(hm seine Wähler gegeben haben. (Beifall bei den Nationalsozialisten.) Darum hat ihm unsere Bewegung Adolf Hitler als Kandidaten entgegen- gestellt. Hitler hat vier Jahre in einem bayrischen Bataillon an der Kricgsfront gestanden. Er ist drei- mol verwundet worden und lag am 9. November 1918 als Kriegsblinder im Lazarett Pasewalk. Es ist verständlich, daß ein solcher Mann die deut, sche Staatsbürgerschaft nicht auf die gleiche Weise erwerben will wie irgendein galizischer Jude. Wir werden das System besiegen, gegen das wir kämpfen. Wir verstehen darunter das System, dessen Presse Anfang November 1918 schrieb: „Es ist unser Wille, daß die deutsche Kriegsflagge nicht siegreich heimgeführt wird." (Widerspruch bei den Soz.) Es ist das System, das die französische Faust küßt. (Rufe bei den Komm.: „Ihr biedert Euch doch bei Frankreich an!") Es ist das System, das mit Barmat Blutsbrüderschaft macht und die Parteibuchbeamten eingeführt hat. (Rufe links: ..Hitler ist doch Parteibuchbeamter geworden!") Am 13. Marz wird dieses System vernichtet werden und Hitler wird siegen. (Stürmischer Beifall bei den Rats.)
Abg Oingeldey (NVp.) stimmt Dem Reichskanzler darin zu, daß die Außenpolitik nicht der Erreichung innerpolitischer Ziele dienstbar gemacht werden dürfe. Die Regierung habe es aber versäumt, die Kräfte innenpolitischer Bewegungen ihrer außenpolitischen Arbeit nutzbar zu machen. Der Reichskanzler steht sicherlich grundsätzlich auf dem Boden des Privatwirtschaft- lichen Systems, aber die in fein en Rot Verordnungen angewandten Methoden tragen durchaus den Charakter staats- kapitalistischer Wirtschaft. Die Ak- ti o n d esP reisabbaukommissar 8 mußte den größten Bedenken begegnen, weil sie begleitet war von Maßnahmen, die die Produktionskosten erhöhen mußten. Die Ausgaben der öffentlichen Hand steigern sich weiter. Der Ausgleich des Etats wird gefährdet durch die Unsicherheit in den Finanzen der Länder und Gemeinden. Den Reformbestrebungen der Regierung auf dem Gebiete der Arbeitslosenversorgung stellen sich immer wieder die parteipolitischen Bestrebungen der Sozialdemokratie hemmend in den Weg. Auf dem Gebiete der Verwal- tungs- und Berfassungsreform muß endlich ein entscheidender Schritt nach vorwärts getan werden. Dem außenpolitischen Ziel des Reichskanzlers in der Tributfrage stimme ich aus vollem Herzen zu, aber ich stelle die sorgenvolle Frage, ob mit der von ihm angewandten Methode das erstrebte Ziel erreicht werden kann. Wir verlangen die Proklamierung einer breiten nationalen Front als Grundlage einer nationalen Politik. Ich bedauere, daß di« Deutschnationalen nicht 1930 die Macht er- Siffen haben, die ihnen zur Verfügung stand.
om Reichskanzler ist in diesen ernsten Tagen nicht das geschehen, was wir von ihm erwarten konnten. Bei der Reichspräsidentenwahl muß der Streit um die Regierung zurücktreten. Die Frage um das einigende Symbol des deutschen Volkes ist eine historische Lebensfrage der Nation. Der Reichspräsident v. Hindenburg hätte dem deutschen Volk einen schlechten Dienst erwiesen, wenn er seine Kandidatur an parte ipolitischeBin. düngen gelüpft hätte. Die Kandidatur des Stahlhelmführers Düsterberg hat nicht die mindeste Aussicht und bedeutet nur eine bedauerliche Zersplitterung. Für uns gilt noch das Wort, mit dem vor sieben Jahren der „Stahlhelm" für Hindenburg eintrat: Die Treue ist das Mark der Ehre!
Abg. Roßmann (Goz.) erklärt: Mit der Rotverordnungspolitik der Regierung sei die Sozialdemokratie nicht einverstanden. Wir wissen, daß es bei der bevorstehenden Reichspräsidentenwohl um das Generalziel geht, den faschistischen Vormarsch abzuschlagen. Um dieses Generalzieles willen, nicht aus Sympathie für die Drüningregierung und ihre Politik, werden wir für Hindenburg stimmen. Wir wollen keinen Bürgerkrieg, aber wir werden dem Gegner mit den gleichen Waffen zu begegnen wissen, die er anwendet.
