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Grundfehler. ES hilft nichts, mit lautem Geschrei gegen Versailles anzugehen, es hilft nichts, mit pathetischer Geste den Korridor, die Kolonien. Oberschlesien zurückzuverlangen, dieGleich­berechtigung" der Rüstungen zu begehren: es hilft nur, in jähre langer (vielleicht jahr­zehntelanger) mühsamer Arbeit den Vertrag dehnbar zu machen, abbröckeln zu lassen und Frankreich für die einzige, wirkliche große euro­päische Politik zu gewinnen, welche epochale Bedeutung haben könnte: für die allerengste Zu­sammenarbeit ParisBerlin, auf der der Frieden der Welt beruht. Wenn morgen Hitler selbst ans Ruder käme, würde er der erste sein, der

solchen Gedankengängen sein Ohr öffnete: _ er würde der erste sein, der seiner Fugend Zurück­haltung nahelegte und den Weg des Möglichen ginge, anstatt sich in die Sackgasse des Unmög­lichen zu verrennen und darin in allem seinem Wollen zu scheitern. Es mag hier gesagt wer­den damit die volle Objektivität gewahrt bleibe daß es eine ganze Reihe von Franzosen gibt, welche Hitler gegenüber guten Glaubens sind. Aber das sind nicht dieVäter" das sind jün­gere und modernere Elemente, die sich langsam Geltung verschaffen. Es wird von ihnen noch in einem andern Bericht zu reden sein.

Gerätewettkampf der Llniversität Gießen

Die in der Eisenbahn-Turn- und Sporthalle durchgeführten Gerätewettkämpfe ließen von feiten der Studentenschaft an Beteiligung zu wünschen übrig. Immerhin war doch eine größere Teil­nehmerzahl zu verzeichnen als im vergangenen Fahre. Den Sieg in der Oberstufe errang Hart­mann. Freistudent, vor Müller, Freistudent. In der Unterstufe konnte sich Fay. Darmstadtia, vor Hilgert, Rheinfranken, placieren. Fm Mannschaftskampf siegte die Landsmannschaft Darmstadtia vor ATV. Rheinfranken. Fm Rah­men des Gerätewettkampfes wurde ein volks­tümlicher Dreikampf durchgeführt, den Müller, Freistudent, für sich entscheiden konnte.

Die Ergebnisse:

Oberstufe: 1. Willi Hartmann, 105 P.; 2. Ludwig Müller, 92 P.; 3. Hermann Link.

Unterstufe: 1. Fay, Darmstadtia, 110 P.; 2. Hilgert, Rheinfranken, 103; 3. Wenzel, Hasso- Rassovia, 101; Ullrich, Darmstadtia, 101; 4. Büch- ler, Darmstadtia, 96; 5. Reinhard, Rheinfranken, 94 P.

Mannschaftskampf: 1. Darmstadtia, 395 Punkte; 2. Rheinfranken, 359 P.

Volkstümlicher Dreikampf: 1. Müller, Freistudent; 2. Reinhard, Rheinfranken; 3. Krä­mer, Adelphia; Buß, Rheinfranken.

Tisch Tennis der Gp.-Dg. 1900.

1900 II Rachrichlenzug I./15. I 7:8.

Zwischen beiden, erstmalig turnierspielenden Mann, schäften entwickelte sich ein spannender und hart­näckiger Kampf, der nach Beendigung der Einzel­spiele unentschieden stand und den die Gäste dann in den Doppelspielen knapp für sich entscheiden konnten. Nachstehend die Ergebnisse (Nachrichtenzug zuerst genannt):

Einzel: Braune Schmidt,Kurt: 21:15; 19:21; 21:13; 18:21; 21:19. Braune Koch, Karl: 14:21; 10:21; 12:21. DölpNikel: 18:21; 15:21; 21:15; 18:21. DölpFleschhut 17:21; 11:21; 21:10; 21:18; 21:16. HardtOelmann: 12:21; 18:21; 12:21. Roß­mann Bepperling: 11:21; 9:21; 9:21. Huckelmann gegen Koch, Franz: 17:21; 13:21; 19:21. Rühl gegen Enders: 14:21; 21:9; 21:19; 21:11. Zimmermann gegen Hardt: 21:13; 21:14; 21:16. Kah Koch, Gu­stav: 21:13; 21:16; 21:13.

