Ausgabe 
26.8.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Lufthansa-Herbstflugdienst 1932

* Rekonvaleszenten-S«rum bei spinaler Kinderlähmung. 3m Anschluß an den in unserer Dienstag-Ausgabe veröffent­lichen Artikel von Med.-Rat Dr. Frobenius überDie spinale Kinderlähmung" teilt uns die Leitung der Universitäts-Kinderklinik mit, daß in der Universitäts-Kinderklinik Rckonvaleszenten- Lerum schon seit längerer Zeit verwendet und auch hergcstellt wird. Interessierte Eltern seien darauf besonders aufmerksam gemacht.

** Verbilligte Rückfahrkarten der St r a ft p o ft e n nach den Ausflugsorten. Das Postamt schreibt uns: Dem Anträge des Der- kehrstamtes der Bürgermeisterei Gießen entspre­chend werden von jetzt ab bei den Krastposten nach Gleiberg und Klo st er Arnsburg verbil-

Dreimal Berliner Sommerfest

Unpolitische Stimmungsbilder aus der Reichshauptstadt.

ligte Rückfahrfcheine ausgcgeben. Für die Hin- und Rückfahrt vom Bahnhof Gießen bis Gleiberg, die bisher 1,10 RM kostete, werden künftig nur noch 80 Rpf. erhoben. Der Preis für die Hin- und Rück­fahrt zwischen Gießen und Kloster Arnsburg ist von 2 RM auf 1,65 RM. ermäßigt worden. Bei den Kraftposten nach dem Schiffenberg ist bereits seit längerer Zeit eine Preisermäßigung bei Benutzung von Rückfahrkarten eingetretcn.

DieLaubenkolonienbeehrenfich..

Draußen, vor den, Toren der Stadt Berlin... Aber das stimmt ja gar nicht! Berlin hat ja gar keineTore"! Es gibt wohl so etwas wie einRosenthaler Tor" oder einSchönhauser Tor", aber das sind eigentlich graue, nüchterne Plätze mitten in der Stadt, weit und breit um­schlossen von ebenso nüchternen, ebenso grauen Häuserfronten und Strahenzügen. Berlin hört einfach auf, ohne Formalitäten, ohne Tore, ohne daß man dieser Stadt eigentlich ansicht, wo sie oufhört. Also:

Bor denToren" Berlins liegen ungezahlte kleine eingesriedete Grundstücke, auf denen sich blau, rot. grün zahlreiche kleine Häuschen auf­gestellt haben, inmitten von Gärten, die im Frühjahr Rhabarber produzieren und im Herbst schöne feuerrote Blumen. Diese Kolonien von Wohnlauben werden im Sommer und im Winter von Leuten bewohnt, deren schmale Einkünfte nicht für eine regelrechte Stadtwohnung langen. Die Buden, in denen sie hausen, sind meist hausgemacht, selbst gezimmert. 3m Winter ist es bitter kalt in ihnen. Unzählige Ritzen zwischen den Brettern laden den Wind ein, durch sie zu pfeifen, fordern die Feuchtigkeit auf. dort einzudringen. Dafür ist es aoer im Sommer doppelt und dreifach schön.

Dieses Geschlecht von Kleingärtnern, Ar- beitslosen, abgebauten Ange st eilten ist ein recht poetisches Geschlecht. Man merkt es an den Ramen. die sie ihren Siedlungen gegeben haben.Einsame Pappel",Ratur­freunde",Mövensee" dazwischen kommt dann plötzlich auch eine KolonieZum schmalen Hand­tuch". Cs ist ein hübscher Teil Selbster- kenntnis dabei, eine kleine Portion Galgenhumor, dazwischen aber auch viel Besitzer st olz und Freude an dem Fleckchen Ratur. an dem sie. von den Umständen der Zeit gezwungen, festhalten. ,

Einmal im 3ahr geht es in diesen Kolonien ganz hoch her. Das ist, wennE r n t e s e st gefeiert wird. Erntefest nun. dies ist, liebens­würdig ausgedrückt, ein wenig übertrieben. Rha­barber. D^bl-en, Kohlrabi. Kürbisse und ein wenig Kartoff:ln ob man das wohl Ernte nennen kann -' Das ist ihnen aber völlig gleich­gültig. August ist nun einmal Erntemonat! Und die Kleingärtner beeilen sich, ihren Kollegen auf dem Lande nicht nachzustehen.

