Zwecken der Personenbeförderung ist untersagt. Zuwiderhandlungen werden mit Erhebung eines Zwangsgeldes bis zu 150 Mark bedroht. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. 3m übrigen bleiben die Bestimmungen der bisherigen Notverordnung über Demonstrations- und Umzugsverbot davon unberührt.
Hessische Proteste.
D a r m st a d t, 24. Aug. (WSR.) Der Gauleiter der hessischenNationalsozialisten Abgeordneter Lenz erläßt eine Anordnung, wonach am Samstag, 27. August, in allen Ortsgruppen der NSDAP. Mitgliederver- sammlungen zum Protest gegen die Todesurteile des Beuthener Sondergerichts stattfinden.
Englische Kommentare.
London, 25. Aug. (END. Funkspruch.) Zu der durch das Beuthener Urteil geschaffenen Lage bemerkt „Morning Post", der politische Kampf in Deutschland scheine in ein besonders dunkles und gefahrenbergendes Stadium seiner Entwicklung zu treten. Das Blatt führt etwa aus, daß die Tat von Potempa von den Parteigenossen der Verurteilten mehr und mehr glorifiziert und schließlich sogar als Ausfluß hoher Tugend und Vaterlandsliebe bezeichnet würde, was dem Blatt die Bemerkung abnötigt, dies sei ein genügender Beweis für
die außerordentliche Degradierung, in die das politische Leben Deutschlands gefallen
sei. Politischer Mord werde nicht nur verziehen, sondern verherrlicht, und zwar von einem Manne, der erst vor 14 Tagen den Reichspräsidenten darum ersuchte, mit den Vollmachten eines Mussolini versehen zu werden und der Grund zur Annahme gegeben habe, daß er die Orgie der Gewalttaten, die von einem Teil seiner Anhänger begangen wurde, nicht billige. Kein zivilisierter Staat, so hebt „Morning Post" hervor, könne gs sich leisten, solche Blutrache innerhalb seiner Grenzen zu dulden und noch weniger, sie als Ausdruck eines edlen Idealismus gepriesen zu sehen. Allerdings dürfe nicht verkannt werden, daß sich die Reichsregierung in ihren Bemühungen, den Terror zu tilgen, einem äußerst schwierigen Dilemma gegenübersehe.
Mit denselben Fragen befaßt sich der heutige Leitartikel der „Times", der aufzeigt, wie die Nationalsozialistische Partei und ihre Presse seit dem Tage, an dem das Beuthener Urteil gefällt wurde, die Begnadigung ihrer Parteigenossen mit Drohungen gefordert und die Regierung von Papen in maßlosen Worten beschimpft habe. Auf diese und die übrigen „hysteri- schen Kundgebungen" habe die Reichsregierung mit Würde geantwortet. Das Blatt spricht von der „scharfen Zurückweisung", die Hitler durch die Regierung erhalten habe, und meint, das Regie- ru n g sm a n i fe st werde von den Nationalsozialisten, die tatsächlich das Recht forderten, an allen ihren politischen Gegnern Rache zu nehmen, als eine Herausforderung angesehen obzwar es doch der Verteidigung des Gesetzes und des nationale nRufes diene. Ganz in Uebereinstimmung mit der Regierungserklärung bemerkt dann das Blatt, daß
nichts dem deutschen Namen mehr Schaden zugefügt habe, als die Zunahme der brutalsten politischen Verbrechen.
Dies seien Vorkommnisse, die nicht mit der Entschuldigung begründet werden dürften, daß die Strenge des Versailler Vertrages, oder die Bitternis der allgemeinen Wirtfchaftsnot das Volk zur Verzweiflung getrieben habe. Aus diesem Grunde wird von dem Blatt auch die Einführung der Todesstrafe für derartige Verbrechen begrüßt, aber hinzugefügt, so ausgezeichnet auch die Re- gierung die Anwendung des „Terrordekretes" verteidige, so sei es doch nicht sicher, ob Herr
Vornan von Hertha Fricke
^Irheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau
4. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Ich könnte sie fragen!" dachte er mit einer großen Glückseligkeit. „Ich könnte sie mir vielleicht rasch gewinnen! — Aber die arme Renate hat sie noch so nötig! Sie kann sie nicht entbehren! — Ich muß wohl warten! Wer weiß, wie bald sie frei wird! —
Und es ist ja etwas so Köstliches, sie so oft sehen zu können! Sonntags mit dem unaussprechlichen Glück im Herzen! — Wir werden immer glücklicher dabei!"
