das Reich nicht mehr taugen könne, und gab zum Schluß der Hoffnung Aasdruck, daß eine andere Regierung die Zügel in die Hand nehmen und das deutsche Volk wieder aufwärts führen möge. Lebhafter Beifall dankte dem Redner. Herr Bartholomaus beschloß den Abend mit einer kurzen Ansprache.
Kreistag in Alsfeld.
* Alsfeld, 26. April. Der Kreistag des Kreises Alsfeld trat gestern unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Stammler hier zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung zusammen. Zunächst wurde, als neues Kreistagsmitglied der Kreistagsabg. Braun- Alsfeld (SPD.) an Stelle des verstorbenen Kreistagsabg. Eder- Alsfeld in sein Amt eingeführt und verpflichtet. Die Kreiskosserechnung für das Rj. 1930 wurde glatt genehmigt, ebenso zustimmend der Verwaltungsbericht des Kreisausschusses für das Rj. 1930 zur Kenntnis genommen. Wie bereits berichtet, wird in dem Rechenschaftsbericht für 1930 bei 363 351,13 Mk. Einnahmen und 303 345,36 Mark Ausgaben ein Heberschuh von 60 005,77 Mk. ausgewiesen. Sodann beschäftigte sich der Kreistag in mehrstündiger Beratung mit dem Voranschlag des Kreises für das Rj. 19 32. Die im Voranschlag mit 134 000 Wk. veranschlagten Krcisum lagen wurden vom Kreistag um 10 000 Mk. gesenkt, mithin mit 124 000 Mk. in den Voranschlag eingestellt. Die Senkung der Einnahmen um diese 10 000 Mk. wurde durch einen entsprechenden Abstrich am Wohlfahrtsctat ausgeglichen. Die im Voranschlag der Krcisverwaltung vorgesehene Z u s ch u tz- lei st u n g von 1000 Mk. an leistungs - schwache Gemeinden war durch Beschluß des Kreisausschusses bereits um 5000 auf 6000 Mark erhöht worden, unter entsprechender Senkung des Betriebskapitals dhf der Einnahmeseite. Der Kreistag beschloß ferner die Streichung bzw. Kürzung einer Reihe weiterer Positionen, wodurch sich ein Gesamtbetrag von 2540 Mk. ergab. Diese Einsparung wurde gleichfalls für die Zuschutzleistung an leistungsschwache Gemeinden zur Verfügung gestellt, so daß also für diesen Zweck insgesamt 8540 Mk. verfügbar sind. Der Voranschlag wurde mit diesen Aenderungen einstimmig genehmigt und in Einnahme und Ausgabe auf je 307 707,64 Mk. festgestellt.
Kreisdirekior Or. Stammler
in das Innenministerium versetzt.
WSR. D a r m st a d t, 25. April. Wie Wagners Südwestdeutscher Rachrichtendienst erfährt, ist der Anlaß für die Abberufung des Alsfelder Kreisdirektors Dr. Stammler nicht darin zu suchen, daß seine Söhne Mitglieder der SA. gewesen sind. Es haben sich Dinge ereignet, durch die die Söhne des Kreisdirektors mit den dienstlichen Anordnungen des Kreisdirektors in Konflikt gekommen sind. Wie Wagners Südwestdeutscher Rachrichtendienst weiter hört, wird Kreisdirektor Dr. Stammler vom 1. Mai ab zur besonderen Verwendung in das Ministerium des Innern nach Darm - st a d t berufen.
Brand in der Technischen Hochschule Darmstadt.
WSR. Darmstadt, 25. April. Heute gegen 0,30 Ahr wurde in der chemischen Abteilung der Technischen Hochschule Feuer bemerkt. Als die Feuerwehr am Drand- orte erschien, stand bereits der Raum der Ch em ik a li en a b t e i lu n g in hellen Flammen. Das Feuer hatte durch die in diesem Raume befindlichen Sauerstoffballons reiche Rahrung erhalten und sich daher rasch ausbreiten können. Trotzdem die Feuerwehr energisch aus mehreren Schlauchleitungen das Feuer sofort bekämpfte, brannte die Chemikalienabteilung vollkommen aus. Auch die Türen zu den benachbarten Räumen durch durchgebrannt. Rach mehrstündiger Arbeit gelang es, den Brand zu lokalisieren und ein lieber greifen des Feuers auf die anderen Abteilungen zu verhindern. Der Schaden ist erheblich.