Doppel: Braune/Dölp Schmidt/Nikel: 21:17; 11:21; 20:22; 16:21. BrauneBölp Koch, K.Del- mann: 21:15: 21:15; 12:21; 21:10. Roßmann,'Hardt gegen Fleschhut Bepperling: 13:21; 9:21; 17:21; . Huckelmann RühlWolf Koch, Franz: 15:21; 15:21; 21:17; 21:16; 21:17. Zimmermann/Kah Götz/Richt- berg: 7:21; 21:17; 21:12; 21:14.

Handball im Gau Hessen (O. T.)

Lang-Göns I Wohnbach I 6:3 (2:3).

Anläßlich des Gerätewettkampfes Butzbach ge­gen Friedberg gegen Lang-Göns hatte sich die

1. Handballmannschaft des Tv. Lang-Göns einen spielstarken Gegner im Tv. Wohnbach verpflichtet. Die Gäste, die eine äußerst schnelle und flinke Mannschaft stellten, arbeiteten sofort eine leichte Feldüberlegenheit heraus und konnten auch bald zum ersten und zweiten Tor einsenden und sogar bis zu Halbzeit zu ihrem dritten Treffer kommen, denen der Gastgeber kurz hintereinander nur zwei Erfolge entgegensetzen konnte. Rach Halb­zeit seht wieder ein äußerst scharfes Tempo ein, doch kam der Gästesturm zu keinem zählbaren Erfolg. Andererseits konnte aber die Stürmer­reihe der Gastgeber noch viermal einsenden. Das Treffen wurde jederzeit fair durchgeführt.

Tb. Krofdorf I Tv. Dutenhofen l 1:4 (0:1).

Trotzdem Dutenhofen mit zehn Mann antrat, konnte es doch einen klaren Sieg erringen.

Schauschwimmen im Volksbad.

Veranstalter Tv. 1846 Gießen.

Auch in diesem Fahre tritt die Schwimmabtei­lung des Tv. 1846 am kommenden Sonntag mit einem Schauschwimmen an die Oeffentlichkeit. Die engere Geschlossenheit, die zur Gründung einer Schwimmabteilung geführt hat, kann in diesem Fahre auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Schon zu Zeiten Fahns fand das Schwimmen eine Pflegestätte in der Turnerschaft, erhielt aber erst um 1900 festere Formen, die zur Bildung von Schwimmäbteilungen führte. Erstmalig im Fahre 1908 wurde das Schwim­men als Wettkampf beim Deutschen Turnfest in Frankfurt a. M. durchgeführt. Grundsatz der DT. ist, durch Breitenarbeit wertvollen erzieherischen Dienst am Volke zu leisten. Dieses Ziel verfolgt auch die Schwimmabteilung des Tv. 1846. Vom Anfänger bis zum besten Spitzenkönner wird ge­zeigt werden, in welcher Vielseitigkeit der Schwimmsport als Leibesübung angewandt wer­den kann.

Das Programm Bringt u. a. Kunstspringen, Vorführung an den Schaukelringen, ein Reigen­schwimmen der kleinsten Schwimmer sowie Heber- raschungen in humoristischer Form. Zur besseren Ausgestaltung des Programmes wird der Tv. 1862 Marburg mitwirken. Die Austragung der Staf­feln gegen den Gastverein dürste spannende Kämpfe erwarten lassen. Zum Schluß findet das übliche Wasserballspiel der beiden Mannschaften statt. Räheres ist aus der gestrigen Anzeige er­sichtlich.

VerbandSgeräte-Meisterschasten des Südwestdeuischen Turnverbandes in Leihgestern.

Am Sonntag, 28. Februar, finden in Leihgestern die Gerätemeisterschaften des Südwestdeutschen Turnverbandes (ADT.) statt. Es werden dabei die Meisterschaften der einzelnen Geräte, in Reck, Barren und Pferd für Turnerinnen und Turner zum Austrag kommen. Erstmalig werden auch

Don Geld und Lebe.

