Aus der Prvvinzialbauptstadi.
Dießen, den 27.Mai 1932.
Vergiftete Tlahrung.
Don Oberschulrai Haflinger, Darmstadt.
Mancherlei Gefahren bedrohen unser Dolk und zehren an seiner Straft. Don einer erscheint es dringlich, besonders zu sprechen und alle Gutgesinnten und Derantwortlichen zur Abwehr auf- zurusen. Die Derantwortlichen aber sind nicht allein und nicht immer in erster Linie die Organe des Staates und der Erziehung; verantwortlich ist jeder, der nicht mit ansehen will, wie unser Volk und seine Jugend einem Viste auSgeliesert wird. daS auf Hunderte von Kanälen zerfetzend vorzudringen sucht. ES ist die Gefahr, die dem Körper unsere» DolkeS durch die Dazillen einer vergifteten g c i ft i g e n Nahrung droht.
Die aufgezwungene Muhezeit. unter der Abertausende unserer DolkSgenofsen zu leiden haben, hat bei vielen daS Dedürsnis nach Ablenkung geweckt und hat sie wieder zum Duche geführt, das sie anregt und ihnen über leere Stunden hilft. Erfreulich, wie unsere DolkSbüchereien einen Zuwachs neuer Leserschaft erhalten haben, wie die Menschen an ihren AuSleihstellen sich drängen. Diele sind, die noch nicht von dieser für sie jaft stet» unentgeltlichen, oder nur mit Pfennig- au-gaben verbundenen Möglichkeit wissen, ihr Wissen. Geist und Gemüt zu bereichern. DaS haben sich eifrige Geschäftemacher zu Nutzen gemacht für einen gewissenlosen Erwerb. Strah^n- händler-Leihbibliotheken sind wie Pilze auS dem Boden geschossen. Derleihläden preisen ihre Dienste an Wer sehenden AugeS durch die Straßen auch der kleinen Städte geht, der erkennt. welch Ungeistes Kind sie sind Man braucht nur einen Funken von NeinlichkeitSgefühl zu haben, um unterscheiden zu können, ob e- sich hier um einen sauberen Broterwerb handelt, oder ob sie beherrscht sind von einer schmutzigen Gesinnung, die den geistigen Hunger weiter Massen auszunuhen versucht zum Schaden der seelischen Gesundhell vor allem der Jugend
ES gibt Dorfchriften, die verhindern, daß verdorbene Lebensrnittel an die Bevölkerung getragen werden Es gibt auch Gesetze gegen den geistigen Schmutz und Schund. Aber sie können nicht durchgesührt werden, wenn dazu nicht die Mithilfe der breitesten Oesfentlichkeit kommt. Aufmerksame Augen sind nötig bei den Eltern und Erziehern, die ihre Schützlinge nicht wehrlos der Schlammflut auSliefern wollen. Wache Augen aber sind nötig auch in der Jugend selbst, der — wo sie unverdorbenen Sinnes ist — ein gesunde» Unterscheidungsvermögen für Sauberkeit und Schmutz innewohnt. Diese Jugend aber bat auch ein starke- Derantwortungsgefühl zu ihrer Jugend Kameraden. An sie wende ich mich und für sie spreche ich. wenn ich diesen Auf an die Gewissen der Oesfentlichkeit ergehen lasse. Hand in Hand auch mit dem guten, seiner Derantwortung bewußten Buchhandel, unser Dolk zu schützen vor der vergifteten geistigen Nahrung. Wo für die Organe des Staate- die gesetzlichen Handhaben zum Einschreiten bestehen. wird eS geschehen, und wo die vorhandenen Handhaben nicht au-reichen, sollten sie zum Schuhe der Jugend schleunigst geschaffen werden. Man wird ein aufmerksame- Auge haben, gegenüber den Schmutzläden und ihren Kunden und ihrer ..Ware". Alle Derantwortlichen aber seien aufmerffam gemacht auf die Pflichten, die sie darüber hinaus an den gemeinnützigen Büchereien haben. Ihre Aufgaben sind so gewachsen, daß man ihnen die Möglichkeit geben muß. von sich au- an die Menschen zu kommen, die nach ihrem Dienste verlangen Gebt ihnen die Möglichkeit zu einem Wirken in die Breite. Helft, daß zur Bekämpfung auch der Aufbauwille kommt So will e- ein gesunde- Dolk, so will es eine gesunde Jugend!
