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Oeutschiumsarbeit.

Von Werner Oeuffchmann.

Der DDA., die größte Jugendorganisation Deutschlands, die in diesen Tagen ihre macht- volle Pfingsttagung im bedrohten deutschen Osten abgchalten hat, veranstaltet in Hessen am 29. Mai einen allgemeinen Sammeltag. Die kulturelle Eigenart deutschen Volkstums zu erhalten, wo es auch immer sei auf der Welt, ist die grundlegende Aufgabe dieses wahren Lolksvereins. Neben dieses allgemeine Ziel der Arbeit tritt neuerdings die Für­sorge für den schwer gefährdeten deutschen O st e n. Zweck und Sinn der ganzen Volkstumsarbeit dürste aus solgendem Äufsatz wirkungsvolle Beleuchtung erfahren. Für uns Deutsche ist das Volksbewußtscin, der Gedanke der Volksgemeinschaft aus den ver­schiedensten Gründen räumlicher, geschichtlicher und «er Natur keine so selbstverständliche, natür- istesrichtung, wie für andere Nationen. Bei uns verblaßte der Gedanke an das Volk gegen­über dem Staatsbegriffe. Wer nicht den amtlichen Stempel der deutschen Staatsangehörigkeit trug, war für uns ein Fremder. Das Bewußtsein der Volksgemeinschaft war uns verlorengegangen. Da erscholl ein Weckruf o u s O e ft c r r e i ch. Um einen Damm zu bilden gegen die slawische Sturmflut, die durch die von der Wiener Regierung im April 1880 erlassene Sprachenverordnung über Böhmen und Mähren hereinbrach, riefen deutsche Männer im Mai den deutschen Schulverein ms Leben. Gründung, Erhaltung und Förderung deut­scher Schulen in den cisleithanischen Kronländern Oesterreichs mit sprachlich gemischter Bevölkerung, an den deutschen Sprachgrenzen und auf den deut­schen Sprachinseln, setzte er sich zur Aufgabe. Der Wellenschlag dieser Bewegung brandete über die Grenze ins Deutsche Reich hinein und rief^dort im Juni denAllgemeinen deutschen Schul- verein zur Er Haltung des Deutschtums im Ausland e", unseren heutigen VDA., ins Leben.

Hand in Hand arbeiteten die beiden verwandten Vereine an dem Aufbau der kulturellen deutschen Weltgemeinde. Mitten in diese Arbeit brach die große deutsche Not des Weltkrieges. Die Unglücks- und Leidensverbundenheit dieser schweren Jahre brachte dem deutschen Gemüte einen Gewinn: Der Begriff des Volkes wurde ihm zum Er­lebnis, die Volksgemeinschaft wurde Wirklichkeit. Aus diesem völkischen Gemeinschaftsgefühl erwuchsen immer neue Deutschtumsvereine. Um zu verhindern, daß diese Vereine gegeneinander arbeiteten, rief, unter Leitung des Vorsitzenden des VDA. eine An­zahl von Deutschen aller Schichten unter Zurück- drängung der konfessionellen und sozialen Gegen- sätze, im Jahre 1919 als Dachorganisation für die verschiedenen Vereine den Deutschen Schutz­bund ins Leben, dessen Großtat die Abstimmung in Oberschlesien gewesen ist. Pfingsten 1921 gelang die Verschmelzung des VDA. mit dem Wiener Deut­schen Schulverein zu einem einzigen Verein.

