Ausgabe 
24.12.1932 Frühausgabe
 
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Samstag, 24-Dezember 1952

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182. Zahrgang

GietzenerAnzeiger

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Deutsche Weihnacht.

4>on 5. W. Heinz.

Das Weihnachtsfest ist für) uns Deutsche gnnz in Licht getaucht. Sein Sinnbild ist der Kerzen- bäum, dessen Glanz uns das ewige Licht ver­künden soll, das im germanischen Mythos von der sterne.r^genden Weltesche Jjgurufd ausging, und besten Sinnbild im 'Bereich der christlichen Welt der Stern von Bethlehem ist. Cyristlicyer und germanischer Mythos haben sich verschmol­zen, uralteste Erinnerungen sind wieder durch- gebrochen, kein Volk der Erde feiert Weihnachten so wie das deutsche. Helleuchtende Freude ist der Grundton, auf den ein jeder die festlichen Tage abzustimmen versucht.

Wem unsere Dollsfefte nicht nur, wie es die Gottlosenverbände lehren, eine Gelegenheitzu einem staatlich verordneten Müßiggang" sind, der muh die Feste ganz aus der Liefe her deuten. 2m Herzen Gottes find alle Kräfte eine einzige Kraft: Kampf und Friede, Nacht und Lag, Lod und Leben. Es gibt ein körperliches Sterben, aber es gibt keinen Loo. Das gerrnamscye Jul- fest, aus dem unser Weihnachtsfest entstanden ist, war dieser Erkenntnis von der Einheit aller Kräfte in Gott und vom ewigen Leben geweiht 2n den zwö.f geyeimnisvol.en Nächten Ende Dezember, da die Sonne sich nur für Stunden über dem Horizont erhob, um den Tag mit mattem Glanze zu erhellen, da die Liefe und einsame Duntelheit über den germanischen Ur­wäldern lag, da der Froststurm über das unweg­same Land heulte: in diesen Tagen und Nächten kehrten die Eeister der Loten auf die Erde zurück und verbreiteten sich in dröhnenven Heeren über die ganze Erde. Sie nahmen teil am gerne inf amen Mahl, für sie wurden Tische und Bänke gerichtet. Man brachte ihnen Opfer und Gaben, und man wurde sich aller Verpflichtungen bewußt, die der Opfcrtod der Weggeschiedenen den noch leiblich Lebenden aüferlegt hatte. Noch heute ist in den skandinavischen Ländern und in Hochgebirgs­gegenden der Glaube verbreitet, dah in der Weihnacht sich die Toten der Gemeinde zur Geisterstunde in der Kirche versammeln, um dort ebenso wie die Lebenden ihre Christmesse abzu­halten. Licht und Feuer waren die Mittel, um die Seelen der Toten freunolich zu stimmen. So entfachte man denn Holzstöhe und umschritt mit Feuerbränden Hauser und Ställe, so lieh man Feuerräder die Berge herabrollen, um die sieg­hafte Macht der Sonne zu bekunden.

Beginnt nicht auch das Weihnachts-Evangelium mit einer Ofienbarung des Lichtes, das in einem hellen Lichtschein am Himmel über Bethlehem auf­tauchte und größer und größer wurde, bis schließ­lich den erschrockenen Hirten die Engel Gottes, ganz vom Licht umflossen, mit ihrem Weihnachts­gruß entgegentraten? Es ist das gleiche unsagbar hohe Symbol einer göttlichen Erleuchtung, die einer im Banne der Dämonenfurcht leidenden Menschheit den Frieden bringt. Gott ist nicht der ferne unberechenbare und schreckenverbreitende Ge­waltherrscher, und seine Welt ist nicht von ihm ab­gefallen und bereitet sich nach eigenen Gesetzen ihren Untergang, nein: über dem All und indem All herrscht ein großer, gnädiger und guter Wille. Wir alle sind in Gott, und Gott ist in uns.Was Gott tut, das ist wohlgetanI" So verwandelte sich Dämonenfurcht in Gottvertrauen. Lebensangst in Lebenskraft.

