Senates NinöWs
Vornan von Hertha Fricke
ArheberrechtSschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau
30 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wir wollen sie in ihr Zimmer bringen und dort wach machen!" bestimmte der Professor. „Schwester Margot, halten Sie ein Glas Portwein bereit und etwas zu essen! — 3ch habe guten Mut, lieber Andresen! — Wir haben jetzt di« Möglichkeit, die Hemmung von ihrer Seele zu nehmen. Rur viel Geduld braucht es noch!"
Andresen drückte seinem Meister in stummem Dank die Hand.
Noch in derselben Rächt schickte er seinen Bericht an Frau von Diemen mit der Ditte, ihm doch umgehend den Schlüssel anzuvertrauen, den Eva-Marie in ihrer Handtasche verborgen hatte. Er würde ihn selbst in di« Hande des Herrn Dehrens bringen, den Frau Renate zum Empfänger und Erben jenes silbernen Kastens bestimmt habe.
„Was aber unser« Dorhoffnungen betrifft, hochverehrt«, gnädige Frau, so haben wir wohl ein Recht darauf, und wir sollen Hoffnung haben, solang« eine Möglichkeit ist, aber wir wollen sie nicht zu hoch spannen. — Möge der Himmel ihr Kraft geben, alles von ihrer Seel« zu sprechen und sich der Wendung zu freuen. Freude ist Medizin für sie, ist Heilmittel! Diese schreckliche Apathie must weichen! Sie ist noch so entsetzlich schwach. — Unser Professor hat streng verboten, mit ihr zu sprechen, ehe sie ein wenig kräftiger ist, und ehe man ihr leise beibringen kann, dast sie von dem schändlichen Verdacht frei ist."
23.
Es war ein« jener schönen Dillen in Bremen, in der eine sehr elegante junge Frau in einem tiefen Klubsofa säst und eine Zigarette rauchte. Si« blättert« in einer modernen, bunten Zeitschrift, die mit bizarren, etwas sezessionistisch gezeichneten Frauenfiguren bedeckt -war.
„Sieh mal! — Famos!" lacht« sie und zeigte dem schlanken Herrn im schlichten, blauen Tuchanzug einen etwas gewagten Witz mit grellfarbiger Illustration.
„Ich weist nicht, was daran Famoses sein soll!" antwortete er ablehnend.
„Run, di« Dame! Letzte Model Fabelhaft schick!"
„Rächstens siehst du auch so aus!" sagte er. Es lag aber entschieden anderes als Anerkennung in seinem Ton.
„Du hast wohl überhaupt keinen Sinn dafür!" schmollte die elegante, junge Frau und legte ihre hübschen Deine übereinander. Der kurze,
plissiert« Rock lieh fast die Knie frei, die in porphyrfarbenen Seidenstrümpfen steckten.
„Rein!" antwortete er ernst. „Für diese Art Weiblichkeit habe ich keinen Sinn, And es ist mir unsäglich peinlich, wenn meine Frau sich so kleidet! — Du bist vermögend, du bist ganz hübsch, du kannst es dir leisten! Aber ich habe dich schon oft gebeten, die Kleider nicht zu kurz zu tragen und nicht mit so nackten Armen herumzulaufen, es ist gar keine Veranlassung dazu da, denn wir haben kaum ein Grad Wärme draußen, und es ist Winter!"
„Deine Prüderie ist entsetzlich, Klaus! Wie eine alte Iungfer von Anno dazumal! Denn heutzutage sind auch die alten Iungfern vernünftiger!" — Sie nahm eine neue Zigarette aus dem elfenbeinernen Etui, steckte sie in eine vergoldete Spitze und zündete sie an.
„3a, wenn du es vernünftig nennst, möglichst viel von seinen Gliedmasten zu präsentieren!" Er trank seinen Kaffee ärgerlich und vertiefte sich in die Marineosfizierszeitung, die von seinen Kameraden aus früherer Zeit Kund« gab.
„Ach, tu doch nicht so, als ob ihr Männer das nicht gern seht!" Sie lachte hell und spöttisch auf.
