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26/07/1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 26. Juli 1932.

* For st Personalien. Am 1. August tritt, wie man uns mitteilt, der Förster Philipp Menges zu Forsthaus Baumgarten, Forstamt Schiffenberg, auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß spricht die Regierung dem Aus- scheidenden die Anerkennung für die dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste aus. Mit ihm scheidet ein echter Forst- und Weidemann aus dem Dienst, der sich noch vollster körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische erfreut. Ohne die gesetzliche^ Vorschriften über die Altersgrenze der Staatsbeamten hätte er nach menschlicher Voraus­sicht noch lange seine ersprießlichen und infolge der langjährigen Erfahrungen wertvollen Dienste dem Staate widmen können. Förster Menges hat es verstanden, durch seine gewissenhafte und gerechte

Dienstführuna sich nicht nur die Anerkennung seiner vorgesetzten Behörden, sondern auch die Hochachtung und Wertschätzung aller Bevölkerungskreise zu er­werben. Möge es hm vergönnt sein, in seinem Geburtsort Großen-Linden, wohin er sich zurück- zuziehen gedenkt, seinen wohlverdienten, aber für ihn viel zu früh gekommenen Ruhestand mit seiner Gattin noch lange Jahre in Gesundheit und Frische verbringen zu können.

* Opfer seines Dienstes. Der gestern früh auf dem Bahnhof in Stockheim von einer Rangierlokomotive verfahrene Lokomotivputzer Schäfer liegt heute früh in der hiesigen Chirur­gischen Klinik noch in sehr ernstem Zustande dar­nieder. Dem bedauernswerten Manne ist bei dem Unfall ein Fuß abgefahren worden, ferner wurde ihm die rechte Hand zertrümmert und außerdem erlitt er noch einen Schädelbruch. Der Verunglückte, der sofort nach dem Unglücksfall das Bewußtsein verlor, ist bis jetzt noch besinnungslos. Er ist ver­heiratet und Vater von fünf Kindern.

Jahresversammlung der Gesellschaft Liebig-Museum.

Im Hörsaal des Liebigmuseums fanden sich am Sonntagvormittag die Mitglieder und Freunde der Gesellschaft Liebig-Museum zur Jah­resversammlung ein. Der Vorsitzende, Geh. Med.°Rat Prof. Dr. Sommer, hieß die An­wesenden wlllkommen und hielt dann einen Vor­trag über

Die Entwicklung des Liebig-Museums In den wahren 1924 bis 1932.

Rach den Jnflationsjahren stand die Gesellschaft Liebig-Museum finanziell vor dem Nichts. Erft langsam begann der Aufstieg und die Neuentwick­lung des Museums. Besonderes Verdienst um die Aufwärtsentwicklung hat sich Dr. Fritz Merck er­worben. Daß heute die Ausgestaltung viel reicher geworden ist, zeigt ern Besuch in den einzelnen Räumen. ImAeltesten Laboratorium haben eine Anzahl Bilder von Liebigs Schülern, ferner die Clemmecke" und ein Glaskasten mit Bildern aus der Geschichte der Chemie und Medizin Eingang gesunden. DieWaschküche", die von Dr. Hilde­brandt neu zusammengestellt wurde, enthält Vitri­nen mit Literatur von Liebig über Pflanzenchemie und Landwirtschaft, ferner als Stiftungen der Fa­milien Körner, Textor und Trapp aus Homburg, Pläne der Liebigshöhe und Bilder aus Liebigs Gießener Zeit. ImZimmer des Famulus" ist folgendes untergebracht: Vitrinen mit Liebig- Erinnerungen aus Gießen, Darmstadt und Mün­chen, gestiftet von Familie Merck, die sich große Verdienste um das Museum erworben hat, ferner die Geschichte der Gesellschaft, Geschichte der Ein­weihung des Liebig-Denkmals in Darmstadt und Gießen, Erinnerungen an Liebigs Kinder und Glasscheiben vom Boden mit Inschriften. ImMa­terialienzimmer" werden aufbewahrt: Pharmazeuti­sche Schränke, Bilder, Steinsammlung vom Großvater Dr. Wasls, imPräparantenzimmer" eine Sammlung aus der Münchener Zeit. ImPrivat­laboratorium befinden sich Bilder aus Heppenheim und Darmstadt, familiäre Erinnerungen, Briefe in Glasrahmen, Liebigs Apparat zur organischen Analyse, in einem kleinen Schrank die Liebig- Medaillen und alte Apparate zur Messung und Wägung, ferner eine ausgezeichnete Sammlung von Photographien und Plastiken und die Fami­liengeschichte. DasPharmazeutische Laboratorium dient zur Aufbewahrung eines Dioramas von der Gesolei in Düsseldorf 1925, ferner eines Modells einer Apotheke von Apotheker Was 16 in Schlitz und eineLiebig-Fleischextrakt-Ecke". Die früheren Bilder wurden ergänzt. Die Bücherei erfuhr große Bereicherung. Um die Ordnung der Bücherei hat sich Dr. Hildebrandt besonderes Verdienst erwor­ben. ImAnalytischen Laboratorium" ist eine Zu­sammenstellung von Liebigs Originalpräparaten zu sehen. Waagenzimmer und Hörsaal blieben fast unverändert. Im zweiten Teil seines Vortrages schil­derte der Redner

