Aus der Provinzialhaupistadt
dieser Beziehungen zur Ausgabe machen
Eine
Lugend und Wehrsport
Pslege wird.
fallen Frisette.
Crepe
Buntes Allerlei.
Auch ein Talisman.
war, wie sie sich in einem Warenhaus ein Band angeeignet hatte. Sie erzählte dem Richter von ihren angestrengten Versuchen, einen zweiten Mann zu finden, und vergoß reichlich Tranen. Als der Beamte sie schließlich fragte, warum sie sich das Band angeeignet habe, erwiderte sie:
Hammerschlag u. a. m. Wolle mit Seide fehlte nicht. Die Firma Hof - Wenzel unterstützte die Modenschau mit vielen, zum Teil sehr originellen Hüten. Das Schuhhaus Süß zeigte moderne Schuhe in vielen Darianten der Form, der Farbe und der Lederverarbeitung.
Es darf nicht vergessen werden, zu sagen, daß die vorführenden Damen (Mannequins auS Frankfurt) Kleider, Mäntel und Hüte sehr geschickt zu tragen wußten. Paul Vieren vom Gießener Stadttheater qualifizierte sich famos als Conferencier. Ewald und Anny D ä u l k e füllten zwei kurze Pausen mit einer lockeren Groteske und einem dezent gehaltenen Rumba. (Biel Beifall!) Gute Musik bereicherte die Darbietungen. Die zahlreichen und sehr aufmerksamen Zuschauerinnen ließen es an lebhast geäußerter Anerkennung nicht fehlen.
Heute nachmittag finden in den Geschäftsräumen des Hauses Rowack zwei weitere Modenschauen statt. Daß der Erlös aus den Eintrittsgeldern dem Gießener Wohlfahrtsamt zuflieht, verdient noch lobende Erwähnung.
„Ich tat e-, damit es mir Glück bringt." AlS der Richter dann ihr eine Gefängnisstrafe von acht Tagen zuerkannte. sagte er: „Leider hat Ihnen der Diebstahl kein Glück gebracht." „Aber bekomme ich nicht Bewährungsfrist?" fragte die augenscheinlich auf diesem Gebiet nicht unerfahrene Witwe. „Allerdings", erwiderte der Richter. „Run sehen Sie, dann hat mir das Band doch Glück gebracht!" ries die Angeklagte und verlieh mit strahlendem Lächeln den Gerichtssaal.
Chinesen drücken die Augen zu.
Als Zeichen der Trauer und der Scham übet die Vergewaltigung Chinas durch die Abtrennung der Mandschurei haben 20 chinesische Studenten in einem bekannten chinesischen Restaurant deS Pariser Quartier Latin eine seltsame Zeremonie ausgesührt. Genau um 11 Ahr des Tages, an dem das neue Reich Mandschukuo von Japan anerkannt wurde, erhoben sich aus ein Zeichen ihres Führers, eines jungen Mannes aus Kanton, die 20 Studenten, die an verschiedenen Tischen des Lokals saßen, wandten ihre Gesichter nach Osten, beugten ihre Köpfe tief herab und schlossen ihre Augrn. Gin Kellner, der gerade eine Schale mit Reis hereinbrachte, stand still, wandte sich auch nach Osten und tat desgleichen, woraus der Koch, der Oberkellner und die übrigen chinesischen Angestellten des Restaurants in ihrer Beschäftigung innehielten und dem Beispiel folgten. Genau nach fünf Minuten erhob der Führer seinen Kopf, öffnete seine Augen, und die Trauerfeier war vorüber. Wie die Chinesen mitteilen, wollten sie auf diese Weise ausdrücken, dah sie die Trauer ihrer 400 Millionen Landsleute über die Vergewaltigung durch Japan mitempfänden.
_____ Entschuldigung, die von den in solchen Dingen sonst sehr erfinderischen Ladendiebinnen bisher noch nicht benutzt worden ist. brachte eine Angeklagte vor einem Pariser Gerichtshof vor. Es war eine Witwe, die dabei ertappt worden
Kleine Bilder aus Masuren
Fahri durch historisches deutsches Land im Osten.
glatt. Einige neue Stoffnamen auf: Crepe Princette. LrSpe Mooscrepe, Flamisol. Flamengo.
sen. dah ihm noch manches fehlt, um ein „wehrhafter Mann" zu sein.