Hassia-BezirlSiagung in Heuchelheim.
□ Der Frühjahrsbezirkstag des Has. sia- Bezirks Gießen fand am Sonntag unter Leitung des l. Dezirksvorfitzenden, Kam. Prof. Dr. Ä r a e m e r (Gießen), im Gasthaus „Lum Treppchen" in Heuchelheim statt. Lu der Tagung waren zahlreiche Vertreter der Vereine erschienen.
Die Kapelle der Hassia-Jugcndgruppc Lollar leitete die Tagung mit flotter Marschmusik ein. Nach den Begrüßungsworten des Tagungsleiters wurde der Geschäftsbericht für das Jahr 1931 erstattet, dem u a. folgendes zu entnehmen war: Der Bezirk zählte am Schluffe des Geschäftsjahres 29 Vereine mit 2049 Mitgliedern. Don dem Unterverband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen wurden 771 Angehörige des Bezirks betreut. An Unterstützungen haben die Vereine 885 Mark ausgezahlt. An * Rückvergütungen, Verbandsunter. stützungen und Konfirmandenbeihilfen kamen 1900 Mark in den Bezirk Gießen Es bestehen im Bezirk 22 Kleinkaliber Lchießabteilungen. Die Schieß- abteilung des Kriegervereins Gießen könnte dreimal hintereinander den Wanderpreis der ft r i e g e r f a m e r a b f d) a f t Has - f i a erringen, der damit endgültig in den Besitz der 'Abteilung übergegangen ist Die Jugendbewegung der Hassia machte im Bezirk gute Fortschritte: zur Leit steht der Bezirk an erster Stelle in der Provinz Oberhesien. Die Jahresrechnung zeigte einen günftigen Abschluß.
Anschließend wurde zu den Anträgen für den am 12. Juni in Alzey stattfindenden Verbands- t n g Stellung genommen und der Vorsitzende, Prof. Dr. ft r a c m c r (Gießen), zum Vertreter des Bezirks bestimmt.
Bei der D o r st a n d s w a h l wurde der seitherige bewahrte Vorstand einstimmig wiedergewählt.
3m Auftrage des Präsidiums der ftriegerfame- radlchaft Hassia überreichte sodann Kam. Schiff- nie (Gießen) dem B e z i r k s v o r s i tz e n d e n die ihm von der Hassia verliehene H a f s i a - E h r e n - m ü n 3 e , wobei die großen Verdienste des Vorsitzenden um die Hassia unter starkem Beifall der Tagungsteilnehmer gebührend hervorgehoben wurden. Mit einem Musikvortrag fand die Tagung ihren Abschluß.
Unter Vorantritt der Hassia-Iugendgruppe Lollar mit ihren Spielleuten begaben sich die Tagungsteilnehmer anschließend in geschlossenem Luge zur Turnhalle, wo ein gemütliches Beisammensein mit
Wehrfreiheii für Deutschland!
Ein Vortragszyklus an der Landesunivcrfität.
AuS den Kreisen der Stubentcnfdöaft wurde im Wintersemester der Wunsch laut, daß an unserer Universität regelmäßig Borkesungenüber wehrwissenschaftliche Fragen adgehalten werden sollen. Dieser Wunsch fand im oenat ein lebhafte- Echo und einmütige Zustimmung. Alm ihm zu entsprechen, ist an der Lande-univer- fität für da» Sommersemester eine DortragS- folge eingerichtet worden, die fünf Dorträge Gießener unb auswärtiger Autoritäten auf dem weiten Gebiete umfaßt, da» mit dem Thema der Wehrwisfenschaft zusammenhängt.
