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24.9.1932 Erstes Blatt
 
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angenehme Rückwirkungen auf die Hal­tung der Deutsch-Amerikaner in Wis­consin und anderen Rordweststaaten bei den Prasidentschaf tswahlen befürchtete,weil man aus den Ansichten des Staatsdepartements hätte schließen können, daß Deutschland die stren­gen Bestimmungen des Versailler Vertrages inne­halten solle.

Die Reise des Senators Reed sei ur­sprünglich nur als Erholungsreise gedacht gewe­sen. Als aber Stimson von ihr hörte, habe er Reed im Hinblick auf dessen Tätigkeit im Aus­lande und als einer der führenden Unterhändler bei der Londoner Flottenkonferenz um einen Be­richtüberpolitische Fragendes Fer- nenOstens gebeten. Reed werde seinen Schluh- bericht nach seiner Rückkehr im Oktober vorlegen. Inzwischen sei bekannt geworden, daß er bei der französischen und der englischen Regierung ge­wisse Sympathien für Japan festgestellt habe, da beide keinen Wert darauf legten, Japan dem Völkerbund zu entfremden, oder gar Grund zu seinem Austritt aus dem Völkerbund zu geben. Eröffnung der Ratstagung.

Auch dieBöHerbundöfinanzen stehen schlecht

G e n f, 23. Sept. (WTD.) Die 68. Tagung des Völkerbundsrats wurde unter dem Vorsitz des Präsidenten des irischen Freistaat de Valero eröffnet. Deutschland ist durch seinen Außen­minister Freiherrn von Reurath ver­treten. Die Tagung begann mit einer kurzen, eindrucksvollen Trauerkundgebung für den verstorbenen Völkerbundskommissar in Dan­zig, Grafen Gravina. Außerhalb der Tagesord­nung nahm der Dölkerbundsrat einen Bericht des Ratspräsidenten über den Konflikt zwi­schen Bolivien und Paraguay ent­gegen. Im übrigen erledigte der Rat noch klei­nere Vorlagen. Freiherr v. Reurath er­klärte in seinem Bericht über die Arbeiten des Wirtschaftskomitees des Völkerbundes als Be­richterstatter des Rats, daß eine enge inter­nationale Zusammenarbeit notwendig sei, um wirksam die Folgen des wirtschaftlichen Rieder- ganges in der Welt zu bekämpfen. Verschiedene Anzeichen deuteten erfreulicherweise darauf hin. daß diese äleberzeugung sich Bahn breche. Er erinnere an die soeben abgeschlossene Konferenz von Stresa und an die Erwartungen, die man aus die künftige Weltwirtschaftskonferenz richte.

Der Eröffnungssitzung des Rates ging eine längere Geheimsitzung voraus, in der der Ver­treter Rorwegens die aufsehenerregende Mit­teilung machte, dah der Völkerbund im nächsten Jahre in eine äußerst prekäre finan­zielle Lage geraten werde, wenn die Bei­träge der Mitglieder weiter so schlecht eingehen wie jetzt. Es wurde beschlossen, diese Erklärung des norwegischen Vertreters sämtlichen Staaten zuzuleiten.

Französische Hetze gegen Henderson.

Paris, 24.Sept. (TU.) Rachdem die fran­zösische Presse vergeblich versucht hat, die Reichs­regierung wegen ihrer LInnachgiebigkeit unter Druck zu setzen, bietet dieHaltung Hender­sons in der Bureausitzung ein neues Ziel für den französischen Prefsefeldzug. Laudier, der ehemalige Staatssekretär im Kabinett Tardieu, geht soweit, Henderson in demHomme Libre" als eine Ratte zu bezeichnen, die sich am Genfer Käse vergiftet habe. DasJournal des Debats" erklärt, dah Henderson, der ebenso deutschfreundlich sei wie Macdonald und die Sozialisten der 2. Internationale, sein Amt als Präsident mißbraucht habe, um die deutsche Forderung von dem Bureau behandeln zu lassen. DerTeinps" beeilt sich, festzustellen, daß nur der Völkerbundsrat für die Behandlung der deutschen Forderung zustän­dig sei.

