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26/09/1932 Erstes Blatt
 
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Petroleumsyndikats begrüßt« die Unterzeichnung als Entspannung der politischen Lage im Fernen Osten. In Moskauer politischen Kreisen wird erklärt, daß durch die Unterzeichnung dieses Abkommens im Fernen Osten eine neue politische Lage geschaffen morden sei. Die Sowjet- regierung hab« es aufgegeben, Japans mandschu- rische Politik zu bekämpfen.

Ende des Weberstreiks in Lancashire.

London, 25. Sept. (§11.) Nach vierwöchiger Dauer des Weberstreiks in Lancashire ist nun­mehr endlich unter beträchtlichen Zugeständ­nissen der Arbeitgeber eine völlige Eini­gung zwischen den Fabrikanten und den Webern erreicht worden. Damit geht der Riesenstreik, an dem rund 200 000 Textil­arbeiter beteiligt waren und der die englische Daumwollindustrie etwa 200 Millionen Mark kostete, seinem Ende entgegen. Mit der Wieder­aufnahme der Arbeit in allen Betrieben ist für Mittwoch zu rechnen.

Nachdem die Lohnfrage bereits am Frei­tag geregelt worden war, gelang es der von einem Regierungsbeamten geleiteten Bermitt- lungskonferenz in Manchester am Samstagabend, auch über den letzten Streitpunkt die Wieder- einstellung der bei früheren Lohnstreitigkeiten entlassenen Weber eine Vereinbarung zu erzielen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich, die Leute, soweit möglich, innerhalb von zwei Monaten wieder einzustellen. Ferner wurde die wichtige Entscheidung getroffen, einen ständigen Vermittlungsausschuh unter der Leitung eines unabhängigen Vor­sitzenden zu schaffen, dem in Zukunft alle Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeit­nehmern zur Entscheidung vorgelegt werden sollen. Man hofft damit, die Gefahr weiterer Streiks ein» zudämmen. Die in Manchester erzielte Verein­barung wird noch den beteiligten Arbeitgeber­verbänden und den Gewerkschaften zur änter- zeichnung unterbreitet und voraussichtlich am Dienstagabend von der Vollkonferenz endgültig beglaubigt werden.

Oer Tarifvertrag im Wirtschastsprogramm.

Der Deutsche Metaltarbeilcrverband zur Erklärung des Reichsarbcitsmiuisters.

Gelsenkirchen, 25. Sept. (TU.) In einer Versammlung der Vertrauensmänner des Deutschen Metallarbeiterverbandes aus dem Ruhrgebiet sprach der Vorsitzende des DMV., Reichel- Berlin, über die Notverordnung vom 5. September. Man könne, so erklärte er u. a., dem wirtschaftlichen Teil der Not- Verordnung die Anerkennung einer gewissen Groß­zügigkeit nicht absprechen, aber dem sozialpolitischen Teil gelte der stärkste Abwehrkampf der Gewerk­schaften. Der Eingriff in den Tarifver­trag, wie er durch den § 1 vorgesehen sei, müsse an allen geeigneten Stellen, so. wie es bisher schon mancherorts geschehen sei, durch entsprechende Maß­nahmen, auch durch den Streik, abge­wehrt werden. Die Frage, ob damit eine Der- letzung der Friedenspflicht gegeben sei, wie der Reichsarbeitsmimster meine, müsse solange verneint werden, als die Arbeitsgerichte sich damit nicht befaßt hätten oder die Regierung nicht ent­sprechende Maßnahmen getroffen habe. Noch g«. fahrlicher als der §1 sei der §7 über die not­leidenden Betriebe. Dieser Paragraph verlocke die Arbeitgeber, die sich für notleidend hielten, durch Kündigung der Tarife eine neue Lohnabbauwelle zu entfesseln. Hier gelte es, 'daß Aeußerste für die Verwirklichung des Tarifge­dankens einzufetzen und lieber einen tarif- losen Z u st a n d zu ertragen, als Tarife abzu­schließen, die einen neuen Lohnabbau besiegelten und deren Unabdingbarkeit nicht sichergestellt sei. Schon jetzt lägen Tarifkündigungen für 84 000 Me­tallarbeiter vor.