Vornan von Grete von Saß.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle

22 Fortletzung Nachdruck oerooten

Warum gleich, Eva? Dazu haben wir doch noch den ganzen Abend Zeit."

Verzeih, Mama, den ganzen Abend kann ich nicht hrerbleiben! Fch habe meiner Schwieger­mutter versprochen, auf ein Stündchen zu ihr zu kommen. Du wirst ja auch Wohl das Bedürfnis haben, früh schlafen zu gehen also bin ich ab­kömmlich."

Run ja dann also will ich dir gleich sagen, was mir auf der Seele brennt. Es sind so ein paar wichtige Fragen. Die erste und brennendste Frage ist: Wann gedenkt ihr zu heiraten?"

In sechs Wochen, Marnal"

Schon?" fragte Ottilie und sah Eva mit großen, erschreckten Augen an.

Eva lächelte.

Warum sollten wir mit der Heirat warten, da wir doch dazu entschlossen sind?"

Ottilie sah Eva fragend an.

Wovon werdet ihr leben, Eva?"

Don dem, was Friedrich verdient. Selbstver­ständlich werde ich auch Mitarbeiten."

Womit denn?"

Mit Sprachunterricht, Mama genau so, wie ich es jetzt tue.

Ottilie seufzte. Sie dachte: Wer wird seine Kinder von der Frau eines Chauffeurs unter- richten lassen? Bei diesem Gedanken überkam sie auf einmal das Gefühl, daß Eva im Begriff war, in einen Abgrund zu stürzen und sie sie davor bewahren müßte.

Sie wagte einen Versuch.

..Eva, verzeih, daß ich dich noch einmal er­mahne: Mute dir nicht zu viel zul Prüfe dich ernstlich, ob du den Anforderungen, die ein Leben in so kleinen Verhältnissen, wie Friedrich Schadow es dir bieten kann, gewachsen bist!"

Die bitterste Armut, Mama, könnte ich mit ihm ertragen!"

Friedrich Schadow machte am folgenden Sage seinen Besuch.

Heber eine gewisse Befangenheit kam Ottilie nicht hinweg.

Friedrich war daran schuld, denn er machte seine Sache schlecht. Er war stocksteif und wortkarg.

Eva wunderte sich über ihn, denn so war er ihr ganz neu. Er mochte fühlen, daß er Mama nicht willkommen war, dachte sie.

Friedrichs erste Zusammenkunft mit Hans- Achim, die eine Woche spater erfolgte, fiel nicht viel glücklicher aus.

Du warst gar nicht nett! warf Eva spater Friedrich Schadow vor.

Er sah sie Betroffen an.

3a, das habe ich selbst gefühlt, gestand er. ..Aber ich konnte nicht anders sein weißt du, wenn man so deutlich fühlt, daß man unerwünscht

Du nimmst das ja nur an, Friedel."

Meine Annahme ist aber richtig, Eva. Und daß die Deinen mich so empfinden, begreife ich vollkommen. Fch will mein Bestes baxu tun, daß wir einmal in ein herzliches Verhältnis zuein­ander kommen. Du mußt nur Geduld mit mir haben."

Fch bringe Sie ins Hotel ,Los Angeles"', sagte Doktor Hahn zu Helene, mit der er eben in Holly­wood eingetroffen war.Dort sind Sie gut unter­gebracht. Fch kann mich Ihnen leider heute gar nicht widmen, weil ich sofort ins Bureau muß, wo man mich erwartet. Morgen früh hole ich Sie ab, um Ihnen unsere Ateliers zu zeigen. Vielleicht können wir schon morgen mit den Auf­nahmen beginnen. Es wäre Ihnen doch recht?"

Helene nickte. Ihr war alles recht. Dor allen Dingen Arbeit Arbeit, die sie ganz bean­spruchte und die ihr nicht gestattete, an anderes zu denken.

Sie bestieg mit Doktor Hahn ein Auto, das zehn Minuten später vor dem HotelLos Ange­les" hielt. Ein Regerboy öffnete den Wagenschlag.

