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27.6.1932 Erstes Blatt
 
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Abschluß der ostpreußischenWschutzübung

Königsberg, 25. 3uni. (TAI.) Den Abschluß I der großen ostpreuhischen Luftschuhübung bil* dete am Samstagnachmittag ein Flieger- | alarm in Königsberg. Um 15.20 Uhr kam zur örtlichen Leitung die MitteilungLuft­schiffer". Um 15.45 Uhr wurden die Flieger ge­meldet und nunmehr das KommandoFlieger­alarm" gegeben. Daraufhin ertönten sämtliche Glocken der Stadt und zahlreiche Sirenen aus Tür­men und im Hafen. Außerdem wurden Glocken­zeichen in allen Straßen gegeben. Die Bevölke­rung nahm außerordentlich regen An­teil, mit verursacht durch eine grobe Fäl­schung, wie man annimmt, von kommu­ni st i s ch e r S e i t e. Cs handelt sich um eine an­gebliche Bekanntmachung des Polizeipräsidenten, nach der die Einwohner auf die Straße gehen und möglichst die Mitte des Straßendamms benutzen sollten. Die Uebung sah im einzelnen den Schutz der verschiedenen Industrieanla- g e n vor, insbesondere der Städtischen Gas­werke, bei denen man annahm, daß sie von Bomben getroffen seien. Feuerwehr, Sanitäts­kolonnen und Technische Aothilfe wurden über­all eingesetzt. Bei einer Schule wurde eben­falls ein Bombeneinschlag angenommen. Hier traten die Sanitäter in Funktion und legten Rot- verbände an. Auf dem Herzogsacker war e i n Schuhgraben gezogen, in den. sich die Schutz­polizei aus der Kaserne geflüchtet hatte. Außer­dem wurden bei der Feuerwache Altstadt die außerordentlich durchschlagende Wirkung einer kleinen Brandbombe gezeigt, die bei dem Versuch, sie mit Wasser abzulöschen, noch mehr aufbrennt. Es besteht keine Möglich­keit des Löschens. Man muß sich darauf beschränken, das Feuer mit Sand zu beschütten, um es allmählich zum Ersticken zu bringen. Alm 16.21 Ähr wurde die Entwarnung gegeben

und die Äebung als beendet angesehen. Dann versammelten sich die Veranstalter und Gäste zu einer kurzen Kritik, die Generalleutnant von Mittelberger vom Reichswehrministerium gab.

Reichsminister des Innern Freiherr von Gayl sprach am Mikrophon des Berliner Sen­ders allen Beteiligten den Dank des Reiches aus. Wenn Reichsregierung und Länderregierungen die Organisation des Luftschutzes in Angriff ge­nommen haben, so folgen sie damit endlich dem Beispiel, welches von fast allen Ländern der Welt, in Sonderheit auch von den Deutschland benachbarten Staaten gegeben ist. Kein Land hat aber einen zivilen Luftschutz so bitter nötig wie Deutschland, das, im Herzen Europas liegend, eine dichte Bevölkerung, eine an der Peripherie des Reiches zusammengeballtc Indu­strie hat, das umgeben ist von Staaten mit hervorragender Luftrüst un g, während Deutschland selbst jede aktive Luftabwehr verboten ist, abgesehen von wenigen erlaubten Abwehrgeschützen für die Festung Königsberg und einige Küstenplähe. Deutschland ist gegen Luftangriffe völ­lig schutzlos. Es muh daher immer wieder die Forderung erhoben werden, daß Deutschland dieselbe Sicherheit gegen Luftan­griffe erhält, wie sie die übrigen Staaten be­sitzen. Der Luftschutz der Zivilbevölkerung kann nur durch möglich st zahlreiche Hebun­gen dem Verständnis des Volkes nahegebracht werden. In Verblödung mit klar umrissener und straff geleiteter Aufklärungstätigkeit soll durch praktische Hebungen erreicht werden, daß alle Deutschen wissen, wie sie sich int Falle einer Luft­bedrohung zu verhalten haben. Dank dem völ­ligen Einsatz aller Kräfte ist das gesteckte Ziel erreicht worden.

