nr. 147 Srühausgabe
182. Jahrgang
Samstag, 25. Juni 1952
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Geringe Aussichten der deutsch-sranzöfischen Aussprache.
Oie Gegensätze prallen unvermifieli aufeinander. — Frankreich beharrt auf Fortsetzung der Reparationszahlungen nach einer Erholungspause.
C au (an ne, 24.3uni. (111.) Die zweite gemeinsame Sitzung der deutschen und französischen Ifiinifter, die um 17.30 Uhr begonnen hatte, wurde um 19.30 Uhr abgeschlossen, lieber den verlaus der Sitzung wurde folgende amtliche Verlautbarung her- ausgegcben.-
„Die deutschen und französischen Verhandlungen find am heutigen Freitagnachmittag weiter fort- g c s e h t worden mit einem Bericht des französischen Finanzministers GermainMartin. hieran hat sich ein Gedankenaustausch angeschtossen, der von dem gleichen Wunsch beider Seiten getragen wurde, gründlich alle Elemente des gestellten Problems zu prüfen. Die nächste gemeinsame deutschfranzösische Sitzung ist auf Montag nachmittag 16.30 Uhr festgesetzt worden. Ls ist vereinbart worden, datz jetzt unverzüglich Beratungen der Finanzsachverständigen der deutschen und französischen Abordnung stattfinden fallen, die die INontagsihung oorzubereiten haben."
Heber die beiden Sitzungen wird von zuständiger deutscher Seite darauf hingewkesen, datz die Verhandlungen im wesentlichen aus den Ausführun- Scn der deutschen und französischen Finanzminister estanden hätten, die die Gesamtlage in der Tri- bulfrag» beleuchteten. Der Reichsfinanzminister habe sich zunächst darauf beschränkt, darzulegen, wie sich die gegenwärtige Lage Deutschlands gegenüber den Feststellungen des Baseler Sachverständigenberichtes vom Dezember 1931 verschlechtert habe. Der Reichssinanz- minifter sah sich hierzu durch den Hinweis Her- riots veranlatzt, datz der Baseler Sachverständi- genbericht die Grundlage der gesamten Konferenzverhandlungen bilde. Demgegenüber habe Graf Schwerin-Krosigk den Rachweis gesührt, datz auf allen Gebieten der Wirtschaft eine wesentliche Verschlechterung in Deutschland eingetreten fei. Insbesondere hatten die in den Rot- verordnungen vom Dezember und 3uni neufeft- gesetzten Sähe für d i e Arbeitslo- fenunterftütjung einen Stand erreicht, der Anlaß zu schweren sozialen Spannungen geben müsse. Der Finanzm.nister wies hierbei auf die aützerordentliche Rotlage der deutschen Arbeitslosen hin.
Der französische Finanz Minister ist in feinem Bericht nur furz auf die deutschen Darlegungen eingegangen, hat in der Hauptsache die französische Tribut-These vertreten, nach der die gegenwärtige Notlage Deutschlands durchaus anzuertennen sei, doch würde mit dem Ende der Weltwirtschaftskrise auch die deutsche Krise ein Ende finden, so datz von einem gewissen 3 e i p u n 11 ab d i e Möglichkeit neuer deutscher Tributzahlungen und des Transfers dieser Zahlungen an die Gläubiger eintreten werde. Ferner würde nach französischen Auffassungen eine Einigung auf dem Tributgebiet zu einer allgemeinen Erleichterung und Erholung führen, so daß nach einer gewissen Pause eine Wiederaufnahme der deutschen Zahlun- gen in beschränktem Umfange durchaus möglich sei.
Die Verhandlungen sind bann bald nach kurzer Aussprache auf Montag vertagt worden, in der die Hauptfrage der grundsätzlichen Gegensätze zwischen der deutschen und französischen Tributauffassung geklärt werden soll, die darin besteht, daß die fron- zösische Regierung weitere Tributzahlungen verlangt, hingegen die deutsche Regierung erklärt, es könne keine weiteren Tributzahlungen mehr geben. Irgendwelche präzise Forderungen sind in den bei* den Sitzungen von französischer Seite nicht gestellt worden. Die Ausführungen Germain Martins trugen einen allgemeinen Charakter. Die weiteren Verhandlungen werden bis zur Montagssitzung jetzt zwischen den beiderseitigen Finanzsa ^verständigen geführt werden. Von der Einsetzung eines besonderen Studienausschusses für die Tributfrage ist abgesehen worden.
