Ausgabe 
27.8.1932 Frühausgabe
 
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der preußischen Notverordnung vom 8. Juni d. I. geführt haben, so haben sich doch inzwischen so schwere Bedenken gegen die praktische Durchführbar­keit des neuen Systems ergeben, daß es geboten erscheint, zu dem System der ch a u s z i n s st e u e r- stundung allerdings in wesentlich veränder­ter Form zurückzukehren.

Die Steuerstundung soll sich nicht mehr nach dem schematischen Existenzminimum von 1200 Mk. rich­ten, das zudem sich bei der Verschiedenheit der Kaufkraft in Stadt und Land, im Westen und Osten ganz verschieden auswirkte, sondern sie muß auf den fürsorgerischen, individell aus­zulegenden Begriff der Hilfsbedürf­tigkeit abgestellt werden. Steuerstundungen sol­len demnach nur gewährt werdenbei Mietwohnun­gen oder Teilen von Mietwohnungen,

a) wenn Mieter nachweislich eine laufende Unter­stützung aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge be­ziehen, und zwar in Höhe des Betrages, um den die laufende Unterstützung sonst höher sein müßten

b) soweit Mietern nachweislich eine laufende Un­terstützung aus Mitteln der öffentlichen Fürsorge gewährt werden müßte, weil sie sonst die volle Miete nicht zahlen könnten;

c) soweit die Einziehung eines der gesetzlichen Miete entsprechenden Mietzinses dem Eigentümer nachweislich nicht möglich ist."

In der demnächst erscheinenden Verordnung ist die Rückwirkung der Neuregelung vom 1. Juli 1932 ab vorgesehen.

Oie nationalsozialistische Regierung in Thüringen.

Weimar, 26. Qlug. (TLi.) Nach der Ver­pflichtung der neuen thüringischen Lan­desregierung fand die erste Sitzung des Kabinetts statt. Zum Vorsitzenden des thü­ringischen Staatsministeriums wurde Staats-

Eine Erklärung Lueigebrunes.

G l e i w i tz , 26. Aug. (TU.) Der Verteidiger im Beuthener Sondergerichtsprozeß, Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune, veröffentlicht folgende Erklärung:

Zu den verschiedenen Presseveröffentlichungen über die mir zugeschriebenen Aeußerungen und Maß­nahmen gegen das Urteil des Beuthener Sondergerichts erkläre ich hiermit das Fol­gende:

1. Das Urteil des Beuthener Sondergerichts habe ich als einen Justizirrtum verhängnis­voller Art erklärt, weil es dem wahren Sach­verhalt nach dem geschichtlichen Zusammenhang und dein vorgelegten Beweisergebnis in sachlicher als auch in rechtlicher Beziehung, und zwar unterschieds­los gegenüber allen Angeklagten nicht gerecht wird. Die Entwicklung der Ereignisse hat diese Auffassung leider schon bestätigt.

2. Deshalb muß auch im allgemeinsten Interesse das Urteil selbst und nicht bloß seine Voll­streckung bekämpft werden. Für die Angeklagten war sonach nicht die Einreichung eines eigenen Gnaden­gesuchs, sondern der Antrag auf Wiederauf­nahme des Verfahrens der gegebene Weg zur Wiedergutmachung.

3. Nur um die Angeklagten und ihre Angehörigen aus der quälenden Ungewißheit über ihr Schicksal schnellstens zu befreien und zur Beruhigung der Oeffentlichkeit beizutragen, ist die Entscheidung über die Wiederaufnahme des Verfahrens hinter die sofort von Amts wegen eingeleitete Prüfung, ob die Staatsregierung die Vollstreckung der fünf Todes­urteile an den fünf Angeklagten durch Begnadigung zunächst einmal ausschließt, zurückgestellt. Die W i e - deraufnahme des Verfahrens wird unbe­kümmert um die Entschließung der Gnadeninstanz weitergeführt, um bei der. nicht zu erwartenden Versagen der Begnadi­gung, allerdings in länger dauerndem Rechtsweg, die Vollstreckung des Urteils unmöglich zu machen

Minister Sauckel (NSDAP.), zu seinem Stell­vertreter Staatsminister Wächtler (NSDAP.) gewäh.t. Zum Hauptbevollmächtigten zum N e i ch s r a t wurden die Staalsminister Saut» kel und M ars chler (NSDAP.) und zu stell­vertretenden Bevollmächtigten zum Reichsrat Staatsminister Wächtler und Staatsrat Dr. Weber (NSDAP.) bestimmt. Der Geschäfts­bereich des Justizministeriums wurde dem Staats­rat Dr. Weber zugewiesen.

