Nr. 120 Zweites Blatt
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Blumen und Blüten im Lichtbild.
Von Walther Appell.
du den schönsten und dankbarsten Ausgaben, die der Frühling und der Sommer dem Lichtbildner stellen, gehört das Gebiet der Dlumenphotogro- phie. Es birgt gewiß manche Schwierigkeit in sich, lohnt aber die ausgewandte Mühe mit s rohem Gedenken an sonnige Sommerstunden, das noch in trübe und kalte Wintertage leuchtet. Voraus- fctzung für ein gutes Gelingen von Blumen- und Dlütenausnahmen ist neben dem phototechmschen Eifer und Wissen die Liebe zur Batur und die ein- I fühlende Verbundenheit mit ihren Erschcinungs- p formen in aller Mannigfaltigkeit.
■ Das Thema .Blumen und Blüten" läßt sich I' photographisch von verschiedenen Seiten an- 1 Pocken Selbstredend handelt es sich hier nicht um
die Ausstellung eines starren Systems, sondern Inur um eine notwendige Ordnung, zwischen deren
Gruppen Liebergänge und Verbindungen gut möglich sind. Meist werden Blumen und Blüten im Lichtbild des Photoliebhat^rs Stimmungsträger oder Stimmungssaktoren sein Mit andern Worten die Blume wird als Erlebnis des fühlenden, Nicht so sehr des. denkenden Menschen. Sic kann dazu an ihrem natürlichen Standorte stehen, und fcirb oft überhaupt landschaftlich ersaht werden Dotterblumen und Anemonen am Bach. Weg- warte am Feldrain. Kornblumen im Aehrenseld, ganze Wiesen mit Margeriten oder Glockenblumen. Auch blühende Bäume, z B. Kastanien oder Obstgärten und Alleen sind hier zu nennen, die oft . Den Begriff „Blütenslor" noch überzeugender um- schlief?en, als ein einzelner Zweig cs könnte. Gilt aber die Ausnahme nur einem Blütenzweig oder einer Blumenpslanze, so wird der aus Stimmung bedachte Lichtbildner sein Motiv persönlich zu er- fassen streben mit den glitzernden Perlen des Morgentaues, im Gegenlicht, sonnenbeschicnen vor schattigeni Hintergrund. Hier sei auch die Ge- pslogenheit vieler Lichtbildner erwähnt, nur auf dos Bildwichtige bei aan^ offener Blende scharf einzustellen Dann wird alles andere unscharf und läßt die Blume oder den Blütenzwcig klarer hervortreten Beliebt und ratsam ist dies bei Aufnahmen in natürlichen Farben (Autochrom-Auf- nahmen)
Sinngemäß gilt alles Gesagte ebenso für den Blumenstrauß daheim in der Dale oder für die Zimmerblume am Fenster 3n beiden Fällen kann
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der fortgeschrittene Lichtbildner schöne Wirkungen erzielen, wenn er die Spiegelung des geöffneten Fensters mit auss Bild bringt. 3m Zimmer ist es auch leicht, durch Abdecken der Linse bei
I Gegenlichtaufnahmen zu vermeiden. daß die I Sonne von vorn in den Apparat scheint und das , Bild häßlich verschleiert. Seitliche Aufnahmen n von Blumen am Fenster sollten nicht ohne Licht- I1' fchirrn (weißes Tuch oder Pappe) gemacht werden,
i der von der dunklen 3i mm er feite ber Licht zurück- toirft und harte Unterschiede zwischen Hell und Dunkel mildert
Als Aufnahmematerial kommen für alle bisher genannten Bilder nur orthochromatische Platten in Frage, die meist noch durch Gelbfilter unterstützt werden müssen. Für blaue Blumen cmp- ; fichlt sich die Anwendung eines starken Filters । bei entsprechend längerer Belichtung, da sonst der dindruck weißer Blüten entsteht Am farbrichtig- fttn kommen auch ohne viel Hilfsmittel die aus- peglichenen Motive, z. B Heckenrosen, Gruppen von Pechnelken, Stauden vom Fingerhut, der Lupine usw. Bote, gelbe und auch weiße Blüten tdiese wegen der seinen Schattierungen und der gelben Staubgefäße erfordern immer daS geeignete Aufnahmematerial
Fast noch anspruchsvoller sind jene Arten von Ausnahmen, die sachlich-wissenschaftlich eine , Blume oder Blüte nicht als Stimmungsmoment entfallen wollen, sondern als botanische Erschci- rungssorm. Zu ihnen wird meist doppelter Doden- epszug nötig fein, damit annähernd natürliche Größe erzielt wird, oder eine gute Vergrößerung muß das hinterher erreichen. Denn für wiffen- f schaftlichc Betrachtung kommt es auf die gc-. ‘»neue Wiedergabe charakteristischer Einzelheiten or (Form der Staubgefäße ufw r Um aber nicht | nur einzelne Teile scharf zu bekommen, ist hier im
Neue Arien des Antriebs.