Hohe Gefängnisstrafen für national­sozialistische Studentenführer in der Tschechoslowakin.

Brünn, 24. Sept. (WTD. Funkspruch.) Der Senat des tschechischen Strafgerichts fällte heute in dem berüchtigten Prozeß gegen die leitenden Funktionäre der deutschen nationalsozialistischen OrganisationenVolkssport" undStudenten­bund" das Urteil. Die Angeklagten Hrider, Il­ling und Mehner erhielten je drei Jahre Gefängnis, Donnhäuser zwei Jahre Gefäng- nis, Petermichel 18 Monate, Pal liege 15 Monate und Schwab ein Jahr Gefängnis. Außerdem er­hielten alle Angeklagten hohe Geldstrafen. Sie verlieren ferner die bürgerlichen Ehrenrechte.

Am Montag Rundfunkrede des Reichsernährungsministers.

Berlin. 24. Sept. (WTB. Funkspruch.) In der Stunde der Regierung bringen alle deutschen Rundfunksender am Montag von 19 bis 2 0 U h r die Rode, die der Reichsernährungsminister Freiherr von Braun am gleichen Vormittag vor dem bayerischen Landwirtschaftsrat in München über die Hilfsmaßnahmen der Reichsregierung für die Landwirtschaft hält. Die Wiedergabe erfolgt von Schallplatten. die für die Rundfunksendung ausge­nommen wurden.

Landverteilungsaktion in Mecklenburg-Schwerin.

R o st o ck, 24. Sept. (ERB.) Der nationalsozia­listische Abg. Hildebrandt machte in einer Wahlversammlung Ausführungen über eine bevor­stehende neue Landverteilungsaktion in Mecklenburg- Schwerin. Im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungs­programms sollen mehrere durch die Agrarkrise zum Erliegen gekommene landwirtschaftliche Großbetriebe aufgelöst und in etwa 10 000Siedler stellen aufgeteilt werden. Ferner sollen durch Landabgaben an halbbäuerliche Landstellen annähernd 18 000 vollbäuerliche Land st eilen errichtet werden. Durch diese Land­verteilung hofft man über 25 000 Bauernstellen zu schaffen. Die erforderlichen Gelder zur Durchfüh­rung des Planes, von dem man eine Belebung aller Wirtschaftszweige erwartet, stünden bereits zur Ver­fügung.

Einigung zwischen

Hindus und Llnberührbaren.

Puna, 24. Sept. (WTD. Funkspruch.) Eine Verständigung über das Wahlrecht der Parias ist jetzt erzielt worden. Der Arzt, der Gandhi behandelt, erklärte, der Mahatma werde immer schwächer. Es bestehe wenig Hoff­nung, daß er wieder hergestellt werde, außer wenn er bald das Fasten aufgebe.

Der Wahlkampf beginnt.

Kube über diepoM derÄSDAP.

Keine Regierungsbildung mit Hugenberg.

München, 23. Sept. (TU.) Die RSK. bringt heute einen Artikel mit der Überschrift:Der Wahlkampf ist eröffne tl, worin der Ver­fasser, der preußischeLandtagsabgeordneteKube, u. a. schreibt: Wir sehen in der Reichstagsauf­lösung vom 12. September nur den verzweifelten Versuch, die reaktionären Kreise der DRVP. und der DDP. unter allen Umständen in die dann notwendigeRegierungs- bildung einzuschalten. Eine neue Reichstagsauflösung mit der ewig alten Degrün- dung, Hitler dürfe nicht an die Macht, würde die Fundamente des deutschen Staatswesens aufs schwerste erschüttern. Eine Ueöernahme der poli­tischen Leitung durch die Kreise um Hugenberg findet nach dem 6,'Rovember so we­nig unsere Anerkennung und Billi­gung wie vorher. Es handelt sich bei dem nun beginnenden Reichstagswahlkampf nur um den kläglichen Versuch, unter allen Umständen den Zeiger der Weltenuhr rückwärts zu stellen.

