Ausgabe 
26.11.1932 Frühausgabe
 
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*** Thcaterleberrs ein. Intendant Dr. Prasch er-

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nicht nur diese Strafe zu verbüßen, sondern noch weitere zweihundert Tage Gefängnis als Ersaß- strafe für eine Geldstrafe von 50 000 Mk., die er bisher nicht bezahlt hat und wahrscheinlich nicht bezahlen kann. Gegen Sklarz laufen, wie letzt bekannt wird, auch noch bei der Staatsan­waltschaft ein Ermittlungsverfahren we­gen des Verdachts des Betruges in zwei Fäl- len und ein weiteres wegen des Verdachts deS Konkursverbrechens.

Mik dem Aula tödlich verunglückt.

Dr. Paul Müller, Mitinhaber der Sektkellerei Math. Müller aus Eltville, ist in der vergangenen Nacht auf der Straße von WiesbadenNiederwalluf mit seinem Kraftwagen tödlich verunglückt. Aus bisher noch nicht völlig geklärter Ursache ge­riet der Wagen in den Straßengraben und über­schlug sich, roobei Dr. Müller herausgeschleudert wurde. Er ist den schweren Derletzungen alsbald erlegen.

Freundlicher Empfang des deutsch-schwedischen Hochzeitspaares in Stockholm.

Der erste Direktor des Stadttheatcrs war Her- mann c teing Detter, dec im Jahre 1903 zum weiter des sogenannten, vom Theaterverein be­gründeten Ctädtebundtheaters (Gießen Mar­burg, Dad-Vauheim) unter 60 Bewerbern ge­wählt worden war und ein Vierteljahrhundert lang, vier Jahre im Leibschen Saal und 21 Iahre im neuen Hause, die Geschicke des Gießener Thea­ters geleitet hat. Seine noch unvergessenen Ver­dunste sind bei seinem Ausscheiden im Iahre 1928 (üestvorstellung: L ommernach ts träum") eingc- ...gewürdigt worden. Steingoetters langjährige, umsichtige und ausbauende Inten­dantentätigkeit hat recht eigentlich den Grundstein gelegt zu dem. was wir heute künstlerisch wie auch im Verkehrs- und Wirtschaftsleben der Stadt ~ unserer Bühne besitzen. Cs ist eine Pflicht oer Dankbarkeit, heute dessen zu gedenken, was Hofrat St eingoet ter, zumal während der schwierigen Rachkriegs- und Inflationsjahre, von warmer Liebe zur Kunst erfüllt, unverdrossen und unermüdlich geleistet hat. Von vielen Theater­freunden betrauert, ist er, wie man sich erinnert schon wenige Monate nach seiner Gießener Ab­schiedsvorstellung im wohlverdienten Ruhestände m der Rahe von Stuttgart, gestorben.

Im Iahre 1928 übernahm dann der jetzige In- Pra'ch. di« Leitung 6c4 Ltadttheaters. Mit seinem Amtsantritt setzte eine neue und kräftige Aufwärtsentwicklung unseres

Um Deutschlands Rückkehr in die Genfer Abrüstungskonferenz.

Neuraths Vorverhandlungen in Genf.-Deutschlands Bedingungen unverändert.

Macdonald und Hernot werden erwartet.

wies sich im Laufe seiner bisherigen Tätigkeit nicht nur als ein künstlerisch vielseitig befähigter Büh­nenleiter, sondern auch als energischer und weit­blickender Organisator, wie ihn eine auf ganz ge­ringe Zuschüsse angewiesene Provinzbühne gerade heute dringend braucht. Mit einer tiefgreifenden Reorganisation des internen Betriebes ging eine Erneuerung des Ensembles, eine Vervollkomm­nung des technischen Apparates, die Pflege eines starken Abonnentenstammes und die Aufstellung eines Spielplanes Hand in Hand, der den beson- beren Bedürfnissen und Anforderungen eines mit­telstädtischen Theaters verständnisvoll angepaßt war.