Am Mittwoch fand der erste dieser Dorträge unter zahlreicher Beteiligung der Studentenschait und Dozentenschaft in der Neuen Aula statt. Dor Beginn begrüßte
Seine Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Vonselow die erschienenen Kollegen und Kommilitonen und gab zunächst enzen kurzen Lieberblick über die Entstehung der Dortragsfolge. Er führte dann aus. daß das entscheidende zentrale Problem für das deutsche Dolk seine Gleichberechtigung in Dezug auf die Landesverteidigung fei- Ihm gegenüber träten alle anderen Forderungen zurück. Die Abrüstung sei un- in dem unseligen Dertrag von Dersaille» auferlegt worden mit der Derficherung. daß auch die anderen Mächte abrüsten würden. Seit Jahr und Tag kämpften wir, um diesen verbrieften Ausgleich herbeizufühven, aber überall seien wir bisher auf Widerstand gestoßen. C- gäbe kein Ruhen und Aasten, unseren gerechten Anspruch immer wieder zu betonen; e» sei ein Ding der ilnmög- lichkeit, das deutsche Dolk in der Grundfrage seiner Existenz, in der Souveränität, einer Ausnahmebehandlung zu unterwerfen und darin feft- Auhalten. Wer wehrlos sei, sei rechtlo-. Wir seien keine Paria» unter den Dölkern und kein sterbendes Dolk, sondern einDolkmit reid>- sterDergangenheit.undstärkstemLe- benswillen. Wenn Frankreich und Polen immer wieder das Recht auf Sicherheit betonten, mit wieviel mehr Gründen könnten w i r infolge unserer zentralen und ungeschützten geographischen Loge diese- Recht für un- in Anspruch nehmen. Die Anregung der Gießener Studentenschaft habe bei ihm freudigste Zustimmung gesunden.
Hierauf richtete der Vorsitzende der Gießener Studentenschaft,
caod. jur. Hann» wehrfritz eindringliche Worte an feine Kommilitonen Immer habe die deutsche Geschichte den kämpferischen Geist der studentischen Jugend gezeigt, und immer feien die Hochschulen Wegbereiter und Künder der geistigen Erneuerung unseres Volkes gewesen. Die letzten 13 Jahre jedoch hätten deutlich gezeigt, daß, abgesehen von all den Idealen, die mit einem wehrhaften Deutschland verbunden sind, vor allem der deutschen Ehre, auch wirtschaftliche, soziale, ethische Gesichtspunkte eine ausschlaggebende Rolle spielten. Alle diese praktischen Fragen müßten
in vollster Nüchternheit behandelt werden, denn von ihrer Beantwortung hinge das Schicksal de» deutschen Volkes, die Zukunft der deutschen Nation, d,e Erziehung der deutschen Jugend ab.
Herr Dehrfrin sprach sodann Rektor und Senat den Dank der (Siebener Studentenschaft für die Unterstützung ihrer Anregung aus, insbesondere den Herren, die sich in liebenswürdiger Weise für diese Vorträge zur Verfügung gestellt haben. Unsere Arbeit fei einSau ft einfurbieCErneuerung unseres Volkes und wirke aufklärend Hinsicht- lich unserer Forderung nach Gleichberechtigung und Wehrfreiheit!
