Ausgabe 
25.6.1932 Frühausgabe
 
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schändlichen Gütern der Nation unterbunden teer» ben. Ein Antrag, daß im Zusammenhang mit der Arbeitsbeschaffung die Arbeitsdienst- Pflicht emzuführen sei, wird mit 200 Stimmen flegen 198 Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Deutschen Volkspartei ab* gelehnt.

Angenommen wird auch der kommunistische Antrag auf Degstcuerung aller Einkorn- men über 12 0 0 0 Mark, und zwar mit 141 Stimmen der Sozialdemokraten und S o m- m uni ff en gegen 45 Stimmen der Deutsch­nationalen und Mittelparteien bei 34 Enthaltungen des Zentrums, während sich die Jl a - lionalsoz »allsten nicht an der Ab ft im- mung beteiligten.

Der nationalfoz. Antrag auf Erklärung des 28. 3 u n i alsVolkstrauertag geht an den Verfassungsausschuh.

Dann wird die Kulturaussprache fort­gesetzt.

Abo. Dr. S t a d l e r (Dnt.) verweist auf die gei­stige Auseinandersetzung in unserem Volke. West­licher Liberalismus und Marxismus einerseits und germanisches Volkstum lägen im Kampf miteinan­der. Das Ziel des Gesamtnationalismus sei dabei die Erreichung des national-völkischen Staates. Die Entscheidung in diesem Kampf wäre längst zugun­sten der nationalen Nechten gefallen, wenn nicht das Zentrum sich eine politische Schuld auferlegt hätte. Das Zentrum habe seine Herrschaft als Mit­telpartei dauernd zugunsten der Linken ausgenuht. Es gehe jetzt darum, das Zentrum zu fragen, mit wem und gegen wen es regieren wolle, nicht aber Schwimmübungen zu machen.

Es könne sein, daß das Zentrum die Brücke abgeben müsse, auf der die nationale Rechte zu ihrem sieg- reichen Kampf gege die Linke vorgehen werde. Es müsse wieder möglich sein, dieselbe Gemeinschaft auf nationaler Basis zu bilden, die sich an der Front im großen Kriege gebildet hatte.

Abg. Frau o. Kule sza (D. 23p.) fordert ver­schärften Kampf gegen die Freidenkeroerbände. Die weltlichen Schulen hätten immer mehr einen anti- religiösen Charakter angenommen. Trotzdem er­führen sie in einzelnen Gegenden eine Bevorzugung, die nicht zu dulden sei. Durch Aufhebung und Ein­gliederung in die allgemeine Volksschule könne eine Berührung mit dem christlichen Erziehungsgut wiederhergestellt werden.

Abg. Dr. Haupt (Nats.) führt aus: Die junge sozialistische Generation rücke von den sozial­demokratischen Führern ab. Ein junger Sozialist habe kürzlich erklärt, daß Sozialismus eine he­roische, aber keine lukullische Angelegenheit sei. (Sehr gut! bei den Nationalsozialisten. Abg. Kube (Nats.): Potsdam und nicht Schwanen­werder!) Das Zentrum zeige keine Toleranz gegenüber den katholischen Volksgenossen, die für Nationalsozialismus kämpften. Das Zentrum habe auch noch keine Antwort erteilt auf die Frage, ob es in Zukunft für Deutschland oder gegen Deutschland sein wolle. (Händeklatschen bei den Nationalsozialisten.)

Abg. Dr. Lauscher (Z.) erklärt, bei den Na­tionalsozialisten gibt es Persönlichkeiten, die eine fruchtbare Tätigkeit ihrer Partei für Staat und Volk zv sabotieren drohen. (Unruhe bei den Natio­nalsozialisten.) Wenn Sie einer großen Partei, die außerordentliches für das Volk geleistet hat, die deutsche Gesinnung absprechen, dann sind Sie Freo- ler am deutschen Volkstum. (Händeklatschen beim Zentrum.) Sie haben auch nicht das Recht den Sozialdemokraten den Vorwurf undeutscher Gesin­nung zu machen.

