von den Angeklagten in herzlicher Werse verabschiedeten. Die endgültige Entscheidung ist nunmehr Sache des Obersten Gerichts» Hofes auf Grund der Nichtigkeitsbeschwerde.
Die schweren Strafen wurden bei der sudetendeutschen Bevölkerung allgemein als ungerecht empfunden. Das Extrablatt des .Mrünner Tagesboten" trug die Ueberschrift „Bruta- les Urteil im Dolkssportprozeß" und vertrat weiter den Standpunkt, daß die Tschechen das Urteil schon lange fertig hatten. Das Extrablatt wurde sofort beschlagnahmt. Man erwartet nunmehr, daß das Gericht vom Prager Parlament die Auslieferung der Abgeordneten der sudetendeutschen Nationalsozialisten verlangen wird. Die Urteilsbegründung, die sich vor allem auf die geheimen aber durch nichts bewiesenen Nachrichten des tschechischen Generalstabes und auf das Urteil der militärischen Sachverständigen stützt, läßt klar die Zusammenhänge mit der französischen Militärkommission in Prag erkennen. Das Urteil soll im Interesse der französischen Politik in Mitteleuropa den gerichtsordnungsmäßigen Beweis dafür liefern, daß die sudetendeutschen Volkssportleute angeblich mit der SA. im Reiche zusammenarbeiteten, um die militärischen Kräfte unter allen Deutschen Europas zu organisieren. Fortsetzung des Kampfes um die sudetendeutsche Selbstverwastung
Brünn, 24. Sept. (TU.) Der Parieivorstand und der Parlamentarische Klub der Sudeten» deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei hielten am Tage der Urteilsver» kündung im Brünner Hochverratsprozeß eine Sitzung ab, in der folgende Entschließung gefaßt wurde: „Das Urteil im Brünner Prozeß ist ein für die weitere politische Entwicklung des Sudetendeutschtums hochbedeutsames Ereignis. Möge das Urteil in der zweiten Instanz ausfallen, wie immer, so ist es Loch schon heute klar, daß dieser politische Prozeß eine in das öffentliche Leben des gesamten Sudetendeutschtums einschneidende Angelegenheit ist. Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei erklärt in diesem Zeitpunkt feierlichst, daß sie ihren Kampf um die Gleichberechtigung des deutschen Volks st ammes in der Tschechoslowakei weiterhin und unentwegt mit ollen gesetzlichen Mitteln führen wird. Keine Verfolgungen und keine Schikanen können die Partei von ihren als richtig erkannten Zielen der nationalen Selbstverwaltung abbringen, weil die Verwirklichung dieser Ziele die notwendige Lösung der deutsch-tschechischen Frage ist. Darüber hinaus ist der Grundsatz der nationalen Selbstverwaltung der einzig befriedigende Schlüssel zur Behandlung der Minderheitenfrage in ganz Europa. Das gesamte europäische Minderheitenproblem wird entweder auf der Grundlage der nationalen Selbstverwaltung gelöst, oder es wird nie gelöst werden. Die NSDAP, verwahrt sich mit Entschiedenheit gegen die Unterstellung, daß sie das Programm der nationalen Autonomie nur deshalb in den Vordergrund rückte, um einerseits ihre irredentistischen Ziele zu mas» fieren, oder anderseits sich als regierungsfähig in Prag vorzustellen. Die NSDAP, ist überzeugt, daß sich der Gedanke der Selbstverwaltung trotz aller Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt werden, durchsetzen und die Zukunft des nationalen Lebens in Europa bestimmen wird."
Kyffhäuserbund und Stahlhelm.
'Berlin, 24. Sept. (TU.) Die neueste Dummer "des „K h f f h ä u s e r‘* meldet, daß die durch die Vorgänge bei der Reichspräsidentenwahl zwischen dem Kyffhäuserbund und dem Stahlhelm eingetretene Entfremdung durch persönliche Vermittlung des Reichspräsi- denten b e i g e l e g t worden sei. Reichspräsident von Hindenburg sei bekanntlich Ehrenpräsident des Kyffhäuserbundes und Ehrenmitglied des Stahlhelm. „Rachdem der Stahlhelm den Entschluß gefaßt hat, sich in Zukunft nur staats - politischen Aufgaben zu widmen, ist, — so heißt es wörtlich — der Weg und die Dahn
Oberhessischer Kunstverein.
