kosten ohne -en Wert deS Grundstückes in ber ^egel zwischen 4000 und 8000 Mk. liegen werden. Die nutzbare Wohnfläche der Wohn- und Schlafräume. sowie der Küche, darf höchstens 90 Quadratmeter betragen, die Rebenräume müssen sich rn den ortsüblichen Grenzen halten. Das Reich wird Hypothekendarlehen zur Erleichte- rung der Finanzierung gewähren, die in der Regel 1 5 0 0 Mark nicht übersteigen dürfen. Für kinderreiche Familien wird jedoch eine Heine Erhöhung der Daudar- lehen zugelassen werden. Die Darlehen sollen
mit 4 Prozent verzinslich und mit 1 Prozent tilgbar fein. Das Reichsbaudarlehen ist durch Eintragung einer Hypothek an zweiter Stelle für das Reich zu sichern. Der Bauherr muh mindestens über ein Kapital von 30 Prozent nachweisbar verfügen und den Rest der Finanzierung, also insbesondere auch die erste Hypothek selbst besorgen. Die Mahnohme soll vor allem auch der Arbeitsbeschaffung dienen, um dem darniederliegendcn Baugewerbe eine Anregung zu geben.
Zehn Lahre unter Mussolini.
Oer Diktator Italiens legt Rechenschaft ab.
Bon unserem römischen ^.-Korrespondenten.
Rom, Oktober 1932.
Olfö am 28. Oktober 1922 der König von Italien den Schwarzhemden die Tore der Hauptstadt öffnete und Mussolini, der in Mailand weilte, mit der Kabinettsbildung beauftragte, war nicht, wie ein weitverbreiteter Irrtum meint, die Revolution zu Ende und die ganze Macht in Händen des Führers der stärksten Partei. Die Sache sah vielmehr durchaus parlamen- tarisch und legal, fast herkömmlich aus. Mussolini nahm sein Portefeuille und ging mit verfassungsmäßigem Schritt ins Abgeordnetenhaus, wo seine Mannen eine der schwächsten Parteien bildeten. Er muhte seine Macht nicht nur mit dem König und seinem Heere teilen, sondern sich auch offen dem Herrscher unterstellen, er regierte zwar unumschränkt aus der Macht seiner Persönlichkeit heraus, aber der Form nach in Koalition mit anderen Parteien, mit Zentrum und Demokraten, sogar Sozialdemokraten. Er ersuchte die Kammer, ihm auf eine beschränkte Zeit Vollmacht zu geben, und die Kammer kam diesem Wunsche mit Mehrheitsbeschlüsse nach, einem Beschlüsse also, zu dem die Faschisten die wenigsten Stimmen beitrugen. Wer verkennt nicht den grohen Llnterschied zu den Vorgängen in Deutschland?
Wie die Fragestellung, so war auch die italienische Antwort eine andere: die Mehrheit, die antifaschistische, hob selber den Diktator auf den Schild, indem sie seinem Verlangen nachkam und damit H a r i I i r i beging. Er brauchte die Demokratie nicht zu zerschlagen, sie gab sich selber auf. Sie blieb sich darin treu bis zur letzten Stunde, als die Faschisten, allmählich zur stärksten Partei herangewachsen, das Mehrheitssystem ad absurdum führten, indem sie auf legalem, demokratischem, parlamentarischem Wege: durch Mehr- heitsbeschluh der Minderheit die Mandate entzogen. Damit war die Göhendämmerung da.
Richt ein Staatsstreich also, nicht ein Königs- Wort „rettete den Faschismus vor dem Zorn des Volkes", aus dem Volke selber stieg der faschistische Staat auf, wie sein Schöpfer aus den Aermsten der Armen.