Sagt nicht Fritz Reuter, daß der Verkehr zweier Menschen vor der Verlobung das Schönste und Reizvollste im Leben sei? — Oh, Dr. Heinrich Andresen war bescheiden — konnte abwarten! Wenn er jetzt fragen würde, nach dieser Bekanntschaft von wenigen Wochen, wäre es nicht zu früh? — Konnte dies holdselige Fräulein von Diemen nicht vielleicht sagen: „Herr Doktor, wir kennen uns doch zu wenig!" Oder: „Solange Renate lebt, habe ich nicht Zeit, an mich zu denken!" — Beides sähe ihr ähnlich, und mit beidem hätte sie recht! Warum also sollte er eilen? — Er hatte ja die Sonntage! — Diese einzig schönen zweisamen Sonntage! —
Charlottenhof war ein wenig stiller geworden. Der große Schwarm hatte sich verlaufen. Die römischen Bäder lagen über den grünsamtenen Rasen in ihrer antiken Pracht. Verschlafen plätscherten die kleinen Wasserstrahlen in di« steinernen Becken. Die Goldfische und Silberkarpfen schossen im Bassin umher.
Ein lustiger kleiner Vogel schmetterte ein glückliches Lied in die sommerliche Luft. Er saß unbekümmert auf dem ernsten, steinernen Kopf eines Säulenheiligen und pfiff auf die Weisheit, die einst in diesem Schädel entstand.
Sie standen beide, der Doktor und Eva-Marie, «in wenig zueinander geneigt, schauten dem kleinen gefiederten Sänger zu und lächelten über ihn.
„O du kleiner verständiger Kerl, du!" sagte da Doktor Heinrich in einer plötzlichen Sommer- fveu.de. „O wieviel mehr recht hast du, als der Epiktet, als der Asket — als alle Lebensweisheit zusammen! Wenn man dich versteht, du kluges Bürschlein! — Leben ist Liebe, Liebe ist all^l — Liebe und stirb! — Das ist des Lebens Sinn und Erfüllung!"
„Still! — Still! Doktor! Er fliegt sonst weg!" flüsterte Eva ihm ins Ohr. ilm ihren Mund zuckte es vor verhaltener Lust.
von Papen in der Lage sein werde, es an- xuwenden. Die Beuthener Urteile hätten die Nationalsozialisten zu erbitterten Feinden gemacht. Für die Aussichten auf politischen Frieden sei es leider unwichtig, daß die Sozialdemokraten, die Deutschnationalen und andere wichtige Parteien den Appell der Nationalsozialisten um Milde unterstützten, wozu komme, daß auch die deutsche Presse in ihrer überwiegenden Mehrzahl eine Begnadigung erwarte und fordere. Eine Begnadigung aber würde — ab- Msehen davon, daß sie das Regierungsdekret dem Papierkorb überantwortete — entweder Argwohn über die Unparteilichkeit der Regierung, oder Zweifel air ihrer Fähigkeit, sich den Extremisten von rechts zu widersehen, auslösen. Dor allem würde sie die Nationalsozialisten stärken, die nach den Worten des Berliner „Times"-Korrespon° denten „einen neuen Triumph verkünden und von Verantwortlichkeit weiter entfernt sein würden als je." So weist auch die „Times", ebenso wie die „Morning-Post" auf ein Delemma hin, das, wie das Blatt meint, es nicht überraschen ließe, wenn
das Kabinett den Versuch, mit Hilfe des Parlaments zu regieren, aufgebe und dem Reichspräsidenten empfehlen werde, den Reichstag aufzulösen,
besonders da durch die Taktik der Sozialdemokraten und die Gewalttaten der Nationalsozialisten der Regierung jede Hoffnung auf eine Zusammenarbeit mit einer solchen Körperschaft zunichte gemacht werde.