Tagelang vorher rumort es schon in den Sied­lungen. Auf den paar kleinen Obstbäumen werden in drr schwindelnden Höhe von zwei Meter Lam­pions angebracht, bunte Girlanden werden vom Schornstein des Häuschens in den entlegensten Winkel des Gartens, fünf bis zehn Meter ent­fernt, gezogen. Daß mir die Lampions aber ja nicht schief hängenI Große Bataillone von Bier­flaschen werden in Körben heimgeschleppt und an der Pumpe zum Kühlen aufgestellt. Etwas Obstwein, ein bißchen Musik muh auch dabei sein. Und dann kann es losgehen... .

Wenn man an diesem denkwürdigen TlbenD in die Gegend der Kolonien kommt, dann erblickt man em Lichtermeer von Lampions, Fackeln, Pctroleumfunzeln. Entferntes Getöse klingt über das friedliche Gelände. Man hat alle Verwandten und Bekannten zusammengetrommelt, damit sie dieses Getöse produzieren und auch ein wenig das Tanzbein schwingen. DieKnüppel- musike" des nächstliegenden Vorortes ist ein- geladen, gegen Freibier und Fahrgeld Stin^ mung und Laune zu machen. Und sie kann sich gar nicht genug daran hin, das Lied von der Holzauktion im Grünewald immer und immer wieder zu spielen undTrink, Drüderlein, trink!" Auch diePresse" ist eingeladen: der gute Onkel, der in dem nächsten Lokalblatt die Gartenecke besorgt und den Kleingärtnern schon mehr als einmal zu ihrem Rutz und Frommen erzählt hat, wie man sich der Blattläuse auf den Kürbis­stauden entledigt.

Man kann es nicht verschweigen: zum Schluß geht es wohl ein wenig alkoholisch zu. Aber das gehört vielleicht zu einem Erntefest. ..Schwer be­laden schwankt der Wagen," Und wenn dann, ganz spat, ein etwas trostloser Morgen über der programmatischen einsamen Pappel dämmert dann sieht die schmucke Kolonie sich selbst aut einmal gar nicht mehr ähnlich. Sie gleicht einem wüsten Schlachtfeld. Wie ist bloß die Gießkanne aufs Dach gekommen? Warum hängt die Harle im Pflaumenbaum? 3a, das kommt davon, weil Onkel Theodor um 2.30 Uhr mit dem Garten- schlauch nach Tante Emmy geschmissen hat...

Aber es war ein schöner Abend. ^Bcnn man sich auch einige Tage später von dem <^st und den Aufräumungsarbeiten erholen muh. Und auch die Hähne, die in den ^erlisten der Kolo- nisten ihrer stolzen Pflicht Genüge kn sehen tagelang später noch unausgeschlafen aus unö krähem so schläfrig, wie sonst nie im ganzen 3ahr.

Gießen, den 26. August 1932.

50 Jahre Tierschuhverein Gießen.

Die Aufgaben des Tierschutzes.

Der Tierschutzverein Gießen, der in diesem Jahre auf sein 50jähriges Bestehen zurückb.icken kann, hielt gestern im Singsaal des Realgymna­siums einen Vortragabend ab. Herr Müller der Vorsitzende, begrüßte die Besucher und gab in kurzen Zügen einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins, der gegenwärtig etwa 400 Mitglie­der zähle.