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Was ich am Abend des Wahltages schon er­klärte. wiederhole ich daher heute: Dieses System muh in Deutschland niedergebrochen werden, wenn nicht die deutsche Nation zerbrechen soll. Der Kampf wird daher weitergeführt. Unb wer den Weg dieses Kabinetts- vom Iuni bis heute mit offenen Augen verfolgte, der weiß, wer der Sieger sein wirdl gez.: 2ldolf Hitler."

peu e als Mitglied der Theater^Deputation tätig i>t und sich um das Theaterleben in Gießen be­deutende Verdienste erworben hat, schildert in einem interessanten Aufsatz der schon erwähnten Festschrift, wie sich der Liebergang vorn alten zum neuen Hause, aus den unzulänglichen Räumlich­keiten des Leibschen Saales in der Walltorstrahe in das neue unb stattliche Heim vollzog, mit dem Zne Stadt Gießen ein Theater erhielt, wie es nicht viele deutsche Provii^stäöte von gleicher Große auszuweifen haben. Der Theaterbau ent- Plänen von Fellner und Helmer in Wien und des Architekten Hans Meyer in ©ufjen. 3m Vorspruch zur Festschrift rühmt der zehige Gießener Oberbürgermeister Dc. Keller »Interesse, Verständnis und Begeisterung" der Bevölkerung, die das Werk zustande brachte: »So ist es geschehen, daß weit überwiegend durch eine beispiellose Opferwilligkeit der Bürgerschaft und mit nur geringem Zutun der Stadt vor 25 Iahren

^taZ>tt^eatcr errichtet werden konnte, das mit Recht die Inschrift trägt: »Ein Denkmal bür­gerlichen Gemeinsinns." Im Gießener Anzeiger v?m Mittwoch, 21-Iuli 1937, kann man den aus- suhrlichen Bericht über die Einweihung des neuen uno die festliche Eröffnungsvorstellung nach lesen.

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®in6'Ä" Ausgabe abschllevt, der beiden Koinmmis Areditüberlchreitunge StrahenarbeitenM Mb diese/ebeAchre Men. Der Äiede Lisstände wurde nn Jürgemeisler Dr.

«n Erklärung namen * 'M Me W der neuen Schul voll Wasser, vollkomi sich vielmehr in dur finden.

3m Anschluß an noch eine kurze nich!

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2om Oberhessischei schrieben:

Sonntagmorgen bc Ausstellung des Kun ausstellung hatte bis Hilfe. Denn vir fie j hessischer Kuns sie damit nicht ihrer Hilfe, sondern es

Em Blick auf die lange Reihe der ebenfalls in Der Festschrift verzeichneten, seit der Gründung des neuen Hauses aufgeführten Stücke läßt die Fülle unermüdlich geleisteter Arbeit erkennen und vermittelt ein eindrucksvolles Bild von der hin­gebenden Tätigkeit aller am Theater Betei­ligten. In einem Provinztheater wie dem un­teren wird, was man vielfach nicht weiß oder übersieht, Theater gespielt unter grundlegend anderen Voraussetzungen und Bedingungen als etwa in Berlin, in Frankfurt oder selbst in Darm- stadt. Das Gießener Theater ist ganz auf sich allein gestellt, muß sich im Wesentlichen selbst erhalten und hat auch ganz andere Derpflichtun- gen und Aufgaben zu erfüllen als die großen Buhnen im Reich. Hier bei uns ist das Heater als einziges im weiten Umkreis wirklich Kulturträger. Die Theaterleitung kann sich nicht auf andere verlassen, die auch Theater spielen: sie muß in e inem Spielplan zusammenfassen, was in großen Städten mehrere, oft Dutzende von Büh­nen gemeinsam aufführen. Dieser Spielplan muß solide und abwechslungsreich fein; er soll, auf- r,*U "uf dem eisernen Bestände des klassi­schen Repertoires, zugleich den Anschluß an die neue Zeit finden und wahren und soll daneben 6^r?de heute so entschieden sich äußern- , ^dilrfnis weiter Kreise nach Entspannung, ^9 "vd (für ein paar Stunden) unbe- fchwerter Heiterkeit entgegenkommen. Die Thea- tmleitung muß endlich mit einem aus sehr ver­schiedenartigen Bevölkerungsschichten sich zusarn- rnense^noen Desucherkreis rechnen und also den unterschiedlichsten Ansprüchen und Geschmacks­richtungen etwas zu bieten versuchen.