Schiedsspruch für den Ruhrbergbau.

Essen, 24.Sept. (WTB.) In dem Lohnstceit im Ruhrbergbau fällte der Schlichter Prof. Dr. B r a h n einen Schiedsspruch, wonach der Lohntarif unverändert auf vier Monate verlän­gert wird. Das Mehrarbeitszeitabkom- MUKKM

Roman von Hertha Fricke

Lrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau 81. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Dr. med. Andresen" stand auf der Visiten­karte, die dort lag. Klaus Behrens energischer Mund bildete einen einzigen, harten Strich.

Andresen, was will der von mir?" fragte er sich.

Ein Andresen war es, der ihm das Liebste auf Erden genommen. Verhaßt war ihm der Name.

Verzeihung!" sagte eine warme, tiefe Stimme. Llch bin nicht Karl Andresen, der Gatte von Frau Renate, die wir verloren haben! Der bin ich nicht, Herr Kapitänleutnant! Ich komme für Fräulein Eva-Marie von Diemen, die sehr ernst erkrankt ist."

Eva-Marie von Diemen war doch das Mäd­chen, die ihm im Auftrage der toten Renate vor langer Zeit in Bremen vergeblich gesucht, und der er darum kürzlich geschrieben hatte.

Nehmen Sie Platz, Herr Doktor", sagte er nun verbindlicher.Ich verstehe, weshato Sie mich nicht in meiner Wohnung aufsuchten und danke Ihnen dafür."

Heinrich Andresen legte Hut und Stock ab und setzte sich in den bequemen Stuhl, der vor einem Tischchen stand, das mit Plänen und Schiffs­bildern bedeckt war. Es war so schwer für ihn, anzufangen. So erzählte er zuerst von der schwe­ren Krankheit Renates, von ihrem langen Siech­tum, und daß das einzige Glück dabei gewesen wäre, daß sein Bruder reich genug war, um ihr jede erdenkliche Erleichterung und Fürsorge zu ermöglichen.

Wenn eine Dame nichts weiter von ihrer Ehe hat, bleibt sie wohl besser unvermählt", sagte DehrenS bitter.Ich kannte die Dame als ein frisches, gesundes, fröhliches Mädchen. Vielleicht wäre sie so geblieben."

Eie stand Ihnen nahe, Herr Kapitänleut­nant." Heinrich Andresen war b er legen, und der Mann tat ihm leid, trotzdem er in feiner männ­lichen Art nichts hatte, waS Mttleid fordern konnte.

men wird lediglich mit einigen redaktionellen Aende- rungen in den Rahmentarif aufgenom­men, wodurch für das Mehrarbeitszeitabkommen die Kündigungsfrist des Rahmentarifs gültig wird. Der Rahmentarif ist erstmalig am 1. Februar 1933 zum 1. April 1933 kündbar. Wie wir erfahren, wer­den die Arbeitgeber den Schiedsspruch über den Lohntarif a b l e h n e n , dagegen die Regelung der Mehrarbeitszeit annehmen. Die Vertreter der Bergarbeiter werden dagegen den Lohn- schiedsspruch annehmen, die Mehrarbeits­zeitreglung jedoch a b l e h n e n. Die Erklärungsfrist für die Parteien läuft bis zum 26. September.

Gandhis Hungerstreik.

Einigung zwischen den Kasten-Hindus und den Parias.

