Handwerkerverireter beim Reichskanzler.
Berlin, 24.2lug. (WTB. Funkspruch.) Der Reichskanzler empfing heute vormittag Vertreter des Reichsverbandes des deutschen Handwerks zu einer eingehenden Aussprache über die Wirtschaftslage und die daraus abgeleiteten Wünsche. Diese betrafen vordringlich Die Schaffung von Arbeits - Möglichkeiten für das selbständige H a n d w e.r k, insbesondere durch Wieder- Herstellung des Althausbesitzes. 3m Zusammenhang hiermit wurden die Lage des gewerblichen Genossenschaftswesens und die Rotwendigkeit einer einheitlichen Kreditpolitik für den gewerblichen Mittelstand erörtert. Schließlich äußerten die Vertreter des Handwerks den Wunsch, dah bei künftigen organisatorischen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Reichsregierung mehr als bisher auf die Eigenart des Handwerks als einer selbständigen Berufsgruppe Rücksicht genommen werden möge.
Der Reichskanzler sagte zu, dah die Vorschläge in Fühlung mit der Spihenvertretung des Handwerks eingehend geprüft werden würden.
Prof. Gumbel-Heidelberg abgesehi.
Heidelbera, 23. Aug. lWSN.) Gegen den Mathematikprofessor an der Heidelberger Universität Dr. G u m b e l schwebte ein Verfahren wegen der in einer sozialistischen Studentenversammlung gefallenen Aeußerung, wonach das Kriegerdenkmal des deutschen Soldaten „nicht eine Jungfrau mit der Siegespalme, sondern eher eine große Kohlrübe sein müsse". Wie jetzt amtlich mitgeteilt wird, haben sich sowohl die philosophische Fakultät, wie auch der engere Senat der Universität e i n st i m m i g dahin entschieden, vom badischen Unterrichtsministerium die Entziehung der Lehrberechtigung für Professor Dr. Gumbel zu fordern. Das badische Unterrichtsministerium hat diesem Anträge stattgegeben. Damit scheidet Professor Dr. Gumbel jetzt endgültig aus der Reihe der Dozenten der Heidelberger Universität aus.
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Professor Gumbel ist wiederholt durch seine politischen Extratouren unangenehm aufgefallen. Er gehört dem extremen Pazifismus an und hat sich nur unter dem Schutz der Linken an der Universität Heidelberg halten können. Wiederholt ist der Versuch gemacht worden, ihn aus seiner Stellung zu entfernen. Aber alle Bemühungen scheiterten, weil die badische Regierung ihn nicht gehen lassen wollte. Sie hat sich jetzt doch gezwungen gesehen, auf seine weitere Tätigkeit an der Heidelberger Universität zu verzichten. Gumbel ist in letzter Zeit wieder durch abfällige Aeußerungen über Kriegerdenkmäler aufgefallen. Er hat sich wiederholt Entgleisungen geleistet, die so unerhörter Natur waren, daß man es einfach nicht verstand, warum man ihm nicht schon längst den Stuhl vor die Tür setzte. Man erinnert sich an seinen Ausspruch vom „Felde der Unchre", auf dem die deutschen Soldaten nach Ansicht Gumbels gefallen sind. Gumbel ist auch derjenige, der in einer sozialistischen Versammlung fest- stellte, daß für ihn das Sinnbild des Krieges nicht eine Jungfrau mit der Siegespalme, sondern viel eher eine große Kohlrübe sei. Allmählich fing man ober auch auf der gemäßigten Linken an, von Gumbel abzurücken. Wir begrüßen es, daß die Karlsruher Regierung nun endlich die Entschlußkraft aufgebracht hat, diesen Mann seines Amtes zu entheben.
Neue Sondergerichis-Llrteile.
Das Königsberger Sondergericht tagte gestern zum erstenmal und verurteilte drei kommunistische Arbeiter aus Labiau (Ostpreußen), die in der Rächt zum 8. August, also noch vor Erlaß der auf die Sondergerichte bezüglichen Rotverordnung, mit Waffen in der Hand betroffen worden waren, zu zwei bis fünf Monaten
Hans Caroffa.
Von Dr. Carl Wa brach.