Alle körperliche Ertüchtigung muh jedoch nutzlos bleiben, solange der Wehrwille nicht jene sittliche Eigenschaften vorfindet, die als Treue, Gehorsam, Wehrhaftigkeit, Kameradschaft und Vaterlandsliebe als die alten Soldatentugenden bekannt sind, und die durch den Wehrsport entwickelt und gefördert werden sollen. Diese Eigenschaften jedoch können sich nur in der Gemeinschaft mit anderen Gleichdenkenden zeigen und entwickeln.
Da uns das Versailler Diktat die staatliche Förderung der Wehrbestrebung verbietet, muß die PflegedesWehrgedankensvonnicht- staatlichen Verbänden übernommen werden, die leider nicht die gesamte deutsche Jugend erfassen. Hier zeigt sich klar
die Rotwendigkeil einer staatlichen Organisation, welche die gesamte wehrhafte Jugend über die Parteien hinaus zur Ausbildung zum Zwecke der Landesverteidigung zusammenfaßt.
Die Bestrebungen der wehrhaften Jugend wer- den nur von Ruhen sein, wenn sie erkennt, daß sie ohne Führer ihre Aufgabe im Ernstfall nicht erfüllen kann. Die militärische Führung aber erfordert eine langjährige Schulung und ist Sache des Heeres. Ohne Rücksicht aus Parteien und Verbände muß die wehrfreudige Jugend daher die Führer st ellung des Heeres anerkennen und ihr volles Vertrauen entgegenbringen. Sie muh sich mit der Arbeit des Heeres befassen und Anteil an feinen Ausgaben im Dienste der Landesverteidigung nehmen.
Der I. Hessische Grenadiertag am 1 und 2. Oktober in Gießen soll daher kein Volksfest im üblichen Sinne fein; er soll ge- rade
der wehrfreudigen Jugend Gelegenheit geben,
Einblick in die Arbeit des Heeres zu nehmen, ihr neue Anregungen auf wehrsportlichem Gebiet geben und zeigen, daßdasHeerihrFührer stellen kann, wenn die Aufgabe der Landesverteidigung es erfordert.
** Don der Landesunioersität. Ernannt wurde der Privatdozent Lic. theol. August Dell in Gießen .zum außerplanmäßigen außer- ordentlichen Professor an der Landesunioersität Gießen. — Aus dem hessischen Staatsdienst entlassen wurde der ordentliche Professor in der Juristischen Fakultät der Landesuniversität Dr. Leo R o s ende r g auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober ab.
•• Werdet Abonnenten des Stadttheaters! Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Roch erwartet das Stadttheater Abonnenten für die kommende Spielzeit, die bekanntlich am 4. Oktober beginnt. Die Theaterkasse wird von heute ab werktäglich von 10 bis 13 Ahr und von 16 bis 17 Ahr geöffnet sein. Abonnementsanmeldungen werden während der Kassenstunden entgegengenommen. Ein großer Stamm von Abonnenten bedeutet die wesentlichste Gewähr dafür, dah das Stadttheater auch in seiner Jubiläumsspielzeit seinen hohen kulturellen Ausgaben gerecht werden kann. Die Intendanz hofst, dah sich recht viele Giehener Bürger zu ihrem Theater bekennen möchten.
•* Silberne Hochzeit. Am morgigen Mitt- woch können die Eheleute Oberpostsekretär Heinrich Kern, Steinstraße 14, das Fest der Silberhochzeit begehen.
= Gießener Pfadfinder in Bad-Nauheim. Ein vom horst Bad-Nauheim des Deutschen Pfadfinder-Bundes veranstalteter „Bündischer Sing- abenb" wurde von der Singschar des Pfadfinder- Horstes Gießen in ausgezeichneter Weise bestritten. Zum Vortrag kamen altdeutsche Lieder aus fünf Jahrhunderten. Die schlichte, ungekünstelle Art der Vorträge fand den dankbaren Beifall der zahlreichen Zuhörer, unter denen sich als Gäste auch die christlichen Pfadfinder und die Hitlerjugend befanden.
