Ausgabe 
27.6.1932 Frühausgabe
 
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Kenten bet Kriegsbeschädigten unb Äriegettnntet* bl le denen hat bet (befamtoorftanb de« kyffhäuser- ver bände« bet Kriegsbeschädigten unb Ärieget- fctnterbliebencn eine Entschließung angenommen, in der es hecht: .Die neuen Eingriffe In bie Dersor- aunfl bet Kriegsbeschädigten unb Kriegrr- binterbliebenen Wiegen um so schwerer, al« bereit« seit 1930 cm außerordentlich umfangreicher Ab­bau erfolgt ist. Wir protestieren deshalb gegen die neuen Sparmaßnahmen unb verlangen, bah derjenige, der Volk unb Vaterland 3ahre hindurch erfolgreich mit bet Waffe in bet Hand vor bem Vernichtung-Willen zahlen mäßig weit überlegener Feinbe geschuht hat unb hierbei körperlich zu Scha­den gekommen ist, von ber Gesamtheit be« Volke« nicht einfach al« hilfsbebürftiger Volksgenosse be­trachtet werben darf fonbem einen unantastbaren Anspruch auf eine Sonderstellung hat. Wir müs­sen von ber Reich-regierung die alSbalbiae 3n- angriffnahme von Maßnahmen fordern, die ge- rignet sind, unter grundsätzlicher Anerkennung Me­te« Standpunktes eine gerechte unb au«reichende Versorgung wiederherzustellen."

Amtstagswahl in Mecklenburg.

Schwerin, 26.3uni (WTB.) Die heute ftatt- rosundene Wohl zum Amtstag in Schönberg atte folgendes Ergebnis: Sozialdemokraten 1523 (bei der letzten Landtag-Wahl am 13. März 1932: 2152), Rationalsozialisten 1725 (1790), Bauernver­ein sDeutschnationale) 754 (147z), die Wahlbe­teiligung betrug nur 56 v. H. Die Wahlen »um Amtstag in Stargard hatten folgende« Ergebnis: Sozialdemokraten 1604 (2039), Ratio- nalsozialisten 2528 (2158), Deutfchnationale 1226 (3711), Kommunisten 311 (579). Die Wahlbeteili­gung betrug 55 v. H.

Aus der Provinzialhaupistadt.

Gießen, den 26. 3uli 1932.

Bordfest auf dem ,Wadai^.

Da« war eine frohgestimmte .Seefahrt", die die dielen .Seefahrer" am Samstagabend mit bem Hapag-Ochnelldampfcr .Wadai" unter bem Ko- manbo des Kapitäns Hub machten. Zeit unb Ortsbestimmung dieser Fahrt: Ab 20 Uhr Cie* bigshöye, Ende ??? Reederei: Ortsgruppe Gie­ßen beS FrauenvereinS vom Roten Kreuz für Deutsche über Lee unter dem Generaldirektorium von Frau Pros. Zwick. Reisezweck: 3m Ver­lause de« .Dorbsestes" Sympathien zu wecken unb zu vertiefen unb Gelbmittei flüssig zu machen für Die Betreuungsarbeit ber Gießener Ortsgruppe an ben deutschen Volksgenossen über See. Ergeb­nis: zu 1.: völlig gelungen, za 2.: nach Angabe des .Schiffszahlmeisters" unb OrtSgruppenrech- ncr-, den Zeitverhältnissen entsprechenb befrie* bigenb.

