Die SeMnaiionalen an den ReichMäMenien.
Berlin, 26. Mai. (BD3-) Die Rcichskags - fraktlon der D R V P. hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein Telegramm gesandt, in dem es u. a. heißt:
„Nachdem unter mißbräuchlicher Anwendung der Geschäftsordnung des Reichstages und entgegen den Vorschriften der Verfassung am 12. Mai d. 3. eine Unterbrechung der Reichslagsvcr- handlungen statlgefunden hat, hat die deutsch- nationale Reichstagssraktion die Einberufung des Reichstages auf Grund des Art. 24 der Reichsverfaffung gefordert. Der Reichslagspräsident hat die Einberufung des Reichstages abgclehnt. Weite Teile des deutschen Volkes erblicken in dieser Ablehnung, die sich mit der Auffassung des Staats- gcrichtshofes in krassen Widerspruch seht, einen Beweis dafür, daß selb st die durch die Verfassung gewährte! st cten Rechte heute in Deutschland nicht gesichert sind und daß an die Stelle des Rechts heute die Willkür der politischen Mehrheit getreten ist. Die Vertretung des deutschen Volkes ist wiederum auf unabsehbare Zeit rechtswidrig ausgeschaltet und nicht in der Lage, zu den Plänen Stellung zu nehmen, die die Rcichsregierung neuerlich verfolgt.
Die Mitteilungen über die von der Regierung geplante neue Rotverordnung lassen erkennen, daß die Rcichsregierung entgegen den wiederholten feierlichen Erklärungen dem deutschen Volke in allen seinen Schichten neue untragbare Lasten
auferlcgen und damit die Lebenshaltung des deutschen Volkes weiter in verhängnisvollster Weise herabdrücken will. Auch der Landwirtschaft im Osten drohen nach unserer Kenntnis neue Gefahren durch Pläne der Reichsregierung, die eine große Zahl ostdeutscher Besitzer der Enteignung ohne Rechtsschutz aus- liesern würden.
Wir machen in aller Ehrerbietung darauf aufmerksam, dah solche Pläne, in die Tat umgeseht, in den breiten Volksmassen die schon vorhandene Verzweiflung in einem Mähe steigern muh, dah sic sich unter Umständen in Formen Luft macht, die kein vaterlandsliebender Deutscher bei der jetzigen gespannten Lage wünschen kann.
An Sie, hochzuverehrcnder Herr Reichspräsident, richten wir die eindringliche Bitte, bei dieser Lage der Dinge der Regierung die Verantwortung für derartige Mahnahmen nicht durch Unterzeichnung von Rol- verordnungen abzunehmen, sondern die Reichsregierung auf den Weg der Beschluß- fassung durch die gesetzgebenden Instanzen zu verweisen. Wir erlauben uns, in diesem Zusammenhänge auf den Art. 24 der Reichsverfassung Bezug zu nehmen, der dem Reichspräsidenten die Befugnis gibt, von sich aus die Einberufung des Reichstages herbeizuführen.-
Reue polnische Provokationen..
Flugblätter des polnischen Westmarkenvereins fordern auf Danziger Staatsgebiet zum Boykott Danzigs und Zoppots auf.
Danzig. 25-Mai. (TU.) Sn Oliva und Zoppot wurden dieser Tage neue polnische Flugblätter verteilt, die in Uebcrsehung folgenden Wortlaut haben: ..Gebote betreffend den Boykott von Zoppot und Danzig. 1. Bedenke, dah der Boykott alle polnischen Staatsbürger ohne Unterschied der Nationalität und der polnischen Lieberzeugung verpflichtet. 2. Lah Deinen Fuh, den Fuh Deiner Frau oder Deines Kindes. Deines Freundes oder Deines Bekannten nicht den Danziger Boden betreten, solange sich nicht der Wille eines loyalen Zusammenlebens Danzigs mit Polen kundgibt. 3. Dergiß nicht, dah Du ein Mitglied des in Danzig tagtäglich nicht nur in seinen Gefühlen, sondern auch in seinen Rechten beleidigten polnischen Volkes bist. 4. Ein Bruch des Boykotts ist einnationalesDer- brechen. 5. Bedenke, dah die Verräter an der Sache eine schwere und exemplarische Strafe erleiden werden. Meidet Zoppot! Der Verband zur Verteidigung der Westmark."
