Samstag, 2<. September 1952
182. Jahrgang
Nr.225 Kvüharrsgabe
Berlin, 23. Sept. (VDZ.) Dor Eintritt in
die
kandidat in
DerKonflikt um den 1 L.Geptember
von Schleicher aufgesucht hatte.
wehrminister
p r ü f u n teile uni
In einem sozialistischen
Manöverbericht des national» „Angriff s" war u. a. gesagt war-
Der neue Botschafter in London, Leopold v. Hoesch, wurde 1881 in Dresden geboren. Er entstammt einer alten rheinischen Sndu- striellenfamilie. Bach Erledigung seiner juristischen Studien trat er 1907 als Attache in Peking in den diplomatischen Dienst. Sn den folgenden Jahren war er in Paris, Madrid
und London tätig. 1915 wurde er bei der Gesandtschaft in Sofia verwendet, 1916 kam er nach Konstantinopel, 1917 ins Auswärtige Amt nach Berlin und 1918 als Legationsrat nach C h r i st i a n i a und später nach Madrid. Sm Sanuar 1921 wurde er nach Paris verseht und dort bald Botschaftsrat. Als im Sanuar 1923 der damalige Botschafter Dr. Mayer infolge des Einmarsches der Franzosen ins Ruhrgebiet zurückgeworfen wurde, blieb Leopold von Hoesch als Geschäftsträger zurück. Ende Sanuar 1924, nach Einstellung des passiven Widerstandes, wurde er zum Botschafter in Pa - r i s ernannt und hat diesen Posten bis zu seiner jetzt erfolgten Versetzung nach London innegehabt.
ßen genannt hätte.
Abg. Dr. Koch-Oeynhausen (DN.) weist den in der gestrigen Sitzung gegenüber dem Abg. Steuer von nationalsozialistischer Seite gemachten Zuruf „5 u b c n j u n g e" zurück. (Heiterkeit bei den Nationalsozialisten.) Er erwarte, daß der Zwischenrufer veranlaßt werde, die Verunglimpfung mit Bedauern zurückzunehmen.
Abg. Steinfurth (K.) protestiert dagegen, dah es sich in Deuthen um einen polnischen Snsurgenten gehandelt habe. Der Ermordete habe sich in jedem Fall geweigert, für Polen zu optieren. Es sei unerhört, dah dieser bestialische Mord an einem Arbeiter noch gebilligt werde.
Sn der Abstimmung wird der nationalsozialistische Antrag angenommen. Der gleichlautende Zentrumsantrag ist damit erledigt. Ebenso wird der kommunistische
f angenen, soweit sie unter den beschluh fielen.
Abg. K u t t n e r (Soz.) erklärt, dah teile der S o n d e r g e r i ch t e
den, daß die kommunistische Propaganda auf die Mannschaften gar keinen Eindruck mache, während die Soldaten die Nationalsozialisten mit „Heil Hitler!" begrüßten. Amtlich wird diese Darstellung als zweifelsohne völlig unwahr bezeichnet. Es sei jedem Angehörigen der Wehrmacht bekannt, daß jede politische Betätigung und parteipolitische Meinungsäußerung nicht nur verboten, sondern auch st r a f b a r sei, und zwar stehe darauf nach den geltenden und auch allgemein bekannten Bestimmungen Gefängnisstrafe. Niemand dürfe die Wehrmacht für sich in Anspruch nehmen. Demgemäß werde auch die Presse gebeten, sich stets des Zusammenhangs der Wehrmacht mit dem gesamten deutschen Volke bewußt zu bleiben.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
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Chefredakteur-
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
die Ur- mit dem nicht das
Dementis deSRerchswehrmimsteriumS
Gegenüber einer Behauptung des sozialdemokratischen Parteivorsitzenden Wels, der kürzlich in einer Wahlkundgebung der Sozialdemokraten im Sportpalast von einem Besuch des nativ- nalsozialistischen Führers Gregor Straßer beim Reichswehrmini st er gesprochen und daran verschiedene Kombinationen geknüpft hatte, wird vom Reichswehrministerium fest- gestcllt, daß Gregor Straßer niemals den Reichs-
Derlcgung des wasserbautechnischen Sn st it ütes der TechnischenHochschule Damrstadt nach der Ercrzierhalle auf dem Darmstädter Exerzierplatz führte zur Aberkennung der Dringlichkeit der Maßnahme; es bleibt bei dem bisherigen Ausschußbeschlutz. — Die Regierung erhielt die Ermächtigung, der Historischen Kommission für Hessen zur Herausgabe eines weiteren Qucllenbuches ein Darlehen von 7000 Mark zu gewähren.