Abg.Döbrich (O.Landv.) betont, daß seine Fraktion eine Umbildung des Kabinetts unter verantwortlicher Beteiligung aller Rechtsparteien immer für dringend notwendig gehalten habe. Die Abhängigkeit der Regierung von der Sozialdemokratie werde immer unmöglicher. Die Arbeit des Kabinetts würde dadurch gehemmt, seine Maßnahmen kamen meist zu spät, waren unvollständig und konnten eine gründliche Wandlung zum Besseren nicht bringen. Mit Bedauern sei festzustellen, daß manche der vom Reichsernährungsministerium schon lange vorgeschlagenen Maßnahmen infolge der vorhandenen Widerstände verspätet oder nicht ausreichend zur Durchführung kommen konnten. Ganz besonders sei zu bedauern, daß jetzt die Person Hindenburgs in den politischen Kampf hineingezogen werde und die angestrengte Dolkswahl dadurch zu einer Parteiwahl zu werden drohe. Die Landvolkpartei sei jedoch völlig frei von parteipolitischen Erwägungen für die Wahl Hindenburgs eingetreten.
Abg. Dr. Reinhold (Slaatsp.):
Wenn in der Memelfrage nicht schnell etwas Durchgreifendes geschieht, dann erwarten wir von unserer Regierung die schleunige Durchführung der vom Kanzler heute angekündigten Maßnahmen. Darüber hinaus müssen wir immer wieder betonen, daß die im Versailler Diktat getroffene Regelung der Ost grenzen unerträglich ist und immer wieder den Frieden erschüttern muh. Die Reparations- last kann nicht nur ihrer Höhe wegen, sondern wegen des gesamten Systems nicht länger aufrecht erhalten bleiben. Die Reparationen sind tatsächlich tot und Tote werden nicht dadurch lebendig gemacht, daß man ihnen den amtlichen Totenschein verweigert. Wir wollen nicht abgesch'ossene Verträge zerreißen, aber wir wollen die Tatsache international anerkannt sehen, daß die Weiterzahlung von Reparationen und Kriegsschulden unmöglich geworden ist. Darin besteht in Deutschland eine Einheitsfront. Wir erwarten von der Regierung, daß sie das Ziel in der Reparationsfrage, das vom ganzen deutschen Volk erstrebt wird, in ruhiger, geschickter Arbeit weiterverfolgen wird. Wir wollen nicht, daß die Früchte einer langen entbehrungsreichen Politik unter dem Druck der Rot vernichtet werden durch eine sinnlose Politik der Abenteuer. Wir wollen das Große groß sehen und darum wählen wir Hindenburg! (Beifall bei der Staatspartei.)
Weiterberatung Freitag 10 Llhr.
Hindenburg lehnt jede Bindung an Parteien erneut ab.
Oer Reichspräsident über seine Kandidatur. — „Nur meinem Gewissen und dem Vaterlande verpflichtet."
Berlin. 25.Jebr. (WTB.) Der Herr Reichs- Präsident empfing heule den Arbeilsaus- schuß der Vereinigten Hindenburg- Ausschüsse. die ihm ihren Dank dafür aus- sprachen, daß er sich erneut bereit erklärt habe, das Amt des Reichspräsidenten zu übernehmen. Der Arbeitsausschuß sei gewillt, sich mit oller Kraft für die Wiederwahl einzusehen. aber den Wohlkampf nur sachlich und in ritterlicher Form zu führen.
Reichspräsident v. Hindenburg begrüßte in seiner Erwiderung den Entschluß des Arbeitsausschusses, den nun leider unvermeidlich gewordenen Wahlkampf in vornehmer Form zu führen und alles zu vermeiden, was zu
einer Verschärfung der vorhandenen Gegensähe führen könnte. „Ich habe", so betonte er. „die Kandidatur nur auf der Grundlage voll- ster Ueberparteilichkeit übernommen und es auf das bestimmteste abgelehnt, irgendwelche Bindungen den Parteien gegenüber einzugehen oder irgendeine Bedingung onzunehmen: ich werde auch weiterhin jede Festlegung nach der einen oder anderen Seile ablehnen. Ich bin Ire ritz ä n d e r des ganzen deutschen Volkes, nicht der Beauftragte einer Partei oder Parteiengruppe und will nur meinem (Be- wissen und dem Vaterlande verpflichtet sein."
was der Vorredner als Beleidigung feiner Partei _ empfinde, ja nicht von ihm konstruiert sei, sondern Aeußerungen maßgebender Führer der nationalsozialistischen Bewegung seien.
