Ausgabe 
27.8.1932 Erstes Blatt
 
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Notizen.

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^.Anleihen, die ewa ion lrcmden Werten e mit 40 Mark pr-, Mi» aebictsanleihe 3I", er 65. Mannesm-m 25 St. Erdöl "», ä 134,50. Dordd.

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Ur. 201 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Samstag, 27. August 1952

Erschein» täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Bießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monat» Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmrf und Verlag: vriihl'sche Univer^air-Vnch» und Stetnörudcrei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Sefchäftsstelle: Schulftrahe 7.

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst vlurnschein und für den Anzeigenteil Max FiUer, sämtlich in Gießen.

Heute Verabschiedung des Wirtschastsprogramms.

Zwangsanleihe? Zinssenkung? Mietsenkung?

Berlin, 27. Aug. (4TJIB. Funkspruch.) 3n den zuständigen Ministerien ist man heute vormittag mit den letzten Formulierungen an dem Mirtschaf 1 s- programmder Reichsregierung beschäftigt, so datz es nachmittags in der Kabinettsfihung end­gültig verabschiedet werden kann. Der Reichskanzler wird dann heute abend mit dem fahr- planmäßigen Zuge nach 2TI ü n ft e r fahren, um das wirlfchaftsprogramm morgen mittag um 12 Uhr in der Stadthalle in einer großen Rede vor den Westfälischen Bauernvereinen der Oefsentlichkeit zu unterbreiten. Ueber den Inhalt des Programms wird in dem engen Kreise der wirklich unterrichteten Stellen weiter absolutes Stillschweigen bewahrt. Ls ist deshalb gar nicht möglich, positive und sichere Angaben zu machen. Was in der Presse darüber bisher geschrieben wurde, beruht auf Kom­binationen. Ls bleibt nichts anderes übrig, als bis morgen abzuwarten. Dann erst wird man bestimmt wissen, ob die Z w a n g s a n l e l h e, die Zins­senkung und vielleicht auch eine Mielsen- k u n g, von der man neuerdings spricht, in dem Programm enthalten sind. Aus gut unterrichteten wirtschastskreisen verlautet, daß der plan einer Zwangsanleihe fallen gelassen worden ist und dafür andere Maßnahmen in Aussicht ge­nommen sind.

Der Reichskanzler wird auf der Reise nach Münster begleitet von dem Reichspresseches, Ministerialdirek­tor M a r tf s , und dem Leiter des Inlandreserats der Presseabteilung, Oberregierungsrat Dr. Heide. Die Rückfahrt erfolgt bereits am Sonntagabend, fo daß der Reichskanzler am Montag früh wieder in Berlin ist.

Am Montagabend reift er dann nach Reu deck, um dem Reichspräsidenten die Einzelheiten des Wirtschastsprogramms vorzutragen und ihm gleichzeitig über die innerpolitische Lage Bericht zu erstatten. Ob die Notverordnung es können übrigens auch mehrere fein bereits jetzt in Neudeck unterzeichnet wird, steht im Augen­blick noch nicht fest. Mit dem Reichskanzler wird auch Staatssekretär Dr. Meißner nach Neudeck fahren, wahrscheinlich auch die Reichsminister Jrei- herrvonGayl und General von Schleicher. Darüber wird aber endgültig wohl erst heute nach­mittag entschieden werden.

Ministerreden im Rundfunk.

Berlin, 27. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Re'chsrundfunkgesellschaft teilt mit: Für die Ta­gung der Westfälischen Dauernvereine, die am Sonntag, 28. August, in Münster in Westfalen stattfindet, hat Reichskanzler von Papen die Hauptrede übernommen. Die im Mittelpunkt der Tagung stehende Ansprache des Reichskanzlers wird

um 12 Uhr vom Westdeutschen Rundfunk übernommen

und über alle deutschen Sender verbreitet wer­den. Vorangehend wird am gleichen Tage, Sonn­tag, um 11 Uhr aus der Doethe-Dedächtnis- feicr zu Frankfurt a. M. die Rede des Innen­ministers Freiherr von Gayl als Rundfunk­sendung geboten werden.

Zentrumsabgesandter bei Hindenburg?