Und nun laßt uns voii den gelösten auf die noch zu lösenden Aufgaben blicken. Wie die Freiheit der Persönlichkeit anerkanntes Recht ist auf der ganzen Welt, ebenso muß die Freiheit des Volks­tums für den einzelnen Deutschen zum allgemein gültigen internationalen Rechtsgrundsatz werden. Dieser Grundsatz muß für uns aus dem Nebel der Theorie in die lebensvolle Praxis übertragen werden, und nicht eher dürfen wir ruhen, bis wir in ein­mütiger Entschlossenheit unseren auf fremden Staats­gebieten lebenden Stammgcnossen das volle völkische Selbstbeslimmungsrecht er­kämpft haben. Diesen Kampf aber werden wir nur dann zum Siege führen können, wenn wir ganz durchglüht find von dem Dolkstumsgcdanken, dem Volkstumsgefühl. Die Erziehung zu diesem Volkstumsgefühl muß vor allem einfetzen bei der deutschen Jugend und getragen werden in erster Linie von der deutschen Frau, die der Familie, der Urzelle des Volkes, das Gepräge gibt. Alle Versuche aber der Erziehung zum Dolkstums- aedanken müssen scheitern, wenn mir nicht den Willen und die Kraft finden, uns zu wehren und zu schützen gegen volksfremde Sitte und Art und uns rein zu erhalten von zernagenden Einflüssen, uns wie als Mensch, so als Volk selbst zu behaupten. Hindernisse und Schwierigkeiten werden nicht aus­bleiben, das wissen wir. Sie liegen sowohl in der Einstellung zum Staatsbegriff als in der Verschie­denheit des Temperaments, des Geschmacks und der gesellschaftlichen Struktur. Ist aber je eine hohe Idee verwirklicht worden ohne Opfermut und Opferfreude?

Das Geschenk eines jeden an den DDA. sei: Deutsch sein! Deutsch sein aber bedeutet nicht nur deutschen Blutes und deutscher Sprache sein, nein! Deutsch sein heißt deutsche Gesinnung, deut­schen Willen, deutschen Glauben haben und sie um­setzen in deutsche Tat, damit Wahrheit werde.

Ein einig Volk, deutsch bis ins Mark, Im Glauben an Gott, an sich selber stark. Ein Herrenvolk, gerecht und stolz Und hart wie seiner Eichen Holz. Ein Volk von weise wägendem Rat, Von rasch entschlossener Manncstat. Doll schlichter Würde, sittlich groß, Ob Unglück oder Glück sein Los.

Ein Volk, von der ganzen Welt ans Kreuz geschlagen, 'Und dennoch ein Führer der Menschheit zu besseren Tagen.

Das Echo in polen.

Deutschlands Wille, die Ostmark zu schützen.

Warschau, 26.Mai. (TLl.)Die letzten Beschlüsse deS außenpolitischen Ausschusses des "Reichstags, sowie die Ankündigung über die Verstärkung des militärischen Schutzes in O st Preußen haben in Polen größte Beachtung gefunden und wie gewöhnlich in solchen Fällen die polnische Presse in größte Aufregung verseht. Zunächst be­schränken sich die polnischen Blätter darauf, die Berliner Meldungen kommentarlos zu ver­öffentlichen: doch aus der LieberschriftDie Deutschen drohen und befestigen Ostpreußen. Ein brutaler Beschluß des Auswärtigen Aus­schusses des Reichstags." usw. geht deutlich her­vor, wie erbost man hier über diese Beschlüsse ist. Den Beschluß des Auswärtigen Ausschusses bezeichnet beispielsweise das maßgebende Re­gierungsblattGazeta Polska" als Wahn­vorstellung und nach Meinung der national- demokratischeGazeta Warszawska" ist eS über­haupt eine Herausforderung.ABC." erklärt, der Defchluh stelle einen Bruch des Ar­tikels 1 80 des Vertrages von Ver­sailles dar, demzufolge der Bau von Be-

Was fordert die Wirtschaft von Lausanne?

Ernster Appell eines Londoner Bankhauses an die Vernunft der Politiker.

