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25 Jahre Mathilde - Zimmer»Süstung.
Am 22. Dezember waren es 25 Jahre, daß der Professor der Theologie und Direktor des Predigerseminars In Herborn, Friedrich Zimmer, die oben bezeichnete Stiftung auf gemeinnütziger Grundlage ins Leben ries, deren Ausbildungsstätten zahlreiche hessische Hausfrauen und Mädchen ihre praktische Lebenserziehung verdanken. Am Gründungstage bestanden bereits sechs ^Töchter- Heime". Die Notzeiten während des Krieges und später haben auch der Stiftung schweren Schaden gebracht. Trotzdem ist es ihr unter Anspannung aller Kräfte nicht allein gelange.i uurchzuhalten, sondern auch ihre Ziele, die in einer gründlichen hanswirtfchaftlichen Durchbildung junger Mädchen und in ihrer Erziehung zu persönlicher Selbständigkeit, Derantworl-ungsfreudigkeit und sozialem Verständnis bestehen, den Anforderungen der Neuzeit anzupassen. Nach dem Tode des Stifters im Jahre 1919, der mit seinem privaten Vermögen seine idealen Bestrebungen ermöglichte und stets eine hervorragende Stelle unter den deutschen Dolkserziehern einnehmen wird, haben Glieder der Familie Zimmer an der Spitze der Stiftung gestanden. Zur Zeit sind es 14 Heimfrauenschulen, die in vielseitiger Ausbildung junge Mädchen für ihren späteren Lebensweg vorbereiten. Daneben wurde 1926 auf Veranlassung der Frauenverbände Thüringens und im Einvernehmen mit der Thüringischen Staatsregierung in Weimar von der Stiftung eine Frauenoberschule ins Leben gerufen, die auf Anter-Sekunda der höheren Schulen oufbaut und nach dreijährigem, besonderem Lehrplan zum Abitur (Fachabitur) führt. Ferner sind seit einigen Jahren hauswirtschaftliche Halbjahreskurse für Abiturientinnen der rein wissenschaftlichen höheren Schulen eingerichtet. Neben dec Ausbildung junger Mädchen hat die Stiftung ihre Hauptaufgabe in der Unterstützung bedürftiger Zöglinge und anderer gemeinnütziger Anstalten gesucht und in den 25 Jahren ihres Bestehens über 800 000 Mk. dafür aufgewandt. Die Verbindung zwischen den ehemaligen Schülerinnen und allen Gliedern der Stiftung halten ihre monatlich erscheinenden Blätter aufrecht. Außerdem stehen der Stiftung zwei Erholungsheime zur Verfügung. O. V.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen. 27. Dez. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarlt das Pfund: Süßrahmbutter 130, Landbutter HO bis 120, Kochbutter 90, Matte 25 bis 30, Wirsing, gelb 8 bis 10, grün 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30 Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 80, Enten 80 bis 90, Nüsse 35 bis 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 40 bis 50, ausländische Eier 12 bis 14, inländische 13 bis 14, Blumenkohl 40 bis 60. Endivien 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettig 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30; der Zentner: Kartoffeln 250 Pfennig
*
• • Erleichterung f ür Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene. Durch Erlaß vom 24. Dezember hat der Reichs- «rbeitsminister auf Antrag des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen sowie des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegechinterblie« beiden angeordnet, daß für die Krisenunterstühung von Personen, denen nach den Reichsgrundsähen über Voraussetzung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge gehoben« Fürsorge zusteht, nicht der Richtsatz der allgemeinen Fürsorge, sondern der der gehobenen Fürsorge obere Grenze im Rahmen der Sätze der Arbeitslosenversicherung sein soll. Der Erlaß tritt mit Wirkung vom 9. Januar 1933 I in Kraft. I
Erzbergbau und Eisengewerbe im Lahn- und Oillgebiet.
Don Kommerzienrat Dr.-Zng. e.h. A Koehler, Wehlar,* Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a.M «Hanau.