S^aS ^deutet auch für den Schauspieler an der <^ortnzbuhne ein ganz anderes Arbeiten, als es oer Darsteller in der Großstadt, vor allem in -öerlm, gewohnt ist, wo auch heute noch oft ein Zugstück wochenlang allabendlich auf dem Spielplan steht. Wir müssen hier in jeder Woche eine neue Inszenierung (oder mehrere) heraus- bnngen, die abgesetzt wird, sobald sie durchs

Gtadtiheaier-Zubilaum.

Zum TSjährigen Bestehen des neuen Hauses.

Wenn sich morgen vormittag eine festlich ge­stimmte Gemeinde von Kunstfreunden zur wür­digen Feier unseres Stadttheater-Iubiläums zu­sammenfinden wird, so bedarf es wohl heute kaum des Hinweises, daß die in letzter Zeit oft gehörte Bezeichnung25 Iahre Stadttheater Gießen" nicht so zu verstehen ist, als habe es vor dem Iahre 1907 überhaupt kein Theater, keine Schauspieler und keine Vorstellungen bei uns gegeben. Wie man im Gegenteil aus der jetzt erscheinenden, im Auftrage der Intendanz vom Dramaturgen Wolfgang Kühne heraus­gegebenen Festschrift ersehen wird, kann unsere Stadt auf eine jahrhundertalte Theatertradition zurückblicken, und es ist sehr reizvoll, sich in die wechselnden Schicksale und in die stetige Entwick­lung der Dühnenkunst in Gießen eingehend zu vertiefen, deren erste Anfänge bis ins 16. Iahr- hundert zurückreichen. Es ist hier nicht der Raum, ausführlich darüber zu handeln. Was wir mor- tte.n in Stolz und Freude, allen Sorgen einer mißgünstigen Zeit zum Trotz feiern wollen, ist das 25jährige Bestehen des neuen, eigenen Hauses, unseres Stadttheater­gebäudes, mit dessen Errichtung in der Süd- anlaye die Schauspielkunst eine bleibende Statt in Gießen gefunden hat.

Im Iahre der Jubelfeier der Hessischen Lan­desuniversität, die 1607 gegründet wurde, konnte das Haus festlich eingeweiht werden. Im Gie­ßener Anzeiger vom 23. Februar 1907 finden toir eine Rotiz, in der es heißt: ^Gestern wurde im Sitzungssaal der Stadtverordneten-Versamm- lung von Freunden und Förderern des Gedankens der Theater-Gründung in der Stadt Gießen mit der Stadtvertretung eine Gesellschaft m. b. H. unter dem Ramen Theaterbauverein G^ m. b H. gegründet. Der Gesellschaft gehören 38 Mitglieder an, das Stammkapital beträgt 450 000 Tlarf An die formelle Gründung schloß sich direkt die erste Generalversammlung, in der Oberbürger- meister Mecum, bezw. dessen Stellvertreter, so- wie die Herren Prof. Fromme, Beigeordneter Kommerzienrat Hehligenstaedt, Stadtver­ordneter Haubach und Stadtverordneter Kom- dl^s'Im^ichelheim zu Geschäftsführern der Gesellschaft ernannt wurden. Der Thcaterbau- . F^elöst mit 1. Iuli 1936, das Theater nebst Zubehör verbleibt darnach der Stadt

8 DerMung für die unentgeltliche Un® Bauplatzes." Das Theater ist S September 1925 in den Besitz

der Stadt über gegangen. IJ

Besprechungen der letzten Tage werden als eine wertvolle Klärung der gesamten Lage angesehen.

Auf der Grundlage dieser Besprechungen, die jetzt von Norman Davis in Paris mit Her- riot fortgeführt werden, sollen sodann Ende der nächsten Woche die aemeinsamen Be­sprechungen der fünf Großmächte England, Deutschland, Frankreich, Italien und der Vereinigten Staaten beginnen. Dabei wird hervor- gehoben, daß es sich keineswegs um eine Sonder- konftvenz im Nahmen der Abrüstungskonferenz, son- dern nur um einen unverbindlichen p r i Daten Meinungsaustausch handele, und daß diese Besprechungen den ausschließlichen Zweck verfolgten, die Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungskonferenz zu ermöglichen.