die besonderen Ereignisse der fehlen Jahre, die sich mit dem Museum verbanden. Aus An­laß der Einweihung des Liebigs-Hauses in Darm­stadt im Jahre 1928 trafen in unserer Stadt viele deutsche und ausländische Besucher ein.

1930 wurde in Bad Salzhausen einLiebig- Zimmer" eingerichtet, 1931 sand im Museum die Einweihung des pharmazeutischen Laboratoriums in Verbindung mit dem ersten Familientag der Blutsverwandten von Liebig statt. Unter den 18 Teilnehmern des Familientages befanden sich als direkte Rachkommer. Liebigs ein Enkel, eine Enke­lin und eine Urenkelin. 2m April dieses Jahres trafen englische Aerzte hier ein und wurden durch die Gesellschaft und den deutschen Verband für psychische Hygiene empfangen. Unter Mit­wirkung des Rektors der Universität und des Professors für englische Sprache, Dr. Fischer, fand ein Vortrag und eine Führung in der Nervenklinik statt. Zum Schluß sprach der Redner noch über

Erwerbungen und Spenden

in der letzten Zeit. Von diesen seien erwähnt: die Sammlung T h i e r s ch, die 1700 Mk- kostete, ferner die Sammlung Trapp (Quellenanalyse von Homburg), ferner eine Sammlung von 64 Originalbricfen Liebigs an Mitglieder der Fa­milie K e k u l e. die für 250 Mk. erworben wurde, sowie eine große Zahl Einzelbriefe und Bücher. Frau Geh. Rat Merck, Darmstadt, stiftete die Wöhler"-Medaille, Frau von Harnack ein Whisttäfelchen und Freifrau Auguste von L i e - big die Totenmaske Justus von Lie­bigs. Die Maske ist hervorragend in ihrer Au.führung, läßt jede einzelne Gesichtslinie deut­lich erkennen und muh als einer der bedeutungs­vollsten Kostbarkeiten des Museums bezeichnet werden. Als Zeichen äußerer Dankbarkeit soll, die Stifterin durch Ueberreichung der Liebig- Museums-Medaille geehrt werden. Auch dem Förderer des Liebigs-Museums, Amtsgerichtsrat 2öckel, Gießen, wurde durch den Vorsitzenden der Gesellschaft, Geh. Medizinalrat Sommer, die Liebigs-Museums-Medaille überreicht.