Abg. Veidt (Chrl. Soz.) weist die Angriffe gegen die Evangelische Kirche zurück. Aus den Kir­chen seien immer gerade die Kräfte entwachsen, die in sozialer und kultureller Hinsicht sich als die tra­genden erwiesen hätten, insbesondere in der Arbei­terschaft.

Der Redner wendet sich besonders gegen die weltlichen Sammelklassen und ermahnt das Zen­trum, nun durch Taten den Grundsatz friedlicher Zusammenarbeit der Konfessionen zu erhärten.

Abg. Peperkorn (Nats.): Es wäre nicht ein­mal mit dem Marxismus so rasch bergab gegangen, wenn er nicht antireligiös gewesen wäre. Staats-

Federmann.

Äon Hans Ttiefcau.

Die Schweiz.

Mücke will verreisen. In die Alpen.Komisch", sagt er, als er den Reiseführer studiert,komisch eigentlich, daß es so verschiedene Sprachgebiete in der Schweiz gibt. Der deutsche Schweizer kann den französischen Schweizer nicht verstehen, und der französische Schweizer nicht den italienischen ..."

Gewiß", nickt Federmann,und alle drei ver­stehen kein Wort von dem, was der sächsische sagt."

Günstiger Einkauf.

Fedcrmann geht in die Buchhandlung.Das Text- buch für die Oper Romeo" von Gounod". sagt er.

Der Buchhändler gibt ihm das Textbuch.Romeo und Julie" steht darauf,von Gounod".

Federmann liest den Titel.Ausgezeichnet", nickt er,da ist ja die Julie auch gleich mit drin."

Der Irrtum.

Federmann und Mücke kommen vom Sommer- fest. Federmann und Mücke gehen, Arm in Arm, durch die Straßen. Mücke summt leise vor sich hin, Federmann summt etwas lauter vor sich hin.

Hören Sie mal", sagt da ein Schutzmann,Sie dürfen nicht so laut sein, menq Sie nach Hause gehenI"

Haha", locht Federmann und schlägt dem Schutz- mann auf die Schulter,wir gehen ja noch lange nicht nach Hause."

Schwank.

Mücke trifft Federmann.Menschenskind", sagt er, ..wo kommst du her? Vom Frühschoppen? Du schwankst ja am hellen Mittag über die Straße. Reiß' dich doch gefälligst zusammen, zum Donner­wetter noch einmal!"

Ich?" fragt Federmann,ich und schwanken? Ich schwanke höchstens, ob ich mir solche Unverschämt, beiten vor dir bieten lassen soll."

Gegenteil.

Hör mal", fragt Mücke,haft du nicht früher einmal in Finsterwalde gewohnt?"

Im Gegenteil", sagt Federmann,in Lichterfelde."

Die Uhr.

Federmann hat einen Anfall von Kleptomanie gehabt. Federmann hat, er weiß selbst nicht wie, eine goldene Uhr gestohlen.

und Dolkserhaltung ist nur möglich, wenn man die religiösen Kräfte des Volkes einschaltet. Ich er­innere an die Befreiungskriege, wo auch der Ap­pell an dos religiöse Empfinden das deutsche Volk stark machte. Wir Nationalsozialisten dienen einer Bewegung, die noch dem Inneren des deutschen Menschen greift. Wir reißen erst die Lumpen von der Seele des deutschen Volkes. Wenn diese Lum­pen herobgefoilen find, dan wird vielleicht der Augenblick nicht mehr fern sein, wo auch der Leib des deutschen Volkes wieder gesunden kann.

Oie Kommunistenausschpeitungen in Moabit.