Kube wendet sich dann gegen die Angriffe insbesondere der Deutschnationalen wegen der Verhandlungen der Rationalsozia- listen mit dem Zentrum und bemerkt dazu, der Rationalsozialismus habe bei allen Koa­litionen in den Ländern bisher gezeigt, dah er auch nicht einen Punkt von seinen Forderungen aufzugeben gewillt fei.

Die ASDAp. antwortet Hans Grimm und August Mnnig.

München 23. Sept. (TU.) Unter der Ueber- schristEine Frage und eine Antwort" nimmt die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP, zu der in derBerliner Börsenzeitung" veröffent­lichtenOeffentlichen Bitte" von Hans Grimm und August Winnig Stellung. Sie erklärt hier­zu u. a.:Die nationalsozialistische Bewegung läßt sich weder in eine klassenkämpferische Arbeitnehmer­front, noch in eine klassenkämpferische Arbeitgeber­front hineintreiben. Wer eine solche Möglichkeit überhaupt für gegeben hält und diskutiert, beweist, daß er den Sinn der nationalsoziali­stischen Bewegung nicht begriffen hat. Nationalsozialismus ist seinem innersten Wesen nach ja gerade Ueberroinbung des Klassen- fampfes, durch den der kapitalistische Liberalis­mus und der aus ihm geborene Marxismus das deutsche Volk zerrissen haben. Wenn heute die Re­gierung von Papen und eine hinter ihr stehende kleine reaktionäre Schicht den ebenso aussichtslosen als unverantwortlichen Versuch unternehmen, diese durch Adolf Hitler neu geschaffene Front des deutschen Volkes durch un­soziale Maßnahmen zugunsten einseitiger Klassen- intereffen zu zer stören, so bleibt die national­

sozialistische Bewegung sich selbst und ihrem Kampf für die Volksgemeinschaft treu, wenn sie diesem Zer­störungswerk entgegentritt. Sie weiß sich in diesem Kampf einig nicht nur mit den ärmsten ihrer Volksgenossen, sondern auch mit allen ein­sichtigen und ehrlich um die Zukunft des deutschen Volkes bemühten Persönlichkeiten des Wirtschafts­lebens."

Eine Wahlrede Görings.

Weimar, 23. Sept. (TU.) Reichstagspräsi­dent G ä r i n g wandte sich in einer Wahl­versammlung der Rationalsozialisten scharf ge­gen die Reichsregierung. Die national­sozialistische Bewegung habe 14 Jahre lang ge­kämpft, den Freiheitskampf gepredigt und das Volk aufgerüttelt, während sich die Reaktion in der politischen Etappe herumgedrückt habe, um jetzt plötzlich zu verfälschen, was die Rational­sozialisten erstrebten. Auf die Ergänze ipi Reichstag am 12. September eingHend, stellte er fest, daß die Regierung v. Papen zu Recht gestürzt sei. Wenn der Reichskanzler sage, daß die Regierungsmitglieder im Reichstag jeder­zeit das Wort erhalten könnten, so habe er wohl vergessen, daß im Jahre 1919 das Wovt Jederzeit" aus der Verfassung gestrichen und die Bestimmung angenommen worden sei, dah auch die Regierungsvertreter der Ord­nungsgewalt des Reichstagspräsi­denten unterständen.

Das Ziel des Zentrums.

