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Die Notlage ist durch Uebcrfteuerung aber jetzt so groß geworden, daß weitere Tausende vor dem Zusammenbruch stehen. Unverzügliche Hilf« muh erfolgen, und zwar durch E r - mähigung der Tabakabgabenbela- st u n g , insbesondere vorweg durch Wieder- beseitigung der letzten Danderolen- steuererhöhung um 3 Prozent. Weiter muh der Tabak, da die Zigarrenherstellung im we­sentlichen auf überseeischen Tabak angewiesen ist,

dem Wortlaut und Sinne des Gesetzes entspre­chend endlich auf die Ausgleichs st euer- freiliste gesetzt werden; es nruh die Ban­derole von der Umsatz st euer befreit werdens, da es unbillig und unerträglich ist, auf eine die Industrie sowieso schon schwer be­lastende durchlaufende Staatsabgabe, die keinen Umsatz mit Gewinnmöglichkeit darstellt, noch Um­satzsteuer zahlen zu müssen!"

Vorbereitung für Lausanne.

Frankreichs unverjahrbare Rechte".

Herriot macht sich stark.

Paris, 23. Mai, (WTB.)Paris Midi" ver­öffentlicht ein Interview .herriots, in dem er betont, daß er sich außenpolitisch an die einfachen und steten Grundsätze von den unverjähr- baren Rechten Frankreichs aus den Ver­trägen und den frei unterzeichneten Abkommen hal­ten werde. Er sei daher der Ansicht, daß die A n - erfennung der Anrechte (titres) und Gläubigerforderungen Frankreichs eine absolute Notwendigkeit sei. Man könne über eventuelle Arrangements nicht verhan­deln, ehe nicht diese Ansicht erst einmal anerkannt sei. Wenn Deutschland wirklich geltend machen wolle, daß es mehr bezahlt habe als es schuldig sei, dann müsse man die deutschen Ziffern Sachverständigen vorlegen. Nie würde Deutschland ober aus freien Stücken die Verpflichtungen des Poungplans unterzeichnet haben, wenn die ihm dabei gewährten Herabsetzun­gen nicht zu den wahren Ziffern geführt hät­ten? Man werde eine sehr vorsichtige, eine sehr exakte Außenpolitik betreiben; den das geringste Abweichen berge die Gefahr, den Extremis- mus Hitlers zu begünstigen, die geringste Schwäche, ihm Mut einzuflößen. Die Sicher- heitsrüstung seines Landes wolle er nicht a n t a ft e n; im Gegenteil, er wolle sie vervoll­kommnen und modernisieren, bis solide internationale Garantien den Völkern gegeben wer­den, die an der Organisierung eines wahren Frie­dens arbeiten.

Französische Stimmungsmache.

Gegen eine Endlösung in der rributfragc.

Paris, 23. Mai. (TU.) Die Pariser Presse beschäftigt sich angesichts des Herannahens der Lausanner Konferenz immer mehr mit der Tribut­frage. Während in der Oeffentlichkeit zum Teil ein gewisses Verständnis zu erwachen beginnt, dah mit der Wiederaufnahme der deutschen Zahlungen nicht mehr ge­rechnet werden kann, tun die Blätter immer noch so, als sei die Frage der Zahlungsfähigkeit noch keineswegs geklärt und müsse im Sinne der französischen Forderungen gelöst werden. Man macht sich Sorgen darüber, daß die englische Stimmung einer Streichung der Tribute zu­neigt, hofst aber, in London die nötige Unter» stühung für den Gedanken einer Verlänge­rung desProvisoriums zu finden. Ieden- falls tritt in der Presse sehr deutlich die Tendenz zu Tage, sich unter keinen Umständen auf eine Endlösung einzulassen, die eine Preisgabe der sranzösischen Forderungen bedeuten würde. Vach wie vor hält man daran

fest, dah die bevorstehenden Entscheidungen nur im Rahmen des Voungplans gefällt werden dürften. Insgeheim scheint man vielfach damit zu rechnen, daß es einer sogenannten fran­zösischen Linksregierung unter Herriot leichter fallen werde, die Weltmeinung zu be­einflussen und ihre Sympathien auf die Seite Frankreichs zu bringen.