Die eigentliche Revolution begann jetzt er ft, als die Schwarzhemden, zu einer schlagkräftigen Truppe zusammengefaßt, als Rational- miliz ins königliche Heer hineingeschoben und die führenden Köpfe der faschistischen Bewegung durch den „Grohen Rat", der verfassungsändernde Gewalt erhielt, verbunden wurden. Trotzdem hielten die Parteikämpse noch zwei Jahre an, das Land erlitt durch die Ermordung des Sozialistenführers Watteotti eine derartige Erschütterung, daß sich Mussolini bereit erklärte, zur „Rormalisie- rung" zurückzukehren. Dann erst, als die Demokratie dieses Angebot mit Hohn zurückwies, dann erst, am 3. Januar 1925, schritt der Duce, vom Parteiführer zum Führer einer Ration geworden, zur gewaltsamen Staatsumwälzung, indem er alle Parteien, das Wahlrecht, das parlamentarische System abschaffte und die bürgerlichen Freiheiten über den Haufen warf. Seither gibt es keine Freiheit des Wortes, der Versammlung, der Presse mehr, keine Gemeinde- und Stadtrate,
es gibt von alledem nichts mehr, was in allen anderen Staaten, Rußland ausgenommen, die Säulen der Dolksherrschaft ausmacht.
Das ist Revolution, das Staatsumwälzung, nicht der Zug der Schwarzhemden nach Rom.
Wenn Italien heute trotzdem das Decennale feiert, den zehnten Jahrestag jener Episode, so mit Recht: beim der 28. Oktober bezeichnet den Eintritt Mussolinis in die Geschichte. Sein ist das Werk, sein das letzte Dezennium, fein ist alles, was sich inzwischen auf der Apenninenhalbinsel, in Volk und Ration gewandelt hat.
Als er vom sterbenden liberalen Staat Vollmachten verlangte, versprach er, davon nur zum Wohle des Vaterlandes Gebrauch zu machen. Er versprach, zur gegebenen Zeit Rechenschaft abzulegen. Er hat sein Versprechen gehalten.
Die Bilanz einer zehnjährigen, neuartigen Staatsführung, sie liegt offen vor aller Augen. Jedermann sollte sie sine ira et studio einsehen. Vielleicht wird mancher sagen, das italienische Volk dürfe sich ja doch nicht so dazu äußern, wie es wolle,- gut, dann soll der Außenstehende, der Unbefangene, der Reutrale Kritik üben. Mussolini erleichtert die Aufgabe gleichermaßen Freund wie Feind, indem er bis zum Frühjahr 1933 die Fahrkarten nach Rom zu weniger als einem Drittel des "Normalpreises abgibt. Und von den Alpen bis Sizilien wird nicht sein Wort, sondern seine Tat die Gläubigen wie die Zweifler begleiten.
Wie hat sich das Gesicht des Landes geändert! So mancher wird es gar nicht wiedererkennen. Das Italien Mussolinis sprengte mit einer nicht für möglich gehaltenen Dolkskraft die engbrüstigen, sonnenängstlichen Gassen des Mittelalters wie die muffigen Wände einer falschoerstandenen Tradition, es befreite sich von der Kitschrornantik wie von der vermeintlichen Unantastbarkeit der Weidegründe großer Herren. Beispiellos ist die Schnelligkeit dieses Aufstieges. Um ihn in seiner ganzen Größe und Gewalt zu verstehen, darf man allerdings nicht amerikanische Maßstäbe anlegen, sondern muß sich den Stillstand und die Rückständigkeit der vorhergegangenen Epoche vor Augen halten. Es handelte sich ja nicht darum, soundsoviele Milliarden „auszuwerfen", um damit Straßen anzulegen und Sümpfe trocken- zulegen und Häuser zu bauen, das brächte schließlich jeder steuerquetschende Finanzminister fertig. Die Aufgabe Mussolinis war aber die, ein ganzes Volk in feine eigenen Gedanken gänge hineinzuzwingen, ein Volk, von dem man nicht mit Unrecht sagte, feine Lebensanschauung erschöpfe sich im dolce far niente. Von allen Arbeiten, die sich der neue Herakles aufbürbete, war dies ohne Zweifel die schwerste. Daneben sollte er die Maffia ausrotten, der Camorra den Garaus machen, den Augiasstall einer verfilzten Bürokratie ausmisten, die lernäische Schlange Der Bestechlichkeit besiegen, die goldenen Aepfel der Hesperiden aus dem gefährlichen Garten der Außenpolitik holen und in die Unterwelt hinuntersteigen, um den Kerberos der sozialen Kämpfe wegzuführen.
Es galt, Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu versöhnen, es muhte Brot geschaffen werden, Brot aus Steinen und so viel, daß das Land im Kriegsfälle nicht mehr ausgehungert werden kann.