Der Senat der Freien Stadt Danzig hat darauf eine diplomatische Vertretung Polens eine Note gesandt, in der es heißt: Seit einigen Tagen werden in den von Polen nach Danzig sah- renden Zügen von dem polnischen Verein für Verteidigung der Westmark Flugblätter verteilt, die zu m BoykottDanzigs und des Badeorts Zoppot auffordern und Personen, die diesen Boykott nicht befolgen, schwere und exemplarische Strafen androhen. Die Verteilung der Flugblätter auf dem Gebiet der Freien Stadt Danzig ist strafbar und als tief zu bedauernde polnische Hetze gegen Danzig aufs schärfste zu verurteilen. Um so befremdender und empörender ist es, wenn die Leitung der polnischen StaatsbahnVerwaltung das Vorgehen verantwortungsloser polnischer Hetzer nicht nur duldet, sondern sogar fördert u n d st ü tz t. Die Danziger Pahbeamten nah- men die Beschlagnahmung der Blätter vor. Bei dieser Dienstausführung wurden sie von den
Zugführern und Schaffnern wie auch von dem stellvertretenden Vorstand der Station Danzig-Haupt- bahnhof erregt zur Rede gestellt und aufgefordert, die Beschlagnahme zu unterlassen, hierbei wurden die Eisenbahnbeamten von mehreren Beamten der polnischen Staatsbahndirektion unterstützt. Wir bitten dringlichst, daß solche Boykottmaßnahmen als den zwischen Danzig und Polen bestehenden Verträgen zuwiderlaufend unterbunden, und daß die polnischen Eisenbahnbcamten disziplinarisch zur Verantwortung gezogen werden. Von dem Veranlaßten bitten wir um Mitteilung. Abschrift dieses Schreibens haben wir dem hohen Kommissar des Völkerbundes übersandt.
Verstärkung des militärischen Schutzes von Ostpreußen.
Gegen die dauernde Bedrohung der vom Reich abgetrennten Provinz.
Königsberg. 25. 2Hai. (TU.) Das Wehrkreiskommando I in Königsberg keilt mit, die dauernde Bedrohung der vom Reich abge- trennlen Provinz habe das Reichswehrministerium veranlaßt, ihre Verteidigungsfähigkeit im Rohmen des durch das Versailler Diktat Erlaubten zu verbessern, hierfür zur Verfügung gestellte Mittel würden zur 13 er- stärkung des s o g. „Heilsberger Dreiecks" benutzt, um der Abwehrkraft der Provinz ein weiteres Rückgrat zu geben. Die erforderlichen Geländeverstärkungen würden zum größten Teil an provinziale Baufirmen vergeben werden. Daneben dürfte auch der freiwillige Arbeitsdienst eingesetzt werden. Abgesehen von dem Zweck der Gelöndeverstärkungen seien diese Arbeiten auch im Interesse der Arbeitsbeschaffung zu begrüßen. Das Wehrkreiskommando fügt jedoch hin-
Wiener Prater.
Ein klassischer Tummelplatz.
Immer, wenn ich in Wien bin, gehe ich zum Prater. Man steigt am Tegethosf-Monument aus der Elektrischen, geht einige Schritte unter einer grünen Allee, fühlt sich ganz außerhalb der Stadt, meint, man müsse jetzt gleich in ein idyllisches Wäldchen kommen, in dem man sich der Natur nähern kann — und da weht er auch schon entgegen, der eigentümliche Duft des Wiener Praters, ein Geruch von Gulasch und Würstel-Saft, da heulen auch schon die großen Orgeln mit vielen Pfeifen und kleinen beweglichen Puppen ihre klassischen Melodien aus Rossini, Auber, Wagner, da kommen die Weisen heran, die unsere Großeltern fangen, als sie Kinder waren, beim dieser Prater ist durchaus klassisch und konservativ, und ich wüßte nicht, daß sich in all den Sohren sein Bild wesentlich geändert hätte. Gewiß, einige neue Lustbarkeiten tauchen auf, man kann in elektrischen Automobilen auf einer Asphaltsläche oder in Motorbooten auf einem künstlichen See spozieren- sohren, wobei das Gefühl, ein eigenes Gefährt zu lenken, dos Verlockende ist: auch im Prater geht jetzt schon alles elektrisch — nicht nur das weltberühmte Riesenrad — aber diese Elektrizität versteckt sich, sie drängt sich nirgends hervor, sie bleibt hinter den bemalten Wänden der Buden. Sa, es scheint: der Prater schämt sich, modern zu sein, und mehr als diese letzten technischen Errungenschaften stellt er seine alten ehrwürdigen Objekte aus, die noch genau so geblieben sind wie vor einem Jahrhundert.