Als Redner des Abends sprach- Oberbürger­meister Maas (Schwerin) über die Aufgaben des Ti^-'^"tzes. Die Meinungen über den Tierschutz, so u. a. aus. gingen auseinander. Maß-

fleU.-v'für den Tierschutz aber sei das Verhältnis, in dem der Mensch zum Tiere stehe. Man müsse sieyvor Augen halten, dqh der Unterschied zwi­schen Mensch und Tier mehr ein gradueller, denn ein grundsätzlicher sei. Die meisten Tiere seien ebenso mit fünf Sinnen ausgerüstet wie d r Mensch, oft genug sogar mit feineren Sinnen. Man könne von einem Seelenleben der Tiere sprechen, das sich besonders in der Mutterliebe äußere. Der Ge­meinschaftsgeist der Tiere , sei eine ähnliche Aeuße- rung. Der stärkste Beweis der Verbundenheit liege aber doch bei der Möglichkeit der Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Leider werde das alles viel zu häufig unter dem Begriff Instinkt zu- sammengefaht. 3ed«s Tier habe Anspruch auf Leben. Man müsse den Schöpfer im Geschöpf ehren. Der Materialismus der gegenwärtigen Epoche habe manchen hemmungslosen Raubbau in der Tierwelt um des menschlichen Vorteils wil­len herausbeschworen. Tatsache sei, daß a. B. der Walfisch, wenn die 3agd so weiter betrieben werde, aussterbe; unter den Büffeln Rordame- rikas und unter den Eleganten Afrikas würde sinn- los gewütet Leider habe auch Ransen auf seinen Fahrten in das Eismeer um der Unterhaltung w .len auf jed.s lebende Wesen 3agd machen lassen. 3n den zivilisierten Ländern sei der Wildbestand sehr stark dezimiert worden. Gewissenlos werde oft genug das Tier zu Spielereien benutzt.

Erfreulicherweise habe sich in Deutschland eine starke Vogelschuhbewegung entwickelt. Darüber hinaus aber müsse noch viel mehr an der Tier­welt getan werden. 3nsbesondere müßten vier Worte: Schlachtung, Tierfang. Tier­haltung und Vivisektion das Ge­wissen der Menschen immer wieder aufrufen. Bei Hausschlachtungen geschehe heute leider noch viel Grausamkeit. Unbarmherzig werde heut« noch in der Küche mit Geflügel und Fisch umgegangen. Eine besondere Grausamkeit sei, so erklärte der Redner, das Schächten. Der Fang wilder Tiere bedeute sehr oft beispiellos« Quälerei. Beim Transport gehe meist der größte Teil der ge­fangenen Tiere elend zugrunde. Die Tierhaltung lasse allenthalben noch sehr zu wünschen übrig. Schließlich befaßte sich der Redner noch mit dem Kapitel Vivisektion und beleuchtete u. a. auch verschiedene Auswüchse. Aus all dem leiteten sich die Aufgaben des Tierschutzvereins in klarer Richtung vov selbst ab. Di« wirkungsvolle Arbeit sei nur im stoßkräftigen Verein möglich. Oertlich« Arbeit, Aktionen des Gesamtvereins seien von Fall zu Fall zu unternehmen. Für die Zukunft gelt« es aber auch nicht mehr nur zu bitten, son­dern zu fordern, wie das auch jedem anderen Volksgenossen, jeder anderen Organisation un­benommen sei. 3nsbesondere müßten die Tier- schutzgesehe ausgobaut werden. Es gehe nicht an, daß ein Tierquäler erst dann bestraft werde, wenn er böswillig oder roh handle und dabei öffentlich Aergernis errege; die Strafbestimmun­gen müßten viel weiter greifen. Aufzurufen gelte es die Volksmeinung zum Kampf gegen die Tier­quälerei. Besondere Aufmerksamkeit solle dabei der Jugend zugewandt werden. 3m Knaben müsse an seine Ritterlichkeit, im Mädchen an die Mütterlichkeit appelliert werden. Lehrer und Geistlichkeit müßten sich in den Dienst der Sache stellen. Erst dann könnte einem wirkungsvollen Tierschutz der Weg geebnet werden.

