Ur. 198 Zweites Blatt
Ebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 24. August 1952
Aus Natur und Technik.
säure und noch einigen anderen Stossen das Erdöl entstanden sei. Gegen alle Einwände, die dagegen erhoben wurden, konnte diese kühne Annahme durch immer weitere Verfeinerung ausrecht erholten und auch im Laboratorium experi- mentell bestätigt werden. Nur an einer Kleinigkeit scheiterte sie zuletzt doch. Alles Erdöl, so ve» schieden es auch in seiner chemischen Deschaffen- heit sein mag, enthält sehr kleine Mengen eines besonderen Stosses, des Cholesterins, das sich dadurch verrät, daß es die Polarisationsebene des Lichtes zu drehen vermag. Wie das Cholesterin aber in das Erdöl gekommen sei, das konnte die Mendelejeffsche Hypothese nicht erklären, denn wir finden es sonst in der Natur nur im Tierkörper, und zwar in außerordentlich kleinen Mengen. Was lag näher als anzunehmen, daß verwesende Tierkörper in ungeheurer Zahl schließlich das Erdöl ergeben hätten?
Das war auch in der Tat die Hypothese der beiden deutschen Forscher Engler und Höfer. Abgestorbene Meerestiere in ungeheurer Zahl in einer Ducht der vorweltlichen Meere zusammen- aespült, zu Boden gesunken und im Laufe der Jahrtausende von einer Ton- und Mergelschicht bedeckt, konnten so, von Luft und Wasser abgeschlossen, verwesen, wobei schließlich jenes Gemisch von chemischen Verbindungen entstand, das wir als Erdöl bezeichnen, und das an jeder Quelle eine andere Zusammensetzung aufweist. Auch Bakterien werden hierbei tätige Mithelfer gewesen sein. Freilich können wir uns die Mengen tierischer Körper, die dazu nötig sind, schlechterdings nicht vorstellen, aber wir müssen bei solchen Dingen lernen, an geologische Epochen zu denken, gegen die unsere geschichtlichen Zeiträume „eine Sekunde der Ewigkeit" sind. Die Natur kennt keine Eile: Hochdruck und hohe Temperaturen, die Haupthilfsmittel unserer chemischen Fabriken, braucht sie nicht, geduldig häuft sie im Verlaufe unvorstellbar langer Zeiträume eine Schicht auf die andere, aus Millimetern er
wachsen Meter und selbst Kilometer. Ganz langsam und im Stillen arbeiten dann ihre chemischen Kräfte an der Umwandlung der aufgehäuften Massen, bis das Endprodukt erreicht ist. So wird auch das Petroleum entstanden sein, meist aus Meerestieren, teilweise wohl auch aus Pflanzen.
Keineswegs aber fanden solche Umwandlungen nur in grauer Vorzeit statt. Auf dem Boden unserer Seen, im sog. Faulschlamm, einem Gemisch aus mineralischem Schlamm, abgestorbenen Wasserpflanzen, Fischerkrementen und verwesenden Tierkörpern spielt sich derselbe Vorgang, wenn auch im allerkleinsten Maßstabe, noch heute ab. Der Berliner der Gegenwart wandelt auf dem Grunde eines der Üppigsten Petroleumfelder, ohne zu wissen, daß es an seiner vollen Ausbildung nur durch die um einige hunderttausend Jahre zu früh hereingebrochene Kultur gehindert wurde. Der Boden des Müggelsees bietet das wunderbarste Bild des Kreislaufes der Natur. Hier leben im Faulschlamm die Zuckmtkckenlarven, die sich von ihm nähren und ihrerseits den Fischen zur Nahrung dienen. Diese lassen ihre Exkremente zu Boden sinken und mengen nach ihrem Tode ihren eigenen Körper dem Faulschlamm bei. Alles ist in ständiger Umsetzung begriffen, und wäre nicht zu viel Sauerstoff dabei, würde sicherlich Petroleum entstehen. Anders im nahe gelegenen Teufelssee, wo der Sauerstoff fehlt. Ein Mitglied der Berliner Forscherfamilie Kolonie, die sich um die Untersuchung dieser Fragen besonders verdient gemacht hat, konnte dort schon aus Pflanzenresten gebildete Fette nachweisen. Und in einem mit Schlamm gefüllten Graben in Nüdersdorf stieg beim Durchstoßen des Schlammes Grubengas (das in den Erdöllagern Amerikas in ungeheuerer Menge enthalten ist) und Fett auf, deutliches Zeichen beginnender Erd- ölbildung .Nur das in Nuhe Bleiben während ungeheurer Zeiträume fehlt hier der Natur, um ein Erdöllager wie in Volkenroda oder auch in Amerika zu bilden.
