Wahlreden im Rundfunk.
Ltaatspartei und Bayrische Bolksparlei.
Berlin, 26. Juli. (TU.) Am Dienstagabend sprach im Rundfunk über alle deutschen Sender der Führer der Deutschen Staatspartei, Minister a. D. Dietrich. Dietrich ging auf die Lausanner Konferenz ein und erklärte, daß die wichtigste Voraussetzung für ihr Gelingen die Auf- re ch t erhal t u ng der Ordnung in der deutschen Finanzwirtschaft war. Sowohl Brüning als auch er, hätten immer wieder erklärt, daß Deutschland keineweitFrenZahlungen l e i st e n könne, deshalb sei es jetzt sein gutes Recht, festzustellen, daß Deutschland nach der Lausanner Konferenz hinter diese Linie zurückgeworfen wurde. Auf die Innenpolitik übergehend, betonte Dietrich, die Notwendigkeit der Arbeitsbeschaffung. Die Staatspartei stehe auf dem Boden der Privatwirtschaft und des Vrioateigen- tums und wisse genau, daß nur der selbständige Unternehmer, mag er groß oder klein sein, imstande ist, die deutsche Wirtschaft zu tragen. Eine Gesundung könne nur eintreten, wenn ein großer Teil der Konzerne und Riesengesellschaften wieder zerschlagen und die aufgesogenen Betriebe wieder selbständigen Unternehmern überantwortet werden. Was die innerpolitische Lage anbetreffe, so halte die Staatspartei die Aufhebung des Uniformverbots für den schlimmsten Fehler. Der Staat gebe sich selbst auf, wenn er gestatte, daß auf seinem Gebiet Privatarmeen aehalten werden, die sich gegen ihn richten. Als verfassungstreue Partei halte die Staatspartei daran fest, daß auch alles aufgeboten werden müsse, um das Parlament wieder aktionsfähig zu machen.
Sodann sprach für die Bayerische B o l k s p a r t e i Chefredakteur Schwend von München aus über alle deutschen Sender. Er betonte, Bayern könne sich schon als Staat eine dritte Revolution nicht mehr leisten,^ da eine solche Bayerns Untergang bedeuten würde. Das Staatsideal, das dem Rationalsozialismus vor- schwebe, lasse sich auf keinen Fall im föderalistisch-gegliederten Reich verwirklichen. Bayerischer Lebenswille sei kein Partikularismus, sondern ein staatliches Wollen, voll der stärksten reichs- und Volksdeutschen Tiefenwirkung. Wenn es heiße, die Bayerische Volkspartei opponiere gegen das Reich, so werde man bei näherem Hinsehen erkennen müssen, daß es sich dann nur um eine Abwehr einer Versündigung an der höheren Reichsidee handele. Bayern und der ganze deutsche Süden hätten um der geschichtlichen Entwicklung Deutschlands willen die weitgehendsten Zugeständnisse gemacht. Der Sozialismus fei und bleibe ein Irrwahn, gleich, ob er mit internationalen oder mit nationalistischen Ideen verbunden werde. Die Zukunft Deutschlands aus dem Sozialismus aufbauen wollen, hieße sie auf einen Wahn aufbauen.
Am heutigen Mittwoch werden im Rundfunk sprechen die Abg. Drewitz von der Wirt- schaftsvartei und D i n g e l d e y von der Deutschen Volkspartei. An Stelle von Reichskanzler a. D. Dr. Brüning wird am morgigen Donnerstagabend Iustizrat Dr. M ö n n i g. der Vorsitzende der Rheinischen Zentrumspartei und stellvertretende Vorsitzende der preußischen Zentrumspartei das Wort ergreifen.
Hugenberg an Brüning.