In der heutigen Sitzung des Thüringischen Landtages wurde eine Erklärung der drei nationalsozialistischen Minister ver­lesen, in der sich die Minister angesichts der Not in Thüringen verpflichten, ein Minister- gehallt mit einer Auszahlung von nicht über 7 0 0 0 Mark in Anspruch zu nehmen. Den überschiehenden Teil wollen sie der Staats­kasse für L'nderun.' s' ^erfüaunn

stellen

er neue tunöia; epruiiw.

W e imar, 26. Aug. (WTB.) 3m Anschluß an die Wahl der neuen thüringischen Negierung fand ihre Vereidigung statt. Sodann wurde für den nationalsozialistischen Präsidenten Marsch- ler Studienrat Hille (NSDAP.) zum Land- tagspräsidenten gewählt.

Oer französische Besuch bei der Reichsregierung.

Berlin, 26. Aug. (TU.) Von Berliner zu- ständiger Stelle wird die Havasmeldung be­stätigt, daß sich der französische Abgeordnete Fri­bourg, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses der französischen Kammer, am Donnerstag in Berlin aufgehalten hat und vom Reichskanzler, dem Reichswehrmini st er und dem Staatssekretär von Bülow empfangen worden ist

und den Angeklagten ihr Recht zuteil werden zu lassen.

Zustiznnmstenum gegen Landtagsausschuß.

Berlin, 26. Aug. (WTB.) Das Preu hische Justizministerium veröffentlicht folgendes: Der Vorsitzende des 19. Aus­schusses des Preußischen Landtags hat mit Schreiben vom 24. August dem preußi- scheu Justizministerium die Einberufung des Ausschusses zum 2. und 3. September nach B e u t h e n zur Nachprüfung des Verfahrens vor dem Sondergericht bei dem Landgericht in Beuthen in der Strafsache Kottisch und Genossen mitgeteilt und u. a. um äleberlassung des Schwur­gerichtssaales in Beuthen, um Bereitstellung der Verurteilten zur Vernehmung vor dem Aus­schuß und um Aushändigung der Akten des Strafverfahrens ersucht. Das preußische Justiz­ministerium hat durch Schreiben vom 26. August erwidert, daß es aus rechtlichen Grün­den nicht in der Lage sei, dem Ersuchen zu entsprechen. Die Nachprüfung des Verfahrens des Sondergerichts in Beuthen in der Straf­sache Kottisch und Genossen würde eine Aus­dehnung der dem Ausschuß vom Land- tag übertragenen Aufgaben bedeuten, zu der dec Ausschuß nicht befugt sei. Es komme hinzu, daß die angekündigte Unter­suchung einen Eingriff in die Unabhän­gigkeit der Gericht e bilden und daher im Hinblick auf Artikel 102 der Reichsverfassung unzulässig sein würde.

Zeitungsverbore.

Heidelberg, 26. Aug. (WSN.) Don der Pressestelle beim badischen Staatsministerium in Karlsruhe wird mitgeteilt: Die in Heidelberg erscheinende nationalsozialistische Tageszeitung

Die Volksgemeinschaft" wurde auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen auf die Dauer von zehn Tagen verboten, ebenso das im Verlag der Volksgemeinschaft in Heidelberg erscheinende KopfblattHakenkreuzbanne r", sowie jede neue Druckschrift, die sich sachlich als die alte dar­stellt oder als Ersah anzusehen ist.

Or. Weiß will in den Ruhestand treten.