Großmütterchen Moskau.
Kuriositäten aus dem Borkriegsrutzland.
Anläßlich einer vor kurzem vorgenommenen vollständigen Renovierung des alten Moskauer Marktes „Ödjotnt) Rj ad" (auf deutsch: Iä- gerstaiH) veröffentlicht der staatliche Verlag „Akademia" aufschlußreiches Material über das Leben und Treiben in diesem Stadtteil, das stets als ein Wahrzeichen des patriarchalischen Moskau der Vorkriegszeit galt. Der Markt war bis zur neuesten Zeit eine Fundgrube für Forscher altrussifcher Sitten, die sich hier in ursprünglich- reinster Form über Jahrhunderte erhalten haben. Moskauer Geschäftsleute, die Millionen umsetzten, kamen hierher, um Transaktionen von größter politisch-wirtschaftlicher Bedeutung abzuschlie- ßen. Sie bekreuzigten sich vor den Heiligenbildern, die vor den Ständen angebracht waren, manche fielen auf die Knie und küßten nach altrussischem Brauch die „Mutter Erde", begaben sich dann in eine unansehnliche Kneipe, die aber den Ruf hatte, die besten Dlini (eine Art Plinsen oder Pfannkuchen) in ganz Moskau zu jeder Tages- und Rachtzeit vorrätig zu haben, bestellten einen Samowar Tee und „russische Tränen" — so nannte man den Wodka —, worauf die Konferenz, die mit einem Meer von Tee und Wodka begossen wurde, anfangen konnte.
Auf diesem eigenartigen Markt konnte man alles kaufen — Grundstücke und sämtliche Rohwaren, die das Riesenreich lieferte, lebende Tiere, Hunde, Hasen, Wölfe, Bären, und vor allem Vögel aller Art waren eine Spezialität des Marktes, der nicht umsonst vom Dolksmund als „Iägerstand" bezeichnet wurde. Die Singvögel des „Ochotnh Rjad" waren in ganz Rußland berühmt, besonders die Rachtigallen, deren Gesangstilent eigenartige Bezeichnungen trug: Wasserpfeise, Trom- meltoirrbel, Krähentremolo, Donnergrollen. Kuk- kuckskoloratur. Für eine „stimmbegabte" Rachti- gall wurden Preise bis 400 Mark von Liebhabern des Vogelgesangs bezahlt. 2lber nicht nur Vögel, sogar Angeziefer wurde — man fragt sich nur, zu welchen Zwecken — auf dem alten Markt feilgeboten. 100 Schwaben z. B. wurden für 20 Kopeken gehandelt. Wie man vermutet, wurde Ungeziefer aus Rache von feindlichen Rachbarn erstanden, die mit Heeren von Wanzen, Schwaben und dergleichen einen erbitterten Hauskrieg führten, in dem das Angeziefer gleichsam die Rolle mittelalterlicher Landsknechte übernahm.
ÖJ.Jport
Aus dem Miitelrheinkreis der DT.
Der Kreisausschutz tagte.
Der in diesem Jahre fällig gewesene Kreisturntag ist aus Sparsamkeitsgründen abgesagt worden. An feiner Stelle tagte im Kurhaus zu Wiesbaden als „kleiner Kreisturntag" der Kreisausschuh, der sich aus dem Kreisvorstand, dem Vorstand des Kreisturnausschusses und den Gauvertretern der 23 Gaue des Kreises zusam- menseht. Rach Begrützung durch Stadtrat Dr. O st e r f e l d machte Kreisvertreter Pfeiffer (Wetzlar» zunächst wichtige Mittzilungen aus der kürzlich stattgefundenen Hauptausschutzsihung der DT. und wies dabei insbesondere auf den Vertragsentwurf hin, der das Verhältnis der DT. zur D3K. regeln soll. Eine längere Besprechung galt dem vom 6. bis 8. August in Trier stattfindenden 3 5. Kreisturnfest. Damit soll eine Daarkundgebung in Trier verbunden werden. bei der Kommerzienrat Dr. Röchling (Völklingen), der Vorsitzende des Bundes der Saarvereine, sprechen wird. Die Saargaue der DT. haben die Turnfestbesucher im Anschlüßen das Trierer Fest zu einer Turnfahrt ins Saargebiet eingeladen. Gauvertreter Burk (Saarbrücken) erläuterte den tieferen Sinn dieser Turnfahrt und bat um recht zahlreiche Beteiligung an dem Besuch des Saarlandes.