Wachsende Versteifung.
Herr ot vcrsci l eßt sich der wahren Sachlage
In deutschen Kreisen besteht der Eindruck, daß die stark geschwächte innerpolitische Stellung des Kabinetts Hcrriot den französischen Ministerpräsident zu immer schärferen und radikaleren Forderungen in der Tributfrage treibt. Die deutsche Regierung stößt in den gegenwärtigen Verhandlungen täglich auf neue Schwierigkeiten, da die französische Regierung nicht das geringste Interesse für die wachsende Bedrohung der gesamteuropäischen Wirtschaft und die außerordentliche Notlage Deutschlands zeigt und s i ch jeder Erkenntnis des wahr en Ernstes der heutigen Lage verschließt. Don deutscher Seite ist in allen Besprechungen immer wieder darauf hingewiesen worden, daß weitere Tributzahlungen unvermeidlich zu einem vollständigen Zusammenbruch nicht nur der deutschen, sondern d e r gesamteuropäischen Wirtschaft führen würden und daß die deutsche Regierung in der Tributfrage unter gar keinen Umftänben ein Kompromiß annehmen werde. Die ^anzösische Regierung muß somit über den deutschen Standpunkt in der Tributfrage jetzt endlich voll
ständig im Klaren fein. Trotz der an sich aussichtslosen Lage werden die Verhandlungen noch weiter fortgeführt.
Oie Engländer im Zwielicht.
Man gibt den Deutschen Zugeständnisse anheim.
Die Haltung der englischen Regierung in den letzten Verhandlungen muß als unklar bezeichnet werden.
Die englische Regierung hat nach dem ergebnislosen Verlauf ihrer direkten Besprechungen mit Hcrriot die deutsche Regierung über den Verlauf dieser Be- sprechungen unterrichtet, jedoch anheimgeftellt, möglicherweise durch Zugeständnisse eine Lösung der Tributfrage möglich zu machen! Auf deutscher Seite ist diese Empfehlung eindeutig zurückgewiesen worden. Man hat vielmehr geltend gemacht, daß die englische Regierung sich bisher auch gegenüber maßgebenden deutschen Vertretern auf eine vollständige Streichung der Tribute verpflichtet hatte und datz deshalb derartige Kompromißverhandlungen gqnzlich unverständlich erscheinen würden. Die Lage auf der Tributkonferenz spitzt sich immer mehr zu der FlAge zu, in welcher Weise wenigstens
nach außen hin eine formale Weiter füh- rung der Verhandlungen möglich ist. Die Verantwortung für einen Abbruch der Verhandlungen müßte ausdrücklich der französischen Regierung zur Last gelegt werden, die also auch für die dadurch unvermeidlich eintretenden wirtschaftlichen Folgen verantwortlich ist.
Oer Reichskanzler nach Berlin abgereist.
Lausanne, 24. Juni. (TU.) Der Reichskanzler von Papen verließ die deutsch-sranzösische Be- sprechung um 18.30 Uhr und begab sich direkt zum Bahnhof, um mit dem Baseler Schnellzug um 18.40 Uhr nach Berlin zu reisen, wo er am Samstag- nachmittag eintrifft. Der Reichskanzler wird im Laufe des Samstags noch dem Reichspräfi- deuten über bic Lausanner Verhandlungen Bericht erstatten und Sonntag abend wieder nach Lausanne abreisen. Der Reichskanzler empfing vor seiner Abreise hinter- einander den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, der am Freitagnachmittag in Lausanne eintraf, den österreichischen Bundeskanzler Dollfuß und oer- schiedene ausländische Journalisten.
Das (Steuerprogramm der MionalsoziaWeii.