Aus den intercf7 inten Ausführungen des Vor­sitzenden war zu c. ..-en, dah das Liebigs-Museum in starkem Auswärtsstreben begriffen ist. Dah dies in erster Linie ein Verdienst des derzeitigen ersten Vorsitzenden ist, wurde in der

Hauptversammlung

von berufener Seite anerkannt. 3n dieser teilte der Vorsitzende mit, dah die Dhnamit-Ak- tien-Gesellschaft in Köln der Gesellschaft eine Schenkung von 500 M k. gemacht hat. Der Ankauf von 64 Originalbriefen Liebigs an Familie Kekule im Betrag von 250 Mk. wurde einstimmig genehmigt. Da das Gebäude dringend reparaturbedürftig ist, soll an die hessische Regierung eine Eingabe um Ge­währung von Zuschuh gerichtet werden. Oberbau­rat B e r t wurde gebeten, einen Kostenvoranschlag aufzustellen. Einer Anregung von Professor Brandt zufolge wurde beschlossen, im Benehmen mit der Medizinischen Gesellschaft in diesem Ro- vember aus Anlaß der vor hundert Jahren erfolg­ten Erfindung des Chloroforms zwei Vorträge halten zu lassen. Die von den Rechnungsprüfern, Amtsgerichtsrat 2öckel und Lehrer Michel, durchgesehene Rechnung des Jahres 1931 wurde genehmigt und dem Rechner Entlastung erteilt.

Das Gängerbundesfest.

Oer Festzug

am Sonntag war ein unvergeßliches Er­lebnis nicht nur für die Zugteilnehmer, sondern auch für die vielen Hunderttausende, die den <zest- zug als Zuschauer miterlebten. Sänger und Pu­blikum verband ein gewaltiges Bekenntnis zum deutschen Lied und zur deutschen Einheit und Einigkeit. Unbeschreiblicher Jubel scholl nament­lich den auslandsdeutschen Vereinen entgegen, die überaus stark im Festzug vertreten waren. Der Vorbeimarsch des gewaltigen friedlichen Demon­strationszuges dauerte fünf Stunden, und als die letzten Gruppen das Endziel erreichten, war die Dämmerung bereitshereingebrochen. Schon Stun­den vor Beginn des Festzuges waren die Straßen- zöge, die der Festzug passierte, dicht beseht. Es ist sicherlich nicht zu hoch gegriffen, wenn man die Zahl der Zuschauer auf eine halbe Million schätzt.

Der Festzug bestand aus acht Gruppen und wurde cingcteitet durch einen historischen Teil, der die Entwicklung des deutschen Liedes unter Be­rücksichtigung des Chorgesanges zeigte. Da sah man die alten Germanen, die ersten Singschulen zur Zeit Karls des Großen, die Minnesänger, die Meistersinger, das Soldatenlied (Landsknechte), das Volkslied mit Volksfiguren, Jägern, Fischern, Schäfern und fahrendem Volk. Man sah weiter kirchliche Singchöre mit Kurrendeschülern. Goethe und Zelter, die Liedertafel, wie sie ihr Gründer Zelter abhielt, das Freiheitslied (Theodor Kör­ner, Lühower Jäger usw.), ein GruppenbildSah ein Knab ein Röslein steh'n", das Studentenlied und schließlich den Männerchor und den Gemisch­ten Chor in unserer Zeit. Herolde mit dem Dun- desbanner, auf einem prächtig geschmückten vier­spännigen Wagen aufgestellt, und die Bundeslei­tung schlossen sich an. Und dann folgten die ein­zelnen Sängergruppen. Voran die Ostpreußen mit Volksdeutschen Gruppen aus Danzig, Riga, Reval, Riedersachsen, Oldenburg, der Pfälzer Gänger» knind, Badischer Sängerbund, Pommerscher Sän­gerbund mit Grenzmark, Rordmark, Westfäli­scher Sängerbund, Rheinischer Sängerbund, Hes­sischer Sängerbund, Volksdeutsche Gruppe