Französischer Deserteur festgenommen.
WSN. Friedberg, 26. Sept. Die hiesige Polizei nahm einen französischen Soldaten f e st, der seinem Truppenteil in Nancy entflohen war.
Kunst und Wistenschast.
Deutsch-Burlsche kulturelle Arbeitsgemeinschaft.
Aus Südafrsika ist von einer erfreulichen Bewegung zugunsten der Zusammenarbeit burischer und deutscher Kreise auf kulturellem Gebiete zu berichten. Eine von dem deutschen Lehrer Werner Schmidt in Pretoria gegebenen Anregung ist von maßgebenden Kreisen des Burentums aus
genommen worden, insbesondere sein Vorschlag der Herstellung eines Briefwechsel- zwischen gleichgesinnter Jugend auf beiden Seiten. Der derzeitige Premierminister der Südafrikanischen Anion. General Hertzog steht dem Gedanken einer deutsch-südasrikanischen kulturellen Arbeitsgemeinschaft sympathisch gegenüber. Weiter ist es gelungen, in das diesjährige Reiseprvgramm des Südafrikanischen Studentenverbandes auch einen Besuch Deutschlands auszunehmen. Der Verband war bisher stark englisch-französisch orientiert und hot bei seinen Reisen demgemäß England und Frankreich bevorzugt. Daß das Bestreben der Duren nach kultureller Verbindung mit Deutschland bei uns freudigen Widerhall findet, bedarf keiner Versicherung. Die Deutsche Akademie in München hat die Bildung eines südafrikanischen Ausschusses vorbereitet, der sich die
Die kleine am Mauersee gelegene Stadt Ange rbu rg hat nicht nur ihre historische Bedeutung, sie hat auch ihre kulinarische Besonderheit. Das Historische: hier am Ausfluß der Angerapp stand die alte Pruzzenburg Angete, auf deren Trümmern der Hochmeister des deutschen Ritterordens. Karl Beffart von Trier, 1335 das erste Ordenshaus des Masurengebiets errichtete. Rur noch spärliche Reste finden sich heute von ihr. Die kulinarische Besonderheit: Aalfang. Schon die ältesten Chroniken wissen von den schmackhaften Angerapp-Aalen und primitiven Einrichtungen zum Fang im Großen zu berichten. Der Aalreichtum und sein Ruhm hat sich durch Jahrhunderte erhalten: auch heute noch gehören die Fänge aus der Angeropp zu den bedeutendsten Deutschlands. Angerburg ist die bequemste Eingangs- psorte ins masurische Seengebiet, das sich bis zum Spirdingsee hinzieht.
Doch ehe man si-ch einem der schmucken Motorschiffe anvertraut, die den Verkehr nach Lohen vermitteln, geht man den schmalen Strandweg am Schwenzaitsee entlang zum Angerburaer Heldenfriedhof. der auf dem höchsten Steilyang liegt. Heber 300 Deutschen und 250 fremden Kriegern ist 4r letzte Heimat — der vielleicht schönste Ges alle- nenfriedhof, den Deutschland hat. Terrassenförmig ist er angelegt, durch niedrige Mauern ausgeteilt. mit Gebüsch bestanden, mit Blumenrabatten geschmückt. Ein schlankes hohes Kreuz grüßt weithin. Von dieser Stelle aus hat man einen herrlichen Rundblick über ganz Masuren: die Silberspiegel seiner Seen, seine endlosen dunklen Wälder, den weiten hohen Himmel, an dem phantastische Wolkengebirge in ewiger Wanderung dahinziehen... „Geh nicht vorbei im Abendschein: kehr' ein zu kurzer Rast. Hier grüßt die stille Ewigkeit den flücht'gen Erdengast" mahnt der Heldenfriedhof. Das Murmeln der Wellen ist der einzige Laut, den diese stille Ewigkeit durchtönt.
