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Zch had dir verzieh»! Vornan von Clotilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.

26 ftortlefiung. Nachdruck verboten.

Diese rätselhaften Worte liehen ihn einen Augenblick stutzen. Dann aber steckte ihre leicht­sinnige Fröhlichkeit ihn wieder an. Er vergab, was sie gesprochen hatte, was ihn bedrückte.

Aber es kam der Lag, an dem sich Hans Egon jener rätselhaften Worte aus Dolores' Munde er­innern muhte. Das war der Tag, an dem man ihm auf der Dank mitteilte, dah sein Konto erschöpft und man nicht in der Lage wäre, ihm neue Mittel auszuhändigen.

Verzweifelt ging er zu Dolores.

Was gibt es denn?" erkundigte sie sich nach einem Blick in sein verstörtes Gesicht. Statt einer Antwort brach er aufschluchzend vor ihr zu­sammen:

Ich bin verloren, Dolores! Du siehst einen Bettler zu deinen Füßen. Was soll ich tun, um dich nicht zu verlieren? Aichts ist mir zu gering, keine Arbeit."

Dolores fuhr ihm leicht mit der Hand über fein blondes Haar, indessen, für ihn unsichtbar, ihre Züge einen Ausdruck grausamer Befriedigung trugen:

Ich weih eine Arbeit für dich: sie ist nicht schwer, und sie bringt Geld ein. Aur eines ist dabei: du muht für einige Zeit nach Deutschland zurück!"

Aiemals"', schrie er auf und stand im nächsten Augenblick auf feinen Fühen,niemals wirst du mich dazu bringen!

Wirklich nicht?" erwiderte sie, und ihre Augen schlossen sich wie bei einem Raubtier zu einem schmalen Spalt.Du hast zu wählen, entweder hier zu verhungern und mich nicht wiederzusehen, oder aber in Deutschland für eine kurze Zeit nach meinen Weisungen zu arbeiten, um als reicher Mann zu mir zurückzukehren!"

Er wollte sprechen. Sie hob die Hand und sagte verächtlich:

Geh jetzt! üeberlege dir, was ich dir gesagt habe. Es ist unabänderlich. Das Weitere be­sprechen wir bann morgen.

Sie erhob sich und ging schnellen Schrittes in ihr Schlafzimmer, dessen Tür sie mit einem harten Ruck vor ihm verschloß.

Taumelnden Schrittes, mit leeren, verzweifelten

Blicken durchquerte Hans Egon das Vorzimmer, und hätte beinah Paolo, den Diener, umgerissen, der dort hantierte und auf ihn zu warten schien.

Ich habe Ihnen etwas mitzuteilen, HerrGraf", flüsterte Paolo leise und hastig Gesicht und Stimme hatten die unbewegliche Dienerart plötz­lich abgelegt;aber nicht hier. Hier haben die Wände Ohren. Die sind in Gefahr, Herr Graf. Kommen Sie heute abend in die Casa blanca, in die Wirtschaft zumSchwarzen Pedro", dort werde ich Ihnen alles erklären."

Er legte warnend den Zeigefinger an den Mund und wandte sich mit unbewegtem Gesicht wieder seinen Hantierungen zu.

*

Es war die bestimmte Stunde, als Hans Egon in die dun.le Gasse einbog und nach kurzem Suchen die Schenke fand. Paolo wartete bereits in einer einsamen Ecke des kleinen Hauses. Unaufgefordert brachte der dicke braune Wirt mit den breiten Goldohrringen eine Flasche chilenischen Rotweins. Er stellte sie vorsichtig vor die beiden Männer hin, von denen er Paolo genau zu kennen schien.

Kaurn hatte er sich entfernt, zog Paolo, sich vor­sichtig umschauend, einen Umschlag aus der Tasche und legte stumm mehrere Papiere vor Hans Egon auf den weiß gescheuerten Tisch.

Was ist das?" fragte Hans Egon mißtrauisch.

Was?" erwiderte Paolo leise, aber eindring­lich, und legte seine braune Hand auf die Papiere. Das sind die Beweise für einen raffinierten Be­trug, den Madame und der saubere Bankier ©riefen schon einmal an Ihnen verübt haben und den sie jetzt wiederholen möchten.

Sie wissen doch von dem Rauensteinschen Bilde, das Sie seinerzeit an den Juwelier Mathis ge­geben haben, um dafür einen Schmuck für Ma­dame zu kaufen. Madame ist eine sehr gute Ge­schäftsfrau. Sie hat mit dem Juwelier zusammen Geschäfte gemacht, denn es waren viele Herren, die bei Mathis Schmuck erstanden.

Der Juwelier wiederum hat das Bild an den Kunsthändler Frissard weitergegeben. Und auch dort hat Madame ihren Profit gehabt. Zum Schluß hat ©riefen, mit dem sie damals anbän- delte, das Bild mit ihr zusammen erworben und zu einem großangelegten Schmuggel benutzt.

Herr Graf wissen doch, daß Madame eine Agentin der großen Rauschgift-Organisation in Paris ist, die ihre Helfer in der ganzen Welt und so auch hier hat? Madame und ©riefen haben sehr gut verdient, als sie das Bild unter Ihrem Rainen hierher brachten.

Die beiden hatten Glück. Riemand hat entdeckt, was für wichtige Papiere in dem Rahmen des

Rauensteinschen Bildes verborgen waren. Wissen Sie, was diese Papiere enthalten? Richt mehr und nicht weniger als die Adressen sämtlicher südamerikanischer Rauschgifthändler und den Plan für einen neuen Schmuggel.