13tm Or Oelmul Thomasius
Sie Rakctenfahrzcugc und Raketenflugzeuge haben insofern wie Raketen gewirkt, als fie eine neue Erleuchtung brachten. Böch wiffen wir nicht, wchin der Weg führen wird, ob wirklich einmal die Zeit kommt, wo man in Bruchteilen einer ötunbe über Weltmeere hinweg von Erdteil zu Erdteil, ober wo man gar nach fremden Welt- sörpern fliegt. Allüberall wird noch erprobt, ent- toorfen und gerechnet Aber weit über den Kreis der unmittelbar mit dem Baketenverkchr zufaminenhängenden Fragen ist uns ein Licht darüber ctfgcgangen. daß hier noch eine Energiequelle vorhanden ist. die wir bisher noch nicht genügend orsgenuht haben. Sick Energiequelle ist der Rückstoß.
Denn wir ein Gewehr abschießen, treiben die Bulvcrgafe die Kugel vomc zum Lauf hinaus. 5e dehnen sich nach allen Seiten aus und finden hinten keinen Ausweg. Sie nach dieser Richtung crsgeübte Kraft empfinden wir als einen Stoß regen untere Schulter Scr Büchstoß tritt überall auf. wo die Verhältnisse ähnlich liegen wie beim Bewehr. E-s brauchen durchaus nicht unbedingt Bote zu fein, die ihn hcrbciführcn Auch -Flüssigkeiten können feine Entstehung bewirken. Er wird hauptsächlich dazu benutzt, um bestimmte Arten von Turbinen in Umdrehungen zu verletzen. Außerdem dient er noch zu einer Anzahl von bvnderzwecken
Die Rakete. gleichfalls durch den Rückstoß der in ihr sitzenden und zur Explosion gebrachten Ladung in die Höhe geschleudert, hat den Sekanten nahe gelegt, ob man den hier wirksamen Rückstoß nicht auch dazu verwerten könne, um sshrzcuge und für Derkehrszwecke geeignete, in d e Höhe gescholtene Körper anzutreiben. Von h er aus gehen die Gedankengängc weiter. Reue lüiwendungsgebiete für den Rückstoß werden gc- ruj)t und darüber hinaus ist die ganze Frage kV« An t riebs ms Rollen ch-kvnimen
-Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Aus Natur und Technik.
Gegensatz zu vorhin möglichste Tiefenschärfe durch Abblenden geboten. Eine Betonung des natürlichen Standortes der Pflanze kann auch hier in Detracht kommen, aber ebenfalls aus fachlichen und weniger aus stimmungsmähigcn Gründen. Baute an altem Gemäuer, Mauerpfeffer auf Felsen oder Ilmmallungen, Wollgras tm Sumpf, Wafferhahnenfuß oder Frofchlefelkraut in fließendem oder stehendem Gewässer ufw.