Or. Walthari Dieh: „Lebendiges Photo".
Der Kunstverein beginnt sein Winterprogramm 1932/33 mit einer ebenso interessanten wie eigenartigen Ausstellung: er zeigt, was hier — zum mindesten in solchem Umfang und solcher Ausschließlichkeit — unseres Wissens bisher noch nicht gezeigt worden ist: einen Querschnitt nämlich durch das Schaffen eines modernen Photographen.
Unter der kennzeichnenden und innerlich gerechtfertigten Ueberschrift „Lebendiges Photo" ist hier eine Auswahl von mehreren hundert Arbeiten aus der Werkstatt von Dr. Walthari Dietz in Frankfurt am Main vereinigt: eine Menge ganz verschiedenartiger Lichtbilder (zum Teil in sehr großem Format), die zunächst nur durch ihre gleichmäßige Qualität und technische Reife verbunden scheinen, — darüber hinaus aber durch die grundsätzliche geistige Einstellung, von der aus der Photograph Dietz an seine Arbeit herangeht. Er will die Photographie „an sich", das mit rein photographischen Mitteln erzielte, lebendig wirkerrde, ungestellte, natürliche und fachliche Licht-Dild, das als künstlerisch zu werten ist.
Doch wünscht er, ohne verfehlten Ehrgeiz und in erfreulicher Erkenntnis gewisser unverrückbarer ®renalinien, keinerlei Konkurrenz mit der bildenden Kunst, etwa mit der Malereu Das.ist richtig: das Gegenteil führt, wie auf anderen Gebieten (z. V. beim Film) immer wieder zu bemerken ist, zu nichts Gutem.
Dem Photographen Walthari Dieh wird, wie diese Ausstellung erweist, eigentlich alles zum Motiv, besser: zum brauchbaren Objekt für die Photo-Linse. Die Wirklichkeit ist ihm anscheinend unerschöpflich: er denkt nicht daran, sich ängstlich zu beschränken und sich auf diese oder jene Spezialität festzulegen. (Obwohl er, beispielsweise, ein so ausgezeichneter Porträtphotograph ist, das er es gerne tun könnte.)
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Er sieht mit dem geschärften und eindringenden Dlick des modernen Menschen und erstrebt nichts als die lebendige Ausdruckskraft, die schöne, naturgegebene, in sich ruhende Sachlichkeit der ihn vielfältig und vielgestaltig umgebenden Welt. Da gibt eS Mensch und Tier und Pflanze und „lebloses" Ding — alles kann, wenn man es richtig
Die Vermehrung der Arbeitsgelegenheit.
Eine Mahnung des Reichsarbeitsministers an die Gewerkschaften.
Berlin, 24. Sept. (WTB.) In einer Unterredung über Lie Durchführung der Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit, die Reichsarbeits- minister Schaeffer dem Chefredakteur des WTB. gewährte, wies letzterer darauf hin, daß in einer Reihe von Betrieben die Durchführung der Verordnung auf Schwierigkeiten zu stoßen scheine. Verschiedentlich seien auf die Ankündigung der Werksleitung hin, daß die Arbeitnehmerzahl durch Neueinstellungen erhöht werden und demzufolge eine der Verordnung entsprechende Lohnkürzung eintrete, die Belegschaften in den Streik getreten. Auch seien Aeuherungen einzelner Gewerkschaftsführer bekannt geworden, die mehr oder minder unoerhüllt eine Sabotage der Verordnung ankündigten. Welche Haltung nehme die Reichsregierung gegenüber solchen Versuchen ein?