Da steht in einer offenen Rundhalle der große Chinese: Eine riesenhafte steife Holzfigur in zerschlissenem Gewand, an dessen Herrichtung offenbar kein Mensch denkt: er ist der Mittelpunkt eines Karussells, das aus kleinen Eisenbahnwägelchen mit einer kupfernen Lokomotive besteht, denn, erinnern wir uns, diese Schaustellung stammt aus der Zeit, da die ersten Eisenbahnen liefen. Unb i>ie Eisenbahn des Chinesen geht auch heute noch munter im Kreise, langsam und gemächlich führt sie in die Runde und hat keinen Ehrgeiz, einen zeitgemäßen Rekord aufzustellen. Sa, die Wiener benutzen dieses altväterliche Karussell, sie.fahren auch gerne mit den anderen, die da sind, mit den hölzernen Pferdchen, den geschwungenen Schwänen, den bunten Schlitten, und es ist noch eine Hehr alte Schaukel vorhanden, deren ousgebuhtete Schiffchen einmal für die Boaen der Reisröck? berechnet waren.
Unb dann gibt es die Grottenbahnen. Sn einer Zeit, da alle Panoptika in Europa versteigert teerten, haben sich im Wiener Prater die kleinen Minioturpanoptika erholten. Denn da fährt man wirklich durch Grotten, die wahrscheinlich aus Papiermache find und sieht in ihren Höhlen kleine bewegliche Schauspiele: der König der Zwerge hat feinen Hofstaat versammelt, hebt würdig die Hand, und bi? winzigen Kerlchen verneigen sich: in einer schauerlichen Wolfsschlucht beschwört Kaspar mit bem ängstlichen Max den Samiel, der bann aus einer feuerroten Höhle auftaucht, wäh- renb nächtliches Getier vor einem Gespensterhimmel kreist, ein veritabler Wasserfall stürzt in die Tiefe: und durch die Hecke bricht der Prinz, der Dornröschen erwecken wird.
Solche SUufionen gewährt die Grottenbahn für einige Groschen, und es fährt ein Ansager mit, einer von den Kerlen, wie sie uns den alten Kintopp erläuterten, und schreit: „Der Untergang der großen Stadt Lissabon durch ein schreckliches Erdbeben!" und dann verfinstert sich der Himmel, es kracht und donnert gewaltig, Dunkelheit umhüllt uns, und wenn es wieder hell wird, lodern aus allen Häusern entsetzliche Flammen (roter Stoff und Ventilator). Gewiß, an solchen Dingen erfreuen sich die Wiener: diese Grottenbahnen verändern ihr Programm nicht, sie stehen ewig: ewig hebt der Zwergenkönig würdevoll die Hand, ewig prasselt der Niagara, und Samiel aus dem „Freischütz" taucht in die Magie eines höllischen Lichtes empor. Alles wird überweht von dem Duft des Paprikogulosch und der heißen Würstel: die großen Orgeln heulen, und das Ganze strömt auf dos Wiener Volk die Sllufion von Traum, Abenteuer und romantischem Geschehen aus. Der Prater ist auch heute noch der Traum des Knaben, der ihm nach einer guten Schulzensur gnädig beschert wird, und die Erwachsenen suchen nicht weniger freudig diese Stätten der ersten jugendlichen Schauer auf, da ihnen die gewaltigen Orgeln donnernd den süßen Schrecken des ilnbefannten ins Herz heulten.
Oie Europa" spricht um die Erde.
Der Dampfer „Europa" hot kürzlich um die Erde gesprochen. Eigentlich war cs zwar nur um die halbe Erde — aber wenn man eben um die halbe Erde herumsprechen kann, dann kann man auch um die ganze Erde herumsprechen: denn der, mit dem man sprechen will, kann nie mehr als den halben Erdumfang von einem entfernt fein.
Die Funkeinrichtung des Dampfers „Europa" ist dem neuesten Stand der Technik angepoht. Aus der
zu, daß die neuen Verstärkungen keineswegs auf eine Verschärfung der Bedrohung der Provinz zurückzuführen feien oder Hindeutelen, und daß vorwärts der Heilsberger Stellung wohnende Teile der Bevölkerung keinen GrundzuderAnnohme hätten, daß sie m i.l i- tärisch aufgegeben feien. An dem Grundsatz der Behauptung der ganzen Provinz habe sich nichts geändert.
