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25.8.1932 Erstes Blatt
 
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Hessen und wirtschaftlich zum Rhein-Maingebiete. Das unglücklichste Gebilde innerhalb des Kreises Biedenkopf ist der südlichste Zipfel. Bon ihm wurde schon in Nr. 183 desGießener Anzeigers" berichtet. Daß er dem Dillkreise nicht angegliedert werden konnte, ist selbstverständlich. Er wurde dem Kreise Wetzlar zugewiesen. Damit ist aber nur für die Lahndörfer Hermannstein, Naunheim und Wald­girmes eine den natürlichen Verhältnissen entspre­chende Regelung erzielt worden. Für die sieben an­

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niste dem Drllkreise zugeteilt worden. Der äußerste Norden, das Einzugsgebiet der Eder, wurde dem Kreise Frankenberg zugewiesen. Auch das ist an sich naturgemäß. Wenn trotzdem aus der Be­völkerung Widerspruch erhoben wird, so ist das aus geschichtlichen, aber auch aus wirtschaftlichen Grün­den verständlich. Das Gebiet neigt geschichtlich zu

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kurz vor Vollendung des 64. Lebensjahres infolge Herzschlages von uns gegangen.

Im Namen der tieftrauemd Hinterbliebenen:

Dr. Otto Heßler

Maria Brück, geb. Heßler.

Gießen (Bahnhofstr. 29II), Darmstadt, den 24. August 1932.

Die Einäscherung erfolgt Freitag, den 26. August, nachmittags %3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Wir bitten, von Beileids­besuchen absehen zu wollen.

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Seit langen Jahren bereits wird, besonders aus den Kreisen der Wirtschaft und der Verwaltung, eine Neugliederung des Deutschen Reiches gefordert. Diese Forderung entspricht den unabweisbaren Be­dürfnissen des wirtschaftlichen Lebens, das die be­stehenden Länder-, Provinz- und Kreisgrenzen sehr oft als eine schwere Hemmung und ein nicht mehr zeitgemäßes Hindernis empfand und mit Recht emp­finden mußte. Daß durch solche Hemmungen und Hindernisse im wirtschaftlichen Leben Verteuerungen eintreten mußten, liegt auf der Hand. Vor dem Kriege, als Deutschland noch ein reiches Land war, konnte dies zur Not ertragen werden. Der Weltkrieg ließ Deutschland verarmen. Es ist daher nicht über­raschend, daß die Stimmen, die eine Verwaltungs­reform, eine Neugliederung fordern, nach dem Kriege immer lauter erschollen. Und heute ist die Erkennt­nis der unbedingten Notwendigkeit einer durchgrei­fenden Neuordnung in alle Volkskreise eingedrungen.

Die neue preußische Regierung hat sich in erster Linie aus Ersparnisgründen dieser Not­wendigkeit nicht verschlossen und eine Verwal ° tungsreform angebahnt. Sie mußte sich natur­gemäß auf das preußische Staatsgebiet beschränken, lieber eine Zusammenlegung preußi­scher Kreise ist sie aber nicht hinausgekommen. Eine solche Reform kann nicht genügen; sie muß in einen größeren Rahmen eingesponnt werden. Es muß über die jetzigen Landesgrenzen hinausgegrif- fen werden. Wo es das Wirschaftsleben und die Sparsamkeit erfordern, müssen die Ländergrenzen als überlebt fallen. Neue Reichsländer, die geo­graphisch, stammesgeschichtlich, kulturell und wirt­schaftlich in sich geschlossene Einheiten darstellen, sind zu schaffen.

Eine solche Reform muß von den von der Natur gegebenen Tatsachen ausgehen. Solche Tatsachen sind die Lage, der Bodenaufbau und der durch ihn be­dingte Verlauf der fließenden Gewässer. Dos Vor­kommen der Bodenschätze, die Entwicklung des Groß­gewerbes und der Landwirtschaft, der Ausbau der Verkehrswege, die Lage der Hauptknotenpunkte des Verkehrsnetzes müssen ebenfalls als naturgegebene Tatsachen Berücksichtigung finden. Auch stammesge- schichtliche und damit zusammenhängend kulturlichc Gegebenheiten dürfen nicht unberücksichtigt bleiben. Eine von solchen Forderungen aus bestimmte Neu­gliederung ist naturgemäß oder organisch. Sie steht noch aus. Aber sie muß und wird kommen.

Betrachten wir nun von solchen Gesichtspunkten aus die Neuordnung in Hessen-Nassau, soweit sie uns näher berührt. Sie betrifft die Kreise

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Usingen, Wetzlar, Dillenburg (Dillkreis), Biedenkopf, Frankenberg, Marburg und Kirchhain. Als eine be­sondere Erscheinung in diesem Gebiete muß die Zu­gehörigkeit des Kreises Wetzlar zu der räum­lich weit abgelegenen Rhcinprovinz erwähnt wer­den. Sie ist in der geschichtlichen Entwicklung Preu­ßens begründet. Von Natur aus hat der Kreis Wetz­lar mit der Rheinprovinz nichts zu tun. Seine nun erfolgte Eingliederung in den Regierungsbezirk Wiesbaden entspricht der geographischen Lage des Kreises durchaus. Sie ist organisch.