Ter Minister erwiderte darauf folgendes: Es trifft zu, daß in einzelnen Betrieben Arbeiter ihre Arbeitsplätze verlassen haben, weil der Arbeitgeber ein ihm nach der Verordnung zustehendes Lohnminderungsrecht ausgeübt hat, und daß in anderen Betrieben die Arbeiter durch Drohung mit Streik den Arbeitgeber nötigen, die Ausübung dieses Rechtes zu unterlassen. InvielenDetrieben wird jedoch die Verordnung tatsächlich durch geführt. Grundsätzlich bin ich nicht geneigt, daran zu glauben, daß eine erhebliche Zahl von Arbeitern, die noch einen Arbeitsplatz haben, wegen einer geringen Lohnkürzung den Arbeitslosen, die mit ihren Frauen und Kindern lange1 genug gedarbt haben, das Recht auf Arbeit und den Eintritt in das Arbeitsverhältnis verwehren wollen. Vor zwei Tagen hat im Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes i n G e n f die Ar
beitergruppe mit Unterstützung meines Vertreters die Verkürzung der Arbeitszeit gefordert, um für Erwerbslose Arbeitsplätze zu gewinnen. Wenn jetzt in Deutschland der Streik zunimmt und nicht bloß die Fortdauer der Arbeitslosigkeit, sondern stellenweise sogar den Verlust der bisherigen Arbeit zur Folge hat, dann steht allerdings das tatsächliche Verhalten der Arbeiter in Deutschland mit den Forderungen in Genf in unlösbarem Widerspruch. Daraus könnten gefährliche Folgerungen entstehen. Es scheint mir Aufgabe der Gewerkschaften zu sein, sofort das zu veranlassen, was die tarifvertragliche Friedenspflicht von ihnen verlangt. Denn es ist ganz zweifellos, daß die Zahlung des vom Arbeitgeber auf Grund der Verordnung gekürzten Lohnbetrages als eine volle Erfüllung der tarif vertraglichen Verpflichtungen anzusehen ist. Auf die unmittelbaren Folgen der Verletzung der Friedenspfllcht hinzuweifen, erübrigt sich: jede Gewerkschaft und jeder Arbeiter weiß das. Wie es scheint, sehen aber manche noch nicht ein, daß — wenn die Friedenspflicht verneint oder hartnäckig verletzt wird — der Begriff des Tarifvertrages gefährdet und die Stellung der Gewerkschaften erschüttert wird.
Für den Winter hat die Reichsregierung d i e Erhöhung der Arbeitslosenunter- stützung ins Auge gefaßt, weil sie davon ausgeht, daß auf Grund des Wirtschaftsplanes die Arbeitslosenziffer finkt. Es kommt jetzt zum guten Teil auf die Haltung der Gewerkschaften und Arbeiter an, ob diese natürliche Voraussetzung eintreten kann. Auf alle Fälle hält die Reichsregierung an ihrem Wirtschaftsplan und an der Verordnung fest.
frei, auf der beide große Soldatenorganifationen in kameradschaftlicher vertrauensvoller Rebeneinanderarbeit den weiteren Weg zu ihrem vaterländischen Ziel des Freiheitskampfes fortfehen können."
Kunst und Wissenschaft.
