dicht unter die Mündung des Ausgusses. Das Tropfen wird alsbald aufhören und der Ge- schmal des Getränks wird nicht beeinträchtigt.
Reinigung von Spielkarten. Man bereitet eine Mischung von lauwarmem Wasser und Salmiakgeist oder Kölnischem Wasser; damit reibt man die Karten ab. Rach dem Trocknen reibt man sie noch mit Talkum ab.
Reinigung von Schwämmen. Alm einen Schwamm zu reinigen, man ihn für einige Zeit in kaltes Wasser, alsdann drücke man ihn aus und lege ihn wiederum in etwas Wasser, dem der Säst einer Zitrone beigefügt ist. Ab
und zu wird der Schwamm ausgedrückt und schließlich gespült und an freier Luft getrocknet.
Steinguttöpfe, in denen früher Gier in Wasserglas oder Garantol eingelegt waren, behalten leicht weihe Ränder, und die Hausfrau scheut sich, sie weiter zu anderen Zwecken zu verwenden. Es gibt aber ein Mittel, die weihen Ränder zu entfernen, wenn man aus Wasser und benzocsaurem Natron eine Lösung bereitet, mit dieser die Töpfe ausscheuert, worauf sie gut nachgespült werden. Dann kann man getrost Salzbohnen, Sauerkraut oder Pökelfleisch darin einlegen.
Auch Paris in der Krise!
Don unserem §°Derichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Paris, Ende Januar 1932.
Der Präsident der Kammer sprach bei deren Eröffnung unter anderem auch über das aktuellste Thema, über die Krise. 2hm ist es erlaubt. Aber gewöhnlichen Sterblichen nimmt man's oft übel. Wir erinnern uns noch an das Bankett, wo neben der Menükarte bei jedem Gedeck eine kleine Karte daran erinnerte, daß man von der Krise nicht sprechen dürfe. Solche Kuren sind seit dem seligen Cou6 und dem Bogel Strauh beliebt. „Qa passe, ga passe“, es geht vorüber ... es ging aber leider nicht vorüber. Obwohl man lange genug hartnäckig schwieg. Das war peinlich genug, besonders für den Pariser, der so gerne die Dinge offen bekrittelt. Cs wirste beinahe wie ein erfrischender Luftzug, dah man endlich von hoher offizieller Stelle das Schweigegebot durchbrach. Nur, dah davon auch nichts besser geworden ist, denn die Gründe der Krise sind immer noch tabu.
Der Präsident der Kammer sprach wie ein Philosoph, er hütete sich vor Prophezeiungen und vertraute, wie er sagte, auf die Fähigkeit der Franzo'en, sich zu beschränken. Es heiht, dah die Pariser in ihrer Lebensführung besonders elastisch sind, sie beschränken sich, ziehen sich auf das Land zurück — sie haben's ja n-cch dazu — und erwarten hoffnungsvoll die besseren Zeiten. Das bezieht sich vor allem auf das elegante Paris, es wurzelt auffallend stark auf dem Lande. Die Bank ist vielleicht pleite, die Aktien und Renten wertlos, verdienen kann man nicht, aber als letzte Zuflucht bleibt das kleine Landgut oder die unverkäufliche Billa am Meeresstrand. Manche Badeorte, die in der Hochsaison leer standen, bekamen überraschenderweise jetzt elegante Pariser, die sich auf das fast vergessene ..Chalet" besannen. Die kleinen Fenster werden hell, das Radio ertönt, es ist der Luxus, den man sich erlauben kann.