Eine lebhafte Aussprache entspann sich über die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten auf Gewährung einer Wirtschaftsbei- Hilfe bzw. einer zusätzlichen Winterhilfe für alle Unter st ützungsberechtigten. Die Anträge wurden schließlich mit den Stimmen der Nationalsozialisten und des Zentrums gegen Sozml- demokraten und Kommunisten a b g e l e h n t. — Bei Stimmenthaltung von Zentrum und Nationalsozialisten fand ein kommunistischer Antrag Annahme, der gegen das Wirtschafts Programm d e r Re'ichsregierung protestiert, dieses Programm in Hessen nicht durchgeführt wissen will, und der Reichsregierung das Mißtrauen des Landtags ausspricht.
t eiligen, solange nicht von ihnen und von seinen Präsidenten erklärt worden ist, daß die Abstimmung im Reichstag rech tsun- wirksam und rechtsungültig war.
Rechtsempfinden der Oeffentlichkeit mindeste zu tun hätten. Der Rückgang des politischen Terrors sei nicht auf die drakonischen Strafen der Eondergerichte zurückzuführen, sondern auf die Tatsache, daß ausnahmsweise in einigen Wochen mal nicht Wahlen vor der Tür standen. Er sei aber überzeugt, dah bei den Reichstagswahlen trotz der Bluturteile der Son-
dcrgerichte die politischen Exzesse wieder einsehen würden.
Abg. Dr. Freister (Rat.-Soz.) richtet scharfe Angriffe gegen die kommissarische Regierung, die den Beschluß der Braun-Regierung, bis zur Erledigung der Amnestie politische Gefangene von der Haftvollstreckung zu verschonen, aufgeho - b e n habe. Durch die Sondergerichte sei an die Stelle eines geordneten Gerichtswesens die Möglichkeit der Willkür getreten. Das widerspreche dem Rechtsstaat und habe mit der Rotwendigkeit, mit dem Terror Schluß zu machen, nichts zu tun. Riemals sei eine solche Erregung durch das Volk gegangen, wie aus Anlaß des Beuthe- ner Urteil!. (Lärm bei den Kommunisten.)
Abg. Dr. Zubke (Deutschn.) betont, daß auf Grund des damaligen Landtagsbeschlusses ein großer Teil der Gefangenen tatsächlichentlassen worden sei. Da das Amnestiegeseh bisher nicht zur Annahme gekommen sei, war das Verfahren des Sustizministeriums rechtmäßig. Bei der Kritik an den Sondergerichten müsse berücksichtigt werden, daß wir in einer Zeit leben, die Sondermaßnahmen verlangte. Der Redner lehnt die Aufhebung der Sondergerichte ab.
Kanzler und Minister als Zeugen geladen.
Tie Habincttsmitglicder werden zur Klä rung des wahren Sachverhalts erscheinen
Berlin, 23. Sept. (VdZ.) Die Vorladungen an den Reichskanzler, den Reichsinnenminister, den Reichsauhenminister und den Staatssekretär der Reichskanzlei sind gemäß dem Beschluß des Ueberwachungsausschusses am Freitag hinausgegangen. Die genannten Dertre- ter ter Regierung sind für Dienstagnachmittag a l s Zeugen zur Untersuchung der Vorgänge in der Reichstagssitzung vom 12. Sept, geladen.