92. Tagung dec deutschen Raturforscher und Aerzte.
Die 9 2. Versammlung deutscher Ra - turforscher und Aerzte, die in Mainz und in Wiesbaden abgehalten wird, wurde eröffnet. Professor Dr. Schmidtgen (Mainz) hieß die Versammlung willkommen Im Ramen der hessischen Staatsregierung hieß Staatspräsident Dr. Adelung die Versammlung willkom- mon. Regierungsvizepräsident Sommer (Wiesbaden) überbrachte die Grüße der preußischen Regierung und der Regierung in Wiesbaden. Oberbürgermeister Dr. E h r h a r d (Mainz) stellte mit Freude fest, daß Mainz eine so große Anzahl Vertreter der deutschen Wissenschaft in feinen Mauern begrüßen dürfe. In seiner Begrüßungsansprache legte Oberbürgermeister Krücke (Wiesbaden) dar, wie Wiesbadens Quellen sich von der Römerzeit bis heute als heilkräftig erwiesen. Professor Dr. Herxheirner (Wiesbaden) hieß die Tagung im Ramen aller naturwissenschaftlichen und medizinischen Vereine von Wiesbaden-Mainz und Umgebung willkommen. Die Versammlung nahm unter lebhaftem Beifall Kenntnis von Degrühungstelegrammen an den Reichspräsidenten v. Hindenburg und den österreichischen Bundespräsidenten M i k l a s. Professor Dr. Aschoff, Freiburg, gab einen Rückblick auf die Geschichte der Gesellschaft. Alle Versuche, die Aerzteschast von den Raturforschern zu trennen, seien gescheitert. Wir wissen, daß wir von dieser Grundlage der Gemeinschaft ausgehen müssen, wenn wir die Biologie und damit die Medizin als einen Teil der Raturwissenschaften betrachtet wissen wollen. Zu welchem Heroismus die naturwissenschaftliche Forschung
sieht, photographiert werden. Aber wie? Richts mehr vom gefällig arrangierten Stilleben, vom verstaubten Genrebild, vom neckischen Momentphoto vergangener Zeiten. Die hier ausgestellten Ausnahmen erscheinen demgegenüber völlig unabsichtlich: sie wirken durch sich selbst, durch ihre Technik und durch ihr Objekt —:
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Der eben „lebendige" Ausdruck im barocken Wollkopf eines Kamels: die dick auf getragene Schminke im Gesicht eines Clowns: die beseelten, nervösen Hände eines Geigers: die riesig vergrößerten Abbilder harmloser Insekten, die durch die verblüffende Potenzierung ihrer Körperlichkeit ein unheimlich vorsintflutliches und urweltliches Ansehen bekommen: das ganz unfentimental erfaßte „Idyll" eines Haufens saugender Ferkelchen: die imerbittlich nachmodellierten Runzeln im Gesicht einer ganz alten Frau: ein Maiskolben: eine Puppengruppe: Telephondrähte: das schalkhaft- verschmitzte Lächeln im Gesicht eines Landmäd- chens: die unerhört feingliebrige Kontur eines winterlich kahle.n Baumes: die strenge Anmut eines Kinderkopfes: Küchengerät: Glieder einer Kette; Schnitt durch ein Gewebe: ein Fäbrikschlot: ober zwei einsam blühende Kätzchen — alles wird in dem angedeuteten Sinne lebendiges Photo, erregendes Abbild der uns tagtäglich umgebenden, tagtäglich gesehenen und übersehenen Wirklichkeit. . V .
Oer Spiegel des Edersees um 20 Meier gesunken!
Der Edersee, der wohl der schönste und größte unserer deutschen künstlichen Seen ist, hat enorm viel Wasser verloren. In den letzten Monaten (August und September) sank fein Spiegel um etwa 20 Meter. Unaufhörlich wurden Tag und Rächt riesige Wassermengen durch die Schleusen der Sperrmauer abgelassen. Der Schiffahrts- verkehr der Weser durfte nicht gefährdet werden. Zwanzig Kubikmeter stürzten pro Sekunde die 60 Meter hohe Mauer herab. Das entspricht einer Tagesleistung von rund 1,75 Millionen Kubikmeter. Diese Menge konnte natürlich die Eder in einem Tage nicht aufbringen, zumal, da der Regen in dieser Zeit recht spärlich fiel. In normalem Zustand faßt der See 202 Millionen Kubikmeter Wasser, von denen jetzt nur noch 100 Millionen Kubikmeter vorhanden find.