Köln, 23. Sept. (TU. Funkspruch.) In einer Zentrumskundgebung sprach der stellvertretende Vorsitzende I o o s u. a.: Wenn sich die wirtschaft­lichen Hoffnungen verwirklichen sollten, brauchten wir eine Regierung, die Frieden mache mit der Volksvertretung, die eine Außen­politik mache, die uns nicht rettungslos die Welt verrammele, die die Wirtschaft auflockere, aber nicht so, daß dem einen die Opfer aufgebürdet, dem anderen die Geschenke gegeben würden. Auch die Produktion des Staates mühte der Ratio­nalisierung unterworfen werden. Das könne zu einem Umbau unseres Steuerwesens führen, zu neuem Ausgleich zwischen direkten und indirekten Steuern. Es sei gefährlich, wenn der Grundsatz des Staates, die Verfassung, leicht genommen werde. Man solle nicht mit Kon­flikten spielen. Bismarck habe jahrelang gegen das Parlament regiert, aber nicht jeder Staatsmann sei Bismarck. Die Parole des Zen­trums laute: Gesundung durch Befriedung für eine Regierung, die die Volksvertretung achte und mit ihr Zusammenarbeiten wolle, die sich vom Wege sozialer Gerechtigkeit nicht abbringen lasse und die das deutsche Recht in zäher Aus­dauer mit Mitteln des Friedens suche und damit einen deutschen Aufstieg begründe.

Stetiger Kleinkrieg um Aokschachikohle.

polnische Arbeitslosenunterstützung. Arbeit im Biedaschacht. Oie Schlacht zwischen den Kohlenhalden. Oer schwarze Tod.

Von unserem E. E.-Korrespondenten.

Beuthen (Obschl.), September 1932.

Die deutschen Unterstützungssätze für die Ar­beitslosen sind nach der letzten Rotverordnung soweit gesenkt worden, dah es nach unseren Be­griffen tiefer nicht mehr gehen kann. Und doch, angesichts des Elends der Erwerbslosen, ange­sichts des gefährdeten Gesundheitszustandes, in dem sich nach schulärztlichem Gutachten die Kinder der Erwerbslosen befinden: noch schlimmer, noch trostloser sieht es in einem ehemals deutschen Gebiet, in Ostoberschlesien, um Königs- Hütte und Kattowih, aus. Die polnischen Unterstützungssätze betragen nicht mehr als 2 (zwei) Zloty, d. i. 9 6 Pfennig pro Mann und Monat. Auch bei dem sehr niedrigen Lebensstandard der Bevölkerung Ost- oberschlesiens kann mit diesem Gelde nicht ein einziger Mensch leben, und so ist die Selbstmord­kurve in der letzten Zeit hier gewaltig angestiegen. Die Männer gehen, solange es noch warm ist, nur mit Hose und Hemd bekleidet, die Frauen haben einen alten Fetzen von Kleid an, und kein einziger kann sich Strümpfe oder gar Schuhe leisten. Die ruhen im Schrank für den Winter. Wer noch Unternehmungsgeist hat, lebt vom Diebstahl, der bandenweise organisiert ist, ein anderer Teil hat sich auf den Schmuggel verlegt, bei dem etwas mehr zu verdienen ist, wobei man aber, da die polnischen Zollbeamten ohne Anruf schiehen dürfen, leicht ums Leben kommen kann. Wenn aber der Staat dieses Leben nur mit zwei Zloty im Monat bewertet, schlägt man es schon für einen wohlhabenden Schmuggel-Organisator für zwei Zloty pro Tag in die Schanze. Der notwendige Hausbrand man kocht in Ober­schlesien in den Haushaltungen nur auf Kohlen­feuer wird ebenfalls auf Schleichwegen be­sorgt, durchdieArbeitimDiedaschacht.