Tas Reichskabinett hat beschlossen, der Ladung Folge zu leisten. Der Grund liegt darin, daß bei den bisherigen Ver. Handlungen des Ausschusses und in allen damit zusammenhängenden Veröffentlichungen so viel behauptet wurde, was geeignet ist, den tatsächlichen Vorgang zu entstellen, so dah die Reichsregierung es für notwendig hält, den wahren Sachverhalt einmal mit aller Deutlichkeit aufzuklären. Das Erscheinen der vorgeladenen Mitglieder des Kabinetts beschränkt sich allerdings auf diesen Zweck, die tatsächlichen Vorgänge bei der Auflösung vor dem ganzen deutschen Volke klarzustellen. Sm übrigen hält das Reichskabinett an der bisherigen Linie seiner Cin- stellung gegenüber den Ausschüssen des Reichstages fest. Die Reichsregierung wird sich an den .Arbeiten der Ausschüsse nicht be-
Der neue deutsche Botschafter in Paris, Roland Köster, steht im 49. Lebensjahr und ist in Mannheim geboren. Er ist aus dem badischen Staatsdienst hervorgcgangen und trat vor dem Kriege in den diplomatischen Dienst über. Nachdem eralsFluc>- zeugfiihrer im Felde Dienst getan hatte, wurde er im Jahre 1916 an die Gesandtschaft im Haag versetzt. 1919 war er Geschäftsführer der preußischen Gesandtschaft bei den Hanse st ädten. 1920 ging er als Gesandtschastsrat nach Brüssel, 1922 nach Prag, 1925 wurde er zum Chef des Protokolls im Auswärtigen Amt ernannt, 1929 übernahm er die Leitung der Gesandtschaft in N arme gen, im Juni 1930 übernahm er die Leitung der (Etat- und Personalabteilung im Auswärtigen Amt und wurde zum Ministerial- direklor befördert. Köster entstammt einer alten rheinisch-westfälischen protestantischen bürgerlichen Familie. Sein öaler war der Inhaber des im Rheinland bekannten Bankhauses Köster, vom Rat & Co., später Köstersbank. Köster ist mit der Tochter des früheren Mitglieds des österreichischen Herrenhauses und bekannten Textilindustriellen Freiherrn v. Liebig verheiratet, der in Reichenberg in Böhmen lebt. Köster gilt als besonderer Kenner der westeuropäischen Verhältnisse.
solche Zurufe bemängelt würden, so müsse er auch daraus Hinweisen, dah die deutschnationale Abgeordnete Freifrau v. Watter die Ra- tionalsozialisten als „Schweine" bezeich- n c t habe. (Große Erregung und stürmische Pfui- Rufe bei den Rationalsozialisten.)
Gegen die Gondergenchte.
„Vor Eintritt in die Tagesordnung." Persönliche Bemerk npen.
Wahlspuk im preußischen Landtag
Vertagung bis nach den Reichstagswahlen.
Die Neubesetzung der Botschaften
Washington bleibt vorerst unverändert.
Die Mnterhilseaniräge im hessischen Finanzausschuß abgelehnt.
Darmstadt, 23. Sept. (WHP.) Der Finanz- ausschuß des Hessischen Landtages beschloß in einer besonderen Sitzung die Frage der Stundung bzw. Gewährung von staatlichen Dau- d a r l e h e n grundsätzlich durchzusprechen. — Bei Beratung einer Eingabe Albert-Viernheim fand ein Zentrums an trag Annahme, der die Regierung ersucht, alle Polizeibeamten, die infolge eines Dien st Unfalles oder dergleichen in früheren Sohren dienstunfähig wurden und aus dem Dienst geschieden sind, wieder einzustellen und in angemessener Weise bis zum 60. Lebensjahre anderweit zu verwenden.
Die erneute Beratung der Vorlage über die
Berlin, 23. Sept. (WTD.) Der Herr Reichspräsident hat den Gesandten in Belgrad v. Hassell zum Botschafter bei der italienischen Regierung in Rom an Stelle des in den einstweiligen Ruhestand versetzten bisherigen Botschafters v. S ch u b e r t ernannt. Weiter hat der Herr Reichspräsident als Rachfolger des früheren Botschafters, jetzigen Reichsministers des Auswärtigen, Freiherrn v. R e u r a t h, den bisherigen Botschafter in Paris v. Hoefch zum Botschafter in London und an seiner Stelle den derzeitigen Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Köster zum Botschafter in Paris ernannt. Weitere Personalveränderungen aus Dotschasterposten stehen nicht bevor.
