Beschleunigte Entschuldung der ostdeutschen Landwirtschaft.
■Berlin, 22. Ott. (Sil.) Die Serorbnung über die beschleunigte Durchführung des Osthilfe-Derfahrens, die sogen, zweite T n ts ch u l d u n g s ve r o r d nu ng , ist am heutigen Samstag erlassen worden. Die neue Verordnung soll Gewähr geben, daß die Osthilsematznahmen beschleunigt durchgeführt werden.
Die Verordnung sieht die Gesamlablösung der genossenschaftlichen Forderungen gegen die Lnt- ichuldungsbetriebe im Osthilfegebiet und die Erhöhung der Var-Entschuldungsmittel vor.
Das Gesamtvolumen der dem Raufeisenverband angeschlossenen landwirtschaftlichen Genossenschaften, das auf 200 Millionen Mark geschätzt wird, geht mit dem Inkrafttreten der Verordnung auf das Reich über. Dafür erstattet das Reich den Gegenwert in Höhe von 70 v. H., also 140 Millionen Mark. Von diesen 140 Millionen werden 50 Millionen von der Bank für Industrieobligationen als Beauftragte des Reiches aus Osthilfemitteln in Entschuldungsbriefen gegeben, die übrigen 90 Millionen werden in Schatzanweisungen gegeben, von denen 60 Millionen später aus Sicherungsmitteln abgelöst werden. Durch den Liebergang der Forderungen auf das Reich wird bewirkt, das) die L a n d st e l - len mit den einzelnen Entschuldungsverfahren nichts mehr zu tun haben, es soll, dadurch eine wesentliche Beschleunigung herbeigeführt werden. Die einzelnen Genossenschaften werden von der Preuchenkasse befriedigt. Die auf das Reich übergegangenen früheren genossenschaftlichen Forderungen werden von der Landstelle bis auf 25 v. H. herunter- akkordiert werden. Dadurch wird die LUkordquote der übrigen Gläubiger wesentlich verbessert.
vorgesehen ist weiter, daß Betriebsinhaber, die Dechselakzepte gegeben haben, und solche, die |
im Entschuldungsverfahren gewesen find, in voller höhe von den Verbindlichkeiten befreit werden.
Die Sicherheiten, die für- genossenschaftliche Forderungen bestanden, gehen auf das Reich über.
Der zweite Teil der Verordnung behandelt die Erhöhung der baren Entschuldungsmittel. Bisher war das Verhältnis 4 zu g. Bei einem Gesamtvolumen von 600 Millionen RM. waren 500 Millionen Entschuldungsbriefe und 100 Millionen Barzahlung. Dieses Verhältnis wird dahin geändert, daß das Volumen der Entschuldungsbriefe auf 350 Millionen heruntergesetzt und das der Barzahlung von 100 auf 240 Millionen erhöht wird. Die Pächter werden durch besondere Mittel ent- jchuldel. Die neuen Barmittel werden beschafft durch Vorfinanzierung derjenigen Mittel, die durch die Verminderung der Entschuldungsbriefe freiwerden. Da das Volumen der Entschuldungsbriefe auf 70 o. H. heruntergesetzt wird, werden die Mittel für die Einlösung ebenfalls zu 30 d. S). frei, die der Barentschuldung zur Verfügung stehen. In diesem Jahre werden für die Vorfinanzierung 40 bis 50 Millionen RM. genügen. Der Rest wird im nächsten Jahre freigemacht.
Im S ch l u ß t e i l der Verordnung ist vorgesehen, daß
Forderungen von Gläubigern aus Warenlieferungen nach dem 1. Januar 1929 am Ent- schuldungsbelriebe nach näherer Entscheidung der Londstelle al« Uebergangshypotheken eingetragen werden. Die Forderungen sind zunächst unverzinslich.
Sie werden getilgt nach Ablauf von drei Jahren nach dem Ergebnis der Betriebskontrolle. Für ein Viertel des etwaigen Ausfalls übernimmt die Bank für Jnduftrieobligationen die Bürgschaft
«Sanierung der Landesbank her Rbeinprovinz.