Dieda (sprich dreisilbig mit kurzem e und kurzem a) heißt Rot. Biedaschacht ist der Rot­schacht. Er wird da abgetäust, wo die Kohle infolge der Erdverwerfung nahe an die Ober­fläche herantritt, und die Kohle, die man hier touö abbauen kann, ist billiger, als wenn man ne kaufen müßte. Mit primitiven Hilfsmitteln wird da von einer Gruppe Menschen, die ja meist arbeitslose Bergleute sind, ein Schacht in die Erde getrieben, bis zu zwanzig Meter tief, und dort unten, ohne Lüftung und ohne Sicherung buddeln nun die Arbeitslosen die Kohlen zutage' Auf brüchigen Leitern klettern schweißtriefende, ausgemergelte Gestalten auf und ab, in alten Säcken die kostbare Kohle zentnerweise verstaut. Schwarz sind sie von Kopf bis zu Fuß, kaum mehr menschenähnlich. Täglich werden so die Kohlen heraufgeholt, heimlich abtransportiert und, soweit sie nicht für den eigenen Bedarf sind, verkauft, zu einem Preise, der den Preis der Schachtkohle um ein vielfaches unterbietet. Dis zu einem Fünftel des regulären Preises gehen die wilden Kohlenhändler herab, und es ist klar, dah das eine scharfe Konkurrenz für die Gruben bedeutet.

Auf den Feldern der Agneshüile bei Josephs- dorf gilt die Diedokohle als besonders gut hier werden von den organisierken Rolschachlsarbeilern täglich 500 bis 1000 Fuhren gefördert. Bis aus

der Gegend von Lublinih, also stundenweit über Land, kommen Wagen angefahren, die sich mit Biedakohlen beladen lassen. Rund 1000 Mann arbeiten hier regelrecht in drei Schichten, wäh­rend ringsum die Gruben ihre Arbeiter hundert- weise entlassen und die Tore schließen, weil die Haldenbestände allzu sehr angewachsen sind. Natürlich wird die selbstgeschaffene Arbeitsstätte scharf bewacht. Unbefugte können das Gelände nicht betreten. Diebstahl ist so gut wie ausge­schlossen. Die Gemeinschaft der Rot hat einen straffen und starken Gemeinschaftsgeist heran­gebildet.

Kürzlich ist aber ein systematischer Angriff auf dieses Abbaugebiet von anderen Arbeitslosen gemacht worden, die auf den Erfolg der Agnes- Hütter Diedakohle neidisch waren. Mit Stöcken, Zaunlatten, Steinen und anderen Waffen ström­ten die bedrohten Agneshütter zusammen und nahmen den Kampf gegen die Eindringlinge auf. Stundenlang wogte das Gefecht hin und her. Mit der größten Erbitterung von Menschen, denen ihr letztes genommen werden soll, fochten die armen Kumpels um ihre Rotlöcher. Die Kunde von der Prügelei flog durch die Dörfer, und bald stand auf den hohen Halden ringsum eine vielhundertköpfige Menge, die dem Kampfgetüm- mel zusah. Die geförderten Kohlenhaufen wurden von Freunden in Sicherheit gebracht, die Straßen gegen äleberraschungen durch die polnische Polizei gesichert, der Verkehr gesperrt. Aber doch kam die Polizei irgendwie dahinter, und sie erschien in mehreren Hundertschaften, mit Stahlhelm und Gewehren ausgerüstet, umzingelte das Gelände und schoß unbarmherzig auf die wehrlosen Ar­beiter, die sich, mit nacktem Oberkörper, nur mit Aexten und Keilhauen aus den Diedaschächten ausgerüstet, verzweifelt zur Wehr setzten. Sie wurden alle aus ihren Löchern vertrieben, zehn Tote und zahlreiche Verletzte blieben auf dem Schlachtfeld des schwarzen Todes. So fordert die Kohle auch ihre Opfer über Tage.

Die polnische Polizei hält das Schlachtfeld weiter beseht. Aber die Suche nach neuen Schächten hat bereits begonnen. Denn wovon sollen diese Höhlenmenschen sonst leben?

Hochschulnachrichlen.