Auch in dem abgelaufenen Wirtschaftsjahr lastete der Druck der Absatzkrise unvermindert auf dem hiesigen Eisensteinbergbau, da
die Gesamtförderung an Erzen 1932 nicht mehr als 15 v. h. eines Normaljahrcs
betrug. Der weitaus größte Teil der Gruben lag daher weiter still oder mußte stark eingeschränkt arbeiten. Von der anfallenden Fardermenge wurde mehr als die Hälfte von den beiden im engeren Bezirk gelegenen Hochofenwerken abgenommen. An Versuchen, den heimischen Eisenerzen einen größeren Absatzmarkt zu erschließen, hat es auch in diesem Jabre nicht gefehlt, doch sind diesen Bestrebungen dadurch enge Grenzen gesetzt, daß gewaltige Vorratsmengen vorhanden sind und sich die Selbstkosten des Erzbergbaues infolge der hohen Belastung durch öffentliche Abgaben und Frachten gegenüber den ergiebigeren ausländischen Erzen unverhältnismäßig erhöhen. Ein außergewöhnlicher Vorsprung für die ausländischen Erze liegt allein in den weit billigeren Frachtsätzen, zu denen diese entweder auf dem Bahn- oder Wasserwege nach den inländischen Hüttenwerken verfrachtet werden. Ist doch die Fracht für französische Minette mit der Bahn weit billiger als für heimische Erze mit dem gleichen oder kürzeren Transportweg!
Bezeichnend ist, baß für eine Tonne wabana- Lrz über eine Entfernung von 4500 Kilometer nur die gleiche Fracht aufgewendet werden muh wie für eine Tonne inländisches Er; von der Lahn- oder Dillgrube nach der Ruhr bei einer Entfernung von durchschnittlich 260 Kilometer.
lieber das bisher gezeigte Entgegenkommen hinaus wird daher die Reichsbahn sowohl im allgemeinen volkswirtschaftlichen, wie auch im eigenen Interesse weitere Zugeständnisse durch Frachtermäßigungen machen müssen. Die überzogenen Forderungen und Belastungen de- ö.fent- lichen Hand sollen durch die grvl^l:? S^aatH- hilfe von 0,50 Mk. je Tonne ausgeglichen werden, doch reicht sie bei weitem nicht aus, um unter den heutigen Verhältnissen obsahbelebend äu wirken. Reich und Länder sollten endlich der Bedeutung des hiesigen Bergbaues für die deutsche Volkswirtschaft Rechnung tragen und wirksam Erleichterungen schaffen, die es diesem Betriebszweig, der mit dem höchsten Lohnanteil an den Selbstkosten arbeitet, ermöglichen, aus sich heraus in Förderung zu kommen; damit würde auch der Arbeit-- und Devisenmarkt entlastet.
Die Beschäftigung der Groß-Gisengieße- reien im hiesigen Gebiet ist je nach ben her- gestellten Erzeugnissen unterschiedlich. Der Absatz von gußeisernen Druckröhren, Abflußröhren und Kanalteilen, die vorzugsweise als Städtebedarf anzusprechen sind, hat einen nicht gekannten Tiefstand erreicht. Die große Finanznot der Gemeinden läßt zur Zeit meist nur die unbedingt notwendigen Aufwendungen für Gehäitrr, Löhne und Unterstützungen zu. Die Folge ist, daß die Deckung von selbst vordringlichem Sachbedarf wegen Man- gel an verfügbaren Mitteln immer wieder zurück- gestellt wird. In diesem Jahr blieben allein die Auftragserteilungen der Gemeinden um rund 2,5 Milliarden Mark hinter dem eines Normaljahres zurück. Naturgemäß fehlte den Werken, die hier-
•) Dem Jahresbericht der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau entnommen.
D. Red.
auf angewiesen sind, dieser Auftragsbestand zur Weiterführung ihrer Betriebe.