Rumänien, Schwäbischer Sängerbund, Sänger­bund Berlin-Brandenburg, Volksdeutsche Grup­pen USA. und Schweiz, die Sängerbünde Saale- Anhalt und Elbe-Havel, Mitteldeutscher (Sänger- bund, Saar-Sängerbund, Bayrischer und Schwä­bisch-Bayrischer Sängerbund, Sondershäuser Ver­band und Volksdeutsche Gruppe Tirol, Fränki­scher Sängerbund, Thüringer Sängerbund, Henne­berg und Osterländer Sängerbund, Sächsischer Sängerbund, Sudetendeutsche, Ostmark und Oe­sterreich, Weimarer CC., Sondershäuser SV. und schließlich die. Auslandsänger. Es folgte eine Gruppe von Frankfurter Vereinen und Verbän­den. Hier erregten der Kreiskriegerverband mit Kavalleristen sämtlicher Gattungen und die ver­schiedenen Sportgruppen die besondere Aufmerk­samkeit der Massen. Den Schluß bildete der Sän­gerbund Rassau. Zwischen die einzelnen Sänger- gruppen waren prächtige Dildgruppen eingefügt. So sah man die älteste Postkutsche bis zum mo­dernen Postautobus, -eine Bildgruppe Landwirt­schaft, in der auch Frankfurter Palmengarten und Zoo vertreten waren, je eine Dildgruppe Hand­werker, Gewerbe, Industrie. Vielfach hatten die einzelnen Bünde ihre heimischen Spezialitäten sehr schön zur Darstellung gebracht.

Der Deutsche Sängerbund hat mit diesem Fest­zug gezeigt, daß er nicht nur eine weltumspan­nende Organisation ist, sondern dah er auch in schwerster Zeit seinen Idealen und der deutschen Sache treu geblieben ist. Der glanzvolle Festzug, mit dem das XL Deutsche Sängerbundesfest fei­nen eigentlichen Abschluß gesunden hat, wird in Frankfurt nicht vergessen werden.

Das dritte und letzte Hauptkonzert kam am Sonntag zur Durchführung. In der über- fügten Festhalle waren 10 000 Sänger versammelt, die von den Bünden Alpenland-Bayern, Berlin- Brandenburg Franken, Mitteldeutscher Sängerbund, Saar, Freistaat Sachsen, Provinz Sachsen, Anhalt, Thüringen und Oesterreich gestellt wurden. Zuerst kam mit einem Gesamtchor (9g. Schumann zu Ehren, des en MotetteWachet auf, ruft uns die Stimme" von den Vereinigten Sön^rbünden vollendet vor-

Wieder in die Stratosphäre!

Unterredung mit Professor piccard.

Don percival Groß.

5>cr in Brüssel ansässige deutsch-amerika­nische Journalist Groß hatte dieser Tage eine Unterredung mit Professor Piccard über die Vorbereitungen zu seinem z w e i - tenStratosphärenflug, die wir im Folgenden wiedergeben.

Das naturwissenschaftliche Institut in Brüssel ist ein schönes, funkelnagelneues Gebäude. An allen Ecken riecht es noch nach Lack und Firnis wem cs aber darauf ankommt, etwas genauer durch diese Hellen und freundlichen Räume zu schnüffeln, der wird außer der Atmo­sphäre der Reuheit bereits etwas anderes spüren, einen leisen Geruch, den Hauch eines Geruches vielmehr, der von geheimnisvollen, eifrigen, nur dem Fachmann verständlichen Arbeiten zeugt. Die Wissenschaft hat mit all ihren Trabanten Einzug in dieses früher so harmlose Gebäude gehalten.

Oder liegt es daran, daß man bereits in der Vorhalle von einigen ernst blickenden Assistenten empfangen wird, die warnend ihren Zeigefinger an die Lippen legen, die durch stummes und inten­sives Gestikulieren vor jedem lauten Wort, jedem geräuschvollen Schritt warnen? So entsteht schon ton der ersten Minute an eine behutsame Atmo­sphäre. Man geht sozusagen in Filzpan- tinen. Was in aller Welt mag es hinter jener großen, weißen Tür für Geheimnisse geben, die ab und zu von den Wächtern der Wissenschaft mit einem scheuen Seitenblick gestreift wird?

Fünfzehn Minuten gespanntes, ungeduldiges Warten und dann weiß man Bescheid. Dann öffnet fick jene rätselhafte Tür. Heraus tritt ein langer, hagerer Mann mit wehenden Haaren einer großen goldumränderten Brille, hinter der zwei große Augen kindlich in die Ge­gend blicken. So zerknittert sein Gesicht sein mag, es hat stets einen völlig unschuldigen, fast jungen­haften Ausdruck. Mit langen Schritten will sich diese Gestalt aus der Gefahrenzone der Inter­viewer retten. Fast bedauert man es, ihr den Weg versperren zu müssen.Entschuldigen Sie, Herr Professor..."