Helene starrte auf das stolze, weiße Haus mit feiner glatten Front und der breiten Freitreppe, das von einem Park umgeben war.

Helene dachte: Es sieht aus wie ein vornehmes Gutshaus, obgleich sie nie in ihrem Leben so etwas wie ein Gutshaus gesehen hatte.

Daß sie in diesem stolzen Hause wohnen sollte, erschien ihr geradezu märchenhaft. Aber so rechte Freude konnte sie darüber doch nicht empfinden. Wenn statt des Doktor Hahn, der eben neben ihr die Freitreppe hinaufstieg, Hans-Achim bei ihr wäre ja bann!

Wie oft hatten sie sich ausgemalt, gemeinsam in einem Hause zu leben, das von einem Park umgeben war nun lebte jeder von ihnen in einem solchen, nur daß eine Frau und Meere sie voneinander trennten.

«Sie wissen, Fräulein Schadow, daß Sie von heute ab Miß Ellen Harrisson heißen?!" mahnte Doktor Hahn, als er mit Helene in ihrem Zimmer war.

Ich weiß es, Doktor!" erwiderte Helene und sah von ihrem Fenster aus in den Park hinab.

«Ich muß mich nun für heute verabschieden", sagte Doktor Hahn.Haben Sie noch einen Wunsch?"

Selene wandte ihm ihr Gesicht zu.

«Ich weiß nicht", antwortete sie zögernd.Wie wird das mit dem Essen werden? Muß ich zu

die Meisterschaften in Handgerätekämpfen der Sumer innen zum Austrage kommen. Die Mel­dungen sind bis jetzt sehr zahlreich eingelaufen, so daß mit Spitzenleistungen zu rechnen ist. Die einzelnen Gaue, Gau-Lahn-Dünsberg, Gau- Wetterau und der Main-Rodgau erscheinen mit ihren besten ©erätetumern.

Die deutsche Nationalelf gegen die Schweiz.

Der Spielausschuß des DFB. gibt jetzt die Mann­schaft, die am 6. März in Leipzig gegen die Schweiz spielen soll, bekannt. Die Mannschaft weist fast die gleichen Namen auf, wie die, die im September vorigen Jahres Dänemark in Hannover mit 5:2 To­ren schlug. Neu ist nur der rechte Flügel mit den Süddeutschen Langenbein (DfR. Mannheim) und Rohr (Bayern München) besetzt worden. Das Gros der Mannschaft besteht überhaupt aus süddeutschen Spielern. Es spielen: Kreß (Rotweiß Frankfurt); schütz, Stubb (beide Eintracht Frankfurt); Gräm­lich Eintracht Frankfurt, Leinberger (Spvgg. Fürth), Knöpsle (FSB. Frankfurt); Lanqenbein (VsR. Mannheim), Rohr (Bayern München), Kuzorra (Schalke 04), R. Hofmann (Dresden), Kobierski (Düsseldorf).

408/047 Kilometer in der Stunde.

Lin neuer Autorekord Sir Malcolm Lampbells.

Der bekannte englische Automobilrennsahrer Sir Malcolm Campbell konnte trotz ungünstiger Wetter­verhältnisse mit seinem RennwagenBlauer Bogel" ein Stundenmittel von 408,047 Kilometer erreichen und damit seinen eigenen Weltrekord von 396,04 Stundenkilometer, den er vor etwa einem Jabre auf der gleichen Strecke erzielte, um rund 12 Kilometer verbessern. Sir Malcolm Campbell durchraste die abgesteckte Rennstrecke auf der Hinfahrt mit einer Geschwindigkeit von 13,46 Sekunden und auf der Rückfahrt mit einer solchen von 14,89 Sek. pro km.

Oberheffen.

Von einem Auto totgefahren.