Bombay, 25. Sept. (TA.) Zwischen den Füh­rern der Kasten-Hindus und der Parias ist am Samstag in der Gefängniszelle Gandhis eine endgültige E i n i gung über die Frage der parlamentarischen Vertretung der unterdrückten Klassen zustandegekommen. Gandhi stimmte dem Abkommen zu. Die Bedingungen wurden a n Macdonald telegraphiert. Sobald dessen Zustimmung eintrifft, kann Gandhi seinen Hungerstreik, der bereits über 100 Stunden ge­dauert hat, abbrechen. Der Arzt stellte am Sams­tag fest, daß Gandhi den Hungerstreik nicht mehr lange aushalten könne. Er erklärte bei seiner Rückkehr von Puna, wo er Gandhi untersucht hatte:Wenn Gandhi gerettet werden soll, wird sich Macdonald beeilen müssen." Der Aerzt fügte hinzu, Gandhis Augen begännen, obwohl sie noch klar seien, einzusinken. Seine Stimme sei frisch, aber schwach. Es machten sich Zeichen von Schwäche und Erschöpfung bemerk­bar. Gandhi kann nachmittags noch spinnen, aber tocrm er auch seine Geschicklichkeit im Spinnen nicht verloren hat, so reißt ihm doch jetzt häufig der Faden.

Oie britische Regierung stimmt -em Abkommen zu.

$ i m l o, 26. Sept. (TA.) Dem indischen Par­lament wurde mitgeleilt, daß die britische Regierung dem Abkommen zwischen Hindus und Parias bezüglich der Gemeindevertretungen z u - gestimmt hat. Unter diesen Umständen erwartet man, daß Gandhi den Hungerstreik nunmehr e i n st e l l t.

Aus alter Welt.

Der Gordon-Benett-Flug.

Nach in Basel eingegangenen Telegrammen ist der am Gordon-Benett-Flug beteiligte deutsche B al­lo nD e u t s ch l a n d" mit Leimkugel und Richard Schütze als Führer bei Freiwaldau in der Tschechoslowakei um 1.45 Uhr nachts gelandet. Der ö st e r r e i ch i s ch e B a l l o nE r n st B r a n - d e n b u r g" mit Freiherrn von Etthofen als Führer landete um 5.14 Uhr früh in der Nähe von Zwittau in der Tschechoslowakei.

Kundgebung der Kriegsbeschädigten.

Der Reichsverband deutscher Kriegsopfer, der durch den vor kurzem herbeigeführten Zusamnen- schluß des früheren Verbandes deutscher Kriegs­beschädigten und Kriegerhinterbliebenen und des Reichs Verbandes deutscher Kriegsbeschädigter mit insgesamt 350 000 Mitglieder entstanden ist, hatte durch seinen Landesverband Westfalen-Lippe zu einer Riesenkundgebung in der Dortmun­der Westfalenhalle aufgerufen. Der Hauptteil des Programms war eine Gedächt­nisfeier für die Gefallenen des Weltkrieges. Der Landesverbandsvorsihende Rimbach führte u. a. aus, daß die Kriegsopfer das erste Recht hätten, sich als Gläubiger des deutschen Staates zu betrachten, wenn auch heute fast ein Drittel des deutschen Vol­kes Unterstützungsempfänger des deutschen Staa­tes sei. Der Leiter der sozialpolitischen Abtei­lung des Verbandes, W u t t k e (Berlin), behan­delte brennende Einzelfragen der Kriegsopferfür­sorge. Für die Kriegshinterbliebenen sprach Franz Barth (Pirna). Im Anschluß an diese Aus­führungen traten Abgeordnete der NSDAP, und der KPD. für die Ziele des Verbandes ein und versprachen die Hilfe ihrer

Lassen Sie den Titel, Herr Doktor", ant- I wortete Behrens müde.Er erinnert mich immer daran, daß ich dem Alter nach eigentlich ein paar Dienstgrade höher sein müßte. Sprechen wir nicht davon. Aber wozu herumgehen um die Sache, um die es sich handelt. Ich war verlobt mit Renctte. Nicht offiziell. Aber es war uniere Absicht, sofort nach dem Kriege zu hei- rateu. Da sank mein Doot, und ich kam in eng- U,che Gefangenschaft. In dieser Zeit heiratete jener Herr Karl Andresen meine Braut, was toopt nur dadurch möglich gewesen ist, daß ihr meme Briefe unterschlagen wurden und ihr vor- geschwindelt, ich sei untergegangen.

