Kommunisten bauen Barrikaden in Berlin
Eine der Barrikaden, die von Kommunisten während eines Umzuges in Berlin-Moabit errichtet wurden, um Polizeiwagen an einem raschen Vorwärtskommen zu verhindern. Starke Polizeikräfte mußten eingesetzt werden, um die Ordnung wieder herzustellen.
Berlin, 23. Juni. (Sil. Funkspruch.) In Reukölln kam es in der 19. und 20. Stunde des Donnerstags ähnlich wie in Moabit in der Hermann-Ziethen- und Prinz-Hanbjerystraße im ehemaligen Barrikadenviertel zu zahlreichen k o m- munistischen Kundgebungen, die immer größeren ilmfang annahmen. Zahlreiche Polizeistreifen wurden eingesetzt, die eine umfangreiche Säuberung der Gegend am Her
manns-Platz vornahmen. Auch berittenePo- l i z e i mußte eingesetzt werden, ilngeheuere Menschenmengen füllten die Straßen. Aus den an die Hermannstraße grenzenden Straßen fielen aus der Menge Schüsse. Sämtliche Straßenecken sind mit dreifachen Polizeipo st en beseht. Auch Schnellwagen sind angefordert worden.
Kultur- und Wirtschaftspolitik im preußischen Landtag.
Berlin, 23. Juni. (BDZ.) Im Preußischen Landtag erfolgte die Beratung des sozialdemokratischen ilrantrages über das Verhalten des Landtagspräsidenten Kerrl bei ilnterrich- tung der Presse über seinen Brief an den stellvertretenden Ministerpräsidenten. Der Antrag mißbilligt, daß Präsident Kerrl zu dieser innerdeutschen Angelegenheit auch die ausländische Preskc cingcladen und diese somit zum mindesten indirekt zu Richtern über deutsche Angelegenheiten gemacht habe. Er habe mit dieser Handlungsweise wichtige nationale Interessen des deutschen Volkes verletzt.
Abg. Lohse (Rats.) protesti,ert gegen den seiner Partei gemachten Vorwurf der nationalen Würdelosigkeit und verliest Teile einer Rede des angeblichen sozialdemokratischen Parteisekretärs Vater au8 Magdeburg aus dem Jahre 1918, worin es heißt, die Revolution sei der Sozialdemokratie nicht überraschend gekommen, die Sozialdemokratische Partei habe die Revolution vorbereitet, die Fahnenflucht organisiert und Deserteure mit falschen Papieren, Geld und Flugblättern versehen.
Abg Kasper (Komm.) lehnt es ab, in diesen edlen Wettstreit über nationale Würde oder Würdelosigkeit cinzugreifen. Der sozialdemokratische Antrag sei lediglich ein Beweis für die politische Versumpfung und Verlumpung der sozialdemokratischen Führerschaft. Die Kommunisten würden sich an der Abstimmung nicht beteiligen.
Abg. Stendel (DVP.) bittet den Präsidenten, in Zukunft Vertreter der ausländischen Presse bei innerdeutschen Fragen nicht zuzuziehen. Der sozialdemokratische Antrag sei aber nicht ehrlich gemeint und schade dem Ansehen des Parlaments.
Abg. B u g d o h n (Soz.-: Der von Herrn Lohse zitierte Vater war niemals Sekretär der Sozialdemokratischen Partei in Magdeburg, sondern Mitglied des Spartakusbundes. — Der sozialdemokratische Antrag wird dann gegen die Antragsteller a b g e l e h n t.
Das Haus geht dann über zur Beratung von Anträgen des Hauptausschusses über Arbeitsbeschaffung und Aufhebung von Al n - terstühungskürzungen.