Oesterreich gestattet Hitler die Einreise.
Wien, 24. Aug. (TU.) Die österreichischen Nationalsozialisten forderten bereits vor einigen Wochen, das Einreiseverbot für Hitler aufzuheben. Wie nun die „Deutsch-Oesterreichische Tageszeitung",
das Parteiorgan der Nationalsozialisten in Oesterreich, berichtet, hat der Ministerrat beschlossen, diesem Begehren der Nationalsozialisten in der Weise nachzukommen, daß Hitler die Einreisebewilligung für den 17. und 18. September, dem Zeitpunkt deS geplanten Landesparteitages der NSDAP., erteilt werde. In der Begrünvung heißt es nach den Mitteilungen der Zeitung, daß ein vollkommenes Einreiseverbot deshalb bedenklich wäre, weil eS den Nationalsozialisten für den bevorstehenden Wahlkampf einen gewaltigen Werbestoff liefern würde.
Todesstrafe für General Sanjurjo beantragt.
Madrid, 24. Aug. (WTB.) Unter ungeheurem Andrang des Publikums begann heute der Prozeß gegen die Führer des letzten Putschversuchs. Nach Verlesung der Anklageschrift erhielt General Sanjurjo das Wort. Er führte aus, einer der Gründe, die ihn zur Ausführung seines schon vor länger als einem Monat gefaßten Plans bewogen hätten, seien fortgesetzte Verleumdungen des Heeres gewesen, über die in allen spanischen Garnisonen, namentlich in Sevilla, starke Erregung geherrscht habe. Von der Vorbereitung einer Revolutionsbewegung in Madrid habe er zufällig Kenntnis erhalten und sei daraufhin am 19. August in Begleitung seines Sohnes und Adjutanten abgereist. Liebrigens leugnet Sanjurjo jegliche Verbindung zwischen der Aufstandsbewegung von Madrid und Sevilla.
Der General st aatsanwalt hat die Todesstrafe für General Sanjurjo und lebenslängliches Zuchthaus für die drei übrigen Angeklagten beantragt.
Aus aller Welt.
Piccards Gondel in Zürich.
Die Gondel Prof. P i c c a r d s ist in Zürich eingetroffen. Sie wurde von der wartenden Menge mit Beifall begrüßt. Die Gondel weist von der Landung her verschiedene Beulen auf und ist mit zahlreichen Inschriften bedeckt. Prof. P i c c a r d erschien in Begleitung von Bundespräsident Motta und dessen Gemahlin. Der Bundespräsident besichtigte die Gondel eingehend.
Der englische Polarforscher Wolkins f.
Aus Kopenhagen wird gemeldet: Nach einem bei der grönländischen Verwaltung eingelaufenen Telegramm des Kolonieverwalters in Angmassa- lik hat der englische Polarforscher W a t k i n s bei Kajakulykka den Tod gefunden. Watkins hatte sich in einem Kajak allein auf die Seehundsjagd begeben. Das Motorboot seiner Expedition nahm an diesem Tage Kartenaufnahmen vor. Später fand die Motorbootsbesahung den Kajak Watkins' mit Wasser gefüllt an der Küste treibend. In der Nähe des treibenden Kajaks fand man die Hose des Forschers auf einer Eisscholle auf. Die Expedition nahm sofort zusammen mit Grönländern eine genaue ilnterfudjung vor, die bis Mitternacht und dann den ganzen nächsten Tag andauerte, doch verlief die Suche nach Watkins bisher erfolglos.
Riefengetreideheber für Rußland.
