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n 2Z. Februar 1932.
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Nr. 48 Erster Blatt
182. Jahrgang
Freitag, 26. gcbruar 1952
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
ProtfM*» »erleg: vrßhl'lcht UnivtifitätS'Bi*. >»t> Stditruderel H. rangt hi Skfctn. Lchnftltilaag und Scha'-ttaht 7.
Zinahme von »njeige« für die laqftnummft bi* zum Nachmttiag vorher.
Prtis für | mm HLHe für Anzeigen von 27 mm drette örtlich 8, au*wärt» 10 Reichspsennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reich« Pfennig. Platzvorschr,ft 20“. mehr.
Chefredakteur
Dr. Fnedr. Wtlh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Ar. Wilh. Lange; für Feuilleton DrH.Tbnriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchern und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in Niesten
Erscheint täglich.auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-Vezigrprels:
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Oer Tag des Reichskanzlers.
Große 'Beöe Brünings im Reichstag. — Scharfe Auseinandersetzung mit der Opposition. — Stürmische tlnterbrechungen. Eindrucksvolles Bekenntnis zu Hindenburg.
'Oer Kanzler spricht.
Berlin, 25. ßebr. 3ni Reichstag nimmt noch einer Rede des '2lbq. Leicht von der Bayerischen Boltsparlei unter aUgemeiner Spannung Reichskanzler D r. Brüning bas Wort. Die Loge ist außenpolitisch so gespannt, roie selten vorher Die Situation ändert sich non Tag zu Tag. Wir leben in einer Zeit mit gleicher Nervenanspannung wie im Kriege. Es ist tatsächlich schon ein blinder Krieg in wirtschaftlicher Beziehung in der ganzen Welt entbrannt. 3n einer solchen jeit fommt alles darauf an, mit Kaltblütigkeit und ohne Rücksicht auf innerpolitische Agitation die Sache des Landes zu betrachten, zu formulieren und zu verteidigen. Wenn man Kritik übte an meinem Auftreten in Genf, so will ich. ohne näher auf die Einzelheiten einzugehen, vor allem ein ganz klares Wort grundsätzlich auslprechen: Ich werde mich nie dazu verleiten lassen, eine Prestige- Politik zu machen mit Rücksicht auf Agi- lationsbedürfnisse im Innern, wodurch die Lebensinkeressen des deutschen Volkes auf lange Sicht gefährdet werden könnten. (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.» Diese Stellungnahme wird in der Welt auch verstanden. (Lärm rechts und Rufe: Siehe Litauen!) Es würde aber eine ganz an- b e r e Kraft hinter dieser Politik stehen, wenn dos deutsche Bolt sich entschließen könnte, in ent« scheidenden Punkten der Außenpoli« tik auf innerpolitifche Auseinander- setzungen zu verzichten. (Lebhafte Kund- gcbunaen in der Mitte, Lärm bei den National- sozialistcn.)
In der M e m c l f r a g e sind hier scharfe und un- berechtigte Kritiken an dem deutschen Gesandten in Kowno geübt worden. Der lstesandte Morath, der fünf Jahre lang auf dem schwierigen Posten in Kowno unter wenig erfreulichen Umständen uner« müdlich die deutschen Interessen wahrgenommen Hot, verdient nicht diele Kritik. Ich muß es auch ab- lehnen, auf Angriffe der litauischen Regierung, die ich für unverantwortlich und vertragswidrig halte, mit vorzeitigen Reprefsivmaßnah- men zu reagieren. (Lebhafte Anrufe bei den Nationalsozialisten). Ich habe ausdrücklich betont, mit vorzeitigen Repressiomaßnahmen.
3m ITlcmelgebiet kämpft eine tapfere, seit 700 Jahren, deutsche Bevölkerung um die Wahrung ihrer autonomen Rechte und Erhaltung ihrer Kultur und Tradition. Die deutsche Regierung hat den ihr als Ratsstaat vom Statut gewiesenen weg beschritten. Ls wird sich jcht zeigen, ob die litauische Regierung normale Beziehungen im THemelgeblet Herstellen wird, ob sie sich an ihre internationalen Verpflichtungen hallen wird. Ich werde nicht zögern. Repressivmaßnahmen gegen Litauen zu ergreifen, wenn die Umstände e» im richtigen
Augenblick erforderlich machen. (Beifall.)
