„Wir wollen helfen!"
Reichspräsident und Reichsregierung rufen zur Winterhilfe auf.
Ein Interview mit dem Reichskanzler.
Königsberg, 27. Sept. (DJIB. Aunkfpruch.) Auf seiner Heimreise von Ostpreußen nach Berlin gewährte Reichskanzler von Popen dem hauptschriftleiler der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" eine Unterredung, in der erzur Sonntagsrede herriots erklärte, wenn die Rede wirklich so gehalten worden sei, so sei sie ihm allerdings völlig unverständlich. Soweit herriot den Erlaß zur Jugendertüchtigung kritisiere, so könne er nur erklären, daß die körperliche und geistige Wehrhasthaltung der Jugend die e r n - steste sittliche Pflicht zum Schuhe des Vaterlandes fei, und daß sie nur das Postulat der Sicherheit erfülle, mit dem Frankreich dauernd operiere. Der Reichskanzler betonte weiter mit Rachdruck, wie sehr ihm die Wiederher st ellung gefestigter verfassungsmäßiger Zu - st ä n d e am Herzen liege. Die Regierung lehne esab.selbst Parteizuergreifen, da dies ihrer Grundauffassung widersprechen würde. Er glaube aber mit Bestimmtheit, daß Wittel und Wege gefunden würden, um diejenigen, die Sinn und Ziel dieser Regierung bejahen, für die Wahlen zu sammeln.
Aus aller Welt.
Oie Werkspionage-Affäre -ei der AEG.
Zu der W e r k s p i o n a g e bei der AEG. und der Verhaftung des Betriebsingenieurs Schrö- t e r und des Chemikers Dr. Hertz erfahren wir, daß die französische Konkurrenzfirma der AEG. auf das Angebot von Schröter und Hertz nur zum Schein eingegangen ist und die AEG. von der beabsichtigten Werkspionage sofort in Kenntnis gesetzt hat.
Herbstversammlung
des Vörsenvereins deutscher Buchhändler.
Der Börsen verein deutscher Buchhändler hielt in Koburg unter dem Borsih des Verlegers Dr. Friedrich Oldenburg (München) seine diesjährig« Herbstversammlung ab. Die Versammlung sprach sich in einer Entschließung gegen jede Subventionierung des Tuchhandels aus und stellte sich hinter das wirtschaftliche Programm der Reichsregierung, forderte aber wie bisher dringlich die Aufrechterhaltung deutschen Kulturgutes. Alle zuständigen Stellen im Reich, Ländern und Gemeinden werden nachdrücklich auf die wiederholten Eingaben hingewiesen, in denen seit Jahren gegen LieKürzungenderfürkulturelleAuf- gaben bestimmten Posten in den Haushalten der öffentlichen Verwaltungen Stellung genommen worden ist. Leider seien Jahr für Jahr die Mittel immer mehr zusammengestrichen worden. Infolge dieser Etatskürzungen und der Ausfuhr- Drosselung stünden wieder viele Derlagsunter- nehmungen vor der Frage der Stillegung. Von den obersten Regierungsstellen im Reich und kn den Ländern sei wiederholt zugesichert worden, daß trotz des Zwanges zur Sparsamkeit die Pflege des deutschen Geistesgutes nicht verkümmern dürfe. Der deutsch« Buchhandel erwarte, Daß bei den bevorstehenden Beratungen der Haushaltspläne ein weiteres Abgleiten desKul- turetats verhindert und geprüft wird, wie möglichst bald ihre Wiederauffüllung ermöglicht werde. Weiter wurde die Frage der Berufsausbildung behandelt, auch wurde beschlossen, an das Reichspost-Ministerium erneut eine Eingabe zu richten, in der die Wiedereinführung der 50- Gramm-Drucksache zu drei Pfennig verlangt wird.
Die Lage der unteren und mittleren Post- und Telegraphenbeamten.