Ich weiß nicht genau, ob es so war. Herr Doktor, aber ich habe allmählich die Lleberzeu- gung gewonnen, daß es so und nicht anders ge- weien sein kann, nachdem ich meine einstige Vrcmt vor einigen Sommern am Strande eines n .^> und sie ganz entgeistert war, mich lebend und gesund zu sehen. Es war eine Gemeinheit, wie es sie nicht größer auf Erden .|aX toenn es so gewesen ist, wie es mir fast zweifellos scheint. Ich hätte den Menschen gezüchtigt^ wie er es verdient, wenn ich meiner ^äre a^r eher habe ich 2ch habe die Verstorbene hart ab- 5?$ ?mnols zu sprechen Der» Ju$te, ich dachte damals nicht anders, als daß rtbrWse Jei. 2tun ist sie tot, unt> je mehr ich an sie denken muß, desto sicherer wird es mir, sie war betrogen, wie ich. Ich hätte ihr damals nachgehen sollen, aber ich befand mich auf meiner Hochzeitsreise, und die ganze Per- ffdie ging mir erst nach und nach auf. Was ist nun mit Fräulein von Diemen, die eine Bestel­lung Renates an mich hatte? Ich lege wirklich Wert darauf, die junge Dame selbst zu sprechen und habe ihr dies bereits selbst mitgeteilt."

Sie trauen mir nicht, wie es scheint, Herr Behrens. Aber Sie tun mir unrecht. Ich hatte keine Ahnung von dem allen, und als ich hierher kam, wußte ich nichts, als daß Fräulein von Diemen einen Auftrag meiner verstorbenen Schwägerin an Sie hatte, den auszuführen die unglücklichsten Umstände sie bis heute verhindert haben." Er erzählte nun, was er wußte, daß Renate einen Gegenstand, eine silberne Kassette, Don deren Existenz weder er, noch sein Bruder gewußt hätten, in einem Zach ihres Schreib-

Parteien für die Durchsetzung der Wünsche der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen.

Forderungen des harlmannbundes.

Die Hauptversammlung des Verbandes der Aerzte Deutschlands (Hartmann­bund) in Hannover faßte einstimmig eine Ent­schließung, in der einleitend die gesetzliche Einführung der freien Arztwahl begrüßt wird. In der Entschließung wird dann mit Be­dauern festgestellt, daß wesenlliche Teile der vor Iahresfrist gemachten Reformvorschläge hin­sichtlich der Selbstverwaltung der Aerzte unberücksichtigt geblieben seien. Die Aerzteschaft toenbe sich gegen die Bestimmungen über eine Einschränkung des Arzneiverbrauches auf Kosten des behandelnden Arztes und for­dere hier schleunige Abhilfe. Das Honorarabkom­men der Spihenverbände könne nur als äußer­stes Zugeständnis mit Rücksicht auf die unbe­friedigende Finanzlage der Krankenkassen gebil­ligt werden, da schon heute eine große An­zahl ärz tlicher Existenzen am Rande der Vernichtung stehe. In einer weiteren Entschließung fordert der Hartmann-Bund er­neut und dringend, daß die Gesetzgebung den Arzt von der Belastung der Gewerbesteuer befreie.

Dlaffenanbrang zum Münchner Oktoberfest.

Die bayerische Landeshauptstadt steht im Zeichen der Oktoberfest - Haupttage. Das Fest hat auch heuer die alte Anziehungskraft auf die Fremden ausgeübt, die von nah und fern gekommen rvaren. Die Eisenbahn hat einen Riesenverkehr bewältigt. An einem der letzten Tage sind in München zehn Sonderzüge mit rund 7000 Personen einge­

troffen, ferner sind mit den übrigen Zugen Fernverkehr rund 38 000 Personen angekommeiß Es besuchten also Heuer rund 7400 Personen mehr das Oktoberfest als im letzten Jahre. Auf dem Fest» platz herrschte ein Massenandrang, so daß die Bierpaläste wiederholt wegen UeberfüIIunjJ polizeilich gesperrt werden mußten.

