Gelungener Flugraletenstari auf dem Flugplatz Tempelhof
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2Iuf dem Flugplatz Tempelhof führte der Raketen forscher Tilling die von ihm konstruierte Flug- rokete vor, die eine Höhe von 800 m erreichte. Auf dem Höhepunkt angelangt, entfaltet die Rakete automatisch ein Flügelpaar, das den Raketenkörper im Gleitflug wieder zur Erde zurückführt. Dieses Raketenmodell käme also, wenn erst größere Schußweiten erzielt werden können, für eine außerordentlich schnelle und trotzdem sichere Postbeförderung in Frage. — Unser Bild zeigt links den Raketen- konstrukteur Tilling mit seiner Rakete und rechts den Aufstieg der Rakete.
Mussolinis Echo in England und Amerika. Oie italienische Llnterstühung -es deutschen Gleichberechtigungsanspruchs wird von der presse beider Länder begrüßt.
Washington erklärt.
Washington, 24. Oft. (WLD.) Die Turiner Rede Mussolinis wird im Staatsdepartement mit g r ö ß t e r A u f m e r k s a m k e i t quit- ticrt Die Ausführungen des italienischen Ministerpräsidenten über die Berechtigung des deutschen Standpunktes in der Rüstungsfrage werden als
eine erfreuliche und mutige Tat begrüßt, die viel zur baldigen Beseitigung der gegenwärtig vorhandenen Schwierigkeiten beitragen dürfte.
Zu der wichtigen Frage, welche Stellung die hiesigen politischen Kreise zu Mussolinis Appell an Amerika einnehmen, wagt man sich hier so kurz vor den Wahlen nicht zu äußern. Bekanntlich ist Präsident Hoover wegen seiner angeblichen Bereitschaft, die Schulden der Alliierten £u streichen, von der Hearst-Presse und anderen Blättern scharf angegriffen worden, und man vermeidet daher jetzt jeglichen Anschein einer Geneigtheit zu Verhandlungen.
Englands Zustimmung.
London, 24. Oft (WTB.) Mussolinis -Rede in Turin wird in der Morgenpresse besonders wegen ihrer Aeuherungen über die deutsche Forderung nach Gleich, b e r e ch t i g u n g , die Frage der Kriegsschulden und den Völkerbund als bedeutungsvolle politische Kundgebung gewürdigt.
Der liberale „Rews Chronicle" lobt die Offenherzigkeit, mit der sich Mussolini geäußert habe, und sagt, die Unterstützung die er in seiner Rede der deutschen Forde
rung nach Gleichberechtigung habe zuteil werden lassen, sei nur eine sehr laute und deutliche Wiederholung dessen, was schon seit langer Zeit als italienischer Standpunkt bekannt war.
Es sei aber wertvoll, eine so unverhohlene und entschiedene Zusicherung zu besitzen.
Diese Erklärung, ebenso wie die an Deutschland gerichtete Warnung vor einem Aufrüsten würden dazu beitragen, die Luft zu klären.
Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" führt au£: Die Rede wird in britischen Kreisen warm begrüßt. 'Denn in ihr macht Mussolini es sogar noch deutlicher als in seinen früheren Kundgebungen, wie nahe der britische und der italienische Standpunkt in den europäischen Hauptfragen einander sind. Die Anerkennung, die der Duce der „energischen Initiative" Macdonalds auf der Lausanner Konferenz und den dort erreichten bemerkenswerten I Erfolgen zollt, ist besonders befriedigend und zeigt, daß der nicht besonders günstige Eindruck, der zunächst in der italienischen Öffentlichkeit entstanden war. jetzt verflogen ist und daß das Ergebnis von Lausanne besser gewürdigt wird.
Mussolini ist mit dem britischen Premierminister einig bezüglich der Zweckmäßigkeit der Abhaltung einer viermächtekonferen; zur Erörterung der deutschen Gleichberechtigungsfor- dcrung. Rom ist ebenso wie London bereit, diese Forderung als recht und billig und außerdem auch im Interesse der internationalen So- lidaritäl und Zusammenarbeit zu unterstützen und befindet sich ebenfalls mit London in Lleber- einstimmung in der Verurteilung einer etwaigen deutschen Forderung nach Aufrüstung.