Rachdem die Rechnung für 1931, die mit 377 291 Mark in Einnahme und Ausgabe abschließt, Annahme gefunden, bildete die Beratung des Voranschlags für 1932 und im Zusammenhang damit die Besprechung der von verschiedenen Gauen eingebrachten Anträge auf Senkung der Vereinsbeiträge den Hauptpunkt der Tagesordnung. Der Voranschlag ist mit 53 156 Mark äußerst sparsam ausgestellt. Die Antrgäe auf Senkung der Beiträge wurden dahin zusammengefaht, daß die Gaue von den 31 Pf. pro Mitglied an den Kreis zu entrichtenden Beiträgen 10 Pf. zur Bestreitung der Lehrgangsarbeit und zur llnter- stützung besonders notleidender Vereine zurück- behalten. Zur Ausgleichung des Haushalts des Kreises fönen Reserven aus dem Vermögen in
Darren Pferd Reck Gymnastik
Gesamtpunkte
Offenbach
160
147
153
32
492
Wieseck
170
472
177
36
555,
Anspruch genommen werden. An die Verhandlungen schloß sich ein Vortrag von ©erftung (Koblenz) über die Bestrebungen zur Einführung eines' Pflichtturnjahrs an.
Um die Kreismeisterschast im Geräteturnen.
3t. T. u. Spv. wieseck — Fr. Turnerschaft Offenbach.
In Wieseck standen sich am Sonntag zwei Dezirksmeistermannschaften im Geräteturnen gegenüber. Beide Vereine stellten in sich ausgeglichene Mannschaften von je füijf Teilnehmer und einen Ersatzmann zum Wettkampf. Geturnt wurde je eine Kürübung an den drei Haupt- geräien und zehn Minu'en gemeii schaftliche Gymnastik. Man war auf diesen Wettkampf sehr gespannt, jedoch enttäuschten die Gäste sehr. Wieseck war stets überlegen und bot viel schwierigere Hebungen als die Gastmannschaft. Eine große Anzahl Zuschauer folgte mit kritischer Aufmerksamkeit den Hebungen und gab für gute Leistungen lebhaften Beifall.
Schon am ersten Gerät (Darren) konnte Wieseck einen Vorsprung von zehn Punkten herausholen, der dann am Pferd um weitere 25 Punkte vergrößert wurde. Hierbei und auch am letzten Gerät (Reck) fiel Offenbach merklich ab, während Wieseck durchschnittlich sehr gute Leistungen zeigte und zum Schluß mit 59 Punkten in Führung lag. Bei den nun folgenden Gymnastikübungen hatte sich Offenbach in der Hälfte der vorgeschriebenen Zeit 32 Punkte, während Wieseck die angesehte Zeit ausfüllte und weitere 36 Punkte erzielte. So konnte Wieseck auf Grund der bedeutend besseren Leistungen mit 63 Punkten Vorsprung einen sicheren und verdienten Sieg erringen. Rachstehend die einzelnen Wertungen:
Handball in der Volkshalle.
Spannende Wettkämpfe. — Bataillon und Tv. Heuchelheim als Gruppensieger.