Berlin, 27. Aug. (ERB.) In Berliner po­litischen Kreisen waren, wie dieD. A. Z." mel­

det, am Freitag Gerüchte verbreitet, wonach die Verhandlungen zwischen Zentrum und Rational­sozialisten über die Regierungsfrage im Reich plötzlich günstiger verlaufen seien, als das bisher der Fall zu sein schien. Es dürste zutreffen, so meint das Blatt, daß sich das Zentrum bei den Verhandlungen die größte Zurückhaltung auserlegt habe. Von Zen» Zrumsseite sei offenbar nur das Finanz- und das Arbeitsministerium gefordert worden, für die Dr. Brüning und Dr. Stegerwald in Vorschlag gebracht worden' seien. In diesem Zusammenhang verlautet, daß ein Ver­trauensmann des Zentrums nach Reudeck zum Reichspräsidenten ent­sandt worden sei, um die Ansichten des Reichs­präsidenten über eine etwaige Umbildung des Reichskabinetts zu sondieren.

Der Kurs des Zentrums.

Berlin, 27. Aug. (TU.) (Funkspruch.) Ber­liner Blätter veröffentlichen einen Artikel aus dem offiziellen .Pressedienst der Zentrumspartei", in dem es u. a. heißt:3n der allgemeinen Rot und

Rus nach Reichsbahnaufträgen.

Eine Eingabe des Langnam-Vereins.

Düsseldorf, 27. Aug. (ERD. Funkspruch) Der Verein zur Wahrung der gemeinsa­men wirtschaftlichen Interessen im Rheinland und Westfalen hat, wie er mitteilt, bei den zuständigen Reichs- und Staats­ministerien, sowie bei der Reichsvah-nhauptverwal- tung erneut dringende Vorstellungen über die Rotwendigleit erhoben, Reichsbahnarbei­ten und -Aufträge in den Arbeits­beschaffungsplan des Reiches einzube­ziehen. Durch die seit Anfang April festzustel­lende einschneidende Auftragsdrosselung der Reichsbahn habe sich die ohnehin bedrängte Lage sowohl der eisenschafsenden, als auch der eisen­verarbeitenden Industrie in einem Maße zuge- spiht, daß es zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß gebe. Es handele sich um wirklich produktive Auf­wendungen, da mit verhältnismäßig geringen Kosten ein sozialer Ruhaufwand erzielt würde, Tausende v o n A r b e i t s k r ä f t e n wie­der eingestellt werden könnten und brach­liegende Stoffe aktiviert würden. Darüber hinaus sollte aber auch die Frage einer eingehenden Prü­

fung unterzogen werden, ob nicht wenigstens in bescheidenem Umfange auch Mittel für eine zu­sätzliche Auftragsvergebung sreige- macht werden können. Die dringende (Begen- wartsnot der breiten Schicht reichsbahnabhängiger Industrien lasse, nicht zuletzt im Hinblick auf die schlüsselartige Stellung dieser Gruppe, im gesamt­wirtschaftlichen Interesse die Prüfung einer Uebernahme von Risiken gerechtfertigt erscheinen, die vielleicht sonst größerer Zurückhaltung begeg­nen würden. Eine solche Maßnahme würde aber auch insofern bis zu einem gewissen Grade im eigenen kaufmännischen Interesse der Reichsbahn liegen, als der gegenwärtig ungewöhnlich niedrige Preisstand der Bedarfsstosse auch Käufe rechtfertigt, die unter günstigeren Zeitum­ständen vielleicht erst nach und nach hätten ge­tätigt werden können. Angeregt wird in der Ein­gabe xl a. eine beschleunigte Vergebung von A u s be s s e r u n g s a r b e i te n für die etwa 60 000 Einheiten umfassenden reparaturbe­dürftigen Fahrzeuge und in gewissem Umfange auch die Vergebung von Reubestellungen.

Krisenwende?

Don Or. p. Mombert, o. ö. Professor der Staalswissenschasten an der Universität Gießen.

Voraussetzung künftigen Aufstiegs gegeben ist. Diese bis jetzt besprochenen Erscheinungen

als

Reichsamts

31. 7. 1931

17. 8. 1932

auch, daß

sich seit

1932

1932

1932

1932

1932

1932

1932

1932

1932

1929

1930

1931

Index in den Ber­einigten Staaten 145,7 130,6 108,0 105,6

98,3 96,4 95,5

94,1 92,3

90,2 91,4 93,7*

137,2

124,6

110,9

111,7

100,0

99,0

99,8

98,4

97,2

96,2

95,9

96,0

95,8

95,0

Staaten das gongen ist.

turreagible Waren

124,2 97,8 66,4 68,2 53,0 51,7 50,0 48,8 47,7 45,1 45,3 45,7

47,9'

troffenen Länder nicht gleichartig. Wichtiger jedoch als die Feststellung dieser Ursachen ist heute die Frage, ob sich nicht gewisse Anzeichen

' Jahres­durchschnitt

allgemeine Preisniveau

Großhandelsindex des darunter Statistischen Konjunk-

30. 1.