Berlin, 24. Juni. (TU.) Don der Berliner Polizei wird darauf aufmerksam gemacht, daß eine Reihe von Blättern über die kommunistischen Ausschreitungen in Moabit in einer Weise berichtet Hobe, die mit den Tatsachen in kei­ner Weise in Einklang zu bringen sei. Daß die po­litischen Zusammenstöße in Moabit nur lokale Be­deutung hotten, geht aus folgenden polizeilichen Ausführungen hervor: In der Nacht zum Don­nerstag ist aus einem ganz engen Bezirk von 23er- lin-Moabit das Straßenpflaster auf ge­rissen worden. Außerdem sind einige Ver­kehrshindernisse aufgebaut worden, die aber in keiner Weise den Ausdruck Barrikaden verdie­nen. Die Hindernisse seien auch als Schutzdeckung nicht geeignet gewesen. Die Polizei sei in allen Fällen Herrin de r Lage gewesen. In der be­treffenden Nacht seien 22 Personen, die sich an der Errichtung der Hindernisse beteiligt hatten, sofort nach Ankunft der Polizei fest genommen war- den. Den ganzen Donnerstag über sei es in der betreffenden Gegend zwar noch etwas lebhaft ge- wesen. Zu ernsten Zusammenstößen sei es aber nicht gekommen.

Nationalsozialistische Landtags­abordnung beim Reichsinnenminister.

Berlin, 24. 3uni. (LU.) Amtlich. Eine Ab­ordnung von Mitgliedern der national­sozialistischen Fraktion des preußischen Landtages begab sich am Freitag in später Abendstunde z u dem Reichsmini st er des 3 n n e r n, um ihm aus den verschiedenen Ge­bieten zahlreiche Fälle von Uebersäl - len auf Parteiangehörige mitzuteilen und darüber eingehendes Material persönlich zu überreichen. Der Reichsminister des 3nnern nahm die Beschwerden entgegen und sagte zu, sich urw- gehend mit der Landosregiierung in Verbindung zu setzen. Wie dieTU" hierzu ergänzend er­fährt, ist es unrichtig, daß die Nationalsozialisten dem Reichsinnenminister ein Ultimatum «ge­stellt hätten, wonach sie bei einer Nichterfüllung ihrer Wünsche zur Selbsthilfe greifen würden. Dagegen ist es richtig, daß sie in der Unterredung auf den vollen Ernst der Lage hingewiesen haben.

Kürzung her oberen Beamtengehälter in Anhalt.

Dessau, 24.3uni. (WTB. Funkspruch.) Das neue anhaltische 'Staatsministerium hat eine Not­verordnung beschlossen, die infolge der Kür­zung derMini st ergehälter a u f 1 2 0 0 0 Mark im 3ahre notwendig wurde. Danach werden die Gehälter der Ministerialdirektoren, Präsidenten, Ministerialräte so gesenkt, daß sie unter der 1 2 000-Mark°Grenze der Ministersätze liegen.

Litauens ersleAiederlage imSaag

Der Gerichtshof erklärt fich für zuständig.

Haag, 24. 3uni. (TU.) Der ständige 3nter- nationale Gerichtshof im Haag hat seinen Spruch in der Frage der von Litauen angezweifelten Zuständigkeit für die Entscheidung in den beiden letzten Fragen der Memelklage verkündet. Mit 13 gegen 3 Stimmen hat der Hof den li­tauischen Einwand verworfen und sich für die Entscheidung in dieser Frage für zu- ständig erklärt. Gleichzeitig hat der Gerichtshof

Ich verstehe Sie einfach nicht", schüttelt der Polizeikommissar den Kopf,haben Sie, als Sie die Tat begingen, denn nicht an Ihre Frau gedacht?" Wieso?" sagt Federmann,es war ja eine Her­renuhr."

Die Sabine.

Federmann macht eine Dampferreife.. Als er sich an Bord eingerichtet und sein Gepäck verstaut hat, gibt es Frühstück, und dann wird zum Mittagessen gelautet, und bann trinkt er einen Cocktail, und dann kann er feine Kabine nicht wiederfinden.

Haben Sie sich die Nummer nicht gemerkt?" fragt der Steward.

»Nein", sagt Federmann,aber sie lag genau gegenüber von einem Leuchtturm."

Ungeziefer.