Schon geraume Zeit vor Deginn der Veranstaltung säumten viele Zuschauer aus Gießen, sowie der näheren und der weiteren Umgebung das Spielfeld in der Halle und warteten der Ereignisse. Anter den Zuschauern waren viele von auswärts, denn die Turner und die Sportler waren mit vielen Anhängern erschienen. Die Erwartung wich bald der Anteilhaftigkeit, als die Mitglieder der Reichswehrkapelle mit eirfem schneidigen Marsch eröffneten, die Turner und Sportler in ihren bunten Trikots, voran die Turnerinnen von 46 und Mtv. Gießen — in geschlossenen Reihen in das Spielfeld marschierten, schließlich aber der 1. Sprecher der Gießener Turnerschaft eine kurze'Begrüßungsansprache hielt und damit das Spielfeld freigab.
Es wurde in der Folge — die Veranstaltung dauerte von 16 bis 21.30 Ahr — sehr viel geboten, ja, man darf sogar sagen, es wurde zu viel geboten und an die physischen Kräfte aller Beteiligten allzuhohe Anforderungen gestellt. Für zukünftige Fälle daraus die entsprechende Konsequenz zu ziehen, dürfte sehr am Platze sein.
Die Vorrunde.
Der Reigen der sportlichen Darbietungen wurde durch die Vorrunde der Handballspiele eröffnet. 16 Mannschaften standen sich in acht Spielen gegenüber. Die Spiele, die bereits von entscheidender Bedeutung waren für die Teilnehmer (der Verlierende schied sofort aus) sahen die Mannschaften in außerordentlich schnellen, zum Teil auch hart durchgeführten Kämpfen einander gegenüber. Die dabei gezeigten Leistungen liehen in sportlicher Hinsicht manchmal zu wünschen übrig. Einzelne Mannschaften vermochten gut
zu gefallen und die Spieler rissen verschiedentlich zu lebhaftem Beifall hin. Die Schiedsrichter hatten kein leichtes Amt. 3m wesentlichen wurden die Spiele fair ausgetragen.
Die Vorrunde zeitigte folgende Ergebnisse (der (Sieger ist jeweils zuerst genannt):
Gruppe I: Mtv. Gießen I — Polizei Butzbach 7:2 (4:0); Tgmde. Friedberg — Grohen- Duseck Tv. 3:0 (1:0); I. Batl.15. Inf.-Reg. — Tv. Bad Hornburg 4:0 (2:0); Tv. 1846 Gießen — VfL. Wetzlar 2:2 (0:1).
Gruppe II: Tv. Heuchelheim gegenSpielvgg. 1900 1:1 (0:1); Tv. Münchholzhausen gegen Tv. Krofdorf 4:1 (1:1); T.- u. Spv. Marburg 1860 gegen Mtv. Gießen II 5:1 (2:0); Tv. Pohlgöns gegen VfB. Gießen 1:1 (0:0).
Aeberraschend kam in der Gruppe I die Riederlage der Polizisten von Butzbach, die im ersten hiesigen Handballturnier den Gruvpensieger der Gruppe I stellten und nun durch iyren altert Rivalen Mtv. schon in der Vorrunde aus dem Rennen geworfen wurden. Da bei unentschiedenem Ausgang der Spiele das Los entschied, muhten drei Mannschaften auf diese Weise aus der Vorrunde ausscheiden. Das Pech fiel dabei mit konstanter Bosheit auf die Sportvereine, die alle drei (Spielötzg. 1900, VfB. Gießen und VfL. Wetzlar) ausscheiden muhten.
Zwischenrunde.
In der Zwischenrunde standen sich nunmehr die übrigbleiben^Tt Mannschaften gegenüber. Die Spiele, in denen nun die Teilnehmer der beiden Endspiele ermittelt werden muhten, vollzogen sich wiederum sehr spannend, wurden
aber fast durchweg mit außerordentlicher Schärfe geführt und endeten mit nur sehr knappen Ergebnissen, die deutlich erkennen liehen, daß sich die Mannschaften in der Spielstärke gegenseitig nicht viel nachstanden.
Die Ergebnisse der Zwischenrunde lauteten.
Gruppe I: Tgmde. Friedberg gegen Tv. 1846 Gießen 2:1 (1:0); Bataillon gegen Mtv.Giehen 3:1 (1:1).
Gruppe II: Tv. Heuchelheim gegen Tv. Pohlgöns 1:0 (1:0); Tv. Marburg gegen Tv. Münchholzhausen 4:3 (3:1).