Charlottenburg. Während des Krieges er­warb er sich als Kompagnie- und Bataillonsführer beide Eiserne Kreuze. 1917 übernahm er wieder die Geschäfte des Oberbürgermeisters von Char­lottenburg. Rach dem Krieg wurde er im Iuli 1920 Reichswirtschaftsminister int Kabinett Feh- renbach, mit dem er 1921 wieder zurücktrat. Seit­her war er als Mitglied des Reichswirtschafts­rates und als Stadtverordneter von Berlin tätig, 1921 kam er in den Reichstag, er wurde dort bald Führer der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei. Innerhalb der Deutschen Volkspartei betonte Scholz stets mehr die Rotwendigkeit einer Anlehnung nach rechts und war kein Freund eines Zusammengehens mit der Sozialdemokratie. 1929 wurde Sch. zum Vorsitzenden der Deutschen Volks- Partei als Rachfolger Stresemanns, gewählt. Be­merkenswert war seine Rede im März 1930 in Mannheim, in der er für die dringende Rotwen- digkeit einer Sammlung des deutschen Bürger­tums eintrat. Die Aufforderung des Demokraten­führers Koch-Weser, die Deutsche Volkspartei und die Demokratische Partei zu einer Partei vereinigt in die Reichstagswahlen vom 14. September 1930 zu führen, lehnte Scholz ab. Rach diesen Wahlen, die einen starken Rückgang der Mittelparteien ge­bracht hatten, trat er aus Gesundheitsrücksichten von beiden Führerämtern zurück.

Einsparungen und neueGteuern inFrankreich

Paris, 26. Iuni. (WTD.) In gut unter­richteten Kreisen wurde erklärt, daß die Pläne für die Ausgleichung des Haushalts, die int gestrigen Kabinettsrat besprochen wurden, eine Ausgabeneinschränkung von dret Milliarden Franken und eine neue

Steuer in Höhe von einer Milliarde vorsehen. Man hofft dadurch den auf etwa vier Milliarden Franken geschätzten Fehlbetrag des laufenden Haushaltsjahres zu decken. Die Ein­sparungen sollen sich erstrecken auf: eine zehn­prozentige Herabsetzung derKreditefür die nationaleVerteidigung; eine fünf­prozentige Verminderung der Personalausgaben, Streichung der Pensionen für bestimmte Kriegs­teilnehmer und Streichung der staatlichen CBci- tragsleistungen für die landwirtschaftliche Sozial­versicherung. Reue Einnahmen sollen aus der Ausdehnung der Ämsahsteuer auf bestimmte Be­triebe, aus der Heranziehung der Sparkassen zur allgemeinen Einkommensteuer und aus einer Er­höhung der Einkommensteuer für große Einkom­men erschlossen werden.

Die Erörterungen in Lausanne.

Eine Ausgleichskasse zur Belebung der Wirtschaft.

Lausanne, 27.Juni. (CNB. Funkspruch.) Die Erörterungen in Lausanne, die im engeren Kreise der Delegationen auch am Sonntag weitergegangcn sind, konzentrieren sich im Augenblick besonders auf Gedankengänge, die schon in eineyi belgischen Memo­randum aufgetaucht und in etwas veränderter Form in einem Plan des stellvertretenden Generalsekretärs des Völkerbundes, des Franzosen A v e n o (, nieder­gelegt worden sind. Es handelt sich dabei um eine sog. Gemeinschaftskasse, deren Zweck in erster Linie die Beschaffung von Mitteln zur Belebung der europäischen Wirt­schaft ist. Die Konstruktion scheint im wesentlichen so gedacht, daß die noch oder künftighin zahlungs­fähigen Länder gewisse Einzahlungen leisten, auf die den Notleidenden unter gewissen

Vorauszahlungen Kredite zur Belebung der Wirtschaft und zum Wiederaufbau gegeben werden sollen. Das doppelte Ziel ist offenbar eine Art finan­zieller und währungsmäßiger Ausgleich unter gleichzeitiger Verbindung der Interessen innerhalb der Gesamtheit der beteiligten Mächte und, zunächst uneingestanden, mindestens eine Abschwächung des verhängnisvollen und von deutscher Seite stets nicht nur aus egoistischen Gründen bekämpften Prin­zips der einseitigen gegenwertslosen politischen Zahlungen.

