Ausgabe 
25.10.1932 Erstes Blatt
 
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sich um die Regierung scharen, um den Friedens­gedanken gegen jede Art von Rationalismus zu verteidigen.

D»e englisch-amerikanische Aussprache.

Fortführung der Abrüstungskonferenz.

London 24. Oft. (TU.) Der amerikanische Der» freier bei der Abrüstungskonferenz, Norman Davis, hatte eine Besprechung mit Macdo » nald und Sir John Simon in der Amtswoh­nung des Premierministers. Im Vordergrund der Erörterungen stand die A b r ü st u n g s f r a g e. Beiderseits wird versucht, festzustellen, wie weit und in welcher Hinsicht sich eine Ueberein ft im­mun g in den Richtlinien ergeben kann, die Eng­land und Amerika bei ihrer Abrüstungspolitik ver­folgen. Beide Teile sind sich darüber einig, daß a n dem Grundsatz der Nichtwiederauf- rüstung fest gehalten werden soll.

Von amerikanischer Seite aus, auf der man die Viermächtekonserenz als völlig erledigt betrachtet, werden energische Anstrengungen gemacht, eine Annäherung Englands an die Hoo­ver s ch e n Abrüstungspläne durchzusehen und auf diese Weise eine weitergehrnde Zusam­menarbeit zwischen den beiden angelsächsischen Ländern au ermöglichen. Wenn es im Augenblick wohl auch noch verfrüht ist, von einem gemein­samen englisch-amerikanischen Plan zu sprechen, so bewegt sich die Tendenz doch namentlich in der Richtung, durch ein Einvernehmen zwischen Eng­land und Amerika der Abrüstungskonfe­renz neues Leben einzuhauchen und die Verhandlungen damit auf eine neue Grundlage zu stellen. Da auch die Frage der Methoden zur Wiederingangbringung der Abrüstungslon'erenz bei der Besprechung in der Dvwningstreet an - - schnitten wurde, so rechnen jetzt politische Krc.se durchaus mit der Möglichkeit, daß die englisch­amerikanische Aussprache zur Eröffnung neuerWege führen kann, die eine Fortset­zung der Genfer Verhandlungen er. möglichen sollen, ohne daß vorher eine Vier- Mächtö'konserenz stattgefunden hat. Hieraus würde es sich erklären, daß England die Bespre­chungen mit den anderen Mächten über den Zusammenkunftsort der Dier-Mächtekonferenz noch nicht wiederaufgenommen hat, sondern sich abwartend verhält.

Nie Arbeitslosenunruhen in London.

Tas Rathaus wird abgesperrt.

London, 24. Okt. (TU.) Das Londoner Rat­haus wurde am Montag in einen polizei­lichen Belagerungszustand verseht, da man im Zusammenhang mit dem Empfang einer Arbeit-llcsenabordnung eine Wiederholung der großen Llnruhen der vergangenen Woche be­fürchtete. Insgesamt wurden etwa 1000 Schutz­leute zu Pferde, zu Fuß und im Kraftwagen aufgeboten, die das Rathaus und die anliegenden Straßen besetzten. Sämtliche Tore des Gebäudes waren fest verriegelt und von innen mit Stühlen und anderen Möb In verbarrikad erk worden. Auch außerhalb des Rathauses wurden an einem ge­fährlichen Punkt Barrikaden errichtet, die mit Schutzleuten beseht wurden.

Der Arbeibtslosenausschuß verlangte vom Lon­doner Stadtrat u. a. Vorbereitungen für die Unterbringung von über 3000 ar­beitslosen Hungermarschierern zu treffen, die am Mittwoch aus allen Teilen Rord- englands und Schottlands in London eintreffen sollen. Die Hungermarschierer wollen große Kundgebungen im Hhdepark und auf anderen öffentlichen Plätzen veranstalten und am Dienstag dem Unterhaus eine von einer halben Million englischer Arbeitsloser unterzeichnete Bittschrift über die Bedürfnisse der Ar­beitslosen überreichen.