Die Deutsche Werft in Hamburg hat für Rußland den größten bisher erbauten Getreideheber fertiggeftellt und zur Ablieferung gebracht. Der Transport befindet sich unterwegs nach einem Hafen am Schwarzen Meer. Der Heber leistet nach der in Hamburg vorgenommenen Probe stündlich bis 175
Tonnen und überschreitet damit die Forderung des Austraggebers bei weitem.
Granaten im Mineralbrunnen.
Aus Dreis in der Eifel wird gemeldet: Bei den Vorbereitungsarbeiten zur Inbetriebnahme eines Mineralbrunnens stießen Arbeiter auf etwa 1 00 Granaten, Kaliber 10,5, die von den deutschen Truppen auf dem Rückmarsch 1918 zurückgelassen worden waren. Die Behörde wurde verständigt. Ein Feuerwehrkommando wird die Entladung der Granaten vornehmen.'
Unterschlagungen bei einer Hamburger Firma.
Nachdem die Llnterschlagungen des früheren Geschäftsführers K o ß bei der Hamburger Webwaren-Einkaufs-Gesellschaft aufgedeckt worden sind, hatte der Senat das Rechnungsamt mit bet Prüfung des Gefamtbetriebes der Webwaren-Einkaufsgesellschaft beauftragt. Diese Prüfung, die vor einigen Tagen abgeschlossen worden ist, hat ergeben, daß die von Koß veruntreute Summe etwa 400 000 Mark beträgt. Der Senat hat nunmehr einen Senatskommissar mit der weiteren Untersuchung beauftragt und angeordnet, daß der jetzige alleinige Geschäftsführer der Wefewaren-Einkaufs-Gesell- schaft vorerst feines Amtes enthoben wird.
Sprengstoffonschlag im Kreise Landsberg.
Aus Landsberg wird gemeldet: In einer der letzten Nächte riß ein starker Kanonenschlag, der von einem Sprengkörper herrührte, die Bewohner des Dorfes Gennin aüs dem Schlaf. Der Anschlag richtete sich gegen das Grundstück des Maurers S i e p e 11. An einem Bretterzaun war der Sprengkörper niedergelegt worden. Der
„Herr Dr. Andresen — waren Sie bis jetzt ein Epiktet oder solch lustiger Vogel?"
„Das ist recht, Sie liebes Mädel! Scherzen Sie! Es steht Ihnen entzückend —!"
Der Vogel war fortgeflogen, sie gingen weiter.
„Das ist keine Antwort!" lächelte Eva-Marie leise.
„Ich war ein sehr lustiger Student--und
kein Asket!" sagte er ehrlich.
„Also kein Säulenheiliger!" meinte Eva-Marie. „Das freut mich!"
„Warum?" forschte der Doktor.
„Wir sollen lieber Menschen als Heilige sein!" sagte sie leise. „Oder gefällt Ihnen solch heilige Elisabeth wie Frau Renates strenge Pflegerin, die schon die Stirn runzelt, wenn Klein-Gerti einen luftigen Schulstreich erzählt, mit dem sie die Lehrerin überlistet haben? Ich wette, w»nn die Lehrerin ein richtiger, warmherziger Mensch ist. lächelt sie im Innern darüber, wenn sie auch offiziell eine Strafarbeit über die munteren, kleinen Geister verhängen mußte! Aber bei der heiligen Elisabeth hätten die kleinen Dinger gewiß in Sack und Asche büßen müssen!"
„Und würden damit zu Heuchlern erzogen!" setzte Dr. Andresen gedankenvoll hinzu. „Rein, liebes gnädiges Fräulein, diese Elisabeth ist viel unheiliger, als Sie denken!"
„Oh, warum denn?" fragte Eva-Marie. Dieses „Oh" klang, als wollte sie die Pflegerin entschuldigen.
„Sie ist ein Egoist!" sagte der Arzt ernst. „Sie könnte über Leichen gehen, um zu ihrem Ziel zu gelangen!"
„Und was für ein Ziel hat sie?" fragte das Mädchen ängstlich.
„Sie will herrschen! Vielleicht würde sie deshalb gern einen Doktor heiraten! Sie herrscht dann, wenn auch in einem kleinen, begrenzten Reich, über Kranke und Personal, vielleicht auch über die Aerzte, wenn sie mehr Wissenschaftler sind als Menschenkenner!"