In Marburg verstarb dieser Tage der ordentliche Llniversitätsprofessor Dr. theol. Fried­rich Riebergall im Alter von H6 Iahren. Geboren am 10. März 1866 in Kirn an der Rahe, wurde er zunächst Licentiat an der Universität Eießen, 1908 Extraordinarius in Heidelberg und 1922 Ordinarius an der ilniberfität Marburg. Don seinen zahlreichen fachwissenschaftlichen Ar­beiten seien genannt:Die moderne Predigt"; Iesus im Unterricht";Praktische Theologie"; Die religiöse Erziehung in Schule und Haus"; Der neue Religionsunterricht" undGeschichte des evangelischen Gottesdienstes".

Aus Oer provinzialhaupistavt.

Gießen, den 24.September 1932.

Wenn der Herbst im Lande ist ...

Von Reinhold Braun.

Gewöhne dich ans freie Anschauen der Natur! Sie wird dir immer ernsthafte Betrachtungen erwecken. Goethe.

In des WeimarersBriefen aus der Schweiz" lesen wir Folgendes:Man schickte uns neulich einen Korb mit Obst; ich war entzückt wie von einem himmlischen Anblick. Ich konnte mich nicht überwinden, eine Beere abzupflücken, eine Pfir­siche, eine Feige aufzubrechen. Gewiß, dieser Ge­nuß des Auges und des inneren Sinnes ist höher, des Menschen würdiger.

Und weiter spricht er davon, daß viele glauben, die Natur habe sich für ihren Gaumen in Wun­dern erschöpft."

Gaumen-Mensch oder Mensch des inneren Sin­nes? Dem Gaumen sein Recht mit Maß und Ziel! Auch das gehört zur Lebensfreude. Aber die Freude des inneren Sinnes mit in allem Genüsse das Erste bleiben! Das ist dann auch die rechte Herbstfreude, die ja nur ein Ausschnitt großer Daseinsfreude ist.

Der Mensch des inneren Sinnes: Immer bringt er, wenn der Herbst mit seiner Schönheit und Fruchtfülle in ihn eingeht, bis zu der Mitte alles Lebens, bis zu Gott vor, und sein Inwendiges schwingt im heiligen Danke auf. Jede Labung, die ihm der Herbst bereitet, geht bis auf den Grund feines Wefens. In jeder Frucht erblickt er eine Botin der ewigen Schöpferkraft. Von neuem ver­tieft er feine Weisheit, daß auch hinter jedem Herbste die drei stehen: Glaube, Liebe und Hoff­nung.

Gott gefegne dir also deine Herbstreude, du lieber Mensch des inneren Sinnes!

*

Herbstgefühl ...

Rinnt bei diesem Worte nicht zuviel Müdigkeit durch manchen Menschen, und erschauert sein Herz nicht allzu sehr?

Wohl ohne eine gewisse Schwermut läßt sich kaum ein Herbst erleben. Aber ich finde, es ist der Sentimentalität oft gar zu viel.

Willkommen, Herbst!

Das ist das Wort des Starten und wahrhaft Weifen! Es bedeutet, dasfröhliche Gefühl von der Vergänglichkeit" im Sinne Schleiermachers zu haben, sich herzhaft abzufinden mit dem Lause die­ser Welt, auch mit dem Herbste des Lebens, auch dann, wenn er sich bereits dem Winter entgegen­neigt.

Es bedeutet, sich mit voller Bewußtheit und aller Kraft der Seele in den Ring der Tage zu stellen und auch unter dem gilbenden Laube den Kelch der Freude beglückt an die Lippe zu führen, mit dem eigenen Reichtum sich der Fülle ringsum bei­zugesellen und die Lust des schenkenden Herzens mit reinen Sinnen zu empfinden.

Willkommen, Herbst! Das ist der Zuruf der Treue, die sich ruhig sagen kann, daß sie versucht hat, allzeit ihr Bestes zu tun und zu geben, die zugleich dessen eingedenk ist, daß mancherlei Gnade dabei war.

Willkommen, Herbst! Wie klar die Tage sind! Wohl dem Menschen, dessen Klarheit also leuchtet!

Der Baum mußte ausgeschnitten werden; die Reben wurden gebrochen. Immer war Schmerz dabei. Aber keine Fruchtfülle ohne dieses, und auch keine Klarheit. ...

Willwmmen, Herbst!

ReH werden ist alles!

Um die Betreuung

der Arbeitsdienst-Freiwilligen.

Das Arbeitsamt Gießen und das Hessische Heimatwerk e. D., Abteilung Oberhessen, hatten die Direktoren und Lehrkräfte der höheren Schu­len im Kreise Gießen für Donnerstagnachmittag zu einer Versammlung eingeladen. Auch diese Versammlung sollte dazu dienen, weitere Mit­arbeiter für die geistige, berufliche und sportliche Betreuung der im Freiwillligen Arbeitsdienst Tätigen zu gewinnen. Eine stattliche Reihe von Herren fast aller höheren Schulgattungen hatten ber Einladung Folge geleistet.

Studienrat W. S ch m i d t, der Vorsitzende der Abteilung Oberhessen des Hessischen Heimatwer­kes wies in einleitenden Ausführungen auf die Rotwendi^eit und Wichtigkeit der Detreuungs- arbeit hin. In einem längeren Vortrag gab dann der ehrenamtliche Geschäftsführer der Ab­teilung Oberhessen des Hessischen Heimatwerkes, stuck, theol. et phü. Seipp, einen Lleberblick über die bisherige Entwicklung des freiwilligen Arbeitsdienstes im allgemeinen und der Detreu- ungsarbeit, die schon seit mehreren Monaten im Gange ist, im besonderen. Als Ziel des Frei­willigen Arbeitsdienstes, wie es der Betreuer sieht, wurden von ihm drei Punkte herausgestellt:

1. Die Arbeitsdienstfreiwilligen sollen in selbst­loser freiwilliger Tätigkeit werteschaffende Ar­beit leisten.

2. Das Leben der Arbeitsdienstfreiwilligen soll wieder mit einem Inhalt ausgefüllt und mit regelmäßiger Arbeit vertraut gemacht werden. Die Arbeit ist das wichtigste Erziehungsmittel zu beruflicher Fertigkeit und zum Bewußtsein der Pflicht gegen sich selbst und gegen die Volks­gemeinschaft.

3. In finnvoller Zusammenwirkung von ernster, selbstloser und freiwilliger Gemeinschaftsarbeit mit zweckmäßig und wirkungsvoll von ge­eigneten Persönlichkeiten durchgeführten geisti­gen, beruflichen und sportlichen Dildungs- und Detreuungsmaßnahmen soll der Arbeitsdienst­freiwillige den Wert von Arbeit, Gemeinschaft, Disziplin und Pflichterfüllung schätzen lernen. Er soll lernen, sich als Glied einer großen Ge­meinschaft, der Volksgemeinschaft, zu fühlen. In weiteren Ausführungen ging Herr Seipp dann noch auf die Art und Weise der Detreuungsmah- nahmen und deren Durchführung ein.

Regierungsrat Dr. Bues, der Vorsitzende des Arbeitsamtes Gießen, der sich um die Einführung des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Oberhessen in ganz besonderer Weise verdient gemacht hat, er­gänzte diese Ausführungen durch Erfahrungen aus der Praxis. So wies er z. D. an Hand von Sta­tistiken nach, dah etwa 45 Prozent aller Arbeits­dienstfreiwilligen eine höhere Unter- ftütjung Aufgaben. CBei ihrem Eintritt in den Freiwilligen Arbeitsdienst, wobei diese vorher bezogene Unterstützung teilweise bis zu 40 Pro­zent über der im Freiwilligen Arbeitsdienst ge­währten Vergütung lag. Dieser Verzicht kann nur mit der Sehnsucht vieler Arbeitslosen erklärt werden, die ihrem Leben durch eine regelmäßige Arbeit wieder Sinn undInhalt geben wollen.

Eine rege Aussprache schloß sich an, an der