Klaus Dehrens aber sah sie groß und ernst an. „Gerade, weil ich es weist, daß Männer das gern sehen, sehr Diele wenigstens —, darum wünsche ich das an meiner Frau nicht! Hast du denn gar kein Gefühl dafür?"
„Du bist unsäglich langweilig!" sagt« sie, unbekümmert, ob es ihn verletzte.
Er schwieg, und eine Weile war es ganz still in dem Zimmer. Man hörte nur das Umtoenöen der Dlütter. Endlich stand der Mann auf und machte der unbehaglichen Zweisamkeit ein Ende. „Ich will einmal aufs Kontor gehen, ob da Reues ist!" sagte er und knöpfte das Bordjackett zu.
„Was soll da sein?" fragte sie verwundert. „Du hast doch keinen Dienst!"
„Schiffsbewegungen! Reue Pläne, das interessiert mich doch!" antwortete er ruhig. „Die Gesellschaft macht sich wieder hoch! Vielleicht bekomme ich die Fahrt nach dem Indischen Ozean!"
„Deine alte Seefahrerei ist schrecklich! Rie bist du zu Hause!" erwiderte ärgerlich die junge Frau.
„Du hast doch einen Seemann geheiratet!" sagte er mit nachsichtigem Lächeln. „And deine Freundin, die den reichen Richtstuer, den Kell- mann geheiratet hat, meinte doch neulich, ein Mann, der den ganzen Tag zu Hause wäre, wäre noch viel schrecklicher!"
„Du hättest doch in Vaters Geschäft eintreten können!" tadelte sie.
„Am Gottes willen!" sagte er entsetzt und straffte den sehnigen Körper. „Auf dem Drehsessel rutschen und Zahlen schreiben, jahraus,
jahrein, — Kurs^ und Börsenberichte studieren und sich über die Rummern im Bankkonto freuen, — nein, mein Kind, lieber noch einmal in den Krieg!"
„(Seeräuber und Kriegsvolk!" sagte die junge Frau.
„Das sind die einzigen Schmeichelnamen, die ich von dir bekommen habe seit mehreren Tagen. Die verletzten mich nicht!"
„Run, das ist gut!" sagte sie versöhnlich. „Sie sollten dich auch nicht verletzen. 2m Gegenteil! Ich will heute abend Staat machen mit dem Seeräuber! Du kommst doch mit ins Tanzpalais!"
Der Mann stand am Fenster und sah in den fallenden Schnee hinaus. Er hatte die Hände in den Seitentaschen des blauen Iacketts, er rauchte nicht, er sah dem Flockenspiel zu und hatte eben an die Winterfreuden seiner Iugend gedacht, daheim im verschneiten Pfarrhofe in einem holsteinischen Dorf. Ietzt drehte er sich halb herum und fragte zerstreut: „Tanzpalais? Was meinst du?"
Sie trat dicht zu ihm hin und blies ihm den Rauch einer Zigarette ins Gesicht. „3a, Tanzpalais! — Tanzpalais, du Träumer! Heute abend um 8 Ahr. Kellmanns und Meyers kommen auch."
Er zog die Stirn in Falten. „Dreimal hast du mich schon in solche Sachen geschleppt! Vierzehn Tage bin ich kaum hier. Einen behaglichen Abend in unserem schönen Heim hat es überhaupt noch nicht gegeben! 3ch sehnte mich so nach meinen Büchern, nach meinem Flügel! — Vorgestern bei Kellmanns, gestern bei Meyers, Freitag im Taiiz- palais, Montag in der Operette —, Kind, ich bitte dich, last uns wenigstens heute mal zu Hause bleiben! — 3ch habe eine traurige Rachricht bekommen. 3emand, der mir sehr lieb war, ist gestorben!"
„Wer denn?" fragte sie ärgerlich.
„Du kennst ja doch nicht meine Freunde und Bekannten aus früheren Zeiten", sagte er ausweichend.
„Dann kannst du auch nicht verlangen, dast ich darum trauern soll!"