Aus aller Well. .
Russische Emigranten als Falschmünzer.
Dor der 11. Strafkammer beim Landgericht III Berlin begann dieser Tage ein Falschmünzer» prozeß. Den Falschmünzern wird vorgeworfen, in den letzten Jahren englische 100-Pfund-Noten und amerikanische 500-Dollar Noten hergestellt und in Verkehr gebracht zu haben. Hauptangeklagter ist der 59jährige russische Kunstmaler Iwan Miassjie- I d o f f. Er mar vor dem Kriege mehrfacher Mil- I lionär und hotte große Besitzungen in der Krim. Angeklagt sind ferner der Kaufmann Basil M a - monoff, der Kaufmann Arkady Uralsky- Udinzeff und der Journalist Alexander Re- lido f f. Die Russen waren in der Mehrzahl Offiziere weißgardistischer Armeen, die sich später in Deutschland als Kaufleute durchzusetzcn versuchten. Miassjiedoff ist bereits 1922 wegen Falschmünzerei ZU drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden.
Deckeneinstur; bei einer Hochzeitsfeier. —
14 Personen getötet.
3n der Nähe yon Girgeh (Oberägypten) stürzte in einem Hause, in dem eine mohammedanische Hochzeit gefeiert wurde, der Fußboden des zweiten Stockwerks ein, in dessen Räumen sich die zahlreichen weiblichen Gäste zum Hochzeitsmahle versammelt hatten. Die Anwesenden stürzten in das erste Stockwerk, wo ebenfalls viele Gäste weilten. 14 Personen büßten i h r Leben ein. Auch die junge Ehefrau befindet sich unter den Toten.
Zwei tödliche Abstürze von der kampenwand.
An einem der letzten Abende wurde die Ret- tungsexpedition der Bergwacht in Rosenheim (Oberbayern) benachrichtigt, daß nachmittags zwei Touristen vom Hauptgipfel der Südwand der Kampenwand abgestürzt seien. DieErpedition brach sofort auf. Rachts meldete sie ins Tal, daß sie die beiden Abgestürzten tot aufge - fanden habe. Es handelt sich um den 24jährigen Studierenden an der Holzfachschule in Rosenheim, Martin Wilfmaier aus Gankofen, bei dem zweiten Toten um einen gewissen Lehmann der aus Prien am Chiemsee stammt und dort verheiratet war.
Mord an einer Greisin.
Seit etwa einer Woche wird die 63 Jahre alte Witwe Sophie Bopp aus Stettin am Heuchelberg (Württemberg) vermißt. Dieser Tage fand man ihr Kopftuch mit Blutspuren. Als des Mordes an ihr verdächtig wurde der 40 Jahre alte Landwirt und Totengräber August Rü ding er in Stetten festgenommen. Er ist Mitbesitzer des Hauses, in dem die Witwe Bopp wohnte. Er leugnet noch die Tat. Seine Frau hat aber bereits ein Geständnis abgelegt. Die Leiche der Witwe Bopp wurde noch nicht gefunden.
Der Todesschuh im Wohnwagen. — Mord oder Selbstmord?
Unter dem dringenden Verdacht, ihren Ehemann, den 62 Jahre alten Schausteller August Zeranski, in dvm gemeinsamen Wohnwagen e r- schossen zu haben, ist die 64 Jahre alte Schaustellerin Marie Zeranski in Berlin fe ft genommen worden. Es ist indessen auch möglich, daß der Ehemann, der in der letzten Zeit ein bedrücktes Wesen zeigte, durch ständigen Streit mit feiner Frau zermürbt, selbst Hand an sich gelegt hat. Die Untersuchung der Mordkommission wird erst völlige Klarheit schaffen.
Millionen-Geldstrasen für die Anführer einer Schmugglerbande.