Im Unterhaus erklärte Gesundheitsminister Sir Hilton V o un g, er wisse wohl, daß es sich u m eine von Kommuni st en angestiftete Angelegenheit handele. Er werde jedoch die Behörden ermahnen, nicht so scharf gegen die Hungermarschierer vorzugehen.

Erbitterter Wahlkamps in USA.

Gunst ge Aussichten für die Lcniotratcn

Neuyork, 24. Okt. (TU.) Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten nimmt täglich an Hart­näckigkeit zu. Der demokratische Präsidentschafts­kandidat Roosevelt, der auf seiner zweiten Wahlreise den mittleren Westen besucht, spricht täglich an vier Stellen immer vor riesigen Menschenmengen. Er wird in seiner Werbetätigkeit anderwärts von den Demokraten Ritshie, Smith und Baker unterstützt. Hoover, der für die Re­publikaner kandidiert, beabsichtigt angesichts der in den verschiedenen Probeabstimmungen zum Aus­druck gekommenen ungünstigen Wahllage weitere Wahlreden in Neuyork, im mittleren Westen und vor allem im Westen zu halten. Er wird unterstützt von Mills, Coolidge und Hulley. Auch die Hoch­finanz und die Schwerindustrie nehmen lebhaften Anteil an der Wahl Propaganda.

Der ganze Süden der Vereinigten Staaten ist heute demokratisch. Selbst Hoovers eigener Wahl- float, Kalifornien, dürfte eine demokratische Mehrheit erhalten. In W a l l st r e e t stehen die Wetten für Roosevelt 2:1. Allenthalben wird eine große Wahlbeteiligung er­wartet. Die Hoover-Leute arbeiten vor allem mit der Behauptung, daß eine Wahl Roosevelts den Ruin für die Vereinigten Staaten bedeuten würde. Roosevelt strebt Handelsverträge auf Gegenseitigkeit an Stelle der jetzigen amerikanischen Schutzzoll­politik an. Die Wiederbelebung des in­ternationalen Handels ist ihm schon des­halb wichtig, um den Schuldnern der Vereinigten Staaten die Abtragung der Schulden zu

Italien und die deutsche Gleichberechtigung.

Mussolini als Kronzeuge.

Der Duce hat sich schon des öfteren in Reden und Zeitungsaufsätzen für die Berechtigung der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung eingesetzt. An dem Entsetzen der Pariser Presse kann man feststellen, daß er das nie so deutlich und wirk­sam getan hat wie eben jetzt in seiner Turiner Sonntagsrede. Zum erstenmal hat nämlich Musso­lini, über seine bisherigen bloßen Andeutungen hinausgehend, dieFolgerungenaufge- zeigt, die sich für Deutschland und dann schließlich auch für Italien zwangsläufigergeben müssen, wenn der Völkerbund die Hegemonie einer Macht in Eu­ropa, und zwareine auf einer Ungerechtigkeit auf­gebaute Hegemonie" nicht zu beseitigen vermag. Sie ist nur zu beseitigen in der Zusammenarbeit voll­kommen gleichberechtigter Staaten.

Mussolini zeigt sich in seiner Rede wieder einmal als der bewunderungswürdige Realpolitiker, der auch bei sehr weit gesteckten Zielen nicht im pathe­tischen Bekenntnis steckenbleibt, sondern gleichzeitig den gangbaren Weg des Erfolges auf­zeigt. Er will uns im höheren Interesse der Ab­rüstung nicht die Wehrfreiheit sofort in Bausch und Bogen gegeben wissen. Er stellt eine Bedingung, und er macht Unterscheidungen, über die sich durch­aus reden läßt. Er unterscheidet zwischen Gleichberechtigung und Wehrfreiheit. An diesem Punkte liegt überhaupt ein Mißverständ­nis, das die bisherigen Verhandlungen start über­schattet hat. Wir haben ja gar nicht das Recht zur beliebigen Aufrüstung verlangt. Die Gleichberechti­gung ist in einer viel glücklicheren Weise hergestellt, wenn die anderen die Abrüstungsver- pflichtung in dem gleichen Maße über­nehmen, in dem sie uns durch den Ver­sailler Vertrag aufgezwungen wurde, und wenn die Abrüstungsverpflichtungen aller Staa­

ten einschließlich Deutschlands in einer allge­meinen Abrüstungskonvention feft- gelegt werden.