Einem nationalsozialistischen Antrag, bei der Reichsregierung wegen Drosselung derEin- fuhr ausländischen Ob st es und GemüseS vorstellig zu werden, stimmen außer dem Antragsteller G ö ck e I (Rat.-Soz.) auch die Abgeordneten Frau Pringsheim (Soz.), Blank (Zentr.) und G u m b e l (Soz.) zu.
Das Haus hat sich bis auf 20 Abgeordnete geteert. Freitag Abstimmungen.
Hitlers Einbürgerung.
Zum Regierungsrat bei der braunschweigischen Gciaudischaft in Berlin ernannt.
Braunschweig, 25. Febr. (TU.) Das braunschweigische Staatsministerium hat, wie bereits gemeldet, am Donnerstagnachmittag Adolf Hitler zum Regierungsrat ernannt. In der amtlichen Verlautbarung heißt es u. a.: „Das Staatsministerium hat beschlossen, Adolf Hitler mit Wirkung vom heutigen Tage in den braunschweigischen Staatsdienst als Regierungsrat unter B.erufung in das Beamtenverhältnis einzustellen und ihn mit der Wahrnehmung d e G-e f ch ä f t e eines Sachverwalters bei der braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin zu beauftragen. Die Aufgaben des Herrn Hitler werden insbesondere darin bestehen, für die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen des Landes Braunschweig in weitestem Umfange tätig zu sein, namentlich sich auch der Erlangung vonAufträgenfürdiebraun- schweig ische Wirtschaft anzunehmen. Mit dieser Aufgabe Hitlers ist eine Vertretung Braunschweigs beim Reichsrat nicht verbunden. Adolf Hitler wird ersucht, unverzüglich seinen Dienst bei der braunschweigischen Gesandtschaft In Berlin anzutreten."
Das nationalsozialistische Wirtschafisprogramm. Ein Bortrag Gottfried F ders.
Berlin, 24. Febr. (ERB.) Der Wirtschaftslach* verständige der Nationalsozialisten, Gottfried Feder, sprach in der Technischen Hochschule über „Neue Wege in Finanz und Wirtschaft". Das Wirtschaftsprogramm der NSDAP, stelle den Satz auf: Gemeinnutz vor Eigennutz. Das Fundament der nationalsozialistischen Wirtschaftslehre laute: „Jedem nicht das Gleiche, sondern jedem das Seine." Zu der Frage staatlichen Eingriffes in die Privatwirtschaft erklärt Feder, daß es für die NSDAP, im Produktionsprozeß, wo alle schöpferischen Kräfte angespannt werden müßten, keine irgendwie geartete Einmischung geben werde. Dagegen halte man es für richtig, wenn der Staat Aufgaben aus Handel, Verkehr und Geldwesen übernehme und erfülle. Besonders werde also die Forderung nach 23er-- staatlichung des gesamten Geld- und Kreditwesens verwirklicht werden. In' einem nationalsozialistischen Reiche würde auch keine Mark neu gedruckt werden, die nicht durch neugeschaffene, volkswirtschaftlich nützliche Werte mindestens hundertprozentig gedeckt sei. Von den lebenswichtigen Industrien werde vor allem auch die Elektri- zitätswirtschaft sozialisiert werden müssen. Don der Landwirtschaft müsse der harte Druck der Absatzfrage genommen werden.
Die Pläne der NSDAP. gingen auf eine Wiedereingliederung von mindestens 4,5 Millionen Arbeitslosen in den Wirtschaftsprozeh hinaus, und zwar soll der Arbeitsmarlt in Höhe von einer halben Million du.ch Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht, in Höhe von einer weiteren halben Million durch eineLlmänderungderHaus- zinssteuererhebung, von noch einer halben Milliost durch die Förderung des Sied- lungs- und Bauwesens (Zurückführung aufs Land) entlastet werden. Bis zu drei Millionen weitere Arbeitslose hoffe man durch eine Beschränkung der Einfuhr wieder beschäftigen zu können. Auch solle eine gewisse Beschränkung der Ausfuhr nach na» tionalpolitifchen Gesichtspunkten durchgeführt werden in der Richtung, daß der Aufbau bestimmter Industrien im Auslande nicht durch deutsche Ausfuhrartikel gefördert wird.