Die beiden Endspiele.
Runmehr standen sich nur noch vier Mannschaften in zwei Spielen gegenüber. Einen außerordentlich spannenden, aber auch sehr harten und wenig schönen Kampf lieferten sich die Mannschaften von Heuchelheim und Marburg, der in regulärer Spielzeit mit einem Anentschieden von 4:4 endete. Dadurch wurde nun die Verlängerung notwendig, während der beide Mannschaften mit aller Verbissenheit und Energie auf den Sieg spielten, der dann mit 3:1 Toren (mit insgesamt also 7:5 Toren) an die Heuchelheimer Turner fiel.
Ein nicht weniger heftig geführtes Spiel fochten die beiden Mannschaften der Gruppe I Tv. Friedberg und Bataillon Gießen aus. Hier bHeben die Soldaten mit einem Ergebnis von 2:3 Toren bielbejubelte Sieger. .
Beiprogramm und Schluß.
Reben den insgesamt 15 Spielen, die man zu sehen bekam, war auch noch ein unterhaltsames Beiprogramm zusammengestellt. Die Musikkapelle füllte die kurzen Pausen mit guter Musik, die Geräteturnen der Gießener Turnerschaft gefielen mit ihren außerordentlich exakten Hebungen am Barren sehr gut und erntete stärksten anhaltenden Beifall. Die Mitglieder des Gießener Eisvereins, Fräulein Will und Herr Loh zeigten Rollschuhkunstlauf. Auch diese Darbietung fand freundliche Aufnahme. Der Faust- ballf ambf der Turnerinnen von 1846 und Mtv. sah erwartungsgemäß, wenn auch knapp, die Mtverinnen mit 12:16 Punkten siegreich. Den Abschluß der groß angelegten und gut organisierten Veranstaltung bildete die Siegerverkündigung.
Kußball in Hessen-Hannover.
In der Rordgruppe gab es ein wichtiges Spiel. Hermannia Kassel siegte nach überlegenem Kampf gegen den BC. Sport Kassel mit 6:1, Damit haben sich die Struthbacher vor dem Abstieg gerettet, auch für den Fall, daß das noch ausstehende Spiel gegen.Grone nicht gewonnen werden sollte. Sport Kassel dagegen hat 17 Der- lustpunkte und mühte, wenn nicht Aenderungen in der Spielsystemfrage eintreten, zur zweiten Klasse absteigen.
Billardmeister Gommer-Gießen siegreich.
Der Dillardwettkampf zwischen Billardmeister S ch r e g e l - Magdeburg und Billardmeister Sommer-Gießen im Cafe Amend endete mit einem hohen Siege von Sommer. 188:400 lautete das Ergebnis bei einer Höchstserie von 49 Bällen und einem Durchschnitt von etwa 12. Sommer spielte die Partie in flüssiger Form und konnte bei seiner wesentlich höheren Spielstarke den Kampf überlegen für sich entscheiden.
Kurze Gportnotizen.
Der deutsche Marathon-Mei st er Paul de Bruyn feierte Kl dem am Dienstag durchgeführten Marathonlauf von Boston einen großen Sieg. De Bruyn legte die 41851 Kilometer lange Strecke in der hervorragenden Zeit von 2:33:36,4 Stunden zurück und gewann den schweren Wettbewerb vor mehreren hundert Konkurrenten.
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D i e Fußball-Mannschaft des DFC. P r a a , die zur Zeit wieder in einer hervorragenden Verfassung ist, spielt am 6.Mai in Dresden gegen „Guts Muths", am 7. Mai bei Borussia Fulda und am 8. Mai in Kassel gegen eine Stadtmannschaft.
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Süddeutscher Meisterim Arbeiter-Fußball wurde Nürnberg-Ost.
Auf dem Markte wurden auch Hahnenkämpfe veranstaltet. Zu diesem Zwecke waren Tribünen errichtet, die unter der Last eines .begeisterten und schaulustigen Publikums, das unter den Kampshähnen feine Favoriten hatte, beinahe zusammenbrachen. Därenkämpfe und sogar Hetzjagden auf Wölfe und Füchse gehörten gleichfalls zu den beliebtesten Belustigungen der Stammbesucher des Marktplatzes.
