Aus -er Provinzialhaupistadi
Buntes Allerlei
100 Dollar - für ein anderes Gesicht. |
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öffentlichen, von der man sich wertvollen . zu der Kenntnis von Madagaskar oerfprii
Pflock mochte hingehen, denn das gebrochene Dein muhte geschient werden, und man nimmt, was man hat; auch den Strick wollte er gelten lassen, in Ermangelung eines besseren Verbandstoffes. Daß aber Pech imstande sein sollte, tn einer halben Stunde einen Knochenbruch zu heilen, darüber kam er nicht hinweg. Aridere 2lerzte, denen er den Fall vortrug, fanden ihn ebenso!
ieberentbetfung einer pmWolischen Mm
Ergebnisse der letzten FrobeniuS-Expedition.
Von Dr. M. Mertens.
arbeiten sehr erschwerten. Die Genehmigung zuiN Weiterarbeiten für etwa 1600 Arbeitstage ist trotz der eifrigen Bemühungen des hiesigen 'Burger- meisters noch nicht eingetroffen. Für die eventuelle Weiterbeschästigung sollen nur noch 1,20 Mark bezahlt werden.
Oie neuen Zinssätze.
In der Sitzung am 22. d. M. hat der zentrale Kreditausschuh beschlossen, die Debetzlnsen und die Habenzinsen um 1 Prozent zu senken. Eine Ausnahme ist lediglich hinsichtlich des Zinssatzes für normale Spareinlagen gemacht worden, der um 0,5 Prozent auf 3.5 Prozent gelenkt wurde. Die neuen Sätze treten mit dem 23. September in Kraft, der neue Spareinlagen-ZinSkatz mit dem 1. Oktober. Es betragen also die Zinsen für normale Spareinlagen 3,5 Prozent, für Kündigungsgelder 1 bis 3 Monate 3,25 Prozent, für Kündigungsgelder 3 bis 6 Monate 3,5 Prozent, für Kündigungsgclder 6 Monate bis 364 Tage 3,5 Prozent, für feste Gelder 31 bts 61 Tage 3,25 Prozent, für feste Gelder 62 bis 91 Tage 3,5 Prozent, für feste Gelder 92 bts 364 Tage 4 Prozent, für täglich fällige Gelder in provisivnSfreier Rechnung 1 Prozent, m prv- visionspflichtiger Rechnung 1.5 Prozent.
Regen ein, dah in kurzer Zeit die Straßen überschwemmt und verschlammt toarcit Die Ridda stieg zusehends, trat aber nicht über die Alfer, da das Untoetter nicht allzulang anhielt. In Dauernheim schlug der Dlitz in eine gefüllte Scheune, die niederbrannte. Auf der Haubenmühle fuhr der Blitz in die elektrische Leitung, jedoch ohne weiteren Schaden anzurichten.
* Romrod (Kreis Alsfeld), 24. Sept. In der hiesigen Feldgemarkung wurde der Landwirt Karl Ludwig Schmidt während eines starken Gewitters von einem dicht neben ihm einschlagenden Blitzstrahl betäubt. Erst nach geraumer Zeit kam der Marrn wieder zu sich. Zum Glück hat er keinen Schaden erlitten.
Geheimrat Leo Frobenius, der bekannte Afrikaforscher und philosophische Künder vom dB anbei der Kulturen in prähistorischer Zeit, ist vor kurzem in Rom eingetroffen, zurückgekehrt von einer Forschungsreise, zu der ihm Mittel von dem weitblickenden Mussolini bereitgestellt worden sind, und die ihn in die italienische Afrika-Kolonie Tripolitanien führte. Bereits jetzt wird ein Teil der Forschungsergebnisse der Oefsentlichkeit zugänglich gemacht: schon sieht man, daß es sich unter anderem in ihnen um nichts weniger handelt, als um die Entdeckung eines alten Kulturlandes, um einen Schnittpunkt vieler prähistorischer Kulturen.