Berlin, 26. Aug. (CNB.) Der ehemalige Ber­liner Vizepolizeipräsident Dr. Weiß hat dieser Tage beim Polizeipräsidium ein Gesuch eingereicht, in dem er aus gesundheitlichen Rücksichten um seine Versetzung in den Ruhe st and bittet. Das Gesuch ist auf dem üblichen Dienstwege dem preußi­schen Innenminister;"- ^-"ckieidung weiter­geleitet rn- "

weneraqlreik in vu englischen Vaumwollindnstrie? London, 26. Aug. (WTB.) Die Verhandlun­gen zur Beilegung der Schwierigkeiten in der Baumwollindustrie von Lanca- s h i r e sind heute nachmittag im Manchester g e - scheitert. Der für den 27. August angeordnete Streik von über 200 000 Arbeitern wird daher, falls nicht von den Gewerkschaften noch in letzter Minute Schritte zu einer Verzögerung erfolgen, morgen einsetzen. Die Ursache des Zusammenbruchs der Verhandlungen war die Unmöglichkeit einer Einigung über die Frage der Wiedereinstellung jener Arbeiter, die infolge ihrer Weigerung, den Lohnherabsetzungen zuzustimmen, entlassen und | durch andere ersetzt worden waren. Die Arbeitgeber j haben sich gestern bereiterklärt, den entlassenen Ar­beitern einen Vorzug bei der Wiedereinstellung zu; geben und in sechs Monaten die Lage aufs neue j zu erörtern. Sie vertreten dabei die Meinung, daßj die Schwierigkeiten in diesem Zeitraum sich von selbst lösen und die betreffenden Arbeiter wieder eine Anstellung gefunden haben würden. Obwohl die Frist von sechs Monaten auf sechs Wochen herabgesetzt worden war, konnte keine Einigung erreicht werden, da die Arbeiter die sofortige Wie- [ öereinfteUung in zwei bestimmten Fabriken ver­langten, eine Forderung, die auf unüberwindliche Hindernisse ffipf-

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Gcohfeuer in Boppard.

In Boppard brach in einem Lebensmittellager Großfeuer aus, das sich mit rasender Geschwin­digkeit ausbreitete. In kurzer Zeit standen ein Nebengebäude und ein Wohnhaus in Hellen Flam­men, ohne daß die Feuerwehr in der Lage war, das wütende Element wirksam zu bekämpfen. Alle drei Gebäude brannten bis auf die Grund­mauern nieder Menschenleben kamen nicht zu Schaden

Tränengasanfchlag auf ein Warenhaus.

In den Verkaufsräumen des Warenhauses Tietz in Remscheid wurde dieser Tage ein tränengas­ähnliches Gemisch zur Entwicklung gebracht. D r e i F r a u e n , die als Täterinnen in Frage kom­men, find der Polizei vorgeführt worden.

Schwerer Verkehrsunfall bei Neubrandenburg Zwei lote.

Dieser Tage ereignete sich auf der Chaussee Neu. brandenburg-Neustrelitz ein folgenschwerer Der- kehrsunfall, der zwei Menschen das Leben kostete. Der Bauunternehmer S t r a e n aus Burg-Stargard stieß mit seinem Motorrad mit einem Berliner Kraftwagen zu. sammen. Der Kraftwagen fauste dabei gegen einenDaum. Der Chauffeur des Kraftwagens und der Bauunternehmer Straen aus Burg-Star- gard wurden tödlich verletzt. Die In­sassen des Autos, der Filmschauspieler Willi F o r st und eine Wiener Tänzerin, wurden leich-

Oer Kamps um das Bemyener Urteil

Zum Gedenken au die Schlacht von Seufzen

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In dem niederjchlesijchen Ort L e u t h e n , wo vor 175 Jahren Friedrich der Große seinen glorreichsten Sieg im Siebenjährigen Kriege erfocht, fand unter großer Beteiligung eine eindrucksvolle Gedenkfeier statt, bei der das 1907 von Kaiser Wilhelm II. ge­stiftete Altardenkmal neu eingeweiht wurde. Generalfeldmarschall von Mackensen verliest eine Botschaft des früheren Kaisers.

ter verletzt; sie befinden sich im Städtischen Kran­kenhaus zu Neubrandenburg.

Schwerer Unfall

auf dec ZecheSünnes in Gladbeck.

Auf der ZecheMatthias Stinnes III/IV" in Glad­beck platzte während des Schichtwechsels am Füll­ort eine der großen Luftdruckleitungen, durch die komprimierte Luft in den Schacht befördert wird. Durch den ungeheuren Luftdruck wurden eine Anzahl der am Füllort beschäftigten Bergleute sowie mehrere Bergleute, die gerade mit dem Förderkorb vor Ort ankamen, v e r l e tz t. In zwei Fällen waren die Verletzungen so schwer, daß die sofortige Ueber- führung ins Krankenhaus notwendig wurde.