„Vielleicht gibt es einen passenden Arzt für sie!" scherzte Eva-Marie.
„Der arme Kerl täte mir leib! Ich würde ihn warnen!" sagte Andresen. Es war kein Spott, es klang wie innerste Ueberzeugung.
„Ich habe versucht, Schwester Elisabeth freundlich näherzukommen!" erzählte das junge Mädchen. Es war, als ob sie einem Freunde ihre Gedanken sagte.
„Warum versuchten Sie das?" Er sah ihr hübsches Profil und freute sich daran.
Eva-Marie wendete den Kopf. „Warum?" Nun doch, weil wir beide das gleiche Ziel, das gleiche Streben haben, Frau Renates Leiden zu lindern, es ihr weniger fühlbar zu machen!"
„Ach, Sie großes Kind! Sie und diese Elisabeth haben ganz verschiedene Ziele! Sie werden ihr niemals näherkommen!"
„Nein, sie mag mich nicht leiden!" sagte Eva- Marie traurig. „Ich kann nicht dafür, aber ich begreife es!"
„Ich begreife es nicht!" lächelte der Doktor verliebt.
„Dann sind Sie ungerecht!" antwortete das Mädchen. „Schwester Elisabeth ist länger da als ich, sie hat mehr gelernt, sie muh eine gewissenhafte und oft unangenehme Arbeit tun, sie muß nachtwachen! Und ich, Herr Doktor? Ich 'lese Renate ein bißchen vor, ich finge ihr Lieder, ich schwatze mit ihr, und ich beziehe dasselbe Gehalt wie Schwester Elisabeth, ich habe es besser als sie, denn ich werde von Renate verwöhnt, und —" sie wurde ein wenig verwirrt und rot, wie eine junge Rose, es kleidete sie entzückend, „und Sie verwöhnen mich auch!"
Er zog glücklich ihren Arm durch seinen. Sie ließ es geschehen. „Heinrich Andresen", dacht« sie zärtlich, „du guter, lieber, prächtiger Mensch!"
„Wohin werden wir am nächsten Sonntag wandern, Eva-Marie?" fragte er.
Sie schüttelte den Kopf. „Gar nicht, Herr Doktor! Wenn Gerti kommt, so daß ich frei bin, dann wollte ich mir von Samstag mittag an Urlaub erbitten, um meine Mutter zu besuchen!"
„Ihre Mutter, Eva-Marie? Sagten Sie nicht einmal, daß Ihre Mutter starb, als Sie noch klein waren?"
„Ja, Herr Doktor! Aber ich habe eine zweite Mutter, die Exzellenz von Diemen, Vaters zweite Frau! Es ist mir unmöglich, .Stiefmutter' zu ihr zu sagen. Sie war mir alles, was eine Mutter sein kann! Ich habe sie sehr liefe! Und sie mich auch!"
„Es will mir scheinen, als ob lauter gute Menschen ihren Lebensweg begleiteten, Sie Glückliche! Vielleicht ist es das Richtige, und Sie wurden darum so liebenswürdig, wie Sie sind! Aber ich bitte, doch von der Urlaubsreife afezusehen! Renate ist bald wieder so weit, daß sie in ein Krankenhaus muß. Eine neue Operation steht bevor. Reisen Sie dann, ja? Bringen Sie Renate das kleine Opfer?"
„Gern!" sagte bas Mädchen. „Wenn die Operation ihr doch Genesung bringen könnte!"
„Nach menschlichem, d. h. nach wissenschaftlichem Ermessen nicht!" antwortete Dr. Andresen. „Aber sie kann das Ende noch aufhalten, kann der Kranken, falls sie glückt, noch ein paar Jahre erträglichen Lebens schenken!"
„Weiter nichts?" sagte Eva-Warie traurig.
„Wir wollen ehrlich gegeneinander sein! Was hilft ein Trost, der Täuschung ist?"