Aus Anlaß der Zehnjahresfeier des Marsches auf Rom hat der Duce eine Reife durch die italienischen Großstädte angetreten. Unser Bild zeigt Mussolini bei Der großen Truppenparade in Turin, bei der er sich zum erstenmal im Stahlhelm zeigte.
A V* '■ -
Wer sollte die stymphalischen Vögel der Malaria vertreiben, wer die Kinderarbeit abschaffen, wer die Kinder staatsgläubig erziehen? Die Jugend eines unheimlich wachsenden Volkes schrie nach einem Ziel, eine an Fremdherrschaft gewohnte Ration nach einem neuen Stern, nach völliger Selbständigkeit. Es ist nicht leicht, zu sagen, woran es fehlte, derm es fehlte überall.
llnb der Mann aus dem Volke, dieser Sohn eines Schmiedes, er stand ohne Unterlaß am Ambos einer Ration, er steht in dieser Stunde wie damals vor zehn Jahren im Feuerschein und schweißt und hämmert, er weih nichts von Sonntagen und Urlaub, er besiegte sich selber, indem er körperliche Leiden niederzwang, er hat nur den einen Gedanken: Vaterland! Er schafft etwas Reues, er formt einen Staat, er hat und verwirklicht eine neue Idee. Was ist Faschismus?
Er selber schreibt die Antwort für die große Enzyklopädie, die erste umfassende des Reiches. Er ist gütig bis zur Schwäche und streng bis zur Unerbittlichkeit, er lenkt seinen Wagen selbst, er reitet und ist ein gefährlicher Fechter, er ist abends allein, ganz allein im Schoße seiner Familie, trinkt Milch und greift zur Fiedel.
Das ist fein Glaubensbekenntnis: Alles für den Staat, nichts gegen den Staat, nichts außerhalb des Staates! Er fuht auf diesem unerschütterlichen Sockel und König und Papst stehen ihm zur Seite.
Wo ist der Staatsmann, der besser Rechenschaft abzulegen wühle? Diele schelten auf das faschistische Italien, aber wer beneidet es nicht? Wer neidet ihm nicht zumindest diesen außer- ordentlichen Mann?
Aus aller Well
Kirchlich.Sozialer Kongreß in Stuttgart.
Im Rahmen des Kirchlich-Sozialen Kongresses in Stuttgart fand Die Tagung einer Reihe von Arbeitsgemeinschaften statt, Die nach Berufsgruppen .gealiebert waren. Die Arbeitsgemeinschaft Der Genossenschafter beschäftigte sich auf Grund eines Vertrags von VerbandsDirektor Schuhmacher, Stuttgart, mit Der „Aufgabe Der Genossenschaften beim Neubau Der Wirtschaft". Bei Den Frauen sprach Frl. Dr. Altgelt, Berlin, über „Frauenberufe und Frauenaufgaben in Der Gegenwart" Die Evangelischen Unternehmer legten ihren BerhanDlungen einen Vortrag von Dr. Karren- berg, Velbert, über „Die Zukunft Der Unternehmerfunktion und -Verantwortung" zugrunDe. Bei Den Evangelischen Volksbildnern sprach Dr. Krause, Berlin, über „Die Bedeutung berufsstänDischer Erziehungsarbeit für Die christliche Gemeinde unD Das Volksleben". Bei Den Evangelischen Beamten äußerte sich Der preußische SanDtagsabgeorDnete Ebersbach, Berlin, über „Das Berufsethos Des evangelischen Beamten". Die Evangelischen Akademiker endlich behandelten im Anschluß an einen Bericht von Dr. Büchse!, Berlin, „Die UeberfüUung Der akademischen Berufe als soziales Problem". In allen Arbeitsgemeinschaften wurden in lebhaften Verhandlungen Die brennenden Fragen Der einzelnen Berufsgruppen Durchgesprochen. Der erste Tag klang aus in einem Festgottesdienst in Der Stiftskirche, Der durch Bachsche Orgelfugen und Motetten
von Schütz umrahmt war. In seiner Festpredigt rief Kirchenpräsident D. Wurm die Gemeinde zur Selbstprüfung auf. In der zweiten Hauptoersamm- lung sprach Unioersitäts-Professor Dr. Berg- ft rä feer, Heidelberg, über „Nation und Wirtschaft in der gegenwärtigen Krise". Der Redner stellte Drei Grundforderungen auf, die Erziehung zur nationalen Solidarität im wirtschaftlichen Handeln, die Ausbildung eines klaren wirtschaftlichen Denkens und Der Aufbau sich verantwortlich fühlender Gruppen in der Nation, Die Durch Verständnis der Wirk- lichkeit mithelfen. Die Staatskunst zu stützen und zu entwickeln. — In der Aussprache wurde von gewerk- schaftlicher Seite auf die Notwendigkeit des Mitbestimmungsrechts Yes Staatsbürgers in der Wirtschaft, das Aufeinanderangewiesensein von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und Die Unterstützung Der kleineren und mittleren Betriebe hingewiesen.