Vor der Strafkammer in Wuppertal ging in den letzten Tagen ein Prozeß zu Ende, dem einer der größten Schmuggelfälle der letzten Jahre zugrunde lag. Die beiden Hauptangsklagten wurden zu Gefängnisstrafen von 1 Jahr 6 Monaten, bzw. 1 Jahr 3 Monaten und außerdem zu einer G e l d - strafe von je einer Million RM., sowie je 100 000 bzw. 50 000 RM. Wertersatz verurteilt. Die Schmugglerbande hat nach den Berechnungen der Sachverständigen innerhalb von 2 Jahren etwa 25 000 Kilogramm Schmuggelware eingeführt und dabei mindestens 2j Millionen RM. an Zöllen hinterzogen.
Zusammenstoß in einer ägyptischen Haschischkneipe.
Als der Leiter der Kriminalpolizei von Alexandria dieser Tage in Begleitung des italienischen Konsuls eine Durchsuchung in einem von Angehörigen der oberen Stände besuchten Schlupfwinkel der Haschischraucher vornahm, wurden beide von einer Bande von Haschischrauchern beschossen. 'Beide blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Zwei Polizeibeamte wurden verwundet. Dem Führer Der Bande gelang es zu entkommen. Zwei seiner Helfershelfer und 13 Haschischkäufer wurden verhaftet.
Vier Todesurteile des Sondergerichts in Rowno vollstreckt.
In Rowno iWolhynien) verurteilte das Sonder- gericht vier Männer, die wegen Spionage- tätigkeit zugunsten Sowjetrußlands angeklagt toarcn, zum Tode durch Erhängen. Da der polnische Staatspräsident von seinem Gnadenrecht keinen Gebrauch machte, wurde das Urteil kurz darauf auf dem Hofe des Getängnisfes vollstreckt.
Das Urteil im Kellinghusener Ausruhrprozeß.
Das Sondergericht in Kiel verurteilte in dem Prozeß wegen der Bauernunruhen in Kellinghusen vom 11. September d. I . wo es im Anschluß an eine Zwangsversteigerung zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen war, einen Arbeiter Sievers aus Oldendorf zu e i n c m *3 ahr Zuchthaus, einen weiteren Arbeiter zu vier Monaten Gefängnis und einen dritten Arbeiter zu acht Wochen Gefängnis: die übrigen fünf Angeklagten wurden freigesprochen.
Verkehrsunglück in der Schwei;. — Zwei lote, zwei Schwerverletzte.
Auf offener Landstraße bei Aarau (Schweiz) stießen ein Auto und ein Motorrad zusammen. Die Insassen des Autos wurden herausgeschleu- dert. Der Lenker des Wagens war sofort tot. während sein Begleiter eine Quetschung am Kops erlitt. Der 23jährige Motorradfahrer wurde schwer verletzt und starb kurze Zeck darauf im Krankenhaus. Sein Bruder, der ihm in einem Abstand von fünfzig Meter mit feinem Motorrad folgte, fuhr in das querstehende Auto und erlitt schwere Beinverletzungen. Sein Mck- fahrer wurde ebenfalls verletzt. Die Unglücks - ftättc bot ein wüstes Trümmerfeld.
Zwei Todesopfer einer Explosion.
In den Betrieben der Continental-Werke in Hannover explodierte ein Dulkamsierapparat. Zwei Arbeiterinnen wurden tödlich verletzt. Wie bisher festgestellt werden konnte, ist das Unglück durch Abvlatzen eines Deckels an einem Vulkanisier- kessel entstanden. Die beiden Arbeiterinnen erlitten Schädelbrüche, die ihren Tod herbeiführten.
London im Dunkel.
Die Stadt ist seit Montag in undurchdringliche Finsternis gehüllt Es ist dunkler als um Mitternacht. Diese Erscheinung wird offiziell mit der Windstille und einem dichten Rebel über der Stadt erklärt.
„Graf Zeppelin" unterwegs.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist gestern um 9.22 älhr über Desaneon gesichtet worden. Es hatte Kurs auf Lyon. Rach einem Funkspruch von Bord des „Graf Zeppelin" befand sich das Luftschiff um 16 Uhr MEZ. an der französischen Küste bei St. Marie. Das Luftschiff ist bereits aus der Region der Gegenwinde heraus und hat eine Stundengeschwindigkeit von 110 Kilometer.