Aus aller Welt.

Am Dienstag Urteil im Sklarek-Prozeß.

In der heutigen Verhandlung des Sklarek-Pro- zest'es wurde den Angeklagten das letzte Wort zu ihrer Verteidigung gegeben. Leo S klarek erklärte, daß sein Verteidiger 20 Seiten seines Manuskriptes vernichtet habe, weil darin von den großen Kanonen die Rede gewesen sei, die nach dem Willen des Gerichtes nicht hinein- aezogen werden sollten. Er widersprach dann der Behauptung des Staatsanwaltes, daß er gefühlsroh sei und brachte dafür einige Beispiele an. Er habe nie daran gedacht jemanden zu betrügen. Ein deutschnationaler Jurist und Abgeordneter habe ihm gesagt:Wenn Sie einen klugen Vorsitzenden haben, kann Ihnen nichts passieren!" Sein Bruder Max seidereigentlicheKapitändesSchiffes gewesen und er sei auch heute nochein Napoleon int Bett".

Die Frankfurter Universität erhält den NamenJohann-Wolsgang-von-Goethe-Unioersitäl".

Bei der offiziellen Goethefeier der Universität am Samstag teilte der Rektor am Schluß seiner An­sprache mit, daß der preußische Kultusminister der Universität den NamenJohann Wolfgang- von-Goethe-Unioersität verliehen habe. Das Programm des 4. Deutschen Reichskriegerlages in Dortmund.

Am Freitag, dem l.Iuli, wird der 4. Deutsche Reichskriegertag durch einen großen Fackel- zug mit anschließendem Zapfenstreich ein­geleitet. Im Mittelpunkt der am Samstag vor­gesehenen Veranstaltungen steht das Festspiel Barbarossas Traum". Etwa 800 Mit­wirkende in historischen Kostümen geben in bunt wechselnder Reihenfolge einen Ausschnitt aus der deutschen Geschichte. Die Reichswehr, Reiter- Vereine und Iugendgruppen wirken bei dieser Veranstaltung mit. Am gleichen Tage findet in der Arena der WestfalenhaUe ein D e - grüßungsabend statt. Der Sonntag wird durch einen Feldgottesdienst eröffnet. In der Mittagszeit erfolgt auf der großen Fest­wiese neben der WestfalenhaUe die P a r a de­ll u f st e l l u n g. Die Reichswehr ijt mit einer Kompanie vertreten, die die Fahnen der alten westfälischen Regimenter mit sich führt, während eine weitere Fahnenkompanie in Uniformen der alten westfälischen Landwehr und der schlesischen Landwehr 50 Fahnen aus den abgetrennten Ge­bieten trägt. Bei dem Festakt spricht der Bundes- Präsident, General der Artillerie a. D. v, H o r n. Rach Eintritt der Dunkelheit wird ein großes Feuerwerk abgebrannt.

Millionenprozeh gegen den preußischen Staat.

Siegener Blätter berichten über den Familientag der Familie von Scheidt, genannt Welsch- Pfennig: Rund einhundert Mitglieder der Fa­milie aus allen Teilen des Reiches hatten sich ein­gesunden. Der Familientag beschloß, einen P r o-z e ß gegen den preußischen Staat, der schon jahrelang schwebt, mit vereinten Kräften weiterzu­führen. Die Familie von Scheidt, deren Ahnherren angeblich 1470 auf der Freusburg im Siegtal saßen und im Mittelalter große Besitzungen im Oberbergi­schen und im Siegtal, speziell im Betzdorfer und Kirchener Gebiet, ihr eigen nannten, besteht heute aus über 100 Köpfen. Der Wert des von Preußen

bei dergroßen Flurbereinigung" beschlagnahmten Erbes der Familie beträgt 50 bis 60 Millio­nen Reichsmark. Die optimistischen Mitglieder der Familie rechnen sogar damit, daß auf jeden Kopf der Familie mehrere Millionen Mark entfallen. Die Rechtslage, so behauptet der Familientag, sei für sie recht günstig.