Woher kommt das Erdöl?
Don Oipl.-Ing. £>r. Arthur Hamm.
Der 2. Juni 1930 war ein Unglückstag und ein Glückstag zugleich. Ein Unglückstag erster Ordnung war er für die drei Vergbeamten desthüringischen Kolibergwerks Volkenroda, die mit ihren Grubenlampen nach der Ursache einer Störung suchten. In einem Kalibergwerk gibt es keine schlagenden Wetter, da braucht man sich nicht vorzusehen, was soll denn passieren? ES gibt nur eine Gefahr: das Wasser. Nickt weil es die Gefahr des Ersaufens der Grube brächte, sondern weil es.sie auslaugt, sie schlecht- hin zerstört. Wird ein Tropfen Wasser in einem Kalibergwerk gesichtet, so ist es nach längstens 20 Jahren erledigt, das ausgehöhlte Erdreich stürzt zusammen wie vor zwei Jahren bei Vienenburg. Aber von nichts dergleichen war hier die Nede, nur roch es so merkwürdig, wie es sonst in einem Kalibergwerk nicht zu riechen pflegt, fast wie Benzin. Aber woher sollte das kommen? Doch noch ehe die drei Männer sich diese Frage vorlegen konnten, erfolgte eine furchtbare Explosion, die keiner von ihnen überlebte. An der Flamme einer der Grubenlampen hatten sich die Benzindämpfe entzündet, und bald brannte die ganze Grube. Gs blieb nichts anderes übrig als sie zu verlassen und alle Schächte luftdicht abzuschließen, um so das Feuer an Sauerstoffmangel ersticken zu lassen. 16 Tage und Nächte brannte es weiter, erst dann konnte man die Grube wieder betreten, um den Schaden zu übersehen und die Ursache zu ermitteln. Und da zeigte sich dann das, worauf niemand gerechnet hatte: aus einer durch den Abbau der Kalisalze aufgeriffenen Spalte war von tiefer- liegenben Schichten aus Erdöl aufgestiegen, hatte die Grube überschwemmt und die Benzindämpfe gebildet, die den drei Männern den Tod brachten. Doch nun begann das Glück. Denn die Grubenverwaltung ging dem unverhofften Funde sofort energisch nach, ließ Bohrungen anstellen, und bald zeigte sich, welch reiche Quelle man da angezapft hatte.,Etwa 55 Meter unter dem Kalisalz liegt eine 40 Meter starke Schicht von Dolomitgestein, das in seinen Klüften das kostbare Erdöl beherbergt. 3m November desselben Jahres traf man auf einen zweiten Erdölzufluh, der noch mehr Oel brachte als der erste. 3m ganzen liefert Volkenroda heute annähernd ebensoviel Erdöl wie alle anderen deutschen Del» quellen zusammengenommen.