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Der neue Botschafter in Rom, Ll l l r i ch v. Has feil, wurde 1881 in Anklam als Sohn eines preußischen Offiziers geboren. Er studierte Staatswissenschaften und machte dann ausgiebige Auslandreisen. 1909 trat er in den diplomatischen Dienst ein und war feit 1911 Dizekonsul in Genua. Am Weltkriege nahm er als Reserveoffizier beim 2. Garde-Regiment zu Fuß teil und wurde in der Marneschlacht schwer verwundet. 1916 trat er aus dem Heeresdienst aus und wurde Verbandsdirektor der Landkreise in Stettin. 1919 kehrte er ins Auswärtige Amt zurück und wurde als Wirklicher Legationsrat der Botschaft beim Vatikan in Rom zugeteilt. 1921 wurde er Generalkonsul in Barcelona. 1926 Gesandter in Kope nhagen. Sm März 1930 wurde er als Gesandter nach Belgrad versetzt.
lüge, wenn er „ „ „
tionalsozialisten — Abg. Stube: Unerhört! — Prä- sident Kerrl entzieht dem Abg. Steuer das Wort.)
Abg. Kube (RS.) erwidert, Steuer habe bei bei seiner lügnerischen Behauptung (Präsident Kerrl ruft den Redner zur Ordnung — Heiterkeit) ausdrücklich darauf hingewiesen, daß er, Kube, nicht im Saal fei. Er denke gor nicht daran, mit dem Abgeordneten Steuer über Koalitionsfragen zu sprechen. Was den Zuruf „Su- denjunge" anlange, so erkläre er für feine Fraktion, daß er diesen Zuruf bedauere und die Fraktion ihn nicht aufrechterhalte. Wenn
Abg. Steuer (DN.) betont, er hätte in seiner gestrigen Rede gesagt, der Abg. Kube habe ihm erzählt, daß ein Oberbürgermeister einer westlichen Großstadt als Ministerpräsidentschasts- Aussicht genommen sei. Der Abg. Kube er ... (Große (Erregung bei den Na-
Antrag auf Durchführung der Landtagsent- schliehung Dom 16. Suni angenommen. Auch ein sozialdemokratischer Antrag über die Rach- Salier Eondergerichtsur- Herabschung u werhältni mäßig schwerer Strafen findet Annahme. Aus nationalsozialistischen Antrag wird weiter beschloffen, daß die Regierung unverzüglich beim Reich die Aufhebung der Verordnung über d ie
Das Haus tritt dann in die Tagesordnung ein. Als erster Punkt stehen zur Beratung die Anträge der Kommunisten, des Zentrums und der Rationalsozialisten aus ©trafunterbre- chung für politische Gefangene. Die Anträge des Zentrums und der Rationalsozialisten ersuchen das Staatsministerium, in den Strafsachen, in denen auf Grund der Entschließung des Landtages vom 16. Suni 1932 eine Strafunterbrechung oder Richtvollstreckung angeordnet worden ist. die Strafe weiterhin nicht zu vollstrecken bzw-, falls inzwischen eine Vollstreckung wieder angeordnet worden ist, dieselbe zu unterbrechen, sofern es sich um Freiheitsstrafen oder Rest- strafen von reicht rnehr als sechs Monaten handelt. Sn allen übrigen Fällen soll die Strafe dann unterbrochen werden, wenn die weitere Vollstreckung für den Derurteiuen oder seine Angehörigen eine besondere Härte darstellen würde. Der kommunistische Antrag fordert die Strafunterbrechung bzw- den Strafaufschub für alle politischen Ge-
Landtags-
Tagesordnung erklärte Abg. Kube (NS.), der Abg. Steuer (DN.) hat gestern erklärt, ich hätte aus- gerechnet ihm gegenüber Herrn Dr. Bracht als den für uns Nationalsozialisten in Frage kommenden Ministerpräsidenten für Preußen benannt. Ich stelle fest, daß ich mit ihm n i e über die Persönlichkeiten der nationalfozialistifchen Kandidaten für das preußische Ministerpräsidium gesprochen habe und daß es eine objektive und subjektive Unrichtigkeit des Abg. Steuer ist, daß, wie er behauptet, ich ausgerechnet Herrn Dr. Bracht als Ministerpräsidenten der Natibnalfozialisten für Preu-
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
vN!<k und Verlag: vrLHI'Ich« Univer?iüt;-Vuch. und Steinöraicrei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Scschästsltelle: Schulstrage 7.
Sondergerichte fordern soll.
Die Vorverlegung der Gemeindewahlen.
Das Haus beschäftigte sich dann mit Anträgen des Hanbelsausschus.es über Dergbausragen und geht schließlich zur zweiten Beratung des nationalsozialistischen Gesetzentwurfes über die Vorverlegung der Gemeindewahle nauf den 6. Rovember über. Sm einzelnen sollen nach einem neuen Antrag der Rationalsozialisten außer den Gemeindeparlamenten auch die Provinziallandtage, Kommunalland- t a g e und Kreistage neugewählt werden.