Heber den Schwenzaitsee trägt dann das Schiff zur schönsten Insel: H o a l ten im Mauersee, mit seinen 110 Quadratkilometer der zweitgrößte Masurensee. Von der Anlegestelle führt eine Hlmen- allee ins Innere des etwa 300 Morgen großen Eilandes, die sich wie ein gotischer Dom über dem Ein tretenden wölbt. Tiefste Stille ringsum, nur vom Krächzen der Fischreiher, vom zarten Gesang kleiner Vögel, vom sachten Plätschern der Wellen unterbrochen. Im Herzen der grünen Wildnis das „einsame Grab" — ein Raturdenk- mal, dem „Erforscher des Masurischen Seew- gebiets, Lehrer August: Q u e d n a u, zum Gedächtnis" gewidmet.
Weiter geht die Fahrt nach Steinort. Dorf und Schloß. Eine lange Allee über 350jähriger Eichen führt auf das Schloß zu, einen schlichten und doch wuchtigen Bau. Fürsten und Könige waren hier oft zu Gast, und die letzte historische Erinnerung: Hindenburg kam öfters aus dem nahen Hauptquartier in Lötzen nach Steinort, um im Waldesatem dieses Parks sich für seine schwere Arbeit neue Kraft zu holen. Auch nach dem Kriege ift'er noch zweimal in Steinort ge- wesen, dessen Zauber niemand mehr losläßt, der einmal aus Hast und Betrieb der großen Städte entflohen ist und den Frieden dieser Landschaft an sich gespürt hat.
Das Schiff gleitet weiter. Kleine und größere Inselchen schwimmen auf der bewegten Fläche des Mauersees. Wildschwäne und andere Wasservögel scheucht seine Furche auf, Reiher kreisen über uns. Kleine Hügel, wald- und buschbestanden. geben den Rahmen. H er ist altes Preußen- land, hier stand einst der Eichenhain des Donnergottes Perkunos, dessen Grollen in heißen Sommernächten zürnend über Land und See scholl. Hier und da leuchtet das rote Dach eines Gutshauses durch die Wälder, kleine Dörfer und Einzelgehöfte stehen am Hfer. Wir fahren in den Kanal, der Mauer- und Löwentinsee verbindet und legen am Hafen in Lötzen an, der mit ihren elftausend Einwohnern zweitgrößten Stadt Masurens.
Auch diese Stadt war einst Ordensgebiet; das 1350 errichtete, 1614 zu seiner heutigen Gestalt ausgebaute ehemalige Ordensschloß zeugt davon. Aber auch die jüngste Geschichte hat Löhen bedeutungsvoll mit dem deutschen Schicksal verknüpft. Hier erfolgte im 21 u guft 1914 der erste Russen sturm mit dem Ziel der Eroberung der Feste Boyen, die eine gute Viertelstunde vor der Stadt sich erhebt. 2m Ordens- schloß, das zwischen Stadt und Feste in schattigem Grün liegt, sind einzelne Räume zu einem heimatkundlichen Museum und einer vaterländischen Ge- denlhalle ausgestaltet. 2m Ehrensaal Fahnen, Bilder und Handschriften der Führer der Ostfront, Hindenburgs ragende Gestalt vor allem, der za hier im Lötzener Hauptquartier die Pläne
zu den Masurenschlachten entwarf, die den ostpreußischen Boden wieder vorn Feinde befreiten. 2n der kriegsgeschichtlichen Sammlung hunderte von Erinnerungsstücken: Kosakenlanzen, Wassen- röcke, Kriegsgerät aller Art, russische Flugblätter an die Bevölkerung Lötzens, sich zu ergeben, deutsche Kundgebungen des Festungslommandan- ten, der Behörden — alle diese stummen Zeugen des Leides und des Leidens Ostpreußens nahmen die Heutigen: Vergeßt uns nicht, wir sind Grenzland! Heberall trifft man beim kurzen Rundgang durch die Stadt Erinnerungen an Jcne_ schwere Zeit, so schmuck sich die Stadt jetzt auch präsentiert. 2n der heutigen Hindenburgstrahe das Hinden- burg-Ludendorff-Haus, in dem die Feldherrn acht Monate wohnten. In der Lycker Straße 4 erinnert eine Tafel, daß in diesem Hause deS Kaufmanns 2acoby das Große Hauptquartier sich befand'— heute ist das Haus wieder dem! friedlichen Gewerbe dienstbar. Vom ostpreuhischen Rachkriegsschicksal erzählt die „Abstimmung s- e i ch e" auf dem Marktplatz, die nach dem denkwürdigen 11. Juli 1920 gepflanzt wurde —- 4909 deutsche, 3 polnische Stimmen in Löhen! — als Sinnbild und als Mahnmal ...