London, 25. Mai. (TL1.) Der Monatsbe­richt des Bankhauses Schröder & Co. fordert, daß die Lausanner Konferenz unbedingt eine Wiederher st ellung des politi­schen Vertrauens und damit die Wieder­erholung des Handels bringen müsse. Wenn die Lausanner Konferenz, deren Vertagung die Ge­schäftswelt bereits mit schweren Herzen zugegeben habe, noch einmal Enttäuschungen bringe, nachdem inzwischen die Preise weiter ge­fallen seien und alle Liebel sich weiter verstärkt hätten, dann würde mehr in Gefahr sein als das Ansehen gewisser Politiker. Die Staats­männer müßten in Lausanne dem Konti­nent eine Versicherung des wirk­lichen Friedens und der politischen Stabilität geben. So müsse in erster Linie der Vertrag von Versailles einer Re­vision unterzogen werden, ohne das WortRe­vision" überhaupt zu erwähnen. Llnnatürliche Sinnwidrigleiten wie der polnische Korri­dor, die nichts als Verbitterung und Verwirrung Hervorrufen, seien zu verbessern. Durch derartige Zugeständnisse könne die französische Staatskunsl die Llrsache des übertriebenen Rationalismus in Deutschland beseitigen, der Frankreich in einen Zustand der chronischen Beängstigung halte. Als Gegenleistung könne Deutschland sehr wohl die Fähigkeit zugeben, eine gewisse Tributsumme zu

festigungen unzulässig sei. Lleberhaupt seien die Beschlüsse nur erfolgt, um die Welt glauben zu machen, Ostpreußen sei von Polen bedroht.

Oie Kandidaten der ORVp. in Hessen.

Frankfurt a. M., 26. Mai. (WSR.) Der Erweiterte Landesausschuß der Seutf^nationalen Volkspartei in Hessen hat gestern in Frankfurt die Richtlinien für die bevorstehende Landtags­wahl festgelegt und die Kandidatenliste aufgestellt. Die Liste wird von dem bisherigen Abgeordneten Amtsgerichtsrat Böhm geführt. An zweiter Stelle erscheint der Bauernführer Fenchel i Oberhörgern), an dritter Stelle Pfar­rer Otto Schell (Worms), an vierter Stelle Frau Klara K l i n g s p o r (Offenbach). Eine Einheitsliste mit Mittelparteien sand ein­stimmige Ablehnung.

Für den freien Luftverkehr über den Ozean.

Rom, 26. Mai. (WTB.) Der italienische Luft­fahrtminister Balbo unterbreitete der Schluß­sitzung der Nordatlantikkommission des Transozeanflieger - Kongresses eine Resolution, die dafür eintritt, daß die einzelnen Ctappenstationen der künftigen Transozean-Luft- linien nicht ausschließlich von den k.on- zeffionierten Gesellschaften angeflo- g c n werden dürfen, sondern daß diese Stationen für den internationalen Luftverkehr ebenso offen sein müßten, wie die Seehafen für den Schiffsverkehr. Dieser Antrag wurde angenommen. Nur die französische Dele­gation enthielt sich der Stimme, und die spa­nische Delegation stimmte dagegen. Die südatlantische Kommission des Kongresses be­schloß, Rom zum Sitz einer Studiengesellschaft zu machen, deren Aufgabe es fein soll, Mittel und Wege zur Erleichterung des Fernflugverkehrs zu finden. Nachdem noch als Ort der nächsten Zusam­menkunft des Kongresses N e u y o r k bestimmt wor­den war, gingen die Teilnehmer in bestem Einver­nehmen auseinander.

politische Spannung in Süd-Brasilien.

Lao Paulo gegen die Zentralregicrung.

RiodeIaneiro, 25. Mai. (TLI.) Anläßlich eines Streiks der Geschäfte in Sao Paulo, der als Protest gegen die bisher mißlungenen Versuche einer Regierungsbildung ausgerufen wurde, kam es am Dienstag zu schweren Llnruhen im Inneren der Stadt. Streilende stürmten und be­schädigten mehrere Zeitungsgebäude und griffen die Zentrale derrevolutionären Legion" an, die jedoch mit Maschinengewehren verteidigt wurde. Cs entwickelte sich ein erbittertes Gefecht, das erst nach Eingreifen der Polizei abgebrochen wurde. Mehrere Personen wurden getötet und verletzt.