Das Bürgertum im hessischen Wahlkampf. Tic Bokkspartci für eine bürgerliche Einheitsfront.
WSN. Darmstadt, 25. Mai. Der Landesausschuß der Deutschen Volksport e i trat in Darmstadt zu einer stark besuchten Versammlung in Anwesenheit des Parteiführers D i n g e l d e y zusammen. Der Lanbcsausschuß billigte einmütig die bereits geführten Verhandlungen auf Herbeiführung einer bürgerlichen Einheitsfront in Hes- f e n und bevollmächtigte ben Landesvorsitzenden zu weiteren Verhandlungen. Der Parteiführer Dingeldey umriß in einem mit stürmischen Ovationen aufgenommenen Referat die großen Probleme dcr Snnen- und Außenpolitik und fand den Beifall der Versammlung mit der Darstellung der von ihm erstrebten Einigungsverhanblungen im Bürgertum.
Ein Beschluß der Deutschen Staatspartei.
Darmstadt, 25. Mai. Sn einer Mitgliederversammlung der Darmstädter Ortsgruppe der Deutschen Staatspartei, in der der Vorsitzende der hessischen Londespartei, Dr. Weiner- Offenbach a. M., über die Bestrebungen der bürgerlichen Sammlung in Hessen sprach, wurde einmütig als Ziel jeglicher Sammlung eine klare Frontstellung gegen den Nationalsozialismus herauSgestellt. Don der bürgerlichen Einheitsliste, die man im Prinzip begrüße, wurde bedangt, daß sie mehr sei als eine Aneinanderreihung von Porteikandidaten und daß sie in ihrer Zusammensetzung die Gewähr gegen Regierungsexperimente mit dem Nationalsozialismus biete, der sich durch sein ganzes Verhalten und durch sein stetes Zusammengehen mit dem Kommunismus im aufgelösten Landtag als Feind des Bürgertums erwiesen habe.
Der Haushalisausschuß gegen das Sparprogramm des Siädietags.
Berlin, 25. Mai. (DDZ.) Der Haushaltsausschuß des Reichstages beschloß auf Antrag der Kommunisten mit den Stimmen der Nationalsozialisten und der Kommunisten bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten, daß gegen das vom Städtetag aufgestellte sogenannte Finanz- und Wirtschaftsprvgramm folgende Maßnahmen ergriffen werden sollen: Reichs- und Landesregierungen sollen d i e Vorschläge auf weiteren Abbau der Arbeitslosenversicherung und der öffentlichen Wohlsohrtsfürsorge sowie sonstiger sozialer oder kultureller Verschlechterungen nicht durchführen. Die bereits durchgeführten Maßnahmen werden rückgängig gemacht. Länder und Gemeinden werden verpflichtet, Wohlfahrtsunterstützung nach den Sähen der gehobenen Fürsorge mindestens in der Höhe wie am 1. Sanuar 19 31 z u zahlen, Krankenhäuser, Badeanstalten usw. nicht zu schließen oder einzuschränken, Zusammenlegung von Schulen oder Klassen und Einschränkungen des Lehrkörpers zu unterlaß» s e n. Die Lehrmittel sind Minderbemittelten kostenlos zu liefern, die Schulspeisungen in vollem Umfange wieder aufju* nehmen.
letzten Reise von Neuyork nach Bremen gelang mit ihr eine Wechselgespräch-Fernsprechverbindung auf Kurzwellen mit der Küstenfunkstelle Norddeich über eine Entfernung von fast 5000 Kilometer, also schon bald, nachdem das Schiff Neuyork verlassen hatte. Die Sprechoersuche wurden deshalb fortgesetzt. Da die Verständigung ganz ausgezeichnet war, versuchte Norddeich, wie weit sie eigentlich reiche. Norddeich verband zunächst mit Bangkok in Siam, und zwar dadurch, daß es eine 5Berbini>uncj über ein Fernsprechkabel mit dem Ucberfeeamt in Berlin und der Großfunkstelle Nauen herstellte, das dann das Gespräch auf Kurzwellen nach Siam weiterleitete. Zn halbstündiger Unterhaltung wurde festgestellt, daß die Sprechgüte eines gewöhnlichen Ferngesprächs mit sehr hoher Lautstärke erreicht wurde. Am nächsten Tage wurde auf demselben Wege von der „Europa" Fernsprechverbindung mit Rio de Janeiro angenommen. Auch hierbei war die Verständigung beiderseits einwandfrei. Es wurde deutsch, spanisch und portugiesisch gesprochen. K. A.