Für diesen neuen Schmuggel aber sollten Sie, Herr Graf, benutzt werden. Das, was Madame Ihnen morgen als Auftrag für Ihre Deutschland­reise geben will, ipirb nichts anderes fein als wieder solch eine Schmuggelei von Papieren oder von Rauschgift selbst. Und das ist noch nicht alles. Gehen Sie auf die Pläne nicht ein, oder haben Sie Pech, daß Sie erwischt werden, dann wird man sich Ihrer zu entledigen wissen. Hat man doch auch seinerzeit schon zur Sicherheit das Rauensteinsche Bild auf Ihren Ramen im Zoll­hafen deponiert. Wäre die Hafenpolizei dahinter­gekommen, dann säßen Sie heute im Zuchthaus."

Hans ©gon hatte mit immer bleicher werden­dem Gesicht dieser ungeheuerlichen Mitteilung gelauscht. Jetzt sah er den Diener flehend an:

Schwören Sie, daß Sie die Wahrheit sagen, Mann, betrügen Sie mich nicht, um Gottes Barm­herzigkeit willen! Sie wissen ja nicht, was das alles für mich bedeutet. Wenn Sie die Wahrheit sprechen, dann fällt ja jener schimpfliche Verdacht in sich zusammen, der auf mir ruht jener Verdacht, der mich aus der Heimat getrieben hat, der dem Konsul Sibelius vielleicht das Leben gekostet hat."

Konsul Sibelius lebt", entgegnete Paolo:aber fein Geschäft ist ruiniert. Auch das ist das Werk jened ©riefen. Auf die schändliche Lüge hin, Sie wären an dem Rauschgiftschmuggel beteiligt, hat ©riefen eine ungeheure Summe von Konsul Sibe­lius erpreßt. Der Konsul hätte es nicht nötig ge­habt, seine Bürgschaft für Lund & So. bei ©riefen einzulösen: auch Lund & Co. sind durch die be­trügerischen Machenschaften des Schurken ©riefen ins Verderben gerissen worden. Die Beweise" Paolo schlug mit der ausgebreiteten Hand auf die Pochiere,sie liegen hier vor Ihnen. Rehmen Sie die Papiere, Herr Graf, und fliehen Sie. Fliehen Sie, so schnell Sie können, ©riefen und Madame schonen niemanden, der ihre Pläne zu durchkreuzen wagt."

Hans Egon saß wie versteinert da und starrte in das gelbliche Gesicht des Dieners wie auf das Haucht der Medusa.

Und warum, Mann warum sagen Sie mir das alles?"

Das Gesicht des Kreolen wurde von einem rachsüchtigen Lächeln entstellt.

Weil man mich betrügen wollte, Herr Graf, weil man mich betrügen will, um den Anteil an

den Geschäften. Bei dem, was ich von Madame und ihrem Galan weiß, sollte man sich hüten, mit mir zu spielen. Ich weiß mich zu wehren. Aber Sie, Herr Graf, wenn Ihnen Ihr Leben noch etwas wert ist, reifen Sie ab. Ein spanischer Dampfer hat heute seine Ladung gelöscht. Er fährt morgen früh mit der Route nach Europa. Mein Freund ist Steward auf dem Dampfer. Er wird Ihnen eine Stelle in der Küche verschaffen, so kommen Sie auch ohne Geld und ohne Schwierig­keiten in Ihre Heimat zurück. Geben Sie dem Steward biefen Zettel als Ausweis."

Hans Egon stöhnte auf. In was für furchtbare Dinge war er durch seine Leidenschaft verstrickt worden, was für ein grausames Spiel hatte Do­lores mit ihm getrieben! Kaum vermochte er die Schändlichkeit dieses Weibes zu erfassen. Aber er würde sie zur Rechenschaft ziehen, sie, die seine Leidenschaft, sein Leben zu so verbrecherischem Spiel benutzt hatte.

Paolo sah, wie die Kriderstreitendsten Empfin­dungen in dem erschütterten Gesicht des Grafen sich widerspiegelten.

Denken Sie nicht daran, Herr Graf", warnte er,Madame noch einmal sprechen zu wollen. Diese Auseinandersetzung würde gefährlicher für Sie werden, als Sie glauben. Madame und ihr Kumpan werden ihren gerechten. Lohn schon ein­mal finden, dafür lassen Sie andere sorgen."

Ehe Hans Egon noch etwas zu antworten ver­mochte, hatte Paolo sich erhoben: Lem Wirt ein paar Geldstücke auf die Theke geworfen und war im Dunkeln verschwunden.

Während Hans ©gon unter körperlichen und seelischen Qualen in den heißen Küchenräumen des spanischen Handelsschiffes als Gehilfe ar­beitete, näherte sich sein Schiff den europäischen Gewässern.

Diese Wochen der härtesten Arbeit, der Rot, ließen die Jahre des Luxus und des Leichtsinns wie hinter Rebeln verschwinden. Mit Beschämung dachte Hans Egon an die letzten Monate seines Lebens zurück, die ihn so tief erniedrigt hatten. Die Liebe zu Dolores erschien ihm jetzt schimpflich.

Schwer hatte er gesündigt, schwer aber büßte er auch. Das Leben, das ihm sonst wie ein fröh­liches Fest erschienen, das es zu genießen galt, es hatte sich für ihn verwandelt in eine Einöde, in der weder Hoffnung noch Zukunft warteten. Er war müde und zermürbt, und nur der eine Wunsch hielt ihn aufrecht, sein Bild noch einmal von dem schlimmsten Verdacht gereinigt erstehen zu lassen vor den Menschen, denen er so viel Böses angetan hatte. (Fortsetzung folgt.)

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