„3ch verlange es ja auch nicht! Aber daß du ein wenig Rücksicht auf mich nimmst!"
„Rimmst du denn welche?" trotzig warf sie sich wieder in den Sessel.
„3ch denke doch", antwortete er, „mehr als du vielleicht merkst. 3ch habe aber auch noch einen anderen Grund, als den Gedanken an einen dir unbekannten Menschen, dessen Tod mir nahegeht."
„And der wäre?" Empört sah sie zu ihm auf.
„Cs ist mir peinlich, meine Frau tanzen zu sehen in einem derartigen Lokal."
„Schweig! Wir passen nicht zueinander! 3ch lasse mir nicht alles verbieten! Was habe ich vom
Leben! Monatelang bist du weg, und kommst du endlich einmal nach Hause, dann verlangst du.. .“
»3ch verlange nur, dast meine Frau sich benimmt, wie ich es von den Frauen meiner Kameraden gewöhnt war! — Es ist nichts Auster- gewöhnliches für unsere Kreise. Aber du magst recht haben, wir passen nicht füreinander. Wir können später einmal darüber reden."
.Er ging nach der Diele, zog den Mantel an und setzte die blaue Tuchmütze mit dem blanken Schirm tief ins Gesicht und wollte eben gehen, als das Telephon läutete. Ruhig nahm er den Hörer ab: „Hier Klaus Dehrens!"
„Rorddeutscher Lloyd, Dureau 11. Hier ist ein Herr, der Sie gern sprechen möchte, Herr Kapitänleutnant! 3ch habe ihm zwar 3hre Wohnung genannt, aber er bittet, Sie hier im Kontor sprechen zu können!"
„3ch komme, ich war schon auf dem Wege! Wenn der Herr warten will!" antwortete Klaus.
„Desten Dank! Er will warten!"
Klaus Dehrens eilte die Treppe hinunter. Er schlug den Kragen hoch, der Schnee trieb toller.
Der kleine Gott Dhruva hatte vielleicht recht. Man kann nur einmal so lieben, dast man glücklich wird —, dast man nicht ohne einander leben kann!
„Liebe Renate", dachte er schmerzlich. „DaS warst du! Run bist du tot! — Was ist daS Leben überhaupt noch? — Die Stellung verloren, das Vaterland verloren, die Freunde in aller Welt verstreut, — und du, Geliebte--!"
Seine Augen, diese mutigen, deutschen Seemannsaugen, die in mancher Gefahr geblitzt hatten toie blanker Stahl, die sahen müde in die veränderte Welt. Dann pfiff er ganz leise eine schwermütige Melodie: „Wenn ich wüßte, ich könnte dich Wiedersehen!" Heiß beneidet« er die Kameraden, die auf dem „Himmelfahrtskommando", wie man den U- Boot-Krieg an der flandrischen Küste nannte, ihr Seemannsgrab gefunden hatten. Bis ihm bet wartend« Mann einfiel, der ihn im Bureau, nicht in seiner Wohnung hatte sprechen wollen. Wer konnte es sein? — Vielleicht ein stellensuchender Kamerad? Das kam öfter! And es wat auch nichts Anmögliches! — Der Lloyd stellte doch ein Schiff nach dem anderen wieder in Dienst. And die Kriegsmarine hatte immer die besten Seeleute gehabt, hatte auch die besten Aussichten! Die Freunde von einst! 3eder von ihnen lebte jetzt sein Sonderleben, hatte seine Sonderinteressen, wie des Lebens Kampf sie ihnen bot, aber wenn sie sich wieder trafen, dann zeigte ein Blick ihre tiefinnere Gemeinsamkeit! — Es war immer ein Festtag, solche Kameraden zu treffen. Darum trat er frohgemut in das Zimmer des großen Gebäudes, in dem sein Platz am Schreibtisch war. Ein« groß«, sympathisch« Männergestalt stand auf und verneigte sich vor ihm. Er kannte den Mann nicht. (Fortsetzung folgt.)
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