Nur mit der größten Bescheidenheit und Vorsicht kann man von diesem Dichter sprechen, der noch zu einer Zeit gelesen werden wird, wenn die Namen anderer zeitgenössischer Schriftsteller nur noch in den Literaturgeschichten zu finden sein werden. Denn aus seinen Büchern sprechen die deutsche Seele und das deutsche Herz in all ihrer Echtheit und Klarheit. Ca- rossa, der Münchner Arzt, geht so still durch das Leben wie durch die Krankenstuben der kleinen Leute, daß es schwer fällt, über ihn zu sprechen. Mit platten Lobpreisungen und schmückenden Beiworten kann diesem Mann nicht gedient sein; damit würde man höchstens seinen Wert beeinträchtigen.
Heber seinen äußeren Lebensgang isi nicht viel bekannt. Er ist in Tölz geboren, hat feine Kindheit auf dein Boden römischer Kolonisation in Ober- und Niederbayern verbracht und dann das Landshuter Gymnasium durchlaufen. Als Student hat er die Hochschulen in München, Würzburg und — der be- deutenden Fakultät zuliebe — in Leipzig besucht; dann ließ er sich in Passau als Arzt nieder, das er 1914 mit München vertauschte. So hat sich sein Leben im wesentlichen nur in dem von der Donau begrenzten Süddeutschland abgespielt. Das mußte erwähnt werden, weil es die besondere Prägung seiner Dichtunaen verständlicher macht.
Carossas Stellung zu Welt und Leben und Tod kann hier, wo es nur einen Hinweis auf fein, eine glückliche „Vereinigung des Deutschen und Lateinischen" darstellendes Wesen gilt nicht näher betrachtet werden. In den „Verwandlungen einer Ju- gen6" heißt es einmal: „... zog ich mir daraus die Lehre, daß es auf äußere Glücksumstände nicht so sehr ankomme, daß man nur immer klar, wach und gesammelt zu leben brauchte, um das ganze Glück der Welt in sich hereinzuleiten." Und der Sinn des „Rumänischen Tagebuches", des einzigen Buches feiner Art, das der Weltkrieg heroorgebracht ha», ist, „daß es vor dem Leiden keine andere Rettung gibt als die, das Leiden auf sich zu nehmen".
Wenn der Begriff der Klassik nicht einer abgeschlossenen Epoche der deutschen Literaturgeschichte angehörte, dann wäre es erlaubt, Carossas Bücher klassisch $u nennen. Aber vielleicht wegen seiner humanistischen Bildung ist der Dichter davor bewahrt geblieben ein Nachahmer, ein Epigone jener Großen des 18. Jahrhunderts zu werden. Seine wahrhaft großartige Geftaltungskunst und feine vollkommene Beherrschung unserer, doch oft so ungefügen und spröden Sprache befähigen ihn, Werke zu schaffen, die, auf bestem altem Boden erwachsen.
Gefängnis wegen unbefugten Schußwaffenbesitzes bzw. unbefugter Waffenführung.
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Vor dem bei dem Landgericht in Kiel eingesetzten Sondergericht fand gestern die erste Verhandlung statt. Wegen Landfriedensbruches usw. hatten sich zu verantworten der Arbeiter Bracker, der Tuchmacher Wolter, der Tuchmacher Sick, der Maurer Luettjohann, der Arbeiter Warnte, der Weber S ch n o o r, der Arbeiter Heyden und der Schlächter Münster, sämtlich wohnhaft in Neumünster. Den ersten sieben Angeklagten, die der Eisernen Front angehören, wurde zur Last gelegt, am 24. Juli sich zusammengerottet und in der Lerchenstraße in Neumünster nationalsozialistische Zettelverteiler angegriffen und mißhandelt zu haben. Der letzte Angeklagte hatte sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu verantworten. Das Gericht verurteilte unter Zubilligung mildernder Umstände Bracker zu einem Jahr zwei Monaten, Wolter zu einem Jahr sechs Monaten, S i ck zu einem Jahr vier Monaten, Luettjohann, Warnte und S ch n o o r zu je einem Jahr zwei Monaten Hey - d e n zu acht Monaten und M ii n st e r zu drei Monaten Gefängnis. Gegen sämtliche Angeklagten bis auf Münster wurde Haftbefehl erlassen.
Zusammenstöße in Polnisch-Oberschlesien.
K a t t o w i h , 23. Aug. (WTB.) 3n der Nähe der Agnes -- Hütte bei Dittkow kam es heute nachmittag zwischen den dort wilden Abbau treibenden Arbeitslosen und der Polizei zu blutigen Zusammenstößen. Eine größere Polizeitruppe im Stahlhelm und mit Gewehren sperrte das ganze Gelände ab und vertrieb die Arbeitslosen aus den Rotschächten. Die Arbeitslosen setzten den Polizeibeamten verzweifelten Wider st and mit Aexten und Keilhauern entgegen, mußten aber der älebermacht der Polizei weichen. Rach den bisherigen Mitteilungen sollen mehrere Arbeitslose getötet und verletzt worden sein. Die Unruhe dauert noch immer an. Die Polizei hat das Gelände noch nicht verlassen.