Der Einbrecher

von Schloh hohenbuchau festgenommen.

Der Einbrecher, der vor. einigen Tagen auf Schloh Hohenbuchau bei Wiesbaden eine Anzahl Gemälde und Basen gestohlen hatte, konnte dingfest gemacht werden. Es ist der schon vorbestrafte Artist Falk, der auch in Rord- deutschland verschiedene Schloßeinbrüche verübt haben soll. Die gestohlenen Gemälde und Basen, die er in einem benachbarten Tannendickicht ver­steckt hatte, konnten restlos wiederherbei­geschafft werden. Außer diesem Schloßein- bruch konnte ihm noch ein Kellereinbruch in einer Pension in Schlangenbad und ein weiterer Ein­bruch auf einem Gutshof bei Koblenz nachge­wiesen werden. Bei seiner Verhaftung war er mit einem Trommeirevolver, Munition und verschiedenen Einbrechertperkzeugen aus­gerüstet.

Verwegener Raubüberfall auf ein^ Bankgeschäft.

Zwei unbekannte Männer brangen*in das im Zentrum Berlins befindliche Bankgeschäft von Boe- ning ein und forderten unter Vorhaltung einer Pistole die Herausgabe des Bargeldes. Aus dem Geldschrank raubten die Täter etwa 2000 Mark und einige wertvolle Schmuckstücke. Die Täter sind unerkannt entkommen. Anwesend wa­ren zwei Angestellte, die unter dem RufHände hoch!" gezwungen wurden, die Geldschrankschlüssel herauszugeben.

Line Brücke zwischen Falster und Seeland.

Die dänische Regierung hat nunmehr den Bau der sogenannten Störst römbrücke zwischen den dänischen Inseln Falster und Seeland der englischen FirmaDorman, Long & C o. üb ertragen, die bereits im Rovember mit den Arbeiten beginnen soll. Entgegen den Er­wartungen ist ein internationaler Wett­bewerb für diesen Drückenbau nicht ausge­schrieben worden, obwohl die Drücke in erster Linie dem Verkehr zwischen Dänemark und Deutschland über Warnemünde dienen soll. Deutsche Firmen können sich also an diesem Drückenbau nicht beteiligen.

Deutscher Kaufmann in der Mandschurei ermordet.

In der Mandschurei ist tin deutscher Kaufmann namens Wilhelm Pelz, ein Daher, von Ban­diten ermordet worden. Der Kaufmann be­reiste in geschäftlichen Dingen die Mandschurei. In der Rühe von Hingobihe wurde er von Ban­diten überfallen. Er konnte sich ihrer jedoch er­wehren und neun von ihnen erschießen. Die übrigen ergriffen die Flucht. Bei dem Feuer­gefecht war er selbst verwundet worden. Als er sich bis zur nächsten Ortschaft schleppte, wurde er aus dem Hinterhalt von einem anderen Banditen erdolcht. Seine Beisetzung erfolgte" unter großer Beteiligung der Bevölkerung, bei der sein Kampf gegen die Banditen große 'Be­geisterung erweckt hatte und die ihn als Held betrauert.

Drei Tote beim Autorennen in Nancy.

Gelegentlich der AutomobilwettfahrtRund um Lothringen" ereignete sich am Sonntag- nachmittag ein schwerer Alnglücksfall, wobei drei Personen getötet und 22 mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Einer der Rennfahrer verlor unweit von Ranch die Gewalt über das Steuer und raste in die Zuschauermenge. Eine 31jährige Frau und ihr achtjähriger Sohn sowie ein noch unbekanntes Kind von acht Icchren wurden auf der Stelle getötet, während 22 Personen, darunter ver­schiedene Soldaten, zum Teil schwer ver-

Msabeih

erobert sich das Glück Roman von Margarete Ankelmann Copyright by M. Feuchtwanger, Halle.

20. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Elisabeth kauerte immer noch zusammengesunken in dem Sessel. Plötzlich fuhr sie in die Höhe, als habe ein Blitzstrahl sie getroffen. Eckertsburg! Wenn er dieses Bild sah, was würde er von ihr denken? Hastig sprang sie in die Höhe, rannte im Zimmer hin und her, beide Hände an die Schläsen gepreßt.

Decken Sie dieses Bild zu! Ich kann es nicht mehr sehen. Oh, Sie wissen nicht, was Sie mir angetan haben!"

Erneut brach sie in fassungsloses Weinen aus.

Beruhigen Sie sich doch, Elisabeth! Ich wollte Ihnen doch wirklich nicht wehtun, und ich ver­spreche Ihnen, daß kein Mensch mehr das Bild zu sehen bekommt. Ich sehe ein, ich hätte das nicht tun sollen. Verzeihen Sie mir nur. Ich hänge das Bild in irgendeinen Winkel nur weinen Sie nicht mehr!"

Versprechen Sie mir das, Herr Lampert?" Mit tränennassen Augen sah Elisabeth zu dem Maler auf.

Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! Genügt Ihnen das, Elisabeth?"

3a, ich glaube Ihnen. Alnd jetzt möchte ich nach Haufe gehen."

Oh, das werden Sie mir nicht antun, Elisabeth. Ich habe das ganze Fest nur 3hretwegen ver­anstaltet. Wenn Sie nicht mehr da sind, hat alles keinen Wert für mich. So hart brauchen Sie mich doch nicht zu bestrafen. Liebe, liebe Elisa­beth, ein Stündchen nur noch bleiben Sie hier."

Er stand vor ihr, mit bittend erhobenen Hän­den. Leise und schmeichelnd klang seine Stimme an Elisabeths Ohr. Sie zögerte.

Ditte, Elisabeth, nur ein Stündchen noch!"

Run gut, ich will Ihr Fest nicht stören."

Sie kehrte mit Lampert zu den anderen zurück, und sie sah nicht die leise Fackel des Triumphs, die in den Augen des Malers glühte.

*

Seit jenem Abend lebte Elisabeth in einer seltsamen Alnruhe. Martemde Gedanken zernagten ihren Kopf. Wenn sie nur damals darauf ge­drungen hätte, daß der Maler das Dild vor ihren Augen vernichtete!

Immer, wenn Lampert kam und er kam oft, solange Frau Schelmer noch verreist war. fragte sie nach dem Dild. Immer gab er die be­ruhigende Versicherung, niemand anders als er

sähe das Dild, das in einem versteckten Winkel der Wohnung untergebracht war.

Im übrigen benahm sich Lampert tadellos. Richt die leiseste Entgleisung ließ er sich zu­schulden kommen. Er war vollendeter Kavalier, und Elisabeth war ganz sroh, nicht immer allein zu sein.

Frau Schelmer schrieb sehr befriedigt über das Zusammensein Elisabeths mit Lampert. Alnd sie redete Elisabeth sogar zu, Lamperts angebotene Begleitung nach Qterlin ruhig anzunehmen. Sie sei dem Großstadtleben allein wohl kaum gemach­ten, und es sei eine große Beruhigung für Frau Schelmer, zu wissen, daß Elisabeth die Berliner Tage in Lamperts Schuh verbringe.

Lampert hatte den Berliner Aufenthalt sorg­fältig vorbereitet, hatte die Hotelzimmer bestellt: er begleitete Elisabeth ins Opernhaus, stand ihr überall zur Seite, so daß sich Elisabeth in der großen Stadt gar nicht fremd vorkam.

Elisabeth hatte auch in Berlin außerordentlich großen Erfolg. Das Publikum jubelte ihr zu, die Kritik war begeistert. Die Intendanz der Oper legte ihr einen vorteilhaften Kontrakt vor, der sie für die kommende Winterspielzeit an die Ber­liner Oper verpflichtete. Ein Ziel war erreicht, das Elisabeth so schnell kaum hatte erwarten dürfen.