Abg. Dr. Klein (Ratsoz.) fordert entschlossene Abkehr der Volkswirtschaft vom kapitalistischen Denken. Der Staat müsse aus den gierigen Klauen von Jnteressentenhaufen befreit werden. Erst denn sei es möglich, mit Erfolg ein umfassendes Arbeitsbeschaffungsprogramm durchzusühren. Rur ein nationalsozialistischer Staat, frei von internationalen, liberalistischen und marxistischen Tendenzen der Wirtschaft, gewährleiste die friedliche Betätigung des Gewerbefleißes. Der Aufhebung der Kürzungen an den ilnterstützungen stimmten die Rationalsozialisten zu.
Abg. Frau Hanna (Soz.) sagt u. a., die SPD. wende sich gegen die nationalsozialistischen Wäh-
Boxer.
Von Hermann Linden.
Auch ohne Krieg gibt es Heroen. Wieder ein Argument für die Abrüstung. Hier heißen sie nicht Marschälle, sind auch keine eigentlichen Poten- taten; hier heißen sie: Ringer, Athleten, Dorer. Man dekoriert sie auch nicht wie jene mit Orden, die man an die gestickten Röcke hing, man drückt ihnen Tausendmarkscheine in die Faust. Und die oft dutzendweise. Wie alle wirklichen Helden sind sie es nur stundenweise: ansonsten stille Mitglieder elegant angezogener Gesellschaft. Kennzeichen Pelzjacke und Lackhalbschuhe. Unter dem Scheinwerfer aber füll) sie oft furchterregende Gestalten. Eben Helden. Ihre Riederlagen tragen sie im Gesicht. Das strotzt von Rarben.
Boxer? - brrr!! — — Die junge Maid überläuft eine Gänsehaut. „Obskur" flüstert die Dame und zieht wie fröstelnd das Tuch über die Schultern oder steckt das Gesicht hinter den Fächer: ganz entsetzt. Die zephirseidene Weltordnung des Aeftheten erhält einen kreischenden Riß. „Ordinäres Pack", sagt der gebildete Herr und greift nach der Zeitung. „Boxer?--brrr!" Schemen
aii£ blutigen Fieberträumen. Man will nichts mit ihnen zu tun haben Man will sie nicht sehen. Man will nichts von ihnen hören. Sie gehören nicht zu uns. Sie gehören in die Mongolei. Sie sind durchaus verpönt. Sie stecken tief im Verruf.
Am Abend ihres Auftretens aber, wenn die ledernen Fäuste in die Gesichter zischen, da sitzen sie alle unten im Parkett. In den vordersten Reihen.
Die Maid. Die Dame. Der Aesthet. Der gebildete Herr.
Es ist sonderbar, aber es ist wahr.
Die Boxer bieten weniger Anlaß zur Glosse und zur Karikatur, sie haben weder das Fett noch die Komik der Ringer, auch nicht deren Gemütlichkeit und Phlegma. Der Boxer ist ein Mann des Heih- sporntemperaments, der Schnelligkeit und der geistigen Konzentration. Er hat keine Zeit wie der Ringer, um Faxen für das Publikum zu machen. Er hat kurze, nach Minuten abgezählte Runden.
Bei ihnen gibt es kein Verschlingen und langweiliges Sich°am°Boden°Wälzen: Schnelligkeit im Schlag und Schnelligkeit in der Abwehr — Schnelligkeit und wieder Schnelligkeit - von ihr hängt Sieg und Karriere ab. Hängen sic auch nur einige Sekunden ineinander, reißt sie der Befehl „Bre
chen!" sofort auseinander, und schon schwirren die Stimmen des Publikums auf die Bühne: „Ringkampf!! Ringkamps!! Boxen!!" Das Sportpublikum ist das unerbittlichste Publikum.
Sie sind unerhört elastisch, federnd, jaguargeschmeidig: sie sind einesteils Exzentriktänzer, und wäre ihr Kampf andersartiger, weniger mit Blut und zerschlagenen Gesichtern verbunden, der Roheit ledig — so könnte man Gefallen an ihnen finden, ohne damit einen degenerierten Geschmack zu beweisen
So vollzieht sich der Kampf.