Wer dieser Erkenntnis und dieser göttlichen Gnade teilhaftig wird, für den gewinnt die Weihnachts- verheißung vornFrieden auf Erden" einen tiefe­ren Sinn. Schon in der Urschrift heißt es:Und Frieden allen denen, die guten Willens sind!" Das besagt, daß Gott auf der Erde nur eben Frie­den anerkennt und möglich macht, den Frieden der Seele. Es ist immer Krieg und es ist immer Friede auf der Erde Es gibt immer Seelen, die im Ein­klang mit dem Willen Gottes sind, und cs wird immer menschliche Zustände geben, die überwunden werden müssen Der Weg, der von Bethlehem nach Golgatha führte, war ein heroischer, und er suchte den Frieden überall nur dort wo er wirklich und einzig zu finden ist:Nicht mein, sondern dein Wille geschehe!".. Die Weihnacht einer solchen gött­lichen Wiedergeburt un>d Einordnung in das Gesetz der obersten Allmacht muß jeder in sich selbst er­leben. Weihnachten ist das reinste, innerlichste und stärkste Bekenntnis des deutschen Menschen zu den ewigen Kräften seiner Seele. Es ist gleichzeitig das persönlichste Fest, das der Deutsche feiert. Es ist ein Glaubensfest, ein Familien- uni) Kinderfest, aber es ist nicht minder ein männliches Fest. Wahre Weihnachtsgesinnung ist ein Drang nach Taten. Es ist der Glaube ein geschäftig, lebendig und mächtig Ding", so offenbart diesen Glauben Mar­tin Luther, und es ist in Wahrheit das Kennzeichen des wirklichen Glaubens, daß er jede salbungsvolle Heuchelei, welcher das innere Bekenntnis fehlt, ver­abscheut, und daß er sich nicht Genüge tut im Hin- bämmern in verschwommenen und unverbindlichen Gefühlen, sondern daß er aus dem Glaubensbe­kenntnis heraus sein Leben in Kraft gestaltet. Darum ist der Glaube etwas Manneswürdiges, etwas ganz und gar Mannhaftes.

Weihnachten ist Kinderfest. Wenn die Herbst­tage verweht waren in den Novemberstürmen, wenn die frühen Nächte herabfielen über die grau gewordene Erde, wenn der erfte_ Schnee yerniedersank oder klare glitzernde Kälte die Bäche und Teiche gefrieren ließ, dann spürten unsere kindlichen Seelen, daß Kräfte in sie über­strömten, die nicht von dieser Welt sein konnten. Und wenn dann der Lichterbaum strahlte, dann wußten wir es: in dieser Stunde wachsen wir alle über uns hinaus, in dieser Stunde vertausend­facht sich jedweder guter Wille. Heute beginnt ein neues Jahr, das mit einer seelischen Verwand-

Die Inangriffnahme des Arbeitsbeschaffungsprogramms.

Rundfunkrede des Reichstommiffars Or.Gereke.-Vergebung öffentlicher Arbeiten an freie Llnternebmer -es mittelständischen Handwerks und Gewerbes.

Berlin, 23. Dez. (WTB.) Der Reichskommisiar für Arbeitsbeschaffung, Dr. G e r e k e, hielt Freitag­abend im Rundfunk eine Rede, die über alle deut­schen Sender verbreitet wurde. Dr. Gereke führte u a. aus. Das September-Programm der früheren Reichsregierung erstrebt eine Entlastung der Wirt­schaft und daraus folgend eine Belebung mit Sieuergutschemen Äußerlnm war damals schon ein öffentliches Arbeitsbeschaffungsprogramm vorge­sehen. Es wird jetzt eine der vordringlichsten Auf­gaben jein, daß die bisher geplanten und einge- leiteten Arbeiten beschleunigt durchge­führt werden. Das find zunächst die Arbeiten mit einem Aufwand von 342 Millionen Mark, die in der Hauptsache für Land- und Wasserstra­ßen, landwirtschaftliche Meliorationen und für einige andere Zwecke dienen. Nebenher laufen die öffentlichen N o t st a n d s a r b e i t e n so- w.e die Sonderprogramme der Reichsbahn in Höhe von 280 Millionen Mark und der Reichs- post in Höhe von 60 Millionen Mark. Außerdem wird der Freiwillige Arbeitsdienst, der Anfang Dezember 285 000 Arbeltsdienstwillige be­schäftigte, auch in den Wintermonaten im Rahmen des Möglichen weitergcführl werden. Für vor- städtijche Kleinsiedlungen und die Schaffung von Kleingarten sind in diesem Jahre 73 M.llwnen bereitgestellt und damit über 26 000 Siedlerstellen und über 74 000 Kleingärten geschaffen worden Weitere 10 Millionen gelangen gegenwärtig zur Verteilung, und das Ziel <ft, übersetzte Industriezentren und die bevölkerungs­politisch notwendige Umschichtung und Hin - führung zum Land zu fordern. Dabei denke ich an eine nebenberufliche Landsied- l u n g, die den Siedler befähigt, seinen Lebens­unterhalt zum Teil aus seiner Lohnarbeit, zum anderen Teil aus feiner eigenen Scholle zu ge­winnen.