„Fauche" (abgemacht) lautet das Modewort für die Opfer der Krise. Fau h6, das ist fast eine Mode, ein neuer Lebensstil, man behauptet wenigstens, dah es „faux-fauches“ gibt, Leute, die aus Snobismus sich als Opfer der Kris« benehmen, um die Mode mitzumachen, wo doch ihre Börsen voll sind. „Es scheint, dah wir Snobs sind“. sagt der Bettler zu seinem Kollegen auf dem Deckblatt einer satirischen Zeitschrift. Falsche oder echte, es gibt der Verkrachten mehr als genug. Eine Fahrt durch die vornehmen Stadttelle von Paris kann jeden davon überzeugen. Hebet» all prangen di« Schilder „Zu vermieten“. Die neuen, eleganten Mietspaläste des Westens stehen leer. Ebenso die eleganten Geschäftsräume an den Champs-Clhs6es. 2n dem eleganten Quartier Passy — die bevorzugte Gegend der eleganten Angelsachsen — stehen vier Fünftel der Wohnungen leer. D'e Grohwohnungen sind am schlimmsten daran. Da sie überflüssig geworden sind, werden sie erbarmungslos auf- geteilt, Mörtelwande werden gezogen, neue Treppen erbaut, rechts kommt der eingebaute elektrische Kühlschrank, links der dog-room, jede mit der entsprechenden Anzahl von Zimmern; im Handumdrehen hat man statt einer, zwei unvermietbare Wohnungen.
Der Fremdenverkehr stagniert. Keine
Oer Bäcker von Limburg.
Anekdote von Wilhelm Schäfer.
In Limburg kam ein Bäcker zur Franzosenzeit dazu, im Zorn der alten Griechen und nackten Leibes ein Held zu werden. Er wohnte jenseits der Lahn bei seinem Backhaus und war ein staki- ger Kerl mit schweren Knochen, der sich seit seiner Wanderschaft als Junggeselle bescheiden bei seinem Handwerk hielt. Wie der im Winter einmal die ersten Wecken aus dem Backofen holte, mochte ein frühes Licht den Marodeuren ein bequemes Frühstück verraten haben. Er hatte gerade den warmen Brötchen mit Kleisterwasser den Glanz auf ihren knusperigen Bauch gestrichen, als ihm ein halbes Dutzend dieser Kerle ins Backhaus brach und sein Gebäck hohnlochend in die Leinensäcke scharrte. Weil sie mit Säbeln und geladenen Flinten besser bewaffnet waren als er mit seinem hölzernen Schie- der, so dachte er zuletzt: Was hilft es viel? Sie schlagen und sie schieben dir die Knochen entzwei un deine Wecken haben sie doch! Nur als sie ihm sein wollenes Kamisol wegnahmen, das an dem Backtrog hing, war er doch wild. Da zogen sie ihm mit Gewalt die Bäckerschürze und die Hosen, selbst noch die Strümpfe aus und jagten ihn hinaus, barfuß mit Hemd und Zipfelmütze in den frostkalten Morgen. Wie er dann ihrem Hohn entrann, verbleut und blutend, und über die steinerne Lahnbrücke hinauf nach Limburg lief, war da schon alles voll Geschrei und Schüssen. In alle Häuser drangen sie und plünderten und stachen mit Bajonetten tot, was sich noch wehrte. So schlich er sich im Hemd durch? dürre Gebüsch am Ufer hin und kroch zu- letzt in einen Binsenverschlag, den sie da für das grüne Futter im Sommer hallen, und der nun leer war. Da saß er bis zur Helligkeit, sah manches Feuer blutrot leuchten im kalten Nebel und wartete, ob sie ihm drüben das Seinige auch niederbrennen würden. Er war es zwar gewohnt, in dünner Klei- düng zu hantieren, auch im Winter; doch fo im Hem^ auf einem kalten Brett zu sitzen, obwohl die Nebelnäffe den frostigen Staub schon klebrig machte, bekam ihm schlecht.
So kam er, als die Schüsse und das Geschrei mit dem hellen Tag nachließen, verfroren und zähneklappernd an die Lahnbrücke zurück und wollte sich nach Hause schleichen. Darüber sahen ihn drei Kerle, die betrunken aus einer Wirtschaft fielen, und jagten mit ihren Waffen hinter ihm her, wie wenn sie einen Hafen aufgestöbert hätten. Er bätke sich noch
Angelsachsen, keine Deutschen, keine Südamerikaner, keine Luxusreisende überhaupt. Infolge der strengen Devisensperren in vielen Ländern bleiben sogar die Geschäftsreisenden weg; das verändert das Bild des Pariser Lebens. Es ist französischer geworden, der internationale Charakter verschwindet, das Nachtleben schrumpft zusammen. Aber, man sagt, das sei nur in Paris der Fall, in der Provinz soll es mancherorts lebhaft zugehen, eben weil die Leute kein Geld für die Reise nach Paris haben.