Verhängnisvolles Spiel mit der Splrilusflafche.
Die drei Kinder der Witwe R e s p o n t e k in Groß-Wilkowitz (Kreis Deuthen) spielten, während sie sich aillein im Hause befanden, in der Rähe des Ofens mit einer mit Drennspiritus gefüllten Flasche. Das vierjährige Mädchen goß dabei Spiritus in das Feuerloch des brennenden Ofens. Bei der Explosion der Spiritusflasche erlitten das Mädchen und ihre beiden 21/2- und 6jährigen Geschwister schwere Brandwunden. Das Mädchen ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen, während die beiden anderen Kinder in bedenklichem Zustand darniederliegen.
Sherlock Holmes' gefährlichstes Abenteuer.
Von Frank Highman.
„Mein lieber Watson", sagte Sherlock Holmes zu mir, als ich ihn wieder einmal in seinem gemütlichen Heim in der Dakerstreet auf gesucht hatte, „wenn du ein Kind siehst, das einen Mann führt, dann ist der Mann blind. Siehst du aber einen Mann, der ein Kind führt, dann ist der Mann verheiratet!"
So war mein berühmter Freund. Er konnte tagelang in seinem alten Lehnsessel fitzen, ins Leere blicken und über die tiefsten Probleme grübeln. Da ich ihn von früher her viel zu gut kannte, um nicht zu wissen, daß er nun wieder auf längere Zeit in Schweigsamkeit versinken würde, stellte ich mich zum Fenster und beobachtete den Pasfantenstrom in der engen Straße. Schräg gegenüber sah auf einer Torstufe ein alter Wann, der auf einer Geige kratzte und die Vorübergehenden durch ein stummes, demütiges Senken seines Graukopfes um ein Almosen an- flebte. Gedämvft und durch den Straßenlärm unterbrochen klangen die schrillen Töne der verstimmten Fiedel zu mir heraus. Der Alte mihhan- delde gerade den neuesten Londoner Gassenhauer „Am Steueramt, am Steueramt lacht nicht einmal ein Baby", als sich plötzlich die Stimme meines Freundes vernehmen liefe:
„Du hast recht, Watson, das Leben wird von Tag zu Tag unerträglicher!"
„Wie, in aller Welt, konntest du jetzt meine Gedanken erraten, lieber Holmes?" fragte ich aufs höchste erstaunt.
„Das war sehr einfach. Als der Musiker dort unten den Schlager spielte, hast du an deine linke Rocktasche gegriffen, aus der dir jetzt noch der neue Einkommensteuervorschreibung, übrigens ein gräßliches Wort, herausguckt, und hast dazu gemurmelt: „Diese ver ...“, nein, das kann ich unmöglid) wiederholen. Du bist ein zu gewissenhafter Chronist, um es nicht in deinen Memoiren festzulegen und das würde uns dann beiden eine Anklage wegen Amtsehrenbeleidigung eintragen!" —
Es läutete. Gleich Darauf kam Mrs. Wilson, die gute, alte Haushälterin meines Freundes, herein und meldete:
„Ein Herr will Sie sprechen, Mister Holmes!"
„Führen Sie ihn erst in einigen Minuten herein, liebe Mrs. Wilson. Ich habe noch Vorbereitungen zu treffen!“ sagte Holmes, griff zur Mor- phiumfptitze und trank fie aus. «Wetten wir»
Watson", fuhr er fort, „dafe unser Besucher Schulze-Crompton heifet und Reporter der .Reuen breiten Klappe' ist!"
„Du kennst ihn?"
„Rein, nie gesehen!"
„Wie willst du das bann wissen?" fragte ich verblüfft.