Das neue Löhen ist eine Helle, hübsche Stadt, mit einem Kurhaus, schönen Anlagen am Löwentinsee, einem Strandbad und einer schönen Jugendherberge unmittelbar am Seeufer. Mittelpunkt des ostpreuhischen Wassersports, ausgezeichnet durch kräftiges gesundes Klima, Ausgangspunkt für herrliche Wald- und Wasserwanderungen — alles das ist Löhen.
Bis zum Herbst fährt täglich der Dampfer „Ostwark" über die Seenkette: Löwentin-, Saiten-, 2alter-, Rikolaiker-, Deldahn- zum Riedersee — eine Fahrt von wunderbarstem Reiz. Blau schimmert der Löwentinsee, an dessen Horizont die Silhouette Lötzens verschwindet. Werträumig dehnt sich die Wasserfläche. Reif steht daS Korn, grün leuchten die saftigen Wiesen hinter dem Schilsgürtel, der tausenden von Wasservögeln ein schützendes Versteck bietet. Aus Parkbäumen schimmert eine weiße Hausfront, fpihe Giebeldächer über Scheunen und Ställen, hier und da ein Fischerdorf, ein einsames Gehöft. Mitten auf der Wasserfläche ein schwerer Fischerkahn, zwei dunkle Männersilhouetten gegen einen heiteren hohen Himmel. Von fern ein Glockenklang, der zu Hochzeit und Begräbnis ladet. Ein, zwei weiße Segelboete, die wie Falter über das Wasser schweben — Ruhe, tiefe, stille Ruhe ringsum. Rur das Schiff zieht eine leise rauschende Furche.
Etwas lebendiger wird es in der Rähe des „masurischen Venedigs", wie man R i k o l a i k e n nennt. Am Landungssteg warten alte und junge Frauen auf die „Ostmark". Hinde reichen Päckchen herauf: „Maränen — kaufen Sie Maränen", tönt es bittend, „heute morgen frisch geräuchert". Sauber in Pergamentpapier verpackt sind dis goldbraunen Fische — die Spezialität und der Handelsartikel Rikolaiken. Am Brückenbogen angefettet sieht man den großen silberblihenden „Stinthengst", dessen langen, spitzen Kopf ein zierliches Krönlein schmückt, eine alte Fischersage symbolisiert das schwimmende Riesentier. Pittoresk baut sich Rikolaiken am Hfer entlang, ein geschachteltes, winkliges Städtchen, ein Gewirr roter Häuschen, geschmacklos überragt von dem grauen Wasser türm, den eine mißverstandene neue Sachlichkeit dieser Landschaft brüsk aufgezwungen hat — so fremd, wie einzelne Siedlungen mit Flachdach, denen man unterwegs begegnet ist.
Tiefes Flaschengrün ist die Farbe des Deldahn- fees. Die Hfer rücken zusammen, Wälder steigen von den Höhen bis unmittelbarzum Wasser herunter. Zwischen ihren grünen Wänden zieht das Schiff seine Dahn. Einmal tun sich diese Wände für ein paar Minuten auf und herein in die grüne Stille blinkt der Spiegel des größten Wa- surensees — der Spirding.
Bald kommt die Schleuse von Rudczanny. Eie kündigt sich durch Holzstapelplätze an. Eine große Ladung Treibholz, von einem kleinen Motorboot gezogen, schwimmt vorbei. Still, zu still ist es auch hier — die Sägewerke, die in besseren Zeiten hier arbeiteten, halten unfreiwillige Rast...