Raubmord oder Llnglückssali?

WSN. Darmstadt, 26. Aug. Anfang 3uli unternahm der etwa 20jährige Student Rudolf B e st, Sohn eines hiesigen Apothekers bei Merck und Zuletzt Volontär am Frankfurter Zoo, allein eine Radtour nach Norddeutschland zum Zwecke einer Studienreise in norddeutsche Zoologische Gärten und Tierhandlungen. Die letzte Nach­richt gab er aus Lüneburg am 14.3uli und wurde seitdem vermißt. Nun wurde bei G r o ß h e h l e n in der Lüneburger Heide, nahe der Landstraße, die bereits in Verwesung be­findliche Leiche eines jungen Mannes gefunden und vom Vater als diejenige seines Sohnes erkannt. Das Gepäck, darunter ein Zelt, fehlte bis auf eine blecherne Spiritusflasche. AuffäUig ist auch, daß am Fundort ein fremdes Fahrrad, nicht das des jungen Best, lag. Es besteht die Möglichkeit, daß Best, da der Unterkiefer der Leiche gespalten ist, er­mordet und beraubt wurde. Die Ver­letzungen schließen aber auch einen Verkehrs- unfall und die später erfolgte Berau­bung der Leiche nicht aus.

Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumschein.

Schlaflose Nacht.

Don Georg Mühlen-Echutte.

In einem kleinen Hotel irgendwo in der Gegend von Lübeck. Der Strumpfhändler Max Milchreis hat beim Abendessen die Bekanntschaft des Ober­inspektors beim Rechnungshof Hermann Schneider gemacht der sich auf einer Urlaubsreife befindet.

Die Herren steigen die Treppe zu ihren Zimmern empor. Milchreis äußert:

,3ch hätte doch lieber keinen Mokka nehmen sollen, Herr Inspektor."

Ober, bitte!"

Wieso ,Dber? Wollen Sie was bestellen?"

Nein, ich meine nur, ich bin Oberinspektor."

Ach so! ... Hm! ... Muß ja sagen, Sorgen haben die Leute ...!"

Haben wir auch! Sie wissen nicht, lieber Herr, wie es einem heute mit Frau, drei Kindern, einem unterstützungsbedürftigen Großvater und einem Stubenmädchen zumute ist."

Schrecklich! Seien Sie froh, daß Sie nicht noch einen Kanarienvogel zu ernähren haben oder einen Goldfisch! ... Können Sie eigentlich schlafen nach Mokka?"

Wie eine Ratte."

Na, auch nichts Schönes! ... Ich werde natür­lich wieder die halbe Nacht wachliegen."

Versuchen Sie es doch mit der Auto-Suggestion."

Mit was?"

Mit Auto-Suggestion. Passen Sie auf. Sie sind doch Strumpfhändler, nicht wahr?"

Ja."

Na, also! Sie liegen im Bett und fangen in Ge­danken irgendeine ganz absurde Rechnung an. Un­gefähr so: Wenn ich das Paar seidene Damen­strümpfe für siebenundachtzig Pfennig verkaufe dann bringen mir zwei Paar seidene Damenstrümpfe eine Mark oierundsiebzig; drei Paar seidene Damen- ftrümpfe bringen mir zwei Mark einundsechzig; vier Paar seidene Damenstrümpfe bringen mir drei Mark achtundvierzig; fünf Paar seidene Damenftrümpfe ... na, und immer so weiter!"

Sie meinen, das hilft?"

Das hilft totficher. Spätestens bei siebenundzwan­zig Paar seidenen Damenftrümpfen fangen Sie an zu schnarchen."

Die Herren trennen sich. Das Zimmer des Strumpfhändlers liegt gegenüber von dem Zimmer des Oberinspektors. Der Strumpfhändler entkleidet sich, steigt ins Bett, dreht das Licht aus und fängt an zu rechnen. Es ist elf Uhr.

Kurz nach Mitternacht wird an die Tür des Ober­inspektors geklopft. Der Oberinspektor fährt aus dem ersten Schlummer hoch.

Wer ist da?"

Ich bin es, Milchreis! Machen Sie doch mal auf!"

Der Oberinspektor steigt aus dem Bett,, öffnet die Tür und läßte den Strumpfhändler herein.

Ich kann nicht schlafen!" sagt der Strumpfhändler und fällt in einen Sessel.