Der grundsätzliche deutsche Standpuntt ist den an den kommenden Besprechungen beteiligten Mächten in ben letzten Tagen wiederum mit großer Deut- ttchkeit zum Ausdruck gebracht worden. Man hält auf deutscher Seite aussichtsreiche Berhandlungen über die Rückkehr Deutschlands in die Abrüstungs- konferenz nur dann für möglich, wenn der rar ? l d? s Simon-Vorschlages zur Gleichberechtigungsfrage die Grund- der Verhandlungen bildet und fämt- liche Machte von der selbstverständlichen Tatsache ausgehen, daß in Zukunft die Entwafsnungsbe- st immun gen des Deifailler Vertrages durch die allgemein gültigen Regeln der Ab- rüstungskonvention ersetzt werden Nur unter dieser grundsätzlichen Voraussetzung kann auf eine deutsche Teilnahme an den kommenden Dor- Verhandlungen geredjnet werden.

Eine nach Zehntausenden zählende Menschen­menge hatte sich vor dem Stockholmer Haupt­bahnhof eingefunden, um das junge Fürstenpaar Prinz Gustav Adolf Und Prinzessin Si­bylle bei dec Heimkehr von der Hoch­zeitsreise zu begrüßen. 3m offenen Gala- toagen fuhr das junge Paar, von einer Schwa­dron Gardereiter begleitet, durch die festlich ge­schmückten Straßen zum Schloß, überall von der Menschenmenge stürmisch begrüßt. Auch alle Schiffe im Stockholmer Hafen haben ebenso wie die öffentlichen und die privaten Gebäude ge­flaggt. An vielen Stellen ziehen sich Blumen­gewinde mit den Initialen des Prinzenpaares über die Straße hinweg. Reben der schwedischen Flagge weht an vielen Stellen die deutsche und

Abonnement gelaufen ist und, wenn es gut geht, noch eine oder mehrere Gastspielreisen hinter sich hat. Man bedenke, welche Unmenge von Vor­bereitung, Proben- und Aufführungs-A.bcit da­mit verbunden ist, welche Dauerbeanspruchung, welche Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit des einzelnen Darstellers, dem der alte Begriff des Rollenfaches hier allmählich fremd wird oder einen ganz neuen Inhalt bekommt.

Die werberische Initiative des Intendanten Dr. P r a s ch hat sich auch von Anfang an erfolgreich darum bemüht, den von seinem Vorgänger ge­schaffenen, künstlerischen und geschäftlichen Akti­onsradius des Stadttheaters zu vergrößern und ein möglichst weites Hinterland für feine, die einzige stehende Bühne Oberhesfens zu interessie­ren und mobil zu machen. Und in der Tat ver­diente heute das Gießener Sladttheater den Ehren­titel eines Landestheaters mit tieferer Berechti­gung als manche deutsche Bühne, die feit langem diesen Ramen führt.

Die künstlerische Entwicklung des Gießener Stadttheaters, die auch über die Grenzen Gie­rens und selbst des Hessenlandes hinaus erfreu­lichen Widerhall gefunden hat, fiel und fällt, wie nicht näher ausae.ührt zu werden braucht, zusam­men mit einer Zeit politischer Wirren, wirtschaft­licher und kultureller Krisen und Röte, wie sie das deutsche Theater wohl nie zuvor erlebt hat. Schon in dec vorigen Spielzeit, ein Iahr vor der Iubilaumsfeier, schien der Bestand unserer Bühne ernstlich bedroht, und auch die neue, im Otto- ber begonnene Saison mußte wiederum mit bctoeg- iKben Rot- und Warnrufen, mit werbenden und ^schwörenden Ansprachen an die kunstliebende Bevölkerung emgdeitet werden. Cs ist zur Ge- mige gejagt toorben, was eine notwendig wer- dmde Schließung des Stadttheaters in wirtschaft- Uch^und künstlerischer Hinsicht zu bedeuten haben wurde nicht nur für die unmittelbar Detroffe- U^N- Personal und Publikum, sondern auch dar­über hinaus für breite Schichten der Bürgerschaft und des gewerblichen Mittelstandes, für die De- volkerung des Kreises Gießen und der Provinz lOberhessen; von dem unersetzlichen Verlust einer verkehrswe^erisch nicht hoch genug einzuschätzen- oen Anziehungskraft der Provinzialhauptstadt ganz zu schweigen.