Natürlich war das ganze Vorkommnis auch für die Gelehrten des Petroleums ein rechter Leckerbissen, da es wiedermal die schon oft erörterte Frage aufwarf, woher denn diese wunderbare Flüssigkeit eigentlich stamme. Gerade fein Vorkommen im Zechstein-Dolomit gab eine Anzahl neuer Rätsel auf. Es ist selbstverständlich, daß es über seine Entstehung eine Anzahl verschiedener Theorien gibt. So einfach wie bei den Kohlen ist die Sache nicht. Die haben ja immer ihre Geburtsurkunden mit. ileberrefte der Schachtelhalmwälder, aus denen sie entstanden sind, finden sich darin ebenso wie wunderbar fein erhaltene Blattabdrücke: hier ist kein Zweifel möglich. Beim Erdöl ist die Entstehung viel schwieriger zu erklären, weder von irgendwelchen Meerestieren noch den Bakterien, die sie zersetzt haben sollen, bewahrt es Neste auf, so daß nur seine chemische Zusammensetzung uns darüber auf» klären kann, wie es entstanden ist. Der Chemiker und nicht der Geologe, Botaniker oder Zoologe hat hier das Wort. Merkwürdigerweise war es noch nicht einmal ganz sicher, ob es auf orga- Tufcbcm oder anorganischem Wege entstanden sei, d. h. aus urweltlichen Pflanzen und Tieren oder aus Metallen, Vletallfäuren und ihren Zusammensetzungen mit Kohlenstoff. Denn der muß natürlich unter allen Umständen vorhanden sein, er zeigt sich ja beim Verbrennen in der ungeheuer rußenden Flamme. Nuß ist reiner Kohlenstoff. Einer der berühmtesten Chemiker des 19. Jahrhunderts, der Russe Mendelejeff, hatte die Hypothese aufgestellt, daß aus Verbindungen des Eifens mit Kohlenstoff, den sog. Eisenkarbrden, im Grdinnem unter der Einwirkung von cals»
Technik und Rettungswesen.
Eine Betrachtung zum Untergang der „Niobe"
Don Or. Helmut ThomasiuS.
Das schwere Unglück, von dem das deutsche Schulschiff „Niobe" betroffen wurde, legt Die Frage nahe, ob es denn keine Einrichtungen gibt, die die Gefahr des Kenterns so rechtzeitig melden, daß noch Gegenmaßnahmen getroffen werden können. Freilich hätten solche Einrichtungen im Falle der „Niobe" wahrscheinlich auch nichts genutzt, well Der Windstoß, der das Schiff ummarf, so plötzlich kam. daß keinesfalls mehr Zeit geblieben wäre, irgend etwas dagegen zu unternehmen. Aber immerhin ist es interessant, zu erfahren, daß vor kurzem vor amerikanischen Marinesachverständigen eine Vorführung stcnifand, bei der eine neue W a r nungsvorrichtuna erprobt wurde, die |elb|t> tätig meldet, wenn Die Neigung zum Kentern auf- tritt.
In jeDem in Schräglage befindlichen Schiff gibt cs einen Punkt, in Dem Die in Der Längsrichtung Des Schiffskörpers ocrlaufenDe Mittelebene von Der Richtung des Auftriebs geschnitten wird. Dieser Punkt ist das „Metazentrum". Es liegt nicht immer an der gleichen Stelle, sondern ändert seine Sage je nach der Neigung des Schiffes. Solange es sich über Dem Schwerpunkt befinDet, kann das Schiff nicht kentern. In diesem Falle richtet sich der Schis'ö- körper immer wieder auf. Sobald.aber die Neigung zu groß wird, kommt das Metazentrum unter den Schwerpunkt zu liegen: Die Gefahr Des Kenterns ist Da.
Bei Der neuen Einrichtung roirD Die jcroeilige Lage Des Metazentrums ununterbrochen automatisch nach Der Brücke gemelDet. Dies geschieht Durch ein Pendel, Das mit einer zweiten Vorrichtung in Der- binDung steht, Die Die Schnelligkeit Der Hin- unD Herbewegung aufnimmt Die Bewegungen Dieser Vorrichtung werden auf elektrischem Weae derart nach einem Hebelwerk übertragen, daß sie hier durch Den Winkel eine Beeinflussung erfahren, Den Das PenDel mit Der Mittelebene Des öd)iffstorpers blitzet. Auf diese Weise wird ein Ergebnis erzielt. Das
Straülunosmeffungen in 28000 Mer Höhe.
—
w
«T*
-
NachDem seit vielen Jahren Die aus Dem Weltall zu uns DringenDen kosmischen Strahlen bei ihrem Auftresfen auf Die ErDoberfläche erforscht wurDen, ist es jetzt, wie kürzlich bereits gemelDet murDe, einem Stuttgarter Gelehrten. Professor Wegener, gelungen, erafte Messungen in Höhen bis zu 28 000 Meter Durchzuführen. Die zu Den Messungen Der» menDeten. von Regener konstruierten automatischen Meßgeräte rourDen von Gummiballons in Die Höhe
getragen. Professor Regener ist also in Der Lage, ohne Aufwendung großer Mittel Messungen in hohen Stratosphären-wchichten vorzunehmen, die mit bemannten Ballons (PiccarD!) vorläufig wohl nicht erreichbar sein werden. — Unser Bild zeigt den Aufstieg eines Regenerschen Messungsballons vom Hof der Technischen Hochschule in Stuttgart. — Oben links: Professor Regener.