Große französische Lustmanöver an der deutschen Grenze.
Paris, 23. Aug. (TU.) Am heutigen Dienstag beginnen im französisch-deutschen Grenzgebiet in dem Viereck Maringen— Diedenhofen — Berry au Dac — Eperney die größten französischen Luftmanöver, die bisher überhaupt in Frankreich durchgeführt worden sind..» Von heute ab gilt das gesamte Manövergebiet als „im Kriegszustand" befindlich und wird von „feindlichen" Flugzeugen aller Gattungen überflogen. Ziel dieser Flugzeuge sollen öfc Elektrizitätswerke von Metz, die Hochöfen von Diedenhofen, die Bahnhöfe von Reiuis und Verdun, verschiedene andere Jndustrieunter- nehmungen und schließlich die im Manövergebiet liegenden Flugplätze sein. Den Höhepunkt werden die Manöver in der Rächt auf Freitag erreichen, wo das gesamte Manövergebiet verdunkelt wird. An den Manövern nehmen sämtliche Fliegerformationen der westlichen französischen Garnisönen teil, die yoch durch andere Fliegerregimenter unterstützt werden.
OesterreichSAbschied vonSchober
Wien, 23. Aug. (WTB.) Unter starkem Andrang der Bevölkerung wurde heute nachmittag mit großer Feierlichkeit der Altbundeskanzler und Polizeipräsident Dr. Johannes Schober zu Grabe getragen.
Unter Vorantritt der Geistlichkeit bewegte sich der Trauerzug zur Votiokirche. Hinter dem Sarge schritten die Gemahlin des Verstorbenen mit den Verwandten dann folgten u. a. Bundespräsident Miklas, Bundeskanzler Dollfuß mit den Mitgliedern der Bundesregierung und der Landesregierungen, ferner das Diplomatische Korps, darunter der deutsche Gesandte Dr. Rieth mit den Herren der Gesandtschaft. Den Schluß des Trauerzugs
zeigen, wie ein reiner Dichter auf Höhenwegen wandert.
Caroffa schreibt nur, weil es ihm in seinem Innern dazu drängt. Er ist keiner von denen, die den Reife- prozeß nicht abwarten können. Und gerade diese innere Beherrschtheit — nur fünf schmale Bände machen bis jetzt sein Werk aus — läßt ihn unserer jagenden Zeit gewissermaßen als Vorbild erscheinen Deshalb sind seine Bücher alle von so innerlicher Tiefe, Ruhe und Klarheit, voll Sternensehnsucht und Erdenverbundenheit, daß keine noch so ausführliche Besprechung imstande wäre, ihren Geist und Sinn annähernd zu vermitteln: man muß sie in ruhiger Stunde, fern vom alltäglichen Jagen und Hasten lesen — lesen, nicht um sie gelesen zu haben, sondern weil man von ihnen gefangen wird um der Liebe und Frömmigkeit willen, der Ehrfurcht vor dem Leben und dem Tod, des Ewigen, das aus Vergänglichem kommt. Nur dann kann man dem Wesen dieses Dichters nahe kommen und es erfassen. Nur dann kann man den Mensch Carossa verstehen; denn das Menschliche in ihm scheint mir das Bedeutendste, ia, das Wesentliche zu sein. Wohl schaut er zu den fernen Welten auf, aber er steht fest mit beiden Füßen auf der Erde, er schwebt nid), losgelöst über dem Irdischen und steht doch „über den Dingen". Und zwar nicht kühl und fern, sondern mitten drin, er erlebt Großes und Kleines bewußt mit. Und wie fein Kriegsbuch ersehen läßt, ist er auch in Not und Tod und Verwüstung guter Dinge und vermag zu lächeln, wo andern die Lippen erstarren. Das kann er, weil er ein „Geheimnis" hat — wenn man es so nennen will, denn es ist nichts Geheimnisvolles dabei, sondern nur etwas ganz Einfaches — nämlich: „Die Kunst, das Leben zu ertragen, ohne wider den Stachel zu löcken. Das ist alles. Es ist eine christliche Kunst. Auch eine stoische — auch eine klassische"; eine Kunst, die man recht vielen Menschen wünschen möchte.