Abg. Brückner (RS.) erklärt, der Sturmlauf gegen das System Draun-Severing sei nicht damit zu Ende, daß an ihre Stelle Dr. Bracht trete und im übrigen ein Staatsrat weiterbestehe, der als Fortsetzung des bisherigen Systems anzusehen sei. Die Reuwahlen würden auch eine vernünftige B e r w a l t u n g s r e f o r m zur Folge haben. Seder neue Wahlkampf sei um so mehr zu begrüßen, als auch durch die G e w e r V schäften ein großes Erwachen gehe und ihre blinde Hahstellung gegenüber dem Rationalsozialismus in Zukunft einer wohlwollenden Neutralität weichen werde. Der Redner wendet sich gegen das Wort von der schwarz-braunenKoa- l i t i o n und erklärt, es könne höchstens eine braun-schwarze geben, in berbraunbie Führung haben würbe. Wenn sich das Zentrum, durch dreizehnjährige Erfahrung belehrt, wieder auf seine allen Grundlagen zurückfinde, dann stehe seine Partei auf dem christlichen Standpunkt, dah man sich über jeden Sünder freuen soll, der Buhe tut. (Heiterkeit.)
Abg. Hensen- Godesberg (Z.) befürchtet, dah die in Aussicht genommene Verwaltungsreform auch noch den Rest der Selbstverwaltung beseitigen werde. Die Gemeinden müßten vor den Gefahren und Erschütterungen neuer Wahlen angesichts der allgemeinen Rotlage bewahrt werden. 'Bei den Gemeindevertretungen komme es mehr als bei den grohen Parlamenten auf Erfahrung und Persönlichkeit der gewählten Vertreter an als auf die politische Einstellung. Das Zentrum lehne die Vorlage ab.
Abg. Harnisch (Soz.) betont, dah die Sozialdemokratie eine neue Wahl nicht scheue, aber gegenwärtig keine R o t w e ndi g k e i t dazu sehe. Die Rotlage der Gemeirrden sei durch Wirtschaftskrise und Fürsorgetätigkeit entstanden und nicht durch die Schuld der Sozialdemokratie.
Abg. Dr. von Kries (Dnl.) erklärt, die Deutschnationalen könnten dem nationalsozialistischen Antrag nicht zustimmen, weil sie Grund zur Annahme hätten, dah die Regierung Bracht in aller Kürze eine weitgehende Verwaltungsreform auf dem kommunalen Gebiet ins Werk sehen werde. Eine Reuwahl vor dieser Der- waltungsreform sei nicht zweckmäßig.
Ter nationalsozialistische Gesetzentwurf wird mit den Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten angenommen. Wahlberechtigt sollen danach alle über 20 Sahre alten Reichsdeutschen sein, die am 1. Oktober ihren Wohnsitz im Gemeindebezirk haben.
Adg. Schmelzer (Zentr.) erklärt, die wichtigste Aufgabe des Parlaments fei es, durch Mehrheitsbildung eine gesunde Staatsführung zu gewährleisten. Wir wollen das Parlament nicht ausfchal- tcn lassen von der Führung der Geschäfte des Staates. Wenn wir die Volksrechte nicht zugrunde gehen lassen wollen, müssen wir eine starke arbeitsfähige Mehrheit bilden und Sympathie und Antipathie hinter bas Wohl des Staates stellen. Wir fühlen uns durchaus nickst als reuige Sünder, sondern wir sind frei von jeder Bindung und bereit, uns auf ein praktisches Arbeitsprogramm zu einigen.
Die Haushaltsnotverordnung wird dem Haupt- ausschuß überwiesen. Ein kommunistischer Antrag auf Aufhebung sämtlicher Zeitungsverbote und auf Amtsenthebung des Berliner Polizeipräsidenten Dr. Melcher wird mit den Stimmen der Nationalsozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Das Haus erteilt dem Präsidenten die Ermächtigung, von sich aus nach Bedarf den Termin der nächsten Landtagssitzung festzusetzen. Falls nicht besondere Umstände eintreten, ist mit dem Wiederzusammentritt des Landtages er st nach den Wahlen zu rechnen.
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