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LUDWIG.

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Nachdruck verboten!

23. Fortsetzung.

.Fahr nicht mehr mit dem tollen Grasen allein in die Stadt, Ernst!"

Olein, kleiner Schlaumeier. Ich werde das nicht mehr tun. wenn du lieb und nett bist und keine scheußlichen Launen mehr hast. Ich bin um den Finger zu wickeln, aber nur im Guten, kleine Frau 3m Dösen trumpft mein Pommerscher Dick­schädel auf, und du ziehst den kürzeren. Aber sag mal, Trautelchen, es ist doch viel besser, wrr vertragen uns nun für immer?"

Sie schlang die Arme um seinen Hals.

3a, abgemacht." .. _ *

Da hob er sie zu sich empor und küßte sie Hertz. Dazwischen flüsterte er:

Weißt du. eigentlich ift'8 schade, daß Wir zu Lüderitz' müssen. Hier wäre es doch nun eigent­lich sehr gemütlich gewesen."

3a, aber es geht nicht gut. daß wir absagen. Wir haben keinen Grund, und sie warten doch."

3a, sie warten", sagte er zwischen den Zähnen, blickte auf seine Schwägerin und stellte seine kleine Frau auf die Füße.

Lisa stand in ihrem kostbaren Kleide, mit spbt- tischem Lächeln da.

Ah. es tut mir leid, daß ich gestört habe. Ich sah euch erst, als ich bereits im Zimmer stand."

3hr tief ausgeschnittenes Kleid lieh das blen­dende Weiß der Haut sehen. 3hr blondes Haar war kleidsam frisiert.

Du störst durchaus nicht. Lisa. Mann und Frau dürfen sich ruhig küssen.' 'Aber, Kleine, beeile dich mit dem Umziehen. Wir müssen jetzt wirklich gehen. Und dein Haar ist nun auch nicht mehr in Ordnung."

3ch beeile mich."

Ganz weich und zärtlich klang Trautes Stimme. Er nickte ihr zu, und sie huschte hinaus.

Lisa trat auf ihren Schwager zu:

Traute muß sich auf deinen Befehl hin um­ziehen? So weit also ist es schon?"

3a, Gott sei Dank, daß es so weit ist, Lisa", sagte er sehr vergnügt.

Und hast du nicht Angst, daß Traute einmal fortverlangen könnte, wenn du die Zügel gar zu straff spannst?"

Olein! 3etzt glaube ich das nicht mehr, liebe Schwägerin. Aber sag mal, wäre es nicht besser, auch du würdest ein passenderes Kleid anziehen? Bose von Lüderitz ist eine sehr einfache, liebe Frau."

Bon mir aus kann sie das ja sein. Ich habe nichts dagegen. Aber man soll auch mich nach meiner Fasson selig werden lassen."

Das stimmt. Also bleibe so! Auf den Beifall der Damen wirft du jedoch nicht zu rechnen brauchen."

Und in diesen letzten Wochen war er immer so lieb zu ihr gewesen, war nicht in die Stadt gefahren, hatte ihr dies und jenes gekauft, von dem er gewußt hatte, daß es sie freute. Und nun tat er. als ob ihm ihr Fortgehen nicht im ge­ringsten berühre. War denn das nur möglich?

Sie hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen und beobachtete ihren Gatten.

Sie liebte ihn doch. Und sie wollte doch niemals von ihm fort. Olein! Um alles nicht wieder heim zur Mutter, die immer mit weinerlicher Stimme sprach. Die nur ihren Schmerz um den Vater kannte. Trotzdem er ihr eigentlich das Leben bald zur Hölle gemacht. , ,

Mit verschränkten Armen lehnte Polzenhagen am Schrank. Keinen Schritt kam er ihr entgegen. Keinen Schritt! Trotz und Eigenwillen mußten von selbst weichen. Er hatte sie ehrlich liebge­wonnen, die kleine hübsche Frau mit dem dunklen Wuschelkops. Doch dem Einfluß ihrer Schwester mußte er sie gänzlich entziehen, sonst wurde feine Ehe niemals das. als was er sie sehen wollte.

Traute ließ die Hände sinken.

Ernst!"

Ola, Kindel?"

Emst, ich werde mich umziehen. 3ch ziehe mein schwarzes Samtkleid an.

Er schwieg. Schwieg, weil er jetzt wußte, daß auch sie ihn lieb genug hatte, um seinetwillen alles andere zurückzustellen.

Du hast mich aber nicht lieb! Wie hättest du sonst sagen können, daß daß ich mit Lisa Polzenhagen verlassen soll?"

Wie ein stammelndes Kinderweinen klangen die Worte zu ihm herüber.

Mit einem Schritt war er bei ihr.

Trautelchen, ich hab' dich lieb. Glaub doch nicht, daß es mir leicht gefallen wäre, wenn du gegangen wärst. Aber ich hätte es verwunden. Denn du wärst mir nichts mehr wert gewesen, wenn du um eines Kleides willen die Achtung deines Mannes aufs Spiel gesetzt hättest."

Emst, wenn doch Lisa wieder ginge! 3ch

Sie macht dir das hübsche Köpferl warm weih ich. Weiß ich alles. Aber zeig ihr, daß du mich lieb hast und ihre Ratschläge nicht willst sie nicht brauchst, diese gründlich verkehrten Rat­schläge"

Traute lehnte den Kopf an seine Brust.

liebe Frau von Polzenhagen, und auf Sie, Emst Die andern sind schon da. Und sie freuen sich auch alle sehr."

Klaus von Lüderitz aber blickte in Lisa AnS- brücks Augen, die ihn so sonderbar ansahen.

Ein gefcchrliches Spiel begann. Und Rose von Lüderitz sah es genau so gut, wie Polzenhagen und seine Frau es bemerken mußten.