Das Gebiet dieser Entdeckungen ist Fessan. ein Teil des Landes Libyen in Tripolitanien. Die interessierte Oefsentlichkeit stand ursprünglich der Frobeniusscheli Forschung gerade in diesem Gebiet skeptisch gegenüber. Die italienischen 'Behörden und Offiziere, die das Land kannten, schüttelten den Kopf und warnten —: „Hm des Himmels willen, in dieser Wüstenei gibt es wahrlich nichts zu entdecken." Frobenius aber war bekannt, dah schon einmal der Rordafrika- forscher Heinrich Barth, der von 1821 bis 1865 lebte, auf zwei Felsbilder in Fessan hingewiesen hatte. Auf dieser Spur stieh er vor in das ungefähr 400 000 Quadratkilometer umfassende Gebiet, das meist mit spärlichen Oasen durchsetzte Wüste ist und das unterworfene Reich der Senussi darstellt — der Senussi, jenes mohammedanischen Derwisch ordens, der den Islam in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherstellen will, im Iahre 1837 gegründet wurde und bis heute jede Art europäischer Zivilisation wild ablehnt. Der Erfolg gab Frobenius, seinen Ahnungen und seiner Beharrlichkeit recht: er entdeckte im Fessan ungefähr 2500 Fels- bilder, eine ungeheure Dildchronik, die etwa auf die Iahre 12000bis3000 v. Ehr. zurück- geht. Diese „Bildergalerie" zieht sich einen alten Fluhlauf entlang; der Strom ist verschollen, man erkennt ihn nur an den ehemaligen Ufer- felfen, die Fläche und Material für die Bilder berg oben. Den Fluh, der heute unterirdisch verläuft, entdeckte Frobenius neben den Reliefs neu — für oie Italiener eine wichtige Entdeckung praktischer Möglichkeiten in diesem wasserarmen Gebiet.
Die aufgefundenen Felsbilder weifen eine ganz neuartige, bislang unbekannte Technik auf. Die bisher bekannten Felsbilder sind nur schwach eingeriht oder nur aufgemalt. Hier in Fessan aber hat man es plötzlich mit richtigen Reliefs in tief geschnittener Linienführung zu tun — mit Reliefs, die zum ersten Male das
erst so recht von Herzen fingen, daS man in dieser trüben Zeit fast verlernen könnte. Aber, die Iugend hat ein Anrecht darauf, dem waltenden Pessimismus zu widerstehen. Sie hat allen Grund, sich so oft wie möglich solche Gelegenheiten zu verschaffen, die in ihr einen forschen Mut und einen heiteren Sinn auf kommen lassen.
Darum müssen wir wandern.
So oft eS einzurichten ist, wird des SamstagS der Stadt der Rücken gekehrt. Dis in den tiefen Herbst hinein wird getoanbert, und auch im Winter ist es eine besondere Freude, durch einen Wald in jungfräulichem Schnee zu wandern. Wenn wir wandern, sparen wir auch, denn Wandern ist billig. So gewinnt auch der Geldbeutel dabei. Wichtiger aber ist, dah wir unseren Körper durch die überaus gesunde Bewegung in der guten Luft ein unbezahlbares Gut an Gesundheit zuführen.
Also hinaus in die Weite müssen wir.
Haben wir aber erst zu wandern begonnen, dann werden wir auch entdecken, was wir noch an unseren deutschen Wäldern und Feldern, Kirchen und Rathäusern haben. Auf drum und laßt uns wandernl
Gportplahbau in Reiskirchen. .
<£ Reiskirchen, 25. Sept. Die Arbeiten zur Schaffung eines Sportplatzes in unserer Gemeinde, die im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes durchgeführt wurden, sind nunmehr nach 20wöchiger Dauer eingestellt worden. Das Projekt konnte in der vorgesehenen Zeit von 16 Wochen nicht fertiggestellt werden, da man in letzter Zeit auf Felsen stieß, die das Weiter-
Arbeitereinstellungen.
X Schotten, 24. September. Bauunternehmer Meiski hat in seinen Betrieb 36 Leute neu e i n g e st e l l t. Wie man hört, wird ihm voraus- sichtlich der Reichszuschuß von 400 Mark pro Kopf zuteil werden.