GS hat mich eigentümlich berührt, daß bei einer so ernsten Frage der Abg. Rosenberg die Behauptung aufgestellt hat, daß 40 biS 50 Prozent des Personals der deutschen Gesandtschaft in Kowno litauische Staatsangehörige seien. Unter den Angestellten befindet sich eine Dolmetscherin, die, als Reichsangehörige geboren, einen sogenannten Balten geheiratet hat. (Stürmische Heiterkeit und Rufe: Rosenberg ist ja auch ein Balte.) Dann ist dort ein litauischer Bote beschäftigt, ein baltischer Pförtner und ein b a 1 ti scher Hilfsbote. (Große Heiterkeit.) Zu den Aeußerungen des Abg. v. Zreytagh-Loringhovcn hinsichtlich der Zollunion betont der Kanzler, es sei bereit- jetzt Gemeingut aller wirtschaftlich und politisch Einsichtigen in Europa, daß Oesterreich auf seinem eigenen Wirtschaftsraum nicht selbständig wirtschaftlich bestehen könne. Die Reichsregierung ist auch heute bereit, an allen Maßnahmen teilzunehmen, die ins Auge gefaßt werden sollten, um die wirtschaftliche Lage Oesterreichs zu erleichtern. (Sehr gut! bei der Mehrheit. Rufe rechts: Soweit Frankreich es erlaubt!)
Hebet den Verlaus der Genfer Abrüstungskonferenz heute schon zu urteilen, scheint mir verfrüht. Die Auffassung des Abg. v. Freytagh-Loringhoven über das bisherige Ergebnis in Genf wird aber von weiten Kreisen nicht geteilt, besonders nicht vom Ausland. Herr v. Freptagh-Loringhoven hat anscheinend entweder meine Rede nicht gelesen, oder kein Verständnis sür Formulierungen, die eine deutliche und klare kritische Stellungnahme gegenüber den Vorschlägen bedeuteten. «Lärm rechts.)
Die in- und ausländische Presse jedenfalls, mit ganz wenigen Ausnahmen, hat den Sinn meiner Genfer Abrüstungsrede einwandfrei verstanden. (Beifall bei der Mehrheit: Lärm rechts.) Der Konventionsentwurf der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz wurde auch gestern nicht a l S Diskussions-Grundlage genommen, sondern nur als Rahmen.
Gegenüber dem Abg. Rosenberg (Rats.) und seiner gestrigen außenpolitischen Kritik, erklärte der Kanzler, finde er er eigentümlich, daß Bllfgficöer der Reichstag», die sich im In
land an Kritik nicht genug tun könnten, gegenüber ausländischen Pressevertretern eine ganz entgegengesetzte Haltung einnähmen. (Lebhafte» ftorll Hört!) Der Führer einer Oppositionspartei, sv fährt der Kanzler fort, hat einer amerikanischen Zeitung gegenüber erklärt, daß er den Ion meiner Rede In Genf zwar im allgemeinen nicht leiden könne, daß er aber den darin geäußerten Standpunkt, besonder» auch im Hinblick auf die Abrüstung, al» eine angenehme Ueberraschung empfinde. (Stürmisches hörft hört! — Lärm und Ruse rechts: Namen nennen?) Der Kanzler nennt den 71 amen de» Ritters v. Epp, worauf bei den Rationalsozialisten neue lärmende Unterbrechungen eintreten, die mit Zurusen auch von
der Regierungsbank beantwortet werden.
Das für die deutsche Zukunft und die deutsche Wirtschaft bedeutsamste Problem, so fährt der Kanzler fort, ist die Reparationsfrage. Herr v. Freylagh hat eine Reihe von Beßaup- tungen ausgestellt, die nicht nur die Tatsachen auf den Kopf stellen, sondern mich sehr zweifeln lassen an der Stabilität seines Gedächtnisses. (Heiterkeit.) Er hat sich an Gerüchte gehalten, die nicht- mit dec Wirklichkeit zu tun haben. Er sowohl wie der Abgeordnete Rosenberg haben so getan, als ob in der ganzen Reparationsfrage Wirtschaftslage und
Die Reparationskonferenz ist nun endgültig a u f 3uni festgesetzt worden. Deutschland hätte dringend gewünscht, daß durch einen früheren Zeitpunkt die wirtschaftliche Depression, die von dieser offenen Frage ausgeht, schneller beseitigt und das allgemeine Vertrauen wieder her- gestellt würde. Andere Staaten waren nicht dieser Meinung, und die Reichsregierung kann daher eine Verantwortung nicht dafür übernehmen, daß die Reparationskonferenz erst kurz vor dem Juli Zusammentritt. Die Reichsregierung hält an der Auflassung fest, daß die Lösung der Reparationsfrage die Voraussetzung der Verständigung auch über andere wirtschaftliche Fragen bildet, die notwendig ist, damit wir zur Milderung der Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt kommen. Die Reichsregicrung wird alles tun, um einer durchgreifenden Deflation Zu begegnen. Die Maßnahmen des Preiskommissars sind zu einem gewissen Abschluß gekommen, ©eitere Maßnahmen werden noch hinsichtlich der öffentlichen Tarife für Gas, Elektrizität usw. gefordert.