führen kann, hat uns das letzte Jahr mit dem Opfertod Wegeners in Grönland gezeigt. An feine Seite treten die übrigen großen Toten aus der Reihe unserer Dundesarbeitsfreunde und Mitglieder. (Die Versammlung ehrte das Gedenken der Toten, indem sie sich von ihren Plätzen erhob.) Mit ehrenden Worten gedachte er Robert Kochs, der vor 50 Jahren den Erreger der opfervollsten Seuche unserer europäischen Menschheit entdeckte und zu züchten wußte. Mit dem Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes fand die Eröffnungsfeier ihr Ende. Mit der Tagung sind Ausstellungen in der Mainzer Stadthalle und im Gutenberg-Museum verbunden. Das umfangreiche Programm der Tagung weist etwa 300 fachwissenschaftliche Vorträge auf, zu denen auch Laien Zutritt haben. Ramhafte Forscher und Männer der Praxis erstatten in den Sitzungen der einzelnen Gruppen und Abteilungen der Gesellschaft sowie in den Tagungen der ihr befreundeten Vereine Referate. In öffentlichen Abendvorträgen kommen bedeutende Wissenschaftler zu Wort. Die medizinischen Abteilungen tagen hauptsächlich in Wiesbaden, die naturwissenschaftlichen hauptsächlich in Mainz.
Verleihung der Max-Pkanck-Medaille an Professor von Laue.
Eine der letzten Sitzungen des Deutschen Physiker, und Mathematiker-Kongresses in Bad-Nauheim wurde eingeleitet durch den feierlichen Akt der Verleihung der Max- Planck-Medaille. Sie wurde in diesem Jahr erst zum oiertenmal verteilt. Die bisher mit ihr Bedachten waren Einstein, Bohr und Sommerfeld. Im Auftrag der Deutschen Physikalischen Gesellschaft teilte Professor I. Frank» Göttingen mit, Laß durch einstimmigen Beschluß die Medaille dieses Jahr an Professor Max von Laue, dem der» zeitigen Vorsitzenden der Gesellschaft, falle. Dem seit Begründung der Medaille geübten Brauch gemäß übergab er die Medaille hierauf dem Geheimrat
Bei Herzhausen beginnt die Stauung, die sich 27 Kilometer weit bis zur Sperrmauer fortseh t. Läßt man jedoch jetzt seinen Dlick das „Tal" entlang schweifen, so sieht man nichts, aber auch gar nichts, was an unseren imposanten See erinnert. Man könnte sich in die Wüste versetzt denken, wenn sich nicht der schmale Streifen der Eder mitten hindurch schlängelte. Soweit das Auge reicht nur Schlamm, nichts als Schlamm.
Das Bootshaus der Universität Marburg, sechs Kilometer von Herzhausen entfernt, liegt verlassen am Abhang. Es ist unmöglich, die Boote ins Wasser zu lassen, durch diesen Schlamm kann man keine 150 Meter traten. Auch träte in dem seichten, schnell in der kleinen Wasserrinne fließenden Wasser ein Rudern schwierig, wenn nicht gefährlich.
Zwei Kilometer abwärts die «Hohe Fahrt". Auch hier dasselbe Bild. Zu Zeiten des normalen Wasserstandes hat diese Jugendherberge einen Besuch, wie ihn wohl keine andere aufzuweisen hat. Heute verläuft sich keiner dorthin, obwohl man hier in 500 Meter Entfernung die Stauung schon beobachten kann. Aber das Einsetzen von Booten ist doch noch mit zu großen Schwierigkeiten verbunden.
Am Gedenksteine für die überflutete Ortschaft Asel vorbei, die 1317 erbaut und 1914 im Edersee verschwand, sieht man die Ruinen dieses ehemals so schön in einer Ducht gelegenen Dorfes. Der Dach hat sich wieder sein altes "Bett gegraben und mündet nun wie in alten Tagen in die Eder und nicht in den Edersee. Baumstümpfe und verkohlte Balken lugen aus dem Schlamm hervor. Die alte Dorfstrahr läuft in die Leere. Grundmauern und ausgeprägte Vierecke find weiterhin Zeugen der längst versunkenen Stadp Ein nicht ganz vom Erdboden verschwundener Brückenpfeiler ragt ins älngewisse.