Lchifssbaumeister Löffler hatte seine Erfah­rungen als Dühnenangestellter unseres Stabtthca- ters in reichem AuSmaß für den Dau deS .Wadai" nutzbar gemacht. Da waren vorhanden: ein aus­gedehntes Hauptdeck mit einem gehörigen GchifsS- maft in der Mitte, eine vielseitige Takelage mit reichem Wimpelschmuck, ein Zwischendeck mit hübschem Ausguck, die Drücke deS Kapitän«, die Schiffsapotheke, eine Rettungsstation, diverse Kombüsen, Verkaufskajüten usw. ufto. kurzum .BetriebS"-Möglichkeiten vielseitigster Art. Unb .Betrieb" herrschte gar bald bei dieser abwechse­lungsreichen .Seefahrt". Kapitän Hub lieh Schifssalocke und Rebelsirene ertönen, bann flitzte er auf die Kommandobrücke und gab die jeweilige .Fahrt" an, sachgemäß und schnurrig alS .oller ehrlicher Käpten", und dann ging jedeSmal eine neue .Rakete" ober .Kanone" in dem Bordfest- Programm los. Die .lieben Seefahrer" deS Käptn bekamen zunächst eine Fahrtübersicht in Gestalt eines hübschen Prologs (Verfasser Professor R. T r a p p) zu hören, barm einen hübschen Tanz zweier kleiner .Chinesen" zu sehen, eine . Fi'.m- biva" alS Sängerin zu hören, .Farmerkinder" in Tanzgruppen zu bewundern, die Matrvsen- .Mannschaft" des .Wadai" beim SeemannStanz zu beobachten. Frau Gertrud Wehl auf dieser .Seefahrt" als Sängerin, fobann im Duett mit .Kapitän" Hub zu hören, schließlich konnte sich das .©eefabrerooir selbst im Preistanzen pro­duzieren: daneben ging ber übrige Dordbetrieb vor ben Kombüsen unb Kajüten, sowie auf dem Hauptdeck vor sich, mit einem Wort: eS herrschte Kurzweil .an Bord', es war .Betrieb", es wurde .umgesetzt". Unb bas alles zu Preisen, die er­staunlich gering waren, in keinem Falle über die Grenze der üblichen Gaststättenpreise hinaus- gingen. Dafür gab es viele gute, schöne und an- genehme Sachen, was das Herz begehrte. Oben­drein war auch Fortuna in einer Tombola mit .auf der großen Fahrt", man hatte eben seitens der.Reederei" und der.Schifssleitung" für alle« gesorgt, sogar für Blumenmädchen mit Rosen. Daher ist e« auch zu verstehen, dah man auf bem .Wadai" eine angenehme unb unterhaltende Fahrt hatte, bie weit über den .Aequator" der Rächt hinaus anbauerte und erst am hellen Früh­morgen um ? ? ? Uhr ihr Ende fand. Ein schöner Erfolg der Veranstalteri

Schwerer Verlehrsunfall.

Gestern gegen 20 Uhr ereignete sich in der Licher Straße an der Ueberführung der Bahn­strecke Dießen-Fulda über bie Lanbstraße ein schwerer A u t v b u s u n f a l l. Der Autobus eines Händlers aus Garbcnheirn, der 21 Mann eines Sportvereins von Garbenheim von einem Handballspiel in Lich Heimbringen wollte, näherte sich der Bahnüberführung, als im gleichen Augen­blick ganz überraschend der 10 3ahre alte Werner Jahre- auf einem Fahrrad aus dem Alten Anneröder Weg herausgesahren kam und unmit­telbar vor das Auto geriet. Um das ^rwnicht ju überfahren, ritz der Autoführer den Wagen -ur Seite, jedoch tarn der 3unge auf den Kot­flügel zu liegen und das Auto sauste gegen den Cisenbahnschrankenbock, an den es mit erheblicher Wucht anprallte Während ber 3unge durch die­len Anprall vom Kotflügel heruntersiel, aber jum Glück unverletzt blieb, kamen die Autc^ insassen Übel davon. Der Autolenker blieb gleichfalls unversehrt, obwohl bie Schutzstange Des Wagens eingedrückt, die Motorhaube zertrümmert wurde unb ber Führersitz nach vorne heruntersturue, wobei bie Windschutzscheibe in Scherben ging. 4Ja* gegen wurden bie Fahrgäste heftig burdjeinanber- geworfen, wobei es fünf Verletzte gab. Die De* bauernswerten Leute erlitten zum Schnittwunden durch bie zertrümmerte Windschutz^ scheibe dzw. trugen sie Prellungen am JKirper oa- ,con, einer soll sogar mehrere Rippenbruche bavon- getragen haben, jedenfalls mußte dieses Opfer oes Unfalles nach ber Chirurgischen Klinik gebracht wer­den. Die übrigen Verletzten erfuhren von einem

Mitglied der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz die erste Hilfe. Die Leute wurden da­bei so ausreichend versehen, daß sie mit ber Stra­ßenbahn zum Bahnhof fahren und sich von dort aus mit dem Zuge nach Hause begeben konnten.