Zu der Aussprache zwischen Herriot und Tardieu beim Präsidenten der Republik wird bemerkt, dah zwischen diesen beiden Staats­männern selbstverständlich ausgesprochene Ge­gensätze auf dem Gebiet der reinen Politik seien, wenn es sich jedoch um das Wohl Frank­reichs handele, so verschwänden diese Ge­gensätze von der Bildfläche. An ihre Stelle trete eine Harmonie des Geistes und des Willens. Zu viele Staaten hätten sich bereits auf eine Aben­teuer-Politik eingelassen. Es sei daher notwendig, daß in Frankreich die Kontinuität auf­rechterhalten bleibe, um die nationalen In­teressen zu schützen. Vur die französische Stabilität flöhe der Welt Vertrauen ein. DerFigaro" schreibt in diesem Zusammenhang, daß man i n Deutschland weitgehende Hoffnun­gen auf das französische Wahler­gebnis gesetzt habe. Deutschland bilde sich ein, dah die zukünftige sranzösische Regierung den Standpunkt der bisherigen Mehrheit inbezug auf die Frage der Reparationen und Kriegsschulden fallen lassen werde. Cs sei ein wenig naiv, zu glauben, daß das neue Kabinett die Ueber» nähme der Macht miteinerKapitulation einleiten werde. Auch die zukünftigen Männer würden nicht die Verantwortung für neue französische Opfer auf sich nehmen.

Was die Franzosen von Lausanne erwarten. Fortdauer des Lchwebc;uskandcs.

Paris, 24. Mai. (MTV. Funkspruch.) Vach An­sicht der3ournee Industrielle" könnte die Lausanner Konferenz folgendes Ergebnis aufweisen:

1. ein Moratorium für alle politischen Schulden, damit nach den Empfehlungen des Lasier Sachverständigenausschusses die end­gültige Entscheidung der Zukunft vorbehalten bleibe;

2. um den Wünschen der Bereinigten Staaten Rechnung zu fragen, könne die Lausanner Kon- ferenz, ohne den Ausgang der Abrüstungs­konferenz abzuwarten, freiwillig beschließen, die militärischen Ausgaben für eine bestimmte periodeherabzusehen;

3. um der Wirtschaftskrise der Donau- ff a a f c n entgegenzuarbeiten, könne die Kon­ferenz denfranzösischenplanwieder aufnehmen, indem sie ihn erweitere.

OerTag oerLleberseeflieger in Rom

Don unserem v. 6.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Nom, den 22. Mai 1932.

Aus zwölf verschiedenen Ländern sind sie nach Rom gekommen, die in unermüdlichem Wettbewerb seit 1919 den Atlantischen oder den Stil­len Ozean.auf Flugzeugen überquert haben. Von den 102 Ueberseefliegern, deren Namen in das Goldene Buch der internationalen Fliegerei eingetragen sind, ist etwa bl c Hälfte in der italienischen Hauptstadt eingetroffen. Eine seltene Vereinigung von Männern, die opfermütig ihr ßc den in den Dienst des menschlichen Fortschritts ge­stellt haben.

Ein tragisches Unglück wollte es, daß am Vor­abend dieser Tagung die Reihe derer, die in dem Kampf mit den Lüsten den'Tod fanden, sich um den ungarischen Ueberseefliegcr Georg Endresz und seinen Gefährten Bittai vergrößert hat. Das Flugzeug, dos nach dein bekannten Ueber- seeflugzeugGerechtigkeit für Ungarn" benannt war (nach jenem Flugzeug, mit dem En­dresz und Magyar im Juli 1931 ohne Zwischenlan- düng von Harbourgrace noch Ungarn flogen), stürzte über dem römischen Aeroporto del Littorio ob und ging vor de n Augen der Menge, die sich zur Begrüßung der Ungarn zahlreich eingefunden hatte, in Flammen auf. Endresz und Bittai konnte keine Rettung mehr gebracht werden. Sie wurden als Leichen geborgen. Die Flieger aller Herren Länder, die sich seit Freitag in Rom zu sammeln begannen, hoben mit Erschütterung den ollzufrühen Tod ihrer ungarischen Kameraden ver­nommen. Sie alle wissen aber auch, wie sehr ihr Leben Kampf ist, und wie oft sie selbst nur durch Einsatz aller Nervenkraft einem Unfall entgangen sind.

Die Lücke, die der Tod in den Kreis der Ta­gungsteilnehmer gerissen hat, ist frisch, und schmerzlich vermißt man den jungen Ungarn, des­sen sterbliche Hülle nun die Farben seines Landes decken. Aber mit gleichem Mitgefühl wenden sich die Gedanken aller nach Hopwell, wo das Flieger- paor Lindbergh unmenschlichen Schmerz um sein gemordetes Kind erdulden muß. Es ist in diesen Tagen oft zum Ausdruck gebracht worden, dah der Geist der Abwesenden in Rom zugegen ist. In der Tat hört man in der Unterhaltung der ausländischen Flieger immer wieder die Vamen der Ungarn und Lindberghs fallen.