Rach dem Vorschlag Mussolinis soUte es durch­aus noch möglich fein, auf diesem Wege wenig­stens eine Etappe weiter zu kommen. Mussolini sagt, daß man die juristische Gleichberechtigung Deutschlands bei seinem Wiedereintritt in die Mrüstungsverhandlungen anerkennen soUe, wenn sich Deutschland verpflichte, während der Dauer dieser Verhandlungen n cht aufzurüsten. Gerade im Hinblick auf das auch von uns verfolgte Ziel ließe sich darüber durchaus reden. Es wäre na­türlich sinnlos, während der Abrüstungsverhand­lungen maßlos aufzurüsten, wenn wir irgendwie damit rechnen müßten, daß am Ende eine allge- me ne Abrüstungskonvention allen Staaten Ab- rüstungsverpslichtungen auferlegt. Andererseits könnten wir wieder durchaus an den Verhand­lungen teilnehmen, wenn die Anerkennung un­serer Gleichberechtigung gleichzeitig die Folge­rung einschließt, daß das Ergebnis dieser Verhandlungen die Freiheiten und Einschrän­kungen in gleicher Weise für Deutsch­land und für die anderen Staaten f e st st e l l e n soll.

Wenn die nationalistische Parises Presse jetzt wieder in der bekannten Weise jammert, daß die französischen Rüstungen doch nur defensiven Charakter hätten, gut, dann müssen eben wir auch im Herzen Europas, umgeben von waffen­starrenden Rationen, das gleiche Recht der ausreichenden CBerteibigungdmafo- nahmen in Anspruch nehmen. Aber darin hat nun Mussolini auch wieder Recht, daß bei dem negativen Ausgang der Abrüstungskonferenz das absolute Fiasko des Völkerbundes gegeben sei und daß dann Deutschland als erste Ration Genf endgültig den Rücken kehren werde.

ermöglichen. Die Streichung der Kriegsschulden lehnt Roosevelt ab. Er ist Anhänger des Völker­bundes, aber nicht in dessen augenblicklicher Ge­stalt, weil der Völkerbund in seiner jetzigen Form dem Wilsonplan nicht entspreche. Roosevelt wünscht ferner die Aufrechterhaltung des Briand-Kellogg- Paktes. Die Einmischung der Vereinigten Staaten in die inneren Angelegenheiten fremder Länder lehnt der demokratische Präsidentschaftskandidat ab. Die beiden großen amerikanischen Parteien be­mühen sich zur Zeit hauptsächlich um die Stimmen der Farmer.

Eine Richtigstellung.

Berlin, 24.Okt. (ERB.) Die .Tägliche R u n d s ch a u", die dem den nationalsozialisti­schen Gedankengängen nahestehendenTat-Kreis" gehört, veröffentlicht eine Auflagenachricht der Reichsregierung, in der Angaben, die das Blatt gestern veröffentlicht hatte, als unrichtig be­zeichnet werden. Daß die Reichsregierung die Kontingentierung der Einfuhr nicht aufgegeben hat, beweist schon, daß die Ver­handlungen über die Buttereinfuhr soeben mit gutem Ergebnis abge­schlossen worden sind. Hierdurch wird auch die Behauptung von dem bevorstehenden Rücktritt des Reichsernährungsministers hinfällig. Reichs­finanzminister und Reichsernährungsminister ha­ben die Sanierungsverordnungen für die Land­wirtschaft im engsten Einvernehmen ausgearbeitet. Die Verordnungen haben die Zustimmung sämtlicher Kabinetts­mitglieder gefunden. Die Behauptung, der Herr Reichsfinanzminister habe sich geweigert, die Verordnung zu unterschreiben, und habe ihren Vollzug nur dadurch ermöglicht, daß er in Ur* laub gegangen fei, bedeutet eine Verdächtigung, die a l s völlig unwahr aufs schärfste zurückgewiesen werden muh. Ebenso un­wahr ist die Behauptung, der Herr Reichs­präsident habe sich von dem Präsidenten Frei- herm v. ßünind Vortrag über die Lage in der Landwirtschaft halten lassen. Frhr. v. ßünind ist überhaupt nicht beim Herrn Reichs­präsidenten gewesen.