„Und Ihr Bruder, Herr Doktor?"
„Er weiß es", sagte der Arzt still.
„Und wie trägt er es?" fragte das Mädchen mitleidig.
„Nach seiner Art!" antwortete Dr. Andresen. „Er hat keine feine oder zarte Seele! Er liefet
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Der thüringische ßanbtagsabgeorbnete Sauckek, Führer der NSDAP.-Fraktion. wurde vom Landtagspräsidium mit der Neubildung der thüringischen Regierung beauftragt.
Zaun ist vom Luftdruck niedergelegt worden. Ein dahinter stehender Stall wurde eingedrückt. Am Wohnhaus wurden die Scheiben demoliert. Bereits vor einigen Tagen wurde eine Drofesch r i f t an den Sohn des Siepelt und später auch im Garten ein bombenähnlicher Gegenstand gesunden.
Erstbesteigung der Jungfrau von der Ostfeite her.
Im Jahre 1909 versuchte der Schweizer Alpinist Fischer erstmals von der GuggiHütte aus durch den Kuhlauenen-Gletscherbruch und die verbindende Fels- und Eisrippe über den Ostgrat den Gipfel der Jungfrau zu erreichen. Der Versuch blieb damals erfolglos. Dieser Tage ist es nun zwei Alpinisten, Hans L a u p e r aus Zürich und Alfred Züricher aus St. Gallen, zusammen mit den Führern Joseph K n u b e l und Alex ® r a ü e n gelungen, die Erstbesteigung durchzuführen. Sie erreichten nach 12ftün- diger mühsamer Arbeit den Gipfel.
Das Flugzeug der norwegischen Ozeanflieger zertrümmert.
Die norwegischen Flieger Solberg und Petersen, die von Harbour Grace zum Ozean- flug nach Oslo starten wollten, sind in einer der letzten Nächte bei dem Ort Darbys Harbor auf Neufundland mit ihrem Flugzeug abgestürzt. Das Flugzeug wurde zertrümmert, die Flieger blieben unverletzt.
Die „fliegende Familie" gestartet.
Die „fliegende Familie", das Neuyorker Ehepaar Hutchinson mit zwei Töchtern im Alter von acht und sechs Jahren, ist in St. John (Neu- Braunschweig) zum Flug nach London gestartet. An Bord des Flugzeugs befinden sich außer der Familie noch vier Mann. Nächstes Ziel der Flieger ist Port Menier auf der im St. Lortznz- Golf gelegenen Anticosti-Insel. Don dort soll der Flug auf der Gronau-Linie in Etappen fortgesetzt werden.
Kunst und Wissenschaft.
4500 Mark Erzählerpreis.
Die Monatsschrift „die neue l i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) hat auch in diesem Jahr einen Erzählerpreis ausgesetzt. 4500 Mark sind für bas Jahr 1932 für bte besten deutschen Erzählungen ausgeschrieben worben. Sechs Preise stehen zur Verfügung. Der 1. Preis beträgt 1500 Mark. Zur ehrenamtlichen Uefeer- nahme ber Jury haben sich wiederum bereit erklärt: Paul Fechter, Berlin: Alfons P a q u e t, Frankfurt: Helene v. N o st i h, Berlin: Wilhelm v. Scholz. Zürich: Bruno C. Werner, Berlin. Die näheren Bebingungen enthält bas September- hest ber „neuen linie".
feine Frau wohl auch nach seiner Art! Aber ich habe seine Art nie verstanden. Er ging immer seinen Weg, ohne nach uns zu fragen, nach meiner Mutter und mir. Auch mit unserer Schwester verstand er sich nicht. Meine Schwester ist nun längst verheiratet. Wenn ich selbst in das Haus meines Bruders komme, so ist es das Mitgefühl mit meiner Schwägerin und der fleinen Gerti. Und in der letzten Zeit leuchtet in seinem Haus noch ein anderer Stern! Oder ist es eine kleine Sonne, Eva-Marie?"