Roch ein Toter der „Rlobe" geborgen.
3n den letzten Tagen wurde von dem Fischerboot „Heiligenhafen 61" die Leiche des 06er- signalgastes Reinhardt Säckel von der „Riobe" geborgen. • Säckel stammt aus Reichenbach im Vogtland. Von dem Feuerschiff „Fehmarnbelt" wurde der Tote durch das Verkehrsboot des Kreuzers „Königsberg" nach Kiel übergeführt. Säckel wird in Reichenbach beigesetzt werden.
Nle„RömischeGiaaisze«iung" vom Fahre 113.
Eme zeitgemäße Entdeckung.
Don Dr. Gustav W. (Lberlein, Rom.
auf Befehl Mussolinis die „herrlichste Straße der Welt" ausgeschachtet wurde, die Via dei Monti ober Straße der Berge, die der Via del Mare, der Pido führenden Autostraße auf dem Fuße folgte, Straßen, die wieder vom Kapitol ausgehen wie seinerzeit die berühmten Weltstraßen, stich der Spaten in einen der letzten, noch nicht erfor chten Schutthaufen einer versunkenen Kultur. Denn ohne Rücksicht auf das, was fallen mußte, es waren ganze Straßenfluchten, wurde eine schnurgerade Schlucht von der Piazza Venezia zum Kolosseum gezogen, das der Duce nun von seinem Arbeitszimmer im Palazzo Venezia aus sehen kann. Schwache Naturen könnten vielleicht unter der Wucht der so entstan- denen, auch symbolischen Verbindungen erzittern — denn dieser klobige Palast wurde aus den blutgetränkten Quadern des Kolosseums erridftet. Am 28. Oktober, dem zehnten Jahrestage des Marfchcs auf Rom, wird der eigenwillige Mann auf dem Throne der Casaren und'Dolkstribuncn diese Straße der antiken Wunder eröffnen.
Und die feinen Spuren folgen, sehen plötzlich aus dem Zeitenjchoße aufsteigen den Tempel der Venus Genetrix, das Forum Cäsars, den Trajansmarkt, die Basilica Ulpia — Bauten, von denen wir wußten, die wir ahnten, aber nicht schauen konnten, weil die Erde sic deckte, auf der Goethe noch Kühe und Schafe weiden sah und der Rompilgcr von gestern zwischen unsagbar sck)eußlichen Mietshäusern und Werkstätten herumirrte. Und als allmählich die Marmortrümmer aufsticgen wie Klip- pen aus dem Meere der Vergessenheit, die Back- steinkerne der Monumente, die zerschlagenen Säu- o ’ c0- Hainen es nicht wenige Archäologen mit Zweifeln zu tun, denn allzuwcnig ist uns aus der damaligen Stadtchronik erhallen geblieben. Wo Eäsar aufgchört und Trajan angefangen hatte, wer wollte das mit Bestimmtheit sagen?
Aber Musiolini hat unheimliches Glück: just am 2agc der Wissenschaftler, die zu Tausenden in Rom zusammenströmte», zwei Wochen vor dem Decen- nalc, dem Reoolutionsfeiertage, wird in Ostia das .ümtsbkiü aus der fraglichen Epoche gefunden und gwt so getreulich Auskunft, wie man es von einer lapidaren Zeitung nur verlangen kann.
Unsere heutigen Tageszeitungen und besonders me «taatszeitungen hatten, wie man weiß, ihre
Vorläufer in den Annalen des römischen Reiches, den von Cäsar eingeführten Acta diurna oder Acta urbana, aus denen die Provinzblätter ihren Stoß bezogen. An allen Ratshäusern des Reiches oder an bestimmten Tempeln wurden die wichtigsten Auszüge angefdjlagen oder vielmehr angemauert, denn man fchrieb auf haltbares Papier, holzfrei, versteht sich: auf Marmor. Und daher kommt es, daß wir verhältnismäßig gut Über die Tagesereignisse vor neunzchnhundert Jahren unterrichtet sind. Frei- lich haben die Hausfrauen von dem „Altpapier" damals aud) keinen respektvolleren Gebrauch gemacht, die Zeitungstafeln endeten als Pflaster, als Bretter zu Huhn erstatten, als Türschwellen. Eine solche Tür- schwelle fiel nun dem Leiter der Ausgrabungen in Ostia, der alten Hafenstadt Roms, in die Hand, er las sie, las mal wachsendem Interesse und raste dann spornstreichs damit nach Rom, zu Musiolini: Hier, o Duce, die Römische Staatszeitung von 108 bis 113! Das Wichtigste in wenigen Worten!