29. 2.

31. 3.

30. 4.

31. 5.

30. 6.

30. 7.

3. 8.

10. 8.

Die Tabelle zeigt aber. . .

einigen Monaten der Preisrückgang stark verlangsamt hat und daß es doch den An­schein hat, als ob das Preisniveau auf seinem tiefsten Punkt angekommen sei. Das zeigt sich besonders bei der Betrachtung der sogenannten > konjunkturreagiblen Waren, d. h. derjenigen, die die Koks, Stab- und Roheisen. Häute. Leinen, Dollengarn usw. auf Wandlungen in der Kon­junktur bei ihrer Preisgestaltung besonders emp-

schwung nach der günstigen Seite hin zu rechnen ist, und woher die Kräfte kommen können, die dahin zu wirken imstande sind.

Für jede Besserung einer ungünstigen Kon­junkturlage, deren Wesen bekanntlich darin be» ftcht, daß das ersorderliche Gleichgewicht zwischen I Angebot und Rachfrage auf dem Markte fehlt, sind gewisse wirtschaftliche Voraussetzungen er­forderlich. Schon vor dem Kriege konnte man die Erfahrung machen, daß die ersten Anzeichen einer Aenderung der Konjunkturlage darin lagen, daß die vorhandene Konjunktur sich in der von ihr eingeschlagenen Richtung immer mehr ver­langsamte, d. h. für die Gegenwart, daß sich die Merkmale der Krise nicht mehr verschärften, son­dern darin ein gewisser Stillstand eintrat. Man kann diese Entwicklung an den verschiedensten ' Symptomen beobachten.

DaS wichtigste Symptom der Entwicklung ist die Gestaltung der Preise. Jeder Rückgang der Preise hat an sich die Tendenz, belebend auf die * Nachfrage zu wirken; da aber Unternehmer und i Kaufmann sich immer zu den niedrigsten Preisen I eindecken wollen, so tritt erst dann eine stärkere 'Belebung der Rachfrage ein, wenn der Meinung dieser Kreise nach die Preise ihr tiefstes Riveau erreicht haben. Ein weiteres wichtiges Symptom : für die Konjunkturentwicklung ist dann die Ge­st altung von Vorräten und Warenlagern in einer Volkswirtschaft. Je mehr sie nämlich

Seit nahezu fünf Jahren haben Deutschland inb fast alle anderen Staaten der Erde unter einer Wirtschaftskrise zu leiden, wie sie in diesem Ausmaße wohl noch niemals aufgetreten ist. Auf ollen Gebieten des öffentlichen und privaten Lebens, in wirtschaftlicher, sozialer und finan­zieller Hinsicht, sind ihre unheilvollen Folgen zu Hniren. Die äußere Form, in der die Krise sich zeigt, sind in erster Linie der starke Sturz aller greife, der erhebliche Rückgang des Absatzes auf allen Märkten und die erschreckend große Ar­beitslosigkeit. Cs ist hier nicht der Ort, genauer auf die Ursachen dieser schweren Wirtschaftskrise einzugehen. Die Ursachen sind ungemein mannig­faltig; sie liegen auf den allerverschiedensten Ge­bieten und sind auch für die von der Krise be-

p während einer Krise zusammengeschmolzen sind, um so mehr und um so schneller werden niedrige Preise die Rachfrage belebens tonnen. Diese Läger I |lnb bei uns sehr gering, vor allem auch als

Folge des hohen Zinsfußes. Wie sehr diese | JJägcr bei uns besonders auf dem Gebiete der

'Derbrauchsgüterindustrien geräumt sind, hat das Deutsche Institut für Konjunkturforschung in ? seinen letzten Berichten häufig hervorgehoben.