Berlin, 24. Juni. (DDZ.) Die nattonalsozia- listische preußische Lanbtagsfraktion hat einen umfassenden Steuerantrag eingebracht, um, wie es in der Begründung heißt, schon jetzt die Grundlagefür die Aufbauarbeitder kommenden nationalsozialistischen Volksregierung sicherzustellen. Die Staatsregierung wird in dem Antrag ersucht, bei der Reichsregierung aufs dringendste vorstellig zu werden, um sofort eine Aenderung derEin« kommen st euer st affelung durch Rotverordnungen zu erreichen. Der steuersreieEin- kommensteil soll von 7 2 0 auf 2400 Mark erhöht werden, für Ehefrau und unterhaltsberechtigte Kinder von bisher 8 v. H. auf 12 v. H. und von bisher höchstens 600 Mark auf nunmehr höchstens 2100 Mark. Die Einkommensteuer bei Einkommen bis zu 8000 Mark soll von 10 auf 9 v.H. ermäßigt Werdern Die bisher 12,5proz«ntige Einkommensteuer bei Einkommensteilen von 8000 bis 12 000 Mark soll bestehen bleiben, während bei den Einkommensteilen über 1 2000 Mark eine Staffelung eintreten soll, die mit 20 v. H. beginnt und für den Einkommensteil über 46 OOO Mark a u f 80 v. H. steigt.
Ferner soll durch Reichsgeseh die volle Erfassung der Gewinne von Kapitalgesellschaften, insbesondere Großbanken, Trusts und Konzernen mindestens in Höhe der Versteuerung der einkommenssteuerpflichtigen Einkommen unter entsprechender Erhöhung der Körperschaftssteuer gewährleistet und durchgeführt werden. Die Staatsregierung soll bei der Aeichsregierung gegen die Kürzung der Rentenbezüge für Kriegsopfer, Sozialrentner und Erwerbslose protestieren und die
Richtdurchführung der letzten Rotverordnung verlangen.
Weiter besagt der Antrag, daß die gesamten Vermögen der seit dem 1. August 1914 eingewanderten Ostjuden als unsittliche Bereicherung einer produktiv nicht arbeitenden, sondern rafsen- den Rasse sofort restlos beschlagnahmt werden sollen. Sie sollen nach einem binnen drei Wochen dem Landtag vorzulegenden Gesetz der Arbeitsbeschaffung diensfbar gemacht werden. Das Vermöaen sämtlicher Parteibuchbeamten innerhalb Preußens in Staat, Kommunen und öffentlich-rechtlichen Körperschaften und älnternehmungen soll sofort sicher- g e st e l l t werden und daraufhin im einzelnen untersucht werden, wieweit es in Ausbeutung der Amtsstellung zu eigenem Vorteil erworben wurde. Soweit das festgestellt wird, soll das Vermögen unbeschadet der strafrechtlichen und disziplinarischen Verfolgung der Partcibuchbeamten in doppelter Höhe beschlagnahmt und der Arbeitsbeschassung dienstbar gemacht werden. Ebenso wie mit dem Vermögen der Ostjuden soll mit sämtlichen im Zusammenhang mit dem Darmat - und Sklarek» Skandal kompromittierten Persönlichkeiten verfahren werden.
3n feierlicher, an allen Anschlagsäulen zu veröffentlichender Aufforderung sollen die preußischen Minister ausgefordert werden, rückwirkend ab 1. Januar auf den 12 000 Mk. jährlich übersteigenden Teil ihres Gehalts zu verzichten. Schließlich soll die Staatsregierung bei der Reichsregierung vorstellig werden, daß die 2of>n ft euerer ft attung von 1931 sofort nachgeholt wird.
Annahme der Amnestievorfa^e im preußischen Landtag.
Berlin, 24. 3uni. (VDZ. Funkspruch.) 3m Landtag erfolgt die Beratung eines Berichtes des Geschäftsordnungsausschus'es, der die Ei nstel- lung'von Strafverfahren gegen Nationalsozialist ifche Abgeordnete vorschlägt. Abg. Meistermann (Ztr.) hebt hervor, daß es sich hierbei um etwa fünfzig Fälle von Strafverfolgungen nationalsozialistischer Abgeordneter handele, die eingestellt werden sollten. Cs sei sehr bedenklich, daß Kommunisten und Rattonalsozialisten im Geschäftsordnungsausschuß erklärten, sie wollten unter keinen Umständen d i e Immunität eines Abgeordneten aufheben lassen. Das würde ja bedeuten, daß der Abgeordnete jede Freiheit für sich in Anspruch nehmen köime. Das Zentrum werde sich an der Abstimmung über diese Vorlage nicht beteiligen.