Gewitter über Oberheffen.
s Htphe (Kreis (Sieben), 24. Sept. Gestern entluden sich mehrere schwere Gewitter über unserer Gemarkung. Der Blitz schlug m eine Vieh- koppel des hiesigen Hofgutes und tötete zwei Kühe, die sich an der Drahtumzäunung au,- hielten. Es ist anzunehmen, dah der Dlitz in den Draht einschlug. Die getöteten Tiere wiesen Einerlei Verletzung auf. Die Straßen glichen einem strömenden Flusse.
Eichelsdorf (Kreis Schotten), 24.Sept. In den gestrigen Rachmittagsstunden entlud sich über dem Ridda- und dem unteren Eicheltal ein für die Herbstzeit außergewöhnlich schweres Hnwetter. Unter heftigen Entladungen prasselte ein Hagelschauer nieder, der haselnuhgroße Eiskorner brachte, die vielfach das Blattwerk durchschlugen, aber in der Herbstzeit Einen größeren Schaden mehr an- richten konnten. Dann setzte wolkenbruchartiger
** Theater in Bereitschaft! Von der Intendanz des Stadttheaters wird uns mitgeteilt: „Zu feiner Zeit der Geschichte waren die Forderungen wirtschaftlichen Wohlergehens für alle erfüllt; und dennoch ist in aller Zeit die Kunst gewachsen und gereift. Wenn die Freude an der Wieoerspiegc- lung menschlicher Leidenschaften und Schicksale auf der Bühne ein Grundzug deutschen Geistes wäre, hätte das deutsche Theater die letzten Jahre wechsel- voller Kämpfe nicht überdauert. Darum rufen mir keineswegs: .Bekennen Sie sich zu Ihrem Theater' im Sinne einer Mitleidsaktion, niemand kann heute aus Mitleid dauernd Geld geben; und könnte er es, so gäbe es wichtigere Objekte. Wir sagen: 11m das Verlangen nach Erhebung und Zerstreuung zu stillen, dafür ist bei uns gesorgt. Kommt, hört und seht! Und wenn Ihr glaubt, daß das Gebotene des — niedrigen — Preises wert ist, so bleibt. Rur so kann unsere Werbung dem Theater die alten Freunde erhalten und neue hinzuführen. Ein Ensemble einer beträchtlichen Zahl dauernd künstlerisch Tätigen steht bereit, um in einigen Tagen die Iubiläumsspielzeit zu eröffnen. Jeder Bürger ist mitentscheidend für die Erhaltung und Zukunft seines Theaters. Denn jede Stadt hat das Theater, das fie will! Rur die Anteilnahme der ganzen Bürgerschaft gewährleistet weiteren Aufbau. Die Stadt Gießen ist ohne Theater nicht denkbar! , . ,
•• Beginn der Theaterspielzeit am 4. Oktober. Die Spielzeit wird nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, am Sonntag, 2. Oktober, eröffnet, sondern am Dienstag, 4. Oktober. Das Theater bleibt am Sonntag, 2. Oktober, geschlossen. Als 1. Vorstellung im Dienstag-Abon- nement wird die Iubiläumsspielzeit 1932/33 mit einer Aufführung von Goethes „(8 g m o n t" eröffnet. Das Goethesche Trauerspiel wird in einer Bearbeitung von Intendant Dr. Rolf Prasch und unter seiner Spielleitung tn Szene gehen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Hniversitätsmufikdirektor Dr.Temesvary. Die eigentliche Iubiläumsfeier wird auf einen anderen Zeitpunkt der Spielzeit verschoben, und zwar ist bereits jetzt der Rovember dafür vor» gesehen. Zu diesem Termin der Iubiläumsfeier wird auch die Festschrift herausgegeben.
** Iustizperson alten. Auf Grund des Altersgrenzcgesetzes treten am 1. November 1932 Oberamtsrichter Zimmermann in Laubach, Oberamtsrichter Wahl in Herbstein, Oberamts, richter Klietfch in Büdingen und Oberjustiz. Inspektor F a u l d r a t h in Lauterbach in den Ruhe- stand.
