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27/12/1932 Erstes Blatt
 
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nr. 5(14 (Erft?$ Blatt

182. Jahrgang

Dienstag, 21. Dezember 1952

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyrwt; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den An« zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.

Heim ins Reich!"

Danzigs Kampf um fein Deutschtum.

Von Dr. Or.'Ing t). r. H. Strunk, ehemaliger Senator der Freien Stadt Danzig.

Wer das Danziger Kulturleben, das entspre­chend dem deutschen Charakter Danzigs ein rein deutsches ist, oberflächlich betrachtet, der wird feststcllen, daß es wie das einer reichsdeutschen Großstadt verläuft: Vorträge, Konzerte, Theater- vorfüHrungen, Besprechungen akademischer und anderer Verbände, Debatten über Bewilligungen im Stadtparlament und im Volkstage, Presse- artikcl und dergleichen. Plötzlich aber treten ihm die Merkmale einer weniger ruhevollen Kuliur- arbei-t entgegen. Bei der akademischen Eichendorff- Feier der Technischen Hochschule am 9. Dezember verkündete der Vektor der Technischen Hoch­schule: Der Verein für das Deutschtum im Aus­land hat einen Eichendorff-Preis von jährlich 600 Gulden errichtet, der eine neue Möglichkeit für die Förderung wissenschaftlicher Deutschtumsarbeit erschließt. Der Preis soll Preisaufgaben auf dem Gebiet der Dan­ziger Kulturgeschichte dienstbar gemacht werden. Drese Stiftung ist ein Kennzeichen dafür, daß der Danziger Kulturetat infolge der Rot der Zeit so schlecht ausgestattet werden muhte, daß Hilfe aus dem Reich zur Erfüllung der nötigsten Aufgaben erforderlich ist.

Ein anderes Moment: bei einem Abkommen zwischen Danzig und Polen auf der letzten Genfer Ratstagung hat sich die Freie Stadt verpflichtet, die in ihr ansässigen Staatsbürger polnischer Rationalität so zu behandeln, wie die Deutschen in Polen behandelt werden. Das klingt gewiß billig und harmlos und doch fließt aus dem Abkommen eine Fülle kulturel­ler und politischer Konflikte, bei deren Austragung in der nächsten Zeit schwere Kämpfe ausgefochten werden. Es handelt sich dabei um die praktische Anwendung des Artikel 33 der Pariser Konvention von 1920, der vor einem halben Jahr durch das Haager Schiedsgericht in seinen wesentlichen Zügen ausgedeutet worden ist, und zwar zugunsten Danzigs.

An solchen Beispielen erkennt man. daß Dan­zig Grenzland ist, dah der Geisteskampf der an allen Volks- und Staatsgrenzen ausgefochten wird, auch hier ausgetragen wird. Da aber das kulturelle Leben in Danzig im allgemeinen gesund ist, darf Deutschland mit einer gewissen Zuver­sicht damit rechnen, dah auf diesem Gebiet kein Unglücf geschieht. Denn es darf hier das Un­wahrscheinliche festgestellt 'werden, dah auf dem Gebiete des kulturellen Lebens eine Einheit der Auffassung zwischen allen Par­teien besteht, nämlich der Wille, das ange­stammte Danziger Deutschtum unversehrt und unverfälscht für alle Zeiten zu erhalten und dieses Ziel insbesondere durch einen engen An­schluß an das KulturschaffenimDeut- schen Reiche zu erreichen. 3a das Tieberge­wicht deutscher Bildung und das Ansehen der deutschen Sprache ist selbst in der gefährdeten iso­lierten Lage des Freistaates noch so stark, dah das Danziger Deutschtum fähig ist, jährlich Hun­derte von Kaschuben in den Bann des deutschen Kulturlebens zu ziehen. So ist also bedrohtes Deutschtum noch in der Lage, moralische Erobe­rungen für unsere deutsche Sache zu machen.