Berlin, 26. Juli. (ERD.) Laut Mitteilung der Deutschnationalen Pressestelle hat Dr. Hugenberg an den Reichskanzler a. D. Dr. Brüning ein Telegramm gesandt, in dem er gegen die Erklärung Dr. Brünings, es fei der Rechten während feiner Reichskanzlerschaft von ihm, Dr. Brüning, wiederholt Gelegenheit gegeben worden, sich an der Regierung zu beteiligen, mit schärfsten Worten Protest erhebt. 3rt einer persönlichen Unterredung, heißh es in dem Telegramm weiter, habe ich Sie im August oder Anfang September 1931 auf diese Behauptung angeredet. Sie haben sie damals nicht vertreten uno aufrechterhalten können. Ich kann Ihnen urkundlich nachweisen, daß Die Ihnen unterstehende Reichskanzlei dem Herrn
Ein Dokument aus der Frühzeit der Gießener Burschenschaft.
Von Dr. W. Lehmann.
Am 3. November 1819 hatte sich die „Allgemeine Gießener Burschenschaft" infolge der Karlsbader Beschlüsse aufgelöst. Es war gefährlich geworden, sich zu den burschenschaftlichen Idealen zu bekennen, und die „höchst gefährliche Lehre von der Einheit Deutschlands" war streng verpönt. Bald aber regten sich die Treugebliebenen wieder und schon im Sommer 1820 entstand eine schwarz-rot-goldene Germania.
Im Dezember des gleichen Jahres folgte die Gründung der Constantia mit den Farben blau- weiß-rot, — vermutlich eine Fortsetzung der Constantia von 1818 — und beide vereinigten sich im Sommer 1821 zu einer „Allgemeinheit", die einen Bestand von 175 Mitgliedern erreicht haben soll.
Das scharfe Vorgehen der Universitätsbehörden gegen die Studenten, das 1826 zu einem Auszug auf den Gleiberg führte, bewirkte eine Annäherung zwischen den burschenschaftlicb gesinnten Verbindungen und den Landsmannschaften. Jahrelang bestanden ganz gute Beziehungen zwischen beiden Richtungen und man trug seine Meinungsverschiedenheiten ganz honorig mit der Waffe aus.
Erst im Sommer 1828 entstanden wieder ernste Streitigkeiten, die Verrufungserklärungen und Einmischung der Behörde nach sich zogen mit dem Ergebnis, daß von etwa 300 Studenten 32 Burschenschafter und 16 Hessen und Starkenburger relegiert wurden
Die bis in den Sommer 1829 sich hinziehende Erregung der Studentenschaft hatte einen weiteren Auszug auf den Gleiberg zur Folge und bewirkte eine behördliche Untersuchung. In deren Verlauf wurde abermals eine burschenschaftliche Verbindung aufgedeckt und verboten, von der sechs Mitglieder bestraft wurden. Aber trotzdem konnte man die Bewegung nicht unterdrücken. Im Winter 1830/31 stellte man an Stelle des bisher geltenden Komments einen neuen „Brauch" auf, der für die ganze Gießener Studentenschaft gelten sollte. Als Urheber, vielleicht auch als Verfasser dieses neuen studentischen „Gesetzbuches" ist der aus Mengeringhausen in Waldeck stammende stud. jur. Fritz Weigel anzusehen, der mit einem Kreis burschenschaftlich gesinnter Freunde mit aller Kraft bestrebt war, durch diesen „Brauch" ein „würdigeres, kräftigeres und zeitgemäßeres Leben" in der Burschenschaft herzustellen. Zwar löste sich die Gießener Burschen-
Ist Gorguloff geisteskrank?
Oer präsidenienmöfder als Tscheka-Führer wiedererkannt. - Oie Gerichtssachverständigen halten Gorguloff für voll verantwortlich.