Ein Kapitel für sich waren die Dücherstände des Ochotnh Rjad. Man hätte sich hier vergeblich nach Werken von literarischer Qualität umgesehen; um so großer war die Zahl der Kurosi- täten, die man hier für Geld erwerben konnte. „Die Kunst, Geld zu verdienen", war ein viel gekauftes Buch, das angeblich ... Rothschild zum Autor hatte. Roch verlockender klang ein anderer Titel eines gleichfalls stark begehrten Werkes, „Die Kunst, seine Schulden nicht zu zahlen". „Die Kunst, den Ehemann zu fesseln" war ein Schlager des Büchermarktes auf einem leichteren Gebiet, während „Die Methode, alle Krankheiten mit Wodka zu heilen" und „Das sicherste Mittel gegen Quartalstrunksucht" von Trunkenbolden, die scharenweise über den Markt torkelten, den Bücherhändlern aus der Hand gerissen wurden. „Die Möglichkeit, sich ohne Rasiermesser, Seife und Wasser zu rasieren", war der originelle Titel eines gleichfalls in vielen Auflagen verbreiteten Buches.
Die Schilder der Läden trugen eine souveräne Verachtung der primitivsten Orthographie zur Schau. Manchmal enthielt ein einziges Wort auf einem Ladenschild mehrere Fehler. Andere Schilder erhoben wiederum Anspruch auf Originalität. So lautete z. D. ein Schild wie folgt: „Perückenmacher und Feldscherer, derselbe läßt zur Ader und rettet vor bösen Schwiegermüttern". Vor den Ständen priesen die Händler ihre Waren in improvisierten, oft sehr geistreichen Gedichten. Jeder Händler erfand noch eine eigene Melodie dazu — je nach der Art der Ware. Koloratur- Arien erklangen zu Ehren von Rahrungsmitteln, während monotone, psalmodierende Rezitative sich auf alte Kleider und Schuhe bezogen. Die Händler auf dem Markt waren Leute, mit denen die allergrößte Vorsicht geboten war, und wehe dem, der den Preis bezahlte, den sie verlangten — er riskierte, den zehnfachen Wert der Ware auszulegen. Feilschen — „bis aufs Blut" — war eine Selbstverständlichkeit bei jedem Kauf. Dr P.
Tonfilm: „Oie andere Seite".
Nach dem Drama und dem Roman — die beiden Werke des Engländers R. C. Sheriff haben wir seinerzeit ausführlich besprochen — erlebt man nun die deutsche Tonfilmfassung der ebenso realen wie erschütternden Fabel von der Front im Westen 1918, und es darf von vornherein JeftgefteUt werden, daß der Film seinen literarischen Vorlagen vollkommen ebenbürtig ist. Er hält sich eng — stellenweise wortgetreu — an Szenenfolge und Dialogaufbau des Schauspiels. Und wenn dort und im Roman vielleicht der schillernde Doppelsinn des Titels (in der englischen Originalfassung: „Journeys end") gerade für uns Deutsche noch scharfer zum Ausdruck kam und auch wohl die Nuancierung des gesprochenen Wortes und damit die menschlichen Beziehungen der fünf Offiziere in der englischen Grabenstellung noch deutlicher herausgearbeitet werden konnten (die Erzählung fügte dann später die Vorgeschichte und die psychologische Durchleuchtung der Episode ein) — so hat der Tonfilm seinerseits dies vor beiden voraus: die sinnfällige Eindringlichkeit der Schilderung des Lebens an der Front, die mit unseren technischen Mitteln kaum noch zu überbietende Wirklichkeitsnähe der Vorgänge. Dem Schauspiel waren aus seiner Raumgesetzlichkeit heraus naturgemäß engere Grenzen gezogen; der Film hat hier viel breitere Möglichkeiten, die vom Regisseur Heinz Paul überzeugend ausgenutzt werden; er gibt zum Beispiel jenen englischen Erkundungsoorstoß — der auch im Zentrum des Stückes stand, dort aber