Sherlock Holmes lehnte sich zurück, schloß die Augen und streichelte mit den langen, schlanken Fingern sein Kinn, dafe es knackte. Endlich begann er:
„Iaaa, das ist eigentlich lächerlich einfach! Ich hörte den Mann schon die Stiege heraufkommen. Zu den gewöhnlichen Besuchern, wie sie so häufig kommen, war er nicht zu zählen, dazu ist sein Tritt zu leise. Dieb war es auch keiner, dazu waren die Schritte wieder zu laut. Also: ist es ein Reporter. Gehen wir weiter. Wer bringt die interessantesten Interviews: die ,Reue breite Klappe*! Wenn du das Blatt aufmerksam gelesen hast, wirst du gefunden haben, daß alle Lokalberichte mit .Schulze-Crompton' gezeichnet sind. Folglich: ist es dieser und kein anberer! ilnö außerdem", Holmes seufzte, „außerdem hat er mir geschrieben, daß er um vier ilfjr kommt! Es ist punkt vier." —
Die Türe öffnete sich und liefe einen schlecht genährten Mann ein. Er mochte in den mittleren fahren sein, hatte eine unendlich hohe Stirne, die sich bei näherer Betrachtung als Glatze erwies. Er machte eine vehemente Verbeugung, als er grüßte. Holmes wies auf mich und sagte:
„Dies ist mein Freund, Dr. Watson. Sie werden ihn ja dem Ramen nach kennen. Sie können vor ihm ruhig sprechen, er ist verschwiegen wie Sie selbst!"
Er reichte auch mir seine Hand, sie fühlte sich rauh und knorpelig an, wahrscheinlich vom vielen Schreiben.
„Also mein gefährlichstes Abenteuer soll ich Ihnen erzählen, Mister Schulze-Crompton. Das ist kurz berichtet", sagte Sherlock Holmes und griff nach einem japanischen Oelgöhen, mit dem er während seiner ganzen folgenden Erzählung traumverloren spielte.
llnfcr Besucher machte wieder eine derart heftige Verbeugung, daß sie einem Menschen mit kleinerem Kopf sicherlich eine respektable Gehirnerschütterung mit letalem Ausgang eingetragen hätte. Dann zückte er einen schmierigen, abgegriffenen Rotizblock. dazu einen Bleistiftstummel, den der selige Herodes zum ersten Wale gespitzt haben mochte, als er seine menschenfreundlichen Erlasse niederschrieb, und nahm schließlich eine Horcherpose ein, so etwa, wie auf manchen I Theatervorhängen iy der Provinz die Musen ab- I
gebildet sind, wenn sie einer überirdischen Musik lauschen.
„Ja, das war damals wirklich kein Spaß, Mister Schulze-Crompton", begann also Holmes- „Es war zur Zeit, als der Schah von Persien in London weilte und man draußen in Wimbledon einen riesigen Rummelplatz errichtet hatte. Ich hatte gerade die Morrison-Affäre, sie erinnern sich ja daran, zum guten Ende gebracht und wollte auf einen Tag ausspannen. So fuhr ich nach Wimbledon und erging mich zwischen dem fröhlichen Voll, das von Schaubude zu Schaubude zog, in denen allerlei Ulf getrieben wurde. So war es spät geworden. Es mochte schon auf Mitternacht gehen, als ich an den Heimweg dachte. Alle Lichter waren bereits gelöscht, die Gegend war plötzlich leer geworden. Da, als ich gerade beim „Verwunschenen Schloß", so hieß eine Bude, die sich großer Anziehungskraft beim Publikum erfreute, vorbeikam, hörte ich einen halblauten, erstickten Schrei. Einen Schrei, wie ihn nur ein Mensch in höchster Todesnot ausstohen kann. Er konnte nur aus dem „Verwünsch nen Sch oh" g kommen fein Mit zwei Schritten war ich bei Der eisenbeschlagenen Türe. Sie war nicht versperrt- Ich stürmte einen schmalen, finsteren Gang entlang, doch plötzlich verlor ich den Boden unter den Füßen. Ich war auf eine Falltür getreten und stürzte, ich weiß nicht wie tief. Als ich aus meiner Betäubung erwachte, lag ich in einem kleinen fenfter- und türlosen Raum und vor mir stand, stellen Sie sich mein Entsetzen vor, Mister Schulze- Crompton, also vor mir stand mein Todfeind Professor Marriaty, in jeder Hand einen Revolver, deren Läufe auf mich gerichtet waren. Ich verstand nicht, was er sprach, ich sah nur sein höhnisches Grinsen und drehte mich um, nach einem Ausweg suchend Mir wollte schier das Blut gerinnen, hinter mir lauerte „Jack the Rip- per“, der gefürchtete Aufschlitzer mit einem langen Messer in der Faust. Richt genug an alledem, hörte ich noch einen tierischen Laut, der mir bekannt vorkam. Ich blickte hin: am Boden, zum verderblichen Sprunge geduckt, lauerte der Hund Don Baskerville. Run wußte ich, daß ich verloren war. Auf Gnade und ilngnaöe war ich also diesen Bestien ausgeliefert ...“
Sherlock Holmes atmete schwer und seufzte bei öer Erinnerung an jene Schreckensnacht.