Tragischer Tod von zwei Konstrukteuren.

Zwei Ingenieure in Budapest, die seit einigen Tagen eine technische Neuerung ausprobierten. Der* unglüdten tödlich. Die Ingenieure hatten ein Auto mit Propellern konstruiert, das sich in die Luft heben und über niedrigere Gegenstände Hinwegfliegen konnte. Beim letzten Versuch explo­dierte die Maschine und stürzte ab. Die Insassen waren auf der Stelle tot. Der Ingenieur Oskar A s b o r n , der zur Klärung der Frage, ob er irgendwie für die Katastrophe bei dem Versuch mit dem von ihm mitkonstruiertenfliegenden Auto­mobil" verantwortlich sei, in Gewahrsam genommen worden war, ist von der Polizei wieder entlassen worden, da ihn nach dem Sachverständigengutachten kein Verschulden trifft.

1700 Reichsmark Lohngelder geraubt

Wie aus Kassel gemeldet wird, wurden dieser Tage in dem Steinbruch Bilsteinkirchen bei Helsa 17 0 0 MarkLohngelder geraubt. Die Lohngelder, die sich in einer Kassette, die in einem Sack eingenäht war, befanden, wurden von Helsa mit der Drahtseil­bahn zur Auszahlung an die Arbeitsstelle befördert Als die Lore mit den Lohngeldern auf der Arbeits­stelle ankam, waren die Gelder verschwunden. Pilz­sucher haben die Lohngeldräuber beobachtet. Es wurde ein Polizeihund auf die Spur gesetzt, doch sind die Ermittlungen bisher ergebnislos verlaufen.

Der freiwillige Arbeitsdienst.

Oie neuen Richtlinien.

Von £)r. Frih Kolb, Frankfurt am Main.

Die Hoffnungen, welche die Reichsregierung in die Verordnung über den freiwilligen Ar­beitsdienst vom 16. Iuli 1932 gesetzt hat, haben sich weitestgehend erfüllt. Durch die Er­weiterung des zugelassenen Personenkreises und der Beschäftigungsdauer hat in kürzester Frist die Zahl der Beschäftigten stark zugenom­men. Im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen waren beschäftigt:

im Monat April an rund 350 Arbeitsstellen 5700 Dienstwillige,

im Monat Mai an rund 460 Arbeitsstellen 8900 Dienstwillige,

im Monat Iuni an rund 685 Arbeitsstellen 11 266 Dienstwillige,

im Monat Iuli an rund 803 Arbeitsstellen 14 390 Dienstwillige,

im Monat August an rund 931 Arbeitsstellen 17 400 Dienstwillige.

-3. Z. können bei den bewilligten 931 Arbeiten mit durchschnittlich 25 Dienstwilligen 23 600 Iu- genblkf> Beschäftigung finden. Wenn man be­rücksichtigt, daß bei allen Arbeiten neben der Förderung auch in mehr oder minder großem Umfange von den Trägem der Arbeit Aufwen­dungen für Materialbeschaffung gemacht werden müssen, so erkennt man die Bedeutung des frei­willigen Arbeitsdienstes für die freie Wirtschaft.

Die TheseArbeit schafft Arbeit" hat sich auch bei dem freiwilligen Arbeitsdienst bewahrheitet. Seit dem Bestehen des freiwilligen Arbeitsdien­stes hat sich_ die Z a h l der Rotstandsor- beiten ständig vermehrt. Eine größere Anzahl von Maßnahmen, schätzungsweise 80, konnte nach finanzieller Beratung der Träger als Notstandsarbeiten ausgeführt werden. Darüber hinaus sind in Eteinbrüchen usw. Notstonds- arbeider mit der Beschaffung des erforderlichen Materials für den freiwilligen Arbeitsdienst be­schäftigt.

Selbstverständlich hat der freiwillige Arbeitsdienst auch seine Schattenseiten.