Wann aber alle, die in diesen Tagen mit Freude uno Stolz am Iubiläum unterer städtischen Bühne teil nehmen, sich der ernsten Verpflichtung bewußt find, welche dieser Gedenktag für jeden einzelnen in sich schließt, dann nur dann werden wir des Gießener Thea'ers mit so zuver- luptlKber Ruhe entgegensehen können, wie eine altere Generation das in schöneren Zeiten selbst­verständlich und selbstbewußt hat tun dürfen.

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' so würde die deutsche Natton sie mit der ausschließ. 1 lichen Verantwortung dafür belasten. Die NSDAP. 1 aber werde unbeirrt mit verdoppelter Kraft inner­halb des Volkes weiter kämpfen.

Das »Stuttgarter Reue Tagblatt" schreibt zu den Vorgängen in Berlin u. a.: Für den Reichspräsidenten war es eine Unmöglichkeit, das Geschenk des Vertrauens einem Manne zu gewähren, dem er heute sicher mehr als vor einem Vierteljahr persönlichen Respekt entgegenbringt, den er aber nicht genau genug kennt, um ihm die volle Verfügungsgewalt über die präsidialen Befugnisse zu gewähren. Hindenburgs Präfidial- kabinett wollte überparteilich, Hitlers Prä­sidialkabinett hingegen dem Kern nach natio­nalsozialistisch sein. An der Unvereinbar­keit dieser Auffassung mußte schließlich der- sungsversuch scheitern. Kehrt Herr v. Papen wieder, so ist mit Sicherheit zu erwarten, daß sachliche Oppositton und persönliche Feindselig­keit von vornherein dazu führen, eine höchst unerquickliche Atmosphäre zu schaffen, aus der sich in kürzester Frist ein erneuter Konflikt schwerster Art zwischen Regierung und Reichstag ergeben muh.

Hitler an die NEOAP.

Berlin, 25. Nov (TU.) Die Presse veröffent­licht folgenden Ausruf Adolf Hitlers zur Lage:

Nationalsozialisten, Nationalsozialistinnen, Parteigenossen!

Schon nach kurzer Beobachtung der Tätigkeit des Kabinetts von Papen habe ich meiner Einsicht und Ueberzeugung entsprechend die Folgen vorhergesagt, die nun gekommen sind. Als Herr von Papen die Arbeitslofenzahl bis zu Beginn dieses Winters um zwei Millionen zu senken versprach, die wirtschaft­liche Not zu heben vorgab, die inner- und außen­politischen Fragen einer Lösung entgegenzuführen versicherte, waren unzählige Deutsche mit einem Schlage wieder von gläubigem Vertrauen erfüllt. Ich habe damals gewarnt und mehr als Recht be­halten. Die Wirtschaftsnot dauert an. Die Arbeits­losigkeit steigt. Der Bolschewismus in Deutschland nimmt zu. Die Isolierung des Reiches der übrigen Welt gegenüber ist fast vollendet. Noch nie hat in Deutschland ein Kabinett mehr Macht gehabt, noch nie aber auch mehr versagt als diese Regierung einer kleinen exklusiven Schicht unseres Volkes.

Heute werden mir Millionen der Anhänger un­serer Bewegung innerlich dankbar sein, daß ich die Partei, in der sich eine letzte Reserve deutschen Glaubens, deutscher Kraft und deutscher Hoffnung befindet, nicht mit diesem unseligen politischen und wirtschaftlichen Dilettantismus verbunden habe. Ich kann das noch viel weniger in Zukunft tun. Ich weiß, diese Regierung wird ihr unheilvolles Wir­ken fortsetzen. Ich kann das im Augenblick nicht verhindern. Allein, was ich, solange ich lebe, ver­hindern werde, ist die Preisgabe unserer einzigen Bewegung an dieses Regiment.