„Ring frei!" kommandiert der Punktrichter.
Sie schieben die Masseure von sich, die bunten Wollmäntel fliegen über den Ring. Letztes Rachprüfen der Sechs-LInzen-Hanbschuhe. Es beginnt. Das ständige Schlagen. Die Schläge knallen dumpf im Raum. Ein vorsichtiges Genen- und Vonein- ander-Trippeln. Gin tänzerisch-sprunghaftes Entweichen. Schlag auf Schlag knallt: ins Angesicht, aus den Magen, auf den Rücken - Ziel aller Bravourschläge aber ist das Kinn — der Knock- out-Schlag auf die Ohnmachtssehne. Die aber wird fanatisch und mit Höllenangst geschützt. Der Gonghammer beendigt die Runde. Erschöpft sinken die Gegner auf die Eckstühle. Zwanzig-Hände fallen über sie her. Trocknen ab. Benetzen mit Wasser. Gießen ihnen Zitronat in den Mund.
„Ring frei! Zweite Runde!" Der Gonghammer gellt durch den Raum. Wieder knallt Schlag auf Schlag. Wiederholung und Steigerung. Die Photographen klettern von Stuhl zu Stuhl, um alle Stellungen zu erhaschen. Das Publikum stiert und muckst sich nicht. Der Punktrichter kaut Gummi. Einem Boxer blutet die Rale. Es fängt an, wesentlich zu werden, näher an Madrid heranzurücken. Man kommt auf seine Kosten. Anfaire Schläge. Das Publikum korrigiert. Der Sipomann in der Kulisse erkennt mit Staunen: das ist wirkliche Courage! Plötzlich kauen sie alle Gummi, die Richter und die Kulissen. Die Gesichter bluten ornamental. Das Publikum räkelt sich wollüstig. Es hat. was es will.
Der Gonghammer donnert.
Aus.
„Sieger... noch Punkten...!" meldet der Ansager mit unzulänglicher Stimme den vordersten Parkettreihen.
Die Ergebnisse schreien sich von Mund zu Mund, bis empor zu den Schwalbennestern der letzten Galerie.
Die Boxer lächeln ihre blutüberströmten Gesichter ergeben in das Publikum hinein.
rungspläne, die eine neue Inflation bedeuteten. Die Arbeitsdienstpflicht werde von der SPD. ab- gelehnt, zumal sie nur eine Art Wehrpflicht nach nationalsozialistischen Wünschen werden solle. Dagegen würden die Sozialdemokraten den Anträgen auf Arbeitsbeschaffung und auch dem nationalsozialistischen Antrag auf Beseitigung der anonymen Kapitalgesellschaften und auf staatliche Kontrolle des Dank- und Börsenwesens zustimmen.
Abg. Dr. v. Waldhausen (Dn.) wendet sich gegen den nationalsozialistischen Antrag auf Beseitigung der anonymen Kapitalgesellschaften, die doch für die Arbetsbeschasfung gerade in Frage kämen, und bezeichnet die Kontrolle des Dank- und Börsenwesens als Angelegenheit des Reiches. Was not tue, sei die Befreiung der deutschen Wirtschaft von allen Hemmnissen, die ihr auferlegt worden seien, damit sie wieder aufblühen könne. Die Wegsteuerung aller Einkommen über 12 000 Mark lehnten die Deutschnationalen ab.
Es beginnt die gemeinsame Beratung zahlreicher Kultur - und Schulanträge.
Abg. Oelzel (Dnt.) weist darauf hin, daß die Arbeit in den Schulen seit der Revolution durch parteipolitische Beeinflussung erheblich gestört worden sei. Die ganze moderne Schulreform habe zur Beunruhigung des Schulbetriebes beigetragen. Es werde an den inneren Grundlagen der Schule, am Christentum und deutschen Volkstum gerüttelt. Es sei höchste Zeit, daß die weltliche Schule beseitigt werde. Die Tatsache, daß das Zentrum bislang einen sozialdemokratischen Kultusminister geduldet habe, beweise, daß diese Partei das Christentum doch nicht als oberstes Ziel betrachte.