aus einer Skala sichtbar gemacht werden kann und das den Führer des Schiffes erkennen läßt, ob die Lage gefahrlos ist, oder ob und in welchem Maße sie gefahrdrohend wird. Die Skala befindet sich ständig vor seinen Augen und gibt ihm besser, als vielleicht sein eigenes Gefühl, das nicht bei allen Menschen gleich gut ausgebildet ist und manchmal sehr täuschen kann, Aufschluß, wann die ersten Maßnahmen gegen das Kentern zu ergreifen sind. Die Einrichtung soll sich den Berichten zufolge bei Den Erprobungen vorzüglich bewährt haben, unD Die SachverstänDigen sprachen sich sehr günstig über sie aus
Eine weitere Sicherheit auf See roirD durch Die Benutzung kurzer Wellen für Den R e t- t u n g 5 D i e n ft eintreten. Die Rettungsboote sollen möglichst viele Menschen, sie müssen aber auch noch Borräte an Nahrungsmitteln und Trinkroasser aufnehmen. Auch mit drahtlosen Sendern und Empfängern hat man sie ausgestattet, damit sie Hilfe herbeirufen können. Wenn man mit Den SenDern eine größere Reichweite erzielen will, müssen sie, sofern man mit Den bisher gebräuchlichen langen Wellen arbeitet, einen Umfang bekommen, der den oerfügbaren Raum bis zu einem gewissen Grade cinschränkt. Wenn man hingegen mit den feit einiger Qcit immer mehr zur Verwendung kommenden kurzen Wellen arbeitet, kann man Kurzwellensender benuhen Diese können klein gehalten werden und haben Dabei eine große Reichweite Es sinD nunmehr eigene Kurzwellensender für »ettungs- boote entworfen und gebaut worden, die mit einer Trockenbatterie betrieben werden können, eie sind trQgbar und in wasserdichte Kasten eingeschlossen. Ein mitqeführter Sendedraht kann leicht zwischen zwei Stäben anqepa&t werden. Die am Bug und am ficrf des Bootes angebracht werden. Die Kurzwellensender eignen sich vor allem für kleine Rettungsboote, in Denen wenig Platz ist.
*
Die Rettungseinrichtungen, Die man bisher am MeeresstranDe insbefonbere zur Rettung Ba - Deuber verwenDete, beftanDen in Der Hauptsache aus Booten. Wenn jemanD in Gefahr geriet, schwammen meist einige Mutige hinaus, um ihn zu reiten.
Boote suchten ihn zu erreichen. Aber selbst wenn Diese fahrbereit auf Dem Wasser lagen unD nicht erst klar gemacht roerDen mußten, verging immerhin einige Zeit, ehe sie an den Ertrinkenden herankamen. Unter Umständen konnte es, bis sie ihn erreichten, schon zu spät fein. Ist er weit draußen, dann ist selbst bei schnell fahrenden Motorbooten nicht mehr die Gewähr gegeben, daß sie noch rechtzeitig ankommen. Ein neues eigenartiges Rettungsverfahren bezweckt deshalb, die Retter schneller, als es bisher meist möglich war, an Die richtige Stelle zu bringen.
Es besteht aus einem hohen hölzernen oDer eisernen Turm. Der am BaDestranD errichtet roirD unD oben eine Plattform trägt. Hier stehen Die Beobachter unD Die Retter, Diese sinD erprobte Schwimmer. Draußen im Meer sind Bojen verankert. Die sich parallel zum BaDestranD Dahinziehen. Von Der Höhe Des Turms sind Seile nach Diesen Bojen gespannt. Die Bojen roerDen durch den Wellenschlag hin- und herbewegt. Deshalb sind dort, wo die Seile an ihnen befestigt sind, besondere Vorrichtungen angebracht, die bewirken, daß Die Seile sich selbsttätig etwas verlängern unD verkürzen, also Den Bewegungen Der Bojen folgen können. Diese Seile stellen Das Dar, was man bei Seilbahnen „Tragseil" nennt. Sie sinD also eine Art über Dem Meer befinDlicher Schienen, die vom Turm aus strahlensörmig nach den Bojen führen. Aus jedem Seil kann eine Rolle gleiten, an der ein zweites Seil befestigt ist, Das sich von einer auf der Plattform befindlichen Trommel abrollt. Unter Der Rolle hängt ein Sitz, auf dem Der Retter Platz nehmen oDer sinD Griffe befestigt, an Denen er sich festhalten kann.