** Rückkehr in die Garnison. Heute, Montag, um 1453 Uhr trifft unter Bataillon vom Truppenübungsplatz Ohrdruf kommend wie am Samstag schon erwähnt auf dem hiesigen Bahnhof wieder ein.

Siebenschläfert a a Alte Ueberliefe- rung nennt den 27.3uni .Siebenschläfer", auch ^Siebenschläsertag" Rach der Legend« wurden zu EphesuS sieben christliche 3ünglinge, die nach dem Bekenntnis ihre« Glauben« in eine Höhle flüch­teten, von den Heiden dort eingemauert. 200 3ahre später sollen sie, durch einen Zufall befreit und ton ihrem todähnlichen Schlaf wieder erwacht, vor ben Kaiser TheodosiuS II. geführt worden fein. Dabei hätten fit den Glauben an die Auferstehung de« Fleische« laut und überzeugend bekannt. Da« Landvolk sagt vom Siebenschläfertag. .Regnet eS am Siebenschläfertag. sieben Wochen lang cS regnen mag. Daher auch die Regel. .Regen am Siebenschläfer ist von Unfegcn. Da nach langem Regen das Getreide gern fällt, lautet ein andere« alte« Bauemsprüchlein: .Sind bie Siebenschläfer regnerische Brüder, werfen sie da« Getreide nie­der." Ein schöner Siebenschiäsertag wird al« gute« Erntevorzeichen gedeutet. .Siebenschläfer im Son­nenschein, verspricht viel Korn, viel Obst und Wein."

* (EinDeutsches Marschlieb" für bas Sängerbunbcsfeft. Der Festausschuß für bas XI. Deutsche Sängerdundessest in Frankfurt a. M.

Hai die Marschkomposttion des Frankfurter Kompo­nisten Max Dillinger, betiteltDeutsches 6än- aermarichlieb" (Dörte von Franz R Geiß (Frank­furt a. Ti) als offiziellen Festtnasich für das 6än- gerdunbessest bestimmt. DasSangermarschlied wirb u. a. im Fcstzug von 25 Kapellen gespielt.

* Erbdeerbiedstahl. Die die Polizei mit- teilt, würbe in der Nacht zum Sonntag in einem Gartengrundstück am Dartweg ein Einbruch oer- übt, bet dem es die Töter auf die reifen unb wun- berschönen Erdbeeren abgesehen hatten. Dährend bie Einbringlinge in ben (Erbbeerbeeten beim Dieb­stahl beschäftigt waren, kam eine Polizeistreife auf bem Fahrrab vorbei, die sofort gegen bie Spitzbuben oorging. Die Töter rissen aber aus, so dah die Polizeibeamten, um die Flüchtenden zum Stehen zu bringen, einige Schreckschüsse abgaben. Einer von den (Einbringungen blieb daraufhin stehen und gab auch die Namen seiner Mittäter an. Gestern vor­mittag hatten sich daraufhin 6 Personen als Töter auf bem Polizeiamt zur ersten Vernehmung einzu- finden. Es handelt steh um 6 Kommunisten, die in Gemeinschaft mit Parteigängern In der Nacht bei jklein-Linden an einer Urbunfl teilgenommen hatten unb dann auf dem Rückwege die schon am Nachmittag in Augenschein genommenen Erdbeeren mit ihrem Besuchebeehrten". (Ein gerichtliches Nachspiel wird den latent zeigen, daß die Erdbeeren teuer sind.

M i t bem Fahrrab geftürjt In ber Nacht zum Sonntag kam ber auf seinem Fahrrab ben Seltersweg passierende Ferdinand Möser aus Holzheim so unglücklich zum Sturz, dah er einen Unterschenkelbruch daoontrug. Der bedauernswerte Mann wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ber Chirurgischen Klinik zuge­führt.

Slraßenbahnerweitemng nach Meselk.