Redigiert von dem Pressechef Trajans. Man liest da zunächst von all dem Schönen und Guten, was fürs Volk getan wurde. Mit Festen fängt's an, mit Festen hört's auf. Brot und Wein und Spiele! Die erste Volksbelustigung im Jahre 108 dauert 13 -Lage, die zweite 117. Hundertsiebzehn, vom 19. August bis zum 15. Oktober. Auf dem Lande die Sagra, wie heute, das Traubenfest, in der Stadt der Zirkus. Das einemal kämpften 350 Paare von Gladiatoren, das anderemal aber treten 4941 in die Arena, also fast genau zehntausend Männer. Unter den '.Ko,.- [nhi, die sich solchermaßen Dank errangen, zeichnet lener Julius Philopappus, der sich sein Grabmal in 2fthen auf der Akropolis errichten ließ.
3m Jahre 109, so sagt das Amtsblatt, vollendete Trajan die riesigen Thermen, die an Umfang und Luxus ihresgleichen nicht hatten, und zwar errichtete er sie zum Teil auf den Trümmern der vor fünf 3ahren niedergebrannten Residenz Neros. Als zweites Dolksgeschenk wird eine Naumachia erwähnt, eine Seeschlacht, dann kommt eine technische Leistung ersten Ranges: die Wasserleitung aus dem weit entfernten See von Bracciano, biqelbe, die später von den „Barbaren" abgeschnitten wurde, um Rom zur Uebergäbe zu zwingen, worauf sie Paul V. zu beginn des siebzehnten Jahrhunderts wiederherstellte. Das Wasser, so heißt es auf dem historischen Zeitungsblatt ausdrücklich, kam der ganzen Stadtbevölkerung zugute und daher war man um eine Gelegenheit zum Festefeiern nicht verlegen.
110 und 111 scheinen ruhige Jahre ohne Beideutung für das Volk gewesen zu sein, 112 dagegen starb Trajans Schwester Marciana — dreitägiges, ununterbrochenes Spiel in drei Theatern gleichzeitig- Ein Winzerfest, wie es dis dahin unerhört war. |
Auch wurde — hier erkennt man den einschaltenden Rotstift des Lokalredakteurs — der Vulkanustempel in Ostia restauriert. Dann wieder sensationelle Daten: Am 12. Mai 113 wurde von Trajan nicht nur die ihm zu Ehren errichtete mächtige Säule auf [einem Forum, um die sich das erste Filmband schlingt, sondern auch der Tempel der Venus Genetrix auf dem Forum Cäsars eingeweiht: Imperator Trajanus templum Veneris in Foro Caesaris et columnam iu foro suo dedicavit.
Da haben wir's nun also schwarz auf weiß, Stein in Stein, es ist kein Zweifel mehr möglich.
Professor Guido Cal za, dem die Aufdeckung des sandoerschlungenen Ostia untersteht, kann stolz sein auf seinen Fund. Wir von der Zeitung auch. Da sieht man doch wieder einmal die Macht der Presse.
Hoffentlich findet man in Ostia nicht eine Zeitung, in der drei Tage später wieder alles dementiert wird.
Zeitschriften.