Auf Grund eines Beschlusses der Reichsregierung sind ferner noch zur Förderung des Eigen­heim b a u e s in den Haushaltsjahren 1933 34 20 Millionen bereitgestellt worden, aus denen schon jetzt kleine Hypotheken zum Bau von Eigenheimen zugesagt werden können Bei einem durchschnittlichen Darlehen von 1500 Mark werden etwa 13 000 Eigenheime gefördert Durch den Zwang für den Bauherrn, die übrigen Kosten selbst zu tragen, wird ein Arbeitseffekt von rund 10 0 Mil­lionen Mark erzielt. Um für Handwerk und Baugewerbe auch in den Wintermonaten weitere Arbeitsmöglichke-ten zu schaffen, werden die vom Reichsarbeitsministerium im September eingeleite­ten Maßnahmen zur Instandsetzung von Wohngebäuden Teilungen von Wohnungen, Umbau gewerblicher Räume zu Wohnungen weiter gefördert. Da über die bisherigen Reichszuschüsse in Höhe von 50 Millionen Mark in kurzer Zeit verfügt ist, habe ich sichergestellt, daß zunächst mindestens weitere 50 Millionen b e - r e i t g e ft e (11 werden Die Bestimmungen werden so gefaßt, daß die Arbeiten sofort einsetzen, wobei entsprechend der Jahreszeit die Innenarbei­ten bevorzugt werden

Der Kern des von mir feit längerem oorge- fchlagenen öffentlichen Arbeitsbefchaffungspro- gramms ist eine möglichst umfaßende 21 r - beitsbefchaffung durch die öf fenf- 1 iche Hand ;n erreichen. Dabei bin ich von der Voraussetzung ausgegangen, daß es in einer fo tiefgehenden Krise, wie der heutigen, nicht möglich sein wird, allein von der Privatinitiative her die Schwierig­keiten zu lösen. Gelingt es nicht, die öffentlichen Arbeiten wenigstens teilweise wieder so zu füh­ren, dann werden wesentliche Zweige der pri-

lung anhebt. Demgegenüber erschien uns der auf laute Aeußerlichkeit abgestellte Neujahrstag im­mer nur als ein Wechsel der Jahreszeit ohne innere Bedingung und Verbundenheit. Weih­nachten ist Kinderfest und Familienfest. Aber schon in dem, was uns Familie und Kind be­deuten, entscheidet sich die Frage, wer wohl eines guten Willens" ist. Wem Familie und Kind nicht Sakrament und Gnade Gottes, nicht Werk und Dienst am Amte des sichtbaren Rei- ches sind, für den bleibt das Weihnachtsfest ohne den eigentlichen und letzten Sinn.

Weihnachten ist nicht minder Männerfest. Vier Jahre lang standen deutsche Männer in jener Stunde, da das Licht zu Bethlehem erschienen war, fern ihrer Heimat, verstreut über die ganze Erde und legten bei aller weichen Heimatsehn- sucht doch ein männliches Kampfbekenntnis ab: vor dem Frieden ihres Landes zu wachen, wie der Erzengel vor dem Paradies. Im fünften Jahr des großen Ringens gelten am Heiligen 2lbend an den Pforten der Dome zu Mainz und Köln die Hörner übermütiger Sieger, mischten sich in das Geläute der Glocken die Schüsse des Bürgerkrieges und schickte sich die ganze Welt an, Deutschland ans Kreuz zu schlagen.

Es wird zu diesem Feste Schwarzseher geben, die uns die sechs Millionen Arbeitslosen, die Not des Volkes, die Zerrissenheit der Seelen und die Trostlosigkeit unserer ganzen Lage vorzeigen werden. Das schadet nicht einmal etwas, denn hier auf der Erde, wo der Kampf herrscht und

oatwirtfchafi ohne Aufträge bleiben. Lv besteht also keinerlei Gegensatz zwischen einem öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogramm und den Interessen der Privatwirtschaft: im Gegen­teil, gerade die Privatwirtschaft muß das große Interesse haben, wie früher von den größten Auftraggebern, nämlich von der öffentlichen Hand, wieder Aufträge zu erhalten. Jeder An­reiz zur Produktionssteigerung kann sich doch nur dann auswirken, wenn die wichtigste Frage, nämlich die des Absatzes, positiv geklärt ist. Gerade in Krisenzeiten, wie den heutigen, ist es meines Erachtens Pflicht der öffent­lichen Hand, der Privatwirtschaft auch durch Arbeitsaufträge neben der notwen­digen steuerlichen Entlastung jede nur mögliche

Unterstützung angedeihen zu taffen.