Der 21. Derbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten e. V-, über den bereits mehrfach berichtet wurde, forderte u. a. Verbesserung der Anstellungsverhältnisse der Hilfspostschaffner und Hilfspostkraftwagenführer, der Deförderungsverhältnisse der Postschaffner und Postboten, der für den Aufstieg in Stellen des mittleren Postfachdienstes geprüften Beamten sowie jener der technischen Betriebszweige; ferner Beseitigung besonderer Härten bei der Anrechnung von Dienstzeiten auf das
„Ein neuer schwerer Winter steht vor der Tür. Mitfühlende Nächstenliebe, die aus freiem Willen hingibt, was sie entbehren kann, vermag viel. Sie muß neben die Anstrengungen von Reich, Ländern und Gemeinden treten, um die Arbeitslosen und Arbeitsunfähigen vor der äußersten Not zu schützen. Daß diese Nächstenliebe noch lebendig ist, hat der vorige Winter bewiesen. Trotz der Verarmung unseres Volkes wurde mehr gegeben als je zuvor, — dank der großen Opfer aller derer, denen es ernst war mit dem Worte: Wir wollen helfen. War diese Hilfe auch bescheiden gegenüber der Not der Millionen, so hat sie doch in vielen Hunderttausenden den Mut gestärkt, in fast hoffnungsloser Lage auszuharren. Auch in diesem Winter muß und wird die Losung aller Deutschen, die guten Willens sind, lauten: Wir wollen helfen. Im Namen aller Hilfsbedürftigen, im Namen aller offenen und verschwiegenen Not bitten die unterzeichneten Verbände: Helft weiter in o v f e r - bereiter Liebe! Helft von Mensch zu Mensch, soweit ihr könnt! Helft aber auch durch Spenden an Lebest sm itteln, Kleidungs- und Wäschestücken, an Heizmaterialien und an Geld den in der Winterhilfe tätigen Organisationen, damit sie in gewissenhafter, geordneter Arbeit den Kampf gegen die Not weiter führen können."
Deutsche Liga der freien Wohlfahrts- pflege: Zentral-Ausschuß für bie Innere Mission
erhaltung des Derufsbeamtentums bei der DRP., weil hierin die beste Gewähr für die Wahrung des Postgeheimnisses, eine zuverlässige Behandlung der Postsachen und ein sicheres Funktionieren der dem öffentlichen Interesse dienenden Rachrichtenübermittlung erblickt wird. In der Einrichtung einer Postsparkasse sieht der Verbandstag einen geeigneten Weg, um den Spartrieb zu neuer, vom Vertrauen in die Sicherheit der angelegten Gelder für Zwecke der Wirtschaft und damit der Arbeitsbeschaffung getragenen Betätigung zu erwecken.
Lin Danziger Segelkutter an der bretonischen Küste gestrandet.
An der bretonischen Küste wütete ein heftiger Sturm. In Turgalle wurde ein Segelkutter a n den Strand geworfen, in dessen Kabine sich zwei völlig erschöpfte Deutsche, Richard Rexin und Otto Folk mann aus Danzig befanden. Die beiden jungen Männer erklärten, daß sie Ende Juni mit zwei anderen Kameraden heimlich an Bord ihres Kutters „Freiheit" den Danziger Hafen verlassen hätten, um sich nach Spanien zu begeben. Unterwegs sei jedoch einer ihrer Freunde krank geworden und in Hamburg an Land gegangen. Der zweite habe sie in Holland verlassen. In Cherbourg hätte ihnen die Hafenbehörde ordnungsmäßige Papiere ausgestellt. Da der Kutter nur unwesentliche Beschädigungen erlitten hat, werden die beiden Segler voraussichtlich bei Eintritt besseren Wetters ihre Reise fortsetzen.
Schweres Motorradunglück.