Federmann und Mücke machen einen Ausflug. Abends, im Wirtshaus, verpassen sie den letzten Zug.

Wir müssen hier übernachten", sagt Federmann.

Ausgeschlossen", wehrt Mücke ab,in diesem Wirtshaus lege ich mich auf keinem Fall ins Bett." Ader warum denn nicht?" fragt Federmann.

Wegen des Ungeziefers", sagt Mücke und fängt schon an, sich zu kratzen.

.Komischer Kerl!" schüttelt Federmann den Kopf, was brauchst du Rücksicht nehmen auf Menschen, die hier später einmal übernachten?"

Oie schnellsten Züge.

Berlin Hamburg 96,1 Silometer Durchschnitt s- geschwindigkeit in der Stunde.

An demselben Tage da auf der Avus in Berlin das Internationale Autorennen des ADAC, statt­fand und Rekorde an Höchstgeschwindigkeiten vor einer Zuschauermenge von Hunderttausenden erzielt wurden, hat kaum beachtet von der Außenwelt auch die Deutsche Reichsbahn einen Rekord an Schnelligkeit zu verzeichnen gehabt, dem ein paar Worte zu widmen es sich wohl lohnt.

Ein Geschwindigkeitsvergleich der schnellsten deut­schen Züge in den letzten Jahren zeigt, daß die Deutsche Reichsbahn von einem Sommerfahrplan zum anderen stetig die Schnelligkeit des Personen- verkebrs in seinen Spitzenleistungen steigern konnte. In diesem Jahre weist der neue Sommerfahrplan Verbesserungen auf, die keinen Vergleich mit an- deren europäischen Eisenbahngesellschaften mehr zu scheuen brauchen. An der Spitze der schnellsten deut­schen Züge steht jetzt der Berlin Hambur- g er Hl). Zug, der für die 286,8 Kilometer lange

ben 9. 3uii als letzten Zeitpunkt bestimmt, bis zu dorn die litauische Regierung eine schrift­liche Darlegung über di« beiden Fragen einreichen kann. Bei diesen Fragen handelt es sich bekanntlich darum, ob die Ernennung des Direktoriums Sima>itis und die Auslösung des memelländischen Landtags ordnungsgemäß erfolgt sind. Mit der Entscheidung des Gerichtshofes hat Litauen die erste Niederlage in dem von England, Frankreich, 3talien und 3apan an- gestrengten Verfahren erlitten.

Revolution in Siam.

Das Ziel die konstitutionelle Monarchie.

Berlin, 24. Juni. (CNB.) DieVossische Lei­tung" veröffentlicht einen telephonischen 23 e richt der deutschen Fliegerin Marga v. Etzdorf aus Bangkok, wonach in der ver­gangenen Nacht in Siam eine Revolution ausgebrochen ist. Die königliche Familie fei gefangen genommen. Auf den Straßen von Bangkok jubele man den revoltierenden Soldaten und Matrosen zu, die sämtliche Straßenzüge besetzt halten. Ueberaü seien Tanks und Maschinen- gewehre aufgefahren: die Führung der Re­volution liege offensichtlich in den Händen der Volks- partei, der sich Militärtruppen und Marine ange­schlossen haben. Die Generalftabsoffiziers seien mit sämtlichen Mitgliedern der Regierung festgenom­men, der Oberkommandierende der Armee, als er Widerstand leistete, erschossen worden. Die Re­volution käme völlig überraschend. Bis zur Stunde sei noch nicht einmal der Name des Anfüh­rers bekannt. Es wurde die konstitutionelle Mon­archie ausgerufen. Ein Kriegsschiff ist angeblich nachHuahin ausgelaufen, wo der König und die Königin sich in der Sommerfrische befinden, um sie nach Bangkok zu bringen. Der Telegraphen- und Telephonverkehr ist teilweise unterbrochen. Dagegen sind Ruhe und Ordnung aufrechterhalten, und die Ausländer sind völlig unge­fährdet. Die Aufständischen wollen dem Verneh- men nach den Rücktritt des Kabinetts er­zwingen, die Prinzen ausschalten und die abso­lute Regierungsgewalt des Königs beschränken.