Rachdem der Vorttagende den Tierschutz zu ethischer 'Verpflichtung erhoben und sich ferner mit der Stellung des Christentums zum Tierschutz befaßt hatte, fand der außerordentlich anregende Abend seinen Abschluß.

ritancr haben in diesem Sommer in viel geringe­rer Zahl als früher Reisen nach Deutschland unter­nommen. Infolge der Einkommensschrumpfung reist das deutsche Publikum so sparsam wie möglich. Um so mehr verdient die im Luftverkehr erzielte Ver­kehrszunahme hervorgehoben zu werden. Zu diesem günstigen Ergebnis hat vor allem beigetragen, daß die

Flugpreise der veränderten Wirtschaftslage angepaßt

wurden und außerdem auf Rückflugscheine eine Ermäßigung von 3 0 v. H. gewährt wird. Sicherheit und Regelmäßigkeit haben den Verkehr weiter gehoben. Der Herbstflugplan bietet so günstige Reisemöglichkeiten für Passagiere, und die Preise sind so niedrig gehalten, daß man auch im Herbst mit einer weiteren Aufwärtsbewegung des Ver­kehrs rechnen darf.

Auch für Gießen sind mit Beginn des Herbst­luftverkehrs ab 1. September einige sehr günstige Acnderungen im Streckennetz vorgesehen, die den Fluggästen die Möglichkeit geben, nach allen Rich­tungen eine größere Anzahl Städte des In- und Auslandes, mit der planmäßigen Maschine 12.20 Uhr ab Gießen, an einem Tage zu erreichen. Flugpreis Gießen Frankfurt a. M. = 7 Mark Bei gleichzeitiger Lösung eines Rück- fluqscheines, der eine Gültigkeit von 2 Monaten hat, gewährt die Deutsche Luft-Hansa bis zum 15. Otto- ber eine Rückflugermähigung von 30 o.H.

Abflug: Gießen 12.20 Uhr.

Ankunft: Aachen 15.15 Uhr: Berlin 16.15; Baden-Baden 14 35; Darmstadt 13.10; Dortmund 1410- Essen - Mülheim 14.35; Frankfurt a. M 12 45 Freiburg 15.25. Flensburg 17.35; Friedrichs­hafen 15.15; Hamburg 16.10; Hannover 15.00; Lmlle - Leipzig 15.05 Karlsruhe 1410; Konstanz 16 20; Königsberg Pr. 3.00; Köln a Rh. 13.50; Siel 16 55 Uhr Lübeck 17.05 Mannheim 13.40; Mün­chen 15.25; Nürnberg - Fürth 14 10; Saarbrücken 1410 Stuttgart 14.00 Amsterdam 16 40; Bern 16 30 Brüssel 16.15; Genf 17.00; London 19.00. Leningrad 14.20; Moskau 15.30; Paris 17.05 Uhr.

0er Gtralauer Fischzug.

Alle 3ahre wieder lädt der altertümlii: Ber­liner Stadtteil Stralau zu einem Volksfest ein, das sich schon seit vielen hundert 3ahren mit Glanz bewährt hat. Der Stralauer .Fischzug. Tradition aus den ältesten Kinderjahren dieser Stadt ist aus dem Sommer einfach nicht mehr Wegzudenken. Wo früher die Rehe der leute in der Spree gelegen haben, da hat sich freilich mittlerweile das große Kraftwerk Rum­melsburg aufgetan. Aber das Fest der Fischers­leute hat Kraftwerk und Elektrizität, hat den ge­samten technischen Fortschritt in Bausch und Bogen überwunden. Wenn einmal dieser Festzug zur schönen Jahreszeit nicht in Stralau starten wurde, dann gäbe es vielleicht eine kleine Palastrevo­lution ... , v

Seit zwei Jahren aber sieht ein Teil der Stra­lauer Bevölkerung dieser Feierlichkeit mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu. Das sind die Stralauer Geschäftsleute, die sich für die­sen Tag ihrerseits zu einemFischzug" gcrnz be­sonderer Art rüsteten. Es begab sich nämlich, oaß aus Anlaß des Strckucr Festes ( «hntt uiende aus allen Ecken der Stadt zusammenströmten. An le­nem denkwürdigen Sonntag bestand nun eine alte Tradition, bi« es den Handelsleuten erlaubte, ihre Geschäfte offenzuhalten. Die Folge war regelmäßig ein schöner Amsah und einer der Hauptgeschäftstage im ganzen 3ahr.