Deutschland ist in Rom diesmal durch Hauptmann Köhl, Wolfgang von Gronau und seinen Flugkameraden Eduard Zimmer ver­treten. Die Deutschen sind mit größter Herzlich- keit hier ausgenommen worden. Köhl, der am 12. April 1928 zusammen mit Hünefeld und Fitzmaurice auf derBremen" von Dublin bis Greenly Island zum erstenmal in ost- westlicher Richtung den Ozean mit seinem LandflugzeugBremen" bezwang. Gronau.

der mit seinem Gefährten Zimmer, der auch hier wieder lächelnd neben Gronau aus dem Ber­liner Verkehrsflugzeug aus italienischen Boden sprang, sowie mit Albrecht und Hack den nördlichen Flugweg über Grönland erforscht hot.

Der Tagung ist das' Ziel gestellt, die viel­seitigen Erfahrungen der Ucbcrfecflicger der Sch affung eines regelmäßigen Flug­dienstes über den Ozean dienstbar zu machen. Bei der Verwirklichung regelmäßiger Ueberseesluglinien spielt vor allem die Strecken­führung, die Errichtung entsprechender Flughäfen und Stützpunkte, der Wetterdienst und das Funk­wesen eine wichtige Rolle. Diese Fragen sind in den Berichten behandelt worden, die viele der Ueberseeflieger bereits im voraus eingereicht ha­ben Auf dieser Grundlage hat die Aussprache zunächst begonnen. Es ist noch nicht abzusehen, ob die Beratungen, die in fünf Sitzungen bis Mittwoch dauern, ein festumrisscnes Ergebnis zeitigen werden, da bei der Beurteilung der Zweckmäßigkeit direkter Ueberseefluglinien ver- schiedene Interessen mitspielen. Man kann wohl heute schon sagen, daß die Errichtung eines ständigen Luftdienstes nach Südame­rika technisch keine unüberwindlichen Hinder­nisse finden dürfte. Es fragt sich nur, ob'bei der verhältnismäßig geringen Menge von Post ein Luftdienst nach Lateinamerika wirtschaftlich gestaltet werden kann, während dieses für Rord- amerika wohl angenommen wird.

Italien scheint auf einen Flugdienst 3t o m Buenos Aires hinzuarbeiten. Dieses Ziel ist besonders verständlich, wenn man die italienischen Interessen in Argentinien und Bra­silien berücksichtigt, die dazu beide bedeutende italienische Dolksteile beheimaten. Für Rord- europo und besonders Deutschland dürste hingegen die Flugstrecke über Grön­land, wie sie etwa von Wolfgang von Gronau vertreten wird, vor allem in Frage kommen, weil sich kaum ein Flieger finden wird, der bereit wäre, ein Flugzeug täglich, und vor allem im Herbst und Winter, direkt nach Veuhork über den Ozean zu steuern. In dem einen wie in dem anderen Fall wird aber noch sehr viel Vorarbeit zu leisten sein, bis eine Verwirklichung der Pläne sich als möglich erweist. Obgleich das 20. Iahr- hundert an die erstaunlichsten Fortschritte der Fliegerei gewöhnt ist, wird man gut tun, seine Erwartungen hinsichtlich der Ueberseefliegerei noch zu zügeln.

Die Tagung der internationalen Ueberseeflieger bleibt an sich eine Leistung, zu der man den kgl. italienischen Aeroklub beglückwünschen kann. Die Zusammenkunft ist von den Veranstaltern, man kann wohl sagen, mit eindrucksvoller Hin­gabe bis in alle Einzelheiten vorbereitet worden.

Dabei galt es, unendliche Schwierigkeiten zu überwinden, weil von den mehr als hundert Ueberseefliegern vielfach nicht einmal die An­schriften vorlagen. 99 Flieger, die eine Berechti­gung hätten, an der Tagung teilzunehmen, weil sie als erste oder zweite Flugzeugführer den Stillen oder den Atlantischen Ozean auf einem Land- oder Wasserflugzeug überquert haben, sind ausfindig gemacht worden und haben alle, wenn auch teils durch notgedrungene Absage, auf das Rundschreiben des italienischen Aeroklubs ge­antwortet.