natürlich hinter die Szene verlegt war — mit einer unheimlichen Wucht und Realistik. Hinzukommt die hervorragende Besetzung: an der Spitze Conrad V e i d t als Hauptmann Stanhope, der hier eine außerordentlich reife und geschlossene, gelegentlich an seinen Hauptmann in der „Letzten Kompanie" erinnernde Leistung bietet. Neben ihm vor allem die von Theodor Loos wundervoll schlicht und männlich gegebene Gestalt des „Onkels" Os- borne. Sehr aut auch Friedrich Ettel als Trotter; in einigem Abstand: Wolfgang ßi ebene iner (der junge Raleigh) und Victor de K o w a (Leutnant Hibbert); von den übrigen seien Paul Otto (Oberst), Trenk-Trebitsch (Koch) und M y - long-Münz (HauptmannHardy) hervorgchoben. — Die Handlung spielt in den Tagen vom 18. bis 21. März 1918, vor dem großen deutschen Angriff bei St. Quentin. Der Verfasser des Schauspiels war englischer Frontoffizier, der sich zuvor nie literarisch betätigt und das Stück nur für eine Liebhaberaufführung in feinem Club geschrieben hatte; boi tü>
figen Erfolg in der ganzen Welt hatte er weder be- absichtigt noch vorausgesehen. — Der Film, dem das Tjpperary-Lied eine stilgerechte musikalische Begleitung gibt, läuft jetzt im Lichtsvielhaus und verdeent einen viel besseren Besuch, als er gestern zu bemerken war. —r—
Neue Expeditionen.
Einen Flug über den Südpol und über den Südpolarkontinent bereitet für das nächste Jahr, wie aus Neuyork berichtet wird, Lincoln Ellsworth vor, der bereits die Luft-Expeditionen Amundsens ins Polargebiet finanziert hat. Er will einen Flug von fast 5000 Kilometer über den Südpol ausführen und als Pilot Bernt Balchen mitnehmen, der denselben Posten bei dem Fluge Admiral Byrds über den Südpol bekleidete. Die Ellsworth-Expedition, die aus 12 Mann und einem Flugzeug bestehen wird, will ihre Basis zu Framheim an der Walfischbucht anlegen. Sobald wie möglich wird Ellsworth mit Bal- chen dann ostwärts fliegen, um die ganze Länge des bis jetzt unbekannten Gebietes zwischen dem Roß- Meer und dem Weddell-Meer zu überfliegen und ohne Landung wieder zurückzukehren. Der Flug soll in erster Linie dazu dienen, die großen Umrisse die- fes riesigen Geländes festzustellen und zu photo- graphieren, die Wetterbedingungen zu beobachten und die Art der Eisfläche zum Zweck späterer Expeditionen auf dem Lande zu erkunden. Außerdem hoffen die Forscher festzustellen, ob die großen ozeanischen Einschnitte, die das Weddell-Meer auf ber einen und das Roß-Meer auf der andern Seite bil« den, den antarktischen Kontinent in zwei Landmas- sen teilen oder ob die Gebirge von Braham-Land sich quer durch den Kontinent bis zu der Königin- Maud-Kette fortsetzen. — Von einer neuen Polar- Expedition des General Nobile wird aus Rom Näheres gemeldet. Nobile ist nach feiner unglücklichen Unternehmung im Jahre 1928, nachdem er in Italien feines Ranges entkleidet worden war, als Luftschiff-Erbauer in den Dienst der Sowjetregierung getreten, und die Sowjetregierung finanziert auch bie neue Unternehmung, für die ein Luftschiff in her Nähe von Moskau gebaut wird. Nobile wirbt jetzt in Italien eine Schar von hundert Ingenieuren und Mechanikern, mit denen er nach Rußland zurückkehren will, um bie Arbeit so schnell wie möglich zu DoUenben. Er hofft, mit bem neuen Luft schiff das Land östlich von Nowaja-Semlia zu er forschen, und will auch nach Spuren der Mitglieder seiner früheren Expedition suchen, die verlchwun« j den sind.