. SobalD Draußen im Meer ein in Gefahr Befindlicher beobachtet wird, fetzt sich der Retter auf diesen Litz ober er hängt sich an die Griffe an. Die Rolle wird auf das Tragseil gelegt, das am nächsten beim Ertrinkenden vordeiführt. Der Retter gleitet im Nu an der Rolle über das Meer hinaus, bis er an bie Stelle kommt, von wo aus ber Gefährbete am schnellsten zu erreichen ist. Hier läßt er sich ins Meer fallen unb schwimmt auf ihn zu. Die Rolle wirb sofort nach bem Turm zurückgezogen, woraus ein zweiter Retter bie Fahrt antritt, bem bann nach Bedarf weitere folgen können. Auch Rettungsringe
Technische Umschau.
Don Ingenieur W. Heinrich
DaS verbesserte Fahrrad.
Unter den vielen Unbequemlichkeiten, Die Der Radfahrer im städtischen Verkehr auf sich zu nehmen hat, ist eine der lästigsten und hinderlichsten die Häufigkeit der Haltepausen, Die ihm in verlehrsre.chen Straßen aufgezwungen werden. Um den Fahrern bei derartigen Vcrkehrs- pausen eine größere Erleichterung zu verschaffen, hat jetzt eine süddeutsche Firma eine Sattelverstellung mit Hebelmutter herausgebracht, durch welche es dem Radler möglich gemacht wird, bei Haltepausen sofort den festen Stand auf beiden Füßen zu erreichen, ohne daß abgestiegen oder das Fahrrad aus seiner aufrechten Haltung gebracht werden muß, um mit dem einen Fuß den Boden zu erreichen. Die Sattelverstellung gestattet jetzt ein sofortiges Heruntergehen beider Füße auf die Erde — Eine andere Verbesserung für das Fahrrad steUt sich in einem Ventileinsatz vor. der von allen Mängeln des veralteten Ventilgummis befreit. Oft wurde der Radler bisher ?erade durch das Ventilgummi in die miß- ichste Lage gebracht. Der Gummi wurde porös, klebte fest, vertrocknete oder platzte, häufig war für den defekt gewordenen Gummi nicht einmal ein Ersatz vorhanden, so daß der Fahrer das Rad schließlich wohl oder übel nach Hause drücken mußte. Der Ventileinsah kennt keine Verwendung von Gummi mehr, desgleichen hat sich auf die Verwendung einer Gummieinlage in der DichtungSkappe verzichten lassen. Die Anwendung ist denkbar einfach und unterscheidet sich von der gewohnten Handhabung in nichts. Man setzt den Ventileinsah genau so ein, wie man es bisher beim veralteten Ventillegel gewöhnt war. Es braucht lediglich darauf geachtet zu werden, daß die Ueberwurfsmutter genügend stark angezogen wird. Der Ventileinsah bringt zugleich eine bedeutende Vereinfachung und Erleichterung des Aufpumpens. Da der Gummi fortgefallen ist, geht das Aufpumpen nunmehr leicht vonstatten. Infolge einer sinnreichen Konstruktion des Ventileinfatzes wird ein vollkommen luftdichter Abschluß durch den Gegendruck der Luft im Schlauch erreicht. Roch manche schätzenswerte Verbesserungen sind im Fahrradbau bemerkbar. So wird versucht, das tote Gewicht der Rahmen, Tretkurbeln, Raben und Pedalen noch weiter herunterzudrücken. Hier leistet insbesondere die Bevorzugung von Leichtmetall (Duraluminium) wertvolle Dienste. Für die Felgen verwendet man jetzt mehr als bisher Buchenholz, das den Vorteil einer wesentlich besseren Federung bietet und trotzdem an Widerstandsfähigkeit hinter dem Stahl nicht zurück- bleibt.