Die Ausländer sind nichtsdestoweniger an der Tagesordnung, ober eine ganz andere Klasse. Die Einwanderer, die in Frankreich ihr Brot verdienten, werden in immer größeren Mengen arbeitslos. Die ansteigende Welle der Arbeitslosigkeit ersaßt sie zuerst. Detriebsbeschrän- kungen und Stillegungen überall. Immer neue Kategorien der Wirtschaft werden davon erfaßt, man flüchtet vergebens von einer in die andere. „Pas d'embauche?" lautet die traurige Frage, wie einst im Amerika das berühmte „no- work“. Lind die Antwort ist immer „Nein". Man geht vergebens von Fabriktor zu Fabriktor. Dis man bei den Konsulaten landet, vor denen die Schlangen der Hilfsbedürftigen immer länger werden. Die Behörden transportieren die Arbeitslosen samt Familien in geschlossenen Gruppen nach dem Heimat lande zurück. Dor ein paar Tagen intervenierte der polnische Außenminister am Quai d'Orsay, man möge seine arbeitslosen Landsleute doch lieber bebalten ... Aber so weit reicht die Freundschaft doch nicht.
Den Franzosen geht es nicht besser. Arbeiter und Stehkragenproletarier — das Wort wurde ins Französische überseht — müssen von den Gemeinden unterstützt werden. Laute Kundgebungen sind keine Seltenheit mehr, am Silvesterabend gab es welche auch in den Unter* baltungsvierteln auf dem Montmartre und am Monkpamasse. Die Derzweifl"ng ist eben ein schlechter Ratgeber; nach den Werten des Han- delsministers ist es heute jedermanns Pflicht, möglichst viel Geld auszugeben. Gan^ besonders, weil der Export ftiUiegt. Es gibt Länder, die soweit verarmt sind, daß sie nichts kaufen können, andere umgeben sich mit unübersteigbaren Zollmauern. So England. Allein die englischen Zölle z. B. haben es bewirkt, daß die Zollunion mit Belgien wieder aufs Tapet kam. Ihre Anhänger erflären, daß es sich dabei um keine Zollunion handelt, das ist bekanntlich ein Attentat gegen den Frieden Europas — siche Deutschland und Oesterreich —, sondern eben um eine Zollunion. Die feine Logik dieser Argumentation wird keinem entgehen.
Die meiste Sorge bereiten die Länder, in denen die Devisen sperre so streng ist, daß die Waren, auch die bereits übernommenen, nicht bezahlt werden können. Es sind riefiae (Summen auf diese Weise eingefroren. Cs gibt kaum no<b einen internationalen Warenaustausch. Die Handelsbilanz war anfangs katastrophal, jetzt wird sie besser, da auch die Einfuhr zurückgeht. Man schimpft auf die Politiker und hofft auf eine Aenderung nach den Wahlen ... Aber mit dem Mut zur Ehrlichkeit ist's nicht sehr weit her.