Abg. Dr. Haupt (Rats.) erklärt: Was in der Weimarer Republik in den letzten Jahren an Kulturpolitik getrieben wurde, sei nichts als eine Fortsetzung privater Geschäfte mit kulturpolitischen Mitteln. Es sei keine leitende Idee vorhanden gewesen, sondern man sei auf die Verteilung einer Anzahl gut besoldeter Stellungen bedacht gewesen. Das Radio sei eine Propagandazentrale für jüdisch-bolschewistische Jazzmusik geworden. Das Zentrum sei schuld an der Zerreißung des deutschen Lebens. Zentrumsführer wie Wirth und Erzberger hätten sehr viel Aehnlichkeit mit Rathenau und dem ungläubigen Stresemann. (Erregte Protestrufe der Abg. Stendel und Schwarzhaupt, DVP.) Eine deutsche Kulturpolitik könne nur aus völkischen Ideen
heraus vom Rationalsozinlismus getrieben toer» den.
Abg. Stendel (DVP.) bringt nochmals seinen Protest gegen die gegen Stresemann gerichtete Ausführung des Qlbg. Dr. Haupt zum Ausdruck. — Weiterberatung Freitag.
Einspruch des preußischen Staats- rats gegen das Amnefliegesetz.
Keine praktische Wirkung.
Berlin, 23. Juni. (TA.) Der Preußisch, Staatsrat hat am Donnerstagnachmittag entsprechend einem Antrag des Verfassungsausschusses mit 42 gegen 25 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten beschlossen, gegen das vom Landtag beschlossene Amnestiegeseh für Ver- gehen aus wirtschaftlicher Rot Einspruch einzulegen. Infolge dieses Einspruches muh jetzt der Landtag das Gesetz mit Zweidrittelmehrheit verabschieden. Da für dieses Gesetz die Zweidrittelmehrheit vorhanden ist, wird durch den Einspruch des Staatsrats a n ö e m Zustandekom m< n des Gesetzes nichts geändert.
Der Einspruch des Staatsrats gründet sich aus formelle und materielle Einwendungen des Berfas- sungsausschusses. Es wird bariu_u. a. auseinandergesetzt, daß das Gesetz Straferlaß allen Personen gewähren wolle, die aus Rot usw. straffällig geworden seien. Der Straferlaß werde also allein auf die subjektive Seite abgestellt ohne Rücksicht darauf, um w e l ch e A r t strafbare Handlungen es sich handele. Es würderv darunter also nicht nur Vergehen gegen das Eigentum sondern auch solchegegen Leibund Leben fallen. Diese Ausdehnung des Straferlasses gehe dem Staatsrat zu weit. Schließlich sei der Straferlaß davon abhängig, daß der Täter nicht oder nicht erheblich vorbestraft sei und daß die Tat nicht von besonderer Rohheit, Gewinnsucht und Riederträchtigkeit zeuge. Die einschränkenden Wörter „erheblich" und „besonderer" feien zu unbestimmt. Sie gäben dem Ermessen der entscheidenden Behörden einen Spielraum, der die Gefahr einer ungleichmäßigen Handhabung des Gesetzes notwendig mit sich bringe. Außerdem fehle es an einem Stichtag, der den Ilmfang der von dem Gesetz erfaßten Straftaten zeitlich beschränke.
Der neue Ms in der Agrarpolitik.
Reichsminister Freiherr von Braun auf dem Dresdener Genoffenschastsiag.