Der Vortragende bes ersten Abend»,
Professor Dr. Gmelin (Gießen)
sprach bann in etwa 1 Sftünbiger Rebe über r i c b l i d) e Kritff mitifl in Politik und Völkerrecht-. Er ging davon au», daß em Krieg nicht unbedingt mit Waffengewalt geführt wird, sondern auch mit anderen Mitteln. Solche Mittel können auch im Frieden angewandt werden. Zwar darf nicht jede Schädigung eines Staates durch einen andern als kriegsähnliche Maßnahme aufgefaßt werden, wohl aber liegen kriegs- ähnliche Maßnahmen vor, wenn aus dem Verhalten eines Staates der Schluß gezogen werden muß, daß er feine Maßnahmen ergreift, um einen andern in feinen wesentlichen Lebensinteresscn zu schädigen. Als solche Maßnahmen können in Betracht kommen die militärische Rüstung als solche, Dündnisie, Maßnahmen des Wirtschaftskrieges, Einmischung in innere Angelegenheiten eines andern Staates; selbst Kriegsverhütungsmittel (wie Schiedsvertrage, Feie- denskonferenzen, Völkerbund) können zu kriegsahn- lichen Zwecken mißbraucht werden. Im letzten Teil feines Vortrages beschäftigte sich der Redner mit den Abwehrmöglichkeiten, die Deutschland gegenüber solchen k r i e g s ä h n l t ch e n Maß- n a h m e n zu Gebote stehen. Au» der heutigen Lage Deutschlands, die noch ungünstiger als die der deutschen Staaten zur Zeil Napoleons I. ist, folgerte der Redner, daß irgendwelche kriegerische Aktion Deutschlands gänzlich aussichtslos ist; aus demselben Grunde auch der Abschluß von Bündnissen. Eine Auf- rüftung ist allerdings anzustreben, damit das Deutsche Reich imstande ist, seine Neutralität zu wahren. Besondere Sorgfalt muß das Deutsche Reich seiner Diplomatie zuwenden, weil sie ihm als Abwehrmittel verblieben ist Sie kann insbesondere der kriegverhütenden Einrichtungen sich bedienen. In dieser Hinsicht ist die Stellung Deutschlands günstiger, als die seines Hauptgegners, Frankreich.
Dem Vortragenden wurde für feine eingehenden, klaren und auf bester Kenntnis der außenpolitifchen Fragen beruhenden Ausführungen, denen mit größ- ter Aufmerksamkeit gefolgt wurde, mit lebhaftem Beifall gedankt.
Der nächste Vortrag findet Mittwoch, 8. Juni, statt; auf ihm wird Professor Dr. M o m b e r t über „Friedliche Kriegsmittel in der europäischen Wirt- schaftspolitik" sprechen.
den Familien und Gästen ftattfanb. Eine rcichhal- tige Dortragsfolge unterhielt die etwa 800 Personen zählende Zuhörerschaft in bester Weise. Der Vorsitzende bes Kriegervereins Heuchelheim, Kamerad Böhmer, begrüßte die Gäste. Sodann sprach Kam. Prof. Dr. ft raemer (Gießen) für den Bezirk Gießen, anschließend kennzeichnete er die all- gemeinen Ausgaben der Kriegervereine. Ein aus der Jugend von Heuchelheim gebildetes Mundharmo- nikaOrchestcr unter Leitung von Lehrer Dr. Reibt (Heuchelheim) erfreute durch gute Vorträge, ebenso auch die Haslia-Jugcndgruppe Lollar durch Darbietungen ihrer Kapelle und der Spielleute, wie durch öebidunorträge und Gesang einiger Jungvolklieber. Der Turnverein Heuchelheim (DI.) bereicherte die Dortragsfolge durch ausgezeichnetes Turnen einer Riege am Hochreck. Sämtliche Darbietungen wurden verdientermaßen mit starkem Beifall belohnt. Der Jugendabteilungsführer, ft am. Karl Brück (Lollar) sprach im 'Verlaute der Veranstaltung über „Wesen und Ziele der Hassia- bzw. Kyffhäuserbewegung", der Provinz Fürsorge- leiter ftam. Otto Bonhard (Gießen) sprach über „Fürsorge und Versorgung der Hassia". Mit Dankes- warten des Kam. Böhmer namens des Krieger. Vereins Heuchelheim und des ftam. Klein (Gießen) namens des Bezirksvorstandes fand die Veranstaltung ihren Abschluß.