Die Spannung hat sich infolge der Ankunft des brasilianischen Finanzministers A r a n h a noch gesteigert. Aranha hat mit den südstaatlichen Politikern Verhandlungen über die Streitigkei­ten mit der Bundesregierung aufgenommen. Die Bevölkerung verlangt stürmisch die B e e n d i - gu n g der D i k t a t u r V a r g a s und die Wie­derherstellung der verfassungsmäßigen Regierung. Die vor zwei Tagen gebildete provisorische Staats­regierung von Sao Paulo hat sämtlichen Truppen und Polizeikräften befohlen, sich in Bereit­schaft zu halten. Die Truppen mußten bereits verschiedene Male bei Zusammenstößen zwischen Regierungstreuen und Aufständischen einschreiten. Linker der Bevölkerung ist eine starkesepara- tistische Bewegung im Gange.

Oie neue griechische Regierung.

Athen, 26. Mai. (TU.) Die neue griechische Re­gierung, die sich aus Mitgliedern der Landwirt- fchafts- und der Arbeiterpartei zusam­mensetzt und unter der Führung des Sozialdemo­kraten Papanastasiu steht, ist vom Staats­präsidenten vereidigt worden. Papanastasiu über­nimmt auch das Außenministerium sowie das Ministerium für nationale Verteidigung. Die O p - Position beabsichtigt, den Kammerfitzungen fern­zubleiben. V e n i z e l o s wird demnächst zu einem Kuraufenthalt nach Bagnioles abreisen. Der frühere Außenminister Michalakopulos will sich zur Erholung nach Bad Ems begeben. Er hat den angekündigten Besuch in Belgrad abgesagt. Trotz seines Rücktritts wird Denizelos auch 'weiterhin in allen wichtigen politischen Fragen die größte Rolle spielen.

Rücktritt des Memeldirektoriums.

Memel, 26. Mai. (WTB.) Wie dasMemeler Dampfboot" meldet, hat Landespräsident Sim - mait i s vormittags dem Gouverneur des Memel­gebietes Gylis das Rücktrittsgesuch des

bezahlen unter der Voraussetzung einer Wiedererholung des Handels und der Preise, d. h. durch eine Wiederein­setzung der im Dawesplan enthaltenen und im Voungplan höchst unglücklicherweise sortgelassenen Goldklausel. Ein Ausschuß von Geschäfts­leuten, die wissen, wie entsetzlich ernst die Folgen eines politischenFehlschlags in Lausanne sein werden, würde die deutsch» französischen Schwierigkeiten nach geschäftlichen Richtlinien regeln. Es sei zu hoffen, daß der Druck der wirtschaftlichen Tatsachen die Staatsmänner veranlassen werde, alle An­strengungen in dieser Richtung zu machen.

Auch Deutschland unterzeichnet das vorläufige Gchuldenrückzahlungs- abkommen mit Amerika.

Washington, 27. Mai. (TU.) Der deutsche Botschafter von P r i t t w i tz unterzeichnete im Schatzamt die Schuldscheine für die durch das Moratoriumsjahr gestundeten Beträge in Höhe von 6 Millionen Dollars. Die Schulden sind innerhalb von zehn Jahren zurückzuzahlen. Finnland und Griechenland haben gleichfalls schon unterschrieben. Die übrigen Länder dürften in der nächsten Woche folgen.

Memeldfrektoriums überreicht. Gylis hat den Rücktritt angenommen und das Direkto­rium Simmaitis beauftragt, die Geschäfte solange weiterzuführen, bis er einen neuen Präsi­denten benannt haben wird. Gouverneur Gylis hat heute einen Erlaß unterzeichnet, nach dem er den am 4. Mai gewählten Memelländischen Landtag zu Samstag, den 4. Juni, e i n b e r u f t Ob sich in dieser Landtagssitzung schon das neue Direktorium wird vorstellen können, wird davon ab- hängen, welchen Verlaus die Verhandlungen nach dem Rücktritt von Simmaitis zwischen den Mehr- heitsparteien und dem neuen Gouverneur nehmen werden.

Beschäftigungssteuer und Behörden» angestellie.