Aber sofort ist dieses Gesicht einem fremden Frager gegenüber merkwürdig gesammelt, dabei freundlich und lächelnd. Er sieht wohl ein, daß es kein Entrinnen mehr gibt und stellt sich liebens­würdig, wenn auch etwas verlegen, den Stören­frieden zur Verfügung.Ach ja, natürlich. Ditte schön hier herein...

Und dann entschleiert sich das Rätsel dieses Zimmers. Es ist vollständig leer. Rur in der Mitte des Raumes hängt an starken Kabeln eine weiße Aluminiumkugel in Mannshöhe von der Decke herunter. Die elekttische Beleuchtung des Raumes wirst grelle Reflexe auf sie. Geblendet von diesem merkwürdigen Schauspiel bleibt man stehen. Dies also ist die Gondel des neuen Ballons, der Professor Piccard und seinen Assistenten C o s s y n s binnen kurzem *um zwei­tenmal in die Stratosphäre führen wird. In we­nigen Tagen soll diese Gondel von Brüssel nach Zürich übergesührt werden, wo der Ballon auf­montiert werden soll. Dann braucht man bloß noch auf möglichst klares, sichtfreies Wetter zu warten. Und dann kann es losgehen...

Stolz betrachtet der Gelehrte seine magische Ku­gel.Ich glaube. Sie können das Ding drehen und wenden, wie Sie wollen, können jeden einzelnen Teil unter die Lupe nehmen und Sie werden trotzdem keinen Makel, keinen Fleck, keine Lötstelle

an ihm entdeckten. Tag und Rächt haben wir uns überlegt we Iches Material hierfür am zweckmäßigsten ist. Zum Beispiel der Lack hat unS großes Kopfzerbrechen gemacht Jetzt ist sie aber schon geworden, die Gondel, sehr schon sogar... Stellen Sie sich vor, der ganze Apparat wiegt bei 2,10 Metern Durchmesser nur 150 Kilo. Das ist schon allein das Maximum an Sicherheit, das bei einem Flugzeug dieser Art erreicht werden kann. Trotzdem werden wir sehr vorsichtig vorgehen. Man hat ja gelernt zu warten. Ich bin kein großer Freund festgelegter Pläne und Ter­mine. Man muh die Rerven haben, den richtigen Moment abzuwarten, auch wenn es Wochen dau­ern sollte. Dann erst kann von wirklicher Sicher­heit gesprochen werden. Was nütze ich schließlich der Wissenschaft und mir wenn ich eine Aben­teurerfahrt unternehme? Erstens kommt es dar­auf an, daß meine Auszeichnungen den Erdboden erreichen können. Zweitens ist es vielleicht nicht unwichtig, daß ich selbst am Leben bleibe, um ergänzende Aufschlüsse über meine schriftlichen Er­fahrungen zuzusteuern. Und schließlich man hat ja schließlich eine Frau und vier Ki nder.

Was ich mitnehmen werde? So wenig wie möglich. Ballast selbstverständlich, dann eine Lei­ter, Meßapparate, eine komplette Radiostation. Bei meinem vorigen Flug zeigte es sich zweck­mäßig, sowohl eine Sende- als auch eine Emp­fangsstation dabei zu haben. Auch ohne Lebens­mittel werde ich schwer auskommen können. Aber die verstaue ich unter unseren Sitzen." Er zeigt auf zwei große Weiden körbe, die umgestülpt in der Gondel stehen.Es ist sehr wichtig, sich durch allzu langes Stehen nicht zu übermüden. Der Hauptfehler Robi les zum Beispiel war es, daß er die Frage der Sitzgelegenheit außer Acht ließ. So verfügte er im entscheidenden Moment nicht mehr über die notwendige Frische. Und uns kommt es doch darauf an, nicht in 15000 MeternHöheeinzuschlafen! Wir müssen doch etwas sehen, ununterbrochen müssen Tülr während der Reise beobachten und kalkulieren. Denn es ist ein Aberglaube, daß man in diesen Höhe nichts mehr unterscheiden kann. Alles hängt von zweierlei ab: daß man sich nicht übermüdet und daß der Rebel nicht zu dicht wird. Wir sitzen zwar sozusagen in einem Glaskasten, denn die beiden Oeffnungen, die Sie hier in der Gondel sehen, werden durch Glasscheiben verschlossen werden. Die Hauptsache ist im Augenblick, daß wir noch rechtzeitig fertig werden, daß irgend­welche technischen Schwierigkeiten uns nicht daran hindern, beim Auftreten einer günstigen Wetter­epoche zu starten. Sonst heißt es vielleicht, Mo­nate und Monate warten. Man hat deswegen schon manchmal über mich gelacht. Das kann mir aber gleichgültig sein. Ich bin fein Oltenteurer. Und zu den geduldigen Vorbereitungen einer For­schungsfahrt gehört bestimmt ebensoviel Mut, wie zu der Forschung selbst...