Zwölf Rationen haben ihre besten Flieger nach Rom entsandt. Die Vereinigten Staaten und Italien sind zahlenmäßig am stärksten ver­treten. Dann Frankreich. Deutschland, England, Irland, Ungarn, Spanien, Portugal, Holland. Brasilien und Uruguay. Alle diese Söhne ver­schiedenster Völker, die die Leidenschaft für die Fliegerei eint, haben bald die Sprache gefunden, in der sie sich gegenseitig freundschaftlich ver­ständigen.

Italien hat die Tagung mit einem Rahmen von Veranstaltungen umgeben, die seiner sprichwört­lichen Gastfreundschaft Ehre tun. Man mag darin auch den Einfluß des zielbewußten Lustfahrt- minifters B a l b o sehen, der mit seinen eigenen Ueberseefliegern ständig den liebenswürdigen Haus­herrn macht.

Im Mittelpunkt der Erwartungen steht die große F l u g v e r a n st a l t u n g , die für den 26. Mai vor den Toren Roms angesagt ist. Etwa 400 Flugzeuge werden an den Schauflügen teil­nehmen. Das vielseitige Programm umfaßt auch das Bombardement einer Industrte­st a d t, deren Fabriken, Eisenbahnen und sonstige bezeichnende Einrichtungen in den letzten Wochen auf dem großen Flugfeld im Norden von Rom errichtet worden sind. An derGiornota dell'Ala",

dem Tag des Flügels, nehmen auch die beiden Groß» flugboote der Dornier-Werke teil, die von Italien angekauft wurden. Auch dies ein Beweis für die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der italienischen Fliegerei. *

Auf dem Festessen, das Mussolini am Mon­tagabend zu Ehren der Ueberseeflieger veranstaltete, wurden sämtlichen Ueberseefliegern hohe Aus­zeichnungen überreicht. Kohl, v. Gronau und Zimmermann erhielten jeder das Großoffiziers- Kreuz des Ordens der Krone von Italien. Mussolini blieb länger als sonst im Kreise der er­lesenen Gesellschaft.

Die Lösung der Kabineiis- krisis in Japan.

Tic Aufgabe des Admirals Lailo.

Tokio, 23. Mai. Die Beauftragung des Barons Saito mit der Kabinettsbildung wird in den führenden politischen, finanziellen und wirt­schaftlichen Kreisen l e b 1) o f F- b c g r ü & t. Saito gilt allgemein als ein ebenso selbständiger wie selbstloser Charakter und hat sich in schwierigen Positionen a l s M ann des Ausgleichs bewä f)jr t. Wie ver­lautet, haben die beiden großen Parteien,"die Sei- y u k a i und die Minseito, wie auch die Mit­glieder des Oberhauses und des Staatsrates dem neuen Regierungschef ihre Unterstützung z u - gesichert. Damit ist die Krise im Sinne der Bil­dung eines überparteilichen Kabinetts gelost. Saito hat das Mitglied der Minfeitopartei und ehemaligen Ministerpräsidenten W a k a t s u k i aufgefordert, sich am neuen Kabinett zu beteiligen. Die Minfeitopartei stand seit dem Rücktritt des Kabinetts Wakatsuki im Dezember v. I. in der Opposition.

Aus aller Well.

Reichstagung des Edeka Verbandes.

Die im Edeka-Verband vereinigten E i n - kaufsgenossenschasten der Kolonial­warenhändler sowie die Vertreter des Reichsverba n des deutscher Kauf­leute des Kolonialwaren-. Feinkost- und Le­bensmittel - Einzelhandels (Rekofei) traten in Hannover zu ihrer mehrtägigen Iahresver- sammlung zusammen, die mit einer großen Kund­gebung im Kuppelsaal der Stadthalle eröffnet wurde. Verbandsdirektor Thom aus Berlin sprach über Rotjahre und Rotgemeinschast, Rcichstagsabgcordneter Generaldirektor Fritz B o r r m a n n über das ThemaDurch Selbst­hilfe zu wirtschaftlicher Bedeutung", Oberregie­rungsrat Dr. Tiburtius über die Röte des deutschen Einzelhandels und seine Abwehr. In einer Resolution wurde nachdrücklichst s ch n e l l st e Durchführung der Phasen - P auscha- lierung bei der Umsatzsteuer gefordert. In einer zweiten Entschließung heißt es u. a.: Die Vertreter des Reichsverbandes deutscher Kaufleute des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmitteleinzelhandels (Rekofei) und der im Edeka-Verband deutscher kaufmännischer Ge­nossenschaften zusammengeschlossenen 430 Ein­kaufsgenossenschaften der Kolonialwarenhändler machen die Oeffentlichkeit erneut darauf auf­merksam. daß der selbständige Mittel­stand in Stadt und Land einschließlich des Lebensmittelkleinhandels von der Gesetz­gebung und der Verwaltung des Reiches und aller Länder auf das gröblich st e vernach­lässigt worden ist. Die Versammlung fordert von der Reichs- und den Länderregierungen eine sofortige Abwendung von dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem und Erfüllung des Ar­tikels 164 der Reichsverfassung. Die politischen Parteien der Parlamente werden hier­durch erneut auf ihre große Verantwortlichkeit dem selbständigen Mittelstände und dem Volke gegenüber hingewiesen. Als Tagungsort für die Jahresversammlung 1933 wurde Frankfurt am Main bestimmt.