Ein Projekt, bas schon seit vielen Jahren erstrebt wird, bisher aber immer an mancherlei Diderstän- den scheiterte, kann nunmehr verwirklicht werden: die Erweiterung der Gießener Stra­ßenbahn nach Wieseck. Wie bekannt, wurde Ende Februar d. I. zwischen der Reichspost- Verwaltung und ber Gießener Stadt­verwaltung ein Vertrag geschlossen, nach bem die Stabt Gießen ihren Einspruch aegen den Betrieb der Kraftomnibuslinie GießenWieseck auf ber Strecke WalltorBahnhof zurückzog und sich damit einverstanbcn erklärte, baß

die Reichspost bie Omnibuslinie Gießenwieseck so lange betreibe, bis die Stabt Gießen die elektrische Straßenbahn nach Iviescck in Betrieb

* nehme.

Don bem Zeitpuntt ab, an bem die Stadt Gießen die Elektrische nach Wieseck gebaut habe, soll nach der vertraglichen Mmachuna die Reichspost ihren Kraftomnibusbetrieb nach Wieseck ftillegen. Wir ha­ben daraufhin in einem Artikel in Rr. 61 des Gießener Anzeiger" vom 12. März ber Stadtver­waltung dringend nahe gelegt, die Straßenbahn so­bald wie möglich nach Wieseck zu erweitern, damit der Krastomnibusbetrieb der Reichspost durch unsere Stadt, bei dem die Straßen ohne jegliche Gegen- (eiftung der Post allmählich in Grund unb Boden

gefahren würden, eingestellt werde. Die Stadtver­waltung hat nach eingehender Prüfung ber Sach- laae die von uns vorgebrachten Gründe sich eben­falls zu eigen gemacht und daraufhin bei der Regie­rung die Konzession für bie Erweiterung ber Stra­ßenbahnlinie nach Wieseck nachgesucht. Wie mir von gut unterrichteter Seite hören, ist

die Konzessionsurkunde, bie bet Stadi Gießen das Recht zur Strahenbahnerwelterung bis an die Gießener Gemarkungsgrenze unmittelbar vor Mief eck erteilt, am Samstag bei ber Gie­ßener Stadtverwaltung tingegangen.

Damit ist bie rechtlich« Seite be« Strahenbahn- erweiterungsprojekt« zur Zusriebenheit bet Stadt erledigt. Die für den Erweiterungsbau erforder­lichen Mittel formen au« der Detried«rück- lage entnommen werden, so daß auch nach bie» fer Richtung hin für bie al«balbige 3n- angriffnahme be« Baue« keine Schwie­rigkeiten mehr vorhanben sein werden. Dazu kommt, bah durch die Verwirklichung diese« Pro­jekts in kurzer Zeit Arbeitsmöglichkeii für eine ganze Anzahl Leute geschaffen werden kann. ES wäre zu begrüßen, wenn die Stadtverwaltung unb bet Stad trat nun so schnell wie möglich zur Tat schreiten würben!

Das oberhessische Lhemische MersachuWSaml im Jahre 1931.

NahrungSmitteluntersuchung im Dienste der Volksgesundheit.

Da« Chemische Untersuchung« amt ber Provinz Oberhessen teilt in dem Bericht über seine Tätigkeit im 3ahre 1931, ber am Mittwoch bem Provinzialtag unterbreitet wurde, u. a. folgendes mit: __

Die Tätigkeit be« älntersuchungsamteS erstreckt sich auf die amtliche Lebensmittelkontrolle in ben Städten Gießen. Friedberg, Bad-Rauheun unb in ben Landkreisen Alsfeld. Büdingen. Friedberg. Gießen. Lauterbach und Schotten. Außerdem wer­den für bie Zollämter die AuSland-weine mtf> bie Dergällungsmittel untersucht, sowie wr Be­hörden unb Private Untersuchungen angestellt.

3m Verlauf dieser Tätigkeit wurden

im vergangenen Jahre 3662 Untersuchungen (im Vorjahre 3098) ansgeführt.