über die Brücke retten können, trotzdem ihm eine Kugel unterm Arm durchs Hemd fuhr, wenn er den andern Marodeuren nicht in die Flinten gelaufen märe, die vordem in fein Backhaus eingebrochen maren. Die trieben ihn zurück bis mitten auf die Drucke und zogen ihm zum Hohn auch noch das Hemd aus. Er war auch ohne Kleider immer noch der Bäcker und hatte Furcht, fein Leben zu verlieren; doch wie der große Kerl mit den haarigen Gliedern splitternackt dastand, sah es schon aus, wie wenn ein großer Wolfshund unter Pinscher ge- raten wäre. Und als ihm einer auch noch die weiße Zipfelmütze vom Kopf riß, die als fein Handwerks- Zeichen den Zorn in Demut niedergehalten hatte, fo daß ihm nun der kalte Wind ins Haar fuhr: war es kein Bäcker mehr, der im Winter nackt und frierend auf einer Brücke stand, da war es nur noch ein großes Menschentier, dem die Verzweiflung die Korperkräfte in Wildheit löste. Das schlug dem Kerl, der sich die Zipfelmütze kläffend über fein Käppi ge- Zagen hatte, so ins Genick, daß es abbrach; und wie ein anderer ihn von hinten anfallen wollte, packte er ihn beim Tornisterriemen und warf ihn über das gemauerte Geländer hinunter in die Lahn. Wie das den Plumps tat und nur noch das schwarze Winter- wasser seine Kreise schlug, wo eben noch ein Kopf und ein Paar Stiefel durcheinander gezappelt hatten, bevor es weiter unten mit einem Arm her- auf kam und wieder sank; da liefen einige, ihrem Kameraden zu helfen, während die andern mit Hetz- geschrei ihn selber hinterher befördern wollten. Doch weil sie in der Wut vergaßen, daß sie nur mit den Waffen stärker waren, und ihn nach Art balgender Buben angreifen wollten: da sah es wirklich aus, wie wenn ein gelber Wolfshund einen nach dem andern von diesen kleinen, schwarzen, betrunkenen Kerlen zwischen die Zähne genommen hätte. Es ging nicht immer gleich beim ersten Griff, einer schlug erft mit dem Kopf hohl an die Mauer, daß nur fein Käppi im Trockenen blieb, und zwei andere verbissen fid) so an ihm, daß sie ihn selber fast mit- gezogen hatten, als er den Knäuel über den Rand hinunterwälzte. Einige fanden auch noch Zeit, nach ihm zu schlagen und zu stechen, auch waren alle mit ihren Ketten und Schnallen stachlich genug, fein bloßes tfell mit roten Striemen zu betragen, an denen das halbgefrorene Blut in Tropfen hing.
Und fchließlich, als er ein halbes Dutzend dieser zappelnden schwarzen Brote in den kalten Backofen hinuntergeworfen hatte und schon müde wurde, mußte ihm auch noch der Zufall helfen, indem eine £D*ar von Bürgern aus der Stadt heruntergelaufen
Hessische Lan-wirifchastlicheWoche
WSR. Darmstadt, 25. Jan. In der Dor- tragsrcihe der Hessischen Landwirtschaftlichen Woche sprach am zweiten Tage zunächst Pcof. Dr. Sesfous, der Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzcnzüchtung an der Universität Gießen, über das Thema:
„Welche Ratschläge können den Landwirt in heutiger Zeit auf dem Cei'.et des Acker- und Pflanzenbaus gegeben teeren?“
In seinem von Lichtbildern unterstützten Referat ertlärte der Dortragende u. a.:
In einer Zeit wirtschaftlicher Not Ratschläge erteilen zu wollen, ist immer ein schwieriges Unterfangen. Sie dürfen unter keinen Umständen irgendwelche nen..e.rswerten Mehrausgaben voraussetzen, es dürfen höchstens Ratschläge fein, die es gestatten, bei gleichem Aufwand mehr zu erzielen, oder womöglich bei verminderten Ausgaben einen Mehrertrag oder höhere Leistung oder Qualitätsverbesserung zu erreichen. Leider muh man immer wieder die Feststellung machen, daß so manche schon seit langem erprobte und empfohlene Maßnahme nicht die Derbreitung und Nachahmung gefunden hat, die sie verdient, so dah es zunächst notwendig ist, immer wieder auf deren Befolgung hinzuweifen, bevor weitere Ratschläge gegeben werden. So läßt z. B. die