Dresden, 23. Juni. (WTB. Funkspruch.) Auf dem landwirtschaftlichen Genossenschaftstag führte der Reichsminister für Ernährung und Landroirt- schaft, Freiherr von Braun, u. a. aus: Um einen günstigen Start des neuen Erntejahres zu ermöglichen, sind Maßnahmen getroffen, die die Verwendung von ausländischem Brotgetreide auf das gering st e Maß beschränken. Aus diesem Grunde wird von einer Verlängerung der bis zum 30. Juni laufenden „zollbegünstigten Weizenkontingente" nicht gesprochen. Darüber hinaus soll das Problem der Verwertung der neuen Getreideernte sowohl von den Waren-, wie von der Geldseite her angepackt werden. Zur Entlastung der Märkte von der Warenseite her werde ich das Austauschexportverfahren für Weizen und Roggen in den nächsten Tagen in Kraft setzen. Der Vermahlungszwang für Jnlandweizen wird scharf gehandhabt werden. Unerläßlich erscheint mir auch die Verhinderung einer übermäßigen Futtergetreideeinfuhr. Ferner soll durch planmäßige Erweiterung der früheren Finanzierungsmaßnahmen dafür gesorgt werden, daß in großem Umfange Möglichkeiten der Bevorschussung oder der Beleihung geschaffen werden. Hierbei bin ich vor allem bemüht, die Einlagerung von Getreide möglichst billig zu gestalten.
Ich bin mir aber auch völlig darüber im klaren, daß nicht die Getreidepreife für die Rentabilität der Landwirtschaft entscheidend sind, sondern die Preise für die Erzeugnisse der Viehwirtschaft und die sonstigen Zweige der bäuerlichen Ver- edelungs wirtschaft. Angesichts unserer Viehbestände brauchten wir in unserer Fleisch- oersorgung in keiner weise mehr vom Auslande abhängig zu sein. Die bestehenden Vertragszölle für Rindfleisch, die niedrigen Zölle insbesondere für Speck und Schmatz, verhindern aber eine für die Landwirtschaft erträgliche Preisbildung, weshalb sie baldmöglichst durch solche erseht werden, die uns in ausreichendem Maße von dem Weltmarkt unabhängig machen.
Roch unmittelbarer wie bei Vieh ist der Einfluß des Weltmarktes bei der Preisgestaltung für Milch und Molkereierzeug- n i f f e. Der Preis der Butter richtet sich nach dem Preise, den die europäischen Ausfuhrländer in Konkurrenz mit Liebersee auf dem größten Abnahmemarkt der Welt, England, erzielen. Ziel muß daher sein, aus diesen Verflechtungen, die nicht nur für Butter, sondern in gleicher Weise
Das bedankt sich mit einem Händegewitter für das Schauspiel.
Die Kapelle dudelt fortwährend sentimentale Melodien dazu.
Pause.
Die Musik spielt den einzigen Marsch, den die Welt besitzt!
Dieser Reger, der da oben auf der Bühne steht, mit seinem intelligenten Profil, feinem kurzge- schorenen Kopfhaar, seinen kindhaft dünnen Beinen, der mit schräg lauernden Augen feinen Gegner mißt, diesen schöneren, weißen Menschen, dieser Reger ist nicht nur ein schwarzer Boxer, der gegen einen weißen Boxer kämpft. Hier steht der Verfemte wider den Bevorzugten. Hier schlagen sich Atoei Erdteile in die Fratzen. Hier ist das dunkle, gepeitschte, versklavte Afrika, das seit Jahrtausenden der Welt die demütigsten Diener lieferte, und hier ist daS weiße, herrische Europa, das seit Jahrtausenden befahl. Lind es kann nicht anders fein, als daß dieser dünne, schwarze Boxer, vielleicht die einzige farbige Haut unter allen viertausend Menschen im Saal, etwas spürt von der uralten Peinigung seiner Haut durch den Weißen, es kann nicht anders sein, als daß diesem schwarzen Boxer seinen technischen und körperlichen Fähigkeiten ein uralter, instinktiver Haß sich hinzugesellt und daß er dielen Weißen besiegen muß um jeden Preis. Dieser Wille ist in seinem verbissenen Gesicht zu erkennen. Er kämpft nicht allein um der Gage willen; er kämpft für den Erdteil Afrika. Lind wenn der Weihe ihm dennoch überlegen ist, wenn er besiegt wird, statt zu siegen, so wird dieser Reger am anderen Tage in den Zoo gehen und mit den Affen über seine Riederlage heulen.