Ls muß daher dringendes Gebot aller beteiligten Kreise sein, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinden wiederherzufkellen, wie dies u. a. durch eine vernünftige Verbilligung und Vereinfachung des verwaitungsapparales sowie durch einen angemessenen Lastenausgleich zwischen Reich und Gemeinden möglich sein dürfte.
Etwas günstiger lagen in diesem Jahre di« Absatzverhältnisse für solche Erzeugnisse, die unmittelbar von der privaten Bauwirtschaft ausgenommen werden, wie Badewannen, Oefen, Zentralheizungs-Kessel und Radiatoren. Wenn auch di« Bautätigkeit an sich gegenüber dem Vorjahre um rund 60 HHr ozent zurückgegangen ist, so haben doch die Umbau* und Instandsetzungsa.rbeiten an den Altwohnungen eine gewisse Belebung gebracht. Der Auftragseingang für diesen Bedarf konnte daher den sonst jahreszeitlich bedingten Rückgang in der Beschäftigung noch aufhol en.
Bei den übrigen hier nicht besonders erwähnten Produktionszweigen der Eisenindustrie liegen die Verhältnisse ähn.ich. Die C d e l st a h l i n d u- st r i« verzeichnet am Ende der Derichtszeit eine um ungefähr 10 Prozent bessere Beschäftigung als in den schlechtsten Monaten dieses Jahres. Nicht zuletzt konnte die Weiterführung der Dotriebe durch Hereinnnahme von Russenaufl rügen für längere Zeit gesichert werden. Im Werkzeugmaschinen- b a u ist dagegen der Auftragseingang vollständig ins Stocken geraten, während die Beschäftigung der D r a h t i n d u st r i« verhältnismäßig befriedigend verläuft.
Ein für di« Eisen schaffende und Eisen verarbeitend« Industrie an Lahn und Dill gleich wichtiges Ereignis ist der kürzlich erfolgte Zusammenschluß der Buderusschen Eisenwerke und des Hessen-Nassauischen Hülten-Vereins — der beiden maßgebenden und repräsentativen Werk« dieser Industrie — zu einer Interessen-Gemeinschaft. Hierdurch und durch freundschaftliche Verständigung mit einem benachbarten größeren Unter- nehmen der gleichen Industrie wird es künftig mögl.ch fein, über die Grenzen des engeren Handelskammerbezirks hinaus
die wlrlschafllichen Kräfte im Lohn-Dillgebiet einheitlich zusammenzufassen.
Unter gleichbleibenden Voraussetzungen ist demnach zu erwarten, daß sich dieser Zusammenschluß auch belebend und befruchtend auf unser Wirtschaftsgebiet auswirken wird.
Abhängig i.ft jedoch der Ablauf des vor uns liegenden Wirtschaftsjahres davon, daß Stö- rungenpolitischerArtvonderWirt- schafl ferngehalten werden und endlich 'die Wirtschaftspolitik In Bahnen gelenkt wird, di« zu einer allmählichen Gesundung von Industrie und Handel führen.
Schweres Autounglück bei Alzey.
Alzey, 26. Dez. (9BS91J Heute mittag kurz vor 12 Uhr verunglückte ein Personenauto, das von Kirchheimbolanden kam, am Südausgang der Stadt Qm feg Wartberg an einer abschüssigen Stelle. Auf der Brücke, die die Wormser und Kirchhccmbolander Eisenbahnstrecke überquert, geriet ein schwerer
Mercedeswagen infolge des Glatteises tnf Schleudern, durchbrach das Geländer und stürzte etwa 8 M e t e r hoch auf den Bahnkörper. Der Besitzer des Autos, ein Herr aus Leipzig, erlitt einen Schlüsselbeinbruch, Armbrüche und einen Schädelbruch. Er wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Alzeyer Krankenhaus geschafft, wo er oerstarb. Der Chauffeur kam mit leichteren Verletzungen davon, eine mitfahrende Dame blieb wie durch ein Wunder vollkommen unverletzt.