Trotz dieser Anerkenntnis ist das Danziger Deutschtum weit davon entfernt, sich in einer Art Kulturseligkeit glücklich zu fühlen. Es weih zu ge­nau die großen Gefahren zu werten, die über dem Schicksal der Freien Stadt Danzig schwe­ben. Es ist nicht bloß ihre politiscbe und wirtfchaf- liche Lage bedroht, sondern im Zusammenhänge da­mit auch die kulturelle Geltung des Deutschtums. Letzten Endes sind die Freuden, die Kunst und Wis­senschaft gewähren, nurein leidiger Trost und vermögen nicht das stolze Bewußtsein zu ersetzen, einem großen glücklichen und geachteten Volke an­zugehören" (Goethe). Es ist ein Land in Ket­ten. Ein dauernder Druck liegt aus der ganzen Bevölkerung. Sie läßt sich zwar nicht niederdrücken durch die Last, die ihr das unerbittliche Schicksal auferlegt hat. Der Wille, den ihr ausgezwungenen Kampf siegreich zu bestehen, ist ungebrochen, aber Enttäuschungen und Aufregungen aller Art lassen im ganzen nirgends eine frohe Stimmung aufkom­men. Es fehlt zwar nicht an Erfolgen, die stolz und boffnungsfroher machen, wie kürzlich die auf der letzten Ratetagung in Genf gelungene Abwehr der von Polen geplanten teilweisen Einführung der polnischen Zloty-Währung in Danzig; denn die Bevölkerung des Freistaats ist in seltener Geschlossenheit stolz auf seine Gulden­währung, die sich in allen Stürmen so fest gehal­ten hat. Aber das soziale Elend ist infolge der Ar­beitslosigkeit zu groß, als daß man durch ein gün­stiges Ereignis darüber hinweggebracht werden könnte, lieber Danzig liegt eine Spannung, eine Gereiztheit und Nervosität, die sogar schon Fremden, die nur kurze Zeit hier weilten ausge­fallen ist. Das Wirtschaftliche und das Politische hängen in Danzig unter sich und mit dem Kulturel­len aufs engste zusammen. Wirtschaft und Handel stehen seit Jahren m einem Kampf um ihre Exi­stenz, da Polen jetzt'nach dem Mißlingen vieler an­derer noch eine neue Methode an wendet, um Dan­zig seinen Wünschen gefügig zu machen: nämlich den staatlichen und privaten Boykott. Was hilft es, daß die vom Hohen Kommissar des Völkerbun­des selbst in dem entsprechenden Klageverfahren den Danziger Standpunkt als rechtlich voll begründet anerkennt, wenn ein solches Verfahren jahrelang läuft, wenn unterdessen dem Danziger Handel alle Lebensadern abgeschnitten werden und größte wirt«

Parteien und das Kabinett Schleicher.

Für schnelle Klärung.

Für den 11. Januar Zusammentritt des Reichstags erwartet.

Berlin, 27.Dez. (BDZ.) Am Dienstag wurde in Berliner politischen fireifen, soweit der Weih- nachtsurlaub bereits beendet war. vor allem die Frage erörtert, wie die Aussichten für die Januartagung des Reichstages lägen. Die offizielle Einladung zur Sitzung des Aelte- ft e n r a t s des Reichstags am Mittwoch, dem 4. Januar, 16 Uhr, liegt jetzt vor. Auf der Tagesordnung steht ein Antrag der kommunistischen Fraktion auf Einberufung des Reichstagsplenums. Es verlautet in parlamentarischen Kreisen, dah auch die Nationalsozialisten den Wunsch haben, den Reichstag früher tagen zu lassen, als es ur­sprünglich nach der Erklärung der Reichsregierung möglich erschien, dah sie die gewünschten Auskünfte über die Kassenlage des Reiches und den Etat 1933 vor Witte Januar im houshaltsausschuh nicht geben könne. Als Tag für den Wiederzusammentritt des Reichstags hörte man Wittwoch, 11. Ja­nuar, nennen. Es heiht auch, dah die Reichs­regierung einer etwas vorzeitigen Einberufung keine Schwierigkeiten in den weg legen werde, wobei hervorgehoben wird, dah es um so besser sei, je schneller eine Klärung der politi­schen Haltung des Reichstags gegenüber dem Kabi­nett Schleicher erfolge. Wan rechnet damit, dah Sozialdemokraten und Kommunisten versuchen werden, die politische Aus­sprache mit anschllchender Abstimmung über die Wihtrauensooten vom Reichstag sofort durch­führen zu lassen. Für das weitere Bestehen des Reichstags dürste hierbei mahgebeud sein, ob die Nationalsozialisten durch positive Zustim­mung die Mehrheit gegen Schleicher schon in der Januartagung ermöglichen, oder ob sie sich zunächst vielleicht der Stimme enthalten bzw. an der Ab­stimmung nicht beteiligen würden.

DerVölkische Beobachter" gegen Schleicher.

