Ausgabe 
27.7.1932 Erstes Blatt
 
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Wahlreden im Rundfunk.

Ltaatspartei und Bayrische Bolksparlei.

Berlin, 26. Juli. (TU.) Am Dienstagabend sprach im Rundfunk über alle deutschen Sender der Führer der Deutschen Staatspartei, Mi­nister a. D. Dietrich. Dietrich ging auf die Lau­sanner Konferenz ein und erklärte, daß die wichtigste Voraussetzung für ihr Gelingen die Auf- re ch t erhal t u ng der Ordnung in der deutschen Finanzwirtschaft war. Sowohl Brüning als auch er, hätten immer wieder erklärt, daß Deutschland keineweitFrenZahlungen l e i st e n könne, deshalb sei es jetzt sein gutes Recht, festzustellen, daß Deutschland nach der Lausanner Konferenz hinter diese Linie zurückge­worfen wurde. Auf die Innenpolitik übergehend, betonte Dietrich, die Notwendigkeit der Arbeits­beschaffung. Die Staatspartei stehe auf dem Boden der Privatwirtschaft und des Vrioateigen- tums und wisse genau, daß nur der selbstän­dige Unternehmer, mag er groß oder klein sein, imstande ist, die deutsche Wirtschaft zu tragen. Eine Gesundung könne nur eintreten, wenn ein großer Teil der Konzerne und Riesengesellschaften wieder zerschlagen und die aufgesogenen Betriebe wieder selbständigen Unterneh­mern überantwortet werden. Was die in­nerpolitische Lage anbetreffe, so halte die Staats­partei die Aufhebung des Uniformverbots für den schlimmsten Fehler. Der Staat gebe sich selbst auf, wenn er gestatte, daß auf seinem Gebiet Privatarmeen aehalten werden, die sich gegen ihn richten. Als verfassungstreue Partei halte die Staats­partei daran fest, daß auch alles aufgeboten werden müsse, um das Parlament wieder aktionsfähig zu machen.

Sodann sprach für die Bayerische B o l k s p a r t e i Chefredakteur Schwend von München aus über alle deutschen Sender. Er be­tonte, Bayern könne sich schon als Staat eine dritte Revolution nicht mehr leisten,^ da eine solche Bayerns Untergang bedeuten würde. Das Staatsideal, das dem Rationalsozialismus vor- schwebe, lasse sich auf keinen Fall im födera­listisch-gegliederten Reich verwirklichen. Bayeri­scher Lebenswille sei kein Partikularismus, son­dern ein staatliches Wollen, voll der stärksten reichs- und Volksdeutschen Tiefenwirkung. Wenn es heiße, die Bayerische Volkspartei opponiere gegen das Reich, so werde man bei näherem Hinsehen erkennen müssen, daß es sich dann nur um eine Abwehr einer Versündigung an der höheren Reichsidee handele. Bayern und der ganze deutsche Süden hätten um der geschicht­lichen Entwicklung Deutschlands willen die weit­gehendsten Zugeständnisse gemacht. Der Sozia­lismus fei und bleibe ein Irrwahn, gleich, ob er mit internationalen oder mit nationalistischen Ideen verbunden werde. Die Zukunft Deutsch­lands aus dem Sozialismus aufbauen wollen, hieße sie auf einen Wahn aufbauen.

Am heutigen Mittwoch werden im Rund­funk sprechen die Abg. Drewitz von der Wirt- schaftsvartei und D i n g e l d e y von der Deut­schen Volkspartei. An Stelle von Reichskanzler a. D. Dr. Brüning wird am morgigen Don­nerstagabend Iustizrat Dr. M ö n n i g. der Vorsitzende der Rheinischen Zentrumspartei und stellvertretende Vorsitzende der preußischen Zentrumspartei das Wort ergreifen.

Hugenberg an Brüning.