Riederwerbe, das sonst in gleicher Höhe mit dem Ederseespiegel liegt, sieht, da es in einen verschlungenen Bucht versteckt liegt, überhaupt nichts vom See. Es war einmal. „Berich, 1196 erbaut, 1914 vom Edersee überflutet." Richts ist mehr von dieser alten Siedlung zu sehen. Rur Teile des Kirchturms, der vor zwei Jahren der nagenden Gewalt des Wassers zum Opfer fiel, starren uns gespenstisch an. Die Sperrmauer kommt In Sicht. Doch was ist denn das? Eine Insel im See? Kurz vor der Speermauer?... oder täuscht sich unser Auge? Rein! An der Stelle, an der gewöhnlich die Motorboote kreu-
Profesior Dr. Max Planck, damit er sie an den mit ihr Bedachten weiteraebe. Geheimrat Planck gedachte in seiner Ansprache der großen Verdienste Laues um die Physik. Nachdem Laue die Medaille aus den Händen Geheimrat Plancks übernommen und dafür gedankt hatte, daß sie ihm zuerkannt fei, ergriff er das Wort zu seinem Max-Planck-Dorirag, in welchem er Ueberlegungen zur Supra-Leitfähigkeit behandelte. Nach dem Verleihungsakt der Planck» Medaille trat die Tagung in die Erledigung des letzten Teils ihres Vortragsprogramms ein. Es kam die zweite Hälfte der außerhalb der Hauptthemen stehenden Vorträge zur Sprache. Aus der Fülle des Gebotenen seien genannt Vorträge über Elektronenbeugung, über Massen-Spektrographie und über die zeitlichen Schwankungen der Schwerkraft.
Aus aller Wett.
15 Ballons zum Gordon-Bennet-Alug gestartet.
Basel, 25. Sept. (TU.) In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des Diplomatischen Korps und einer überaus großen Zuschauermenge erfolgte am Sonntag gegen 16 Uhr der Start zum 20. Internationalen Gordon-Bennet-Flug, an dem sich 15 Freiballons beteiligten. Deutschland ist mit den Ballons „Deutschland", „Barmen" und „Stadt Essen" vertreten. Der vierte deutsche Ballon „Ernst Brandenburg" wurde den Oesterreichern -überlassen. Als Erster ging um 15.59 Uhr die „Deutschland" unter den Klängen des Deutschland- Liedes auf die Reise. Entsprechend der südwestlichen Windrichtung rechnet man damit, daß die Ballons nach Nordosten abgetrieben werden, so daß sie voraussichtlich in Deutschland oder in den Randstaaten landen dürften. Der Ballon „Deutschland" wird geführt von den beiden Deutschen Leimkugel und Schütze. Zu dem von Henry Ford gestifteten Wanderpreis fällt dem Sieger noch ein Betrag von 5000 Franken zu, der vom schweizerischen Bundesrat gestiftet wurde, sowie die Hälfte der Nenngelder. Für den 2. bis 8. Preis steht noch eine Barsumme von insgesamt 8500 Fsanken zur Verfügung, außerdem noch verschiedene kostbare Ehren- preise.
Gronau in Hongkong eingetroffen.
Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau ist, von Schanghai kommend, inHongkongein- getroffen. In einem Funkspruch teilte er mit, er sei sich darüber im klaren, daß der Weltflug jetzt mit'besonderer Aufmerksamkeit weitergeführt werden müsse, da die Strecke mitten durch das Taifun- gebiet führte und außerdem gerade jetzt die gefürchtete Taifunzeit herrschte. Anläßlich der Erteilung der Einreisebewilligung hat das englische Luftfahrtministerium nochmals besonders auf diese Gefahr hingewiesen.