$ür Abbau der Regiebetriebe.

In Bad Homburg hielt der K r e i s 11 l des De utschen Buchdruckervereins seine Iahresversammlung ab. Im Anschluß an einen Vortrag von Universitäts-Professor Dr. Fr. K l a u s i n g überWirtschastliche Betätigung der ösfentlichen Hand und staatliche Wirtschaftspoli­tik', faßte die Versammlung einstimmig eine Ent­schließung, in der es heißt:Die Iahresversamm­lung erhebt schärf st en Protest gegen die im­mer noch weiter um sich greifende Konkurrenz der Regiebetriebe des Staates und der Gemeinden. Sie fordert schnellsten Ab­bau aller Regieunternehmungen staatlicher und kommunaler Behörden und Körper­schaften und ausschließliche Berücksichtigung derfreienWirtschaftbei allen von diesen Behördestellen zu vergebenden Arbeiten." Weiter sprach der Syndikus des Vereins, Dr. A. Pfannkuch (Frankfurt a. M.) überDie tarif­liche Lage im Buchdruckgewerbe". Der Geschäfts­führer A. Mahl au (Frankfurt a. M.) machte Ausführungen über die notwendige Mitwirkung des Uniernehmers an der Verminderung, der Kosten der Derussgenossenschaft in seinem eigenen Interesse.

Schweres Unwetter in England.

Reun englische Grafschaften wurden von wol­kenbruchartigen Regengüssen heim- gesucht, wie sie in solcher Stärke seit 30 Iahren nicht verzeichnet wurden. Viele Bäche und Flüsse traten über ihre Ufer und überschwemmten weite Landbezirke und zahlreiche Ort­schaften. Der Schaden dürfte yunderttausende Pfund Sterling betragen. Im mittleren Teil der Stadt Derby wurden mindestens 600 Kauf­läden und mehr als 1000 Wohnhäuser über­schwemmt. Stellenweise erreichte hier das Wasser ei ne Höhe von drei Met er. In Afhby (Leicester) schlugen Polizisten ein großes Loch in eine Mauer, die einen Sportplatz umgibt, und ermöglichten dadurch ein Llbfließcn der Wasser­massen. Trotzdem mußte die Hälfte der Bevölke­rung der Stadt in den oberen Stockwer­ken Zuflucht suchen. Die 35 000 Einwohner von Rugby waren ohne Trinkwasser, da die Maschinen des Städtischen Wasserwerks von der Flut außer Tätigkeit gesetzt wurden. Die Landwirte haben überall einpfindliche Verluste erlitten. Viel Geflügel und Vieh ist umgekommen und weite Strecken Saatland sind zerstört. Reu entstandene Seen dehnen sich Kilometerweit aus und erreichen vier bis fünf Meter Tiefe. Die Iugend tummelt sich in den überschwemmten

Orten im Badekostüm von Haus zu Haus schwim­mend. Zehntausende von Drahtleitungen sind unterbrochen, ebenso zahlreiche Eisenbahnverbin­dungen. Viele Städte stehen vollkommen unter Wasser. Der Verkehr mit den in den Dachge­schossen hausenden Bewohnern kann nur mit Booten aufrechterhalten werden. Mehrere Per­sonen sind ertrunken. Viele Häuser sind ein­gestürzt. Das Shakespeare-Theater in Stratford ist völlig von einem tiefen See umgeben.

Do X heule in Berlin erwartet.