Berlin, 26. Juli. (ERD.) Laut Mitteilung der Deutschnationalen Pressestelle hat Dr. Hu­genberg an den Reichskanzler a. D. Dr. Brü­ning ein Telegramm gesandt, in dem er gegen die Erklärung Dr. Brünings, es fei der Rechten während feiner Reichskanzlerschaft von ihm, Dr. Brüning, wiederholt Gelegenheit gegeben worden, sich an der Regierung zu beteiligen, mit schärfsten Worten Protest erhebt. 3rt einer persönlichen Un­terredung, heißh es in dem Telegramm weiter, habe ich Sie im August oder Anfang September 1931 auf diese Behauptung angeredet. Sie haben sie damals nicht vertreten uno aufrechterhalten kön­nen. Ich kann Ihnen urkundlich nachweisen, daß Die Ihnen unterstehende Reichskanzlei dem Herrn

Ein Dokument aus der Frühzeit der Gießener Burschenschaft.

Von Dr. W. Lehmann.

Am 3. November 1819 hatte sich dieAllgemeine Gießener Burschenschaft" infolge der Karlsbader Beschlüsse aufgelöst. Es war gefährlich geworden, sich zu den burschenschaftlichen Idealen zu beken­nen, und diehöchst gefährliche Lehre von der Ein­heit Deutschlands" war streng verpönt. Bald aber regten sich die Treugebliebenen wieder und schon im Sommer 1820 entstand eine schwarz-rot-goldene Germania.

Im Dezember des gleichen Jahres folgte die Gründung der Constantia mit den Farben blau- weiß-rot, vermutlich eine Fortsetzung der Con­stantia von 1818 und beide vereinigten sich im Sommer 1821 zu einerAllgemeinheit", die einen Bestand von 175 Mitgliedern erreicht haben soll.

Das scharfe Vorgehen der Universitätsbehörden gegen die Studenten, das 1826 zu einem Auszug auf den Gleiberg führte, bewirkte eine Annäherung zwischen den burschenschaftlicb gesinnten Verbin­dungen und den Landsmannschaften. Jahrelang be­standen ganz gute Beziehungen zwischen beiden Richtungen und man trug seine Meinungsverschie­denheiten ganz honorig mit der Waffe aus.

Erst im Sommer 1828 entstanden wieder ernste Streitigkeiten, die Verrufungserklärungen und Ein­mischung der Behörde nach sich zogen mit dem Er­gebnis, daß von etwa 300 Studenten 32 Burschen­schafter und 16 Hessen und Starkenburger relegiert wurden

Die bis in den Sommer 1829 sich hinziehende Erregung der Studentenschaft hatte einen weiteren Auszug auf den Gleiberg zur Folge und bewirkte eine behördliche Untersuchung. In deren Verlauf wurde abermals eine burschenschaftliche Verbindung aufgedeckt und verboten, von der sechs Mitglieder bestraft wurden. Aber trotzdem konnte man die Be­wegung nicht unterdrücken. Im Winter 1830/31 stellte man an Stelle des bisher geltenden Kom­ments einen neuenBrauch" auf, der für die ganze Gießener Studentenschaft gelten sollte. Als Urheber, vielleicht auch als Verfasser dieses neuen studenti­schenGesetzbuches" ist der aus Mengeringhausen in Waldeck stammende stud. jur. Fritz Weigel anzusehen, der mit einem Kreis burschenschaftlich gesinnter Freunde mit aller Kraft bestrebt war, durch diesenBrauch" einwürdigeres, kräftigeres und zeitgemäßeres Leben" in der Burschenschaft herzustellen. Zwar löste sich die Gießener Burschen-

Ist Gorguloff geisteskrank?

Oer präsidenienmöfder als Tscheka-Führer wiedererkannt. - Oie Gerichtssach­verständigen halten Gorguloff für voll verantwortlich.