Auf der Landstraße zwischen Dischweiler und Muggensturm (Baden) hat sich ein schweres Motorradunglück zugetragen, das zwei junge Menschenleben forderte. Der Motorradfahrer Oskar K i st, ein 23jähriger Gastwirtssohn aus Oensbach (Amt Bühl), der von Bischweier kommend in der Richtung nach Muggensturm fuhr, verlor die Herrschaft über sein Fahrzeug und kam in voller Fahrt zu Fall. Das Motorrad überschlug sich mehrere Male und stürzte eine Böschung hinab. Kist und sein Soziusfahrer, der erst vor kurzem aus Amerika zurückgekehrte Karl Harter aus Oensbach, einziger Sohn eines Postbeamten, wurden in großem Bogen auf die Straße geschleudert und blieben mit schweren Schädelverlehungen tot auf dem Platze liegen. Ein Auto, das von Muggensturm kam und dem im 80-Kilometer-Tempo dahersausenden Motorrad ausweichen wollte, kam zu weit nach rechts und fiel gleichfalls um, doch blieben die Insassen unversehrt.
Großseuer in Dessau.
Di« Chemisch« Fabrik G. m. b. H. Dessau wurde von einem gefährlichen Grohfeuer heimgesucht. Der Brand entstand im Lagerraum, wo
der deutschen evangelischen Kirche. — Deutscher Karitasverband. — Zentralwohlfahrtsstelle der deut- sehen Juden. — Deutsches Rotes Kreuz. — Fünfter
Wohlfahrtsvevband. — Christliche Arbeiterhilfe.
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Der Reichspräsident und die Reichs- regierung schließen sich diesem Aufruf mit fol- dem Geleitwort an:
Trotz manchem Anzeichen einer Besserung der Wirtschaftslage gilt es dennoch wieder, einen schweren Winter wirtschaftlicher Bedrängnis zu Überstehen. Opfermut des Deutschen für den Deutschen muß hier abermals ein starker Helfer sein. Auch in diesem Jahre ergeht daher der Aufruf zur Winterhilfe. Reichspräsident und Reichsregierung unter- stützen ihn mit der dringenden Bitte an alle, in Erfüllung sittlicher und menschlicher Nächsten- pflicht auch für den kommenden Winter in der Liebestätigkeitnichtnachzulassen. Wer diese Bitte erhört, lindert nicht nur die Not des einzelnen, er dient auch dem Vaterlande. Darum denkt an Deutschland und Helfti
Berlin, 24. September 1932.
Der Reichspräsident: gez. v. Hindenburg. Für die Reichsregierung: gez. o. Popen, Reichskanzler.
gen. Das Steuer griff auf die anliegenden Gebäude über, wo es reiche Nahrung fand und drohte schließlich auf den Destillationsraum überzugreifen, in dem 10 0 0 0 Liter Benzin lagerten. Der Feuerwehr gelang es jedoch, di« ungeheur« Gefahr, die für den ganzen Stadtteil bestand, zu bannen und das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Das Denzinlager und der Maschinenraum konnten gerettet werden. Als Brandursache wird Funkenflug von der in der Rähe vorüberfahrenden Bahnstrecke Dessau- Leipzig angenommen.
Schweres Autounglück. — 2 Tote, etwa 20 verletzte
In Laren, unweit von Amsterdam, hat sich ein Unglück ereignet, bei dem zwei Deutsche getötet und etwa 20 verletzt wurden. An einer Wegkreuzung stieß ein als Touristenwagen eingestellter Lastkraftwagen aus Bottrop, der sich nach mehrtägigem Besuch in Amsterdam mit etwa 30 Fahrgästen auf der Rückfahrt befand, mit einem Wagen der elektrischen Kleinbahn Amsterdam—Hilversum zusammen. Bei dem Z u- sammenstoh wurde Der deutsch« Wagen zum größten Teil zerstört. Von seinen Insassen wurde eine Dame auf der Stelle getötet, während ein zweiter Insasse so schwer verletzt wurde, daß er während der Lieberführung nach dem Krankenhaus starb. Gegen 20 der übrigen Fahrgäste wurden verletzt, davon etwa fünf bis sieben schwer. Von der Kleinbahn wurde die vordere Plattform eingedrückt, jedoch niemand verletzt.