Ihre Tagesfahrt schließt die „Ostmark" mit einer Hinfahrt über den Äiedersee, der hier die Seen- fette schließt. Sieben Inseln spiegeln sich int klaren Wasser, ernster Kiefernwald säumt feine Hfer, unterbrochen von grüngoldenen Lichtungen. Ein Forsthaus lugt aus dem Dickicht, tollte Schwäne rudern majestätisch vorüber, der Tauber gurrt — wie verzaubert liegen die sieben Inseln da, die Königsinsel, die Buchen-, die Dirken-, die Strauheninsel und wie sie alle heißen.
Ostpreußen — weites, großes und gefährdetes Land... Der Zauber Masurens wirbt nicht stürmisch an unser Herz, aber nie wird feiner vergessen, der ihn einmal gespürt hat.
Gießen, den 27. September 1932.
Rehabilitiert.
Ende März wurde, wie wir seinerzeit berichteten, auf Ersuchen einer auswärtmen Behörde der Der- forgungsanroärter Heinrich Spohr von hier von der hiesigen Kriminalpolizei unter der Anschuldigung des Verrats milltärischer Geheimnisse oerhastet und zur gerichtlichen Untersuchung nach München überführt. Spohr gehörte bis Frühjahr 1931 als Unterfeldwebel dem Gießener Bataillon an. Die Vorgänge zu feiner Verhaftung sollten meh. rere Jahre zurückliegen.
Am 8.Juli wurde Spohr auf Gericktsbeschluß aus b e r Haft entlassen. Das Oberste Landes- gericht in Bayern, 2. Strafsenat, hat dann am 16. September nach Schluß der Voruntersuchung auf die Anträge des Generalstaatsanwalts und des Verteidigers beschlossen, den Angeschuldigten Heinrich Spohr außerVerfolg-ungzu setzen und die Kosten des Verfahrens der bayerischen Staatskasse auszuerlegen. Auch die dem Angeschuldigten erwachsenen notwendigen Auslagen, einschließlich der Kosten seiner Verteidigung, hat die bayerische Staats- fasse zu tragen. In der Begründung des Beschlusses wird eingehend dargelegt, daß gegen Spohr ein begründeter Verdacht im Sinne der Anschuldigung nicht vorliegt, ferner wird hervorgehoben, daß die Aussage eines anderen Angeschuldigten, den die Begründung als „moralisch minderwertigen Psychopathen" bezeichnet, in keiner Weise geeignet ist, Spohr zu belasten. Es wird hervorgehoben, daß Spohr unbestraft ist, sich während seiner zwölfjährigen Dienstzeit in der Reichswehr sehr gut geführt hat und im Februar 1922 einen im Dienste der Franzosen stehenden Spion, der mit ihm zwecks Erlangung militärischer Geheimnisse Beziehungen angcknüpst hatte, alsbald fest nehmen ließ. Irgendwelche äußere Umstände, die es wahr- scheinlich machen würden, daß Spohr im Jahre 1926 mit Franzosen in Verbindung getreten wäre, um ihnen militärische Geheimnisse zu verraten, sind nicht ermittelt. Weiter hebt die Begründung hervor, daß Spohr in der fraglichen Zeit sich in Gießen aufhielt und nicht in Worms, dem angeblichen Tatort, gewesen fein kann. Angesichts dieser Sachlage erging der Be- schluß, Spohr außer Serfolguna zu setzen und die bayerische Staatskasse mit der Verpflichtung zu belasten, ihm für die in der Zeit vom 23. März bis 8. Juli 1932 unschuldig erlittene Untersuchungshaft eine Entschädigung zu leisten.
Modeschau bei Rowack.
Eine Modenschau bedeutet das Erlebnis amüsanter, anregender Stunden. Das maßvoll kritische, aber auch wohlwollend dankbare Publikum der Frauen ist solchen Veranstaltungen immer sicher. Das Modenhaus Rowack hat in Gießen des guten Rufs genug, um auch seiner diesjährigen Herbstmodenschau den Erfolg (wenig, ft end den zunächst sichtbaren äußeren Erfolg des guten Besuchs) von vornherein sicherzustellen.