Er spricht nirgends davon und trotzdem oder deshalb spürt man, daß er nach Totalität strebt, nach der harmonischen Ausbildung seiner Persönlichkeit in jeder feiner Natur gemäßen Richtung. Aus diesem Streben entspringt ihm eine tiefe innere Ueberein- ftimmung mit sich selber, die bei jedem Dichter eine Notwendigkeit fein sollte, „um den vollkommenen harmonischen Gleichklang der Gestaltung des Werkes zu erhalten, in dem menschliches Sein und künstlerisches Tun sich unlösbar durchdrinaen".
Die meisten Freunde hat Carossa offenbar in der Generation, die heute etwa zwischen 30 und 60 ist, während die Jugend ihm manchmal ziemlich verständnislos gegenübersteht. Die Jungen selber können wenig dafür, denn sie sind vom Geist ihrer Zeit befangen, dem Geist der technischen Erfolge und der
bildeten ein Infanterie-Regiment und mehrere Artillerieabteilungen.
Vor dem Parlament war ein Katafalk errichtet, hinter dem sich die Rednertribüne befand, auf der
Bundespräsident Miklas
das Wort ergriff. Er erinnerte an die Tragik, welche Oesterreich innerhalb von drei Monaten drei der hervorragendsten Männer des öffentlichen Lebens im besten Lebensalter raubte: Kardinal Pfiffl, dann Dr. Seipel und jetzt Dr. Schober. So sei der Dienst am Volke an höchster oerK antwortungsvoller Stelle ein Opferdienst, der die besten Kräfte verzehre und allzu früh ihnen den Grabhügel wölbe. Dr. Schober sei in treuester Pflichterfüllung in allen Lebensstellungen ein deutscher Mann in seinem ganzen Den- fen und Fühlen gewesen. In seiner Auffassung von unbedingter Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit als erste Voraussetzung der nationalen Wohlfahrt sei er alle Zeit der Hüter der staatlichen Ordnung, der getreue Ekkehard, der große Polizeipräsident geblieben, dessen Ruf weit über die Grenzen Oesterreichs hinausgedrungen sei. Heber sein öffentliches politisches Wirken werde einst die Geschichte ein gerechtes Urteil fällen und in objektiver Würdigung seiner Taten auch seinem Namen im Buch der Geschichte Oesterreichs und des deutschen Gesamtvolkes den gebührenden Platz anweisen. Die Befreiung des Vaterlandes von den Reparationen sichere ihm für immer den Dank Oesterreichs. Dann nahm
Bundeskanzler Or. Dollfuß
namens der Bundesregierung Abschied von Dr. Schober. Dr. Schober werde im Herzen der Deutschen des Donaulandes, so sagte der Bundeskanzler, und darüber hinaus im Herzen des gesamten Deutschtums als treuer Diener des Staa- t e s und als der Mann deutscher undeuro- päischer Gedanken und Taten in dauernder Erinnerung bleiben.
Vom Nationalrat entbot Vizepräsident Tau- schitz dem dahingegangenen Abgeordneten Dr. Schober die letzten Grüße.
Der Sarg wurde nach der Feier nach Perg, dem Heimatort Dr. Schobers, gebracht, wo die Beisetzung in der Familiengruft erfolgt.
Oie Unterwerfung unter Lausanne.
Wien, 23. Aug. (LTl.) Die letzten Beratungen des Rationalrates über das Lausanner Protokoll gingen mit ziemlicher Erregung vor sich. Der sozialdemokratische Redner
betonte, daß die Regierung arithmetisch siegen könnte, moralisch habe sie eine Riederlag« erlitten, von der sie sich nicht mehr erholen werde. Der FaN Dtnzl sei ein eklatanter Fall einer politischen Erpressung. Der Redner des nationalen Wirtfchastsblocks erklärte, vor acht Wochen habe der Bundeskanzler gesagt, daß in zwei Monaten 300 Millionen Schilling in den Händen der Regierung sein würden. Jetzt sehe man, daß diese ersten Mitteilungen über Lausanne bereits eine Irreführung gewesen seien. Am Schluß seiner Rede beantragte er eine Volksabstimmung über das Lausanner Protokoll. Der christlich-soziale Redner beschuldigte die Opposition, Vinzl seinen Mandatsverzicht herausgelockt zu haben. Die Opposition sei froh, daß es im Rationalrat Leute gebe, die die Dtaatsnotwendigkeit von Lausanne erfüllten. Rachdem noch ber Dissident des Heimatblockes, Werner, seine Stellungnahme gegen den Lausanner Vertrag begründet hatte, erfolgte die Abstimmung.