Der Photofportler. der zugleich Aaturfreund und -fenncr ist, kann damit wichtige Arbeit aus dem Gebiet des Heimatschuhcs und Pflanzenschutzes leisten, indem er gute und kennzeichnende Aufnahmen selten gewordener oder in bestimmten Gegenden schon vom AuSsterben bedrohter Pflanzen und Blumen macht. Schulen, Sammlungen usw »erben daran oft Interesse haben, ebenso Zeitschriften. Auch Bilderwettbewcrbe gibt es für diese Motive oft
Für all diese Arten von Blumen- und Blüten- bilbem werden meist nur kurze Momentbclichtun- gen geeignet fein, da Pflanzen oder ihr Hintergrund in der Qlatur fast immer bewegt find Doch kann bei Heller Sonne und hoch- oder höchstcmp- findlicher Platte trotzdem bis in die mittleren Werte abgeblendet werden. Damit ist auch gesagt, daß nicht unbedingt ein sehr teurer Apparat für Dlumenaufnahmen Bedingung ist Dagegen wird Dcrwendu'ig des Stativs nur selten zu entbehren fein, schon wegen der zuverlässigen Scharfeinstellung. Lieberhaupt wird cs sich bei dem. wovon wir reden, allermeist um bedachtsam vorbereitete Aufnahmen handeln, seltener um rasche Schnappschüsse im Lorübergehen
Sowohl im Freien als auch daheim können die andern Arten von streng sachlich gesehenen Blumenbildern gemacht werden Sic stellen sich aus Freude am bildnerischen Können der Aatur Themen wie diese- der Stern der Margerite, das Filigran des Schierlings, das Wundergebilde der Rose, die tränenden Herzen der Hcrzblume, die Plastik der Tulpen ober der Schneebälle, die Bizarrerie der Lippenblütler und der Orchideen. . Hierfür wird durchweg ein Photographieren mit
ruhigem, neutralem Hintergründe gewählt werden, vielfach in der Aufsicht, damit daS Beabsichtigte stärker zur Geltung kommt. Siele Gruppe von Blumen- oder Blütcnbildern kann überdies auch praktische Bedeutung erlangen, denn sie eignet sich direkt ober indirekt gut als Vorbild für kunstgewerbliche Muster oder weibliche Handarbeiten.
Aur der Vollständigkeit halber fei erwähnt, daß Blumen und Blüten gern als schmückende Beigaben zu Personenaufnahmcn verwandt werden, doch muh das mit Geschmack und eigentlich nur im Freien geschehen
Das Wendegefühl.
Ein neuer menschlicher Sinn.
Von prof. Or. E. Everling, Berlin.
Seit über dreißig Jahren kann der Menfch fliegen. 3m letzten Zehntel dieser Entwicklung lernte er auch durch Wolken und Bebel, ohne Sicht der Erde, fliegen, aber seit der tausendfachen Zeit trägt er eine bisher nicht erkannte Fähigkeit mit sich, die er erst bei diesem Bebel- flufl richtig verwerten kann Kursänderungen, Kurven, Wendungen, die sonst nicht wahrgenommen werden, durch einfache Kopfbewcgungcn feft- zustetten
3m Allgemeinen orientiert sich der Flieger ja lediglich mit feinen Augen Sa bei geben ihm das Druckgefühl seines „Sitzfleisches" und der GleichgcwichtSsinn im inneren Ohr einen ungefähren 3nhalt dafür, ob er bei einer Kurve die richtige Schräglage hat Das Flugzeug muß sich ja genau wie em Fahrrad oder Auto im Bennen, wie ein Schlittschuhläufer oder ein Eilen- bahnzug in die Kurve legen Dabei wirken die Zentrifugalkraft und die Schwerkraft zusammen, so daß der 3nsasse vermeint, waagerecht zu sitzen, während in einem schnellfahrenden Zuge die benachbarten Häuser und Schornsteine, im Flugzeug Erde urtb Himmel schräg zu stehen scheinen.
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Links: Das Brückenprojekt über den Slorstroni, das an die Stelle der Fährverbindung Masnedö—Dre- hooed zwischen Seeland und Falster treten soll. Oben rechts: Situationsplan für die durch den Brücken- neudau erschlossene Derkehrsoerbindung. Unten rechts: Die geplante Storström-Brücke in ihrer gesamten Ausdehnung.