München, 24.Dez. (TU.) Unter der lieber« schriftSchleichers Arbeitsbeschaffung der Be­ginn der Regierungskrise ' schreibt derVölkische Beobachter", es sei bezeichnend, daß im Kabinett Schleicher bereits genau dieselben 11 n- stimmigkeiten in Erscheinung getreten seien, wie im Kabinett Papen. Wieder seien es der Minister W a r m b o l d und der Reichsbankpräsi­dent Dr. Luther, die voll Bedenken steckten. Es stimme also nicht, wenn man von einer Eini­gung innerhalb des Kabinetts spreche. Eine solche sei solange ausgeschlossen, als die Einflüsse Warrnbolds und Luthers nicht ausgeschal­tet seien. Schleicher werde daran scheitern, dah er dem Kabinett v. Popen nur ein anderes Firmenschild umgehängt habe und sich von den Männern nicht habe trennen können, die den Sturz des Herrn v. Papen herbeigeführt hätten. Es könne gesagt werden, dah Reichs­kanzler v. Schleichers erste Tat, dem Volke Arbeit und Brot zu geben, ein Schlag ins Wasser sein werde. 3n Wirklichkeit könne man schon jetzt von einer W e i h n a ch t s k r i s e des Kabi­netts sprechen, das in drei oder vier Lager gespalten sei und nur noch nach außen hin den Eindruck eines homogenen Gebildes zu erwecken

bemüht sei. 3m 3anuar werde sich die Regie­rung vor Kämpfe gestellt sehen, denen sie nicht gewachsen sein werde, besonders, weil erst dann nach beendetem Burgfrieden der organi­sierte Kampf der Rationalsozia- l i st e n zum Sturz dieser volksfremden Regierung einsetzen werde.

Sozialdemokratische Kampfansage.

Paris, 26. Dez. (TU.) Dreitscheid veröffent­licht imPopulaire" einen Artikel, in dem er die Haltung der Sozialdemokraten gegenüber der Regierung von Schleicher barlegt. Breitscheid verwahrt s i ch gegen die im Ausland ver­breitete Ansicht, dah die Reichsregierung von den Sozialdemokraten unterstützt oder auch nur geduldet werde. Der er­bitterte Kampf, den er und seine Freunde gegen das Kabinett Papen geführt hätten, habe im Ausland die Meinung aufkommen lassen, als ob sie sich mit dem Kabinett Schleicher abfinden würden. 3n Wirklichkeit nehme die deutsche So­zialdemokratie jedoch eine streng opposi­tionelle Haltung ein. Die neue Regierung unterscheide sich zwar in verschiedenen Punkten von der Papens. Sie sei vor allem wesent­lich geschickter und habe für die Rotwendig­keiten der Gegenwart ein viel größeres Verständnis. Sie wisse, daß sie großen

,Trockenes' Weihnachtenin LISA.

Der Senat lehnt sofortige Beratung der Bicrvorlage ab.

Washina ton, 24. Dez. (TU.) Bekanntlich hatte das Repräsentantenhaus die Bier- Vorlage, die die sofortige Freigabe von Bier mit 3,2 Gewichtsprozent Alkohol Vorsicht, angenommen und sie sofort an den Senat weitergeleitet. Der dort am Freitag von dem Senator Bingham unter­nommene Versuch, die Biervorlage noch vor Weihnachten durchzubringen, wurde mit einer Mehrheit von 48 gegen 23 Stimmen vereitelt. Bingham nahm dieses Ergebnis philosophisch auf und bemerkte trocken, dann würde das Biergefetz vielleicht nächste Weihnachten durchgehen, möglicher­weise auch schon am 4. Juli. Der Kongreß vertagte sich über die Weihnachtsfeiertage. Die Biervorlage schläft im Schubfach des Rechtsausfchusses des Se- nats" WieUniversal" meldet, hat Präsident Hoover vor seinem Urlaubsantritt im Freundes­kreise erklärt, daß er kein Gesetz Über die Freigabe von Bier oder sonstige Erleichte­rungen des Alkohol Verbots unterzeichnen werde. Eine Aenderung des amerikanischen Trockenlegungcgefetzes ist daher erst nach dem Amtsantritt Roosevelts zu erwarten.

Davis bei Roosevelt.