•* Silberne Hoch ^ei t feiert am nächsten Mittwoch das durch seine schauspielerische und must- kalische Tätigkeit in weiteren Kreisen bekanntge- wordene Künstlerpaar Paul und Wartha Buch- wa ld von Ijier.
* Straßensperrung, mitgeteilt vom Ober- hessischen Automobilklub E. B. (A.v.D.), Gießen: Die Ortsdurchfahrt Heldenbergen vom Abzweig nach Büdesheim bis zum Abzweig nach Grohkarben im Zuge der Straße Friedberg—Hanau (Fernver- kehrsstraßen-Nr. 45) ist vom 26. September ab bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Ilbenstadt—Erbstadt—Eichen.
Sitzung des Schwurgerichts. Am morgigen Dienstag wird vor dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen in einer Anklage wegen Meineids gegen Thekla K. von hier, Klara M. von Wetzlar und Heinz A. von hier verhandelt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Fischer, Verteidiger sind die Rechtsanwälte En gisch II. (Gießen), Dr. (Engelmann (Wetzlar) und Dr. Aaron (Gießen).
" Vom Pferde geschlagen. Auf dem Gut Reu Hof bei Leihgestern ereignete sich am gestrigen Sonntag ein schwerer Hnglücksfall. Der etwa 20jährige, aus Gießen stammende Landwirtschaftsgehilfe Emil Brück wurde von einem au$- fchlagenden Pferde so heftig am Kopfe getroffen, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt und durch die Freiwillige Sanitätskolonne Gießen sofort in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte. Der bedauernswerte junge Mann liegt zur Stunde noch bewußtlos darnieder.
2m allgemeinen find die Menschen ja von dem Gesicht durchaus befriedigt, dah ihnen vom Schicksal auf den Lebensweg mitgegeben worden ist. Aber es gibt doch Fälle, wo ein Mensch gern mehr als 100 Dollar opfern würde, wenn er dafür ein anderes Gesicht bekommen konnte. Darunter werden nicht die Mißgestalteten verstanden, die schließlich ein Recht darauf haben, sich nach einer Korrektur ihrer Gesichts^üge zu sehnen, sondern es ist an andere gedacht, beispielsweise an Devisenschieber ober Steuerflüchtlinge, deren Steckbrief nebst Photographie in allen Polezei- ftuben liegt. Die Veränderung der Haar- und Darttracht sind doch nur unvollkommene Dehelfs- mittel. In Chikago hat sich ein Arzt niedergelassen, dessen Spezialität es ist, Gesichts- züge zu verändern. Er muß ein großer Künstler fein, denn es wird ihm nachgerühmt, dah er imstande fei, ein Gesicht so zu verändern, dah es nicht wiederzuerkennen ist. Als Honorer verlangt er nur 100 Dollar. Der Zulauf von Patienten bei diesem Doktor ist enorm, jedoch kommen nicht solche Kunden zu ihm, die sich verschönern lassen wollen, sondern nur solche, die Wert darauf legen, im Gesicht verändert zu werden. Es gibt nämlich auch in Amerika Verbrecheralben, und derjenige, dessen Konterfei dort verewigt ist, gibt gern hundert Dollar aus, um ein neues Gesicht zu bekommen. Die Polizei war damit aber nicht einverstanden und verhaftete den Arzt. Aber eine Handhabe, um ihm den Prozeh zu machen, hat man noch nicht gefunden.
Wunderbare Heilung.
Der berühmte deutsche Physiker Lichtenberg schrieb von einer Englandreise einem Freund in die Heimat: „Sie Reise war glücklich. Besondere Vorfälle ereigneten sich nicht, außer etwa, daß einer unserer Schiffer aus dem Mast- Erb stürzte und mit gebrochenem Dein liegen blieb. Aber mit Hilfe eines Pflockes, eines Strickes und mit etwas Pech wurde das Dein in feinen allen Stand zurückgebracht, und eine halbe Stunde später ging der Mann wieder wie zuvor."
unbegreiflich. Schließlich schrieb er an Lichtenberg und fragte ihn, ob er sich in feinem Dries nicht geirrt habe.