Die Sammlung des Bürgertums

Bis nach den Neichstagswahlen vertage.

Berlin, 24. 3uni. (CNB.) Vom Arbeitsaus­schuß zur Bildung einer zusammenfassenden bür­gerlichen Partei geht uns folgende Mitteilung zu: Das Streben einer Reihe führender Männer des deutschen Geistes- und Wirtschaftslebens, unter Zurückstellung aller persönlichen und Parteiinteressen zu einem geschlossenen Vorgehen der bürgerlichen Wähler zu gelangen, hat zu vielseitigen Verhandlungen des Arbeitsausschusses mit Vertretern verschie­dener Parteien geführt und Hunderte von zu­stimmenden Kundgebungen aus allen Teilen des Reiches zur Folge gehabt. Die Sammlung einer breiten, zum Kampf gegen Diktaturbestrebungen radikaler Massen entschlossenen nationalen staatsbürgerlichen Front ist die un­erläßliche Voraussetzung dafür, daß Volk und Reich aus den schweren wirtschaftlichen und kultu­rellen Stürmen der Gegenwart herausgeführt werden. Das unveräußerliche Erbgut einer ge­sunden Selbstverwaltung des Staa­tes muß durch die der Freiheit ihres Gewissens und ihrer Arbeit sicheren Bürger erhalten bleiben.__

Die Feststellungen des Arbeitsausschusses haben zu der Erkenntnis geführt, daß unter dem Druck der bevorstehenden Reichs­tagswahl das weit gesteckte Werk der ange- strebten Sammlung nicht zu einer der Zukunfts­bedeutung der Aufgabe entsprechenden Lösung gebracht werden kann. Weit über die Notwendig­keiten des Augenblicks aber steht dauernd das große Ziel der bürgerlichen Sammlung, die den Wählern eine geschlossene und kraftvolle Anteil­nahme am politischen Leben ermöglichen soll. Für dieses große Ziel wird die aus dem Ar­beitsausschuß e rwachsende Gemeinschaft einer ständig zunehmenden Zahl freier Persönlichkeiten des politischen, geistigen und wirtschaftlichen Le­bens ihre Bemühungen fortsetzen und a u s b a u e n, um für diejenigen Entscheidungen den Boden vorzubereiten, die nach der Wahl vom 3 1. 3 u l i das deutsche Bürgertum zum Schuhe seiner politischen Freiheit zu treffen be­rufen sein wird.

Aus aller Well.

Schwere Ausschreitungen bei einer Pfändung.

3n Gillenbeuren an der Mosel kam es zu schwe­ren Ausschreitungen, als ein Vollziehungs­beamter unter dem Schutz zweier Landjäger und eines Polizeibeamten Pfän dangen vor­nehmen und gepfändetes Vieh aus dem Stall holen wollte. Die Beamten wurden angegriffen und ihnen Sand in die Augen gestreut, so daß sie wehrlos wurden. Dann fielen die Ein­wohner mit schweren Gegenständen über die Be­amten her und schlugen solange auf sie ein, bis sie ohnmächtig lieg en blie b e n.

Sprengstoffanschlag auf eine Lehrerwohnung.

Auf das Haus des Lehrers Gerken in dem Dorfe Osteel (Hannover) wurde nachts ein Sprengstoff­anschlag verübt, und zwar warfen die Täter, nach­dem sie eine Fensterscheibe zertrümmert hatten, einen Sprengkörper insZimmer, der explodierte und in dem Raum erheblichen Schaden an Möbeln und Wänden anrichtete sowie auch die Tur demolierte. Ein Brand, der infolge der Explosion ausbrach, konnte gelöscht toerben. Per­sonen sind nicht zu Schaden gekommen. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Die Motive der Tat sind vorläufig noch unklar, da sich Lehrer Gerke in keiner Weise politisch betätigte.

Mieterschlacht in Idstein.