Wan hat mich nach Berlin gerufen, um an der Behebung einer Regierungskrise mitzuwirken, und wollte doch nichts anderes, als Papens Kabinett retten und mir einen zweiten 13. August bereiten, ©o hätten wir Rationalsozialisten auf einmal toiecer die hohe Ehre bekommen, zur Aufpuhung des etwas schwach gewordenen Glanzes dieser Re° gierung durch einen oder zwei nationalsozia­listische Minister beitragen zu dürfen. Ich habe darauf die Haltung eingenommen, die ich als Führer unserer Bewegung einnehmen mußte. Deutschland wollen wir retten, die Regierung von Papen aber nicht. Da ich diesmal Vorsorge trug, daß der 13. August sich nicht wiederholen konnte, erhielt ich den 2luftrag, eine Lösung par­lamentarischen Art herbeizuführen, die vorsorg­lich durch die daran geknüpften Bedingungen von vornherein unmöglich gemacht wurde. Den­noch habe ich mich angesichts der großen Rot unseres Volkes entschlossen, ein Anoebot zu wachen das zugleich für die inneren Absichten aller klärend fein konnte. Das Angebot wurde abgelehnt und damit erscheint, glaube ich, der Wille der Ratgeber des Reichspräsidenten ent­hüllt.

Aus aller Well.

Die Bergungsarbeiten

auf den Delbrück-Lchachten in Hindenburg.

Ueber den Stand der Rettungsarbeiten auf den Delbrück-Schächten wird mitgeteilt, daß mindestens zwei von den vier Eingeschlossenen noch leben. Der Füller Woithowsky aus Gleiwitz arbeitete sogar selbst mit an seiner Rettung, wäh­rend auf der anderen Seite die Rettungsmannschaft sich ganz in seiner Nähe befand. Sie mußte aller- dings mit äußerster Vorsicht vorgehen. Mit vieler Mühe wurde Woithowsky endlich freigelegt, jedoch ist sein Fuß unter einer mächtigen Steinplatte ein­geklemmt. Die Steinplatte wird jetzt zermeißelt. Woithowsky ließ sich sofort nach feiner Freilegung eine Pfeife Tabak geben. In feiner Nähe liegt der Häuer Wied uch, von dem von Zeit zu Zeit Le­benszeichen zu vernehmen sind. Zwischen beiden liegt der Füller Kubitza, der aber offenbar tot ist.

Heinrich Sklarz verhaftet.

Genf, 25. Nov. (TU.) Reichsaußenminister von Neurath hatte am Freitagoormittag eine längere Unterredung mit dem englischen Außen­minister über die schwebenden Danziger Fragen. Die in den letzten Tagen fortlaufend und inoffiziell geführten diplomatischen Besprechungen über die Gleichberechtigungsfrage werden Ende dieser Woche unterbrochen werden, da die leitenden Staatsmänner zunächst abreifen. Eine Darstellung, nach der eine grundsätzliche Ver­einbarung zwischen den fünf Großmächten ein­schließlich Deutschland zustande gekommen sein soll, Mitte der nächsten Woche zu gemeinsamen unver­bindlichen Besprechungen wieder zusammen­zutreten, entspricht nicht den Tatsachen. Es muß vielmehr festgestellt werden, daß bisher irgendwelche festen Vereinbarungen in den Verhandlungen des deutschen Außenministers mit Simon, Norman Da­vis und Henderson nicht getroffen sind.

3n englischen Kreisen wiro mit dem Eintref­fen des Ministerpräsidenten Mac­donald Ende nächster Woche in Genf gerechnet. Eunon verläßt Freitagabend Genf, wird aber Mitte der nächsten Woche wieder zurückkehren. Mit dem Eintreffen Herriots kann Ende nächster Woche gerechnet werden, falls nicht eine weitere Verwicklung der französischen innenpoli­tischen Lage seine Genfer Reise unmöglich machen sollte. In englischen Kreisen erklärt man, daß Macdonald jetzt die Verhandlungen über die Gleichberochtigungsfrage in die Hand nehmen wolle und entschlossen sei, i n m 5 g l ich st ku r- zer Zeit zu praktischen Ergebnissen zu gelangen. Die unverbindlichen diplomattschen

Zentrum und Bayerischer Dolkspar- tei anstreben, von dem aus eine neue Präsidial­regierung erstrebt werden könne. Das Blatt be­richtet dann, daß Herr von Reurath am Samstag Genf verlassen werde. Diese Reise werde mit der innerpolitischen Lage in Verbin­dung gebracht. In politischen Kreisen werde dar­über hinaus die Vermutung geäußert, daß Reu­rath vom Reichspräsidenten mit derDildung eines neuen Pr äsid i a lkabine 11 s be­traut werden dürfe. Das8 Uhr-Abend- blatt" meint, daß die Absichten Kaas', einem Prä- sidialkabinett eine stärkere parlamentarische Un­terstützung zu verschaffen als Herr von Papen sie hatte, mehr Aussichten hätten als alle bisherigen Bemühungen unter der Voraussetzung, daß nicht Herr von Papen wieder zum Reichs­kanzler ernannt werde. Man sei der Ansicht, daß unter dieser Voraussetzung der Ruf Hinden­burgs an den gegenwärtigen Reichs- wehrministerHerrnvonSchleicherer- gehen dürfte, der dann das Kanzleramt mit dem des Deichswehrministers verbinden würde. Man glaube daher nicht an eine Wiederberufung des Herrn von Papen.