Run, diesen Mut kann man dem liebenswürdi­gen, verlegenen Riesen mit den Kinderaugen ganz gewiß glauben. Gr hat es in der Tat bisher ver­standen gegen alle Widerwärtigkeiten der Welt sich und seine Arbeit mit der notwendigen Ruhe durchzusetzen. Und sollte auch seine äußere Er­scheinung den Eindruck eines gelehrten Roman­tikers erwecken, so ist man nach seinen kühlen, kla­ren Worten doch überzeugt von einer Sorgfalt und einem Willen, 'der seine bisherigen Seiten vielleicht noch bewundernswerter macht.

letzte Veranstaltung des XI. Deutschen Sängerbundes­festes.

Das nächste Sängerfest in Leipzig.

Der Deutsche Sängerbund beschloß am Sonntag, das nächste Sängerbundesfest im Jahre 1937 in Leipzig stattfinden zu lassen.

Buntes Allerlei.

Das längste Wort der Welt.

Was ist einJungefrauenzimmerdurchschwind- suchtstötu ngsgegenvere in "? Wir Deutschen werden uns wahrscheinlich umsonst den Kopf über diesem Problem zerbrechen, obwohl es zweifellos ein deut­sches Wort ist, das sich in diesem Ungetüm verbirgt. Die Antwort lautet ganz einfach: das ist das' längste deutsche Wort. Zum mindesten hat eine vielgelesene amerikanische ZÄtschrift dieseEntdeckung" kürzlich zum Besten gegeben. Die deutsche Sprache ist nun einmal berühmt oder, wenn man will, berüch­tigt wegen ihrer langen Wortbildungen, und schon Mark Twain hat sich eine schöne Sammlung von deutschenBandwurmworten^ zugelegt, die er sorgfältig gehegt und gepflegt hat.

Trotzdem kann Deutschland nicht den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die längsten Worte der Welt zu besitzen und selbst derIungesrauenzim- merdurchschwindsuchtstödtungsgegenoerein" wenn er existieren würde wird an Länge bei weitem übertroffen durch ein griechisches Wort, das bei Aristophanes zu finden ist. Dieses Ungeheuer man kann es wirklich nicht anders nennen das an die Atemtechnik des Sprechers höchste Anforde­rungen stellt, und dessen Sinn nicht ohne weiteres einwandfrei zu deuten ist, besitzt im griechischen Ur­text 169 Buchstaben und 78 Silben. In lateinische Lettern übertragen lautet es: Lepadotemachosela- chogaleokranioleipsanodrimupotrimmatosilphiopar- aomelitokatakeclumnenokichlepikossuphophattoperi- steralelektruonopetfkephalokigkilopeleiolagoosiraio- baletaganapterugon!! (Druckfehler vorbehalten.)

Dieses längste Wort der Welt hält einwandfrei den Rekord. Was will selbst Dimethylamioophenyl- dimethylpyrazoion, die chemische Bezeichnung für Pyramidon, gegen diesen Riesen besagen? Sogar Rabelais, der sich gerne und mit Erfolg in der Bil­dung von Wortungeheuern gefiel, bleibt mit seinem Anti pericata metana parbeuge damphioribra tiones weit hinter seinem griechischen Kollegen zurück, und Shakespeare mit feinemhonorificabilitudinitati- bus" ist nichts als ein elender Stümper gegen Aristo- phanes.