wir werden zu verhindern wissen, daß die Preise plötzlich wieder in die höhe gehen. Den Brotprel» wollen wir stabil hallen. Alle» hangt davon ab, daß d i e deutsche Währung stabil gehalten wird. Dazu gehört eine Ltatspolitik, die die sichere Deckung aller Ausgaben garantiert. Die notwendige B e - lebung des Arbeitsmarktes zur Behebung der gegenwärtigen Rot fetzt voraus, daß der lähmende Pessimismus weicht. Dieser Pessimismus wird gefördert durch die Art und weife der politischen Agitation, die zwischen Regierung und Staat getrieben wird. Weil wir die Wirtschaft beleben und weil unsere Politik stark beeinflußt wird durch die innenpolitische Agitation in dieser kritischen Zeit, darum habe ich den versuch gemacht, die parlamentarische
cs keinen Besuch in Eheguers und anschließende Aktionen gegeben habe. K c t n ■ p o • litischer Schritt ist in den kritischen Tagen unternommen worden, ohne in engster Fühlung mit der amerikanischen Regierung zu stehen. Damit ist die Behauptung widerlegt, als ob wir durch Schritte unsererseits die Initiative Hoovers auch nur im geringsten geschädigt oder gestört bitten. Mn dem französischen Ministerpräsidenten habe ich alle schwebenden Fragen besprochen. Jeder Mann weiß, daß der Zweck meiner Pariser Reise der Vorbereitung der Londoner Konserenz diente, über deren Bedeutung sich Herr v. Frey» tagh gänzlich auSgeschwiegen hat. «Abg. v. Fretz- tagh |Dn.s: .Es ist doch nichts dabei heraus- gckommenl") Ihnen scheinen die ganzen Maßnahmen der Stillhaltekommission mit ihren für Deutschlands Wirtschaft außerordentlich wichtigen Konsequenzen vollständig entgangen zu fein. «Sehr wahr! bei der Mehrheit > Seine Bemerkungen über den Lahton-Bericht sol.te Herr v. Freytaqh am besten aus dem Stenogramm seiner Rede s re*;en. (Beifall.) ES ist unglaublich, mit wellhem Mangel an Gewissenhaftigkeit er der Reichsregicrung, die in diesem Punkte doch auch seine These eingehalten hat, Schwierigkeiten macht. Die Unterhaltungen mit dem französischen Botschafter haben ganz auf der Linie dessen gelegen, was ich in dem bekannten Interview mit dem WTB. zur Repa- rationSfrage f e st g e l e g t habe.
innere Spannungen.
Verlängerung der Amtszeit des üjerm Reichspräsidenten herbeizuführen.
Ich habe von vornherein auf dem Standpunkt gestanden, daß eS gegenüber einer sich noch fo scharf gebärdenden nationalsozialistischen Bewegung nicht opportun sei, mit Maßnahmen vor- zugehen. die an daS Sozialistengesetz vergangener Jahre erinnern. (Minutenlang anhaltender Lärm bei den Rationalsozialisten und Kommunisten.) DaS ist auch die Grundtendenz des Erlasses deS R e i ch s w e h r m i n i - ster«. daß. wenn sich ein Bestreben seitens deS Führers oder der Führung einer solchen Bewegung zeigt, unbedingt die Massen auf dem Wege der Legalität weiterzuführen, man solche Bemühungen nicht von vornherein zu rück weisen kann. (Zurufe bei den Sozialdemokraten.) DaS bedeutet aber nicht ein weichliches Zurückweichen vor Drohungen. Sollten Sie (zu den Rationallozialisten) etwa zu Methoden früherer Zeit zurückkehren, dann würden wir ebenso entschlossen wieder einen anderen Weg wählen. (Beifall bei den Sozialdemokraten. — Anhaltende lärmende Unterbrechungen bei den Rationallozialisten und Rufe: Wecken Sie Grzesinskis Hundepeitsche?« Wenn der Abg. Goebbels gesagt habe, die R e i ch s- regierung sei schuldig an dem s i ch entwickelnden Bürgerkrieg, so ist das, sagt der Kanzler mit erhobener Stimme, daS stärkste Stück aus dieser ganzen Debatte. (Erneute Tumultszenen bei den Rationalsozialisten, in denen ein Teil der Aus- sührungen des Kanzlers verloren geht: Präsident Lobe kann dem Kanzler nur mit Mühe Gehör verschaffen.) Der Kanzler betont, die Rechlsopposition rede immer vom System und meine dabei manchmal da« System Brüning, manchmal des System des 9. Rovember. (Bule bei den Rationalsozialisten: Das ist das gleiche!)