Berlin, 22. Olt. (WTB.- R ichs unj Staa s regierung haben nunmehr die Verhandlungen über einen Sanierungsplan der Landesbank der Rheinprovinz abgeschlossen. Da die Behebung der Illiquidität der Landesbank in erster Linie eine Frage der Wiederherstellung der finanziellen Leistungsfähigkeit der ihr verschuldeten rheinischen Kommunen ist — in den letzten Monaten sind diese weiter iy steigendem Maße mit ihren Zinsleistungen gegenüber der Landesbank in Rückstand geraten — haben sich
Reich und Staat bereit erklärt, der Landesbank ein Mindestaufkommen aus den lausenden Zins- und Tilgungsoerpflichtungen dieser Schuldner in höhe von 15 Millionen Reichsmark auf die Dauer von vier Jahren zu garantieren unter der Voraussetzung, daß sich anderseits auch die Gläubiger der Landesbank zu einem Entgegenkommen sowohl in der Zinshöhe als auch durch Stundung ihrer Sapital- >forderungen auf mindestens vier Jahre bereit- finden.
Cs darf erwartet werden, daß die Kommunen innerhalb dieser Frist durch Maßnahmen der Umschuldung oder des Finanzausgleiche s instand gesetzt sind, ihren Kapitalverpflichtungen allmählich wieder nachzukommen. Außerdem wird die Staatsregierung alle ihr in Ausübung der Kommunalaufsicht zur Verfügung stehenden Mittel für die Abwicklung der Verpflichtungen der Landesbank einsehen.
Der P r o v i n z i a l v e r b a n d soll sich bei der Sanierung dergestalt beteiligen, daß er die F o r - de-rungen von Reich und Staat, die dielen aus der Einlösung der im Herbst vorigen Jayres gegebenen 50 Millionen RM einjährigen Schatzanweisungen gegen die Landesbank erwachsen sind, als Schuldner übernimmt und diesen
Betrag der Landesbank als zusätzliches haftungskapital zur Verfügung stellt, wodurch nicht nur eine erhebliche Verbesserung des Status, sondern auch — durch Fortfall dieses zinspflichtigen Passivpostens — eine entsprechende Der- ringerung der Z i n s e n l a st eintritt. Die Verzinsung und Tilgung dieses Darlehens soll durch die aus der Erhöhung der Prooinzialumlage der Provinz zustießenden Einnahmen gesichert werden.
Unter der Voraussetzung, daß diesem Sanierungsprogramm auch seitens der Gesamtheit der Gläubiger zugestimmt wird, hat sich
die Reichsbank im Einvernehmen mit der Akzeptbank bereit erklärt, zn den bereits gegebenen 75 Millionen Reichsmark eine weitere
Liquiditätshilfe zu gewähren.
Im Rahmen dieser Liquiditätshilfe soll den Bankgläubigern eine weitere Rückzahlung von 10 Prozent ihrer noch bestehenden Guthaben geleistet werden. Außerdem soll sie zur Auszahlung von Gläubigern, wie soziale Versicherungseinrichtungen, Krankenhäuser und sonstige Wohlfahrtsanstalten dienen, die nach Erschöpfung aller a nderen Finanzierungsmöglichkeiten unbedingt auf ihre bei der Landesbank angelegten Detriebsreserven zur Erfüllung der ihnen obliegenden Leistungen zurückgreifen müssen.
Den Sparkassen, die durch die Richtverfügbarkeit ihrer Guthaben bei der .Landesbank im Herbst vorigen Iahres in besondere Verlegenheit gekommen waren, ist zunächst dadurch geholfen worden, daß ihnen über die Akzeptbank Liquiditätskredite gegeben sind, die in ihrer Gesamtheit heute die bei der Landesbank festliegenden Guthaben bedeutend übersteigen. Soweit in der Zwischenzeit nicht bereits ^Verrechnungen der Guthaben der einzelnen Sparkassen über die laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen ihrer Gewährsverbände stattgefunden haben, soll eine solche Verrechnung, so-
EMands geistliche Führer verlangen Abrüstung.