Das letzte, das hierher gehört, ist die Ausschei­dung der sog. Grenzproduzenten, d. h. der De- - triebe, die aus Gründen der Rentabilität nicht mehr Weiterarbeiten können und deshalb als Anbieter ausscheiden. Damit tritt eine Verringe­rung des Angebotes ein, womit ebenfalls eine

Deute die Frage, ob sich nicht gewisse Anzeichen dafür zeigen, daß wir den Tiefpunkt der Krise überwunden haben, daß vielleicht mit einem Um­

wirtschaftliche Voraussetzungen eines Aufstiegs sind bei uns, ebenso wie in anderen Ländern, gegeben. Namentlich in den Vereinigten Staaten wird seit Monaten durch immer wieder verstärkte Erweiterung der Kreditgewährung der Versuch gemacht, einem abermaligen Cinschrumpfungspro- xef) der dortigen Wirtschaft entgegenzutreten, auf diese Weise die Rachfrage zu beleben und damit das Preisniveau zu verbessern. Es hat den An­schein, als ob dieser Versuch wenn dabei auch andere Faktoren mit wirksam waren nicht ohne Erfolg gewesen ist. Die folgende ^Tabelle gibt tin Bild davon, in welchem Umfang seit Beginn der Krise in Deutschland und in den Vereinigten zurückge-

3 2. August 1932; 3 8.-13. August 1932.

findlich sind. Gerade bei diesen Waren ist auch bei Deutschland eine gewisse Steigerung in den letzten Monaten zu beobachten, und noch stärker war die Preiserhöhung, die solche Waren in anderen Ländern, hauptsächlich in Uebersee, er­fahren haben. Mit diesem Anziehen der Preise hängt dann auch die starke Kurssteigerung wich­tiger Industriewerte, besonders an den ameri­kanischen Börsen, zusammen. Dadurch, daß die Geldmärkte in der Welt äußerst flüssig sind und diese Flüssigkeit in den Vereinigten Staaten noch durch die bereits erwähnte Kreditausweitung unterstützt wird, erhält diese Auftriebs­tendenz auf den Warenmärkten eine starke Hilfe.

Bisher war immer nur von den wirtschaft­lichen Voraussetzungen einer Konjunkturlage die Rede. Dazu gehören aber noch andere Voraus­setzungen, die sich in ihrer Gestaltung weniger leicht übersehen lassen. Man darf nämlich nie vergessen, daß alle solche wirtschaftlichen Vor­aussetzungen. die auf den Gang der Konjunktur einwirken, dies keineswegs unmittelbar tun. Es ist immer der handelnde und wollende Mensch, durch dessen Psyche hindurch erst diese wirtschaftlichen Faktoren zur Geltung und Wirk­samkeit gelangen und damit erst auf den Gang der Konjunktur umgestaltend einwirken. Diese psychologischen Faktoren darf man demnach nicht übersehen, wenn man die weitere Gestaltung der Wirtschaftslage betrachten will. Gerade bei einer so schweren Krise gibt es nur allzu Viele, die unter dem schlimmen Druck wirtschaftlicher Sorgen überhaupt nicht mehr an die Möglich­keit einer wirtschaftlichen Besserung zu glauben vermögen. Es ist also durchaus verständlich, wenn heute die eben besprochenen wirtschaftlichen Vor­aussetzungen eines Aufstiegs sich nur viel schwerer durchzusetzen vermögen, als in den ruhigen Zeiten vor dem Kriege. r r _

Das gilt in ganz besonderem Maße für Deutschland. Zwar sind auch hier die oben­genannten wirtschaftlichen Voraus­setzungen eines Aufstiegs vorhan­den. Das ergab sich bereits aus der oben ge­gebenen Darstellung der Preise. Das zeigt auch um dafür ein anderes Merkmal zu geben die Gestaltung der Konkurse, deren Zahl in den letzten Monaten einen beträchtlichen Rück­gang erfahren hat. Es betrug in Deutschland die Zahl der eröffneten Konkurse im Monats-

1930 959

1931 1133

Januar 1932 1128

Februar

1932

1091

März

1932

975

April

1932

929

Mai

1932

739

Juni

1932

704

Juli

1932

629

15. August

1932

320

Freilich stehen auch einem Konjunkturaufstieg für Deutschland größere Hindernisse im Wege, als in anderen Staaten. Diese Hemmnisse liegen auf verschiedenen Gebieten. Hierher ge- »hören einmal das noch nicht endgültig geloste Reparationsproblem; nicht weniger wich­tig sind die starken innenpolitischen Spannungen und Gegensätze. Gerade wenn man sich die oben bargelegten psychologi­schen Zusammenhänge vor Augen hält, darf man solche Faktoren in ihrer Wirkung aus den Gang der Wirtschaft nicht unterschätzen. Rur dann wird die Rachfrage von der Wirtschaft her eine stärkere Belebung erfahren, wenn Unter­nehmer und Kaufmann Vertrauen in den weiteren Gang der wirtschaftlichen Lage haben. Daß neben wirtschaftlichen Tat­sachen, wie z. B. mangelnde Rentabilität der Betriebe, auch politische Momente eine Rolle dabei spielen, liegt auf der Hand. Man braucht nur daran zu erinnern, daß man bei uns im Gegensatz zu der Krise in anderen Staaten auch von einer Vertrauenskrise gesprochen hat und daß mit diesem mangelnden Vertrauen in die Zukunft der deutschen Wirtschaft doch auch die starke Kapitalflucht zusammenhing, welche die Wirtschaftskrise bei uns soviel schärfer gestaltet hat, als in anderen Ländern.