Paris, 26. Juli (TU. Funkspruch.) Im Gor-, guloff-Prozeß wurde am zweiten Verhandlungstaa die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Nach l der Vernehmung des Kriminalbeamten, der mit der Untersuchung derAffäre Gorguloff" betraut war und nach derjenigen des früheren Kriegsministers Pietri wurde ein ehemaliger Kosak La­sarew verhört. Der Zeuge, der an dem Kampf der Wrangelarmee gegen die Roten Truppen teil­genommen hat, sagt aus, er sei 1920 von der Tscheka ins Gefängnis geworfen wor­den und habe einige Tage hindurch den Besuch Gorguloffs erhalten, der damals Leiter der Tscheka in Rostow gewesen sei. Gorgu­loff, der sich seinerzeit Mongol genannt habe, habe nicht nur ihn, sondern auch andere Leidens­gefährten täglich unmenschlich behandelt, indem er sie entweder mit dem Reoolverkolben niedergeschlagen oder ihnen glühend gemachte Na­delspitzen unter die Fingernägel getrieben habe, um sie zu Aussagen über die Organisation der Weißen Armee zu'zwingen. Auf die Frage des Vor­sitzenden, ob der Zeuge auch sicher sei, in dem Angeklagten den ehemaligen Tschekisten Mongol wiederzuerkennen, erklärte Lasarew, daß sich Gorguloff seither nicht verändert habe und daß er ihn, ohne ihn zu sehen, an der Stimme wieder erkennen würde. Gor­guloff bestreitet die Aussagen des Zeugen, die

er als eine böswillige Verleumdung bezeichnet. So­dann kam der mit Spannung erwartete Psychiater Professor P e r r i n zu Wort. Er erklärte mit aller Bestimmtheit, daß Gorguloff weder geistes- gestört sei, noch den gering st en Man- gel an Zurechnungsfähigkeit aufweise. Gorguloff sei vielmehr einer jener kaukasischen Russen, die zu schnell zu einer intellektuellen Kul­tur gelangt seien, die sie dann schlecht verdaut hätten. Wenn eine Reihe von Frauen, die mit Gorguloff in nahen Beziehungen gestanden hätten, ihn für verrückt erklärt hätten, so dürfe man das nicht im medizinischen, sondern nur im landläufi­gen Sinne auffassen. Die beiden anderen Gerichts­sachverständigen bestätigten im wesentlichen die Aussagen des ersten Zeugen, Professors Pervin, und erklärten Gorguloff für zurechnungsfähig. Da­mit war die Vernehmung der Belastungszeugen be­endet. Eine merkliche Spannung trat ein, als der erste der von der Verteidigung gela­denen drei Psychiater erklärte, das Gor­guloff zu denjenigen Geisteskranken gehöre, die möglichst lange in ein Irrenhaus ein- gesperrt werden müßten. Auch die beiden an­deren Sachverständigen der Verteidigung waren der Auffassung, daß Gorguloff ein g e ist i g min­derwertiger Mensch sei. Er leide an Ver­folgungswahn und sei eines jener Individuen, die für ihre Idee sterben wollten.

Reichspräsidenten falsche Behauptungen gleichen Inhalts unterbreitet hat. Las bedeutet die De- nutzung einer falschen Behauptung zur Beemflus. fung der politischen Entwicklung in dem von Ihnen gewünschten Sinn einer Ausschaltung des Ein­flusses der Rechten. Ich muß bei dieser Sachlage den gleichen Dorwurf der bewußten Unwahrheit gegen Sie erheben, den in diesen Tagen aus ande­rer Veranlassung auch der Reichsbankpräsident a. D. Dr. Schacht gegen Sie erhoben hat.

Hitler spricht in Thüringen.

Erfurt. 26. Iuli. (ERB.) Aus feinem Deutschlandflug weilte Adolf Hitler am Dienstag in Thüringen. Nachdem er in Sondershau­sen gesprochen hatte, begab er sich am späten Nachmittag nach Erfurt. Hitler sprach davon, daß die jetzige Reichstagswahl über die 13jährige Herrschaft des schwarzroten Systems entscheiden müsse. Wenn man ihm die Verantwortung für die Regierung v. Popen zuschieben wolle, so stimme das nicht. Hitler wandte sich dann mit Schärfe gegen die Prophezeiungen, nach denen die natio­nalsozialistische Bewegung ihren Höhepunkt er­reicht haben soUe. Im Anschluß an seine Er­furter Rede begab sich Hitler im Flugzeug nach Gera und weiter nach Hildburghausen. Die Erfurter Versammlung im Stadion ist auf eine Beteiligung von rund 60 000 Menschen ge­schätzt worden. In den übrigen drei Orten dürf­ten jeweils rund 30- bis 40 000 Menschen ver­sammelt gewesen sein.