4-5 Zentner Fleisch undWurst gestohlen
Frankfurt a. M., 26. Dez. (WSN.) Im Stadtteil Höchst wurde in der Nacht zum Heiligen Abend in der Luciusstraße in die Metzgerei von Köhler ein Einbruch verübt, bei dcm den Dieben vier bis f ü'n f Zentner Fleisch und Wurst waren in die Hände fielen. Zwei vollständige Kälber, mehrere Schinken und etwa 50 Würste wurden mitgenommen. Di« Diebe schafften die ungeheure Menge Fleisch durch ein Oberlicht auf die Straße und fuhren dann mit ihrer Beute ungehindert davon. Der ganze Vorgang blieb vollkommen unbemerkt. Als t>er Me'-ger ftcb am anderen Morgen den Schaden besah, verständigte er sofort die Polizei, die mit Hilfe emed Pol z« Hundes bald die S^ur der Dieb« feststellen und diese auch in einem Nachbarhause erwischen konnte. Ein Kalb wurde gleich wieder aufgefunden, und der Metzger darf sich der Hofsnung hingeben, daß auch der Rest der gestohlenen Sachen wieder herbeigeschafft werden kann. Man hat verschiedene Personen f« st g e n o m m e n, die zum Teil überführt, zum Teil stark verdächtig sind.
G. A.-Sport.
Zuhbalrsport an Weihnachten.
Nationale und internationale Fußballergebnifse. ,DfL. Benrath — Spielvereinigung Fürth 2:3 (1:2); Griesheim 02 — Friedberg VfB. 5:3; DsR. 07 Limburg — Germania Bieber 1:3 (0:1); Bo- rujjia Fulda — Phönix Karlsruhe 3:2 (0:2); Kur- Hessen Kassel—Union Niederrad 1:1 (1:0); Schwarz- Weiß Essen — Spvgg. Fürth 1:4 (0:1); Westmark Trier — VfR. Fürth 4:7 (2:4); Mainz-Marnbach gegen DfR. Fürth 2:3 (0:1); Viktoria Aschaffenburg — Sportfreunde Frankfurt 3:4 (2:1); VfB. Stuttgart — Phönix Ludwigshafen 1:0 (1:0).
1. FC. Nürnberg — Crisana Oradea (Rumänien) 5:1 (3:1); Freiburger FC. — St. Etienne 1:5 (0:1); SV. Waldhof — Austria Wien 1:5 (0:1); Lazio Rom — München 1860 IX); Professional Derona gegen Wacker München 2:2; Stadtmannschaft Kassel gegen DFC. Prag 2:1 (Ich); Wiener SC. — Tennis-Borussia Berlin 4:1; SV. Wiesbaden gegen Austria Wien 3:1 (0:1); Roma Rom — Müncyen 1860 3:1 (1:1); FC. Bologna — Wacker München 2:0 (2:0); St. Louis (Frankreich) — Sportfreunde Saarbrücken 1:6; SV. Feuerbach (Württemberg) geaen Racina Straßburg 0:1; Völklingen — Wacker. Wien 1:3 (0:1); Bayern Hof — Crisana Oradea 1:3; FV. Saarbrücken — Vienna Wien 0:3 (0:1); 1. FC. Idar — Wacker Wien 1:2 (1:1).
Wettervoraussage.
Obwohl sich der hohe Druck etwas abgeschwacht hat, bleibt er doch zunächst bestimmend für unsere Wetterlage. Durch die Zufuhr maritimer Lust wird es noch vielfach neblig und wolkig sein, doch sind wesentliche Niederschläge vorerst nicht zu erwarten. Die Temperaturen gehen in der Nacht weiter unter den Gefrierpunkt zurück.
Vorhersage für Mittwoch: Neblig, bewölkt, Temperaturen nachts hinter Null, trocken.