Vom Spargel.
Das Geschlecht der Spargel ist an den Gestaden des Mittelmeeres, in Nordafrika und Asien beheimatet und erreicht den Höhepunkt seiner Verbrei- tung in Südafrika. Als Bewohner regenarmer Ge- biete hat die Natur diese zählebigen Gewächse mit fleischig dicken Wurzelstöcken und zum Schutz gegen Verdunstung mit der denkbar feinsten Belaubung ausgestattet, deren wunderbar zartes Filigran- gezweig wir an unseren Zierspargeln bewundern, die alle aus Südafrika stammen. Aber nur eine der etwa hundert Spargelarten kann Anspruch darauf erheben, als der „echte" Spargel das edelste und feinste Gemüse des Frühlings zu liefern und damit dem Menschen nicht nur eine Erhöhung der Tafel- freuten, sondern auch Millionen anderen Broterwerb zu vermitteln. Schon die alten Aegypter schätzten die zarten Sprosse des Spargels, und es kann als selbstverständlich angenommen werden, daß Spargelbau bei den als Feinschmecker bekannten Römern schon frühzeitig eine Nolle gespielt hat. Plinius preist den Spargel als ©ättergabe für die Liebenden. Damals wie auch heute noch schreibt man dem Genuß des Spargels mancherlei heilkräftige Wirkungen zu.
In Deutschland finden wir nennenswerten Spar- gelbau erst nach dem 16. Jahrhundert. Die Pflanze dürfte aber durch Klöster schon viel früher aus Italien zu uns gekommen sein, um als „Herrgottskraut" zur Schmückung der Heiligenbilder Verwen- düng zu finden. Gegenwärtig ist Spargel fast über ganz Europa verbreitet.
Straßenkrawalle in Hamburg.
Sturm auf den Alsterpavillon.
Arn Mittwochabend kam es auf dem Jungfern st i e g zu schweren Ausschreitungen erwerbsloser kommunistischer Elemente. Ein Zug von mehreren tausend Personen, darunter auffallend viele Frauen, zog unter fortwährenden Hungerrufen durch die Straße. Von dem Alsterpavillon ergriffen die Demonstranten Stühle und Tische und schleuderten sie gegen bie großen Spiegelscheiben des gut besuchten Lokals. In das Klirren der Fensterscheiben mischten sich die Angstrufe der Gäste, die ihre Fensterplätze fluchtartig räumten. Um die Menschenmenge am (Einbringen zu verhindern, nahmen vier Polizeibeamte mit gezogenen Revolvern an ben Eingängen Ausstellung. Es gelang ihnen, die Angreifer solange in Schach zu halten, bis von den benachbarten Polizeiwachen drei Hilfsbereitschaften zur Stelle waren. Die Straßen wurden darauf.mit dem Gummiknüppel geräumt. Der' Alsterpavillon wurde vorübergehend geschlossen. Auch die am Jung- fernftieg gelegenen zahlreichen Geschäfte m a ch- ten z u , da Plünderungen befürchtet-wurden. Die Fensterscheiben zweier Läden wurden ebenfalls ein- geschlagen. Mehrere den Iungfernstieg passierende Privatauto mobile wurden von der erregten Menge angehalten und umgekippt, nachdem bie Insassen die Wagen verlassen hatten. Wist von Augenzugen einwandfrei festgestellt werdet konnte, war bie ganze Aktion systematisch vorbereitet. Die Vorgänge spielten sich blitzartig ab«
OerReichsbund der Höheren Beamten an den Reichspräsidenten.
Berlin, 25. Mai. (Täl.) Der ReichsbunS der höheren Beamten hat folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten in Neudeck (Ostpreus ßen) gerichtet: „Nach den bisherigen Pressemeldungen sollen die durch die Notverordnung aufzuerlegenden Mehrlasten den Charakter einer Sonderabgabe tragen, deren Der« wirklichung im Widerspruch stehen würds zu den vor der Deichspräsidentenwahl und den Länderwahlen mehrfach abgegebenen Erklär rungen leitender Staatsmänner. Da» zu greift unter Ausnutzung der Ermächtigung der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 24. August 1931 steigende Willkür in der Ausz ahlung der gesetzlich festgelegten Beamtenbezüge in Ländern und Gemeinden um sich. Auch werden weitestgehende Kür« zungspläne in Länder- und Stadtparlamenten vorbereitet und auch zur Annahme gebracht, die eine Aufhebung desLeistungsprin- zips bedeuten.