Lampert gebärdete sich wie toll vor Freude, als er den unterschriebenen Vertrag zu sehen be­kam. Er bereitete eine kleine Feier in einem vor­nehmen Weinlokal. Der Maler war wie ein brüderlicher Freund zu Elisabeth, und sie bat ihm alles Unrecht ab, das sie ihm bisher in Gedanken zugefügt hatte.

Dreizehntes Kapitel.

Frau Schelmer würde erst ant ersten Februar zurückkommen. Sie hatte dem Gutsherrn verspro- sprochen, so lange bei ihm zu bleiben; die große Wirtschaft und die Kinder konnten nicht ohne Aufsicht bleiben. Alnd in Leipzig würde es ja noch ein paar Wochen ohne sie gehen.

Kurt Lampert war nach wie vor der treue Ge­sellschafter Elisabeths. Harmlos verkehrten sie zusammen, wie gute Freunde. Elisabeth hatte des­halb auch nichts dagegen, als er ihr Karten brachte zu einem großen Kostümfest, das ein exklusiver Verein veranstaltete. Sie als Künst­lerin konnte ruhig mit dem Maler dorthin gehen.

Sie hatte sich ein wundervolles griechisches Kostüm machen lassen, das ihre vollendete Gestalt prachtvoll zur Geltung brachte. Sehr schön sah fie aus, als sie in der Garderobe vor dem Spiegel stand, die Maske vor dem Gesicht. Sie sah nicht die glühenden Blicke, die der hinter ihr stehende Maler über ihre Gestalt gleiten ließ.

Elisabeth tanzte viel, am meisten mit Lampert. In einer kleinen Laube hatte Lampert einen Tisch für sich und Elisabeth reserviert. Hier saßen sie in den Tanzpausen allein und tranken Sekt.

Wenn Elisabeth ganz nüchtern gewesen wäre, hätte sie sich sicher diesem Alleinsein mit Lampert entzogen. So aber die Sektlaune, der Tanz das alles hatte ihr den Kopf verwirrt, und sie merkte kaum, daß die Stimme des Malers heißer, seine Blicke immer glühender wurden. Dis auf einmal seine Hände um ihren Schultern lagen, bis sie feine raunenden Worte vernahm.

Daß ich dich heute hier bei mir habe, Elisa­beth! Daß ich du zu dir sagen darf, einmal, für ein paar kurze Stunden. Du, du du bist so schön, so süß schöner als je."

Aber was soll das ich will das nicht hören", stammelte Elisabeth und versuchte, sich aus Lamperts Armen zu befreien. Sie fühlte, daß die Hitze, die Stimmung, der Sekt sie umnebelt hatten, daß sie sich nicht lange gegen die glühende Werbung des Malers würde verteidigen können, daß sie ihm ausgeliefert war.

Der Maler küßte Elisabeths Hände, die Arme, ihren Racken. Elisabeth wollte sich wehren.

Du sollst dich nicht wehren, ich will dich küssen hörst du, ich will..."

Er wollte Elisabeth an sich reiften, ihren Mund küssen. Taumelnd wandte sie den Kopf weg, beugte sich zurück. In diesem Augenblick fühlte sie den heißen Mund des Malers auf ihrem Racken. Mit aller Kraft befreite sich Elisabeth aus der sie umklammernden Almarmung, stand auf.

Ich will nach Hause, sofort!"

Rein, du mußt hierbleiben. Ich lasse dich nicht fort." Stoßweise kam der Atem aus der Brust des Mannes. Elisabeth fühlte plötzlich eine jähe Angst in sich aufsteigen.

Ich will nicht mehr hierbleiben. Ich will fort!"

Du du!" Sinnlos kamen die Worte von Lamperts Lippen; und als Elisabeth ihn zur Seite zu drängen versuchte, faßte er fie bei den Schultern, mit einer brutalen Bewegung. Sie rang verzweifelt mit ihm, sah aber bald, daß sie seiner Kraft nicht gewachsen war.