Nach dem Sofortprogramm erhalten Träger öffentlicher Arbeiten zunächst bis 500 Millionen Mark Darlehen. Die Reichsbank hat die vorge­schlagene Finanzierung gebilligt. Die Sicher­heit der Währung ist auch für mich selbst­verständliche Voraussetzung für jede Arbeitsbe­schaffung. Träger der Arbeit können zunächst nur Reich, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie gemischtwirtschaftliche Dersorgunvsbetriebe sein. Die Laufzeit der Darlehen soll der voraus­sichtlichen Lebensdauer der zu erstellenden An­lagen angepaßt werden.

Die Hauptkvsten des Kapitaldienstes trägt das Reich. Außerdem werden noch zwei Freijahre

vorgesehen. Für werbende Anlagen, z. D. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerle und dergleichen, werden dagegen die Kreditbedingungen so ge­staltet, daß die Träger die normalen Zins- und Tilgungslasten aufzubr'ngen haben.

Sämtliche Arvetten müssen volkswirt­schaftlich wertvoll und notwendig sein. Sie müssen auch möglichst im Laufe des Jahres 1 9 3 3 beendet werden und vor­wiegend der Instandsetzung und Ver­besserung vorhandener Anlagen dienen. Es muß sich insbesondere um Arbeiten handeln, die von den Trägern bereits vor­gesehen waren, aber aus Mangel an Geld­mitteln bisher nicht ausgesührt werden konnten und auch in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht ausgeführt werden können. Es ist einer der Grundgedanken meines Programms, durch Heber- wachung der öffentlichen Arbeitsbeschaffung Fehl­investitionen auszuschließen.

Die Vergebung der öffentlichen Arbeiten soll auch grundsätzlich an Unternehmer erfolgen, wobei die Vergebung der Arbeiten an Generalunternehmer möglichst auszufchalten ist. Die mittleren und kleineren Be­triebe in Handwerk und Gewerbe find ausreichend zu berücksichtigen, und eine Schwarzarbeit muß unterbunden werden. 3m Rahmen des technisch vertretbaren soll auch menschliche Ur bei (straf t den Vor­rang vor der Maschine haben. Außer­deutsche vaustosfe dürfen nur verwendet wer- den, wenn geeignete inländische Baustoffe nicht

Der Schleier über der Agrarpolitik.

Was ist bei dem Konklave Braun -Warmbold herausgekommen?

Nie Landwirtschaft fordert Klärung.

Berlin. 23. Dez. (TU.) Jrn Anschluß an die Rundfunkrede des Reichsernährungsministers nimmt die LandwirtschaftlicheWochen- schau zu den offenen Fragen der Wirtschafts­und Handelspolitik Stellung. Sie bedauert, daß die Rundfunkrede, von der die Landwirtschaft allgemein die Verkündung der ersten neuen Agrarmaßnahmen erwartet habe, auch nicht einmaldie Andeutungeiner Klärung gebracht habe. Bei den Beratungen der Reichsregierung vom 21. Dezember hätte es sich um die spruchreif gewordenen Ergebnisse der wirtschaftspolitischen Vereinbarungen bei der Kabinettsbildung (Einigung. Warmbold- Vraun) handeln müssen. Auch Reichskanzler von Schleicher habe in seiner Rundfunkrede zu diesen wichtigsten landwirtschaf .l chen Fragen ausdrück­lich unterstrichen, d^ß die Klärungnoch vor W e i h n a ch t en " erfolgen würde Bei dieser Sach­lage, so schreibt die vanOtoitt|u.)aftliu.)e Wochen­schau. werde es besonders in landwirtschaftlichen Kreisen als überraschend empfunden, daß immer noch ein undurch.dringlicher Schleier über der Einigung Draun-Warmbold bleibe, ob­wohl die Tatsache ent.prechender grundsätzlicher Beratungen im Kabinett amtlich nicht abge­stritten worden sei. Die Landwirtschaftliche Wochenschau schließt ihre Ausführungen mit der Befürchtung,daß ein weiterer rapider Absturz der sowieso schon verelendeten bäuerlichen Der-

cdelungswirtschaft nicht mehr aufzuhallen wäre, wenn nicht» endlich völlig ausreichende Klarheit über die Bedeutung der Einigung Warmbold-Braun geschaffen wird. Die Zusage des Reichskanzlers über eine Klärungnoch vor Weihnachten" hatte schon ihre ernste sachliche Be­rechtigung."

Oie gewerkschastlichenGpihenverbände gegen Margarine-BeimischungSpläne.