Seit 1931 hat man den guten Leuten diese Kon- z « s s i o n entzogen. Hinte* Gittern und her­untergelassenen 3alousien müssen sie nun zufehen wie die Fremden aus dem benachbarten Stadtteil überhaupt keine Rotiz von der Pracht der Stra­lauer Schaufenster nehmen können. Andererseits aber sinden sich viele pfiffige Geschäftsleute, flie­gende Händler aller Art, bereit, die Jagdgründe der Stralauer Kaufleute mit allen möglichen Wa­ren zu beziehen. Diese Leute, die überall zu finden sind, wo es eine Menschenansammlung von über fünf Personen gibt, lassen sich natürlich auch hier die günstige Konjunktur nicht entgehen.

Es ist zu erwarten, daß deswegen sämtliche Stralauer Geschäftsinhaber eine Adresse an den Berliner Oberbürgermeister senden werden, in der sie Herrn Dr. S a h m der bekanntlich ebenso großherzig sein soll, wie er lang ist, energisch bitten werden, doch für einen Tag in Stralau die Autarkie einzuführen.

1100 Schüler fahren ins Grüne.

Ach, weit verlockender ist es natürlich, trotz alledem, sich in diesem schönen Wetter in die Eisenbahn zu sehen und irgendwohin zu ver­reisen, an die See, ins Gebirge, auf das Land. Aber verschenken tut auch Herr Dorpmüller nichts. Und deswegen wird die Mehrzahl von uns auch diesmal wieder mit langen Gesichtern zu House bleiben müssen.

Für uns Erwachsene ist das vielleicht noch nicht einmal so schlimm. Aber unsere Kinder? Für die wäre es doch so wichtig, einmal ein wenig heraus- ?ukomnzen. Aber mit dem Verschicken wird es dieses 3ahr auch nicht sehr viel besser sein als früher. Leider kommen nicht alle an die Reihe. Und die Hiheferien, die es schon seit einer Woche in Berlin gibt, müssen einfach zu Hause abgesessen werden. .

Bei diesem Stand der Ding« ist aber plötzlich ein kleines Wunder geschehen. Einige aus dem immerhin nicht unbeträchtlichen Heer der Berliner Autobesitzer haben sich gemeldet und sich nach englischem Muster bereit erklärt, ihr Auto über ein Wochenend« mit soviel unbemittelten Kindern vollzupacken, wie in den Wagen Platz finden können. Und heraus soll es dann gehen, ins Grüne. Kaffee und Kuchen soll ihnen gratis an­geboten werden. Wenn das auch nicht eine richtige Serienreife ist. bedeutet es doch einen doppelten Lichtblick: das Erlebnis eines schönen oommer- tages auf dem Land und das Erlebnis, in einem fremden Auto fahren zu dürfen.

Als einmal der Anfang gemacht war, ließen auch andere, die über ein Automobil verfügen, ihr Herz erweichen. Die Berliner Schulver- kehrswacht hat organisatorisch eingegriffen. Und nun steht fest, daß auch jeder Gemeindeschule Berlins allein in den inneren Stadtbezirken, bi« hierfür vor allem an Frage kommen, gibt es 280 Gemeindeschulen vier Schüler herausge­griffen werden, die am bedürftigsten und am geeignetsten für dieses kleine Abenteuer erscheinen.

Vielleicht ein Tropfen auf den heißen Stein? Aber immerhin 1100 Schüler werden davon betroffen. Und, ganz nebenbei, stellt es sich auf ber anderen Seite heraus, daß der 'Besitz eines Automobils nicht unbedingt zu Hochmut, Ge­schwindigkeit, Ueberfahren von Hühnern und Kaninchen erzieht, daß er mit einem Wort nicht unbedingt den Charakter zu verderben braucht.

TotaleEonnenfiusternis am 31 August

Die Wissenschaft rüstet ...