Lufttemperaturen am 26. Dezember: mittags 0,9 Grad Celsius, abends 0,9 Grad; am 27. Dezember: morgens 0,9 Grad. Maximum 1 Grad, Minimum 0 Grad, Tagesmittel 0,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Dezember: abends 0,2 Grad; am 27. Dezember: morgens 0,2 Grad Celsius.
15 Forttetzung
Nachdruck verboten
M Am NvI M
Vornan von Margarete Antelmann.
Copyright by Markin Feuchttrxmger, Halle (©aale)
3n diesem Moment klopfte es an die Tür. Auf das „Herein!" trat Direktor Blümler ein.
.Ach, Herr Direktor, gut, daß Sie kommen. Sie müssen mir helfen, meinen Freund auf den Weg w bringen, müssen ihm sagen, wie nötig «ine Ausspannung für ihn ist. Denken Sie. lieber Blümler, er will diese Reise ausschlagen, die ihm durch das Los zugefallen ist."
„Aber Herr Doktor, was fällt Ihnen ein? Gin zweites Mal wird es das Schicksal nicht so gut mit Ihnen meinen. Sie wollen diese herrliche Reise versäumen? Das wäre wirklich ein Verbrechen an Ihnen, an Ihrer Gesundheit und an unserem Werke. Sie können sich dwh auf und verlassen, Herr DoktorI Wissen Die das nicht?"
„Das weiß ich schon, aber..."
„Es darf kein Aber geben, Herr Doktor. Herr Fischer hat recht, Sie sehen gar nicht gut aus. Zu viel war in der letzten Zeit auf Sie eingestürmt; da ist es nur in der Ordnung, wenn Sie ■ einmal aus all dem herauskommen. Sie werden ein gan* anderer Mensch sein, wenn Sie wieder zurück sind."
»Ich habe aber gar keine Lust zu dieser Reise."
„Tie wird schon kommen, wenn Sie erst fort sind. Tas Leben auf dem Schiff ist herrlich; ich habe vor ein paar Jahren auch eine kleine Schiffsreise gemacht und zehre noch heute von der Erinnerung. Sie werden so viel Neues und Schönes kennenlernen, daß Sie gar nicht mehr heim wollen.
„Was soll ich nur tun, wenn Die beide so auf mich einreden?"
-Da« fragst du noch, Gust? Jetzt gehst du und packst deine Siebensachen; ich werde gleich Frau sogen, daß sie dir hilft."
Rm Abend, als die Freunde vor dem Schlafen- Stunde beisammenfaßen, drückte
Theobald August ein Päckchen Geldscheine In vte Hand.
aiSTatkfe. toaÄ ,on bai 6e16<rn?" fra<$k «1 ।?ur> Dust es ist dein eigenes Geld.
RmiaI?^Qld Holz verkauften,
«inen Teil hemittch und leise beiseite geschmua- L'Sbi^'st du ^hrliche Haut gleich all?« i?^"dlgern zugeschanzt. Die können sich ruhig < langer gedulden, das spielt keine Roll^ ^r^Han?" aUf ^eise ein wenig Geld in
August muht« lachen.
„Aber — ist es nicht liederlich, das schöne Geld jetzt ju, verjubeln? Darf ich mir das erlauben?"
»Hör' bloß auf mit diesen dummen Fragen, Warum sollst du dir das nicht auch einmal erlauben dürfen, nachdem du monatelang so geschuftet hast? Aber die paar Groschen würden nicht weit reichen. Ich habe da ein paar Reise- schecks für dich. Die sind allerdings von meinem Konto; doch du kannst sie ruhig nehmen, leihweise. Ich habe das Geld übrig, und du zahlst es mir zurück, wenn du erst die Millionen ein- heimsen wirst."
„Ich nehm« eS an. Theo, weil es von dir kommt."
„Und dann, Gust... Halte die Augen offen, vielleicht..."
„Ach. du meinst wegen einer Frau? Du weißt ja, Theo, da ist bei mir nichts zu machen."