Die Wiederaufnahme der Schuldenzahlungen an Amerika.
England unterzeichnet das Abkommen.
London, 25. Mai. (TU.) Wie Außenminister Simon im Unterhause mitteilte, ist der englische Botschafter in Washington angewiesen worden, das Abkommen zu unterzeichnen, das die Rückzahlung der durch das Hoover-Moratorium gestundeten englischen Kriegsschul- denanAmerik aregelt. Das Abkommen berühre keinerlei grundsätzliche Fragen. Es handle sich daher um nichts anderes, als um eine notwendige Förmlichkeit, um dem Hoover-Vorschlag vom Juli 1931 über die einjährige Aufschiebung der Reparationen und Kriegsschulden gesetzliche Wirkung zu erteilen. Der Beschluß der Regierung, die Wiederaufnahme der Schuldenzahlungen an Amerika vorzubereiten, wird von der Presse stark kritisiert. „Financial News" erblickt hierin eine bedauerliche Schwäche der Regierung, wenn dieser Beschluß tatsächlich bedeute, daß sie keinen Schritt zur Erleichterung der Zahlungen einleiten, sondern s i ch mit der S ch u l d e n z a h l u n g einfach absind e n wolle. Wenn keine ernsten Anstrengungen gemacht würden, um die Schuldenverhandlungen mit Amerika in Fluß zu bringen, so werde sich in ganz
Der Spargel braucht leichten, nahrhaften Boden. Berühmte Spargelgebiete sind die von Rheinhessen bei Mombach und Ingelheim, die von Schwetzingen, Ulm und Braunschweig. Die Ernte beginnt in der Regel Ende April und wird bis Johanni (24. Juni) fortgesetzt. Von diesem Zeitpunkt ab läßt man die Schosse zu grünen Bäumchen werden. Früherer Abschluß der Ernte erhöht den nächstjährigen Ertrag.
Die Lage auf dem Spargelmarkt ist zur Zeit katastrophal. Der um mehr als 14 Tage verspätete Beginn des Spargelstechens bedeutete schon einen großen Ausfall an Einnahme. Nun besteht ein eberangebot bei fehlendem Absatz, da auch die Konservenfabriken ihre Betriebe einschränkten. Die Großabnehmer schulden zum Teil noch die Beträge aus vorjähriger Ernte. Da Spargel auch keine Ware ist, die sich aufheben läßt, sind die Preise billig. Darum eßt Spargel. R.
Hochfchulnachnchien.
Der ordentliche Professor Dr. jur. Ernst Geling, namhafter Vertreter der klassischen Richtung der Strafrechtswissenschaft, ist in München im Alter von 65 Jahren geftorben. Beling wurde am 19. Juni 1866 in Glogau geboren und begann seine akademische Laufbahn als Privatdozent 1893 in Breslau, wo er vier Jahre später zum Extraordi- narius ernannt wurde und 1898 eine ordentliche Professur erhielt: in Gießen wirkte Beling als Ordinarius von 1900 bis 1902, von 1902 bis 1913 lehrte er in Tübingen und feit 1913 in München. — Von Pekings zahlreichen fachliterarischen Arbeiten nennen wir: „Die Wiedereinführung der Berufung", „Grundzüge des Strafrechts", „Fälle aus dem Strafprozeßrecht", „Die Lehre vom Verbrechen", „Die Vergeltungsidee und ihre Bedeutung für das Strafrecht", „Versailler Friede und deutsche Rechtspflege", „Methodik der Gesetzgebung", „Rechtswissenschaft untr Rechtsphilosophie", „Revolution und Recht".
Professor Dr. Karl Benda, der bedeutende Berliner Pathologe, ist auf einer italienischen Reise plötzlich gestorben. Professor Benda hat bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiet der pathologischen Gewebeforschung und Anatomie geleistet.
Dr. jur. Karl Rauch, Ministerialdirektor i. W. und ordentlicher Honorarprofessor für deutsches, bürgerliches und Handelsrecht an der Universität Jena, ist aus dem thüringischen Staatsdienst entlassen worden, um einem Rufe als Ordinarius an die Universität Kiel Folge zu leisten.
Der Deutsche Historikertag wird vom 1 bis zum 3. August d. I. in G ö ttingsx fiatfr finden, T y,