Or. Brüning in Paderborn.

Paderborn. 26. Iuli. (END.) In einer von etwa 25 000 Zuhörern besuchten Kundgebung der ostwestfälischen Zentrumspartei sprach Dr. Brü­ning. Sein System sei immer das gleiche ge­wesen, eine stets gleichbleibende Kraftanstrengung, um einen Ausgleich der Gegensätze zu finden und alle verantwortungsbewußten Volks­kreise heranzuziehen. Leider sei es 1930 nur die Sozialdemokratie gewesen, die sich ohne De - bingungen zur Verantwortung bereit erklärt habe. Dr. Brüning ging dann auf die Vorwürfe Dr. Schachts ein, und kündigte an, er werde dem früheren Reichsbankpräsidenten in den nächsten zwei Tagen eine sehr deutliche Ant­wort erteilen. Es fei eigentümlich, daß man gerade heute eine Diktatur errichten wolle, ob­wohl nur Kommandeure, aber fein geeigneter Diktator vorhanden fei.

schäft von derAllgemeinen deutschen Burschen­schaft" los, aber sehr bald segelte sie wiederum politisch in ganz radikalem Fahrwasser, und wie bekannt ist, haben sich 1833 eine große Anzahl Gießener Burschenschafter an dem Frankfurter Wachesturm beteiligt. Noch einmal sehen wir 1833/34 ein Aufflackern burschenschaftlichen Geistes, aber die strengen Untersuchungen und Verfolgungen berei­teten der Burschenschaft in Gießen für längere Zeit ein Ende. Zehn Iahre vergingen, bis wieder in der blau-weiß-goldnen Alemannia eine Ver­bindung mit burschenschaftlichen Grundsätzen er­stand. Aber weder ihr noch einigen anderen bur. schenschaftlichen Verbindungen gelang es, das Jahr 1848 zu überdauern.

Trotzdem lebte die Idee weiter. Im Iahre 1851 wurde die Burschenschaft Germania (schwarz-rot­grün, später: schwarz-rot-gold) gegründet, die heute noch besteht. Der oben erwähnteBrauch der Gießener Burschenschaft von 1830/3 1" ist nur in einem handschriftlichen Exemplar vorhanden, das im Besitz der Gießener Universitätsbibliothek ist.

älniversitätsbibliothekar Dr. E. W a l b r a ch hat hat es unternommen, das kulturhistorisch und stu- dentengeschichtiich außerordentlich interessante Zeitdokument, mit einer ausführlichen Einleitung versehen, zum erstenmal zu veröffentlichen und weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Das kleine Werk, dessen geschmackvolle Ausstattung der Drühl'schen Llniversitätsdruckerei R. Lange, hier, zu danken ist, erschien als Festgabe zu dem mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse in bescheidenem Rahmen gefeierten 70. Stiftungsfest der Gie­ßener Burschenschaft Alemannia, welcher der Her­ausgeber angehört.

Wie tief ist der Ozean?

Diese Frage konnte noch vor ungefähr hundert Iahren Alexander von Humboldt nicht beantwor­ten. Erst neuerdings, seit das Echolot erfunden und auf langdauernden Expeditionen angewendet worden ist, haben wir eine sichere Kenntnis der Meerestiefe. So hat das deutsche Forschungsschiff Meteor" in den Iahren 1925/27 den Atlantischen Ozean vierzehnmal überquert und durchschnittlich alle zwei Seemeilen (also alle 3,5 Kilometer) die Tiefe mit dem Echolot gemessen. Das Lotergebnis dieser Expedition beträgt annähernd 70 000 Echo­lotungen innerhalb 21/* Iahren. Wenn man be­denkt, daß in dem gleichen Gebiet feit 1840 also innerhalb 90 Iahren nur rund 5000 Draht­lotungen auf großen Tiefen (über 1000 Meter)