Brüning und der Nationalsozialismus.
Reichskanzler Dr. Brüning ruft erregt: Am 9. Rovember 1918 war ich in der Gruppe Win- terfelb, die zur Riederwerfung der Revolution gebildet worden war. (Beifall in der Mille, Lärm bei den Rotionalsozialislcn.) wenn der Abg. Rosenberg meine vaterländische Gesinnung verdächtigt (großer Lärm bei den Nationalsozialisten), so muh ich e» oblehnen, darüber Belehrungen von einem Mann entgegenzunehmen. der in jener Zeit noch gar nicht entdeckt halte, welche» Vaterland er überhaupt
hat. (Stürmischer Beifall der Mehrheit.)
Die Behauptung, daß ich mit meiner Person schuld fei an dem Nicht Zustandekommen einer Einheitskanbidalur des Reichspräsidenten o. Hindenburg muß ich in llebereinftimmung mit den dafür in Ixrage kommen, den Stellen als eine bewußte Unwahrheit bezeichnen. (Stürmische Hört! • Hört! - Rufe.) Den Führern der nationalen Opposition ist ebenso bekannt wie mir. daß ich diese Schuld nicht trage. Ich habe mehrfach dem Reichspräsidenten meine Demission angeboten, um die Dahn frei zu machen. Selbst- verständlich wollte ich meinen Posten nur verlosten.
um die Bahn für den Aufstieg freizumachen, aber nicht für das Chaos. (Beifall.)
Die Forderungen einer Truppe, die letzten Endes darauf hinausliefen, ihr den gesamten Staatsapparat auszuliefern, haben das Scheitern der 'Bcrhanblun- gen verschuldet, die i ch nicht geführt habe. Zu derartigen Experimenten roor der Reichspräsident, dem während seiner ganzen Präsidentschaft die Einigkeit und Konzentration aller Kräfte am Herzen gelegen hat, in feinem Augen blick bereit. Ich muß das fcftfteUen, damit nicht im Wahlkampf immer wieder mit solchen Lügen operiert wird. Ich habe mich den Bestrebungen, die Opposition an die Macht heranzulasten, nicht widersetzt, weil ich immer hoffe, daß es dem maß- volle nFuhrer gelingen würde, die Massen der Anhänger im Zaume zu halten. Ich habe freilich nie ein Hehl daraus gemacht, daß bei einer solchen Beteiligung der Opposition an der Regierung ich mit meiner Person nicht mehr in Frage käme. (Zuruf bei den Nationalsozialisten.- Sie würden wir auch nicht akzeptieren!)
Jedermann ist sich aber klar darüber, daß die beiden bürgerlichen Parteien und auch andere ©nippen, die sich ihnen zuzählen, in den Rechen der Oppofttion 3 u keiner Einigung über
irgendeine politische Frage kommen können. Das babe ich zwar vorausgesehen, aber mir dorn» Vorwürfe zu machen, geht doch wohl zu weit. (Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) Sie tonnen auch nicht von mir verlangen, daß ich Ihnen aut- Höflichkeit zu einer Einigung verhelfe, indem ich gcwistermaßen über meine eigene p o l i tische Leiche hinwegspringe. (Erneute Heiterkeit und 3uftimmung.) Ebensowenig bin ick» schuld daran, daß Sie nicht al» Erste dar aus gekommen sind, den Reichspräsidenten von Hindenburg aufzustellen. Sie (noch rechts) jammern immer darüber, daß Sie nicht an die Macht kommen. Es sind unzählige Versuche in den letzten Jahren gemacht worden, mit den Rechts Parteien zusammen zu regieren Wer klug ist Im politischen ßeben, braucht daß zwar nicht so start herauszuschreien, erregt aber die anderen nicht (Händeklatschen und Heiterkeit bei der Mehrheit.) Wer eine Minderheitsregierung im Reichstag unterstützt, sichert sich auf alle Falle dagegen, daß er völlig von jedem Einfluß ausgcfdjIoHen ist. Die Deutfchnationalen haben es im Sommer 1930 in der Hand gehabt, auf diese Weife die Macht zu erobern. Wenn man überhaupt von schuldhafter Verkettung, van Umständen ober politischen Ereig- nissen sprechen will, dann müssen Sic (nach rechts) nicht beim 9. November 1918 anfangen, sondern bei den politischen Fehlern der Vorkriegszeit. (Beifall.)