In Idstein (Taunus) wohnen im früheren Hotel Nassau, einem jetzt städtischen Hause, zahlreiche Mieter, unter denen es zu einer regelrechten Schlacht kam. Die Ursache ist anscheinend die Neueinteilung des zu diesem Hause gehörenden Hofraume. Kurz nach der Anordnung über die Räumung des Hofes

durch den städtischen Baubeamten, regnete es aus den oberen Stockwerken auf die unten Wohnenden Koch-undBlumentöpfe. Nach kurzem Wort­wechsel wurden dann die gegnerischen Parteien handgreiflich. Ochsenziemer, Scheintodpistole, Axt usw. spielten hierbei eine gefährliche Rolle. Gen- darmerie und Polizei stellten die Ruhe wieder her.

Ein Berliner Bauunternehmer unter Mordverdacht festgenommen.

Die Berliner Mordinspektion nahm den 35- jährigen Bauunternehmer Bruno Matthe fest unter dem Verdacht, seine Wirtschafterin durch Veron al vergiftet zu haben. Am 19. Mai wurde in seiner Wohnung seine erste Wirtschafterin mit schweren Veronalvergiftungs- erscheinungen aufgefunden und ins Krankenhaus übergeführt, wo sie bald daraus gestorben ist. Damals hieß es, das Mädchen habe Selbst­mord begangen. Matthe engagierte bald daraus eine neue Wirtschafterin. Gestern nachmittag wurde auch sie mit einer schweren Ve- ronalvergiftung ins Krankenhaus ein ge­liefert, wo sie in bedenklichem Zustand darnieder- liegt.

Schneefall bei Bologna.

Infolge von heftigen Niederschlägen und Gewit­terstürmen macht fich in Italien ein erheb- licher Rückgang der Temperatur be­merkbar. Auf dem Äppennin bei Bologna hat es sogar heftig geschneit. In mehreren Gebieten werden Ueoerschwemmungen gemeldet. Eine Wind­hose hat in der Nähe von Venedig fünf Häuser ab- geberft. Ein Zementstreifen von etwa 80 Kilogramm ist über 200 Meter weit geschleudert worden.

Strecke ohne Zwischenaufenthalt nur 179 Minuten, und von Hamburg nach Berlin 180 Minuten braucht. Die ganze Entfernung wird demnach mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 96,1 refp. 95,6 Kilo­meter in der Stunde zurückgelegt: die hierbei er­reichten Höchstgeschwindigkeiten liegen Zwischen 110 und 120 Kilometer. Die Steigerung der Geschwindigkeit ist durch eine Neu­regelung des Signalsystems ermöglicht worden, Die einem neuen Triebwagenoerkehr auf der Strecke BerlinHambura für den zur Zeit Versuche an­gestellt werden, dient. Die Durchschnittsgeschwindig­keit von 96,1 Kilometer in der Stunde auf eine relatio so große Entfernung darf wohl als eine Rekordleistung im Eisenbahnverkehr bezeichnet werden.

Wir lassen nachstehend eine Zusammenstellung ber schnellsten deutschen Züge im Sommerfahrplan 1932 folgen:

Berlin Lehrter Bf. Hamburg Hbf. 286,8 Kilo- meter in 179 Min. = 96,1 Kilometer-Stunden.

Breslau Königszelt 48,4 Kilometer in 31 Min. = 93,7 Kilometer-Stunden.

Hamm 176,5 Kilometer in 116 Min. = 91,3 Kilometer-Stunden.

A.T Hannover 254,1 Kilometer in 168 Min. = 90,8 Kilometer-Stunden. .

Halle 161,7 Kilometer in 107 Min. = 90,7 Kilometer-Stunden.

~ Bremen 122,1 Kilometer in 82 Min. = 89,3 Kilometer-Stunden.

Dortmund -- Hannover 207,5 Kilometer in 141 Mm. = 88,3 Kilometer-Stunden.