* Okarben, 26. Febr. Heute morgen, gegen 7.30 Uhr, ereignete sich in der Rühe unseres Dorfes ein schwerer Unglücksfall. Der jungverheiratete Landwirt Karl Bieber von hier wurde, als er mit feinem Fuhrwerk auf das Feld fahren wollte, von einem in Richtung Frankfurt fahrenden Kraftwagen (vermut­lich einem Lastkraftzug) überfahren und getötet. Der Führer des Autos fuhr davon, ohne sich um den bedauernswerten Mann zu kümmern. Die Fnsafsen eines nachfolgenden Per­sonenkraftwagens aus Kirch-Göns fanden den Verunglückten bereits tot vor. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Die Ermittlungen sind im Gange.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 25. Febr. Der hiesige Radfahrerverein 1 90 4 hielt dieser Sage seine Generalversammlung ab. Die zahlreich an­wesenden Mitglieder, besonders die Ehrenmitglie­der Ed. Bieker und D. Fung, wurden von dem 1. Vorsitzenden Foh. Gärtner begrüßt. Er gab sodann einen kurzen Rückblick über die rege sportliche Tätigkeit des Vereins. Ein Ehren­preis, zwei erste Preise, ein zweiter Preis sowie die Gaumeisterschaft im Reigenfahren wurden er­rungen. Um auch den erwerbslosen Mitgliedern die Möglichkeit zur Teilnahme an den sportlichen Veranstaltungen zu geben, wurde auf Anregung des Vorsitzenden eine Sportkasse gegründet, zu der eine sofort vorgenommene Sammlung einen schö­nen Grundstock bildete. Die Vorstandswahl fand durch die Wiederwahl der bisherigen, bestens be­währten Herren ihre Erledigung. Rach dem von Rechner Ad. ©ießler erstatteten Kassenbericht sind die Einnahmen gegenüber dem Vorjahre etwas zurückgegangen. Dem Rechner wurde für seine mustergültige Arbeit Dank und Anerkennung

den Mahlzeiten in den Speisesaal oder würde man mir auch hier auf dem Zimmer servieren?"

Gewiß, würde man das! Aber warum wollen Sie das? Gehen Sie doch lieber in den Speise - faal. Sie werden dort viele Damen sehen, die zum Film gehören. Darunter einige bekannte Größen. Ich werde dem Kellner Bescheid sagen, daß er Sie auf diese aufmerksam machen soll. Er wird das ganz geschickt machen. Also auf Wie­dersehen, Miß Harrisson!"

Er wartete nicht einmal Helenes Gegengruß ab, so eilig hatte er es.

Ein Reger brachte ihre Koffer; ein blondes Zimmermädchen, das fließend Deutsch sprach, kam mit ihm, um zu fragen, ob sie die Koffer aus- packen solle.

Helene bejahte dankend. Sie schloß die Koffer auf, und das deutjchsprechende Mädchen begann mit der Arbeit.

Helene empfand es angenehm, nicht allein zu sein. Und das blonde Mädchen mutete sie an wie ein Gruß aus der Heimat. %

Flink und geschickt ordnete das Mädchen die Kleider in den großen, weißen Garderobeschrank ein und wollte dann verschwinden.

Helene hielt sie mit einer Frage zurück:

«Sie sind eine Deutsche?"

3 a, Berlinerin!"

Ach, wirklich Berlinerin? Was hat Sie denn hierher geführt?"

Sagen Sie .gelockt', gnädiges Fräulein!"

Helene lächelte.

Also was hat Sie hierher gelockt?"

Ihr Blick ruhte auf dem hübschen Gesicht des blonden Mädchens.

Was Unzählige herlockt der Film! Man hatte mir Hoffnung gemacht auf eine große Karrirre."

Und?"

Sie hat hier geendet!"

Sie Aerinste!"

Helene schenkte ihr einen Dollar, den sie mit Dank annahm.

Im Speisesaal traf Helene viele junge Damen, die einander so auffallend ähnelten, daß man sie für Schwestern halten konnte. Die gehörten alle jum Film, hatten ihr Aeußeres nach dem Vorbild der paar anwesendenGrößen" zurecht- gestuht.

3m Laufe des Rachmittags wurde Helene der Besuch einer Dame gemeldet. Das blonde Zim­mermädchen ließ die Besucherin ein.