Ein deutscher Führer im Weltkrieg 75 Jahre alt.
General a. D. Oskar von Hutier, im Weltkrieg Führer der 8. und später der 18. Armee, vollendet am 27. August sein 75. Lebensjahr. Hutier ist Präsident des Deutschen Offiziersbundes.
Aus aller Well.
Abgesagte Deltkirchenkonferenz.
Die Evangel.sche Weltkirchenkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die in Wiesbaden abgehalten werden sollte, ist auf das Jahr 1933 vertagt worden, weil, wie der Erzbischof von Bork dem vorbereitenden örtlichen Komitee mitgeteilt hat, den Amerikanern in diesem Jahre eine Teilnahme aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Die Stadt Wiesbaden soll auch im nächsten Jahre Tagungsort der Konferenz sein.
Beginn der Frankfurter Goethe-Gedächtniswoche
Die Frankfurter Goethe-Gedächtniswoche wird eingeleitet durch die Feiern der Volks-, Mittel- unb Höheren Schulen und der Berufsschulen. An die Frankfurter Jugend werden zur Erinnerung an das Goethe-Jahr von der Stadt Frankfurt Buchgaben verteilt, und zwar erhalten die Schüler und Schülerinnen der oberen Klasse die von Wilhelm Schä - f e r verfaßte Schrift: „Goethes Geburtshaus" mit einer Widmung, die Schüler und Schülerinnen der jüngeren Jahrgänge erhalten ein anschauliches kleines Bildheft „Zum Leben und Wirken Goethes". Außerdem wird an 500 Schüler und Schülerinnen als besondere Auszeichnung die im Auftrage der Stadt Frankfurt in zwei Bänden herausgegebene Auswahl „Goethes Werke für Jugend und Volk" gegeben.
Reklame, des Sports und Rekords. Für diese äußerlichen Seiten des Lebens, die sich auch auf den Gebieten der Wissenschaft und Kunst bemerkbar machen, kann Carossa nichts bieten, weil die den äußeren Wirkungen verhafteten Menschen seine Einfachheit für Flucht vor der Welt und seine charaktervolle Zurückhaltung für Starrheit ansehen. Daß Carossa ein echt deutscher Mann ist, hat man offenbar auch noch nicht überall recht erkannt. Mit politisch-nationalen Dingen allerdings hat er nichts zu tun; aber wer sein Kindheits- und sein Jugendbuch und den „Arzt Gion" mit offenen Sinnen gelesen hat, wird feine deutsche Seele und fein deutsches Herz fühlen
Diese kurze Betrachtung mag mit einem Wort aus dem „Rumänischen Tagebuch" geschlossen werden, das der Dichter der geheimnisvollen Gestalt des gefallenen Glavina in den Mund legt: „Laßt uns den Hügel bauen am Berge Kishavas, ein Mal den Getöteten auf der bereiften Felsen- und Wacholder- stur! — Dem Gesetze treu, ohne Klage, unbemerkt, bluten sie hin auf den fremden Steinen, wo kein Eichbaum grünt. — Wie das endet, wer schaut? Finster brüten Völker. Habet acht, o Freunde! Seht ihr einen Sterbenden, demütig bittet ihn, daß er heilsam sterbe, keine Flüche denke! Bald ist alles Vorspiel nur. Alle gehn wir morschen Weg. — Wer aber heimkehrt, halte Bereitschaft! Jeden mit anderer Stimme ruft Gott. Ein grober Wandel ist euer, ein langer Werktag, selten ein Fest, selten ein feiernd Lied. Schlummert wachsam, wie die Gemse schläft!" und mit einem kurzen Gedicht, aus dem uns Goethes Geist anweht:
„Warum geben wir uns hin Jedem eitlen Grauen?
Laßt uns dock mit höchstem Sinn Dem Gestirn vertrauen,
Das zwar ewig nicht vernimmt Hofer Jubeln, Klagen, Doch fein Licht fo milde stimmt, Daß wir es ertragen."
Zn der Gchmetierlingsfarm.
Hier ein lebendes Lager von Hunderten von weidenden, sich entwickelnden, Farben und Gestalt wechselnden, über die Wiesen im Winde dahingaukelnden bunten Farbenflecken; und dort eins von trägen Seidenwürmern, eifrig mit dem Verzehren von Maulbeerblättern beschäftigt: das sind die wechsel- vollen Bilder, die sich dem Besucher der einzigen englischen Schmetterlingsfarm darbie-
weihe des ermländifchen Prieflerfeminars in Braunsberg.