Diese Untersuchungen verteilen sich auf 3548 Pro­ben von Rahrungs- und Denußmitteln sowie Ge­brauch-gegenstände mit 254 Beanstandungen, so­wie auf 77 hygienische, physiologisch-chemische Un­tersuchungen unb auf 37 technische Untersuchungen. Bei den 3662 Proben ergaben sich insgesamt 254 Beanstandungen. 3n Verbindung nut ben Unter-

suchungen würben viele kleinere und 62 ausführ­liche Gutachten abgegeben. 3n 8 Fällen mußte der Direktor des Amte- al« Sachverständiger vor Gericht tätig sein.

Die Art und bie Zahl ber Untersuchungen der Nahrungs- und Genuhmittel ist aus folgendem erlichtlich (bie Zahl der Beanstandungen ist jeweils in Klammer beigefügt): Mehl, Barf- und Teigwaren 111 (18); Konditorei waren, Frucht­säfte, Ob ft- und Obstkonserven 103 (44); Zucker, Sirup, Honig 2 (); Durst- und Fleischwaren 190 (10); Milch- und Milchkonseroen 2373 (88); But­ter unb Käse 100 (14); Margarine, sonstige Fette und Oele 11 (1); Wein unb Obstwein 16 (3); Bier und Branntwein 121 (33); Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade 10 (1); Wasser und Mineralwasser 408 (24); Essig, Gewürze, Spezereien 92 (15); ®e- brauchsgegenstände 11 (3). dn ber Summe ergibt sich hieraus die Zahl von

3548 Untersuchungen und 254 Beanstandungen.

Neben diesen Untersuchungen der Nahrungs- und Genuhmittel, sowie der Gebrauihsgegenstönde wurden die bereits erwähnten 77 bzw. 73 Prü-

Hindenburg zieht um.

Das präsidenienpalais muß renoviert werden. Notquariier bei Bismarck.

Auch die Schlösser find nicht für die Ewigkeit gebaut unb bie Klagen über ben zunehmenden Zerfall ber Mietshäuser, der bie Folge ber wirt­schaftlichen Verhältnisse ist, beschränken sich nicht auf ben privaten HauSbesih, fonbem auch fül viele staatliche Gebäube läßt sich eine burchgrei- sende Renovierung nicht mehr länger hinauS- schieben.

DaS Palai« in der Wilhelmstrahe, bas ber Reich-Präsident bewohnt, ist bringend renovierungsbebürftig. Das Gebälk ist vermorscht, der Dachstuhl muh abgerissen und durch einen neuen Oberbau ersetzt werden. Das Drä- sidentenpalai» ist 1734 erbaut. Die Fachleute rechnen mit der Möglichkeit, daß sich während des Umbau- noch ttesergehende Mängel zeigen werden, die ausgebessert werden müssen, um das Gebäude erhalten zu können.

Ein durchgreifender Umbau des Gebäude- Holzkonstruktionen sollen durch Eisenkonstruktionen ersetzt werden macht es natürlich zur Unmög­lichkeit, daß der Herr Reichspräsident während des Umbaus darin wohnen bleibt. Die Ruhe deS greisen Präsidenten, sowie die Abwicklung der Dienstgeschäfte werden ständig gestört. Der Reichs­präsident hat fich daher entschlossen, umau- ziehen. Er wird in ber alten Reichs­kanzlei Wohnung nehmen unb bie sogenannten Kanzlerräuine beziehen, bie burch Bismarck historische Debeutung gewonnen haben. Das neue | Quartier enthält zwölf Räume. Acht Zimmer I liegen im Obergeschoß, vier im sogenannten Gar-

tengeschoß. Der Umzug de- Reich-Präsidenten soll Anfang 3uli erfolgen. Die Räume ber alten Reichskanzlei wurden gewählt, um bie gerade jetzt dringend notwendige enge Zusammenarbeit mit der Reichsregierung durch räumliche Ent­fernung nicht zu gefährden. Außerdem mußte auch auf die Gewohnheiten be« Herrn Reich-Präsi­denten Rücksicht genommen werben, denn Herr von Hindenburg hängt sehr an seinem Garten, wo ihm jeder Strauch vertraut ge­worden ist. Er kann ihn von seiner neuen Woh­nung au« auf seinem täglichen vpaziergana be­quem erreichen, braucht seinen Weg nur durch ben Garten be« Auswärtigen Amts zu nehmen. Für bie Liebe, die ber ReichSpräsibent für seinen Garten empfindet, ist folgender Umstand charakte­ristisch. Wenn er auf feinem Spaziergang an heißen Dornmertagen eine trockene Stelle ent­deckt, bann macht er mit bem Stock ein Kreuz. Der Gärtner weih bann, baß die dort stehenden Pflanzen begossen werden müssen.