Festnahme wegen Werkspionage bei der AEG-
Die Berliner Kriminalpolizei nahm dieser Tage den 40jährigen, seit vielen Jahren bei der AEG. tätigen Detriebsingenieur S. und einen Tag später den 62 Jahre alten Vertreter einer Farben- und Lackfabrik, Dr. Max H., nach langwierigen Ermittlungen wegen Werkspio- n a g e zugunsten ausländischer Firmen fest. Der Ingenieur hatte von dem Farben- und Lackvertreter jahrelang Schmiergelder für durch ihn vermittelte Aufträge in Höhe von 3 Prozent der jeweiligen Rechnungsbeträge entgegengenommen. Dadurch hatte er sich dem Mann vollständig ausgeliefert, so daß er sich ihm, als dieser vor einigen-Monaten an ihn mit dem Wunsche he ran trat, ihm die technischen Pläne einer wichtigen neukonstrierten Maschine auszuhändigen, gefügig zeigen mußte. Bevor jedoch der Vertreter die Konstruktionspläne ins Ausland verkaufen konnte, gelang es der Kriminalpolizei, im letzten Augenblick zuzugreifen und den Verkauf zu verhindern. Der Ingenieur und sein Komplice werden sich auf Grund der Rotverordnung vom 9. März d. I., die verschärfte Strafbestimmungen für Den Verrat von BetriebSgeheimnisfen vorsieht, zu verantworten haben.
Ein Meteor an der Rordwestgrenze Sowjetrußlands.
Im Gebiete von PsSvw ist dieser Tage ein M e - teor niedergegangen. Er hat eine Länge von , 2 Metern, eine Breite von 1,75 Metern und eine Dicke von 40 Zentimetern.
zen, tagen zwei Hügel etwa 3 Meter aus dem Wasser.
Der Sperrmauer ist der größte Teil des Wasserdruckes genommen. Der normale Wasserstand ist 48 Meter und heute find esnurnoch30 Meter! Und unterhalb der Mauer? Hier ist man in gänzlich anderer Umgebung. Eiskaltes, klares Wasser ergießt sich aus den Schleusen und eilt dem Weserstrom zu. Daß da ein Badebetrieb unmöglich, war, geht schon aus der Temperatur des Wassers am Grunde des Edersees hervor. — 5 Grad Celsius hat man dort gemessen! — Es wird wohl sehr lange dauern, bis der Wasserstand wieder seine normale Höhe erreicht hat und wir uns an den Schönheiten des Sees erfreuen können. A. L.
Mehr Licht!
Kundendienst ist ein begrüßenswerter Grundsatz, Rücksichtnahme eine ausgezeichnete Tugend. Und der Autobusschaffner Nr. 468 aus Huddersfield (England) wird es vermutlich schwer begreifen, daß er zu drei Pfund Geldstrafe verurteilt wurde, nur weil er erstens Kundendienst und zweitens Rücksichtnahme übte. Er hatte nämlich Nachtdienst, und seine einzigen Fahrgäste bestanden aus einem jungen Herrn und einer ebenso jungen Dame, die dank ihres etwas sonderbaren Wesens leicht als Liebespärchen zu erkennen waren. Autobusschaffner 468 betrachtete sie mit ebenso viel Wohlwollen wie In» teresse. Aber dann siegte das Wohlwollen, und die Folge war, daß der Schaffner das Licht im Wagen ausknipste. Vermutlich hätte die Autobusgessll- schaft von diesem Kundendienst" ihres Angestellten gar nichts erfahren, und die unvorhergeseheneSpar- maßnahme wäre niemals Anlaß zu einer folgenschweren Auseinandersetzung geworden, wenn nicht ein Verkehrspolizist an dem unbeleuchteten Wagen Anstoß genommen hätte. Er erstattete Anzeige, und das Gericht verurteilte den rücksichtsvollen zluto» busschaffner wegen Nichteinhaltung der Derkehrsoorschristen zu einer Geldstrafe von drei Pfund. Gäbe es einen Verein der Verliebten, ec hätte die moralische Pflicht und Schuldigkeit, dem Schaffner die Geldstrafe aus seiner Tasche zu bezahlen, aber da die Verliebten nun einmal nicht organisiert sind, wird dem Schaffner 468 wohl nichts anderes übrigbleiben, als selbst die Folgen seiner Rücksichtnahme zu tragen. Auf Kosten des Kundendienstes vermutlich, denn es ist kaum anzunehmen, daß Nr. 468 auch in Zukunft so entgegenkommend gegen seine Fahrgäste sein wird wie bisher.