Nicht immer leicht ist die Entscheidung über die Zusählichkeit einer im freiwilligen Arbeitsdienst geplanten Maßnahme.

Mißgriffe müssen sich auf dem freien Arbeitsmarkt bemerkbar machen, ebenso wie die mißbräuchliche Inanspruchnahme der Förderung für Unwirtschaft

liche Arbeiten, wie sie des öfteren schon in gerabejtt unverantwortlicher Weile versucht worden ist.

Bei der Durchführung des freiwilligen Arbeits­dienstes ist zu unterscheiden zwischen den g e s ch l o s- en en und den offenen Lagern. In ge­soffenen Lagern sind die Dienstwilligen, Haupt» ächlich nach weltanschaulichen Gesichtspunkten, zu Arbeitsgemeinschaften zusammengefaßt. Die Dienst­willigen erhalten Unterkunft und Verpflegung, außer einem geringfügigen wöchentlichen Taschengeld (1,80 Mark). Bei dieser Form wird neben der Ar­beitsleistung besonderes Gewicht auf die geistige, sittliche und körperliche Ertüchtigung der Jugend gelegt.

Die geiftige Betreuung der Jugendlichen tritt bei dem sog. offenen Lager zugunsten der Arbeitsleistung zurück. Die Dienstwil. ligen kehren allabendlich in den Kreis ihrer Fami­lie zurück und erhalten nur in solchen Fällen Ver­pflegung, wenn der Anmarschweg zur Arbeitsstelle zu groß ist. An Stelle von Unterkunft uni) Ver­pflegung erhalten die Dienstwilligen eine entspre­chend größere Entschädigung, die in vielen Fällen für den Unterhalt von Familienangehörigen mit ver­wandt werden muß.

Für die Entwicklung des freiwilligen Arbeits­dienstes, nicht nur im Bezirk des Landesarbeits- amts Hessen allein, ist die offene Arbeitsstelle typisch. Das hat seine Begründung in der Struktur des Be- zirks. In den Großstädten und mittleren Städten, bis zu 10 000 Einwohnern, wohnen nur 39,2 Pro­zent der Bevölkerung: die große Mehrheit der Be­völkerung des Bezirks lebt also auf dem Lande. In den kleineren Gemeinden, deren finanzielle Leistungsfähigkeit durch die lang anhaltende Ar- beitslofigkeit stark vermindert ist, stehen meistens nur kleine Arbeitsprojekte zur Verfügung, für deren Durchführung das offene Lager das gegebene ist.

N7ehr als 90 o. H. der bis einschließlich 17. Sep­tember 1932 genehmigten 1385 Arbeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes wurden und werden als offenes Lager dnrchgeführt.

Von dem Grundsatz ausgehend, daß die Arbeit der beste Erzieher ist, wird bei dem offenen Lager auf die Wirtschaftlichkeit des freiwil­ligen Arbeitsdienstes größtes Ge­wicht gelegt, während feine ideelle Seite, die geistige Betreuung, etwas zurücktritt. Von den Dienstwilligen werden bei durchschnittlich vierzig-

.anstatt des Professors Martinik, dessen Assistent ich bin, leider in sehr trauriger Verfassung. Wir kamen zu der Erkenntnis, daß wir sie nur heilen können, wenn die Sache geklärt, das Urteil sie freigemacht von Schande und Schuld, wenn die Last von ihrer Seele genommen wird. Und wir konnten nichts tun, da sie hartnäckig schwieg, wahrscheinlich weil ein Versprechen sie bindet. So blieb uns nichts anderes übrig, als in der Hypnose ihr das Geheimnis zu entlocken, was in Anbetracht der großen Gefahr, dauernd geisteskrank zu werden, gewiß eine erlaubte Maß­nahme ist. Denn Aerzte wissen zu schweigen, Herr Behrens."

Der Seemann schloß den Schreibtisch auf und reichte Heinrich Andresen einen Brief: «Sie kom­men, mich um Hilfe zu bitten, Herr Doktor! Diel- leicht ist dies schon geeignet, die Sache llarzu- stellen.