In wohlerwogener Auswahl und in weiser Beschränkung sah man Kleider, Sportkostüme, Mäntel, Morgenröcke, Straßenkleider, Kleider zu Five v'clock und große Abendkleider. Eine Modenschau läßt sich von verschiedenen Gesichtswinkeln her betrachten. Da ist zunächst die Farbe, die sehr intereffiert Für Mäntel sah man Grau und Braun, das vornehme Schwarz, mit und ohne Pelz (Bisam, Silberfuchs, Oppossum u. a.), meist glatt verarbeitet, dennoch wird die schlanke Linie betont; man sah aber auch andere Farben, die gedämpft in der Tönung nicht weniger sympathisch wirkten. Bei den Kleidern trat eine bestimmte Farbe nicht in den Vordergrund. Reu und sehr fein wurden „Dlutbuche", „Rotbuche", „Buche" empfunden, „Elefantengrau", wie auch „Lichtgrau" forderten besondere Aufmerksamkeit hcraus. Heliotrop tauchte auf und löste bei allen feinem Reiz differenzierteste Empfindungen aus. Hellblau, Weiß, Hellgrün, Rot sah man in aparten Steigerungen. Schwarz mit Rot, Schwarz mit Rosa, Schwarz und Weiß fanden die Zuschauerinnen in den Abendkleidern fein kombiniert. Ein spezielles Kapitel stellt auch für diesen Herbst wieder die Machart dar. Diesmal ist die breite Schulter dominierend, die schmale Hüfte gewollt und die schlanke Linie (zum Gesellschaftskleid) durch den langfallenden Rock unterstütz^. Die Do-
Wehrsport als zielbewußte Leibesübung, nicht nur zur allgemeinen körperlichen Ertüchtigung, sondern mit dem Ziel der Heranbildung des wehrhaften Mannes als Träger der Landesverteidigung, hat die bewußte Bejahung des Mehrwillens zurV o r- aussehung. Hierdurch unterscheidet sich der Wehrsport grundsätzlich von jenen allgemeinen Leibesübungen, wie sie in den Vereinen mit dem Ziele der Ertüchtigung von Leib und Seele gepflegt werden. Sportliche Betätigung im Sinne des rein körperlichen hat nichts mit Wehrsport zu tun; auch der Kriegsdienstverweigerer und Pazifist kann aus egoistischen Gründen den Wunsch haben, seinen Körper zu kräftigen und stählen.
Erst der Wehrwille macht sportliche Betätigung zum Wehrsport.
Der Wehrwille jedoch bleibt eine Eigenschaft deS einzelnen und ist das Bestreben des deutschen Mannes, seinen Teil zur Landesverteidigung beizutragen. Der Landesverteidiger im Kriegsfälle ist der Soldat, und aus dem Wehrwillen des einzelnen wächst der Drang, die Eigenschaften zu erwerben, welche er braucht, um seine Aufgaben im Dienste der Landesverteidigung erfüllen zu können. Wehrsport ist Zweck- sport und kennt keine sportliche Liebhaberei; er entwickelt keine „starken Seiten" im Kurzstreckenlauf ober Hochsprung, sondern der wehrhafte Mann muh seinen Körper stählen, um den körperlichen Anforderungen des Krieges gewachsen zu sein. Oft werden sportliche Betätigungen und Wehrsport denselben Weg gehen, aber leider fehll in Deutschland noch gänzlich
die pflege des Schießsports, ohne den kein Wehrsport gedacht werden kann. Es genügt hier ein kurzer Hinweis auf die schiebsportliche Ausbildung der Jugend in der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika, um zu zeigen, wieviel gerade in Deutschland auf diesem Gebiet noch nachzuholen ist. Der Schießsport bietet für die Jugend ein weites Feld neuer Betätigung, und mancher Meister auf sportlichem Gebiet wird hier feststellen müs-
lerojacke taucht verschiedentlich auf. Einige Gesellschaftskleids: erschienen gewickelt und vermitteln dadurch einen jugendlichen Zug. Aus der anderen Seite sah man Kleider, die in Details stark an Formen der Renaissance und des Mittelalters überhaupt erinnerten. Hier wurden reizvollste Wirkungen erreicht. DaS Strahenkleid hat seinen Charakter behalten. Knapp, flott, sparsam im verwendeten Putz, ist es mehr denn je ein Kind feiner Zeit. Der Mantel präsentierte sich ganz