— Im September Oktoberheft der Euro päi- schcn Gespräche (Verlagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald) berichtet Harald (£. Roos über „Mitteleuropa" und tritt im Gegensatz zu den von Frankreich verfolgten Donau- plänen für eine schärfere Abgrenzung des mitteleuropäischen gegenüber dem südosteuropäischen Raume em. Der Südosten gehört den Ungarn, Rumänen, Südslawen und Bulgaren; während das eigentliche Mitteleuropa neben Deutschland, Oester- reid) und der Schweiz auch die Tschechoslowakei umfaßt. Je deutlicher dte Trennung Mitteleuropas von dem neuerwachten eüboften wird, um so unbefangener kann das Donauproblem gelöst werden, dessen Kardinalpunkt in dem Ziviltsationsabstand zwischen den Ländern Mitteleuropas und Südost- furogas liegt. Im Gegensatz zu dieser mitteleuropäischen Lösung sucht Dr. Herbert Schroeder in einem Artikel „Der hanseatische Block" nachzuweisen, daß man nicht vom Kontinent aus sondern von den europäischen Randmeeren einen brauchbaren An- faö zu europäischer Neugliederung findet. Das um Jiorb. und Ostsee orientierte Europa ist durch die Idee des Hanseatentums zusammengefaßl, und bildet eine kulturelle und wirtschaftliche Einheit, der neben Deutschland, den baltischen und skandinavischen Staaten auch England und Holland angehören: wahrend sich der Rest Europas um das Mittelmeer gruppiert. Die bisherige Ost-West Spannung Euro- pas würde auf diese Weise durch eine Nord-Süd -Spannung ersetzt werden.
Der Tod im Weinkeller.
Ein ungewöhnlicher Vorfall hat sich in einem Weinkeller in einem Dorf in der Rahe der Stadt Essegg in Slawonien ereignet. Wie Belgrader Blätter berichten, begab sich der Besitzer eines Weinberges, ein alter Bauer namens Jgnio Ve- litsch in seinen Keller, wo der neue Wein sich in Gärung befand. Don dem dichten Weindunft, der den Keller erfüllte, wurde er betäubt und blieb bewußtlos liegen. Als er nicht wieder herauS- kam, eilte sein einbeiniger Sohn zu seiner Rettung herbei. Er sah den Vater liegen, glitt aber bet dem Versuch, ihn herauszuziehen, mit fernem Holzbein aus, stürzte hin und blieb ebenfalls ohne Bewußtsein am Boden. Gin dritter Mann ver. suchte nun die Rettung, wurde aber auch betäubt, infolgedessen brach unter den nun herbeigeeilten Rachbarn eine Panik aus, und eine 3eitlang wagte sich keiner in den vom Weindunft erfüllten Kellen Man versah sich schließlich mit Ga-maSken, und me nun eingeleitete Rettungsaktion brachte Vie drei Betäubten ans Licht. Aber der alte 'Bauer und der dritte Mann waren schon tot, während der junge Velitsch, dessen Körper näher am Eingang gelegen hatte, wieder ins Leben zurück- gerufen werden konnte.
Sochschulnacknchten.
Professor Dr. Ernst Waldschmidt-Leite Leiter des Institut« für Biochemie an der Deut- Eü>chfchille mPrag, der bereits in diesem ^ruhiahr aus Einladung der Regierung der Der- elnigten Staaten von Rordamerika eine Dortrags- reife in Amerika unternommen hat, erhielt von der amerikamschen Regierung erneut die Einladung, mit drei Assistenten seines 3nftitut6 für längere all ^ad KrebssorschungS-Jnftitut
*1} abelpfcia zu kommen. Professor Waldschmidt-Leih wird, nachdem ihm von der ttchechslowakischen Regierung Urlaub erteilt wor- beu ist, die Ausreise nach Amerika Anfang Ro- oember antreten. Die Rockrseller^tistung hat dem (^lehrten einen jährlichen Zuschuß zu For- fchungSzwecksn bewilligt. Professor Waldschmidt- Leitz ist auch Inhaber des Paul-Ehrlich-Preises: er ist em Sohn des in Wetzlar im Ruhestand lebenden AmtsgerichtSrat Waldschmidt
Der österreichische Bundespräsident hat den a.o. Professor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und Abteilungsleiter im Hauptla- botatonum der I.-G.-Farbenindustrie AG., 2ub- wigshafen, Dr. Hermann Mark, zum orbent- lidjcn Professor für Chemie, an der ilniPcrfität m Wien ernannt