Vornotizcn.
— Tageskalender für Freitag. Stadt- theoter: 20 bis 22.30 Uhr, „Dolk in Not". — Oberhessischer ftunftocrein, Turmhaus am Brandplatz: 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Bund „Haus und Schule": 20 Uhr, Johannesiaal, Familienabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Melodie der Liebe".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, Sondervorstellung für den Der ein für das Deutschtum im Ausland (DDA ). Zur Aufführung gelangt _Dolk in Not". Ein deutsches Heldenlied von K. Schön» Herr. Spielleitung Peter Fassott. Der heroische Freiheitskamps der Tiroler unter Andreas Hoser bildet das Thema des Stücks. Hingewiescn sei daraus, daß die Ausführung am Dienstag, 31. Mai. 20 Uhr. al- letzte Dorstc'.lung der Spielzeit wiederholt wird. — Sonntag bleibt das Theater geschlossen - Am Montag, 30. Mai, 19 tthr, zum letzten Male, die große Goethe-Inszenierung des Intendanten „Faust" l.Teil. Die letzte Gelegenheit. die repräsentative Inszenierung des Goethe-Jahres am Stadttheater Gießen zu sehen. Begirm 19 Ahr, Ende 24 U&r.
*• Don der Landes-Universität. Die Pressestelle der Universität Gießen teilt mit. Der Privatdozcnt an unterer LIniversität Dr. jur. Engjsch ist für dieses Semester zur Vertretung des durch den Tod von Geheimen Rat Professor Dr. v. Deling an der Hnicerfität München freigewordenen Lehrstuhls für Strafrecht und Strafprozeß berufen worden
•• Forst Personalien. Ernannt wurden oorbehälllich der Regelung des Dienstalters: die
Oberförster Friedrich Köbler xu Grünberg zum Forstmeister des Forstamts Dornberg. Karl ft ö n i q ju Kirtorf zum Forstmeister bes Forstamts Kirtorf. Friedrich Z i m m e r zu Ulrichstein zum Forstmeister des Forstamts Ulrichstein.
•• Gießener Hochschulgesellschaft. Es sei noch einmal daran erinnert, daß die Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgesellschaft) morgen, Samstag, 17.15 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität eine Festsitzung abhalten wird. Infolge starker Erkältung des Herrn Professors Dr. Ku h n muß dessen Dortrag über „Die deutsche Fiihrerfrage in ihrer Abhängig- feit von Erblichkeit und Umwelt" ausfallen Herr Professor Dr. Bürker hat sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, einzuspringen; er wird über „Die Duplizitätstheorie des Sehens" sprechen.
** Benefizvorstcllung der Mitglieder des Gießener StadttheaterS. Man schreibt uns: Zum Abschluß der diesjährigen Winterlpielzeit veranstalten die Mitglieder des Gießener StadttheaterS zugunsten ihres Ferienfonds eine Benefizvorstellung. Außer Abonnement gelangt zu gewöhnlichen Preisen die hessische Lokalpofse „Der Dattcrich" von Nicbergall am Samstag, 4. Juni, 20.15 Uhr, einmalig zur Aufführung.
“ Maienblasen. Bei dem morgen, Samstag, 19 Uhr, vom Turme der Johanneskirche aus stattfindenden Maienblasen werden folgende Stücke iu Gehör gebracht: 1. Bringt her dem Herren Lob und Ehr. 2 Im hohen Reich der Sterne von Zwyssig; 3. Das treue deutsche Herz von Otto.