Traute schmiegte sich ängstlich an ihren Mann. Er drückte ihren Arm zärtlich.

Still. Kindel! Augenblicklich kann ich nichts tun. aber ich mache der infamen Sache ein Ende."

Traute schwieg. Aber sie begriff nicht mehr, wie sie nur einmal hatte versuchen können, sich gegen den Willen ihres Mannes aufzulehnen. Sie liebte und fürchtete ihn. Und das war gut so!

Rose von Lüderitz aber schloß die Augen. 3etzt wußte sie. weshalb ihr Mann immer wieder auf die Treppe hinausgelaufen war. um zu sehen, ob denn der Polzenhagener Wägen noch nicht bald käme.

Er hatte es nicht erwarten können, daß die schöne Frau nach Deschow kam! Das war es. Darum war er die letzten- Tage so ruhelos ge­wesen.

Sollte es mit ihrem friedlichen Glück nun vorüber sein, weil eine ränkesüchtige Frau kam und es ihr zu zerstören wagte?

3n Roses .Augen schossen Tränen. Doch sie drängte sie tapfer zurück. Rein, nicht auch noch ein Schauspiel geben!

Traute von Polzenhagen trat zu ihr. schritt plaudernd mit ihr davon. Sie war so herzlich wie noch nie, und Rose freute sich dieser so offen entgegengebrachten Freundschaft. Traute sagte

Wollen totr nicht du zueinander sagen? 3ch bin oft allein, wenn mein Mann draußen auf den Feldern ist. Wir könnten uns doch manchmal auf ein Stündchen ganz ungezwungen besuchen?"

In Roses braunen Augen stand plötzliche Ab­wehr. Wollte Traute von Polzenhagen der Schwester Gelegenheit geben, Klaus von Lüderitz öfter zu treffen? Wie gemein das wäre!

Kaum hatte Rose diesen Gedanken Raum ge­geben, bereute sie es auch schon. Und als habe Traute von Polzenhagen ihre Gedanken gelesen, sagte sie leichthin:

Ich werde schon bald wieder allein fein. Meine Schwester fährt schon in den nächsten Tagen wieder zu unserer Mutter zurück."

Ein schluchzendes Aufatmen neben ihr tat ihr kund, wie sehr Rose bereits litt. 3n Traute war unzähmbarer Zorn auf die Schwester. 3etzt erst sah sie sie im rechten Licht» und sie erschrak bis ins tiefste Innere hinein.

Zärtlich strich sie über Roses braunes Haar: Ich bin deine Freundin, Rose. Will du die meine fein?" (Fortsetzung folgt.)

»Will ich das? Ich will sie höchstens ärgern." Ich will dir etwas sagen, Lisa: Wenn du mtf solchen Vorsätzen zu meinen liebsten Freunden gehst, dann bleib lieber hier es ist besser/

Philister!"

Das hast du wahrscheinlich auch deinem Manne gesagt, als er für deine Launen kein Verständnis hatte."

Die Worte kamen sehr scharf aus Polzenhagens Munde. Er hatte nie auf ihre zerrüttete Ehe an- gespielt, so viele Male er sich auch über fte ge­ärgert hatte. Jetzt aber wurde es ihm zu bunt.

Mit großen Augen sah Lisa ihn an:

Du willst mir Borwürfe machen?"

Bestimmt nicht. Aber mein dickes Fell hat auch mal ein Loch. Ich habe dich gern mit hierher genommen, weil ich Mitleid mit dir hatte. Aber ftir Intrigen habe ich kein Verständnis."

Lisa lachte schrill, dann wandte sie sich ab und verließ schnell das Zimmer.

Gerade wickelte Ernst von Polzenhagen seine kleine Frau in einen warmen Mantel, als Lisa durch die Halle kam.

. Fahrt allein; mir ist nicht gut. 3ch habe heftige Kopfschmerzen."

Laß die Mucken und komm mit!

Polzenhagen polterte es laut und ungehalten. Traute strich über seine große, braune, etwas harte Hand. Er wurde sofort freundlicher.

Jetzt siehst du wunderschön aus, Lisa. Bleib so und komm mit!

Sein Blick streifte mit Anerkennung ihr vor­nehmes, hochgeschlossenes Kleid. Donnerwetter, dachte er. Donnerwetter noch mal. Schön ist sie doch, meine Frau Schwägerin!

Ein wundersamer Duft schwebte durch die Halle. Der Diener und das Mädchen hoben die Olafen.

Polzeyhagen dachte, daß er Traute, wenn er nächstens mit ihr zur Stadt fuhr, auch solches Parfüm kaufen wolle.

Er half auch Lisa jetzt in ihren Mantel und fuhr sehr befriedigt mit seinen beiden Damen nach Deschow hinüber.

Landrat Herrberg mit Frau und Tochter und die Familie von Tilschow. bestehend aus Vater, Mutter, zwei hübschen Söhnen und einer reizen­den jungen Tochter, waren bereits anwesend.

Klaus von Lüderitz kam dem Freund und seinen zwei Damen entgegen. Er sah in dem dunklen Abendanzug sehr gut aus. Der blonde Hüne sah sich nach seiner Frau um. winkte ihr.

Sie kam. lächelte liebenswürdig, fast ein bißchen befangen, weil ihr die elegante, schöne Erschei­nung der Schwester von Frau von Polzenhagen für kurze Zeit fast den Atem verschlug. Dann aber sagte sie,

Herzlich willkommen. Wir haben uns so sehr auf &ie gefreut, gnädige Frau. Auf sie auch.

.....Jenner

Roman von Gert Gothberg.

Copyright by Martin Fsuchtwcmger, HaÜ*.

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