Reue Goldfunde in Rordschweden.
In Rordschweden sind neue große Goldfunde gemacht worden, die angeblich noch wertvoller sind, als die bekannten Goldgruben von Boliden. Rach dem Bericht eines schwedischen Bergingenieurs sind die neuen Erzlager bei Lockne schon an der Oberfläche goldhaltig und in zwei Meter Tiefe ist der Goldgehalt größer als in Boliden. Außer Gold und Kupfer ist Blei vorhanden.
Schwere Kämpfe zwischen feindlichen Städten in Aegypten.
Zwischen den beiden am Nil gelegenen Städten Sohag und Achnim bestand seit langem eine Spannung, die jetzt zu offenen Feindseligkeiten geführt hat. 3000 Einwohner Achnims haben sich in Schiffen nach Sohag begeben. Zwischen den Einwohnern der beiden feindlichen Städte kam es zu einem erbitterten Kampf. Ein großes Polizeiaufaufgebot ging unter Anwendung von Feuerwaffen gegen die kämpfenden Parteien vor, die sich in wilder Flucht in Sicherheit zu bringen versuchten. Viele der Kämpfer sprangen in ihrer Angst i n d e n N i l. Bei den Zusammenstößen wurden 13 Personen getötet und etwa 10 0 verletzt. Die Polizei nahm etwa 50 Verhaftungen vor.
sogenannte Diäten- und Besoldungsdienstalter. । 45 Tonnen Teer und Wachs unter gewaltiger Gefordert wurde die ungeschmälerte Aufrecht- I Rauch- und Hiheentwicklung in Flammen aufgin-
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Roman von Hertha Fricke
Tlrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau
32. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wer war die kleine Frech«, di« die Hände im Wettermantel hatte? Man konnte wirklich kaum erkennen, ob es ein Junge oder ein Mädel ist", sagte Andresen.
„Meine grau“, antwortete Klaus und zog die Brauen hoch.
„Ich bitte tausendmal um Verzeihung“, entschuldigte sich betroffen der Arzt.
„Bitte, bitte, Herr Doktor! Tun Sie sich keinen Zwang an. Sie haben schon recht. Mich macht's auch nicht glücklich", sagte der Seeoffizier traurig.
„Armer Kerl", dachte Heinrich Andresen mitleidig. Schweigend legten sie den Rest des Weges zurück. Sie traten in das Dankgebäude ein und fragten nach Fräulein von Diemens Tresor. Die Rümmer stand auf den Schlüsseln.
„Wir sind von der Dam« nur berechtigt worden, den Inhalt an «inen Herrn auszuliefern, der sich als Kapitänleutnant Klaus Behrens legitimieren kann."
Der Seeoffizier legte seinen Paß hin. Wenige Minuten'später hielt er das sorgsam eingehüllte Kästchen in seiner Hand. Auch Dr. Andresens Herz klopfte. Klaus Behrens hielt sein Erbe in beiden Händen, wie etwas Lebendiges. Unschlüssig, fast hilflos sah er Heinrich Andresen an, als wollte er fragen: „Wohin nun damit?"
Der Arzt verstand ihn ohne Worte. „Sie müssen jetzt mit Ihren Erinnerungen allein sein, Herr Behrens. Darf ich Ihnen mein Hotelzimmer anbieten? Kommen Sie!"
So gingen sie beide die leichtverschneiten Straßen zurück in Andresens Hotel.
Das Zimmer war warm und behaglich. Dr. Andresen bestellte einen schweren Wein und schenkte dem neugewonnenen Freund ein Glas ein.
Um die Stimmung ein wenig zu beleben, zitierte er die klassischen Vers«:
Trink ihn aus, den Trank der Labe, und vergiß den großen Schmerz, Balsam fürs zerrissene Herz, wundersam ist Bachus' Gabe."
Sie tranken sich zu und sahen sich in die Augen.