Die zur Zeit schnellsten Verbindungen auf große (Entfernungen sind: 1 D

* utsch l a n d: Berlin München rd. 660 Kilometer in 9 Stunden = 73 Kilometer-Stunden. ?erlm Königsberg rd. 590 Kilometer in 7% Stun­den = 79 Kilometer-Stunden. Berlin Köln rd 580 Kilometer in Stunden. Berlin - Franks furt a.M rd. 540 Kilometer In 6% Stunden - 80 Kilometer-Stunden.

3n 8 rankre ich: Paris Bordeaux rd. 590 Kilometer in 63/< Stunden = 87 Kilometer-Stunden ?°7QStiünmT Ä ^0 Kilometer in 6% Stunden ^nA9Jr °m1eter!5turn?zen- Paris - Straßburg rd. 500 Kilometer in 5K Stunden - 87 Kilometer- totunöen.

3n England: London Edinburg rd 630 Kilometer in 8K Stunden = 76 Kilometer-Stunden.

3n Italien: Rom Mailand rd. 665 Kilo­meter in 9K Stunden = 72 Kilometer-Stunden.

IIW»W« ............ raaamumm

Oie Männerstadt.

Die Engländer standen schon immer in dem Ge­ruch.speenig" zu sein: sie betreiben alles sports­mäßig, neuerdings sogar die Weiberfeindschaft. 3n der Nähe von Coventry ist ein großes Lager ausgeschlagen, ein richtiges Lager mit Holzhäu­sern und Zelten und allem Zubehör, auch der Stacheldraht fehlt nicht man könnte glauben, ein Kriegsgefangenenlager fei aus Versehen übrig geblieben und werde jetzt vielleicht zur Unterhal­tung und Belehrung öffentlich gezeigt. Aber der Stacheldraht, der um dieses seltsame Lager führt, soll nicht etwa die Bewohner des Lagers von Fluchtversuchen abhalten, sondern ganz im Ge­genteil: Eindringlichen soll der Zugang unmög­lich gemacht -werden. Unb zwar Eindringlingen weiblichen Geschlechts. Dutzende von Aufschriften zeigen nämlich, um was es sich hier handelt: um eine Gesellschaft von Männern, die keine Frauen bei sich dulden wollen. Keine Frau darf den Ein­gang zu diesem Lager passieren unter gar kei­nen Umständen. Die dreihundertzwanzig Mann, die das Lager bevölkern es werden übrigens von Woche zu Woche mehr! wollen mit dem weiblichen Geschlecht nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Das geht so weit, daß es in den Satzungen dieser Lagergenossen strengstens ver­boten ist, die Wörter Frau, Mädchen, Gattin, Braut usw. überhaupt zu gebrauchen nicht ein­mal gesprochen darf von den Frauen werden, auch nicht im abfälligen Sinn. Die englischen Blätter bringen Bilder aus dieser seltsamen Männerstadt, und ausführliche Berichte, und sie äußern mehr oder weniger deutlich die Meinung, daß die drei­hundertzwanzig freiwilligen Zölibatäre wahr­scheinlich deshalb von den Frauen nichts mehr wissen wollen, weil sie früher zu viel von ihnen gesehen und gehört haben. 3m übrigen soll es in dieser Lagerstadt sehr luftig zugehen. Die Männer kochen sich selbst, verrichten alle Arbeiten, auch die häuslichen, stopfen sich die Strümpfe und die Löcher in Hose und 3acke, unö versichern jedem, der es hören will: es geht auch so, und zwar ganz ausgezeichnet. Es ist ganz gut, meint ein sehr verbreitetes Londoner Wochenblatt, daß solcherart den Frauen einmal gezeigt wird, daß es auch ohne sie geht. Wir möchten übrigens wissen, fragte das Wochenblatt, wie die Gründung einer Frauen- ftabt unter den gleichen Modalitäten ausfallen würde. 3n der nächsten Nummer des Blattes anü wortete ein Leser: älnmöglich! Sie würden ein* ander schon in den ersten acht Tagen auffressen!

Der Mann ist für Coventry reif!