zwedmähige Saatguterneuerung in vielen Wirtschaften noch zu wünschen übrig, auch geht man den bekämpfbaren Pflanzenkrankheiten keineswegs so zu Leibe, wie es sein mühte. Alljährlich gehen auf diese Weise noch unendliche Werte verloren. Der Vortragende zeigte an Hand neuerer Arbeiten den praktisck)en Erfolg der sog. Arbeitskoppelung, d. h. die Vereinigung von zwei Geräten, z. B. Pflug und Ackerschleife oder Walze und Egge oder Kultivator und Egge. Der Redner wies dann auf die auherordentliche Bedeutung des Kartoffelkrautes hin, dessen düngende Wirkung noch völlig verkannt würde. Unter manchen interessanten pflanzenbaulichen Fragen, die der Redner dann noch anschnitt, wies er auf die Möglichkeit mit dem sog. Kreuzungsroggen durch die Heterosiswirkung die Ertragssteigerung nach Kreuzung auszunuhen. Sie ist am Institut für Pflanzenbau ebenfalls einwandfrei erwiesen und beträgt im Durchschnitt der Jahre gegenüber den reinen Sorten etwa 5 Prozent Mehrertrag. Unter den Ratschlägen beim Hackfruchtbau wurde auf die Bedeutung der Kartoffelherkunft, welche die Sortenleistung oft übertrifft, hingewiesen. Dorn Schneiden der Saatkartoffeln sollte, wenn irgend möglich, Abstand genommen werden, da es im Durchschnitt eine lOprozentige Minderernte zur Folge hat; die Uebertragungsmöglichkeit von Krankheiten durch das Messer wurde gezeigt. Es läßt sich nur da rechtfertigen, wo zu großes Originalfaatgut gesteckt werden soll. Der Vortragende machte auf den Einfluß der Fehlstellen auf die Rübenerträge aufmerksam und wies an Hand einer Rundfrage nach, wie stark die Verluste durch ungleichmäßigen Stand seien. Mit einigen Hinweisen auf die Folgen eines etwa weiter einzuschränkenden Rübenbaues und den dann notwendigen Ersatz schloß der Redner seine interessanten Ausführungen.
Nach einer kurzen Aussprache behandelte Oberregierungsrat Morneweg, Darmstadt,
„Die Bedeutung deS Deichsmilchgesehes für die Landwirtschaft".
Dieses Gesetz, das zum besten der Landwirtschaft und zum gesteigerten Verbrauch der deutschen Markenmilch eingeführt wurde, ist soeben in Kraft getreten. In der Aussprache zeigte sich, daß verschiedentlich noch Unklarheiten über Einzelheiten des Gesetzes bestanden hatten.
Oie Beratungen der Geflügelzüchter.
Im Fürstensaal tagte der Landesverband der Hessischen Geflügelzuchtvereine. Gewerbelehrer i. R. B r o h m, Darmstadt, sprach über „Zweck und Zielder Herdbucheinführung in der Geflügelzucht". Zur Erzielung eines wirtschaftlichen Effektes sei es notwendig, nur mit gesunden, seuchenfreien und leistungsfähigen Tieren zu arbeiten. Angesichts der noch bestehenden Verwirrung der Hühnerarten fei die Einführung des Herdbuches dringend
notwendig, denn zu oft fielen Käufer von Jungtieren auf unreelle Reklame herein. Gewih fd die Rasfezucht leichter, aber wirtschaftlich nützlich sei allein die Leistungszucht.
In der Aussprache betonte der Leiter der Tierzuchtabteilung der Hessischen Landwirtschaftskammer, Dr. Denker, sämtliche deutschen Länder hätten erst im Laufe der letzten zwei Jahre die Herdbuchzucht in Angriff genommen. Dies erfordere allerdings von den Züchtern Aufwand an Arbeit und Geld und könne nur von den auserlesensten Ziich ern betrieben werden. Dr. Lang, Assistent des Gießener Tierzuchtinstituts, begrüßte den Meinungswechsel im Verband der Geflügelzüchter, die jetzt die LeisNingszucht bevorzugten. Abschliehend skizzierte Dr. Denker das Programm der von der Landwirtschaftskammer geplanten ausbauenden Geflügelzucht und Herdbuchzucht in Hessen. Die Herdbuchbestimmungen seien bei der Landwirtschaftskammer zu erhalten.
Oer Abschluß der Haupttagung.
Am letzten Tage der Haupttagung sprach zunächst Prof. Dr. Kleberger vom Landwirtschaftlichen Institut in Gießen übetrbaÄ Thema:
„Düngung und Fütterung in der heutigen Zeit".