Die Zusammenlegung der Kreise Marburg und K i r ch h a in kann ebenfalls als naturgemäß bezeichnet werden. Sie berührt Gießen in keiner Weife. Der Kreis Usingen wird aufgehoben und mit Homburg v. d. Höhe vereinigt. Nur die in dem seitherigen Kreise Usingen liegenden Taunus­dörfer Espa, Kleeberg und Weiperfelden werden vom Kreise Usingen weggenommen und dem Kreise Weg­lar zugeteilt. Dasselbe Schicksal hat Brandoberndorf im Solmsbachtale. Das Solmsbachtal ist ein aus dem Taunus kommendes Seitental der Lahn. Die durch das Solmsbachtal laufende Eisenbahn führt nach Wetzlar. Dementsprechend neigt das Solmsbach­tal wirtschaftlich nach Wetzlar. Die Angliederung Brandoberndorfs an den Kreis Wetzlar erscheint daher als naturgemäß. Die genannten Taunusdör­fer hätten ebensogut, vielleicht noch besser, dem Kreise Friedberg zugewiesen werden können. Aber Friedberg ist hessisch.

Der Kreis Biedenkopf wird aufgehoben und den Kreisen Wetzlar, Dillenburg und Franken- berg angegliedert. Ein Blick auf die beigegebene Uebersichtskarte zeigt, daß der Kreis Bindenkopf ein in jeder Beziehung unglückliches Gebilde ist. Mit einer außerordentlich großen Nordsüderstreckung reicht er vom Sauerland (Bromskirchen) bis an die Lahn bei Waldgirmes und Naunheim und über die Dill bei Hermannstein. Seine Ausdehnung von Westen noch Osten dagegen ist gering. Seine Ge­stalt ist also recht unglücklich. Eine Bahnlinie, die den Süden mit dem Norden des Kreises verbinden könnte, fehlt. Daraus ergeben sich die großen Schwie­rigkeiten für die Erreichung der Kreishauptstadt und für die Verwaltung. Landschaftlich ist der Kreis durchaus keine Einheit. Der äußerste Süden gehört zum Gießener Becken. Der Norden liegt im Einzugsgebiete der Eder und damit der Weser.

Die Neuordnung mußte einen solchen' Kreis ver­schwinden lassen. Der Kern des/Kreises ist in völlig richtiger Erkenntnis der natürlichen Verhäll-

deren Dörfer dieses Zipfels ist die neue Ord­nung dagegen keineswegs naturge­mäß. Da hierdurch wirtschaftliche Be­lange Gießens stark berührt werden, ist ein» genauere Darlegung wünschenswert.

Der die sieben Dörfer Rodheim a. d. Bieber, Fel­lingshausen, Ärumbad), Frankenbach, Wilsbach, Kö­nigsberg und Bieber einschließende Teil des Zipfels möge kurz als das Biebertal bezeichnet werden, auch wenn die drei Dörfer Krumbach, Wilsbach und Frankenbach ihm streng genommen nicht angehören. Das Biebertal ist ein Seitental der Lahn. Es ver­bindet seine Dörfer also mit dem Lahntal, oder mit Gießen, dem nahen bedeutenden Eisenbahn­knoten- und Wirtschaftsmittelpunkte. Von Wetzlar ist das Biebertal durch einen vom Königsstuhl bis in die Nähe Kinzenbachs verlaufenden Höhenzug scharf abgetrennt. Die das Biebertal erschließende Biebertalbahn mündet in Gießen. Auch geschichtlich ist das Biebertal eng mit Gießen verbunden. All diese unbestreitbaren Tatsachen erfordern die Zu- Weisung des Biebertales zu demKreise Gießen.

Ohne Landzusammenhang mit dem übrigen Kreise Wetzlar waren die altpreußischen Dörfer Vetzberg, Gleiberg, Krofdorf, Launsbach, Wißmar, Odenhau- sen und Salzböden. Auch sie gehören ihrer Sage und ihren wirtschaftlichen Beziehungen entsprechend unbedingt zu Gießen.

Diese Ausführungen zeigen, daß die preußische Derwaltungsreform einen Fortschritt bedeutet. Trotz­dem wird sie den natürlichen Verhältnissen durchaus nicht immer gerecht. Das vermag nur eine Neu­gliederung des gesamten Reichsge­bietes. Sie muß daher das Ziel bleiben. Hn.

Schwindel mit Insektenpulver.

WSB. Frankfurt a. M., 24. 2lug. Seit etwa vier Monaten reist der etwa 24jährige Paul Schüller mit feiner 19jährigen Geliebten durch Süddeutschland und verkauft in den einzelnen Städten ein von ihm selbst hergestell- t e s Pulver zur älngeziefervertilgung. Wie er bei seiner Vernehmung zugegeben hat, ist dieses Pulver höchstens fünf bis sieben Pfennige wert, während er es für 95 Pfennig an den Mann bringt. Seinen Käufern hat er erzählt, daß es sich um ein Fliegen vertilgungsmittel handelt, das aber auch gegen Hühnerläufe angewandt werden kann. Ferner soll es Käfer und Motten töten und Flie­gen und Bienen verscheuchen. Sch. wurde fest­genommen, seine Begleiterin kam in Schuhhaft. Das junge Mädchen soll sich an den Verkäufen nicht beteiligt haben.

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