Ratürlich ist die neue Wohnung nur ein Rotquartier, man rechnet, daß der Umbau des Reichspräsibentenpalai« sechs bi« acht Mo­nate dauern wird. Wahrscheinlich wird bet ReichS- präsibent im nächsten Monat nach Reu deck fahren und dort den Sommerurlaub verbringen.

Da« Geld für den Umbau de« PalaiS wird erst durch den neuen Haushalt angeforbert Mit dem Bau kann erst begonnen werden, wenn die erste Rate bewilligt ist.

hingen der verschiedensten Dinge rrorgenommeiu 3n einem besonderen Teile des Berich:» werden die Gründe der verschiedenen Beanstandungen näher erläutert Den Ausführungen sei bas wesent» ttchste entnommen:

Bel ber Untersuchung von Brot, Mehl unb T t i pro a r e n wurden Roggenmehle, die entgegen ben Vorschriften des Brotgesetzcs über 60 v. H. autgemabkn waren, beanstandet. Dersch.cdenllich mußte Gebäck, das deutlich al» Buttergebarfenes be­zeichnet worden war, beanstandet werden, da nicht reines Butterfett, sondern Margarine ober Mischun­gen von Butter und Margarine Verwendung fan­den. Besondere Aufmerksamkeit wandte man der Besoffenheit pc, Speise-Eise» zu. E» mußt» feftgeslellt werden, daß e» sich meist um ganz min­derwertige Erzeugnisse handelte, zu deren Herstel- luna nur Eispulver verwendet wurde. Einige Eis- proven mußten beanstandet werden, well sie Kupfer enthielten, das von den Kesteln stammte, deren Ver­zinnung schadhaft war. Wiederholt mußte bei der Untersuchung von Fleisch - und Dur st waren die Verwenduna von Stärkemehl beanstandet wer­den. Zn verschiedenen Fleischwürsten, die unter Ber- Wendung von Salpeter oder Pökelsalz hergestellt waren, wurde ein verhältnismäßig hoher Gehalt von Nitriten festgestellt. Die in Berkehr kommenden Pökel- und ^cwürzsalze entsprachen vielfach nicht den gesetzlichen Bestimmungen.

Bei ben untersuchten 2373 Milchproben han­delte e« sich um Vorzugsmilch, Vollmilch, Mager­milch unb Buttermilch. Außerdem wurden füt Molkereien 18 596 Milchfettibestimmungen au«* geführt. Beanstandungen erfolgten in 88 Fällen, unb zwar wegen Wasserzusatze« in 63. wegen, Fettentzug« In 4, wegen Schmutzgehalte« in 1 unb wegen anormaler Beschaffenheit in 20 Fällen,

Gegenüber dem Vorjahre ist eine ganz wesent­liche Besserung im Milchoerkehr zu verzeichnen. Die veanstflndungszlffer der £leferproben Ist von 8,5 Prozent im Vorjahre auf 3,9 Prozent im Berichtsjahre jurürfgegangen. vor allem Haden die Verfälschungen der Milch durch Jett­entzug abgenommen.

Der durchschnittliche Fetgehalt ber in den Tkr» kehr kommenden Milch betrug 3,8 Prozent, ge­genüber 3,6 Prozent im Vorjahre. Die bei den Molkereien zur Anlieferung kommende Milch hatte sogar «inen Fettgehalt von 4 Prozent aufzu­weisen. Bei Butter unb Käse betrafen zahl­reiche Beanstandungen einen übermäßigen Wasser­gehalt ber Butter. 3n einem Falle wurde in einer Margarine übermäßiger Wassergehalt fest- gestellt.

Die untersuchten Ausland weine waren sämtlich einfuhrfähig, von ben 3 nlan b* weinen mußten 3 verdorbene Deine bean­standet werben. Bei Trinkbranntweinen bilbcte zu geringer Alkoholgehalt ben Grund zur Be­anstandung.