Der Vortragende wies in feinen Ausführungen auf den starken Rückgang im Verbrauch der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, wie Fleisch, Milch. Zucker, Getreide usw. und den gewaltigen Kaufkraftrückgang der städtischen Bevölkerung hin, zu dem sich in den letzten Jahren noch ein ungewöhnlicher Preissturz bei fast allen landwirtschaftlichen Produkten gesellte. Dieser Einnahme- Rückgang müsse den Landwirt zur Sparsamkeit veranlassen, und zwar auch dann, wenn die Düngung an sich rentabel, jedoch eine lOOprozentig, Sicherheit nicht dafür gegeben sei, daß der Landwirt auch einen entsprechenden Preis nach der Ernte für seine Erzeugnisse erhalte. Auch solle der Landwirt nur solche Düngemittelarten verwenden, die auf Grund der im engeren Bezirk angestellten Düngungsversuche den höchsten Mehrertrag verbürgten, ohne durch schädliche Nebenwirkungen die Unkosten der Produktion zu verteuern. Der Redner hält die Durchführung von Düngungsversuchen für die Wirtschaftsberatung für unbedingt erforderlich. In der Frage der Fütterung habe der Landwirt zu versuchen, soweit wie möglich mit betriebseigenen Futtermitteln auszukommen und beim Zukauf von Kraftfuttermitteln die eiweißreichen Futtermittel zu bevorzugen. Im Kuhstall habe der Landwirt je nach der Milchergiebiakeit der Tiere verschieden stark zu füttern und durch Mischen mehrerer eiweißreicher Futtermittel, zu erreichen, dah die Tiere das Eiweiß in den verschiedensten Formen in den dargereichten Futtermitteln erhalten.
Den zweiten Vortrag erstattete Direktor Ten- h a e f f vom Reichsve'band der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften. Er behandelte das Thema:
„Fragen des Gemüse- und OdstabsatzeS".
Der Redner kam nach einer Skizzierung der in Deutschland noch immer herrschenden llneinheit- lichkeit im Anbau und Absatz der Gemüse- und namentlich der Obstproduktion zu dem Schluß, dah eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Abfatzgenossenschaften notwendig fei. Die Genossenschaften hätten zunächst das qualitativ beste Obst in anreizender Art zum bestmöglichen Verkauf zu bringen und die unterschiedlichen Qualitäten zu einem rentablen Preis abzu- setzen.
Nach einer kurzen Aussprache schloß Präsident Hensel die Tagung.
Obst- und Gartenbau-Tagung.
In der außerordentlichen Hauptversammlung des Landesverbandes der Obst- und Gartenbauvereine sprach Obstbauinspektor E n k l e r vom Landwirtschaftskammerausschuß Gießen über die aus dem Jahre 1931 für den Obstbau sich ergebenden Lehren.
kam. Die hatten sich mit Stangen, Sensen und alten Waffen wehren wollen und waren doch vor einigen Franzosen davongelaufen, die nun schießend und mit Hetzgeschrei dahinter herjagten. Wie die Bürger jetzt den nackten Bäcker bei seiner Arbeit sahen, und daß die Kerle mit den Tornistern schlecht schwimmen konnten und auch für die andern noch Platz da unten war, und daß es schmählich von so vielen wäre, vor einigen Flinten davonzulaufen, indessen der eine nackten Leibes wacker stand: da ließen sie die schreienden Franzosen bis auf die Brücke kommen und achteten dann die Schüsse und auch die Bajonette nicht. Und ehe noch der bucklige Drtsfdjrei- der, der auch mit einem Säbel dabei war, den Tatbericht hätte aufnehmen können für die Ordnung der Obrigkeit, hatten alle Franzosen den Brückensprung getan und nur weit unten krochen einige, die sich mit Schwimmen gerettet hatten, wie Ratten aus dem schwarzen Wasser. Die ließen sie fürs erste kriechen; aber wo noch irgendwie die Weiber und die Mädchen schrien, weil einer von den Kerlen im Hause war, da brachten sie ihn rasch heraus ans kalte Tageslicht, und noch viel weiter in die Kälte, fo daß in einer halben Stunde Limburg die unbequeme Einquartierung schon wieder losgeworden war.