„Hnb ... und wie haben Sie sich aus dieser furchtbaren Situation befreit?“, stammelte unser Besucher, der schon das Ende dieser gruseligen Geschichte nicht erwarten konnte.
„Gar nicht", sagte Holmes traurig, »umgebracht haben sie mich!"
Zeitschriften.
— „Berliner Monatshefte", Oktoberheft, Jahrgang 10. Quaderverlag E. m. b. H., Berlin W 15. Preis 1,20 Mk. Einen ungemein vielseitigen Ausschnitt aus dem mit der Kriegsschuldfrage zusammenhängenden Gebiet vermittelt das vorliegende Oktoberheft. Der Leipzig« Historiker Erich Brandenburg gibt in seinem Beitrag „Lord Rosebery" ein Bcld von der politischen Gedankenwelt eines englischen Staatsmannes und Grandseigneurs um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts. Professor Gustav R o - loff, Gießen, zeigt in Dem Aufsatz „Eine französische Vorgeschichte des Weltkrieges', was für oberflächliche und einseitige Propagandaschriften Dem französischen Volk auch heute noch geboten werden, wenn es gilt, die Versailler Schuldthese zu stützen. Legationsrat Dr. Karl Schwende- rnann zeigt „Das Abrüstungssystem Der Frie- densverlräge im Lichte Der allgemeinen Abrüstungskonferenz". Das Heft enthält in vollstän- Digem deutschem Wortlaut Drei neue russische Geheimdokumente, die Schlaglichter auf Rußlands Kriegsvorbereitungen werfen.
— Die „Süddeutschen Monatshefte" bringen als erstes Heft des 30. Jahrganges unter dem Titel „Aus dem Zusammenbruch Aur Ration" nach einer kurzen Einleitung „Vision im Schützengraben" von Joses Magnus Wehner einen ilcberblid über die politische Lage. In einem Artikel „Das Reich und die Völker" gibt Dr. Kurt Tranftrler eine eindringliche Darstellung von Der Mission des Reiches Der Deutschen und in einem äußerst temperamentvollen Aufsatz „Der Deutsche und die christliche Religion" Dr. Tim Klein ein Bekenntnis zur unlösbaren Verbindung unseres Volkes mit der Erlösungslehre Jesu Christi. Friedrich Frhr. von Fa-llenhawen schreibt über feinen vor 10 Jahren verstorbenen Freund Wolfgang Kapp. D e Darstellung dieses Kämpferlcoens beansprucht besonderes geschichtliches Interesse.
— Die Zeitschrift „Handarbeiten" deS Verlages Alexander Koch, Stuttgart, bringt im reichillustrierten Oktoberheft (30 große Abbildungen 1,80 Mk- feine Tischläufer-Entwürfe von Käthe Mertens, die einfach und leicht auszusühren sind. Tüllstickereien von Emmy Zweybrück und Gertrud Schütz, Klöppeldeckchen italienischer Fachschulen, Seidenkisseiz gesellen sich hinzu. Besonders wertvoll sind eine Reihe von Objekten. Die Stickerei oder Strickarbeit in Anwendung, bei Sportblusen Voileblusen, Ski-Anzügen usw. zeigen. Einen großen Anziehungspunkt bildet das im Anhang beigegebene Vorlage-Muster zu einer farbigen „Bridge-Decke", eine meisterhafte Arbeit von Käte Rofenstock.