Paris, 26. Juli (TU. Funkspruch.) Im Gor-, guloff-Prozeß wurde am zweiten Verhandlungstaa die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Nach l der Vernehmung des Kriminalbeamten, der mit der Untersuchung der „Affäre Gorguloff" betraut war und nach derjenigen des früheren Kriegsministers Pietri wurde ein ehemaliger Kosak Lasarew verhört. Der Zeuge, der an dem Kampf der Wrangelarmee gegen die Roten Truppen teilgenommen hat, sagt aus, er sei 1920 von der Tscheka ins Gefängnis geworfen worden und habe einige Tage hindurch den Besuch Gorguloffs erhalten, der damals Leiter der Tscheka in Rostow gewesen sei. Gorguloff, der sich seinerzeit Mongol genannt habe, habe nicht nur ihn, sondern auch andere Leidensgefährten täglich unmenschlich behandelt, indem er sie entweder mit dem Reoolverkolben niedergeschlagen oder ihnen glühend gemachte Nadelspitzen unter die Fingernägel getrieben habe, um sie zu Aussagen über die Organisation der Weißen Armee zu'zwingen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Zeuge auch sicher sei, in dem Angeklagten den ehemaligen Tschekisten Mongol wiederzuerkennen, erklärte Lasarew, daß sich Gorguloff seither nicht verändert habe und daß er ihn, ohne ihn zu sehen, an der Stimme wieder erkennen würde. Gorguloff bestreitet die Aussagen des Zeugen, die
er als eine böswillige Verleumdung bezeichnet. Sodann kam der mit Spannung erwartete Psychiater Professor P e r r i n zu Wort. Er erklärte mit aller Bestimmtheit, daß Gorguloff weder geistes- gestört sei, noch den gering st en Man- gel an Zurechnungsfähigkeit aufweise. Gorguloff sei vielmehr einer jener kaukasischen Russen, die zu schnell zu einer intellektuellen Kultur gelangt seien, die sie dann schlecht verdaut hätten. Wenn eine Reihe von Frauen, die mit Gorguloff in nahen Beziehungen gestanden hätten, ihn für verrückt erklärt hätten, so dürfe man das nicht im medizinischen, sondern nur im landläufigen Sinne auffassen. Die beiden anderen Gerichtssachverständigen bestätigten im wesentlichen die Aussagen des ersten Zeugen, Professors Pervin, und erklärten Gorguloff für zurechnungsfähig. Damit war die Vernehmung der Belastungszeugen beendet. Eine merkliche Spannung trat ein, als der erste der von der Verteidigung geladenen drei Psychiater erklärte, das Gorguloff zu denjenigen Geisteskranken gehöre, die möglichst lange in ein Irrenhaus ein- gesperrt werden müßten. Auch die beiden anderen Sachverständigen der Verteidigung waren der Auffassung, daß Gorguloff ein g e ist i g minderwertiger Mensch sei. Er leide an Verfolgungswahn und sei eines jener Individuen, die für ihre Idee sterben wollten.
Reichspräsidenten falsche Behauptungen gleichen Inhalts unterbreitet hat. Las bedeutet die De- nutzung einer falschen Behauptung zur Beemflus. fung der politischen Entwicklung in dem von Ihnen gewünschten Sinn einer Ausschaltung des Einflusses der Rechten. Ich muß bei dieser Sachlage den gleichen Dorwurf der bewußten Unwahrheit gegen Sie erheben, den in diesen Tagen aus anderer Veranlassung auch der Reichsbankpräsident a. D. Dr. Schacht gegen Sie erhoben hat.
Hitler spricht in Thüringen.
Erfurt. 26. Iuli. (ERB.) Aus feinem Deutschlandflug weilte Adolf Hitler am Dienstag in Thüringen. Nachdem er in Sondershausen gesprochen hatte, begab er sich am späten Nachmittag nach Erfurt. Hitler sprach davon, daß die jetzige Reichstagswahl über die 13jährige Herrschaft des schwarzroten Systems entscheiden müsse. Wenn man ihm die Verantwortung für die Regierung v. Popen zuschieben wolle, so stimme das nicht. Hitler wandte sich dann mit Schärfe gegen die Prophezeiungen, nach denen die nationalsozialistische Bewegung ihren Höhepunkt erreicht haben soUe. Im Anschluß an seine Erfurter Rede begab sich Hitler im Flugzeug nach Gera und weiter nach Hildburghausen. Die Erfurter Versammlung im Stadion ist auf eine Beteiligung von rund 60 000 Menschen geschätzt worden. In den übrigen drei Orten dürften jeweils rund 30- bis 40 000 Menschen versammelt gewesen sein.