Berlin, 23. Dez. (ERB.) Die Vorstände des ADGB., des Asa°Vundes und des Allgemeinen Deutschen Teamtenbundes haben gemeinsam an den Reichskanzler folgendes Telegramm gesandt: Die unterzeichneten gewerkschaftlichen Spitzenver­bände erheben hierdurch s ch ä r f st e n P r o t e st gegen jede Kontingentierung der Einfuhr von Margarineroh st offen, gegen jeden Bei Mischungszwang zur Mar­garine sowie gegen alle die Margarine als wich­tigstes Volksnahrungsmittel verteuernden oder verknappenden Maßnahmen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat an die Reichsregierung bzw. an die zuständigen Ministerien ein ähnliches Telegramm gesandt, in dem er bittet, von Verordnungen abzusehen, die eine Verteuerung der Margarine bedeuten wür­den. Vor Butterbeimischungszwang, Kontingen­tierung der Margarineherstellung und mono­polistischen Maßnahmen sei aus zwingenden Gründen, insbesondere auch lohnpo­litischer Art, dringend zu warnen. Dor dem etwaigen Erlaß von Vorschriften müßten die Ver­treter der Arbeitnehmerschaft gehört werden.

keineswegs diejenigen die Geschicke der Mensch­heit regeln, dieeines guten Willens sind", ist es gut, daß wir vor den Wirklichkeiten nicht den Blick verschließen. Wer jedoch nicht von tieferen Erschütterungen mngewühll ist, als denen der äußeren Not, der wird die Zukunft nicht ge­stalten. Cs wird zu diesem Feste nicht minder Schönredner geben, die uns von Besserung, vom vermiedenen Bürgerkrieg, von der Wirtschafts­ankurbelung und von einem neuen Aufschwung erzählen werden. Auch dies ist gut so. denn wer im Kamps des Tages steht, braucht Zuversicht und Stärke. Wer aber vermeint, den körper­lichen Hunger der Menschen stillen zu können, ohne dem ' seelischen Hunger Genüge getan zu haben, auch der hat den Sinn der deutschen Aus­gabe nicht begriffen. Es ist alles wieder zu einer Glaubensfrage in Deutschland geworden, Unb nur dasjenige Volk wird, im tiefsten Ginne des Wortes, einewellrevolutionäre" Aufgabe er­füllen können, das aus ganzer Seele zu glau­ben vermag, und dem im tiefsten jedes Tun, sei es im B-eruf. Wirtschaft oder Staat. Gottesdienst bedeutet. Denn auch Stand, Staat und Wirtschaft ruhen im Glauben, oder aber sie ruhen im Ma­terialismus, und es ist nicht schade, toerm das Rad des Schicksals über sie hinweggeht. Wer aber des Glaubens teilhaftig ist. und wer das Bild der Erde zu erkeimen vermag, der wird mit einer tiefen Zuversicht gewahr werden, daß heute auf Deutschlands Schultern geradezu die Welterlö­sung geladen worden ist.

Weihnachten bleibt auch in diesem Jahr Män­nerfest. Familien- und Kinderfest. Wer die Ge­genwart sieht mit den Blicken des Klassenkampses, der Ständeverhetzung, der Verantwortungslosig­keit, der Knechtseligkeit, der sieht heute nur Un­freiheit und Unterdrückung und soziale Kämpfe und Elend und Not. Der besitzt nicht jenen Glau­ben, der Berge versetzt und aus jedem Nieder­bruch die Kräfte zu einem neuen Aufstieg holl. Wer noch schaut mit den Augen einer stoffgläubi- gen Zeit, der vermag nicht das herrlichste Christ­wunder zu erblicken, welches Deutschland beschert wurde. Er sieht nur Nacht und Dunkel, er hort nur den Lärm der Städte und das Klappern von Menschen und Maschinen, er weiß nichts von den lebenden Toten, deren Werk in uns als eine Ver­pflichtung brennt, er späht in den Himmel und wähnt ihn verschlossen. Wem aber Weihnachten ein Bekenntnis zur Tat blieb, wer in allen Höllen- schrecken der zwei letzten Jahrzehnte sich den Glauben und die ungebrochene Kraft seiner Seele bewahrte, wer inbrünstig arbeitet an der Unsterb­lichkeit des Reiches, das ja nichts weiter ist als ein lebendiger Gedanke Gottes auf Erden, dem hat sich das herrlichste Christwunder längst kund- getan, das in einem Schiller-Wort sich vielleicht am klarsten ausdrücken läßt:

Jedes Volk hat seinen großen Tag, der Tag der Deutschen wird die Ernte aller Volker sein!"