Vom Reichsverband der Bureauangestellten und Beamten wird uns geschrieben: Die Reichsregierung beabsichtigt, bei der Einführung der Beschäftigungs- ftcuer eine Freigrenze von monatlich 300 Mark einzuführen, die aber für d i e Beamten und die Behördenange st eilten jedoch nicht gelten soll. Der Reichsverband der Bureauange­stellten und Beamten hat in einer Eingabe am 24. Mai an die Reichsregierung hiergegen Ein­spruch erhoben. Die Behördenangestellten tragen wie alle Angestellten ihre sozialen La st en, von denen die Beamtenschaft befreit ist. Anderseits wur­den die Behördenangestellten ohne Rücksicht auf die Mehrbelastung gegenüber der Beamtenschaft mit dieser bei allen Gehaltskürzungen g l e i ch g e st e l l t. Der Verband fordert daher, daß diese Sonderstellung des Behördenangestellten in der doppelt belastenden Gleichstellung Berücksichtigung findet und in sozialer Gerechtigkeit mindestens ein Ausgleich geschaffen wird.

Aus aller Well.

Ehrende Nachrufe der englischen Presse für Admiral Hipper.

Die englische Presse widmet dem verstorbenen Admiral v. Hipper, der ein entschlossener und edler Feind genannt wird, ausführliche und anerkennende Nachrufe. Besonders weifen die Blätter auf Hippers glänzende Leistungen in der Schlacht am Skagerrak hin.Times" sagt, daß die Engländer eine große Lleberlegenheit an Schiffen und Kanonen gehabt hätten. Dies habe ihnen aber gegen die zuversichtliche Kampfkraft des Geschwaders von Hipper nichts genützt. Beatty sei geschlagen zurückgekehrt, ein Ergebnis, das ohne Vorgang in der englischen Secgeschichte sei.Daily Expreß" sagt: Im Kriege war Hipper der große Gegner Englands, der die deutschen Kreuzer bei Jütland (Skagerrak) be­fehligte. Er gewann den Beifall seiner Lands­leute und die schmerzliche Bewunderung seiner Feinde. Admiral Beatty, der in der See­schlacht am Skagerrak die Vorhut der englischen Hochseeflotte führte wie Admiral Hipper die Vorhut der deutschen Hochseeflotte, äußerte, als er die Nachricht von dem Tode Hippers erfuhr: Ich bin aufrichtig betrübt. Man muß den Tod dieses tüchtigen Offiziers und großen Kameraden, der in die Woche des Jahrestages der großen Seeschlacht fällt, herzlich bedauern."

Die Einkommensverhältnisse der Anwälte.

Wie uns vorn Oberheffischen Anwaltsverein mit- geteilt wird, ging eine Notiz über die Einkommens- Verhältnisse in freien Berufen durch die Presse, die sich auf die Einkorn men steueroeranla- g u n g für 1 9 28 ft ü ft t e und auch einige An­gaben über die Einkommensverhältnisse der Rechtsanwälte machte. Die Notiz ist insofern geeignet, falsche Vorstellungen zu erwecken, als das Jahr 1928 auch für die Rechtsanwälte wie für die deutsche Volkswirtschaft im ganzen ein Jahr.be- sonders günstiger Einkommensver- bäftniffc war und s i ch seither die Lage katastrophal verschlechtert hat. Nach den vorliegenden statistischen Unterlagen haben z. B. im Jahre 1931 mindestens 13 v. H. aller deutschen Rechtsanwälte nicht einmal mehr ein Einkommen von 3000 Mark erreicht. Daß die Verhältnisse sich in den ersten Monaten des Krisenjahres 1932 wei ° ter stark verschlechte rt haben, bedarf keiner näheren Begründung.

Tagung des Reichsvereins der hauptamtlichen Lehrerschaft deutscher Berufsschulen.

In Gotha hielt der Reichsverein der hauptamt­lichen Lehrerschaft deutscher Berufsschulen seine Hauptausschußsitzung und Vertreterversammlung ab. An der Tagung nahmen etwa 300 Vertreter des Reichsvereins, der rund 10 000 Mitglieder um- faßt, teil. Als wesentlichster Punkt wurde verhau- beitdie Rechts, und Anstellungsverhältniffe der Junglehrerschaft an den beruflichen Schulen Deutsch- lands" (Sielaff-Berlin). Regierungsrat Heinrich- Berlin sprach am zweiten Tage überDie Berufs- schule in der Krise der Gegenwart". Trotz aller Er- schütterungen in der Wirtschaft und eines dadurch oft verursachten Berufswechsels gelte der Berus nach wie vor als wirtschaftliche Grundlage des Lebens.