Das dänische Parlament berät ein großes Eisenbahnbrückenprojekt, dessen Unkosten sich auf 75 Millionen Kronen, die auf 9 Jahre verteilt werden sollen, beziffert werden. Der Gesetzentwurf sieht den Bau einer Hochbrücke über den Storström vor, deren Länge mit 3300 Meter die aller anderen europäischen Brücken übertreffen wird Die Brücke soll neben den Eisenbahnlinien auch eine Autostraße ausneh- men, und so die Verbindung auf der Strecke Kopenhagen—Warnemünde bedeutend beschleunigen
ilnfcr den an Zahl ständig zunehmenden Bemühungen. den Rückstoß auszunutzcn verdient seine Lösung dieser Frage deshalb besondere Beachtung. weil üe schon in kürzester Zeit den Bc- weis erbringen soll ob sich die an sic geknüpften Hoffnungen erfüllen ober nicht. Ein aus Dänemark stammender Erfinder hat ein Boot gebaut, mit dem er auf Flüssen gute Erfolge erhielte Gr will jetzt damit über den Atlantischen Ozean von Amerika zunächst nach England und dann weiter nach Dänemark fahren. Von der Art biefes Bootes können wir uns am besten einen Begriff machen, wenn wir uns ein Flachboot vorstellen. in daS ein beträchtlich vergrößerter Apparat in der Art der bekannten del- trifchcn Haartrockner eingebaut ist. Ser Haartrockner stößt einen Luftstrom durch ein Bohr hinaus. Sas gleiche getchieht im Boot Das Boot hat unten an seinem flachen Boden drei Kiele und zwilchen ihnen zwei lange Schlitze, also eine Art von Böhren, die von vorne nach hinten führen Siele Schlitze sind dem Ausstoßrohr des Fön zu vergleichen Sie ausgestoßene Luft strömt durch sie aus und entweicht am Heck Durch den Ausstoß wird das Boot in der cntgegcngdehen Bichtung. allo nach vorwärts getrieben und zwar mit beträchtlicher Schnelligkeit Das Probeboot fuhr mit sechs Pferdestärken auf dem Hudson- Fluß. Sas neue, bereits fcrtiggcftcHtc Ozean- boot besteht aus Leichtmetall und ist mit einem zum Antrieb des Föns dienenden Motor von etwa über 100 Pferdestärken ausgerüstet. Der Erfinder hofft damit in weniger als vierundzwanzig Stunden von Amerika nach England zu kommen. Sabel ist eine Drehzahl des Fönrades von 10 000 Umdrehungen in der Minute zugrunde gelegt.
Aber auch im Flugzeug will man neue Kräfte nutzbar machen. Hier herrschte lange Zeit ausschließlich der Benzinmotor. Hierauf kam der Schwerölmotor jetzt ist man, vielleicht angeregt durch den Gedanken an die Ausnutzung des Rückstoßes, bei der Turbine angelangt und zwar bei ber Dampfturbin e. 3m ersten Augenblick ntog es merkwürdig anmuten, bah
man in ein Flugzeug Dampfkessel unb Dampfmaschinen. wenn auch bie Gestalt ber Dampfturbine. einbauen soll. Sie im Flugzeug arbei- tenben Maschinen sollen bei möglichst geringem Gewicht eine möglichst hohe Leistung ergeben. Sampfkefsel unb Dampfmaschinen können wir uns gar nicht anbcrs als zu schwer für Flugzwecke vorstellen. Lokomotiven, selbst Turbincnlokomo- tiven. im Flugzeug erscheinen uns undenkbar. Der aber ber nunmehr mit ben Vorbereitungen zum Bau eines Sampsturbinenflugzeuges begonnen hat. ist ein alter Flieger, Flugzeug- unb Maschinenbauer. Er ist feit Jahrzehnten auf bi eien Gebieten mit