Or. Brüning in Paderborn.
Paderborn. 26. Iuli. (END.) In einer von etwa 25 000 Zuhörern besuchten Kundgebung der ostwestfälischen Zentrumspartei sprach Dr. Brüning. Sein System sei immer das gleiche gewesen, eine stets gleichbleibende Kraftanstrengung, um einen Ausgleich der Gegensätze zu finden und alle verantwortungsbewußten Volkskreise heranzuziehen. Leider sei es 1930 nur die Sozialdemokratie gewesen, die sich ohne De - bingungen zur Verantwortung bereit erklärt habe. Dr. Brüning ging dann auf die Vorwürfe Dr. Schachts ein, und kündigte an, er werde dem früheren Reichsbankpräsidenten in den nächsten zwei Tagen eine sehr deutliche Antwort erteilen. Es fei eigentümlich, daß man gerade heute eine Diktatur errichten wolle, obwohl nur Kommandeure, aber fein geeigneter Diktator vorhanden fei.
schäft von der „Allgemeinen deutschen Burschenschaft" los, aber sehr bald segelte sie wiederum politisch in ganz radikalem Fahrwasser, und wie bekannt ist, haben sich 1833 eine große Anzahl Gießener Burschenschafter an dem Frankfurter Wachesturm beteiligt. Noch einmal sehen wir 1833/34 ein Aufflackern burschenschaftlichen Geistes, aber die strengen Untersuchungen und Verfolgungen bereiteten der Burschenschaft in Gießen für längere Zeit ein Ende. Zehn Iahre vergingen, bis wieder in der blau-weiß-goldnen Alemannia eine Verbindung mit burschenschaftlichen Grundsätzen erstand. Aber weder ihr noch einigen anderen bur. schenschaftlichen Verbindungen gelang es, das Jahr 1848 zu überdauern.
Trotzdem lebte die Idee weiter. Im Iahre 1851 wurde die Burschenschaft Germania (schwarz-rotgrün, später: schwarz-rot-gold) gegründet, die heute noch besteht. Der oben erwähnte „Brauch der Gießener Burschenschaft von 1830/3 1" ist nur in einem handschriftlichen Exemplar vorhanden, das im Besitz der Gießener Universitätsbibliothek ist.
älniversitätsbibliothekar Dr. E. W a l b r a ch hat hat es unternommen, das kulturhistorisch und stu- dentengeschichtiich außerordentlich interessante Zeitdokument, mit einer ausführlichen Einleitung versehen, zum erstenmal zu veröffentlichen und weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Das kleine Werk, dessen geschmackvolle Ausstattung der Drühl'schen Llniversitätsdruckerei R. Lange, hier, zu danken ist, erschien als Festgabe zu dem — mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse in bescheidenem Rahmen gefeierten — 70. Stiftungsfest der Gießener Burschenschaft Alemannia, welcher der Herausgeber angehört.
Wie tief ist der Ozean?
Diese Frage konnte noch vor ungefähr hundert Iahren Alexander von Humboldt nicht beantworten. Erst neuerdings, seit das Echolot erfunden und auf langdauernden Expeditionen angewendet worden ist, haben wir eine sichere Kenntnis der Meerestiefe. So hat das deutsche Forschungsschiff „Meteor" in den Iahren 1925/27 den Atlantischen Ozean vierzehnmal überquert und durchschnittlich alle zwei Seemeilen (also alle 3,5 Kilometer) die Tiefe mit dem Echolot gemessen. Das Lotergebnis dieser Expedition beträgt annähernd 70 000 Echolotungen innerhalb 21/* Iahren. Wenn man bedenkt, daß in dem gleichen Gebiet feit 1840 — also innerhalb 90 Iahren — nur rund 5000 Drahtlotungen auf großen Tiefen (über 1000 Meter)
Vorläufig keine praktische Auswirkung der Vorschläge BorahS.
w a sh i n g l 0 n , 27. April. (Reuter. Funkspruch.) Präsident Hoover und Staatssekretär 5 t i m f o n haben die Frage der interalliierten Schul- den in Zusammenhang mit dem letzten Runbfunt- vortrag des Senators Vorah erneut erörtert. 3m Hinblick auf die politische Lage und die Tatsache, daß eine Lösung des Kriegsschuldenproblems im gegenwärtigen Augenblick nicht mög- l i ch ist, wird die Regierung voraussichtlich jetzt nicht auf den Plan Dorahs eingehen.