Vorläufig keine praktische Auswirkung der Vorschläge BorahS.

w a sh i n g l 0 n , 27. April. (Reuter. Funkspruch.) Präsident Hoover und Staatssekretär 5 t i m f o n haben die Frage der interalliierten Schul- den in Zusammenhang mit dem letzten Runbfunt- vortrag des Senators Vorah erneut erörtert. 3m Hinblick auf die politische Lage und die Tatsache, daß eine Lösung des Kriegsschuldenproblems im gegenwärtigen Augenblick nicht mög- l i ch ist, wird die Regierung voraussichtlich jetzt nicht auf den Plan Dorahs eingehen.

Oer Erfolg der englischen Kriegsanleihe-Konvertierung.

London, 26. Iuli. (WTD.) Die bisherigen Ergebnisse der Konvertierungs-Transaktion sind außerordentlich befriedigend. Mehr als eine Milliarde Pfund Sterling von der ins­gesamt zwei Milliarden Pfund belaufenden Kriegsanleihe ist bereits konvertiert worden. Nur 2 Prozent der Inhaber von An­leihetiteln hat Einlösung verlangt. 98Prozent haben sich für die Konvertierung ent­schieden.

Aus aller Well.

Zusammenschluß der beiden Kriegsopferverbände.

Die beiden bisher getrennt wirkenden Kriegs- vpserorganisationen, der Reichsverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener und der Zentralverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener haben sich zusam - mengeschlossen. Der neu gegründete Ver­band führt die BezeichnungReichsverband Deutscher Kriegsopfer E. D.» Sih Ber­lin".

Der Flieger helmulh hirlh verunglückt.

Im Flughafen Böblingen (Württ.) erlitt der bekannte Flieger und Flugzeugkonstrukteur Hel- muth Hirth einen schweren Unfall. Ein plötzlich anlaufender Propeller brach ihm beide Unterarme, so daß Hirth schwer ver­letzt in das Böblinger Krankenhaus verbracht werden mußte. Es handelt sich dabei um einen von Hirth neu konstruierten Motor für Groh-

ausgeführt wurden, so erkennt man am besten den Fortschritt, den diese neue Erfindung bedeutet. Daß mit dieser Häufung der Werte ein völlig neues Bild von den Tiefen des Weltmeeres gewonnen wird, ist einleuchtend. An Stelle der großen Gleich­förmigkeit, die man bisher für die einzelnen Tief­feebecken annahm, findet man jetzt ein stetes Auf und Ab des Meeresbodens, findet man gewaltige Grabeneinbrüche und verhältnismäßig steile Auf- ragungen zu unterseeischen Gebirgen und Bänken. Bilder uno Karten, die einen Aufsatz von Dr. G. Wüst im Augustheft von Delhagen & Kla­st n g s Monatsheften illustrieren, zeigen diese überraschenden Formationen. Mit dem Echo­lot fand derMeteor" mit 8250 Meter Tiefe die größte Tiefe des Südatlantischen Ozeans am Rande des Südpolarmeeres unweit der Südsand- wich-Inseln, und mit dem Echolot glückte es dem deutschen KreuzerEmden", im Stillen Ozean die größte Meerestiefe überhaupt zu finden, unweit der Philippinen gelten. Hier wurde die gewaltige Tiefe von 1 0 7 9 0 Metern gelotet. Das nieder­ländische ForschungsschiffWillibrod Snellius" hat im Mai 1930 in unmittelbarer Nähe dieser Emdentiese mit dem Drahtlot 10 030 Meter und dicht dabei mit dem Echolot 10 160 Meter gelotet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß eine systematische Ablotung dieses sog.Philippinen-Grabens" die etwas höheren Werte derEmden" bestätigen wird. Die mittlere Tiefe des Weltmeeres ist nach den bisherigen Feststellungen 3800 Meter, seine größte Tiefe rund 10 800 Meter. Hiermit haben wir die kürzeste Antwort auf diö gestellte Frage: Wie tief ist der Ozean?

Geschichten von Malern und Modellen.