Verkehrsspiegel verhüten Autounfälle.
Die Erfahrung hat gelehrt, daß achtzig von hundert Autounfällen bei größerer Uebersicht» lichkeit der Straßen, namentlich an Kreuzungsstellen, vermieden werden könnten. Unter den unübersichtlichen Verhältnissen leidet vor allem der Autoverkehr in kleineren und mittleren Städten, wo die Kreuzungspunkte nicht überall oder nur selten durch Verkehrsbeamte überwacht werden. Um auch in solchen Städten künftighin die Gefahren zu umgehen, sind nunmehr eigenes für diesen Zweck gebaute Verkehrsspiegel herausgebracht worden, die aus einer konvex gc' wölbten Kristallspiegelschicht bestehen. Bei richtiger Anbringung solcher Verkehrsspiegel ist cs dem Chauffeur möglich, bereits--etwa aus fünfzig Meter Entfernung die Kreuzungsstelle und ihre nähere Umgebung genau zu überblicken, so daß gefährlichen Verkehrssituationen noch früh genug aus dem Wege gegangen werden kann. Das Blickfeld ist so groß, daß auch die schwierigsten Strahenverhältnisse sogleich übersehen werden können. Die Verkehrsspiegel eignen sich ebenso wie für den eigentlichen Straßenverkehr natürlich auch für Torausfahrten, für Fabrikhöfe mit regem Autoverkehr und für alle ähnlichen Zwecke.
unb sonstige Rettungsgeräte lassen sich auf diese Weise mit außerordentlicher Schnelligkeit an Die richtige Stelle bringen.
Wie man sich bestrebt, auch aus Bekanntem, Das auf völlig anDeren Gebieten liegt, Nutzen für Das Rettungswesen zu ziehen, beweist ein neuer Feueralarm. Wenn in einer Schule, in einem Theater, in einem Konzertsaal oDer sonstwo Feuer ausbricht, kommt es in erster Linie Darauf an, Beruhigung zu schaffen. Irgenb jemanD, Der meist schon vorher Dazu beftimmt ist, soll eine Ansprache an Die AnwesenDen halten, sie zur Ruhe ermahnen unD sie aufforbern, ohne Drängen bas Oebäube zu verlassen. Das ist alles geübt, aber es gibt boch keine Gewähr bafür, baß er in ber Panik mit ber Stimme burchbringt unb baß man auf ihn hört
Der neue Feueralarm arbeitet in einer Weise, baß man ihn unbebingt vernehmen muß. Er wirkt, fobalb irgenbroo ein Feuer ausbricht, vollkommen selbsttätig. Alarmsignale, bie burch bie bei Bränben auftretenbe Erwärmung ausgelöst werben, gibt es genug. In biefem Falle ist jeboch eine breifache Sicherheit geschaffen, inbem brei verschiebens Verfahren angeroenbet sinb, um ihn in Tätigkeit zu setzen. Beim Versagen bes einen ober anberen, arbeitet immer noch bas britte. Der Alarm benachrichtigt Die nächste Feuerwehrstelle, zünbet alle Lichter im Oebäube an unb setzt eine Lautsprechereinrich- tung in Betrieb, bei größeren Räumen auch mehrere. Aus biejen Lautsprechern klingt eine beruhi- genbe Ansprache, bie vorher in ähnlicher Weise wie bie Sprache im Tonfilm ausgenommen würbe unb ebenso roiebergegeben wirb. Sie sagt, baß ein Brand- herb vorhanden ist, baß aber keine unmittelbare Gefahr besteht. Immerhin solle man ruhig bas Ge> bäubc verlassen. Es wirb ersucht, auf bie Wänbe zu blicken, bort würben farbige Pfeile aufleuchten. Jeher solle bem Pfeil nachgehen, ber seinem Sih am nächsten ist, bann komme er unmittelbar ins Freie. Bekannte Technik vereinigt sich hier also mit seelischer Beeinflussung zu einem Rettungswerk, ba» nicht zum geringsten Teil barauf aufgebaut ist, baß schon bie Neugier, woher bie Sprache kommt, bie Gebanken vom Brande ablenkt und dadurch zur Beruhigung beiträgt.


