr stark besucht waren. Im Anschluß daran erklang von den Türmen der beiden evangelischen Kirchen feierliche Choralmusik in die dunkle Nacht hinaus; vom Turme der Stadtkirche blies der Verein für christliche Musik, vom Turm der Johanneskirche der Gießener Posaunenchor. An den beiden Feiertagen waren die Gottesdienste gut besucht.

Eine Enttäuschung brachte das Weihnachtswet­ter allen denen, di« auf weihe Weihnachten und auf Wintersportgelegenheit gehofft hatten. Statt der stimmungsmäßigen hohen Schneedecke und ter damit gegebenen Sportmöglichkeit hitten w r voll­endetes Treckwetter, das die Straßen im schmutzi­gen Gewände zeigte und am ersten Feiertag einen Nebelschleier über die Stadt und die Amgegend legte, ter die Sicht nur auf kurze Entfernung hin gestattete. Dadurch wurde der Aufenthalt im Freien reichlich ungemütlich gemacht und am an­genehmsten in der warmen Stube in der Nähe des Ofens. Lediglich die Friedhöfe waren am Nach­mittag des ersten Feiertags das Ziel zahlreicher Mitbürger, die dort zu kurzem Feiertagsbesuch verweilten. Am zweiten Festtag war zwar der unangenehm« Nebel verschwunden, jedoch bot der Aufenthalt in den Straßen bei dem nassen Wetter wenig Annehmlichkeit.

Erfreulicherweise verliefen beide Feiertage nach den uns bis jetzt vorliegenden Berichten ohne Unfälle oder Störungen der öffentlichen Ord­nung; Polizei und Sanitätswache konnten eben­falls Feiertagsruhe genießen. Der Reiseverkehr auf der Bahn war besonders am Freitag und am Samstag stark, an beiten Tagen wurden die planmäßigen Züge verstärkt und vollbesetzt ge­fahren, außerdem verkehrten in Richtung West­falen, nach Berlin und Süddeutschland Sonder­züge. An den Feiertagen selbst war der Eisen­bahnverkehr nur am ersten Tag« verhältnismäßig ruhig, am zweiten Tage setzte der übliche Rück­reiseverkehr bereits ein und brachte der Bahn verstärkten Zuspruch. Der gesamte Bahnverkehr verlief trotz des ungünstigen Wetters am ersten Feiertag zum Glück ohne Unfall.

Vornotizcn

lagestalenberfür Dienstag. Stadt­theater: 19.30 bis 22.30 Uhr9m weißen Rößl". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Wie sag' ich's meinem Mann?"

Aus der provinzialhaupistadi.