3ch bin Gina Lucke", sagte die Dame, die nicht mehr ganz jung war, mit gewinnendem Lächeln und streckte Helene die Hand hin.Don Doktor Hahn weiß ich, daß Sie heute eingetroffen sind. Da beschloß ich, sogleich zu Ihnen zu gehen, um Sie als Kollegin zu begrüßen.

Das ist sehr freundlich von Ihnen! Ditte, nehmen Sie Platz!" sagte Helene und schob Gina

zuteil. Die Beiträge für 1932 wurden erheblich herabgesetzt. Der Saalsport, der infolge ungün­stiger Raumverhältnisse seither nicht regelmäßig durchgeführd werden konnte, soll in Kürze wie­der ausgenommen werden. Der Gründungstag soll in diesem Jahre durch eine kleine Feier inner­halb des Vereins festlich begangen werden.

LJ Großen-Linden, 23. Febr. Für den Samstag hatte der Kriegerverein Gro - ßen-Linden zu einem Familienabend eingela­den. Der 1. Vorsitzende, Kamerad P o st, hielt eine kurze Begrüßungsansprache, seine Töchter brach­ten einige Gedichte zum Vortrag. Die von Herrn Erwin Tank, Großen-Linden, unter Klavier­begleitung von Frau Herrmann, Gießen, zum Vortrag gebrachten Lieder sorgten ebenso wie die musikalischen Darbietungen der Kapelle Otter für ansprechende Unterhaltung. Im Mittelpunkt des Abends stand ein FilmDer Weltkrieg", den Lehrer Reinheimer, Großen-Linden, vor- führte. Der Bildstreifen hinterließ einen tiefen Eindruck. Gemeinsam gelungene Lieder umrahm­ten die Veranstaltung.

r. L a n g - G ö n s, 23. Febr. Am Samstagabend beging der GesangvereinFrohsinn die Feier seines 7 7. S t i f t u n g s f e st e s. In seiner Begrüßungsansprache gedachte der Vor­sitzende, Karl Faber, der im letzten Jahre ver­storbenen Mitglieder, sowie der im^Kriege ge­fallenen Sangesbrüder, und bat die Anwesenden, auch in dieser Zeit dem Verein die Treue zu halten. Es folgten dann unter der bewährten Leitung von Oberreallehrer Blaß (Großen-Lin­den), zahlreiche Chöre, zum Teil mit Klavier­begleitung von Dr. Schäfer, die Zeugnis da­von ablegten, mit welchem Fleiß auch im abge­laufenen Jahre im Verein gearbeitet wurde. Für vierzigjährige Mitgliedschaft erhielt Konrad Ebel eine Ehrenurkunde, für fünfundzwanzig- jährige Zugehörigkeit zum Verein wurden Hein­rich Müller und Heinrich Kuhl zu Ehrenmit­gliedern ernannt. Zwischen den einzelnen Chören spielte der hiesige Orche st erverein (Lei­tung K.Philipp) klassische Musikstücke, dar­unter ein Solostück für Trompete, vorgetragen von Ernst Weiß. Den Dank der Gäste für die genußreichen Stunden sprach Bürgermeister R o m p f aus.

4= Rödgen, 25. Febr. Dieser Tage hielt Obst« bau-Jnspektor E n k 1 e r - Gießen hier einen Vortraa überZeitfragen im Obstbau". Besonders wies er auf die in unseren Baumpflanzungen stark auftre- tenden Schildläufe hin und empfahl die Spritzung mit lOprazentigem Karbolineum. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an. Der Kreis­ausschuß hat die am 29. November und 12. Dezem­ber 1931 oorgenommene Bürgermei st erwähl für ungültig erklärt. Da gegen dieses Urteil keine weitere Berufung erfolgte, beschloß der Ge­meinderat eine nochmalige Wahl am 20. März vor­zunehmen.