Sie schwieg und lächelte. Sein Werben verletzte sie nicht. Sie waren einander sicher. Daß er noch nicht sprach, Eva-Marie begriff es, sie verstand ihn wohl! Wo ber Todesengel über dem Hause schwebte, in dem sie war, war es nicht Zeit, an Glück und Hochzeit zu denken. „Ich kann warten!" dachte auch sie mit einem tiefen Glück. „Wir wissen doch voneinander — Renate braucht mich noch! Und ihr, ihr, ber Guten, der Aermsten, verdanke ich doch im Grunde all dies Köstliche!"
„Ich gehe später auf Urlaub, Herr Doktor!" sagte sie. „Ich werde Mama schreiben! Nun wollen wir gehen und bei der historischen Mühle Kaffee trinken, das versprachen Sie mir doch! Und wir wollen nicht zu spät zurück fein!“
Frau Renate Andresen war allein mit Eva- Marie. Es war ein wundersamer Spätsommertag. Man hatte sie auf ihren Wunsch in den Garten gebracht, der, obwohl von den hohen Häusern umgeben, doch ein freundlicher und vornehmer Anblick war. Saubere Rosenrabatten mit hochstämmigen Rosen, hohen Zedern und Ma- gnolienfeüschen, dazwischen schneeweiße, blanke Gartenmöfeel und mit Goldk es bestreute Wege. Ein kleiner, gepflegter Luxusgarten, so recht zum Ausruhen und Wandeln nach reichem Mahl, ein Plätzchen für verwöhnte Leute, ein Schmuck am schönen Haus. Es war Samstag.
„Heute habe ich einen guten Tag!" sagte die Kranke zu Eva-Marie, die ihr eben bi« seidene Decke über bi« Knie breitete, bie herabgeglitten war. „Ich bin froh, daß ich dich heut« ganz allein habe. Mein Mann kommt nicht, er hat geschäftliche Unannehmlichkeiten, und die graue Motte, die Schwester Elisabeth, hat Besprechungen mit den Aerzten und Schwestern bei Professor Bier! Ich weih, was da los ist, Eva-Marie! Ich muß wieder ans Messer!"
Sie sah wehmütig aus. Ihre Wangen hatten wieder jene Röte und ihre Augen jenen Glanz, der sie schön macht« und doch von Vergehen sprach, wie die farbige Tracht des Herbstes.
„Liebling!" schmeichelte Eva-Mari«. „Es soll doch besser mit dir werben!" Sie legte ihre weiße Wange auf Renates Scheitel, bamit biese bie feuchten Augen nicht sehen sollte.
(Fortsetzung folgt.)
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| Stelle vom 3. J £ Kriegsmacht D \ Sachverständiger für I aus:
In Verbindung I Aeichswehrininisters ' Umgestaltung der I bourgeoise Prcssekai - fiungsgleichyeit mt schen Mächten sei er l hinzuweisen, daß D Süden im Dersaille : meesiäcke als Schlu benutzt habe. Tor Dienstzeit die IOC l vollen Apparat zur trainierten und hod Bestandes. Um die Ernstfälle 1 bis 1V:
• Pieren. Die halbn eigentlich Durchgang iierung, würden gci len. Und diese Tru waffnet sein. Denn vor den Versailler wenig Gewehre, M | Besitz. Die Reichst I den nicht mit einer Maschinengewehren
t Krieg ziehen, fanden . ihre %ad)bQtfeinbe, t beziehe sich a Kampsmittel, wie z. r gase ustv. Besonders grohe Fortschritte er Skoda in der Tscheche Ingenieuren geleitet würdiger Zufall, ba1 für Schweden gebau Flachgelände Deuts«! lacher verhalte es s - leien so gebaut, do ; stellen, jederzeit oh, aus den Bau von
; konnten. (!)
2n der cheiM Deutschland noch in Erzeugung von Gif Gasbomben für Ki Wrgestellt. (I) Mit Deneralstab ein mäd ZV™9 wenigst« vrierchaiMr oufzux londer» im Dosten w jungen habe.- dor Sjh li ®
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