Schließlich sind eine fünfteilige berufs- ständische Gliederung des deutschen Volkes entsprechend feiner Schichteneinteilung sowie die Errichtung eines besonderen Reichswirt- schaftsrates, eines Außenhandelsamtes, einer Devisenzentrale in Verbindung mit verschiedenen besonderen Industrie- Projekten weitere Merkmale des von Feder entwickelten Programms, das bezwecken soll, jedem Deutschen ein auskömmliches Einkommen und dis Sicherung seiner Arbeit zu geben.
Die Lehren
der Pfundeniwerinng.
Ein Bortrag Geheimrat Kastls.
Amsterdam, 25. Febr. (ERD.) Vor dem Riederländischen Arbeitgeberverband hielt das Präsidialmitglied des Reichsverbandes der deutschen Industrie Geheimrat K a st l, Berlin, einen Vortrag über „Wirtschafts- und Währungskrise". Er legte darin die Gefahren dar, die sich für ein Land, das eine Entwertung feiner Valuta zulaffe, notwendigerweise ergeben müßten. Er wies auf England als warnendes Beispiel hin. Die Entwertung des Pfundes habe der englischen Industrie zwar einige Belebung gebracht, diese habe aber wegen der handelspolitischen Abwehrmaßnahmen des Auslandes und der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung nur in gering e m Umfange ausgenutzt werden können. Die Ausfuhr Englands fei daher auch nicht gestiegen, und man müsse abwarten, wie sich seine Handelsbilanz gestalten werde, wenn die alten Vorräte verbraucht seien und man neue Rohstoffe in Amerika und anderen Ländern zu hohen Preisen einkaufen müsse. Zn Deutschland habe man einsehen müssen, daß die Aufgabe desGoldstandards zur Zerstörung des Privateigentums, zur Erhöhung der Produktionskosten und zur Erschütterung des Rechtsgefühls führen müsse. Man müsse daher nicht durch Inflation, sondern durch organische Anpas- fung der Produktionskosten an daS gesunkene Marktniveau die Voraussetzungen für eine Gesundung des Wirtschaftslebens schaffen.
Kampf um die Ausschüsse in Genf.
Tardieu drückt einen politischen Ausschuß zur Behandlung der Sicherheitsfrage durch.
Genf, 25.Febr. (WTB.) JrnHauptausschuß der Abrüstungskonferenz wurde der Antrag des britischen Außenministers Sir Zohn Simon behandelt, den Konventionsentwurf des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses als Rahmen für die weiteren Arbeiten der Son* ferenzzu nehmen. Dieser Antrag hat inzwischen eine Formulierung gefunden, aus der unzweideutig zu erkennen ist, daß der Konventionsentwurf nicht die verpflichtende Grundlage für die Konsercnzarbeiten bildet, sondern daß jede Delegation in der Lage ist, ihre eigenenVor- schlüge im Laufe der späteren Debatte zu entwickeln und auch folche Anträge zu stellen, Oie eine grundsätzliche Umgestaltung des Konventionsentwurfes bezwecken. Der deutsche Botschafter R a d o l n h erklärte sich von der Formulierung des britischen Antrages befriedigt. Der Entschließungsentwurf bekam dann in seinem Schlußsatz folgenden Wortlaut: Die Konferenz beschließt. ihre Beratungen in dem Rahmen des Konventionsentwurfes zur Herabsetzung und Verminderung der Rüstungen zu führen, wobei allen Delegationen die volle Freiheit gewahrt wird, ihre eigenen Vorschläge im Laufe der späteren Verhandlungen zu entwickeln und ihre Anträge in Form von Aenderungen, Zusätzen oder Streichungen im gegebenen Augenblick vorzubringen.