Abgeordneter K u b e (Nationalsozialist) erklärt, seine Fraktion habe ausdrücklich betont, daß sie oon Fall zu Fall entscheiden wolle. Im vorigen Landtag aber habe das Zentrum nur die Immunität der Mitglieder der Oppositionsparteien aufgehoben. Hätte der preußische Iuslizminister nicht in den vergangenen vier Jahren bei jeder kleinsten Gelegenheit gegen oppositionelle Abgeordnete Strafantrag gestellt, so wäre die Opposition heute nicht zu einer solchen Abwehrstellung veranlaßt. Anderseits seien die schwersten Ehrenkränkungen gegenüber Führern der Oppositionsparteien von den Strafbehörden nicht verfolgt worden. Das Zentrum hätte sein Gerechtigkeitsgefühl vier Jahre früher Vorbringen sollen, statt mit dem Iustizminister seine politische Macht zu mißbrauchen. (Zwischenruf des Abg. Mei st ermann, Zentrum. Der Redner ruft dem Abg. Meistermann zu: ich »erbitte
mir Ihre dämlichen Zwischenrufe. Es gehört schon die dreiste Stirn eines Zentrumsmannes dazu, hier zu bestreiten, was man vier Jahre lang mit der Opposition im alten Landtag gemacht hat. — Händeklatschen bei den Nationalsozialisten. — Als Nationalsozialisten sich oon ihren Plätzen erheben und zum Rednerpult oorgehen wollen, vor dem Abg. Meistermann steht, ersucht Präsident Kerrl alle Ab- geordneten, die Plätze einzunehmen, worauf die Erregung sich etwas legt.) Glauben Sie nicht, meine Herren vorn Zentrum, daß das deutsche Volk sich Ihr Spiel noch weiter gefallen läßt. Ihre Gerichte haben bei jeder Gelegenheit nur politisch ent- schieden. Dazu kommt die überhebliche Frechheit, mit der die Staatsanwälte gegen uns oorgehen. (Präsident Kerrl: überhebliche Frechheit dürfen Sie Staatsbeamten nicht vor werfen.) Aus solchen Zuständen ist der Haß erwachsen, der sich nur daraus erklärt, daß das Zentrum seine Macht in der Justiz mißbraucht hat.
Abg. Mei st ermann (Ztr.) erklärt, der Abgeordnete Stube habe maßlose Angriffe gegen die Ju- stiz gerichtet (Rufe rechts: berechtigte!), auf die man nicht eingehen könne, da sie sich von selbst richteten. Er hat gefragt, warum in vier Jahren nicht ein einziges Mal die Aufhebung der Immunität eines Zentrumsabgeordneten beantragt worden sei. Wenn man sich in den anderen Fraktionen bemühen würde, sich im politischen Leben ebenso zu benehmen, dann hätten wir diese unliebsamen Debatten nicht. (Beifall Zentrum.» Den ungeheuren Vorwurf, daß wir aus parteipolitischen Gesichtspunkten zu diesen Fragen Stellung genommen hoben, weise ich zurück.
Abg. K u b e (Natsoz.) erklärt, wenn bei 6 Abgeordneten einer Oppositioncgruppe 61 Straf
anträge gestellt werden, bann sei das ein Beweis, daß es sich hier nur um politische Dinge handele. — Als der Abg. Schmelzer (Zentrum) widerspricht, , kommt es zu einer erregten Auseinandersetzung, in der Abg. Hube dem Zentrumsabgeordneten vorwirft, er gehe leichtfertig mit der persönlichen Ehre politischer Gegner um. Ost habe man Verhaftungen am lausenden Band vornehmen lassen, weil es darauf ankam, bei der schwachen Mehrheit der Regierung die Opposition zahlenmäßig zu schwächen. Das Reichsgericht habe in einem Falle direkt angenommen, daß das preußische Justizministerium in unzulässiger Weise ein- gegriffen habe. (Lebhaftes Hört! Hört! bei den Nationalsozialisten.) Darum ist eine Säuberungsaktion notwendig. Wir sind nicht so, wie wir von unseren Gegnern im Lande hingestellt werden. Sonst sähe Herr Gr.zesinski nicht mehr hier, der Adolf Hitler mit der Hundepeitsche aus dem Lande hinaustreiben wollte. Es gibt aber Grenzen, die man nicht überschreiten kann. Die preußischen Gerichte in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung sind die ungeeignetsten Verwalter des Rechts. (Händeklatschen bei den Nationalsozialisten.)
Der Antrag des Geschäftsordnungsausschusses auf Versagung der Genehmigung zur Strafverfolgung nationalsozialistischer Abgeordneter wird gegen die Stimmen der Regierungsparteien angenommen.