Aber neben solchen politischen Faktoren können auch rein wirtschaftliche Momente bei uns zunächst als Hemmnis eines stärkeren und schnelleren Aufstiegs wirksam sein. Hierher ge­hört einmal der große Kapitalmangel und damit im Zusammenhang die Tatsache, daß wir durch das Sttllhalte-Abkommen noch von dem internationalen Geld- und Kapitalmarkt los­gelöst sind. Der Geldmarkt ist auch bei uns viel weniger flüssig, als in anderen Ländern, und auf Grund von internationalen Abmachungen ist die Reichsbank noch nicht imstande, ihren Dis­kont unter den gegenwärtigen Satz von 5 Pro­zent herabzusetzen und damit ihrerseits einen belebenden Einfluß auf die deutsche Wirtschaft auszuüben. Auch die Hohe der Unkosten ist durch die hohen Zinsen, die hohen Soziallasten und die hohen Steuern für die deutsche Wirt­schaft ungünstiger, als in anderen Ländern. Es mag sein, daß hierin die viel besprochene Reu-

regelung der Schuldverhältnisse mit dem Aus­land eine gewisse Erleichterung bringt.

Wenn also gewisse Gründe vorhanden sind, die dafür sprechen, baß sich bei uns eine Bes­serung ber Konjunkturlage nicht so leicht voll­ziehen wirb, wie in anberen ßänbern, so wird man boch sagen bürfen, baß eine Besserung ber Konjunktur, bie sich vielleicht in ben nächsten Monaten in anberen Teilen ber Erbe vollzieht, auch aus Deutschlanb über­greifen muß. In welchem Umfange bas der Fall fein wird, dürfte in hohem Maße von der Gestaltung ber eben erwähnten Faktoren, na­mentlich aber auch von ber Entwicklung unserer innerpolitischen Verhältnisse abhängen. Wenn je- boch in anberen ßänbern eine Besserung ber Konjunkturlage eintritt, wenn bort Preise und Kauflraft steigen, wenn dort die Arbeitslosigkeit zurückgeht, dann müssen auch bei uns die Preise anziehen, dann wird auch die Kaufkraft anderer Länder für unsere Erzeugnisse steigen. Genau wie unsere deutsche Krise dadurch noch wesent­lich verschärft worden ist, daß immer mehr Län­der, vor allem in Uebersee, von ihr erfaßt wur­den, so wird auch unsere Wirtschaftskrise eine mehr oder weniger große Abschwächung erfah­ren, wenn sich in anderen Ländern die Kon- junktuvlage bessert.

Wenn also auch die wirtschaftlichen Aussichten heute allgemein günfti- ger zu beurteilen sind, als es noch zu Beginn dieses Jahres ber Fall war, unb wenn man des- halb auch für Deutschlanb, wenn nicht außen- ober innenpolitische (Störungen eintreten, mit einer gewissen Krisenwende rechnen barf, so wirb es sich hierbei boch nicht um einen schnellen unb starken wirtschaftlichen Aufschwung handeln. Dafür finb bie Wunben zu schwer, welche bie Krise allenthalben geschlagen hat, unb bafür befinbet sich unsere Volkswiri'chaft noch auf lange Zeit hinaus in einem zu sehr erholungsbedürf- tigen Zustanb. Wir finb aber alle in dieser Hinsicht viel bescheidener geworden, als früßer. Auch eine Ueberwindung des Tief­punktes einer Krise ist schon ein wich­tiger Schritt nach vorwärts und na­mentlich in psychologischer Hinsicht nicht zu unter­schätzen. Das ist besonders wichtig den vielen gegenüber, die in der gegenwärtigen Lage eine Dauerkrisis unserer Wirtschaftsordnung, ein Ver­sagen derselben, erblicken wollen. Jede Ueber­windung des Tiefpunktes einer Krise birgt Kräfte in sich, die aus der Depression weiter nach oben führen und eine wirtschaftlich bessere Zeit einleiten helfen können.