DieGermania" (Zentrum) schreibt: Die politischen und sozialen Derhältnifs«' unseres Vaterlandes sind durch die Vorgänge der letzten Tage wohl noch verschärft worden. In diesem Augenblick hängt alles davon ab, daß der Reichs­präsident als treuer Sachwalter des Volkes i m Geiste der U e b e r p a r t e i l i ch k e i t und der Versöhnung, der seine Amtsführung immer ausgezeichnet hat, die Krise einer Lösung entgegenführt, die den Weg zu der so bitter notwendigen politischen Ent­spannung des Voltes findet. Wir hoffen von dieser Lösung, daß fie unter den leidenschaft­lichen Streit der letzten Monate wenigstens in­soweit einen Schlußstrich ziebt, als sie neuen Männern die Chance gibt, das vorhandene Mißtrauen zu mindern und neues Ver­trauen zu erobern.

nicht zu machen, da sowohl Friedberg als auch SiimmenausGüddeuischland

In denMünchener Reuesten Rach­richten" heißt es, der Reichspräsident stehe heute vor der schweren Aufgabe, einen Mann Zu finden, dem er sein Vertrauen schenken und der einen Rückhalt im Parlament ge­winnen könne. Von all den während dieser Krisentage genannten Ramen hält das Blatt den des früheren Reichswehrministers Geßler für den besten. Die Schwierigkeiten der Lösung der Krise seien heute größer als zu ihrem Be­ginn. Ob es gelingen werde, die RSDAP. aus der Enttäuschung zu lösen, sei schlechthin die ent­scheidende Frage der kommenden Monate. DerBayerische Kurier" sagt, trotz alle­dem was vorgegangen sei, müsse der Versuch der Sammlung noch einmal gemacht werden, weil Hitler diesen Versuch gar nicht durchgeführt habe. Mit aller Deutlichkeit müsse festgestellt werden, daß die Rückkehr zum alten Kabinett und ^um System der Regierung Papen nicht möglich sei, weil sonst ein unheilvoller Kampf- zustand zwischen Regierung, Volk und seiner Ver- tretung sich entwickeln müßte.

ImVölkischen Beobachter" schreibt Rosenberg: Die deutsche Natton werde es begrüßen, daß Adolf Hitler auf den herausfordernden Brief des Staatssekretärs Meißner vom 24. November eine deutliche Antwort erteilte, die das unwürdige Spiel hinter dem Rücken des Reichspräsidenten bloßlegte. Jetzt feien die Herren wieder unter sich und suchten nach Kanzlern. Aber alle, die noch etwas bedeuteten, dankten für die hohe Ehre, gegen die Träger der deutschen Freiheitsbewegung regieren zu wollen. Wenn etwa 5)err von Papen sich erneut als Reichskanzler vorstellen wollte, so wäre das ein Schritt, der die Verzweiflung der sich an die Macht klammernden, innerlich aber bereits zusam- mengebrochenen Herrenschicht erschreckend aufzeigen würde. Die Herren mögen tun, was fie wollen, ' Wenn aber die rote Flut erneut ansteigen sollte, I

Heinrich Sklarz, gegen den seit Monaten ein Haftbefehl zwecks Verbüßung einer Gefäng­nisstrafe von einem Iahr sechs Monaten schwebt, konnte jetzt durch Staatsanwaltschaftsrat S o r g a tz in einem möblierten Zimmer, das Sklarz schon seit einiger Zeit in ber Rähe des Moabiter Kriminalgerichts in Berlin bewohnt, verhaftet werden. Sklarz ist in das Unter- ulU()8V un suchungsgefängnis eingeliefert worden. Sllarz hat die Koburger Flagge.