" Ausstellung von Sportpreisen. Die Wanderpreise, die von der Leichtathletik- Abteilung des Gießener Männcr-Turnvercins bei den kreisolfenen volk-tümlichen Wettkämpfen in Frankfurt-Rödelheim und in Offenbach errungen wurden sind zur Zeit in den Schaufenstern der Firma Reinig (Stahlwaren). SelterSweg, ausgestellt-
" Schützenverein Gießen. Man berichtet uns Den Abschluß des letzten Dereins- jahres des Schützenvereins Gießen bildete die Zrühjahrs-Hauptverfammlung. Nach den Berichten des Dorstande». die einstimmige Billigung fanden, herrlchte im vergangenen Dereinsjahr trotz der ungünstigen Zeit reges Leben. Dem Verein war es deshalb möglich, zahlreiche sportliche Erfolge zu erringen. Eine vom Dorstand angeregte Besprechung über die Mitgliedsbeiträge fand lebhaften Widerhall. Da- Ergebnis zeugt von dem guten Willen der Schühenbrüder. da die Der- fammlung nach eingehender Aussprache zu dem Beschluß kam, die bestehenden Beiträge angesichts der Aufgaben und Verpflichtungen aufrechtzuerhalten. Das wird um so eher mogli<b fein, albet der Aufstellung de» Haushaltspläne» die allergrößte Sparsamkeit zu erkennen war. ES wurde besonders hervorgehoben, daß sich der Mitgliederstand trotz der herrschenden Wirtschaftskrise in normalen Grenzen bewegte. Jedenfalls ergab die Hauptversammlung ein Bild, daS auch
tm neuen DereinSjahr eine gedeihliche Entwicklung de» Schützen-Verc.n» Gießen erhoffen läßt. — In einem gut besuchten DortragSabend sprach Herr Ferdinand Link- Gießen über die Seeschlacht am Skagerrak, an der er al» Ober- maschinenmaat auf der . Sevdlih" teilgenommen hat. Seine natürliche 'Darstellung, die von echter Vaterlandsliebe getragen war. vermittelte den Zuhörern ein anschauliche» Bild von der Größe des Kampfe» und dem Opfermut der deutschen Manne. Seine von ausgezeichneten Lichtbildern unterstützten Ausführungen sanden reichen und wohlverdienten Beifall.
Der freiwillige Arbeitsdienst im Vogelsberg.
• Schotten, 26. Mai. Der freiwillige A r. b e i t s d i e n ft soll jetzt im Swottener Bezirk eine bejonberc Aufgabe durchfuhren. Mit Zustimmung des Landesarbeitsamles in Frankfurt und der zuständigen Stellen in der Provinz Oberhessen soll durch den freiwilligen Arbeitsdienst die Land» st raße Schotten — Rudingshain v er - breiter! werden Die Verwirklichung dieses Projekts wird einem dringlichen Verkehrseriardernis gerecht, das schon seit langer Zeit immer mehr zutage trat. Durch diese Arbeit werden eiroa 70—80 Leute für einige Monate Beschäftigung finden.
(Sturm im Wetzlarer Giadtporlameni.
Ein Antrag auf Auflösung des Stadt Parlament» abgelehnt. — Mißtrauensvotum für den Beigeordneten Dr. Raab.