Ieder Bildnismaler seit Apelles hat erfahren, wie schwierig es ist, sein Modell vollständig zu befriedigen, und schon oft gingen von Ma^ Liebermann ergötzliche Aeußerungen durch die Presse, in denen er feinen Unwillen über unmögliche Anforderungen bei den Sitzungen un­verhohlenen Ausdruck gab. Die Künstler anderer Zeiten waren nicht so selbstherrlich und stolz, sondern fügten sich den Wünschen ihrer Auftrag­geber, auch wenn die Wünsche sich eigentlich nicht mit dem Ernst ihrer Kunst vertrugen. Davon er­zählt A. C. Carter in einem Londoner Blatt ein hübsches Beispiel. Cs war vor längerer Zeit auf einer Versteigerung bei der bekannten Firma Christies, bei der die Gemälde-Sammlung von Sir Iulian Goldsmid zum Ausgebot kam. Der sonst recht wortkarge Versteigerer war bei einem

flugzeuge, der bet dem bevorstehenden Eurvpa- fiug zum erstenmal Verwendung finden sollte.

Wolfgang von Gronau in Kanada.

Wie ein Funkspruch aus Montreal meldet, ist der deutsche Ozeanflieger Wolfgang von Gro­nau, von Cartwright (Labrador) kommend, bei Longicuil, einem Vorort von Montreal, auf bem Wasser nie de rg ega ng e n. Gronau er­klärte einem Vertreter derCanadian Preß, der Hauptzweck seines Fluges sei bie Festlegung einer Flugpostlinie von Europa nach der Pazifik-Küste über Island, Grönland und den amerikanischen Kontinent. Er beabsichtige, pur Fortsetzung seines Studiums der amerikanischen Flugverhältnisse über Chikago, Milwaukee und Winnipeg nach der Pazifikküste zu fliegen. Auf diesen Flug gedenke er zwei Wochen zu verwen­den.

Elly Beinhorn in Berlin

Die deutsche Weltfliegerin Elly Beinhorn ist mit ihrem Klemm-Flugzeug, von Hannover kom­mend, auf dem Tempelhofer Flugplatz in Berlin eingetroffen, wo sie von Vertretern der Behör­den, zahlreichen Sportfliegern und einer großen Menschenmenge begeistert begrüßt wurde. Im Namen des Aero-Klubs sprach Major a. D. von Kehlerder heimgekehrten Fliegerin die herzlichsten Glückwünsche aus. Sie habe durch ihre hervorragen­den Flugleistungen mit dazu beigetragen, den deutschen Namen in der Welt wieder zur Achtung und Geltung zu bringen. Elly Beinhorn erwiderte mit kurzen Dankesworten, indem sie ihrer Freude über den herzlichen Empfang Ausdruck gab. Bei dem vom Aero-Klub veranstalteten Abendemp­fang wurde der Fliegerin für ihre Leistungen auf dem Gebiet des Sportflugwesens durch den Präsi­denten des Klubs, Major von Kehler, der Ehren» b e ch e r des Klubs der von-Tschudi-Becher überreicht.

Cine Ehrung ZHarga von Etzdorfs».

Das preußische Handelsministerium brachte der bekannten Fliegerin Fräulein Marga von Etz­dorfs feine Anerkennung für ihre sportlichen Leistungen dadurch in sehr sinniger Form zum Ausdruck, daß der Fliegerin bie Berechtigung zu- gesprochen wurde, sich aus der preußischen Porzellanmanufaktur selber ein Ge­schenk auszusuchen.

Bundestag der Adler und Falken.

Der Bund der Adler und Falken, der in diesem Jahre auf ein 12jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hält den diesjährigen Bundestag vom 27. Juli bis 1. August in He l m st e d t ab. Es werden dort etwa 1500 junge Menschen zusammenkommen. Die Jungen beziehen im Lappwald ein Zeltlager. Die Mädel haben in der Stadt ein Arbeitslager. Ver­bunden hiermit wird ein Weblehrgang der ©pinn- und Webstube der WerkgemeinschaftEigene Hand" durchgeführt.

Zwei Faltbootfahrer ertrunken.