Mein System hat mH Ihrer Dar- ffeltung nichts )u tun. Mein System, da» ist die Befchreltung der fachlich notwendigen Linie ohne Rücksicht darauf, was poll- lisch mit mir ober mit meiner Partei geschieht. Ich denke nur daran, da» deutsche Volk In diesem furchtbar schweren Kampf so zu führen, daß es fchrittweife vor wärt» kommt. Und wenn ich immer wieder Hoffnungen in diesem Kampfe schöpfen konnte, bann, weil ich einem Manne bienen konnte, wie bem Reichspräsidenten o. Hindenburg. (Stürmischer, langanhaltender Beifall bei der Mehrheit.) wer do» Glück hat, diesem Mann dienen zu können, wird auch Verständnis dafür haben, daß ich alle» daran- fetje und mit mir die Mehrheit de» deutschen Volke», daß dieser Mann weiter die Geschicke de» deutschen Volke» leiten kann, vergessen Sie eine» nicht: von der Wiederwahl de» Reichspräsidenten o. Hindenburg hängt e» auch ab, ob die Welt glauben soll, daß im deutschen Volk noch Ehrfurcht und Achtung vor der Geschichte und der geschichtlichen Per- sönlichkeit besteht. (Stürmischer Beifall bei bet Mehrheit)
Abg. Nr. Goebbels (Rats.):
Eine Beleidigung dcSHerrn Reichs- Präsidenten kam in meiner ersten Rede gar nicht in Frage Ich habe wegen des Lärms der Sozialdemokraten meinen Satz nicht vollenden können. Er sollte lauten: „Sagemir, wer dich lobt, und ich will dir lagen, wer du bist. Gelobt von der Asphaltpresse, gelobt von der Partei der Deserteure, gelobt vom Zentrum und der Staatspartei, gelobt aber auch von den Rationallozialisten. das kann es nicht geben!" (Lachen bei der Mehrheit und Rufe: „Das ist ein jüdischer Dreh, das ist talmudistisch!") Wir stehen in Ehrfurcht vor Hindenburg Er ist eine Persönlichkeit, die man dem nationalen Lager weggenommen hat. Er gehört seinem Ramen und feiner Vergangenheit nach zu uns und nicht zu denen, die ihn heute loben. Der Reichskanzler beklagt den lähmenden Pessimismus, der unsere Wirtschaft schädigt. Die Urfache des Pessimismus ist die Existenz Ihre« Kabinett«. Der Pessimismus wird verschwinden, wenn Ihr Kabinett verschwindet.
Adolf Hitler war geneigt, die Ausland- presse über unsere politischen Ziele aufju- klären, weil durch die Ihnen. Herr Reichskanzler. hörige Systempreffe schamlose Lügen über untere außenpolitischen Ziele verbreitet werden. Wenn ein Berliner Jude in einer Pariser Pazifistenversammlung sagte. Hitler c* est la guerre!, fo ist das Landesverrat. (Lebhafter Beifall bc' den Rationalfozialisten.) Wir haben mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß der Reichskanzler am 9. Rovember 1918 in einem Sturmbataillon gegen die Revolution gestanden hat. Er hat aber später durch die Ueber- nahme des Reichskanzleramts den 9 Rovember legalisiert und salonfähig gemacht. (Lebhafter Beifall bei den Rationalfozla- liften.)
In den sieben Jahren seiner Präsidentschaft Hot Hindenburg nur in wenigen Fällen nach den nationalso^alistischen Grundsätzen regiert. Er hat stch mit Locarno einoerftanben erklärt und ent gegen unteren Warnungen und Mahnungen de" P vu NA plan unterschrieben. Durch seinen Pakt mit Brüning hat er gleichzeitig einen Pakt mit der Sozialdemokratie abgeschlossen. Wenn Demokratie noch einen Sinn haben soll, dann ist der Gewählte an das Mandat gebunden, do»