Wenn wir Mitteleuropäer am Abend des 31. August zur Ruhe gehen, tritt ein seltenes Himmelsschauspiel ein, nämlich die völlige Be­deckung der Sonnenscheibe durch den Mond: eine totale Sonnenfinsternis. Leider können wir davon nicht einmal eine teilweise Verfinsterung sehen, da, solange die Sonne noch über dem Horizont steht, von Europa gesehen der Mond noch seitlich der Sonne steht. Rur die Westküste Schottlands und 3rlands sieht gerade bei Sonnenuntergang noch den Beginn der Finsternis. Mehrere Stern­warten, hauptsächlich natürlich amerikanische, ent- senden 'Expeditionen in die Finsterniszone, die u. a. einen Teil Amerikas bedeckt. Außerdem soll ein amerikanisches Riesenlustschiff in den Dienst der Forschung gestellt werden, um Astronomen von hier aus Beobachtungen zu ermöglichen, falls Bewölkung dies von der Erdoberfläche aus verhindern sollte. Auch soll der Versuch gemacht |

3ungofobemifer im Freiwilligen Arbeitsdienst.

Das Deutsche Studentenwerk richtet an die unbeschäftigten 3ungakademiker folgenden Aufruf:

Seit mehr als zehn Jahren gegen die Rot des akademischen Rachwuchses in Deutschland aufs stärkste ankämpfend, fordert das Deutsche Stu­dentenwerk heute die stellungslosen 3ungafa- demiker auf, sich umgehend für den Freiwilligen Arbeitsdienst zur Verfügung zu stellen.

3n langen Verhandlungen ist es uns gelungen, die Teilnahme der akademischen Jugend am frei­willigen Arbeitsdienst als einem Gemeinschafts­werk der gesamten jungen Generation zu sichern. Zu diesen Verhandlungen trieb uns vor allem auch die Ucberjeugung, daß die Lage der vielen tausend untätig vor dem Berufsleben wartenden 3ungakademiker wirtschaftlich und seelisch eine ganz besonders harte und schwere ist. Aeuhcre und innere Rot. wirtschaftlicher Mangel und zermürbend« Untätigkeit in den Jahren der größ­ten Schaffensfreude reiben sie auf. Wir haben dafür gekämpft, daß das Volkswerk des frei­willigen Arbeitsdienstes, das Volksnot durch ge­meinsame Tat beheben will, an ihnen nicht vor­beigeht. Der Weg für die Teilnahme am freiwilligen Arbeitsdienst ist nunmehr für jeden 3ungakademiker frei. Die Reichsregierung hat weiter die Möglichkeit ge­geben, daß auch Zungakademiker über 25 3ahre, die nach kurzer Ausbildung zur Uebemahme füh­render Tätigkeit in Arbeitslagern geeignet sind, in den freitotlligen Arbeitsdienst ein tret en können.

Jedem Zunoakademiker, der nach Abschluß seiner Studien eine Berufsstellung nicht findet und sich in sozialem Verständnis und persönlicher Einsatzbereit- schäft der Aufgabe einer verantwortlichen Mitarbeit an einem der nationalen Erziehung dienenden Ge­meinschaftswerk gewachsen fühlt, steht nunmehr die Tätigkeit im freiwilligen Arbeitsdienst offen. Wer infolge seiner wirtschaftlichen Lage hierbei auf eine Förderung aus öffentlichen Mitteln verzichten kann, wird dies in der Einsicht tun, daß hierdurch einem anderen, ärmeren Volksgenossen ein Platz im Ar­beitsdienst offen gehalten wird. Jeder andere wird durch das örtliche Studentenwerk seiner Heimat­oder Nachbarhochschule in den Genuß der Förde- rungsberechtigung gelangen können, die durch die gesetzlichen Bestimmungen für Arbeitsdienstleistende vorgesehen ist.

Meldungen zum Freiwilligen Arbeitsdienst nimmt das örtliche Studentenwerk jeder Hoch- schule entgegen. Auf Wunsch übersenden diese Stel­len wie auch das Deutsche Studentenwerk e. V., Dresden-A. 24, Kaitzer-Straße 2, ein ausführliches Merkblatt über die Teilnahmebedingungen für Iungakademiker (einschließlich Junglehrer) am frei- willigen Arbeitsdienst.

Das Deutsche Studentenwerk wird sich stets dafür einsetzen, daß diejenigen unter den stellungslosen Iungakademikern, die sich dienend in die Arbeits- lagerbewcgung eingegliedert und bewährt haben, bei allen Maßnahmen zur Eingliederung der jun­gen Generation in das Berufsschaffen eine Berück­sichtigung finden, die diese Einsatzbereitschaft aner­kennt.^

Taten für Lonnia , 28. August.