Zwei Münchener Faltbootfahrer sind dieser Tage 10 Kilometer isarabwärts von Tölz er­trunken. Das Zweisiherboot war von den hoch- gehenden Wellen umgeworfen worden. Die bei­den Fahrer hielten sich am Boot fest. Andere" Faltbootfahrer wollten bas gekenterte Faltboot an einem Strick in bie Nähe des Ufers ziehen. In­folge der großen Last und der Wucht des Wassers riß nahe am .Ufer der Strick, und beide Verunglück­ten verschwanden augenblicklich in den Wellen, ohne wieder hochzukommen. Ihre Leichen konnten noch nicht geborgen werden.

Autobusunglück in Grenoble: 2 Tote.

5 Schwerverletzte.

Ein schweres Kraftwagenunglück er­eignete sich in der Nähe von Grenoble. Ein Aus­flügler-Autobus raste in voller Fahrt die abschüs­sige Landstraße nach Grenoble hinunter, als der Führer plötzlich die Gewalt über den Wagen ver­lor. Einer der Insassen sprang aus dem mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern fahrenden Autobus und wurde auf der Stelle getötet. Der Wagen raste schließlich gegen eine Fels­wand und ging vollkommen in Trümmer. Sechs Insassen erlitten lebensgefährliche Ver­letzungen. Einer der Verletzten starb auf dem Wege zum Krankenhaus.

Damenporträt von Romney angelangt, auf dem eine Dame mit einem Baby im -21 rm dar- gestellt war. Als eingefleischter Iunggeselle konnte er sich nicht enthalten, dazu einige Bemerkungen zu machen:Dieses Porträt wurde von Romney gemalt, als die Dame Miß Dhakespear war. Da­mals hielt sie einen Fächer. Als sie Frau Oliver Romney wurde, veränderte sich der Fächer in das Baby." Auf diese Geschichte hin stiegen die Gebote beträchtlich. Der Verfasser ist dieser Ge­schichte bann nach gegangen unb hat feftgeftellt, baß bet berühmte englische Maler sofort bereit war, bie Deränberung bcs Bildes auf den Wunsch der stolzem Mutter hin vorzunehmen. Er führte den Auftrag in einer halben Stunde mit solchem Erfolg aus, daß ein zeitgenössischer Bericht sagt, man habe geradezu den Eindruck gehabt,das Baby atmen zu hören". Aber weder die glück­liche Mutter noch der bereitwillige Künstler dach­ten an eine andere sehr notwendige Hinzu­fügung, und so fällt noch heute dem Bewun­derer des Bildes von Romney auf, daß die Dame mit dem Baby keinen Trauring am Finger hat. Eine andere Geschichte handelt von der berühmten englischen Schauspielerin Mrs. Siddons. Diese majestätische Dame erfreute sich eines ungewöhnlich bedeutenden Riechorgans, unb sie war klug genug, um von ben berühmten Mei­ste vn, bie sie porträtierten, von Gainsbo- r o u'g h unb Reynolbs, keine Abschwächung dieser Eigenart ihrer Züge zu forbern. Als sie einmal einem jungen Maler saß unb bemerkte, baß sich biefer mit dem Zeichnen ihrer Nase beträchtlich abmühte, bemerkte sie gutgelaunt: Gainsborough hat dieselben Schwierigkeiten ge­habt. Er veränberte immer toieber bie Linien meiner Nase unb ließ schließlich resigniert den Pinsel sinken, inbern er sagte:Diese verbammte Nase sie nimmt überhaupt kein Ende!"

Hochschulnacknchten.

Der außerorbentliche Professor für ungarische Literatur unb Sprachwissenschaft an ber Uni­versität Berlin, Dr. Iulius v. Farkas, ist zum orbentlichen Professor ernannt worben.

Der a. o. Professor für Botanik an der Univer­sität München Dr. W. K r o 11 hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Botanik an der Universität Halle angenommen.

Das an der Universität Würzburg erledigte Or­dinariat für Nationalökonomie, Fknanzwissenfchaft und Statistik ist dem o. Professor Dr. K. Bräuer in Breslau angeboten worden.