„Lind Ihr Herz, Doktor? Ich glaube, ich weih, für wen es schlagt. Könnte man sich für jemanden so einsetzen, wie Sie es tun, den man nicht lieb hat?"
„Still", sagte der Doktor. „Die Glocken sind zersprungen, die mein Glück einlauten sollten!"
„Können sie nicht wieder ganz werden, Herr Doktor? So, daß es vielleicht ein anderer Ton wird, aber daß sie doch ilingen?“
„Das kommt auf Sie und Ihr silbernes Geheimnis an, Herr Behrens. Ich verlasse Sie auf eine Stunde."
Warm umschlossen sich die Hände' der beiden Männer, und Dr. Andresen durchlief fast alle Straßen der alten Stadt, ohne ihre Schönheiten zu sehen.
24.
Da saß nun Klaus Behrens mit seinem toten Glück. Die Tage stiegen vor ihm auf, da er als junger Oberleutnant die wunderschöne Renate fand und ihr Herz gewann. Das Hotelzimmer versank vor seinem Geist. Er ging mit ihr die grünbedachten Wege im Schwentinetal, wo die Liebe über sie beide kam wie ein Rausch.
Dor ihm stand die Kassette aus blauem Porzellan mit silbernen Figuren beschlagen, wundersame Arbeit altchinesischer Kunst. Er hatte es vor vielen Jahren einmal in Ostasien gekauft. Es war das schönste Stück, das er j« mitgebracht hatte. Darum war es ihm gerade gut genug für sie, für sein süßes Mädchen. Lind die Sage von dem kleinen Gott Dhruva, der mit seinen drolligen Schlitzaugen und untergeschlagenen Deinchen auf dem Deckel kniete, machte die Gabe doppelt geeignet als Geschenk für die Dräut. Denn Dhruva machte die Liebenden glücklich und strafte die Treulosen. „Die Liebe ist ewig wie der Stern", sagte Dhruva. Er dachte an die stürmisch« Freud«
Renates, an den Kuß, mit dem sie ihm für das kleine Kunstwerk dankte. Kosend glitten seine tände darüber hin. Dann drückt« er auf das nöpfchen, das das Gewand an d«r Drust zusammenhielt, und die aufspringende Feder gab einen silberklingenden Ton. Er nahm Dhruva von seinem Sitz herunter und stellte ihn auf den Tisch. In der kleinen Platte, auf der er gesessen hatte, war das Schlüsselloch. „Kleiner törichter Kerl", sagte Klaus traurig. „Du hast die Liebenden schlecht geschützt. Ich wollte, du könntest wenigstens die Treulosen strafen."
Da klang die Feder noch einmal. Silbern und lange. Betroffen schaute der Mann auf die Figur. Dann schloß er das Kästchen auf. Da lag ein Brief mit seinem Rainen obenauf.
„Lieber, kleiner KlauS!
Wenn Du dies in Deiner Hand halten wirst, dann bin ich schon nicht mehr auf dieser Erde. Dann bin ich „an jener Küste, wo tausend Palmen stehen, wo die Sterne uns so nahe sind". Klaus, mein über alles Geliebter, ich weiß, daß ich Dich dort Wiedersehen kann, dort drüben. Hier hat «s keinen Zweck. Rein, es hat keinen. Denn mein 2eib ist krank, so krank, daß er bald vergehen muß, und Du sollst mich im Andenken behalten, wie ich damals war, als wir uns fanden am blauen Ostseestrand. Wo mein Herz schon jauchzte, wenn Dein stolzes Schiff am Fiiedrichsorter Leuchtturm vorüberkam und Du mich grüßtest von dort oben! Oh, ich kannte Dich von fern. Lind ich hätte Dich unter hundert Deiner Kameraden herausgekannt trotz des gleichen Anzuges. Es war doch schön, Klaus. Es war so schön, daß irgendein finsterer Dämon _ kommen mußt«, uns zu trennen. Wir können nichts dafür, Klaus. Du nicht und ich nicht. Ich war Dir immer treu! Du warst der Mann, der für mich geboren war, mein späterer Gatte blieb mir innerlich fremd, fremd und gleichgültig. Llnd weil ich nichts dafür kann, sollst Du es wissen, daß ich Dir treu war. Du sollst alle die kleinen Brief« lesen, die ich Dir schrieb, auch dann noch, als ich glaubt«, Du sei«st tot. Als man «s mich glauben ließ. Sie brachten mich wohl nicht umsonst nach
Aus der pwvinzialhauptstadt.