Kunst und Wiffenschaft.
Alte und neueste Musik im Frankfurter Opernhaus.
Die Reueinstubierung moderner Opernwerke ist zu einem seltenen Ereignis an deutschen Opernbühnen geworden. Cs ist ein bemerkenswerter Beweis für die Schaffenskraft des Frankfurter Opernhauses, wenn nach längerer Pause auch w'.eder moderne Komponisten zum Worte kommen. Darius Milhards „Der arme Matrose" ist ein Tongemälde in düsteren Farben wuchtig, packend, im Ausdruck ungekünstelt, beinahe herb. Lim die Hauptrollen machten sich besonders Else Gentner-Fischer und Otto Fänger Der bient. — Von völlig anderem Charakter ist
Ravels „Die spanische Stunde" erfüllt, eine musikalische Komödie, in deren Mittelpunkt eine schöne Frau steht, die von vier Männern umworben wird. Heitere Laune, farbenfrohe Bilder und dazu eine Musik von sprühender Leichtigkeit. Clara Ebers gibt die hübsche Llhrmachers-- frau mit viel Anmut und Stimme und Spiel, weiter seien die Herren Permann und Reinecke lobend hervor geh oben. — Den beiden Werken aus neuester Zeit ging „D i e Magd als Herrin" von Pergolesi voran, eine komische Oper, die im Jahre 1733 entstanden ist miß wohl als das älteste Opernwerk bezeichnet werden kann, das sich im Spielplan erhalten hat, ein harmlos-heiteres, musikalisch unendlich fein gearbeitetes Werk, dessen beide singende Rollen August Griebel und Gertrud Riedinger mit Erfolg anvertraut wurden.
Die musikalische Leitung des Abends lag in den Händen Steinbergs: Inszenierung unß Bühnenbilder von Herbert Graf und Ludwig Sievert, dem Wesen der einzelnen Stück geschickt angepaht. Freundlicher Beifall lohnte das Experiment des interessanten Programms, das eine erfreuliche Bereicherung des ©fiel* planes darstellt.
Zeitschriften.
— „Im Rhein, im schönen Strome, / Da fpit'* gelt 5id) in den Well'n, / Mit seinem großer. Dome, / Das große, heilige Köln!" Lind bicse- große Köln, es zieht noch heute Tausende vor. Besuchern alljährlich in seinen Dann. Darm wird auch die neueste Rümmer der I11ustrir- t e n Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) mi: Freuden begrüßt werden, sowohl von denen, die diese reiche Stadt bereits schauen durften, als auch von denen, die noch nicht dort toeilten . Ouid non Dibit Coloniam, non Dibit Germaniam! So soll biefe große deutsche Kulturstätte aller. Deutschen wenigstens im Bilde Dor Augen geführt werden. In den reich mit Bildern aus- gestatteten Beiträgen „Die Museen der Stadl Köln", „Das Alte im neuen Köln" und „Das heilige Köln" tritt uns das Köln der Museen, der stolzen Profanbauten, der Kirchen und des Dornes entgegen. Aber neben der Kirchen- und Museumsstadt erhebt sich die moderne Handels- und Verkehrsstadt. Sie sprengte die ehemaligen Festungsringe, Dertoanbelte sie in Grüngürtel und schuf icnseits des Rheines, durch groß- Brücken mit der Altstadt Derbunöen, ein neues Gelände am Deuher Ufer, wo sich heute Aus- stellungs- und Museumsbauten erheben.
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