Rach einiger Zeit traf folgende Antwort eint „Lieber Freund, mein Dericht enthält Einen Irrtum. Als ich Dir von dem gebrochenen Dein schrieb, habe ich nur vergessen dazuzusagen, daß es ein Holzbein war."
Kühne Forschungsreise einer Frau.
Nach einem langen und abenteuerreichen Aufenthalt in Madagaskar ist eine junge Französin, Frau, lein Basse, mit einer Menge werttwollen und bisher unbekannten Materials nach Paris zurückgekehrt. Die Anstrengungen und Gefahren, die diese zarte junge Dame auf sich nahm, zeigen, welche Kräfte die Frau auf wissenschaftlichem Gebiete ein» zusetzen vermag. Als 1930 der französische Kolonial- minifter nach einem jungen Gelehrten suchte, der in den wenig erforschten Gebieten Madagaskars topographische und geologische Erhebungen anstellen könnte, da meldete sich auch Fräulein Basse, die an der Sorbonne studierte. Aber man beachtete ihr Gesuch nicht, weil man ein weibliches Wesen der Aufgabe nicht für gewachsen hielt. Erst als sich keine männlichen Bewerber sanden, griff man auf das Mädchen zurück, das sich nun hn Auftrag des Ministeriums auf die Reife begab. Diele Monat: trotzte die kühne junge Same, nur von einer Schar von Eingeborenen begleitet, allen Gefahren Des Urwalds im Süden der Insel. Sie führte keine andere Waffe bei sich als einen Hammer für Hre geologischen Arbeiten. Sie ist nun mit Karten und anderen Aufnahmen bisher unbekannter wilder Gebiete und mit einer großen Sammlung geologischer, tierischer und pflanzlicher Seltenheiten heimgekehrt. Sie will ihr Material in einer Doktorarbeit oer>
Gießen, den 26. September 1932.
provinzialausschuß-Gitzung.
In der am Samstag im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz von Provinzialdirektor G r a e f abgehaltenen öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusscs der Provinz Oberhessen wurden folgende Urteile erlassen:
Die Klage des Bäckermeisters Samuel K a tz in Gießen gegen den Bescheid des Hessischen Kreisamts Gießen vom 11. Juli 1932 wegen Versagung der Erlaubnis zum Betriebe einer Kaffeewirtschaft im Hause Reustadt 14 wird als unbegründet kostenpflichtig zurückgewiefen. Der Streitwert wird auf 800 Mk. festgesetzt.
In der Derufungssache des Ludw. Widders- beim in Obbornhofen und Anderer gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen vom 5. September 1931 in Sachen Kanalisation in Ober-Widdersheim; hier: Einwendungen gegen die Genteindevoranschläge 1929, 1930 und 1931 Rj.: „Soweit die Berufung sich auf die Einwendungen gegen den Voranschlag 1931 Rj. bezieht, wird sie als u n z u l ä s s i g, soweit sie sich auf die Einwendungen gegen die Voranschläge 1929 und 1930 bezieht als unbegründet zurückgewiesen. Die Beschwerde gegen die Festsetzung des Wertes des Streitgegenstandes wird stattgegeben und dieser auf 1100 Mk. festgesetzt. Die Kosten dieses Verfahrens fallen den Berufungsklägern zur Last. Der Streitwert wird auf 1100 Mk. festgesetzt."
Ser Gemeinderat von Hungen hatte bei Beratung des Voranschlags der Gemeinde Hungen für das Rj. 1931 im Juni 1931 beschlossen, dis Vergütung für den Gehilfen des Gemeinderechners zu Hungen ab 1. April 1931 nicht mehr zu bewilligen; der Gemeinderechner habe diese Kosten selbst zu tragen. Hierauf erhob der Eemeinde- rechner Einspruch, gegen den Voranschlag für das Rj. 1931. Der Kreisausschuß des Kreises Gießen gab nach der mündlichen Verhandlung vom 19. Mai 1932 dem Einspruch statt und verurteilte den Gemeinderechner, sowie die Gemeinde Hungen je zur Hälfte in die Kosten des Verfahreris. Gegen dieses Urteil verfolgte die Gemeinde Hungen — vertreten durch die Bürgermeisterei — Berufung an den Provinzialausschuß. Der Pro- dinzialausschuh erkannte nach mündlicher Verhandlung zu Recht: „Der Berufung wird, unter Aushebung des erstinstanzlichen Urteils, stattgegeben. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Gemeinderechner und der Gemeinde Hungen je zur Hälfte zur Last. Streitwert 648,73 Mark."