:: Beuern, 23. Febr. Am Samstag fand die ordentliche Generalversammlung der S p a r - und Vorschußkasse I statt. Dem Geschäfts­bericht des Direktors Dan. L. Sommerlad war zu entnehmen, daß die Genossenschaft, trotz der schweren Krise, im vergangenen Jahre, eine weitere günstige Entwicklung genommen hat. Die Aktivsumme ist von 94 292 Mark auf 102 754 Mk. gestiegen. Die Mitgliederzahl ist von 93 auf 130 angewachsen. Dem Vorstand und dem Au^sichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Das sat- zungsgemäß ausscheidende Vorstandsmitglied, Rechnungsrat a. D. E. Schisfnie (Gießen) wurde einstimmig w eder^ewilhlt. desgleichen wur­den die ausscheidenden Mitglieder des Aussichts­rats Phil. Sommerlad VII. und Karl Kaspar Sommerlad I. erneut wieder in den Auf sich ts- rat gewählt. Für das verstorbene Vorstandsmit­glied und Kontrolleur Förster a. D. Hch. Koch II. wurde das Mitglied des Auffichtsrats K. Kra­me r in den Vorstand und zum Kontrolleur ge­wählt, an dessen Stelle Hch. Stein II. zum Auf­sichtsratsmitglied berufen.

Lucke einen Sessel hin. Sie selbst nahm ihr gegenüber Platz.

Doktor Hahn ahnt nichts von meinem Besuch bei Ihnen. Er liebt es nämlich nicht, wenn alte Erfahrene sich an Reue ,anschmeißen' wie ev es nennt", leitete Gina Luckä die Unterhal­tung ein.

Helene sah sie mit verständnislosem Blick an.

Gina erklärte:

Er hat Wohl die Befürchtung, daß man der Reuen ihre Illusionen zerstören könnte; aber das beabsichtige ich in diesem Falle durchaus nicht. Und anderen gegenüber habe ich es auch nie getan. Wozu? Es hatte keinen Zweck. Jede, die hier lanoet, muß aus ihren eigenen Erfahrungen lernen. Sie sind für viele oft recht bitter; aber da hilft nichts, man kann keinen vor ihnen schützen. Illusionen sind dazu da, eines Tages in Trümmer zu gehen."

Haben Sie auch schlimme Erfahrungen ge­macht?" fragte Helene.

Oh, ich sage Ihnen sehr, sehr schlimme! Aber nun liegen sie hinter mir. Ich hoffe, Sie bleiben von so Traurigem verschont. Hahn will Sie zum beliebtesten Filmstar Amerikas machen. Ich glaube, daß es ihm gelingen wird."

Und wieso glauben Sie das?"

Weil Sie schön fi-ib", antwortete Gina lang­sam,und zwar von einer eigenartigen Schön­heit, die bezaubert und hinreißt."

Helene errötete.

Gina rief entzückt:

Wie herrlich Ihnen so ein bißchen Verlegen­heit steht! Ihr Aussehen, Ihr Scharm sichert Ihnen begeisterte Aufnahme. Und wenn Sie auch gar nicht spielen können: das Publikum wird Sie lieben. Ich wünschte mir nur einen kleinen Schim­mer von Ihrer Schönheit, damit wollte ich das Publikum schon hinreißen. Ich kann nämlich wirk­lich gut fpielen. Aber mein Allerweltsgesicht schwächt die Wirkung meines Spiels ab. In dem Film ,Dem Licht entgegen', in dem Sie die Hauptrolle spielen werden, hat Hahn mir eine unbedeutende Rebenrolle zugewiesen. Run, einer­lei! Ich spiele sie, weil ich leben muß. Meine Gage hat man mir bedeutend gekürzt. Aber hier geschieht noch ganz anderes, als daß Gagen ge­kürzt werden. Wer nicht gefällt oder nicht mehr gefällt, wird einfach abgetan, ohne viel Umstände. Das geschieht vielen. Rirgendwo wer­den so viel Tränen vergossen wie hier an der Küste des Stillen Ozeans. Können Sie sich vorstellen, wie einem zumute ist, wenn man kein Engagement hat? Wenn man Schulden bei der Wirtin und einen knurrenden Magen hat und einem zu alledem noch das Heimweh plagt?"

Run machen Sie mir doch noch das Herz schwer!" sagte Helene vorwurfsvoll.

Verzeihung! Rein, daS wollte ich nichtI*

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