großem Erfolg tätig unb hat sich einen bcbcutcnben Bamen gemacht Das bereits auf Stapel gelegte Flugzeug wirb mit einer Turbine von über 2000 Pferdestärken ausgerüstet werden Es wird sich äußerlich von ben bisher gebrauchten Typen in keiner Weile unterscheiden. Der Kefsel kommt an eine geeignete Stelle des Fahrgestells zu liegen unb wird mit C'elfeuerung verletzen fein. Die Turbinen bieses neuen, von Flugkapitän A. E. Richardson erdachten Flugzeuges werden unmittelbar hinter den beiden Propellern sitzen Große Waffer- vorräte kann man in einem Flugzeug nicht mitführen. Deshalb wirb ber Dampf, nachdem er bie Turbine in Umdrehungen verletzt hat. in eigenen Verdichtern wiederum zu Walser verdichtet, das in ben verhältnismäßig kleinen Kelle! zurück- strömt, um hier von neuem in Dampf vcrwanbelt zu werden. Ser Kreislauf des Dampfes vollzieht lich vollkommen selbständig. Es ist kein Heizer und auch fonst niemand zur Bedienung vorhanden. Alles, was zu tun ist. um die Verbrennung zu regeln und den Dampfdruck puf der richtigen Höhe zu halten und fonst den Betrieb zu einem sicheren zu machen, geschieht vom Führerstande aus. Die Geschwindigkeit des Flugzeugs wird durch Ventile in ben Dampfzuleitungen geregelt. die gleichfalls vom Führersitz aus betätigt werden. Die Turbinen werden aus Leicht- metall hcrgestellt Dadurch wird die hauptsächlichste Forderung erfüllt, um die es fich bei Antrieb handelt nämlich höchste Leistung bei gc-
Mittwoch, 25. Mai 1952
Diese Illusion ist schon bann zwingend, wenn man sich ferner Augen bedienen kann, in viel höherem Maße aber beim Bebelflug, wenn man weder ben Horizont noch eine waagerechte Wolkenbank erblickt 'Sann lann der Flieger nicht mehr feftftellen. ob er lich im ungestörten Geradeaus- flug ober, mit richtiger Schräglage, in einer Kurve befinbet. Bei einer solchen ungewollten Kurs- änberung beginnt der Kompaß zu ..laufet»1', so bah man nach seiner Anzeige nicht mehr geradeaus zu steuern vermag Sie Folge ist ein unbeabsichtigtes schräges Abrutschen das bei tiefhängenden Wolken ober Bebelbänken zu Unfällen führen kann
Sie hochentwickelte 3nstrumententechnik hat dem Flieger nun eine Beihe von Hilfsmitteln beschert. bie meist auf der Verwendung des Kreisels beruhen unb entweder bie wahre Beigung ober bie Kursänderung anzeigen Gewöhnliche Pendel oder Wasserwaagen sind ja hierzu ebenso wenig brauchbar wie das ..fliegerische Gefühl" dcS Menschen selbst, d h. der bisher bekannte Gleichgewichtssinn.
Wie aber, wenn solche Hilfsmittel einmal versagen ober aus irgendeinem Grunde nicht verfügbar fein sollten? Sann hilft dem Flieger eine ne i entdeckte Form des natürlichen Fluggcfühls. Vei meinen Versuchen, sie zu finden und der Flugsicherung dienstbar zu machen, ging ich von der Lieberlegung auS. daß auch der Kopf des Menfchen, nämlich fein Gleichgewichtsgefühl und feine Empfindlichkeit für Verlagerungen des Kopf- inhalteS, die gleiche Kreifclwirkung aufweisen müssen, wie die als Wendezeiger bekannten Meßgeräte. Man braucht zu diesem Zwecke z B nur ein kurzes Hin- und Herwiegen deS Kopfes auszuführen.