Haben Sie denn nicht den Trick mit der Strumpf­rechnung versucht?"

Ja, natürlich!"

Und wie weit sind Sie gekommen?"

Bis sechs Paar."

Na, das ist doch gar nichts. Sie mußten weiter­rechnen. Ich habe Ihnen gesagt, ungefähr bei fiebern und zwanzig Paar würden Sie schnarchen."

Augenblick mal, Herr Inspektor ..."

Ober, bitte!"

Da müssen Sie dreimal klingeln."

Unsinn! Ich meine, ich bin Oberinspektor."

Ach so! Na, schön! Also, was das mit den Strümpfen betrifft, es geht nicht."

Wieso nicht?"

Das will ich Ihnen erklären. Sehn Sie mal, Sie kennen die Branche nicht. Ich habe im Sommer im Vertrauen auf eine Lockerung der Kartellpreise einen Posten Damenstrümpfe, Kunstseide plattiert, für eine Mark fufzehn das Paar abgestoßen. Was soll ich Ihnen sagen, die nächste Lieferung ab Fabrik, in Farbe und Faden haargenau derselbe Kitt, wird mir mit einsdreiundzwanzig angestellt. Ein glattes Verlustgeschäft! Und jetzt kommen Sie mir mit einem Preisvorschlag von siebenundachtzig Pfennig für seidene Ware. Das ist nicht zu machen, Herr .

Aber ich bitte Sie ...!"

Es ist nicht zu machen, verlassen Sie sich drauf! Waschseide, ja! Waschseidene Damenstrümpfe mit Spitzhochferse und Florsohle, prima Qualität mo­derne Farben, kann ich für siebenundachtzig Pfennig abgeben. Wenn Sie mir sagen: Milchreis, bauen Sie Ihre Rechnung auf dieser Basis auf, bon! Geht in Ordnung! Aber Seide, Herr, Seide ...?!"

Also gut, Herr Milchreis, gehn Sie wieder in Ihr Bett und rechnen Sie nach dem neuen Modus."

Sie meinen, ich kann ruhig statt.Seide' .Wasch­seide' sagen?"

Ja, natürlich."

Na, dann gute Nacht!"

Gute Nacht!"

Der Strumpfhändler verschwindet, und der Ober­inspektor kriecht in die Federn. Die Störung wirkt in ihm nach. Er findet keinen Schlaf und liest die Zeitung. Im letzten Drittel des Inseratenteils fallen ihm endlich die Augen zu. Wenige Minuten danach erwacht er von heftigem Klopfen.

Hallo! Was gibt es?"

Ich bin es, Milchreis."

Der Oberinspektor stürzt mit einem Fluch an die

| Tür.Was wollen Sie denn nun schon wieder, zum Donnerwetter?"

IPardon, wenn ich störe, ziehe ich mich zurück."

Ach was! Jetzt haben Sie mich mal geweckt, nun ist's mir egal. Sie wünschen?"

Nur eine ganz kleine Information! Ich bin gleich wieder draußen. Sehn Sie mal, ich habe eben den Preis von einhundertsechsundzwanzig Paar wasch­seidenen Damenstrümpfen berechnet. Macht genau einhundertundzwölf Mark und achtundoierzig Pfen­nig. Nun habe ich zufällig einen Posten von ein­hundertsechsundzwanzig Paar waschseidene Damen­strümpfen daliegen. Ich wollte jetzt fragen, was Sie davon halten, wenn ich einen Strich unter dieses Konto mache und eine ganz neue Rechnung mit prima Herrensocken aus Fil dticosse für zwei Mark sünfundsiebzig das Paar anfange."

Einverstanden!"

Na, dann ist ja alles in Butter. Gute Nacht!" Gute Nacht!"

Der Strumpfhändler zieht sich in sein Zimmer zurück. Er kriecht in die Falle, loscht das Licht und beginnt die Rechnung mit den Herrensocken. Bis nahe an hundert Paar kommt er, dann übermannt ihn die Müdigkeit, und er schläft ein. Es ist morgens etwas nach vier Uhr.

Da wird heftig an seine Tür geklopft.

Der Strumpfhändler richtet sich verstört auf, steigt aus dem Bett und Öffnet. Draußen steht der Ober­inspektor. Er sieht schrecklich übernächtig aus, wilde Haarsträhnen hängen ihm in die gefurchte Stirn.