Kleine politische Nachrichten.

Am Sonntag, den 23. Oktober, dem letzten Tage für die Einreichung der Wahlvorschläge, waren 2 3 Reichswahlvorschläge beim Reichswahlleiter eingeggngen. Am Dienstagvormittag wird vom Reichs Wahlausschuß über ihre Zulassung entschieden werden.

*

In einer westdeutschen kommunistischen Zeitung wird behauptet, der Bevollmächtigte des Reichskom­missars für Preußen Dr. Bracht haben sich nach Essen begeben, um an einer Besprechung mit Adolf Hitler und Fritz Thyssen teilzu­nehmen. Amtlich wird erklärt, daß dem Reichs­kommissar von derartigen Besprechungen in Essen nichts bekannt ist, und daß er auch nicht an solchen Besprechungen Teilgenommen hat.

Am 27. Oktober wird das neue Reichs- turatorium für Jugendertüchtigung zu feiner ersten Sitzung zusammentreten. Dem Ku­ratorium gehören u. a. an: Reichsminister a. D. Dr. Geßler, Staatsminister a. D. Domini­cas, Reichsminister a. D. Dr. Haslinde, Staatssekretär a. D. Le wo Id, Generalsekretär Dr. Diem, Geheimrat Sauerbruch und der Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst, Dr. S y r u p, ferner als Vertreter der Verbände Rittmeister a. D. v. Morozowicz (Stahlhelm), Oberleutnant a. D. Krüger (SA.) und General- präfes WoUker (Katholische Verbände).

Die Truppen Paraguays haben das boliviani­sche Gran Chaco - Fort Arce erobert. Das Fort soll nach blutigen Kämpfen und nach

Durchbrechung der bolivianischen Verteidigungs­linie genommen worden sein. Die Bolivianer seien auf dem Rückzug nah Liguata. Don LaPaz wird die Meldung durch die lakonische Mittei­lung des bolivianischen Kriegsministeriums be­stätigt, daß das Fort von den bolivianischen Truppen geräumt worden sei.

Aus aller Welt.

Revolveranschlag auf eine Berliner Opernsängerin.

In Berlin ereignte sich kurz nach Beendigung der Vorstellung in der städtischen Oper, wo Richard WagnersSiegfried" am Sonntag­abend gespielt wurde, am Hinteren Bühnen- ausgang der Oper eine blutige Tragödie. Als die 38 Jahre alte Kammersängerin Gertrud Bin­de r n a g e l auf die Straße hinaustreten wollte, begegnete sie ihrem Ehemann, dem 53 Jahre alten Bankier Wilhelm Hintze, mit dem sie in eine Auseinandersetzung geriet, die bald sehr heftige Formen annahm. Plötzlich zog Hintze eine Pistole aus der Tasche und jagte seiner Ehefrau, die sich in diesem Augenblick abgewendet hatte, um wie­der in die Oper zurückzukehren, eine Kugel in den Rücken. Frau Bindernagel brach mit einem Aufschrei zusammen. Passanten, die sich inzwischen infolge der erregten Unterhaltung an- gesammelt hatten, wollten sich auf den Täter stürzen, um ihn zu lynchen. Doch erschienen in diesem Augenblick Polizeibeamte, die Hintze f e st n a H m e n. Die Kammersängerin wurde nach dem Krankenhaus transportiert. Ihr Befinden wird von den be­handelnden Aerzten als leidlich bezeichnet. Die Lebensgefahr ist jedoch noch nicht beseitigt, da der Darm zerrissen ist und die Möglichkeit einer Bauchfellentzündung besteht. Die Kugel konnte noch nicht aus dem Körper entfernt werden, was jedoch nach Ansicht der Aerzte keine Rolle spielt. Die Patientin darf nichts essen, sie ist aber bei Bewußtsein. Das Motiv bet Tat sollen Familienstreitigkeiten gewesen sein. Frau Binder­nagel habe Scheidungsklage gegen ihren Mann eingeleitet. Frau Bindemagels Laufbahn begann an der Berliner Staatsoper. Sie übersiedelte dann für einige Zeit nach Mannheim, von wo sie vor zwei Jahren an die Städtische Oper nach Berlin zurückkehrte.