1749 : 3ohann Wolfgang v. Goethe in Frank­furt a. M. geboten. 1914: Sieg Hindenburgs bei Tannenberg

werden, die ganze Himmelserscheinunq von einem Sender an Bord des Luftschiffes durch Bildfunk über die amerikanischen Radiosender zu vev» breiten.

Was gibt es eigentlich bei einer totalen Son­nenfinsternis zu sehen und warum rüsten viele Sternwarten Crpeditionen zu ihrer Beobachtung aus? Wenn die Sonne in den kostbaren P ; Mi­nuten der Totalität ganz vom Mond bedeckt wird und daher ihr grelles Licht nicht blenden kann, vermag man die äußerste nur schwach leuchtende Gashülle der Sonne, die Korona, zu sehen, zu photographieren und ihr Licht mit Hilfe des Spektroskops zu zerlegen und somit ihre chemische und physikalische Beschaffenheit zu ermitteln. Fer­ner wird durch daS Schwerefeld der Sonne ein Lichtstrahl, der hart an ihrem Rand vorbeistreift, nach per Cinsteinschen Lehre etwas von seiner graben Richtung abgelenkt. Sterne, die gerade am Rande zu stehen scheinen, werden also an einer etwas anderen Stelle des Himmels gefunden. alS sie ohne Einfluß des Sonnenschwerefeldes stehen. Alle diese Beobachtungen lassen sich nur bei total verfinsterter Sonne anstellen. Bei ber relativen Seltenheit solcher Himmelserscheinungen ist es daher begreiflich, wenn im Interesse ber Forschung zum Studium der seltenen Himmels­erscheinung Expeditionen ausziehen.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bl« 12.30 Uhr. 16 bl« 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen

Nach Beendigung der Hauptreisezeit tritt am 1 September für sämtliche europäischen Luftver­kehrsgesellschaften der Herbstflugplan in Kraft. Gegenüber dem etwas dichteren Sommer-Strecken­netz treten insofern einige Veränderungen ein, als mehrere dem Erholungsreiseverkehr dienenden Linien nach Sommerfrischen an der See und im Gebirge wegfallen. Der internationale und innerdeutsche Fernverkehr wird auch im September und Oktober in annähernd gleichem Umfange wie bisher auf­rechterhalten. Die Luft-Hansa vermittelt den Ver­kehr nach 26 ausländischen Großstädten: 35 deutsche Verkehrszentren behalten auch weiterhin günstigen Anschluß an das europäische Luftverkehrsnetz. Uuf den Strecken BerlinKölnParis und Berlin KönigsbergMoskau bzw. Leningrad wird der Sonntagsflugdienst auch fernerhin durchgeführt.

Neben 40 Strecken mit Passagierbeförderung führt die Lufthansa auf 4 Reichspoftstrecken den Post- und Güterschnelldienst nach England, Holland, Skandinavien und den Balkanländern durch. Er­fahrungsgemäß werden diese überwiegend während der Nachtstunden beflogenen Strecken auch in den Herbstmonaten sehr rege von der Geschäftswelt be­nutzt, da sie für den Transport eiliger Postsendun­gen und Expreßgüter außerordentlichen Zeitgewinn bieten.

während des Monats September beträgt die tägliche Jlugleiftung bet Lufthansa-Flugzeuge rund 33 000 Kilometer; sie liegt nur etwa 15 v. h. unter der Spitzenleistung der sommer­lichen Hauptverkehrsperiode.

Erfreulicherweise hat die Deutsche Luft-Hansa trotz Einschränkung der Flugleistung um etwa 6 v.H. in den Monaten Mai bis August 1932 eine 5pr o - zentige Steigerung des Passagier­verkehrs gegenüber dem Vorjahre zu verzeich­nen. Die zunehmende Benutzung des Flugzeuges verdient um so größere Beachtung, als die ande­ren Beförderungsmittel infolge der Welt­krise fast ausnahmslos starke Verkehr s- «inbußen erlitten haben. Der Reiseverkehr nach I und vom Ausland ist durch die Devisenkontingen­tierung erheblich eingeschränkt. Engländer und Ame° 1

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