Wenn dos Flugzeug eine Kurve macht, bat man alsdann etwa die Empfindung, als ob die gegenüberliegende Kabinenwand sich abwechselnd höbe und senke, und zwar hebt sie sich scheinbar, wenn man beispielsweise, in der Rechtskurve den Kops nach rechts bewegt. Das nachfolgende Senken. daS durch ein anschließendes Links- wiegen des Kopses beroorgerufen wird, läßt erkennen, daß es sich hier nur um eine Schem- empfindung handelt Dadurch gewinnt man eine beutlidjc Llnterfcheidung von einer wirklichen Schräglage oder Drehung des Flugzeuge« gegenüber seiner jeweils richtigen Stellung Diese ilebcrlegungen, die man auch auf den kurvenreichen Strecken der Untergrundbahn ober anderer Schnellfahrzeuge bestätigen kann, wurden zuerst in einer drehbaren, völlig verschlossenen Kammer, sodann in einer ganz verhängten Flugzeugkabine an verschieden gearteten Versuchspersonen nach- geprüft. Bach anfänglichen Mißerfolgen gelang es. sehr genaue Angaben nicht nur über die Richtung. sondern auch über die ungefähre Größe der Drehungen nach rechts ober links zu erhalten unb diese vom GeradeauSflug deutlich zu unterscheiden
Die so bestätigt» Empfindlichkeit für Wendebewegungen kann durch Uebung gesteigert werden. Es gelang in einigen Fällen ganz langsame Kurven, die bis zu drei Minuten für eine volle Drehung erforderten, vom Geradcausslug zu unterscheiden. 3n der Drchkammer gelangten einzelne Versuchspersönen zu noch höherer Empfindlichkeit bei der Angabe von Drehungen im Gegensatz zum Stillstand. 3m Flugzeug wird man zwar durch Böen und andere Einflüsse der Bewegung im Luftmeer etwas abgelenkt; doch spielt dies beim Fluggewohnten keine Bolle, vielmehr ist im Flugzeug die Empfindlichkeit gerade gegenüber dem seitlichen Wiegen dcs Kopfes höher, weil die Achse der wirklichen Fliigzeugdrchung senkrecht im Baum steht, also die Kopfbcwcgung an verschiedenen Stellen ihrer Bahn wechselnd starke Empfindungen auslöst, da die Drehachse im Verhältnis zum 3nfaffen seitlich schräg steht.
Damit ist also eine Fähigkeit des Menschen entdeckt worden, die er zwar bei verschiedenen Gelegenheiten- beobachten kann, die ihm aber erst in ber ungewohnten dritten Dimension, unb aerobe bei bem von ben meisten Flugtieren gc- miebenen Bebelflug ohne Augenverbinbung mit ber Erbe, von wirklichem Butzen ist unb in kritischen Fällen sogar bie Bettung bebrütet!
ringftem Gewicht Mit biesem Flugzeug wird eine Frage angeschnitten, die vielleicht in weitem Maße neugcftaltenb auf bie Zukunft bes Flugverkehrs wirken kann
Auch bei Schiffen sucht man neue Formen be« Antriebs, von denen man mancherlei Vorteile erhofft. 3m Vordergründe steht gegenwärtig der elektrische Antrieb. Während früher die Maschine unmittelbar auf die Schiffsschraube arbeitete, wird jetzt ein elektrischer Kraftwerk dazwischen geschoben. 3rgcnbeine Maschine treibt die Stromerzeuger an. Der Strom wird dazu verwendet, um Elektromotoren zu speisen, die bie Schrauben in Umdrehungen versetzen. 3e nachdem die im Kraftwerk zum Antrieb der Stromerzeuger verwendete Maschine eine Dampfmaschine ober ein Dieselmotor ist. unterscheidet man dampfelektri- fchen, turbinenelektrischen, dieselelektrischen und eine Beihe sonstiger Arten von Antrieben. Das Bemerkenswerte an bietet ganzen Entwicklung ist. daß man sie anfangs nur für kleinere Schiffe geeignet hielt. 3etzt plötzlich geht man zu immer größeren Leistungen über Auf 17 000 Pfcrbestärken folgten 28 000 unb bald toirb man vor- ausllchtlich von noch größeren Leistungen hören.
Dabei geht bie Suche nach neuen Antriebsarten immer weiter. Bor einigen Fahren schlug ber bekannte Physiker George Elaube vor, ben Temperaturunterfchieb zur Kraftcrzeugung auszunutzen, ber in tropischen Gegenden zwischen dem an der Oberfläche des Meeres unb dem in der Tiefe befindlichen Wasfcr herrscht. Ein anderer bekannter Physiker. Bikola Tesla, hat dielen Gedanken weiter ausgebaut. Er hat ein Schiff entworfen, bei bem Unterschiebe der Was'ertemperatur dazu verwertet werden, das Fahrzeug vorwärts au bewegen. Man muß a"ch hier zi/ehen. wie sich dieser Gedanke weiter entwickelt. unb was daraus werden wird. 3ebenfall« muß cs als ein Kennzeichen unserer gegenwärtigen technischen Entwicklung bezeichnet werden, baß man überall an bi« Stelle der alten Antriebe neue Arten zu fetzen verfocht.