Veruntreuungen bei der Dresdner Ortskrankenkasse.

Von der Dresdener Kriminalpolizei wird über Veruntreuungen bei der Dresdener Orts­krankenkasse folgendes mitgeteilt: Größere Hn- regelmähigkeiten bei der Allgemeinen Orts- trankenkasse in Dresden bildeten in den letzten Tagen den Gegenstand umfangreicher kriminal­polizeilicher Erörterungen. Durch einen Beamten der Prüfstelle des Landesverbandes sächsischer Krankenkassen war festgestellt worden, daß ver­schiedene Rechnungsbelege fehlten. Dem für das Fehlen der Belege verantwortlichen Sekretär Händtsche wurde von seiner Dienst­behörde eine Frist zur Regelung der Angelegen­heit gesetzt. Händtsche verübte hierauf Selbst­mord. Bei den nunmehr von der Kriminal­polizei und Beamten der Prüfstelle erfolgten Rachprüfungen wurde festgestellt, daß er feit 1926 in mitunter recht plumper Weise Rech­nungen gefälscht und mit dem Besitzer einer Badeanstalt Hand in Hand gearbeitet hatte. Die Höhe der veruntreuten Gelder dürfte sich nach den. bisherigen Feststellungen auf minde­stens 80000 b i s 90 000 Mark beziffern. Im Anschluß an diese Feststellungen hat die Ortskrankenkasse größere Personalverän­derungen vorgenommen. Reun Beamte wurden vorläufig ihres Dienstes entho­ben, darunter auch der Hauptkassierer und der Leiter der Prüfungsabteilung. 45 Beamte wur­den an andere Dienststellen versetzt. Die All­gemeine Ortskrankenkasse teilt mit, daß sie für die veruntreuten Gelder in der obengenannten Höhe Sicher st ellungen erlangt habe.

Aus der proviuzialhauptfiadi.

Gießen, den 25. Oktober 1932.

Oer Umbau von Wohnraum für Llniversitätszrvecke.

Die Pressestelle der Landesuniver- s i t ä t teilt uns mit:

In der Frühausgabe desGießener Anzeigers" vom Donnerstag, 20. d. M., befindet sich unterEin- gesandt" mit der UeberschriftEine Warnung an das Hessische Ministerium" eine Auslassung, die sich mit dem gegenwärtigen Umbau des der Universität gehörigen Hauses Ludwigstraße 34 beschäftigt. Aus dem Umstand, daß die in diesem Hause wohnenden beiden 'JJXeter ihre Wohnungen räumen müssen, schließt der Einsender, daß dem hessischen Staat jährlich 1700 bis 1800 RM. Mietzins entgehen, ein Ausfall, der angesichts der finanziellen Notlage des Staates nicht tragbar fei, und fügt weitere Erwä­gungen ähnlicher Art an. Insbesondere glaubt er die Notwendigkeit der freiwerdenden Räume für die Bedürfnisse des Kunstwissenschaftlichen Instituts und der Theologischen Fakultät, für die sie bestimmt sind, verneinen zu müssen.