Albany (Neuyork), 26. Dez. (WTB. Funk­spruch.) Gouverneur Roosevelt und Norman Davis erörterten bei ihrer Zusammenkunft die Abrüstungsfrage, die Welt-Wirtschastskonferenz und die Probleme der Tarifänderung und der Wäh- rungsstabrlisierung. Norman Davis erklärte nach Beendigung der Besprechung: Wir brauchen Abrüstung, um das Vertrauen wieder herzu­stellen; denn Vertrauen bedeutet Kreditgewäh-

Schwierigkeiten begegne, die man nicht einfach aus dem Weg räumen könne, sondern die u m - gangen und vernichtet werden müßten. Wenn Schleicher deshalb im Augenblick darauf verzichtet, das Programm der Verfassungs­änderung durchzuführen, so bedeute dies nicht, daß er ein überzeugter Demokrat sei, sondern daß er die bestehenden Schwierigkeiten nicht noch durch neue verschärfen wolle. Der Beinamesozialer General", den ihn die bürgerlichen Parteien gegeben hätten, sei jedoch ebenso unverdient, wie man einen Offizier loben würde, da er für Unterbringung und Ver­pflegung seiner ©olibaten sorge, um die Moral der Truppe zu heben. General v. Schleicher sei zwar nicht aus dem Holz geschnitzt, wie der ehemalige Reichskanzler vn Papen, das Holz stamme aber aus demselben Walde. Wenn Schleicher das Wirtschastsprogramm seines Vor- gängers übernehme, so bedeute das nicht ein­mal, daß er auf die kapitalistische Lösung ver­zichte, die sein Vorgänger angeftrebt habe und die von den Sozialdemokraten immer wieder zu­rückgewiesen worden sei. General von Schleicher habe keinerlei Unterstützung von den Sozialdemokraten zu erwarten. Wenn er seine Bemühungen zur Herstellung einer parla­mentarischen Grundlage von Erfolg gekrönt sehen wolle, fo werde er sich an d i e Rational­sozia list en wenden müssen.

rung, und Kredit ist die treibende Krasi des Handels. Er erklärte ferner, die Welt­wirtschaftskonferenz werde bei ihrem Zusammen­tritt Anfang nächsten Sommer nur dann wirksame Arbeit leisten können, wenn sich die Hauptmächte über ihr Vorgehen geeinigt haben. Roosevelt soll, wie es weiter heißt, in dieser Unterredung die These vertreten haben, das Gefühl der Sicher­heit zwischen den Nationen werde in genau dem Maße zunehmen, in dem d i e Zahl der Kriegswerkzeuge vermindert werde. Er habe in diesem Zusammenhang an eine Bemer­kung Clemenceaus in Versailles erinnert, daß Frankreich sicher fein werde, sobald d i e Gewähr bestehe, daß es mit Deutschland keinen Krieg haben werde. Davis soll erwidert haben, daß er eine günstige Aenderung in der Hal­tung der französischen Politik gegenüber Deutsch­land wahrgenommen habe. Hinzugefügt habe er, er glaube, daß trotz des japanischen und französischen Widerstandes eine Abschaffung der U-Boote möglich fein werde. Schließlich sei Davis noch für eine französisch-italienische Flot­tenvereinbarung entsvrechend dem Londo­ner Vertrag für die Abschaffung von Bombenflugzeugen, Gas und beweg­licher schwerer Artillerie eingetreten.

Oie Kämpfe in Gran Chaco beginnen wieder.

P a ri s, 27. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung aus Asuncion haben sofort nach Beendi­gung des vom Papst angeregten 24stündigen Weih« nachtswaffenstillftan'des zwischen Bolivien und Paraguay die Kämpfe wieder eingesetzt. In der Gegend von Corralez wird ein General­angriff der bolivianischen Streit­kräfte erwartet.

Der neue Kurs in Amerika.

schaftliche Not herrscht? Wir Danziger find in Ge­fahr, uns auf diese Weisetot zu siegen".

Wer wird aber einen Aufsatz in der Weih­nachtszeit mit so finsteren Andeutungen abfchlie- ßenl Es gibt eine Hoffnung, die uns allen leuch­tet. Das ist das Vertrauen auf dieHilfe unserer deutschen Volksgenossen und auf die Förderung der Freien Stadt durch die Reichsregierung. Während noch vor ein paar 3ahren das törichte SchlagwortDanzig den Danzigern" Verwirrung anstiftete und die Ab­hängigkeit Danzigs von der Reichshilfe nicht voll erkennen ließ, ist jetzt dieses Zwischenstadium über­wunden. Es gibt ein Zauberwort für uns alle, es heißt:Heim ins Reichl" Es mag fein, dah die Heimkehr noch lange dauert, daß noch viele Hindernisse bis zum glücklichen Wegende überwunden werden müssen. 3mmerhin: Es bleibt die lebendige Hoffnung, dah das Kreuz, das uns jetzt auf erlegt ist, von uns genommen und dah uns einmal die Krone der Erlösung zuteil wird.