Oer Erfolg der englischen Kriegsanleihe-Konvertierung.
London, 26. Iuli. (WTD.) Die bisherigen Ergebnisse der Konvertierungs-Transaktion sind außerordentlich befriedigend. Mehr als eine Milliarde Pfund Sterling von der insgesamt zwei Milliarden Pfund belaufenden Kriegsanleihe ist bereits konvertiert worden. Nur 2 Prozent der Inhaber von Anleihetiteln hat Einlösung verlangt. 98Prozent haben sich für die Konvertierung entschieden.
Aus aller Well.
Zusammenschluß der beiden Kriegsopferverbände.
Die beiden bisher getrennt wirkenden Kriegs- vpserorganisationen, der Reichsverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener und der Zentralverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener haben sich zusam - mengeschlossen. Der neu gegründete Verband führt die Bezeichnung „Reichsverband Deutscher Kriegsopfer E. D.» Sih Berlin".
Der Flieger helmulh hirlh verunglückt.
Im Flughafen Böblingen (Württ.) erlitt der bekannte Flieger und Flugzeugkonstrukteur Hel- muth Hirth einen schweren Unfall. Ein plötzlich anlaufender Propeller brach ihm beide Unterarme, so daß Hirth schwer verletzt in das Böblinger Krankenhaus verbracht werden mußte. Es handelt sich dabei um einen von Hirth neu konstruierten Motor für Groh-
ausgeführt wurden, so erkennt man am besten den Fortschritt, den diese neue Erfindung bedeutet. Daß mit dieser Häufung der Werte ein völlig neues Bild von den Tiefen des Weltmeeres gewonnen wird, ist einleuchtend. An Stelle der großen Gleichförmigkeit, die man bisher für die einzelnen Tieffeebecken annahm, findet man jetzt ein stetes Auf und Ab des Meeresbodens, findet man gewaltige Grabeneinbrüche und verhältnismäßig steile Auf- ragungen zu unterseeischen Gebirgen und Bänken. Bilder uno Karten, die einen Aufsatz von Dr. G. Wüst im Augustheft von Delhagen & Klast n g s Monatsheften illustrieren, zeigen diese überraschenden Formationen. Mit dem Echolot fand der „Meteor" mit 8250 Meter Tiefe die größte Tiefe des Südatlantischen Ozeans am Rande des Südpolarmeeres unweit der Südsand- wich-Inseln, und mit dem Echolot glückte es dem deutschen Kreuzer „Emden", im Stillen Ozean die größte Meerestiefe überhaupt zu finden, unweit der Philippinen gelten. Hier wurde die gewaltige Tiefe von 1 0 7 9 0 Metern gelotet. Das niederländische Forschungsschiff „Willibrod Snellius" hat im Mai 1930 in unmittelbarer Nähe dieser Emdentiese mit dem Drahtlot 10 030 Meter und dicht dabei mit dem Echolot 10 160 Meter gelotet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß eine systematische Ablotung dieses sog. „Philippinen-Grabens" die etwas höheren Werte der „Emden" bestätigen wird. Die mittlere Tiefe des Weltmeeres ist nach den bisherigen Feststellungen 3800 Meter, seine größte Tiefe rund 10 800 Meter. Hiermit haben wir die kürzeste Antwort auf diö gestellte Frage: Wie tief ist der Ozean?
Geschichten von Malern und Modellen.