Ohne auf einige ganz abwegige Bemerkungen ein­zugehen, die übrigens durch ein ZweitesEinge­sandt" in der Frühausgabe bu Samstagnummer desGießener Anzeigers" zum Teil zutrefjend widerlegt worden sind, fei dazu folgendes bemerkt:

Die Zahl der Hörer kunstwissenschaftlicher Dor- lesungen betrug im Sommer-Semester d. I. an der Landesunioersität etwa 60, die Zahl der Theologie- Studenten etwa 250. Sie ist in den letzten Jahren ebenso, wie die Zahl der Studenten ber Landes- Universität überhaupt, ständig und zwo? in höherem Maße als an anderen Universitäten gestiegen. Ob­wohl der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Aus­bildung besonders bei der Kunstwissenschaft und der Theologie in seminaristischen Uebungen liegt, fehlte es bei beiden Lehrgebieten bisher an irgendwie hierzu geeigneten Räumlichkeiten. Es mußten be­helfsmäßig zufällig freie Hörsäle und Seminar- räume in Anspruch genommen werden, das kunst­wissenschaftliche Seminar mußte seine Uebungen sogar doppelt abhalten. Den wiederholten dringen­den Anträgen der Universität hat das Hessische Mini­sterium für Kultus und Bildungswejen in diesem Jahre nun stattgegeben und die Herrichtung der bisher vermieteten Räume im Hause Ludwigstr. 34 für Seminarzwecke des kunstwissenschaftlichen Insti­tuts und der Theologischen Fakultät veranlaßt. Da­für schulden die Dozenten und die Studenten in gleichem Maße dem Hessischen Ministerium auf­richtig Dank, weil nunmehr für die Zukunft ein erfolgreicher Unterricht gesichert ist. Wenn damit dem hessischen Staat ein jährlicher Mietzins von 1600 RM. entgeht, so spielt dieser Betrag wirklich keine Rolle gegenüber den ideellen Vorteilen, die durch die Ueberlaffung der Räume für Seminar- zwecke bei einer Anzahl von über 300 für ihre Benützung in Betracht kommenden Studenten durch die intensivere Ausgestaltung des Unterrichts erreicht wird. Aber auch materiell erleidet der hessische Staat kaum eine Einbuße, weil ja die Studenten für die Beteiligung an seminaristischen Uebungen Gebühren entrichten müssen, von denen ein namhafter Betrag in die Staatskasse fließt. Unannehmlichkeiten, die den bisherigen Wohnungsmietern entstehen, sind leider unvermeidlich und müssen in Kauf genommen werden, da nun einmalGemeinnutz vor Eigen­nutz" geht und gehen muß. Daß durch den Umbau Gießener Gewerbetreibenden und Arbeitern eine Derdienstmöglichkeit zukommt, darüber wird zudem jeder sozial Denkende erfreut sein.

Daß die frühere Bendersche Fabrik in der Bis- marckstraße nicht schon längst umgebaut und der ihr zugedachten Verwendung für Universitätszwecke zugeführt werden konnte, hängt mit der finanziellen Lage des Staates zusammen und wird von der Universität lebhaft bedauert. Dringend notwendig wären auch diese Räume für das Wirtschaftswissen, schaftliche Institut, das Musikwissenschaftliche Insti­tut, das Institut für Leibesübungen und die Amts­zimmer des Allgemeinen Studentenausschusses.

Neue Spenden

für die Gießener W n^ernoihilfe.

Für die Winternothilfe 1932/33 gin­gen, wie das Städtische Wohlfahrtsamt mitteilt, weiter folgende Spenden ein:

Firma Dänninger stellt der Winternothilfe den Betrag von 600 Mk. zur Verfügung.

Die nachstehend genannten vier Mitglieder der Ortsgruppe Gießen des Reichsverbandes des Deutschen Rahrungsmittcl-Grvßhandels Berlin stiften für die Winternothilfe folgende Waren: Denner, Krumm 8- Sauer: 100 Pfund

Graupen, 100 Pfund Erbsen, 100 Pfund Boh­nen, 100 Pfund Reis, 100 Pfund Haserslocken;

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