Die Geistlichen beim englischen Ministerpräsidenten. Neben Macdonald (ganz links) der Erzbischof von Canterbur, Dr. Lang.
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weit irgendmoglich, auch auf die noch abzu- deckenden Kapitalbeträge erstreckt werden. Im übrigen wird die Staatsregierung dafür Sorge tragen, daß durch baldigste Errichtung der geplanten neuen Gemeinschaftbank zwischen Rheinischem Givoverband und ProvinAial- verband sowohl die Sparkassen als auch der Provinzialverband wieder ein funktionsfähiges Bankinstitut erhalten.
Aus aller Wett.
Gronau unterwegs.
Der deutsche Weltflieger Wolfgang u. Gronau ist von Colombo nach Mangalore (vorder- indische Westküste) g e ft a r t e t.
„Gras Zeppelin"
zur letzten diesjährigen Südamerikafahrt gestartet.
Das Luftschiff „Gras Zeppelin" ist heute früh 6.24 Llhr unter Führung von Kapitän Lehmann zu feiner letzten diesjährigen Südamerika f a h r t aufgeftiegen. An Bord befinden sich 12 Passagiere. Don Pernambuco geht die Fahrt weiter nach Rio de Ianeiro.
100 000-2Tiart-£os gezogen.
In der ersten Klasse der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie fiel ein Gewinn von 1 0 0 0 0 0 Mark auf die Rümmer 33 1 35 4. Das Los wird in Achtellosen in Württemberg und in Berlin gespielt.
Schwere Zuchthausrevolte in Reuyork.
Im Reuyorker Zuchthaus in Walfare Island ist es zu schweren Revolten gekommen. Die Insassen unternahmen mehrere Ausbruchversuche, wobei ein Zuchthäusler von Polizeibeamten getötet wurde. Die Zuchthausdirektion wandte sich mit der Bitte um Hilfe an das Polizeihauptquartier, von wo ein größeres Polizeiaufgebot mit 50 Detektiven hinbeordert wurde, um die Aufrührer mit Tränengas und Maschinengewehren zu bekämpfen. Es ist zu schweren Kämpfen gekommen, so daß noch größere Verstärkungen angefordert werden mußten. Der Aufruhr konnte mit Hilfe von 300 Polizeibeamten niedergeschlagen werden. Im Gefängnishof spielte sich eine zweistündige Schlägerei ab. Peim Verhör im Direktorzimmer erdolchte ein italienischer Zuchthäusler einen Iren, nachdem vorher eine blutige Schlägerei zwischen dem. Iren und dem Italiener stattgesunden hatte. Sämtliche Schwerverbrecher zerstörten das Mobiliar in ihren Zellen und machten während des Aufruhrs einen
Riesenlärm. — Die übrigen Reuyorker Gefängnisse werden scharf bewacht, da man weitere Ausbruchversuche befürchtet.
Zusammenstöße mit Schmugglerbonden. — Ein Toter, ein Schwerverletzter.
In einer der letzten Nächte wurde in der Nähe von Ophoven bei Aachen eine achtköpfiae Schmugglerbande von Zollbeamten gestellt, deren Haltrufe und Warnungsschüsse keine Beachtung fanden. Als die Beamten schrrf schossen, trafen sie einen 16jährigen Jungen aus Scharfenberg ins Herz, so daß er auf der Stelle t o t war. Man sand bei ihm 12 Pfund Kaffee und kleine Mengen Tabak. Zwei weitere Mitglieder der Bande wurden seft- genommen. Insgesamt haben die Beamten etwa 80 Pfund Kaffee und etwa 30 Pfund Tabak beschlagnahmt. — Auf dem Gymricher Weg bei Aachen konnten Zollbeamte ebenfalls eine Schmugglerbande von 30 Mann stellen, von denen die meisten trotz zahlreicher Warnungsschüsse die Flucht ergriffen. Einer der Schmuggler, ein 30jähriger Mann, mürbe » durch einen Schuß an der Schulter schwer v e r • letzt. Man fand bei ihm 1400 Zigaretten und fXine Mengen anderer Waren. In Sief wurde ein Berufsschmuggler gestellt. Man fand in seinem Tornister 600 Buch Zigarettenpapier und 1500 Zigaretten.