Deshalb oleibc eine sorgfältige Berufsausbildung eine volkswirtschaftliche und soziale Notwendigkeit. Die TechstN schreite auch in der Gegenwartskrife unaufhaltsam fort; sie fordere daher von jedem einzelnen mehr als bisher technisches Verständnis und berufliche Fertigkeiten. Infolgedessen verlange der Beruf jedes Werktätigen eine erhebliche Steige­rung und Ausweitung der Ausbildung, die ohne v die Mitwirkung der Berufsschule heute noch we­niger als früher erfolgen könne. Nach Beendigung der Dolksfchulpflicht fei für die praktisch Begabten die Berufschule die geeignetste Bildungsstätte. Der Mangel an Arbeitsgelegenheit birgt große Gefahren für die Erziehung und Ausbildung der Jugendlichen in sich. Während die Einrichtung besonderer jugend- pflegerischer Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren die Aufwendung erheblicher Mittel erfor- berten, könne bie Berufsschule biese Aufgaben mit wesentlich geringeren Kosten übernehmen. Die Be- rufsschullehrerschast wendet sich deshalb mit aller Entschiedenheit gegen Bestrebungen auf Abbau der Berufsschule. Ein Vortrag des 1. Vorsitzenden, Will- Berlin, überDie Berufsschullehrerschaft in der Krise der Gegenwart" behandelte insbesondere bie Rechtsverhältnisse, Anstellung, Rechtsstellung, Be­soldung und Versicherung der Berufsschulamtskandi- daten. Einstimmig wurde alsdann in einer Ent­schließung gefordert, daß die Reichsregierung ernst­lich besorgt ist, in absehbarer Zeit die seit Jahren bereits in Angriff genommene Beamtengesetzgebung zu einem positiven, für die Beamten- und Lehrer­schaft tragbaren Ergebnis zu bringen. Die Vor­standswahlen brachten die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstandes.

Reichstreffen kolonialer Jugenboerbände.

Zum 4. Reichstreffen der Deutschen Kolonial-- Jugend trafen sich der Bund Deutscher Kolonial« Jugend, das Deutsche Kolonial-Jugendkorps und der Deutsche Kolonialpfadfinderbund in Ballenstedt, um durch die gemeinsame Tagung zum Ausdruck zu bringen, daß die Not der Zeit ihren Willen, für den kolonialen Gedanken einzutreten, nicht zermürbt hat. Bei dem dem Festzuge vorausgehenden offent« lichen Festakt wurde folgende Kundgebung verlesen» Die kolonialen Jugendbünde Deutschlands bekunden feierlich, daß sie nicht gewillt sind, in alle Zukunft bie Fesseln zu tragen, die bas Versailler Diktat ihrer Freiheit auferlegt hat. Darum for­dern sie von den Führern der heutigen Generation, daß sie um her Zukunft unserer deutschen Jugenb willen die uns durch Verrat und Lüge entrissenen deutschen Lande roicbergeminnen, vor allem bas beutsche Koloniallanb in lieber- fee, bamit bort ein neues freie-, deutsches Geschlecht heranwachsen kann in enger Verbundenheit mit der alten Heimat. Die Tagung brachte den drei Bünden eine Heerschau über ihre Mitglieder und eine Er­kenntnis ihrer eigenen Stärke. Der Bund Deutscher Kolonial-Jugend legte in seinem Bundesthing noch einmal die Richtlinien für die weitere Arbeit fest.

Das Geheimnis

um den Untergang desGeorge Philippen".