Goldenes Ooktorjubiläum.
Von der Pressestelle der Landesuniversität Gießen wird mitgeteilt: Sie Medizinische Fakultät der Hessischen Ludwigsuniversität hat anläßlich der Wiederkehr des Tages (25. Sept.), an dem sie vor fünfzig Jahren Herrn Sanitätsrat Dr. Karl Ohnacker in Butzbach, dem ange- febenen und vielseitig gebildeten Arzt, der nach seiner Studien- und Assistentenzeit an unserer Landesuniversität fast ein halbes Jahrhundert in Butzbach eine segensreiche Tätigkeit ausübt, während welcher Zeit er über dreißig Jahre als leitender Arzt dem Johaniterkrankenhaus in Riede rweisel Vorstand, der sich als ausgezeichneter Diagnostiker, erfolgreicher Therapeut, erfahrener Geburtshelfer bewährt hat, unserer Landesuni- venität bis zum heutigen Tage treue Anhänglichkeit beweist, mit der Wissenschaft fortschreitend sich stets weiter gebildet, durch seine hohe Standesauffassung sich Hochachtung und Verehrung in allen Kreisen erworben hat und noch im Alter freudig und unermüdlich feinen Beruf erfüllt, in dem ihm Sohne und Enkel gefolgt find, zum Doktor der Medizin ernannt hat, in dankbarer Anerkennung nach altem Brauch das Diplom erneuert.
Gegen die Raserei der Lastkraftwagen.
Strengere und häufigere Kontrolle und bessere Beachtung der Kraftfahrzeugverordnung ist die Forderung, die der Reichsverkehrsminister in einem Rundschreiben an die Landesregierungen c«sstellt. Den Anlaß hierzu boten sich häufende Beschwerden, vor allem aus Kreisen der Wege- unterhaltungspflichtigen, des Grund- und Haus- besitzes, das überladene und schlecht bereifte Lastzüge mit übermäßiger Geschwindigkeit durch die Straften fahren und erhebliche Schäden an Straften, Häusern und Baudenkmälern verursachen. Auch die eigentlichen Verkehrsvorschriften, z. B. über das Ueberholen und die Gestattung des Ueberholens, werden von den Führern der Lastkraftwagen nicht genügend eingehalten.
Schon oft hat der Reichsverkehrsminister von den Lastkraftwagenbesitzern mehr Rücksicht auf den übrigen Verkehr, insbesondere auch die strengere Beachtung der Gewichts-, Geschwindigkeitsund Dereifungsvorschriften, gefordert. Runmehr werden künftig neben der Nachprüfung der Ladung und Bereifung in größerem Umfange auch Geschwindigkeitskontrollen von Lastzügen statt- finden. Sollten die bevorstehenden Maßnahmen nicht die erwünschte Besserung bringen, so wird erwogen, im Jntevefte der Schonung und Erhaltung der Straften, Häuser, Baudenkmäler u'w. und mit Rücksicht auf den übrigen Verkehr eine Verschärfung der Vorschriften eintreten zu Ionen.
Jugend muß wandern!
In irgendeinem Aufsatz stellte einmal jemand fest, daß es Wohl die härteste Probe für die Willenskraft bedeute, des Morgens mindestens eine Stunde früher als gewohnt aufzustehen. Es mag stimmen! Jeder wird schon die magische Anziehungskraft der wohltuenden Ruhestatt am Morgen verspürt haben.