Gelungener Start der Tilling-Flugrakete.
Der Flugraketencrbauer Reinhold Tilling, Osnabrück, führte zum erstenmal auf dem Berliner Flugplatz Tempelhof einen Flugraketen- start vor. Der Abschuß gelang tadellos. Die Rakete trieb den etwa vier Meter langen Flugkörper 800 Meter empor. Dann entfalteten sich langsam zwei Tragflächen, die einen spiralartigen Gleitflug zur Erde ermöglichten. Demnächst sollen weitere Vorführungen mit der Tilling-Rakete • auf dem Flugplatz Tempelhof stattfinden, die jedoch noch der behördlichen Genehmigung bedürfen.
Prinzessin Olga zu Schaumburg-Lippe t.
Prinzessin Olga z u Schaumburg- Lippe, die Gemahlin des im Iahre 1904 gestorbenen Prinzen Max zu Schaumburg-Lippe, ist, wie aus Stuttgart gemeldet wird, nach langem schwerem Leiden im Ludwigsburger Schloß im Alter von 56 Iahren gestorben. Rach dem Tode ihres ältesten Sohnes, des Prinzen Eugen, der im Iahre 1929 als zweiter Flugzeugführer mit einem Verkehrsflugzeug in der Räye des englischen Flugplatzes Croydon tödlich abstürzte, lebte sie in stiller Zurückgezogenheit.
Oberhessischer Kunstverein.
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Die zweite Ausstellung dieses Winters steht unter der Ueberschrift „Frauen der Gegenwart"; sie wiederholt also ein Thema aus der vorigen Se'son, bringt aber — bis auf eine Ausnahme — neue und hier wohl noch unbekannte Namen. Zum zweitenmal erscheint nur Sulamith Wülfing aus Elberfeld, die sich selbst „Dürers kleine Tochter" nennt, obwohl ihre Arbeiten minder an Dürer als etwa an die Präraffaeliten denken lassen. Vorerst ist nur eine Anzahl illustrativer Arbeiten (zu Volksliedern und Gedichten von Rilke) zu sehen, die aber in Kürze durch eine Kollektion von Originalen aus der letzten Zeit ergänzt werden sollen
Der Gesamteindruck hat sich nicht geändert: es ist eine eigenartige, typisch weibliche und stellenweise etwas kunstgewerbliche Malerei, deren Reiz in der lyrischen Zartheit des Motivs, in der farbigen Phantasiefülle und der ausgesprochen dekorativen Haltung des kleinen Formats beruht: eine Malerei hes l’art pour l’art, ohne Anziehungskraft für die große Maffe und einen populären Kunstgeschmack
Den breitesten Raum beansprucht Die Ausstellung der Arbeiten von Louise K l e m p t, München, was schon durch das beträchtliche Ausmaß ihrer Entwürfe bedingt ist. Diese Künstlerin zeigt eine merk- würdige und originelle Technik: gemalte Wcmd- behänge, also eine Art transportabler Fresken, von denen hier eine Anzahl interessanter Beispiele in natürlicher Größe gezeigt werden. Daneben sieht man zahlreiche Photos und Skizzen von ausge- führten Entwürfen, die an ein reizvolles und schwie- riges Problem rühren, nämlich das Zusammenwirken von Architektur und Malerei. Die Malerei findet sich hier vor der delikaten und heiklen Aufgab, der Einordnung in gegebene Maße (oft sehr unregelmäßig begrenzte Wandflächen) und gegebene Stilformen; die Angleichung an vorhandene Bauteile soll deren dekorativer Belebung dienen, ohne durch übertrieben-eigenwillige 'Borbringlid)’ feit die reine Architekturwirkung zu beeinträchtigen. Für die sinnvolle Aufteilung und motivifche Ausschmückung großer Jnnenräume und Fassadenflächen bieten die Entwürfe vom Schlierseer Postamt, von der Bamberger Solokistraße und aus einem Kinder» I garten in Duisburg fympathifchL Beispiele; insbe» •
sondere erscheint uns die Gestaltung des Bamberger Tierparadieses einer glücklichen Lösung der komplizierten Aufgabe nahezukommen.