Gießen, den 27.September 1932.
Volkswirtschaftlich wertvolle Arbeiten im freiwilligen Arbeitsdienst.
Die Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst vom 16. Juli 1932 und die Ausführungsbestimmungen vom 2. August 1932 haben den Begriff der „volkswirtschaftlich wertvolle n'Arbeiten" imfreiwilligenAr- b e i t s d i e n st mit einer Reih« besonderer, bevorzugter Rechtswirkungen ausgestattet. In einem Erlaß des Reichskommissars für den freiwilligen Arbeitsdienst an die BezirkskommissaDe des freiwilligen Arbeitsdienstes vom 3. Sept. 1932 werden nähere Erläuterungen über den Begriff der „volkswirtschaftlich wertvollen Arbeiten" gegeben. Bei Arbeiten, die als volkswirtschaftlich wertvoll anerkannt find, kann die Förderungsdauer innerhalb eines Zeitraumes von 2 Jahren bis zu 4 0 Wochen hinaus verlängert werden. Ferner kann bei volkswirtschaftlich wertvollen Arbeiten der Reichskommissar, oder die von ihm bestimmte Stelle eine Beihilfe zu den erforderlichen Reisekosten zum Arbeitsort gewähren, soweit die Kosten nicht anderweitig aufgebracht werden können und ein Mißbrauch nicht zu befürchten ist. Llnabhangig von der Förderung können Arbeitsdienstwillige, die bei wirtschaftlich wertvollen Arbeiten beschäftigt werden, Gutschriften für Siedlungszwecke im Reichsschuldbuch erhalten.
In der Praxis ist zu unterscheiden, ob die Arbeiten volkswirtschaftlich wertvoll sind nur im Sinne der Verlängerung der Deschäftigungsdauer und der Gewährung von Reisekosten, also in weiterem Sinne, oder auch im Sinne der Gutschrift für die Siedlungszwecke, also in engerem Sinne. Die Förderungsdauer kann bis zu 40 Wochen verlängert werden und Reisebeihilfen können bewilligt werden bei allen Arbeiten, die unmittelbar oder mittelbar für die Volkswirtschaft von produktivem Ruhen sind. Hierzu sind grundsätzlich zu rechnen: Dodenverbesserungen, Wasserregulierungen, Derkehrsverbejserungen, Arbeiten zur Herrichtung von Siedlungs- und Kleingartenland und Forstarbeiten; es können ferner gewisse Arbeiten dazu rechnen, die unter die „sonstigen Maßnahmen" fallen, wie reine Erdbewegung (z. D. Flugplatzanlagen), wissenschaftliche Forschungsarbeiten u. a. Richt zu diesen volkwirtschaftlich wertvollen Arbeiten zählen z. D. die Arbeiten zur Hebung der Volksgesundheit, Schmuckplatzanlagen und die Arbeiten zur Rot- und Winterhilfe. Als volkswirtschaftlich wertvoll im Sinne der Gutschrift zu Siedlungszwecken sind dagegen nur solche Arbeiten anzusehen, die in unmittelbarer oder mittelbarer Beziehung zu dem Aufbau einer Siedlung stehen, und im übrigen solche» Arbeiten, die für die Wirtschaft und den Ar- beitSmarkt besonders wertvoll sind.
Reichspost-Krastomnibus-Linie Gießen-Annerod.