„Larifari! Das werden wir erst sehen. Wir sprechen uns wieder, wenn du zu Hause bist..."
•
Öeit zwei Tagen schaukelte die „Monte Sarmiento", einer der bekanntesten, mit allen neuzeitlichen Einrichtungen versehene Vergnügungs- dampfer, auf dem Wasser.
Doktor August Richter hatte eine behagliche, zweibettige Außenkabine zugewiesen erhalten, die er mit einem anderen Herrn teilte: Titus van Solltet.
Die beiden Herren kümmerten sich nicht viel umeinander. Außer den gebräuchlichen Grüßen und wenigen flüchtigen Worten hatten sie nichts miteinander zu tun.
Jottor Richter wunderte sich nur im stillen paß fein Kabinengenosse so wenig Gepäck mit sich führte. Eine Aktentasche, die der seinen auf ein Haar glich und die sogar die gleichen abgeschürften Ecken hatte wie die seine, und einen nicht sehr großen Handkoffer.
August selbst war vorsichtig genug, feine Papiere immer bei sich zu führen und feine Wertsachen in das Safe zu geben, das den Passagieren zur Verfügung stand.
Als August zum ersten Male den Dankraum betreten wollte, stieß er mit einer Dame zusammen, da« heißt, die Dame stieß auf ihn. da sie den Kopf, zurücknickend, dem Beamten des Bankraumes zugewandt hatte. Sie trat daher mit ihrem hohen Absatz ziemlich derb auf Augusts Stieselspitze.
„Pardon!" sagte sie dann erschreckt, errötete und fetzte ihren Weg fort.
August sah ihr nach, während sie graziös dahinging. Diese Frau gefiel ihm, ein liebenswürdiger Charme lag über der ganzen Erscheinung.
Schlank und biegsam war der ebenmäßige Körper. der In ein einfache« und sehr schickes Tuch- Neid gehüllt war.
Ter Kopf war von eigenartiger Schönheit,
das hatte August sogar in dem kurzen Augenblick gesehen.
Die Schönheit dieser Frau söhnte ihn sogar mit den Schmerzen aus, die er an dem getretenen Fuß spürt« und die er nicht so schnell wieder los wurde.
Von diesem Augenblick an interessierte sich August für di« Reisegesellschaft. Bald hatte er feine schöne Unbekannte entdeckt.
Am Nachmittag, als er das groß« Promenadendeck hinunterschritt, sah er sie in Begleitung einer anderen Frau. In diesem Augenblick trat ein Serr zu den beiden Damen, in dem August seinen Kabinengenossen erkannte.,
Er wollte grüßend vorübergehen, als Herr van Solltet auf ihn zu trat.
„Einen Augenblick bitte, Herr Doktor Richter. Madam« Wintere möchte sich bei Ihnen entschuldigen. Darf ich bekannt machen: Herr Doktor Richter — Madame Madelon Wintere — meine Schwester Nowakowska."
August Richter verbeugte sich. Jetzt, beim hellen Tageslicht, war er vor dem Gesicht seines Ka- binengenoffen fast erschrocken. Man sah jetzt erst, wie verlebt dessen Züge touren. ilni> auch feine Schwester gefiel ihm gar nicht.
Ein leises Mißtrauen für Madelon Wintöre toar deshalb in ihm wach geworden. Daß sie sich gerade mit diesen Menschen eingelassen hatte?
Er ergriff die ihm dargereichte Hand.
„Es tut mir so leid. Herr Doktor, daß ich Ihnen gestern auf den Fuß getreten habe. Hoffentlich tut es nicht mehr weh?"
„Oh. bitte, gnädige Frau, es war nicht so schlimm."
Cs entwickelte sich ein Gespräch, und August gefiel die schöne Frau immer besser. Es machte sich von selbst, daß die vier bei der Abendtafel einen gemeinsamen Tisch bekamen.