Die großen Wandbehänge (Wasserfarben auf grobem, rupfenartigem Stoff) zeigen einfache, meist figürliche und landschaftliche Motive, die in festen Konturen und gedeckten Farben die Fläche bildhaft aufteilen, gliedern und stellenweise auch eine bemerkenswerte Raumwirkung hervorbringen. Der maßstäbliche Umfang und die eigenartige Technik dieser Wandmalerei führten übrigens zu einer stilistischen Großzügigkeit und Herbheit des Ausdrucks, daß man eher eine männliche Hand und männliche Phantasie hinter den hier oorgestellten Entwürfen vermuten sollte. iSie bilden in jeder Hinsicht den ausgesprochenen Gegenpol zum künstlerischen Ausdruck und Formempfinden her Sulamith Wülfing.)
Gabriele M ü n t e r, IRurnau, die, qpe wir hören, zu den deutschen Vorkämpferinnen der nach" impreffioniftischen Malerei zählt, zeigt eine Anzahl tüchtiger Oelbilder. Blumenstücke, Landschaften, wenig Figürliches: alles in ziemlich einheitlichem Stil. Bei etwas stumpfem, vorwiegend trockenen Auftrag arbeitet sie mit stark tonturierten Flächen und einer blühenden Palette. Die besten Wirkungen ergeben sich u. E da, wo sie in der koloristischen Komposition am sparsamsten bleibt und sich auf wenige, untereinander gebundene Grundakkorde beschränkt
Von der Malerin Agnes von Bülow, einer jetzt in Brüssel lebenden Hamburgerin, Schülerin übrigens von Angelo Jank in München, sieht man an zwei Wänden eine Folge graphischer Arbeiten verschiedener Technik, Lithos, Holzschnitte und Hand- zeichnungen. Da gibt es großstädtische Augenblickseindrücke von zugreifender Realistik neben ruhigen Landschaftsstücken von feiner und geschlossener Haltung. Eine besondere Begabung für Bildnisstudien erweist sich in den Handzeichnungen (Porträts von Heinrich Mann, Einstein, Timmermans), in denen sich aus der kontrastreichen Gegenüberstellung von Hell und Dunkel, von Licht und Schatten charakteristische Wirkungen ergeben.
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Die Ausstellung wurde gestern vormittag eröffnet und soll außer an den Sonntagen auch an vier Wochentagen zugänglich sein. —y—
Anekdoten
uoii Start lerbö.
Charles James Fox, der englische Staatsmann, kam nach dem Frieden von Amiens nach Paris und war dort eines Tages bei einem Politiker ein- geladen, der uns vom Chronisten kurzweg nur als „Graf S." überliefert ist. Nack) dem Essen stand Fox mit seinem Gastgeber und einem französischen General plaudernd vor einer Weltkarte. „Wie ist es nur möglich", sagte der General, „daß England, diese winzige Insel, die ganze Welt beherrscht?" Fox trat gelassen vor und gab nachdrücklich die verlangte Erklärung: „Das da" — mit einem flüchtigen Hintippen auf England — „ist nur unser Absteigequartier; das da aber" — mit einer weiten Rundbewegung über die ganze Welt — „ist das eigentliche England"
iörtögeroatet in Somerjetshire hat um das Jahr 1800 ein Reisender an einem Hause ein Firmenschild bemerkt, das er gewissenhaft abgeschrieben hat Es stand darauf zu lesen:
Burneß & Sohn
Schmiedes- und Barbiergeschäfte aller Art.