Wie der Fahrplanabteilung des „Gießener Anzeigers" vom Postamt Gießen mitgeteilt wird, übernimmt die Reichspost vom 6. Oktober ab den Betrieb auf der Linie Gießen—Annerod. t>er bisher von der Autofirma C. H o o s in Annerod geführt wird. Die Linie Gießen—Annerod wird vom Postamt Gießen in die Reichspost- Kraftomnibuslinie Gießen — Steinbach — Albach «inaegliedert und demgemäß der gcm&e Fahrplan * 1 nach den genannten Orten einer Reuordnung unterzogen. Durch den Liebergang des Kraft- omniousbetriebes auf die Reichspost werden die Verkehrsbeziehungen zwischen Annerod und Gießen künftig zum Ruhen beider Teile verbessert, da an Stelle der bisherigen Fahren an nur einigen Tagen der Woche künftig täglicher Verkehr, auch vormittags, treten wird.
Wieseck und die Straßenbahn nach Gießen.
Aus Wieseck wird uns geschrieben: Nachdem bereits in der vergangenen Woche vom „Gießener Anzeiger" angeregt worden war, das S t r a h e n - . bahnprojekt Gl eßen — Wieseck jetzt vollkommen durchzufuhren, möchten wir darauf Hinweisen, daß in weiten Kreisen der Wie- sccker Einwohnerschaft, besonders aber in den Kreisen der Gewerbetreibenden, der Wunsch nach e n d g ü l - ' tiger Regelung dieser Verkehrsfrage immer lauter wird. Es ist nunmehr an der Zeit, daß bte
Dresden. In Wirklichkeit wohl, um mich von Kiel zu entfernen, wo mir doch einmal hätte Rachricht kommen können, daß Du nicht untergingst, wie di« erste sagte, sondern daß Du gefangen wurdest und lebtest. Hätte ich das geahnt, mein Klaus, ich hätte auf Dich gewartet bis zum Jüngsten Tag. Du wirst alles aus den Briefen lesen, die ich an den Totgeglaubten schrieb, mir selbst zum Trost. Auch Deine Briefe sind noch da. Lind die lieben schönen Sachen, die Du mir geschenkt hast. An jedem hängt eine schöne Stunde, ein kleines Märchen, ba6 nur wir beide kennen. Darum sende ich sie Dir zurück. Meine liebe Freundin Eva°Marie wird Dir alles bringen. Sie hat es mir versprochen, und sie ist zuverlässig. Das Reisegeld für sie lege ich bei. Den kleinen Brillantring, den ich eigentlich für dich bestimmte, soll sie zum Andenken haben für alles, was sie mir gewesen ist. Denn Du wirst ihn nicht tragen wollen, weil Du verheiratet bist. Sei ihr Freund, sie verdient es. Wie schlecht, wie feig mein Mann gehandelt hat, um uns zu trennen, das wirst du aus diesen Briefen erfahren. Aber mein Kind braucht es nicht zu wissen, sonst wird es an Vater und Mutter irre. Hüte sein junges Herz vor diesem Gift. Lind auch meinem jungen Schwager Heinrich würde ich gern dies Wissen um seines Bruders Gewissenlosigkeit ersparen. Denn er hat ihn lieb. Lind es gibt nichts Härteres auf der Welt, als wenn man sieht, daß die, die wir lieb haben, einer niedrigen Handlung fähig sind.
Wenn Du die Briefe liest, mein Klaus, dann bin ich bei Dir. Dann streichle ich Deine Hände, dann küsse ich Deine liebe Stirn, dann weiß ich, daß wir uns Wiedersehen. Größer als dieses kurze Leben ist die Ewigkeit. Schöner als alles Liebesglück auf Erden ist das Wissen, daß es hinter jenem dunklen Tor noch ein Leben gibt, wo wir glücklicher sein werden, wenn wir es wert sind. Leb wohl, auf Wiedersehen. Lind wenn Du kommst, stehe ich am andern Ufer und warte auf Deinen dunklen Rachen, wie einst auf Dein stolzes Schiff vor Kiel.
Renate." (Fortsetzung folgt.)
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