Tardieu erklärte, der Wkommensentwurf des Völkerbundes sei einstimmig vom Ausschuß als die Grundlage der Verhandlungen angenommen worden. Deshalb mußten entgegen dem von der Vollkonferenz bereits angenommenen Beschluß die Einzelausschüsse der Konferenz entsprechend den Bestimmungen dieses Abkommensentwurfes gebildet werden. Tardieu verlangte ferner die Einsetzung eines vierten politischen Ausschusses, der die gesamten politischen Sicherheitsfragen durcharbeiten soll. Rach dem französifchen Standpunkt könne die Abrüstung nicht nur auf dem Gebiet technischer Maßnahmen behandelt werden, sondern es müßten gleichzeitig auch die politischen Fragen maßgebend fein. Der politische Ausschuß müsse sich mit der Organisierung des Friedens und der Kontrolle der Rüstungen befassen. Dieser Vorstoß Tardieus entspricht der Haltung Frankreichs auf der Abrüstungskonferenz, das Sicherheitsproblem gleichzeitig mit dem Ab- rüstungsproblem zur Verhandlung zu stellen und das praktische Ergebnis auf dem Gebiet der Abrüstung von der gleichzeitigen Schaffung neuer Sicherheitsgarantien und der Stabilisierung des durch den Versailler Vertrag geschaffenen Zustandes abhängig zu machen.
Der französische Vorschlag stieß auf unerwartet starken widerstand. Die Vertreter von
Deutschland, Italien, den vereinigten Staaten, der Türkei und Holland lehnten den Vorschlag ab, während die Vertreter von Sudslawien und Rumänien sofortige uneingeschränkte Annahme des Vorschlags forderten. Der englische Außenminister enthielt sich einer eindeutigen Stellungnahme.
Da die Aussprache eine für den französischen Standpunkt offensichtlich ungünstige Wendung nahm, fuchte Tardieu in einer großen Rede die Wider- stände zu überwinden. Die französische Abordnung wünsche, daß ihre Vorschläge in einem politischen Ausschuß behandelt würden, da die Gegensätze nur so überwunden werden könnten. Die Konferenz könne nur erfolgreich fein, wenn ein politischer Ausschuß sich mit der äußerst schwierigen Frage der Organisierung des Friedens befasse.
Rach mehrfachem energischem (Eingreifens lat- bieus wurde der starke widerstand, der anfänglich gegen den französischen Antrag geltend ge- macht wurde, aufgegeben und der französische Antrag einstimmig angenommen. Der politische Ausschuß, der nun gebildet wird, soll die gesamten nach französischer Auffassung mit der Abrüstungsfrage zusammenhängenden politischen Fragen behandeln. Der Kon- ferenzausschuh beschloß ferner, Ausschüsse für Land-, See-, Luft- und haushaltsftagen einzusehen.
Botschafter N a d o l n y, der noch bis zum letzten Augenblick die Einsetzung eines politischen Ausschusses scharf bekämpft und wiederholt darauf hingewiesen hatte, daß keinerlei mit der Abrüstungsstage zusammenhängendes politisches Material zur Verhandlung stehe, gab schließlich feinen Widerstand auf. Als Außenminister Simon einen persönlichen Appell an ihn richtete, nicht die Verhandlungen in einer Atmosphäre der Mißstimmung beginnen zu lassen, er habe volles Verständnis für die deutsche Haltung. Alle würden es jedoch hoch einschätzen, wenn der Vertreter Deutschlands einen einstimmigen Beschluß über die Einsetzung eines politischen Ausschusses ermöglichen würde, zumal er, Nadolny, nur die Frage der Zweckmäßigkeit aufgeworfen und keineswegs grundsätzliche Bedenken gegen diesen Ausschuß vorgebracht habe. Nadolny betonte,, daß er keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Ausschuß Vorbringen wolle. Die deutsche Abordnung sei bereit, einen Beweis ihres guten Willens zur Zusammenarbeit zu bringen. Nachdrücklichst müsse er jedoch feftfteUen, daß d i e R i cht l i n i e n für die Arbeiten des politischen Ausschusses vom Hauptaus- schuß festgesetzt werden müßten.
Der Antrag der ASDAP. aus „VennögenSverteiiung" im Hessischen Landtag.