Hier werden Pferde beschlagen und Haare gekräuselt, Zähne ausgerissen und Pferde und Menschen zur Ader gelassen, große Schlösser ausgebessert und der Bart geschabt, und was dergleichen Hufschmieds- und Barbiersachen mehr sind. Dazu alle Sorten geistiger Getränke und Liköre. Mrs. Burneß unterhält eine Schule, unterrichtet im Lesen, Schreiben und fremden Sprachen und hat überdies Gehilfen und Gehilfinnen für Mathematik und Mode- arbeit
Das war Huddy, Postmeister zu Lismore in 3r» land, 96 Jahre alt und „ein sehr jovialer Greis"; dem kam eines Tages in den Kopf, eine ganz wilde Schnapswette um 25 Pfund Sterling zu tun. Er wollte den Weg von Lismore nach Fermoy, vierein- halb (deutsche) Meilen, in sechs Stunden zurück- legen, und zwar auf dem seltsamsten Gespann, bas die an Narrheiten nicht eben arme Welt je gesehen hat. Als Wagen diente dem jovialen Greise ein altes Austernfaß, das man mit Rädern versehen hatte, darauf stand er, eine rote Nachtmütze auf dem Kopse, eine Fuhrmannspeitsche in der Hand. Seine Zugtiere aber waren ein Schwein, ein zah
mer Dachs, zwei Katzen, ein Igel und eine Gans. Genau siebzehn Minuten vor der gewetteten Zeit traf er in Fermoy ein und machte sich sogleich daran, das gewonnene Gelt in aller Frische zu vertrinken.
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Juddy, vor rund hundert Jahren hochachtbarer businessman zu Neuyork, sollte eine runde Straf- summe bezahlen, weil er drei Tonnen Walfischtran ohne obrigkeitliche Untersuchung eingeführt hatte: Alle Fischöle unterlagen laut Gesetz dieser Untersuchung. Juddy aber war ein Mann, auf dessen geistige Regsamkeit seine Handelsware keinerlei nachteiligen Einfluß ausgeübt hatte; er besprach sich mit Doktor Mitchil, dem smartesten Anwalt Neuyorks, und dieser tüchtige Mann überraschte die Behörden mit folgender Beweisführung: Der Walfisch ist kein Fisch, sondern eine besondere Art von Vierfüßlern, da er warmes Blut hat, durch Lungen atmet, lebendige Junge zur Welt bringt, diese säugt, und was dergleichen Vierfüßlereien mehr sind. Wenn aber der Walfisch kein Fisch ist, so ist auch Walfischtran kein Fischtran und fällt nicht unter das Gesetz; was zu beweisen war. Die Behörden streckten vor dieser Logik die Waffen, Juddy brauchte nicht zu bezahlen, und Walfischtran durste von da ab ohne Untersuchung eingeführt werden.
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In den Zeitungen Neuyorks erschien eines Tages — es muß um bas Jahr 1825 gewesen sein — folgende merkwürdige Anzeige:
Warnung!
Da ich das Unglück habe, starke Getränke mehr zu lieben, als mir gut ist, so ersuche ich alle 23er- käuser dieser Artikel, mir dergleichen um keinen Preis mehr zu verabfolgen, wenn ich aber daraus bestehen sollte, mich notfalls mit Gewalt wegzu- jagen da ich zwar ein großer Trunkenbold, aber mit Gottes Hilfe kein unverbesserlicher Säufer bin.
Nachschrift: Wer mir, dieser Anzeige ungeachtet, Rum, Genever usw. verkauft, den werde ich öffentlich mit Namen nennen, damit alle Welt erfährt, wer mich zur Sünde verleitet hat.
Hochschulnachnchten.
Der Privatdozent Dr. Kaschnih-Wein- berg an der Universität Freiburg i. Br. hat den Ruf als Ordinarius für klassische Llrchäo- logie an der Hninerfität Königsberg zum Wintersemester 1932/33 angenommen.
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2er letzte Art ntr Anzeiger" nchtet, die sichj Ittlegimg der S llnigen Friedh Hlofung zu sc Mriebigen kann; tDtfiung der cm unö Achen fdjoi Neil wurde.
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