Uebcr eines aber freut man sich immer wieder: Rach einer erquickenden Rachtruhe in einer Jugendherberge oder in einem Zeltlager sah man selbst berüchtigte Langschläfer zu früher Morgenstunde sich frisch und schnell von ihrem Lage.' zu erheben. Das Beispiel der anderen mag ein gut Teil zum Gelingen der Ueberwindung beigetragen haben. Cs gibt aber wohl kaum jemanden, der es fertig brächte, liegen zu bleiben, wenn draußen der Helle Sonrkenschein lockt und die munteren Stimmen der ersten Vögel hereinschallen. Mag es sich auch noch so schön im Herbergsbett oder auf dem Strohsack im Zelt schlafen, wenn es einen sonnigen Wandertag würdig auszunutzen gilt, dann schmeckt den zünftigen Gesellen das Frühstück schon zu einer Zeit, zu der die immer Müden beginnen, sich müde zu schlafen.
Und wie das ermuntert, stählt und frischt, der Sonne entgegen in den klingenden Morgen hineinzuwandern, der alles Gesunde und Frohe in uns zum Schwingen bringt. Dann lernt man
bargeftetlte Objekt in meist natürlicher Größe aufweisen und so gelegentlich bis zu zwölf Meter Länge gediehen. Diese Bilder sind so neuartig, daß man jetzt von zehn Stilen der öeldbu&et sprechen kann, während man vor diesem Fund nur von vier Stilarten wußte. Darüber hinaus erzählen sie von einer bisher gänzlich unbekannten alten Kultur, bet der sich die bedeutsame Frage erhebt, ob sie nicht älter sei als die früh- ägyptische. _
Zum erstenmal taucht hier für Afrika das Rind der Hirtenvoller auf als bedeutungsvolles Geschöpf, und zwar dargestellt mit einer Eindringlichkeit, daß man sich fast scheut, hier von „primitiver" Kunst zu sprechen. Faszinierend sind vor allem die Widderköpfe, und verblüffend die Ochsen mit den nach rückwärts gekrümmten Hörnern, von denen bereits H e r 0 d 0 t erzählte, dem man in dieser Hinsicht keinen Glauben schenken wollte, dessen Angaben sich aber hier als wahr bewähren — genau so tote feine Erzählungen von den Garamanten. Diese ®ara- manten sind im Altertum ein großes, gänzlich unkultiviertes Volk gewesen, die südlich von der großen Syrte, im Lande Phazania — das ist das heutige Fessan! — gelebt haben. Ihre Hauptstadt hieß Garama. Run kommt die bedeutsame Kunde, daß Frobenius die Ruinen einer vollreichen garamantischen Stadt auffandI Sie Römer sind auf ihren Eroberungen auch bis zu diesem Voll vorgedrungen; Cornelius DalbuS triumphierte im Jahve 9 v. Ehr. über sie. Siefe Garamanten waren die Vorfahren der heutigen Tuareg, jenes für die Karawanenführung heute noch bedeutsamen, aber als verschlagen und grausam verschrieenenen afrllanischen VolksschlagS-
Reben Widdern und Ochsen zeigen die Felsbilder Löwen, Giraffen, Krokodile und Rhinozerosse als symbolische Wesen, daneben u. a. auch einen Elefanten aus dem Jahre 12 000 v. Ehr., der zu reinster Kunst gestaltet ist und als Kunstwerk wohl das sprechendste Zeugnis einer uralten, bisher unbekannten Äultifc darstellt — neben den künstlerisch und technisch hochwertigen Abbildern von Jägern, Helden, Göttern in Masken von abgründigem Humor.
Prof. Frobenius, der u. a. 1918 das „Afrika- Archiv" gründete, aus dem das von ihm geleitete und in Frankfurt a.M. beheimatete Forschungsinstitut für Kulturmorphologie hervorging, ist zur Zeit bereits damit beschäftigt, die bedeutsamen Entdeckungen dieser seiner zehnten Expedition zu einem Wer? zusammenzufassen, das demnächst erscheinen soll und i den Titel „Ikabe Iktab" — d. h. Figuren, die I auf Felswänden leben — fragen wird.