Der Reubau für das ermländische Priester-«, seminar in Draunsberg (Ostpreußen) wurde dieser Tage durch den apostolischen Runtius Monsignore O r s e n i g o feierlich eingeweiht. Zum Ausdruck der Ehrerbietung, des Dankes und der Liebe wurde ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Reichspräsidenten und den Papst ausgebracht. Der Runtius dankte namens des Reichspräsidenten und des Papstes für die Begrüßung durch den Diözesanbischof und bezeichnete als die Seele des Priesterseminars die enge Verbundenheit mit Rom. Gesangsvorträge des Studentenchors schlossen die Feier. Ab?wds nahm der Runtius einen Fackelzug der katholischen Einwohner ab.
Reue Amerikafahrt des „Gras Zeppelin".
Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das am kommenden Montag wieder zu einer Südame- r i k a f a h r t startet, und zwar voraussichtlich gegen 5 ^lhr morgens, wird am nächsten Sonntag einen Flug nach Frankfurt a. M. unternehmen, um anläßlich des Goethe-Jahres über der Stadt zu kreuzen. Das Luftschiff startet voraussichtlich gegen 8 Uhr morgens und wird in den frühen Rachmittagsstunden wieder in Friedrichshafen erwartet.
ten. An der Straße von Bexley in Kent birgt sich diese seltsame, zartestes Leben umsorgende Farm hinter einer unscheinbaren Mauer, sorglich betreut von ihrem Besitzer L. W. Newman. Das Erste, was dem Besucher bei dem Eintritt in den von blühenden Schlingpflanzen, Büschen und Sträuchern erfüllten Garten in die Augen fällt, sind die zahllosen wie eine luftige Maskerade wirkenden Säcke. Da ist eine Lorbeerrose in einen weißen Sack gehüllt, dort ein Maulbeerbaum ober irgendein anderer Strauch mit seltsam geformten Blättern. Nirgends aber läßt sich ein Schmetterling erblicken. „Die Raupen sind eben bei der Mahlzeit!" erklärt ein Wärter und öffnet vorsichtig einen der Säcke. Ein jeder von diesen dient einer Herde der plumpen Geschöpfe als Speisesaal, wobei dafür Sorge getragen ist, daß jede Sorte auf ihrem Lieblingsbusche weidet. Die Säcke werden unter stetiger Kontrolle gehalten, weil es ja in jedem Augenblick geschehen kann, daß eine der Raupen sich verpuppt und dann nach den „Käfigen" ober „Ställen" im Gewächshaus gebracht werden muß. Auch ist diese Heberwachung wegen der Seuchengefahr nötig, und es wird eine jede Herde gesondert gehalten, um ein Hmsichgreifen einer ausbredjenben Krankheit zu verhinbern.
In ben „Ställen" im Gewächshaus geht bann die Verwandlung der Raupen vor sich. In einem Raum hängen sie wie tote Blätter vom Dach herab. In einem andern weben sie ihren Seidengürtel, mit dem sie sich während ihres langen Schlafes sicher an bequemen Stentzein festhalten. Wieder in einem an- dem sind die kleinen Puppen in Streichholzschachceln und Rinde verstaut, die ihnen als Ersatz für Baum und Stamm dienen. Ganz nahe bei flattert eine Schar von Totenkopf-Faltern aus ihrem Schlupfwinkel hervor, die gerade aus der Verpuppung aus- gebrochen sind. Ein jeder „Stall"enthält geeignetes Futter für die letzten Stunden des Raupenstadiums, wie Kohl-, Maulbeer- oder Brennesselblätter oder irgendeine exotische Blattart. Die Farm liefert während der Saison Schmetterlingseier zum Preis von 1 Schilling für das Dutzend an Museen, Sammler und sogar an den Londoner Zoo. Doch kann der Käufer, wenn er vorzieht, auch die bereits geflügelten Larven ober Puppen im Dutzenb ober fertige Schmetterlinge erhalten. In ber Farm wirb nicht nur jebe in Englanb vorkommenbe Schmetterlingsart aufgezogen, eine Tierzucht, bie mit unenblidjen Mühen unb Schwierigkeiten verknüpft ist — sondern man ist in neuerer Zeit auch dazu übergegangen, die Flügel der auf schmerzlose Weise getöteten galtet durch ein besonderes Verfahren zu Härten und sie zur Herstellung farbenprächtiger Ornamente zu verwerten. O. L.