Wetzlar, 26 Mai. (WSN.) In der Stadt- »erordnetensitzung am 8. Februar, die über den Untersuchungsbericht des Prüfungsausschusses über die Verfehlungen des früheren 'Bürgermeisters Dr Kühn diskutierte, war es durch den deutsch- nationalen Beigeordneten Dr. Gerhard Raab zu erregten Szenen gekorninen. Dr. Raab hatte durch Bemerkungen wie „SauftoU" und durch Ausfälle gegen den verstorbenen Reichsaußenminister Stresemann große Erregung hervorgerusen. Er hatte daraufhin einen Antrag eingebracht, in dem an das Staatsministerium das Ersuchen gerichtet wurde, die Wetzlarer Stadtverordnetenversammlung aufzulösen und baldmöglichst Neuwahlen anzuberaumen. Begründet wurde dieser Antrag damit, daß das jetzige Stadtparlament nicht mehr das Vertrauen der Wählerschaft besitze, daß es infolge tiefgehender Zerklüftung nicht mehr arbeitsfähig sei. Gestern ve- handelten die Stadtverordneten im Rahmen einer größeren Tagesordnung diesen Antrag. Die Verhandlungen gestalteten sich zu einer entschiedenen Absage an den deutschnationalen Beigeordneten, der gleichzeitig Fraktionsführer ist. Sämtliche anderen Parteien bezeichneten ein solches Verhalten, wie er es an den lag gelegt, als unerhört und provozierend. Es wurde ein Antrag angenommen, in dem dem Beigeordneten Dr. Raab die Fähigkeit zur Ausübung des Beigeordneten» Mandats abgesprochen und ihm das Vertrauen entzogen wird. Dr. Raab erklärte, er sei einzig und allein seinen Wählern verantwortlich und werde fein Mandat nicht n i e b erleg e n. Die Debatte verlief außerordentlich sturmisch. Der A u s l ö s u n g s a n t r a g wurde mit 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Die Sozialdemokraten stimmten hier mit den Deutschnatio» nalen mit der Motivierung, daß sie einen Wahlkampf nicht zu scheuen brauchten, wie die Wahl- ergebnifle in Vilbel und Zwingenberg bewiesen hätten
Rundfunkprogramm.
Samstag, 28. Mal.
7.05 bis 7.25 Uhr: Schallplattenkonzert; anschließend von Baden-Baden Konzert des Mirorchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk „Karls des Großen ftro- nung zu Rom im Jahre 800“. 11: Von der Deutschen Welle Berlin: Feier des Deutschen Evangelischen Kirchenbundes, der Reichsregierung, der Regierungen der Lander und Vertreter Schwedens anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Eoangeli- schen Kirchenbundes und des 300. Todestages von Gustav Adolf. 11.40: Von Lützen: Festgottesdienst 13 Mittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 15.30 bis 16: „Was erwartet die Jugend vom Rundfunk?" 17: Szenen aus „Gaiparone", Operette von Karl Millöcker. 18.25: „Geistige Arbeit in der Freizeit", Vortrag von Dr. Pappenheim. 18.50: „Vom deutschen Nutzholz", Vortrag von Oberförster G. Springer. 19.30: Eine Viertelstunde Lnrik: 2lrmin Schoenberg 19 45 bis 20.15: Heitere Besinnlichkeiten von Victor Auburtin 20.15: Unterhaltungskonzert des Rundfunk-Orchesters. 22.45 bis 24 Nachtmusik.
Änefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
K. G. in Gießen. 3n dem Verhalten der betreffenden Körperschaft liegt kein nachweisbarer Dcrstoß gegen die guten Sitten. Eine Klage auf Grund des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erscheint deshalb al» wenig ausfichtSvoll. Sehen Sie zu, ob Sie auf dem Wege gütlicher Dereinbarung doch noch etwas erreichen können.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Die Ruhrkohle, die wegen ihrer hohen Heizkraft schon immer als besonders vorteilhost und sparsam für den Hausbrand galt, erfahrt trotz der bisher schon sehr erheblichen Herabsetzung ihrer Preise noch eine weitere Preisermäßigung während der Sommermonate, und zwar gelten diese Sommerpreise für Ruhr-Anthrazst, Ruhr-Anthrazit Eiformbriketts und Ruhr-Brechkoks. Die Auswahl der drei Brenn- ftoffc ist so getroffen, daß für jede gebräuchliche Heizungsart ein passender Ruhr-Brennstoff zu ermäßigtem Sommerpreile vorhanden ist Die Dreis- nachläste sind im Mai am größten Ab August gelten wieder die üblichen Preise. Jeder Kohlenhändler gibt Auskunft 4089V
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