Ieder Bildnismaler seit Apelles hat erfahren, wie schwierig es ist, sein Modell vollständig zu befriedigen, und schon oft gingen von Ma^ Liebermann ergötzliche Aeußerungen durch die Presse, in denen er feinen Unwillen über unmögliche Anforderungen bei den Sitzungen unverhohlenen Ausdruck gab. Die Künstler anderer Zeiten waren nicht so selbstherrlich und stolz, sondern fügten sich den Wünschen ihrer Auftraggeber, auch wenn die Wünsche sich eigentlich nicht mit dem Ernst ihrer Kunst vertrugen. Davon erzählt A. C. Carter in einem Londoner Blatt ein hübsches Beispiel. Cs war vor längerer Zeit auf einer Versteigerung bei der bekannten Firma Christies, bei der die Gemälde-Sammlung von Sir Iulian Goldsmid zum Ausgebot kam. Der sonst recht wortkarge Versteigerer war bei einem
flugzeuge, der bet dem bevorstehenden Eurvpa- fiug zum erstenmal Verwendung finden sollte.
Wolfgang von Gronau in Kanada.
Wie ein Funkspruch aus Montreal meldet, ist der deutsche Ozeanflieger Wolfgang von Gronau, von Cartwright (Labrador) kommend, bei Longicuil, einem Vorort von Montreal, auf bem Wasser nie de rg ega ng e n. — Gronau erklärte einem Vertreter der „Canadian Preß“, der Hauptzweck seines Fluges sei bie Festlegung einer Flugpostlinie von Europa nach der Pazifik-Küste über Island, Grönland und den amerikanischen Kontinent. Er beabsichtige, pur Fortsetzung seines Studiums der amerikanischen Flugverhältnisse über Chikago, Milwaukee und Winnipeg nach der Pazifikküste zu fliegen. Auf diesen Flug gedenke er zwei Wochen zu verwenden.
Elly Beinhorn in Berlin
Die deutsche Weltfliegerin Elly Beinhorn ist mit ihrem Klemm-Flugzeug, von Hannover kommend, auf dem Tempelhofer Flugplatz in Berlin eingetroffen, wo sie von Vertretern der Behörden, zahlreichen Sportfliegern und einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt wurde. Im Namen des Aero-Klubs sprach Major a. D. von Kehlerder heimgekehrten Fliegerin die herzlichsten Glückwünsche aus. Sie habe durch ihre hervorragenden Flugleistungen mit dazu beigetragen, den deutschen Namen in der Welt wieder zur Achtung und Geltung zu bringen. Elly Beinhorn erwiderte mit kurzen Dankesworten, indem sie ihrer Freude über den herzlichen Empfang Ausdruck gab. Bei dem vom Aero-Klub veranstalteten Abendempfang wurde der Fliegerin für ihre Leistungen auf dem Gebiet des Sportflugwesens durch den Präsidenten des Klubs, Major von Kehler, der Ehren» b e ch e r des Klubs — der von-Tschudi-Becher — überreicht.
Cine Ehrung ZHarga von Etzdorfs».
Das preußische Handelsministerium brachte der bekannten Fliegerin Fräulein Marga von Etzdorfs feine Anerkennung für ihre sportlichen Leistungen dadurch in sehr sinniger Form zum Ausdruck, daß der Fliegerin bie Berechtigung zu- gesprochen wurde, sich aus der preußischen Porzellanmanufaktur selber ein Geschenk auszusuchen.
Bundestag der Adler und Falken.
Der Bund der Adler und Falken, der in diesem Jahre auf ein 12jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hält den diesjährigen Bundestag vom 27. Juli bis 1. August in He l m st e d t ab. Es werden dort etwa 1500 junge Menschen zusammenkommen. Die Jungen beziehen im Lappwald ein Zeltlager. Die Mädel haben in der Stadt ein Arbeitslager. Verbunden hiermit wird ein Weblehrgang der ©pinn- und Webstube der Werkgemeinschaft „Eigene Hand" durchgeführt.
Zwei Faltbootfahrer ertrunken.