Die Amerikaner haben selbstverständlich versucht, den griechischen Rekord zu brechen, und sie sind zu diesem Zwecke ebenfalls -weit in ihre geschichtliche Vergangenheit zurückgestiegen. Die englische Sprache, die sich durch kurze Worte auszeichnet, schied von vornherein in diesem Wettkanipse aus. Also verfiel man auf die Sprache der Azteken, die schon bei oberflächlicher Betrachtung zu näheren Untersuchungen reizen mußte. Immerhin war das Resultat recht mager: als längstes aztekisches Wort

getragen wurde. Die ersten Einzelvorträge wurden vom Mitteldeutschen Sängerbund gesungen. Bundes­chormeister Dr. h. c. Robert Laugs (Kassel), der die Leitung hatte, konnte mit seinen Sängern zu­frieden sein, da sie seiner Stabführung mit voller Anteilnahme folgten. Die folgenden Einzelvorträge des Sängerbundes Berlin-Brandenburg unter Lei­tung des Bundeschormeisters Hanns M i e ß n e r (Berlin), bildeten wohl den Höhepunkt des Konzerts. Auch die Uraufführung desLiedes der Wandern­den" von Fritz Steineck hatte die Zustimmung der großen Zuhörerschaft. Den großen Abschluß und das unvergeßliche Erlebnis dieses Sängerfestes brachte der AbschlußchorPalmsonntagmorgen" von Max Egger. Frau Mia Neusitzer-Thönissen (Berlin) sang das Sopransolo sehr gut, und das Städtische Or­chester, verstärkt durch das Rundfunk-Symphonie- Orchester, entledigte sich seiner Aufgabe ebenfalls ohne Tadel. Nach Schluß des Chores brach ein un­beschreiblicher Jubel und ein nicht endenwollendes Beifallklatlchen los. Das Orchester und die Sänger stimmten das Deutschlandlied an, das alle spontan mitsangen. Mit dem Sängergruß fand die letzte große Veranstaltung des Sängerfestes ihr Ende.

Volksdeutsche Kundgebung im Palmengarten.

Am Sonntagabend fand als Abschluß der ganzen Festlichkeiten eine große Kundgebung im Palmen­garten, veranstaltet vom Verein für das Deutschtum im Auslande zu Frankfurt am Main statt, Diele Hundert Ausländsdeutsche waren zu dieser Kundgebung erschienen, in erster Linie Amerikaner, Polen, Danziger und in ganz besonders großer Anzahl die Siebenbürger, die aber, obwohl der Hauptsaal des Palmengartens vollkommen für die Auslandsdeutfchn reserviert war, bei weitem nicht alle Platz finden konnten. Es mar eine erhebende Feier und ein stolzes Bekenntnis zum deutschen Volks- und Einheitsaedanken. Alle von den ver­schiedenen Volksdeutschen Kundgebungen bekannten Redner der Ausländsdeutschen, wie Dr. S e y f a r t h (Brooklyn, Rundfunk), Dr. Hans Otto Roth aus Siebenbürgen, Landrat Eugen Naumann aus Pofen und andere Ausländsdeutsche von Ruf und Namen kamen zu Wort und gelobten noch einmal, treu für die deutsche Sache im Auslande zu wirken und zu kämpfen. Auch Admiral S e e d o h m , der stellvertretende Vorsitzende des Hauptvorstandes des VDA., hob in einer kurzen, aber kernigen Ansprache die innere Verbundenheit der In- und Ausländs­deutschen hervor. Die erhebende Veranstaltung war umrahmt von einer ganzen Reihe auf hoher künst­lerischer Stufe stehender musikalischer und gesang­licher Vorführungen und bildete einen würdigen Abschluß des in allen Teilen glänzend verlaufenen XI. Deutschen Sängerbundesfestes. In die künstle­rische Ehre des Abends teilten sich der Danziger Männergesangverein, die Reoaler Liedertafel, der Männerchor San Franzisko und der Gesangverein Sängerbund" Knittelfeld (Steiermark) sowie die Akademische Volkskunstgruppe von Innsbruck. Mit dem begeistert gesungenen Deutschlandlied schloß die