Kamps um die Anleihe für Oesterreich.

Widerstände inP aris.-DieAnschlntzPsychose.

Paris, 27. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die Entscheidung über die Bewilligung des französischen Anteils an der neuen Anleihe für Oesterreich scheint nicht so glatt zu laufen, wie man ursprünglich dachte. Der Finanzausschuß der Kammer hat die Entscheidung vertagt. Finanzminister Cheron hat bezeichnen- I verweise vor dem Ausschuß erklärt, dah es sich dabei um eine außenpolitische Transaktion han­dele, die den Finanzminister nicht übermäßig in­

teressiere. 3m übrigen hat die rechtsstehende Presse schon seit einigen Tagen einen Feldzug gegen die Bewilli­gung der französischen Tranche er­öffnet. Die Polemik stützt sich in der Hauptsache wieder auf das Anfchlußargument. So schreibt der nationalistischeOrdre": Sollen wic feige de­nen Geld vorstrecken, die es auf unsere Vernich­tung und die unserer osteuropäischen Verbündeten abgesehen haben. Das linksstehendeOeuvre" wendet sich ebenfalls gegen die Bewilligung, wenn auch hauptsächlich aus innerpolitischen Gründen mit Rücksicht auf die S ch uldenverhand- lungen mit Amerika.

Die Christlichen Gewerkschaften fordern Erweiterung der Winterhilfe.

Berlin, 24. Dez. (TU.) Wie derDeutsche" meldet, hat der Vorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften an die Reichs­regierung ein Schreiben gerichtet, in dem drin­gend gebeten wird, die in Aussicht genommenen Maßnahmen inbezug auf die Winterhilfe zu erweitern. Die Rotlage sei in Anbetracht der auf ein Minimum gekürzten Unterftütjungen so groh, daß daraus nicht nur ernste kultu­relle und gesundheitliche Gefah­ren, sondern auch schwere Gefahren für den Staat und die Volksgesundheit entstehen mühten. Das, was bis jetzt an Beschlüs­sen für die Winterhilfe bekannt geworden fei, reiche nicht im entferntesten aus,um der gewaltigen Rot und der daraus resultierenden Gefahren Herr zu werden. Am dringendsten sei eine allgemeineErhöhung derälnter- stützungen für die Erwerbslos en, Kleinrentenempfänger und sonstige

Hilfsbedürftige. Wenn aber die Reichsregierung glaube, diese Erhöhung zur Zeit nicht durchführen zu können, mühte zumindesten ein einmali­ger für den Haushalt wirklich ins Gewicht fal­lender Geldbetrag gegeben werden.

Ausdehnung der Sperre für Einheitspreisgeschäfte.

Berlin, 24. Dez. (ERD.) 3n der nächsten Rümmer des Reichsanzeigers wird eine Ver­ordnung veröffentlicht, die unter Abänderung der Bestimmungen des 3. Teiles der Rotvervrdnung vom 9. März 1932 die bisher nur für Städte mit weniger als 100 000 Einwohner geltende Sperre der Errichtung von Einheitspreisgeschäften a u f alle Städte ausdehnt. Damit gilt in Deutschland das Verbot der Errichtung von Einheitspre sgeschäften ohne räumliche Einschränkung bis 1.April 1 9 3 4. Zur Ausdehnung der Sperre hat die Fest­stellung geführt, daß feit Erlah der Rotverord­nung vom 9. März 1932 in den von der dort angeordneten Sperre nicht betroffenen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern sich d i e Klagen des gewerblichen Mittel­standes über den Wettbewerb der Einheits­preisgeschäfte erheblich vermehrt hoben. Diese Klagen haben auch dazu geführt, dah von der großen Mehrzahl der Regierungen der Länder eine Ausdehnung der Sperre für Ein­heitspreisgeschäfte schlechthin als vordring- l i ch bezeichnet worden ist. Die Verordnung ent­hält weiter eine gewisse Vers chärf ung der für die bestehenden Einheitspreisgeschäfte gelten­den Betriebsvorschriften, insbesondere hinsichtlich des Verkaufes zu anderen als Einheitspreisen.