Bei den Prüfungen von Kaffee, Tee. Ka­kao unb Schokolade wurde nur «in Kakao­getränk beanstandet, da« mit Magermilch anstatt mit ber bezeichneten Vollmilch hergestellt war.

Die Untersuchungen von Wasser unb Mineral­wasser waren auch im 3ahre 1931 wieder sehr zahlreich. 408 Proben wurden untersucht. 286 Proben entfielen auf Trink- und Gebrauch-Wasser, 115 auf Mineralwasser. Verschiedentlich mußten Wasierprobcn beanstandet werden, weil Zuflüsse von Oberslächenwasser, oder Zuflüsse au« verun­reinigten Erdschichten festgestellt wurden. Die jähr­lich regelmäßig voraenommenen Kontrollen der zentralen Wasserversoraungsanlaaen der Gemein­den führten tn einigen Fällen zu Beanstandungen.

Vas wasier der Gießener Öafferleitung ent­sprach In jeder Beziehung ben Anforderungen, die man an ein gutes Irinhoaffer zu stellen pflegt.

Die in unserem Bezirk gelegenen 31 Mineralbru- nen wurden einer regelmäßigen Kontrolle unter­zogen, einige Mängel gerügt und deren Abstellung veranlaßt.

Bei der Prüfung von Essig wurde verschie­dentlich zu geringer Säuregehalt feftgestellt, bei einigen Gewürzen zu hoher Aschen- und Sand- gehalt gerügt; bet einer Maggi-Suppenwürzung hatte eine Unterschiebung ftattgefunben.

Bei der Prüfung einiger Mineralwasser­apparate auf Gesundheit-Unschädlichkeit muß­ten drei Apparate beanstandet werden, weil die Berzimrung schadhaft war und Kupfer an da- Mineralwasser abgegeben wurde.

In ber Reihe der hygienischen, physiologisch-chemt- schen unb gerichtlichen Untersuchungen waren Ab- wasserproben nachzuprüfen, ob sie Stoffe enthalten, bie geeignet find, eine Schädigung des Fischbestan­des des Vorfluters herbeizuführen.

Das Vadewaster des Gießener Volksbades wurde einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen und dabei festgeslellt, daß die Reinigung»- und Ehlorierungsanlagen gut funktionieren.

Bei ben untersuchten Arzneimitteln Han- beite es sich meist um Prüfungen ber Präparate, die von Kurpfuschern ober Vertretern von Heilmit­telfabriken in ben Bertebr gebracht wurden. Es waren meist völlig wertlose Präparate, deren Preis in keinem Verhöltnis zu ihrem Werte stand. Unter- suchungen von Lebensmitteln, nach deren Genuß anaeblich gesundheitliche Störungen aufgetteten fein sollen, verliefen ergebnislos.

Die technischen Untersuchungen über die Zusam­mensetzung und Eigenschaften ber übergebenen Ob» ette ließen in verschiedenen Fällen erkennen, baß die gelieferte Ware nicht den vereinbarten Liefe- rungsbebingungen entsprach.

Motorrad fährt auf einen Lastwagenzug.

Velde TNolorradfohrer gelötet

WSR. Darmstadt, 26. 3unt 3n der Rächt auf Sonntag, kurz nach Mitternacht, ereignete sich aut der Straße von Darmstadt nach Roßdorf ein schwerer Verkehr-unfall. Ein au« Richtung Roßdorf kommender Motorrad­fahrer mit S oziu-begleitung fuhr auf einen am Straßenrand haltenden Lastwagen­zug au- Dingen auf. Die beiden Mo­torradfahrer. der 29jährig« RletzgermLister Bauer aus Darmstadt unö der 24jährige Stu­dent Han« Becker, gebürttg au« Sonder-Haufen, waren sofort tot. Da« Schlußlicht des An- hängerwagen« hat vorschrift-mäßig gebrannt. Wie Augenzeugen de« Unfall« versichern, hatten bie Führer de« Lastkrafttoagenzuge«. der sich auf einer Fernfahrt befand, eine kur^ Rast eirrgelegt.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bi» 1130 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen.