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Vornan von Hertha Fricke
Urheberrechtsschuh: Verlag Oskar Meister, Werdau
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Es freut mich um Ihretwillen, Cva-Marie! Denn Sie sind jung, Sie sind sehr hübsch, Sie sind fein und herzensgut. Es täte mir leid, Sie in diesem Krankenzimmer zu hallen! Jugend hat ein Anrecht aufs Leben! Darum freut es mich, das) mein guter Schwager etwas zu geben hat. Richts bringt doch unserem Leben mehr Inhalt, als der Umgang mit einer liebenswürdigen Person des anderen Geschlechts. Haben wir den, so entbehren wir nichts!"
„Ich entbehre auch so nichts bei Ihnen! Sie sind so gütig zu mir!" Eva-Marie sah die Leidende dankbar an.
„Ich habe Sie lieb!" sagte Renate einfach. „Und es ist etwas Köstliches, jemanden um sich zu haben, den man lieb hat!"
Da küßte Eva-Marie gerührt die feine, blasse Hand, die auf der fliederfarbenen Seidendecke 'lag.
„Erzählen Sie mir von Ihrer Rügenheimat!" bat leise Renate. „Ich war dort so glücklich, wie nie wieder auf Erden!'
Eva-Marie erzählte von den Buchenhainen itnö Hünengräbern. Don dem blauglihernden Boden zwischen den hohen Ufern. Bon dem vornehmen alten Stralsund mit feinen herrlichen alten Türmen. Don den Sagen aus germanischer Dorzeit, von all dem drolligen und zähe fest- gehaltenen Glauben und Aberglauben auf Rügen. Don Mönchguter Trachten und den originellen Volkstänzen.
„Ich möchte noch einmal nach Rügen, ehe ich sterbe!" Die Kranke hatte eine heiße Sehnsucht in den großen Augen. „Wenn Sie mitkämen, Eva-Warie!"
„Ich komme gern mit!" sagte erschüttert Eva- Marie. „Warum sollten Sie nicht einmal dahin reisen können? Wenn der Sommer kommt und es uns hier in Berlin zu heiß und zu staubig wird, wie gut wird Ihnen das tun!“
„Wenn ich noch so lange lebe!" Renate Andresen sah trübe ins Leere. Eva-Marie wußte keinen Trost. Sie streichelte nur den blonden Scheitel, küßte zärtlich die blasse Stirn. „Ich habe Sie lieb!" hatte die kranke Herrin doch gesagt, da durfte sie es wagen.
„Möchten Sie zu einer schlichten Frau Andresen ,®u' sagen Fräulein Eva-Marie von Diemen?" flüsterte Frau Renate.
„Oh, sehr gern!" antwortete das Mädchen herzlich.
Da zog Frau Andresen ihren Kopf zu sich herab und küßte sie auf den Mund. „Wir sind doch schon lange Freundinnen, Eva-Marie, und ich brauche dich — so sehr!"
„Du kannst dich auf mich verlassen, liebe Renate! Ich brauche wohl nicht zu versichern, daß ich dir unendlich zugetan bin!" Eva-Marie nahm einfach und still die feinen, blassen Hände.
„Rein, mein Herz, das brauchst du nicht, das fühle ich!" Die Kranke legte sich mit einem glücklichen Gesicht in ihre Seidenkissen zurück. „Wie schön, daß ich dich habe, Eva-Marie!" Sie nahm einen kleinen Schlüssel, den sie an einem kleinen Kettchen trug und in ihrem Kleide versteckt hatte. Den reichte sie dem Mädchen. „Da, schließe einmal auf, das dritte Fach links in dem Schreibtisch drüben. Da steht ein kleiner silberner Kasten, hol' mir den einmal!"
Eva-Marie nahm den Schlüssel und schloß den weißen Schreibtisch auf, dessen Wände und Kästen feine, schwarze Intarsien verzierten. Ein unendlich fein gearbeitetes Kästchen, auf dessen Deckel kostbare Edelsteine einen kleinen indischen Gott umrahmten, stand in dem Fach. Eva-Marie bewunderte es und reichte es der neuen Freundin. Die zog eine Feder, schob an einigen Verzierungen und drückte zuletzt auf den großen Rubin in der Mitte, da sprang das Kästchen mit einem klingenden Ton auf.
„Kein Mensch kann es öffnen!" sagte Renate mit kindlichem Vergnügen an der kostbaren Spielerei. „Rur ich! Ünd niemand ahnt, was für Schätze ich darin verwahre. Richt dies" — sie holte einen einfachen kleinen Ring heraus, der eine schöne Perle trug — „auch dies nicht." Sie zeigte auf ein hübsches orientalisches Armband. „Rein, das Beste sind die Briefe hier! Mein köstlichster Besch! ilnb wenn ich einmal sterbe, Eva-Marie, dann nimmst du das Kästchen an dich! Du allein darfst die Briefe lesen. Den Ring sollst du dann erben, aber das Kästchen mit den Briefen und dem Armband, das bringst du jemanden, von dem ich dir noch erzählen will! Versprichst du mir das?"
„Ich verspreche es, Renate!" sagte Eva-Marie.
„Unb du sprichst zu niemandem davon! Rie darf meine Gerti das erfahren. Rie! Sonst würde sie Dater und Mutter verachten!"
„Verlaß dich auf mich, Renate! Mein heilig Ehrenwort!"
Eva-Marie tupfte eine Träne aus den Augen. „Aber sprich nicht vom Sterben, und rege dich nicht auf! Es schadet dir doch! Hub mir tut's weh!" Da hörten bie beiben Damen bas Rauschen eines Kleides. Erschreckt sah sich Eva-Marie um. Schwester Elisabeth war lautlos hereingekommen. Ihre kalten, blauen Augen sahen mit einem erstaunten Blick auf das kleine Kunstwerk und auf die Kranke. Diese schloß ellig das Kästchen, reichte es Eva-Marie und winkte ihr, es
wieder art seinen Platz zu stellen. Eva-Marie nahm es ruhig und schloß es wieder ein, den Schlüssel an Frau Renate zurückgebend. Diese nestelte ihn behutsam wieder an das Kettchen an ihrer Brust, zog das Kleid zusammen und fing an, von alltäglichen Dingen zu erzählen.
4.
„Es ist mir jetzt leichter, mit Ihnen von Renate zu reden, da Sie Ihre Freundin sind, Fräulein Eva-Marie!" sagte Dr. Andresen, als er wieder einmal die junge Dame auf einem Sonn- tagsspaziergang begleitete. Sie gingen diesmal durch Potsdam, wohin der Vorortzug sie gebracht hatte. Schimmernd im lichten Grün stand die Allee nach Sanssouci. Hochragend wie zwei grüne Wände die geschnittenen Bäume, wie ein Auftakt zu der blühenden Sommerschönheit, der fast unbegreiflichen, wunderbaren Gartenkunst, die um die uralten, prächtigen Schlösser her alle Jahre von neuem erblühte.
„Es ist mir lieb, wenn Sie mir von Renate sprechen!" antwortete Eva-Marie. „Denn ich habe sie lieb und möchte ihr so gerne helfen!"
„Was da zu helfen ist, Sie Gute, das tun Sie schon! Cs gilt, ihre letzte Lebenszeit so sonnig und freundlich wie möglich zu machen!" Dr. Andresen sah nach einer schönen Mar-morfigur hin. Es war, als würde es ihm schwer, ruhig und unbefangen zu sprechen.
„Steht es so?" fragte Eva-Marie von Diemen erschrocken. Er nickte nur. Sein feines, rassiges Profil stand klar gegen den weißen Stein einer Mauer.
„Renate sieht manchmal so rosig aus! Man könnte sagen ,so wohl', wenn dann ber flackernde Glanz in ihren Augen nicht wäre!" meinte bas junge Mädchen sinnend.
„Rosig? — wohl? — ach, das sind Fried- hossrosen! — Sie haben wohl noch nicht viel Schwerkranke gesehen, Fräulein Eva-Marie?"
„Rein, Herr Doktor!"
„Es ist sehr schade, daß hier so viele Menschen sind", sagte das Mädchen nach einer Weile.
„Sonntag!" gab der Doktor zur Antwort. „Aber Friedrichs schöner Garten hat auch stillere Plätze. Kommen Sie!"
Er führte seine Begleiterin weiter hin nach Charlottenhof. Dort am Wasser war eine leere Bank.
„Was fehlt Renate?" fragte mit innigem Mitgefühl das Mädchen.
„Ein Arzt spricht nicht gern davon und soll es auch nicht. Aber Sie haben ein Recht, es zu wissen!" sagte er still.
„Wie lange Feit geben Sie ihr?" Der köstliche Sommertag war plötzlich trostlos für Eva- Marie. Warum — warum war das Schicksal so hart? — Warum vernichtete es unbarmherzig solch blühendes Leben? — Eines Kindes Mutter? —
„Wer kann das sagen, liebes Fräulein! — Cs können drei, vier Jahre noch werden — es kann auch bald vorüber fein. — Vielleicht wäre es gut! Denn die letzten Leiden sind entsetzlich! Gegen die haben wir Aerzte kein Mittel, nur eine große Barmherzigkeit, die heißt Morphium!"
„Wie heißt die Krankheit?" fragte Eva-Marie leise.
Einige Minuten zögerte ber Mann. Dann sprach er bas Wort aus, bas bie Menschen scheuen und fürchten. „Krebs!"
„Ach Gott!" sagte Eva-Marie. Tränen rannen über ihr liebliches Gesicht.
„Weinen Sie nicht! — Es ist Ihr Sonntag! Sie sollen und müssen sich erholen! Sie werden noch manche Kraft brauchen!"
„Ich werde sie haben!" versprach das Mädchen fest.
„Renates Stimmungen sind oft nicht leicht erträglich!" sagte Andresen.
„Sie kann nichts dafür!" entschuldigte Eva- Marie. „lind mir sind sie nicht unerträglich!"
„Rein, Sie sind ein Segen für die Arme! Es ist viel besser mit diesen Stimmungen, seit Sie bei ihr sind. Wie machen Sie das nur?"
„Ich habe sie lieb!" antwortete Eva-Marie.
„Ja, das mag es sein! — Aber nicht jeder kann eine so hoffnungslose Kranke liebhaben! — Mitleid ist etwas anderes! — Sie sind ihr ein Trost!" .
„Ich weiß nicht, womit ich sie tröste!" sagte versonnen Eva-Marie von Diemen. Ihre Gedanken waren weit ab von ber blühenben Schönheit rings umher. Sie waren bei ber kranken Renate.
„Cs gibt Menschen, bie trösten, ohne es zu wissen! Durch bie Liebe, bie sie ausstrahlen. Durch ihr ganzes Dasein! So finb Sie auch mir ein Trost!"
„Es soll mich freuen, wenn es so ist! Denn Sie finb ein guter Mensch, Herr Doktor! lind einer, ber sehr viel arbeitet! Hnb Sie sehen viel Trauriges in Ihrem schweren Beruf! Darum freue ich mich!"
„Das ist gewiß! Darum ist mir bas bißchen Sonne nötig! So nötig, wie bie Ruhe nach bem mühseligen Tag! ilnb heute ist mein Ruhetag! — Ich habe Sie traurig gemacht, Eva-Marie! Damit habe ich mich selbst um mein Sonntagsglück gebracht!"
Da lächelte ihn Eva-Marie an. „Sehen Sie diese Rosenpracht, Herr Doktor? — Unb bas Finkenpärchen ba brüben!" Die schönen, graublauen Augen schimmerten noch feucht, während ber Wunb zu lächeln versuchte.
Es war ein schmerzliches, kleines Lächeln, aber gerabe barum bem Mann so unsäglich rührend. Er fühlte, daß sie ihn damit erfreuen wollte.
(Fortsetzung folgt.)
Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an L* Bernard
Friedhofes statt.
Gießen, 24. August 1932.
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In tiefer Trauer:
Ludwig Weber und Kinder
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter,Schwester,Schwägerin und Tante
Frau Elisabethe Weber, geb. Klein
im Alter von 56 Jahren heute in die Ewigkeit abzurufen.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 25. August, nachmittags 3 Uhr. vom Trauerhause, Frankfurter Straße 96, aus statt.
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In stiller Trauer:
Alexander Ringel u. Frau Elisabeth, geb. Bramm Conrad Bramm und Frau Luise, geb. Sepp 5 Enkelkinder und 4 Urenkel
Allersvereiiiigimg 1872-1922
Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden
Herr Balthasar Amend
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Am 22. August 1932 verschied nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel
Herr Balthasar Amend
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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen \ Johanna Amend, geb. Dickhardt.
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