Dem Wolfshund auf der Brücke war es fo warm geworden, daß er die Kleider jetzt leichthin entbehren konnte. Doch rote er sich das Käppi des Franzosen aus dem Dreck aufhob und feine Zipfelmütze davon obzog, sie als das Zeichen feines ehrsamen Hand- werks wieder auf den struppigen Kopf zu fetzen: da war er auch ohne Hemd und Kleider nur ein Bäcker aus Limburg. Weil der nicht so nackten Leibes auf der Straße bleiben durfte, auf die sich schon die Kin- der, auch Frauen und selbst Mädchen wagten, mußten sie ihn da zu mehreren in einem dichten Haufen nach Hause bringen, daß nur darüber weg die nackten Schultern und die Zipfelmütze zu sehen waren, daran ein dünner Strich von Blut ihm mitten auf den Rücken hinunterlief.
Wie landet ein Flugzeug bei Nacht?
Die Zeit ist längst vorbei, in der die Flugzeuge, genau wie die Eisenbahn in ihren Kindertagen, nur bei Tage verkehrten. In der Nacht finden sie ihren Weg, ähnlich wie Schiffe durch leuchtende Bojen, durch zahlreiche unü mannigfaltige Lichter. Im Februarheft von VelhagenLKlasings Monatsheften — die gut ausgestattete Zeitschrift hat ihren Preis übrigens auf 2,10 Mark
herabgesetzt — finden wir herrliche Aufnahmen dieser ebenso wichtigen wie schönen Anlagen. Wo der Flugplatz selbst liegt, das sieht der Flieger durch ein Ansteuerungsfeuer, meist ein Drehfeuer. Gleichen die Drehfeuer auf der Strecke den Wegweisern und infolge ihrer bestimmten Entfernung voneinander auch den Meilensteinen der Landstraße, so spielt das Ansteuerungsfeuer die Rolle des Leuchtturms für die Schiffahrt. Der Flieger " steuert zunächst darauf zu. Kommt er näher, so geigen ihm die Llmrandungsfeuer die Landungsfläche. Diese Llmrandungsseuer können in verschiedener Weise ausgesührt werden. Sowohl Glühlampen wie Neonröhren sind brauchbar. Durch die Llmrandungsfeuer wird, wie schon der Name sagt, der ganze Flugplatz bzw. die Landungsfläche abgegrenzt, aus der Dunkelheit her- voraehoben. Der Flieger weiß: dort, wo es heraufleuchtet, mutz ich niedergehenl Aber das Niedergehen hat mit großer Genauigkeit zu erfolgen. Auf allen Flughäfen sind besondere Grenzen für den Start und für die Landung gezogen. Deshalb muß der eigentliche Landeplatz noch einmal besonders bezeichnet werden. Die für diesen Zweck verwendeten Beleuchtungseinrichtungen — entweder eng aneinander stehende Neonröhren, die durch Drahtnetze gegen Verletzungen geschützt sind, oder Scheinwerfer — sind beweglich ausgestaltet, so daß man je nach der Windrichtung bald diese bald jene für die Landung besonders günstig gelegene Stelle abgrenzen kann.
docbfcbulno*rid>fen
Geheimer Baurat Prof. Dr.-Inq. e. h., Dr. rer. pol h e. Otto B e rndt, der frühere langjährige Vertreter des Maschinenbaues an der Technischen Hocyschule in Darmstadt, begeht am 29. Januar seinen 75. Geburtstag. Pros. Berndt, der aus Neu-Ruppin stammt, erhielt seine Ausbildung an der Berliner Technischen Hochschule und stand mele Jahre im Dienste der Preußischen Staats- eisenbahnen. Von 1892 bis zu seiner 1927 erfolgten In Berndt als Ordinarius in
Darmstadt. Der Gelehrte hatte zugleich einen Lehr- ouftrag für Maschinenlehre an der Frankfurter Uni- Oenlta/,‘!J5e,\j2auPt9ebiet sind Dieselmotoren.
Amtlich wird die Ernennung von Prof. Dr. med., Dr. raed. vet. h. c Wolfgang H eubner in Hei. beiberg zum ordentlichen Professor der Pharma- kvlogie an der Universität Berlin als Nachfolger oon Prof. P. Trendelenburg bestätigt.