Joe und Titus waren mit den Ereignissen febr zufrieden. Cs war gut für ihre Pläne, wenn Magvalene Gesellschaft fand und abgelenkt wurde; sie beide hatten bann leichtes Spiel. Magdalene war nicht so ausschließlich auf ihre Gesellschaft angewiesen, sie hatten mehr Zeit füreinander.
Schon am selben Abend, als Magdalene mit Doktor Richter tarnte, benutzten Joe und Titus die Gelegenheit, sich unauffällig aus dem Saal zu entfernen und nach dem entlegenen Achterdeck hinüberzugehn.
»3ch sage dir, Titus, bis Genua müssen wir fertig fein. Ich habe das dumme Getue dieser Tippmamsell satt. Aber Titus, wir müssen auf der Hut sein vor diesem Doktor. Der Mann gefällt mir gar nicht."
„Hör schon auf, Joe. Was haben wir von diesem Dummkopf zu fürchten?"
„Du weißt, meine Ahnungen haben mich selten betrogen. Dieser Dummkopf ist gefährlich, du
kannst es mir glauben. Was ist er denn eigentlich?"
»Ich weiß es nicht."
„Du fcheinst dich aber sehr zu deinem Nachteil verändert zu haben, lieber Titus. Seit zwei Tagen wohnst du mit diesem Mann in derselben Kabine und hast noch nicht einmal herauSge- bracht, wer dein Kabinengenosse ist? Ich sehe schon, ich muß die ganze Geschichte wieder allein auf mich nehmen."
»Du bist ja auch viel raffinierter alS ich; kannst das viel besser."
„Diese sdummen Schmeicheleien darfst du ruhig für dich behalten, Titus, daraus mache ich mir nicht viel. Hast du wenigstens in der Liste nach- gesehen, ob sonst noch irgend etwas zu machen ist?"
Titus van Iolliet zog einen Zettel aus der Westentasche und überreichte ihn Joe. Tann hob er den Kopf; man vernahm das Geräusch von Schritten.
„Schau, Jo«, dort drüben das Ehepaar. Das ist der Bankier mit seiner Frau, die als zweite auf der Liste stehen. Pass' auf!"
Als das Dankiersehepaar näher kam, standen die Geschwister am Reling, die Schönheit des Abends ruhevoll genießend. Joe und die Bankiersgattin hatten einander schon flüchtig kennengelernt; jetzt schloß man allgemeine Bekanntschaft.
„Es ist schön heute abend!" sagte Frau Reich- mann.
„Es ist schad« für jede Minute, die man drinnen im Saal verbringt.
Joe sah, daß die dickliche Frau wundervollen Schniuck trug; vor allem fiel ihr ein mit großen Brillanten besetztes Armband in die Augen.
„Haben Sie meine Freundin unten gesehen?" fragte sie jetzt.
„3a! Madame Wintere ist eifrig beim Tanzen. Wenn man noch so jung ist, hat man mehr Freude daran,' als an allem anderen. Aber warum find Sie nicht unten, Fräulein Nowa- kowska? Es gibt genug Männer, die sich freuen toür&en, mit einer so schönen jungen Dame tanzen -u dürfen. Oder ist der Herr Bruder fo streng?"
-Aber, gnädige Frau, Joe kann natürlich tun und lassen, was sie will. Dort kommt Madelon mit Herrn Toktor Richter. Hallo! Hier sind wir!"
■Magbalene und August Richter kamen näher.
„Wir wollen ein wenig Luft schöpfen", sagte Magdalene. Ihre Wangen waren gerötet Man sah ihr das Vergnügen an, das ihr der Tanz bereitet hatte.
3«£t kam eine kühle Brise über daS Meer herüber. Die Damen schauerten zusammen, zogen ihre Pelze enger um den Körper.
„Es wird reichlich kalt, meine Herrschaften", meinte Herr Reichmann. „Ich schlage vor, wir gehen in den Saal zurück und trinken gemütlich «in paar Flaschen zusammen."
t Fortsetzung folgt)