Ernst sagt er:

Ich möchte wissen, Milchreis, wie Sie auf ein» hundertundzwölf Mark und achtundvierzig Pfennig für die Samenftrümpfe kommen. I ch für meine Person kriege zwei Mark sechsund- achtzig weniger raus!"

Zeitschriften.

Wie vielseitig und verantwortungsvoll der Beruf des Apothekers ist, darüber gibt eine Sondernummer der3 l l u st r i r t e n Z e i t u n g" (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig) eine anschau­liche äiebersicht. Die Aufsätze überDie deutsche Apotheke, ihre Entwicklung und ihre Bedeutung für die Volksgesundheit",Die wissenschaftliche Leistung und Bedeutung des Apothekers", Apotheke, Arzneiversorgung und Arzneimittel­verkehr" undDie Bewertung der Heilkräuter im Spiegel der 3ahrhunderte" sind von zahl­reichen 3Uustrationen begleitet, Gemälden, Stichen und Zeichnungen aus allen Zeiten neben Abbildungen von historischen Haus-, Feld- und Derkaufsapotheken und modernen Apotheken­einrichtungen. Eine heitere Ergänzung dieser Liebersicht bildenAllerlei Apotheker-Kuriosa".

Oer wilde Mann am Telephon.

Ein Mann, den die Telephon-Teilnehmer in der Umgegend des französischen Ortes Caen in der Normandie noch lange in schlechtem Ange­denken behalten werden, ist ein gewisser Le- Harenge. Er war dieser Tage mit vier Helfers­helfern angeklagt und zwar hatte er sich wegen folgender Vergehen zu verantworten: 1. wegen absichtlicher Verwirrung der Hälfte aller Tele­phonverbindungen in der Gegend von Caen, 2. wegen widerrechtlicher Anmaßung eines Be­amtenpostens und damit verbundener freier Fahrt auf der Eisenbahn, 3. wegen Vorspiegelung fal­scher Tatsachen, durch die er für sich und seine Genossen freie Kost und Wohnung in einer An­zahl von Fällen erlangte. Lehareuge hat sich mit seinen Verfehlungen keinen Dermögensvorteil verschaffen wollen. Er ist vielmehr ein Mann, der sich von der Postverwaltung ungerecht be­handelt glaubt und die Aufmerksamkeit auf sein Schicksal lenken wollte. Er war früher bei der Telephon-Verwaltung von Caen angestellt, wurde aber entlassen, nach seiner Ansicht in höchst un­gerechter Weise. Er wollte sich deshalb an seinen früheren Vorgesetzten rächen und zugleich seine Behandlung vor die Oeffentlichkeit bringen. Er legte sich den Namen Le Harenge bei und das aus guten Gründen, denn es gibt in diesem Bezirk einen Telephon-Inspektor namens Ha­renge. Damit war die INöglichkeit für allerlei Verwirrungen gegeben. Er sicherte sich die Mit­arbeit von vier Gehilfen, einem Mechaniker, einem Wege-Arbeiter, einem Kesselflicker und einem Handlanger, und mit dieser bunten Ge­sellschaft unternahm er Reisen durch die Nor­mandie, stets auf Kosten der Staatseisenbahnen, indem er erklärte, sie seien Telephon-Arbeiter, und die Kosten würden von der Post erseht wer­den. Mit dieser Angabe verschaffte er sich und den Semen auch unentgeltliche Unterkunft. Le Harenge und feine Genossen widmeten ihre be­sondere Aufmerksamkeit den Telephonanlagen, und ihrer sachverständigen Arbeit gelang es, in wenigen Minuten Hunderte von Telephonver­bindungen in Einordnung zu bringen. 3n ein paar Tagen hatten sie das ganze Telephonnetz des Bezirks in ein Chaos verwandelt, in dem sich die Teilnehmer nicht mehr zurechtfinden konnten und das zu den furchtbarsten Beschimpfungen der Telephonistinnen führte. Man stand zunächst wegen der Einordnung, die den Telephon-Verkehr fast unmöglich machte, vor einem Rätsel. Die Lösung brachte der richtige 3nspektor Harengö, der bei seinen Nachforschungen aus die Spur des geheimnisvollen Le Harenge kam und dann seine Machenschaften aufdeckte.