Zwei Münchener Faltbootfahrer sind dieser Tage 10 Kilometer isarabwärts von Tölz ertrunken. Das Zweisiherboot war von den hoch- gehenden Wellen umgeworfen worden. Die beiden Fahrer hielten sich am Boot fest. Andere" Faltbootfahrer wollten bas gekenterte Faltboot an einem Strick in bie Nähe des Ufers ziehen. Infolge der großen Last und der Wucht des Wassers riß nahe am .Ufer der Strick, und beide Verunglückten verschwanden augenblicklich in den Wellen, ohne wieder hochzukommen. Ihre Leichen konnten noch nicht geborgen werden.
Autobusunglück in Grenoble: 2 Tote.
5 Schwerverletzte.
Ein schweres Kraftwagenunglück ereignete sich in der Nähe von Grenoble. Ein Ausflügler-Autobus raste in voller Fahrt die abschüssige Landstraße nach Grenoble hinunter, als der Führer plötzlich die Gewalt über den Wagen verlor. Einer der Insassen sprang aus dem mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern fahrenden Autobus und wurde auf der Stelle getötet. Der Wagen raste schließlich gegen eine Felswand und ging vollkommen in Trümmer. Sechs Insassen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Einer der Verletzten starb auf dem Wege zum Krankenhaus.
Damenporträt von Romney angelangt, auf dem eine Dame mit einem Baby im -21 rm dar- gestellt war. Als eingefleischter Iunggeselle konnte er sich nicht enthalten, dazu einige Bemerkungen zu machen: „Dieses Porträt wurde von Romney gemalt, als die Dame Miß Dhakespear war. Damals hielt sie einen Fächer. Als sie Frau Oliver Romney wurde, veränderte sich der Fächer in das Baby." Auf diese Geschichte hin stiegen die Gebote beträchtlich. Der Verfasser ist dieser Geschichte bann nach gegangen unb hat feftgeftellt, baß bet berühmte englische Maler sofort bereit war, bie Deränberung bcs Bildes auf den Wunsch der stolzem Mutter hin vorzunehmen. Er führte den Auftrag in einer halben Stunde mit solchem Erfolg aus, daß ein zeitgenössischer Bericht sagt, man habe geradezu den Eindruck gehabt, „das Baby atmen zu hören". Aber weder die glückliche Mutter noch der bereitwillige Künstler dachten an eine andere sehr notwendige Hinzufügung, und so fällt noch heute dem Bewunderer des Bildes von Romney auf, daß die Dame mit dem Baby keinen Trauring am Finger hat. Eine andere Geschichte handelt von der berühmten englischen Schauspielerin Mrs. Siddons. Diese majestätische Dame erfreute sich eines ungewöhnlich bedeutenden Riechorgans, unb sie war klug genug, um von ben berühmten Meiste vn, bie sie porträtierten, von Gainsbo- r o u'g h unb Reynolbs, keine Abschwächung dieser Eigenart ihrer Züge zu forbern. Als sie einmal einem jungen Maler saß unb bemerkte, baß sich biefer mit dem Zeichnen ihrer Nase beträchtlich abmühte, bemerkte sie gutgelaunt: „Gainsborough hat dieselben Schwierigkeiten gehabt. Er veränberte immer toieber bie Linien meiner Nase unb ließ schließlich resigniert den Pinsel sinken, inbern er sagte: „Diese verbammte Nase — sie nimmt überhaupt kein Ende!"
Hochschulnacknchten.
Der außerorbentliche Professor für ungarische Literatur unb Sprachwissenschaft an ber Universität Berlin, Dr. Iulius v. Farkas, ist zum orbentlichen Professor ernannt worben.
Der a. o. Professor für Botanik an der Universität München Dr. W. K r o 11 hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Botanik an der Universität Halle angenommen.
Das an der Universität Würzburg erledigte Ordinariat für Nationalökonomie, Fknanzwissenfchaft und Statistik ist dem o. Professor Dr. K. Bräuer in Breslau angeboten worden.