Das FlugschiffDo X ist in Vigo am Mon­tag um 11.45 Uhr (MEZ.) zum Weiter­flug nach Calshot bei Southampton g c ft a r t c t und am Montag um 19 20 Uhr, nachdem es eine Runde über Southampton ge­flogen hatte, glatt an der Reede der Flugstation Calshot nicbergegangcn. Das Flugzeug been­dete damit die dritte Strecke seines Ozeansluges. Das englische Luftfahrtmini­sterium hatte die Haltemannschaften zur Ver­fügung gestellt, die neben einer großen Men­schenmenge die Ankunst des Ozeanriesen erwar­teten.Do X wird am Dienstag um 9 Uhr zum Rückflug nach Deutschland star­ten. Das Flugschiff wird seinen Kurs über Ham­burg nehmen und zwischen 16 und 18 Uhr a u f dem Müggelsee frei Berlin niedergehen.

Blankenburger Uubiläumswoche des VC.

Der VC., Verband der Turnerschaften auf Deutschen Hochschulen, der jetzt in sei­nem Heimatort Bad Blankenburg (Thüringen) die Feier der 60. Wiederkehr seines Gründungstatzes beging, hat feinen festlichen Veranstaltungen eine den Zeitverhältnissen entsprechende Note gegeben. Das hat sowohl eine hochschulpolitische Schulungs­woche bewiesen, zu der etwa 100 junge VCer in dem neuerrichteten VC.-Haus in Blankenburg lager- rnäßig zusammengezogen waren, wie auch eine vom Grenzlandamt des Verbandes veranstaltete Ausstel­lung, die die Folgen der uns aufgezwungenen Grenzziehungen vor Augen führte. Nach einer Weiheftunde vor dem Gesallenenehrenmal des Ver­bandes auf dem Greifenstein bildete den Höhepunkt des Festes die feierliche Uebcrgabc des auf der VC- Kampfbahn errichteten VC.-Hauses. Dem Gemein- fchaftsgedanken im Bauwerk sinnfälligen Ausdruck zu geben, ist seinem Schöpfer, dem Architekten Thiele, Hannover, durchaus gelungen. Das betonte auch Präsident Dr. Werth, der Vorsitzende des Vor­ortes der Vereine Alter Turnerschaften bei der llcbcrgabe des Hauses an die Aktiven, in deren Namen cand. phil. Küsgen, als Sprecher der zur Zeit im VC. vorsitzenden Turnerschaft Germania, Bonn, gelobte, das Ringen um die nationalpoliti­schen Ziele nie auszugcben. Im gleichen Sinne deu­tete auch der Festredner, Landtagsabgeordneter Steuer, Germania, Bonn, auf dem Kommers in der Blankenburger Stadthalle dos Programm der Zu­kunft. Gleichzeitig wurde das 21. Turnfest des VC. unter Beteiligung der großen Mehrzahl der zur Zeit dem Verbände angehörigen 90 Turnerschaften durchgeführt, sowie die Verhandlungen des alljähr­lichen Verbandstages, die auf dem Gebiete der Hoch- fchulpolitik ein einmütiges Bekenntnis zur Deutschen Studentenschaft brachten.

Die Ausschreitungen in Woltershausen vor Gericht.

Das Große Schöffengericht Gotha verurteilte im Schnellverfahren acht Teilnehmer an den Waltershausener Unruhen, bei denen cs einen Toten und etwa 20 Verletzte gegeben hatte. Die Angeklagten wurden zu zwei Wochen bis acht Monaten Gefängnis verur­teilt. Unter den Verurteilten befindet sich eine 65jährige Frau, die sechs Monate Gefängnis er­hielt. Es wurde ihr anheimgestellt, ein Gnaden­gesuch beim Ministerium einzureichcn.

Wettervoraussage.

lieber Zentraleuropa breitet sich ein flaches Sto> rungsgcbict aus, das bei mehreren Mcrngebieten verschiedenartige ßuftftrömunaen in sich birgt. Da sich bei uns noch die Ozeanluft auswirkt, wird vor­erst wechselhaftes Wetter mit einzelnen Nieder­schlägen auftreten und der weiter fortschreitende Luft­druckanstieg von Westen her nur langsam Einfluß . auf die Wetterlage gewinnen.

Aussichten für Mittwoch: Noch mäßig warm, wechselnd wolkig mit Aufheiterung, einzelne Niederschläge.

Lufttemperaturen am 23. Mai: mittags 16,5 Grad Celsius, abends 1-3,2 Grad; am 24. Mai: morgens 13,2 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum 10 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Mai: abends 18,8 Grad: am 24. Mai: morgens 14,8 Grad Celsius. Niederschläge 0,1 mm. Sonnenschein­dauer 51/» Stunden.