Es war Eva-Maries Brief an Klaus.

OBenn ich ihn behalten darf, es ist schon etwas sehr Wertvolles. And nun möchte ich Sie bitten, Herr Behrens, mit mir nach der Bremer Bank zu kommen. Dies sind die Schlüsselchen, die Fraulern von Diemens Mutter mir sandte. In der Hypnose verriet uns das arme Mädchen, sich befänden, und daß in diesem Tresor das Vermächtnis Renates für Sie enthalten ist. Ich uberlaffe es Ihnen, uns und Fräulein von Diemens Verteidiger so viel mitzuteilen, wie mK wendig ist, die Dame von der unverdienten Schande freizumachen."

«Kommen Sie mit Herr Doktor", sagte Klaus Behrens.Ich werde nichts verheimlichen und werde alles bekennen, was ich verantworten kann. 3d) bebaute von ganzem Herzen, daß ich ^^.^chuldige Ursache zu diesem Unglück bin.

-W Sie, das Schicksal", tröstete Andresen. Wie ein paar Freunde schritten die beiden Männer durch die alte Hansestadt, und sie hatten sich vor wenigen Stunden noch gar nicht ae- fainit. Nun beseelte fie beib ein Wille zur Tat, Mancher bewundernde Blick aus weiblichen Augen folgte ihnen, aber sie hatten beide nicht das geringste Interesse daran. Am Marktplatz winkten von weitem zwei schicke Damen. Klaus g^icheiE a°9 ^stich ben Hut» de?

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tisches verschlossen gehalten und allem Anschein nach Fräulein von Diemen damit beauftragt, dieselbe nach ihrem Tode Herrn Klaus Behrens zu bringen. Als sie nun in der Nacht, in der Re­nate starb, die Schlüssel und die Kassette an sich genommen habe, wäre sie Doh einer Pflegerin belauscht worden und von dieser, die von jeher das liebenswürdige, junge Mädchen beneidet und gehaßt habe vielleicht nur um dieser Liebens- Jütbigfit wegen, in gemeiner Weise wegen Diebstahls denunziert worden, ja noch mehr, sie habe sie verdächtigt, den Tod der Dame durch ein zu starkes Schlafmittel beschleunigt zu haben, um ,lch in den Besitz dieser Schmucktruhe zu setzen.

-'Das ist ja furchtbar", sagte Klaus Behrens. »Das Mädchen ist doch nicht verurteilt?"

Sie wäre ohne Zweifel verurteilt worden, wenn fie nicht durch einen vollkommenen Nerven- zu,ammenbruch als nicht verantwortungsfähig aus der Haft in eine Krankenanstalt entlassen wor­den wäre."

Klaus Behrens hatte den Kopf in die Hand b^'iutzt und sann vor sich hin.Herr Gott, was kann ich tun, die junge Dame zu entlasten?"

Ich weiß es nicht. Ich bertraue Ihnen, und Darum bin ich hierhergereist. Aber feien Sie Überzeugt, daß ich meinem Stiefbruder nach bie- fen Ereignissen nicht besonders sympathisch gegenuberstehe". sagte Andresen deutlich.

Das ehrt Sie und bringt Sie mir näher." -Ehrens reichte dem Doktor die Hand.

Der sah ihn mit seinen gütigen Augen an, in ihn? ani>ere sehen konnte, es ist kein Arg Das Tragische an der Sache ist, baß Fräu- von Diemen zugeben mußte, daß sie biefen Silber kosten an sich genommen hatte, und daß v^ch-.mchis zu bewegen war, den Nomen des Empfängers, Ihren Namen, Herr Behrens, preiszugeben. So blieb bet Verbacht, sie habe

u Atveifel wertvolle Ding, in dem sich sagenhafte Kostbarkeiten nach den Berichten jener befinden sollten, für sich verwendet.

Hoft, die Aufregung, die seelische Ei> dos drohende, unabwendbar entehrende Urteil ist Fräulein von «Ä ÄTÄ ES