Darmstadt, 25. Febr. (WHP.) In der heutigen Sitzung, die wesentlich ruhiger verlief als die an den vorangegangenen Tagen, wurde vor kaum beschlußfähigem Hause zunächst die von der Regierung beantragte Erstreckung des Finanzgefetzes 1931 bis zum 30. September 1932 zur Beratung gestellt. Abg. Dr. Müller (RSDAP.) lehnte die Vorlage ab. Abg. Dr. Riepoth (DVP.) meinte, man werde wahrscheinlich wochenlang zuerst im Ausschuß und dann im Plenum zu dem neuen Etat reden und Beschlüsse fassen, aber dann werde er doch von der Regierung durch Rotverordnung in Kraft gesetzt werden. Nachdem auch die Abgeordneten Böhm (Dntl.), Glaser (Lv.), Hammann (Korn.) und Galm (KPO.) der gleichen Ansicht Ausdruck gegeben hatten, wurde oie Vorlage gegen Sozialdemokraten und Zentrum abgelehnt.
Ein kommunistischer Antrag, in dem die Einstellung aller Zahlungen, Steuern des Reiches, des Landes und der Kommunen sowie der Organisationsbeiträge verlangt wird, wurde nach Ausführungen der Abg. Dr. Wagner (N.), Lux (S.), Blank (Zentr.), Fenckel (Lv.), Dr. Best (N.), Glaser (Lv.) und Weckler (Zentr.), die sämtlich die kommunistischen Anträge als undurchführbar und demagogisch zurückwiesen, gegen die Antragsteller a b g e l e h n t.
Abg. H e i n st a d t (Zentr.) erstattet bann Be> richt über die Verhängungen im Ausschuß zu dem nationalsozialistischen Antrag auf „Vermögensverteilung", d. h. „Nachprüfung und eventuelle Beschlagnahme des auf unlautere Art erworbenen Vermögens der Bant- und Börsen- fürsten und Ostjuden".
Abg. Dr. Gumbel (Soz.) erinnert an die Reichstagsderhanülungen über den gleichen nationalsozialistischen Antrag. Dort feien die Ratio- nalsozialisten die Antwort schuldig geblieben, wie man die „Dank- und Börsenfürsten" erfassen könne. Wer sei „raffender", und wer fei „schaf
fender" Kapitalist? Welcher Dumme glaube, daß die Nationalsozialisten wirklich ernsthaft an die Herangehen würden, die ihr Antrag treffen müßte, die aber doch die Geldgeber der Rationalsozialiften darstellten.
Abg. Jung (Rats.) bezeichnet die beiden Vorredner als die Beschützer der „Bank- und Börsenfürsten" vom Schlage eines Jakob Goldschmidt oder eines Katzenellenbogen. Die bei den Nationalsozialisten stehenden Industriellen müßten umlernen, und sie würden auch lernen, als Nationalsozialisten Opfer zu bringen. Das Volk habe ein Recht, daß die Taschen der Kriegs- und Börsengewinnler zur Linderung der allgemeinen Not geleert würden.
Abg. Heinstadt (Z.) vermißt gangbare Wege zur Durchführung des Antrages. In der Raffenfrage sehe man dieselben ungeklärten Begriffe, um gewisse Sympathien zu Haschen. Der Redner verliest die Rede Hitlers zur Preisgabe Südtirols und Antworten der Südtiroler. Die Nationalsozialisten müßten logischerweise nicht nur dem Bankenkapital, sondern auch dem oft personell verbundenen Industriekapital den Kampf erklären.
Abg. Gumbel (Soz.) erklärt die Zustimmung der Sozialdemokraten zu dem Antrag, „um die Demagogie der Hitler-Partei" zu entlarven".
Abg. Dr. N i e p o t h (DVP.) betont, kein Mensch im Hause glaube, daß der Antrag durchführbar sei. Mit Ausnahme des Punktes „Verstaatlichung des Bankwesens", die zur Politisierung des Kredit- wesens führen müsse, stimme die Volks- Partei dem Antrag zu, weil sie keinen An- laß habe, sich schützend vor unrechtmäßiges Eigen- tum zu stellen.
Abg. Dr. Best (NSDAP.) erklärt, der Passus „fremdstämmig" sei in dem vorliegenden Antrag nur ein technischer Begriff. Die Beleidigung Hitlers durch den Abg. Heinstadt in der Südtiroler Frage weise er entschieden zurück. Niemals habe Hitler daran gedacht, Südtirol auf weite Sicht aufzugeben.
Abg. Heinstadt (Zentr.) erwidert, daß da-,