Abg. Dr. FreiSler (Ratfoz.) bringt hierauf einen Antrag ein, in dem erklärt wird, es sei in den Kreisen der Berliner Kriminalpolizei ossenes Geheimnis, daß der Berliner Polizei- Vizepräsident Bernhard Weiß Mit- Organisator undSchützer vonVerli- n e r S p i e l k l u b s sei, an denen er geldlich interessiert fei und in denen er mitsplele (Stürmisches Hört, hört! rechts.) Der Redner beantragt die sofortige Einsetzung eines Unter- suchungsausschusfes zur Prüfung dieser Vorwürfe. Der Ausschuß solle den Ramen führen: »Chikagoausschutz Bernhard Weiß". Außerdem beantragten die Rattonal- sozialisten das Verbot aller SpielklubS. Der Ausschuß wird eingesetzt: er besteht auS 29 Mitgliedern.
Fortsetzung der Kulturdebatte.
ES wird nunmehr die Aussprache über die Anträge zu den Kulturfragen fortgesetzt.
Abg. Lauscher (Z.) erklärt, der nationalsozialistische Abgeordnete Haupt habe recht, wenn er die Weltanschauung als das tragende Fundament einer jeden Kultur bezeichne. Mindesten- müsse die grundlegende Stellung der RSDAP. zur Kulturpolitik klar herausgearbeitet werden, weil sonst eine bis zu einem gewissen Grade hoffentlich noch mögliche Verständigung wenigstens auf dem Gebiete des Geistigen nicht erzielt wird. Insbesondere sei eine Erläuterung dcS Begriffes vom positiven Christentum notwendig, wie es die Rationalsozialisten ausfaßten. Man müsse auch wissen, ob unter der christlichen Schule, die die Rationalsozialisten als Zwangseinheitsschule des künftigen Staates verwirklicht wissen wollen, die Bekenntnisschule zu verstehen sei, oder ob diese christliche Schule des Rational- so^ialismuS versuchen werde, eine über den Konfessionen gelegene höhere Ebene zu erreichen. Aus die Dauer könne man gewisse Dinge nicht in gewolltem Zwielicht halten, und es sei unmöglich, den Schulaufbau des nationalsozialistischen Staatswesens wie eine Katze im Sack entgegenzunehmen.
Die politische Zusammenarbeit des Zentrums mit anderen Parteien habe mit der Gemeinschaft der Gesinnung nicht das geringste zu tun. Cs müsse möglich sein, über weltanschauliche Gegensätze hinaus zu einer gewissen Gemeinsamkeit des politischen Handelns zu kommen, sonst werde der neue Staat, den die Rattonalsozialisten auf* richten wollten, identisch sein mit dem Ende von Staat und Volk. Allein in Deutschland sei es möglich, daß ein Deutscher dem anderen die na* tionale Ces Innung abspreche. Das Ringen um die eigene Weltanschauung dürfe nicht dazu führen, daß eine andere Weltanschauung verhöhnt werde.
Oie Abstimmungen.
Auch der kommunistische Tteuerantraq für E «kommen über 120(10 Mark angenommen hierauf beginnen die Abstimmungen. Die Amnestievorlage wird in dritter Lesung und in der Schlußabstimmung mit den Stimmen der Rechtsparteien und Kommunisten angenommen. Bon der Straffreiheit ausgeschlossen sind Landesverrat, B errat militärischer Geheimnisse, Brandstiftung, vorsätzliche Gefährdung eines Eisenbahntransportes, Berbrechen gegen das Leben, schwere Körperverletzung, schwerer Raub und diejenigen Berbrechen gegen das Sprengstoffgeseh, aus deren Folge Menschen schwer verletzt oder getötet wurden oder erheblicher Sachschaden entstand. Auch Meineid und Bergehen gegen die Religion werden nicht amnestiert. Amnestie wegen Bergehens aus wirtschaftlicher Rot soll nur gewährt werden, falls die betreffenden Personen bei Begehung der Tat nicht einschlägig und nur geringfügig vorbestraft sind.
Ein angenommener Antrag zur Arbeitsbeschaffung wünscht, daß irn Benehmen mit ban Reich ein umfangreiches Arbeitsbeschaffungs- Programm durchgeführt wird. Durch eine Beseitigung der anonymen Kapitalsgesellschaften und scharfe staatliche Kontrolle des Dank- und Börsenwesens soll die verantwortungslose Spekulatton mit den Volkswirt-