Ihr Haar hatte sich gelockert, fiel gelost über ihren Rücken. In hellem Entzücken starrte der Mann auf die blonde Flut. Wie von Sinnen war er, als er Elisabeth von neuem in seine Arme preftte. Sie konnte sich nicht mehr wehren, sie mußte seine Küsse ertragen, die auf sie nieder- gingen.

Lassen Sie mich los ich bitte Sie..

Hast du Angst vor mir?"

Ich möchte nach Hause..."

Elisabeth hatte eingefehen. daß ihr Widerstand sie nichts nützte, daß sie es mit Bitten versuchen mußte. Vielleicht, daß sie ihn dann bezähmte.

Ich bitte Sie, wollen Sie mich nicht nach House bringen? Ich bin so müde..."

So, Kind, jetzt bist du brav. So will ich dich haben, so weich und so zart. Hast du mich ein wenig lieb, Süßes? Ich sehne mich ja so nach dir du..."

Er küßte die Tränen, die Elisabeth jetzt über die Wangen liefen, hinweg.

Richt weinen, Liebling! Wollen wir heimgehen, zusammen?"

Sie nickte nur, hatte wohl kaum den Sinn seiner Worte begriffen. Hörte nur, daß es heim­gehen sollte.

Der Maler wollte dem Taxichauffeur seine Adresse angeben.

Alm Gottes willen, Herr Lampert, was fällt Ihnen ein? Was sollen wir jetzt bei Ihnen? Dringen Sie mich, bitte, in meine Wohnung!"

Der Maler fügte sich, setzte sich neben Elisa­beth, nahm sie wieder in seine Arme.

, »So, jetzt sind wir ganz allein. Ieht kann ich dich endlich küssen. Ich hole dir den Himmel her­unter, trage dich auf Händen... Weißt du denn überhaupt, was Liebe ist, Mädel? Ich will es dich lehren du..."

Heiße Küsse unterbrachen seine Worte. Endlich hatte er auch ihren Mund gefunden, preßte seine Lippen darauf, in einem endlosen Kuß. Dis der Wagen vor Elisabeths Hause hielt.

Taumelnd fuhren sie in die Höhe. Elisabeth war plötzlich ganz klar geworden.

Während der Maler noch den Chauffeur be­zahlte, rannte sie die Stufen hinauf, schloß in fliegender Eile die Tür auf, noch ehe Lampert wußte, was geschah. Dann, als der Maler in großen Sähen nacheilen wollte, hatte Elisabeth schon die Tür von innen verschlossen. Im nächsten Augenblick war sie verschwunden.

*

Es war neun Alhr morgens, als Elisabeth aus einem schweren Schlaf in die Höhe fuhr. Wanda stand neben ihr, ein Telegramm in der Hand.

Schlaftrunken öffnete Elisabeth den Almschlag. Dann schrie sie leise auf:

Alm Gottes willen, Wanda, da müssen wir schnell Vorbereitungen treffen. Herr von Eckerts­burg meldet seinen Besuch an; er wird bei uns eHen. Alnb ich bin so unausgeschlafen. Ich bin erst fepr spät vom Dali nach Hause gekommen. Bitte, Wanda, übernehmen Sie doch alle Besorgungen zum Mittagessen. Sie wissen ja, wie Herr von Eckertsburg alles haben will. Ich werde noch eine ©tunte schlafen, sonst habe ich einen zu schweren Kopf, wenn unser Gast da ist.

Alnd noch eins, Wanda, daß ich es nicht ver­gesse. Wenn Herr Lampert vorsprechen und nach mir fragen sollte: Ich bin nicht für ihn zu sprechen. So, und jetzt, Wanda, machen Sie sich an die Arbeit. Sie haben allerhand zu tun.

Obwohl Elisabeth ein Bad genommen, sich kalt abgeduscht hatte, sah fie doch noch sehr übernächtig aus, als he Eckertsburg gegenübersaß. Er hatte sie gefragt, ob sie krank sei. Sie hatte verneint chm nur angedeutet daß sie sehr spät von einem -oaii nach Hause gekommen war.

(Fortsetzung folgt.)