Die Ansichten über bie LIrsache der Vrandkatastrophe auf derGeorge Phi- lippar" sind in Fachkreisen noch immer sehr ge­teilt. Die Annahme der einen Gruppe, daß der französische Ostindiendampfer einem verbre­cherischen Anschlag zum Opfer gefallen sei, wird jetzt durch eine Erklärung des Inspek­tors der Suezkanalgesellschaft, Collas, bestärkt, der sich bei der Ausfahrt derGeorge Philippar" in Port Said befand. Collas erklärte, daß das Schiff im Hafen von Port Said einer genauen Llntersuchung unterzogen worden sei, und daß man dabei eine Höllenmaschine von sehr starker Explosivkraft gefunden habe. Die Höllen­maschine fei mit einem Llhrwerk versehen gewesen und sollte im Suezkanal explodieren. Die Aufdeckung des verbrecherischen Anschlages sei streng geheimgehalten worden. Sie habe lediglich zur Folge gehabt, daß die Passa­giere im Hafen von Port Said nicht an Land gehen durften und neue Passagiere nicht auf ge­nommen wurden.

Zusammenstoß in der Luft.

In 3500 Fuß Höhe stießen in Süsser zwei eng- lische Kampseinsitzcr zusammen unb stürzten ab. Der Insasse bes einen Flugzeuges konnte sich burch Fallschirmabsprung retten. Der zweite Flie- ger würbe unter seinem Flugzeug tot hervor- gezogen. Er war in seinen Fallschirm verwickelt, ben er anscheinenb nicht rechtzeitig von bem Flug­zeug hatte loslösen können. Die abgestürztcn Flug­zeuge gehören einer ber schnellsten Typen ber Welt an. In biefem Jahre ist bies bereits ber 13. Tobesfall in ber britischen Luftstreitmacht.

Der Fallschirm rettet einen Segelflieger vor bem sicheren Tobe.

Einen glücklichen Ausgang nahm ber bei ber P l a tt e bei Wiesbaben erfolgte Absturz bes Segel­flugzeugsE u m u l u s". Der Flieger Päß (Plauen) von ber Akabcmischen Fliegergruppe in Aachen hatte bereits über eine St u n b c lang bie Stabt in einer Höhe von 1500 Meter überflogen, als bie Maschine plötzlich auf 2000 Meter hochgetrie - ben mürbe. Sie kam ins Trubeln, unb ber Pilot stürzte aus bem Flugzeug. Glücklicherweise funktionierte ber Fallschirm, so baß Päß unversehrt auf einem Baum [anbete. Auch bas Flugzeug ging im Gleitflug unbeschädigt auf einen Baum nieder.

20 Bergleute

in einem südafrikanischen Bergwerk verschüttet.

Eine Gruppe von etwa 20 eingeborenen Berg­leuten ist durch einen plötzlich auftretenben Berg­sturz in einem Schacht der RobinsonÜeepmine ver­schüttet worden. Es wurde sofort eine Bergungs- Expedition eingefahren, die fieberhaft daran arbeitet, zu den Verschütteten vorzudringen. Man hofft, sie noch retten zu können.

Wettervoraussage.

Immer noch bringen aus nördlichen Breiten Luft­massen vor, welche zu regnerischem unb kühlem Wet- ter führen. Wohl wird durch die über Holland unb ber Norbsee liegenben Störungen uns etwas wär­mere Luft zuströmen, beren Einwirkung aber nur vorübergehenb ist, benn alsbalb folgt ber seitherige kühle Luftstrom nach. Infolgedessen bleibt auch ber Witterungscharakter noch wechselhaft, und bas kühle unb nasse Maiwetter hält an. Wenn auch die Be­wölkung bis Sonntag etwas zurückgehen wird und somit Aufheiterung unb leichte Erwärmung.eintritt, so ist nach der gegenwärtigen Wetterlage noch kein Schluß auf weitere Besserung zu ziehen.

Aussichten für Samstag: Wechselnd be­wölkt und kühl, zeitweise Regen.

Aussichten für Sonntag: Wechselnd wol­kiges Wetter mit Aufheiterung, noch kühl, jedoch etwas wärmer, vereinzelt geringe Niederschläge.

Lufttemperaturen am 25. Mai: mittags 17,1 Grad Celsius, abends 11,7 Grad; am 26. Mai: morgen» 10,6 Grab. Maximum 17,2 Grad, Minimum 9,8 Grab Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Mai: abends 17,7 Grad; am 27. Mai: morgens 13,4 Grad Ceksius. Niederschläge 14,7 mm.