Ausgabe 
23.12.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

tag. Montag, 26. Dezember, ist ganz dem Hei. ter en gewidmet. Nachmittags soll den Kindern Ge- legenfjeit gegeben sein, den Märchenzauber vom SchicksalAschenbrödels' in sechs bunten Bildern unter der Spielleitung Karl Bolcks zu erleben. Für 19 älhr ist die Erstaufführung des Operetten­schlagers3m weihen Röhl" angesetzt. Hans Müller hat den bekannten Schwank gleichen Na­mens (von Blumenthal und Kadelburg) völlig frei umgearbeitet: Gesangstexte: Robert Gilbert. Schlager von Ralph Benatzky. Für die Auffüh- rung dieses Weltschlagers bemühen sich Heinrich Hub mit einem großen Aufgebot an Darstellern: ihm zur Seite am Dirigentenpult Kapellmeister M o e h l mit seinen Musikern, Ballettmeister Ewald B ä u l k e und Frau Anni mit den Girls desThectte.s. Die Erstaufführung ist außer Abon- nement und als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Operettenpreifem Anfang 19 älhr, Ende 22 Llhr.

** Straßensperrungsnachricht, mitge- tcilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A. o. D.), Gießen: D.e Sperre der Ortsdurchfahrt Wieseck im Zuge der Sttaße GießenAlten- Duftck ist aufgehoben.

** Vorbe stellte Karten zu den Bor- stellungen im Stadttheater. Die In­tendanz schreibt uns: Die zu den Weihnachts­feiertagen vorbestellten Karten müssen bis spä­testens Samstagmittag 13 ilfjr ab geholt fein. In­folge der großen Nachfrage muß die Kasse sonst anderweitig über bis zu diesem Zeitpunkt nicht abgrholte Karten verfügen. Vorbestellungen aus- toättiger Theaterbesucher blerben diesen bis 1/2 Stunde jeweils vor Dorstellungsbeginn aufge­hoben.

** Das Fest der Silberhochzeit können am 1. Weihnachtsfeiertag der Friseurmeister Erich Stutzen st ein und Frau Lina, geb. Kircher, wohnhaft Neustadt 6, am 2. Weihnachtsfeiertag der

(Spenden für die Winternothilfe.

Don der Eeschäflsstelle der Gießener Wmttr- nothilfe werden uns folgende weitere Spenden gemeldet: , ~ ,

Oberheft. Automobil-Club monatlrch 53 Mark: Milchzentrale, Gebr. Grieb, 63 Pfund Allgäuer Käse ohne Rinde, 10 Karton Tilsator-Krem. 30 Pfund Palmin:Eierteigwarenfabr:k

ICO Pakete E -f-peneinlagen, 100 Pakete ®ier* schnittnudeln. 100 Pakete Eieft adennudeln: Pfar­rer Wolf, Co...^strahe 67, 2 Sark Kartoffeln: Frau Bürgermeister Kreiling, Heuchelhe.m, 10 Mark: Frau Pfarrer Schultheis, Großen-Linden, 15 Mark. Die beiden letzten Punkte sind Ergeb­nisse der Sammlung der Evangelischen Frauen­vereine in Heuchelheim und Großen-Linden.

Mühlenbesiher Klinket sttftete acht Sack Rog­genmehl (16 Zentner), das von derBäckerin- nu n g Gießen ^stenlos zu Brot für die Hilfs- bebi" r. tige 1 ve backen tour', e Es w '.rden 63 > Laib gutes Roggeabroc aus dieser Mehlspende herge­stellt. Das Brot wird durch die Winternothilfe an hilfsbedürftige Familien verausgabt.

rpornouzen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute bleibt das Theater der Dorbereitungen für den Weihnachtsfpielplan we­gen geschlossen. Dem ernsten Charakter des ersten Feiertages entsprechend hat die Intendanz für Sonntag.. Dezember, eine Aufführung des FrontstückesDie endlose Straße" von Graff und Hintze angefeht. Spielleitung: der In t e n d a n t. Außer Abonnement, Fremdenvorstellung, ermä­ßigte Preise. Don 18.30 Ahr bis 21.30 Ahr. Der frühe Beginn und der zeitige Schluß der Vor­stellung ist besonders für die auswärtigen Thea­terbesucher günstig. An Wochentagen ist aus spiel­plantechnischen Gründen ein so zeitiger Vorstel- lunngsbeginn nicht möglich. Der zweite Feier-

Forderungen des Hessischen Landbundes.

* Alsfeld, 22. Dez. Am vergangenen Sonntag tagten die Vertrauensmänner des Hessischen L a n d b u n d e s. Man beschäftigte sich mit den aktuellsten Fragen der Landwirtschaft. Einstimmig faßten die Teilnehmer folgende

Entschließung:

Die in Alsfeld und Lauterbach versammelten Berttauensmänner des Hessischen Landbundes haben sich eingehend mit der weiteren Ver- schlechterung der landwirtschaftlichen Verhältnisse befaßt.

Die Versammlung stellt fest, daß eine Reihe landwirtschaftlicher Betriebe bereits zusammenge- brachen ist, oder vor dem Zusammenbruch steht. Es wird.zugegeben, daß bei diesen Betrieben nicht immer und nicht allein die Lage ter Landwirt­schaft den Zusammenbruch verschuldet hat. Nach dem weiteren Sturz der Diehpreis^ im Herbst vori­gen Jahres stellen sich fetzt bei den Betrieben, die mit besonderen Unfällen ufto. rechnen mußten, Schwierigkeiten ein.

Infolge des weiteren Abstnkens der Preise in den letzten Wochen, muh nun schon bamil ge­rechnet werden, daß jetzt die besten und tüch­tigsten Bauern des Kreises an die Reihe tom- mcn und bis zum Frühjahre vor dem Zu­sammenbruche stehen.

Schon allein die Auszahlung der Gesintelöhne macht es notwendig, daß ein Ausverkauf der Dieh- ställe stattfindet.

Im Einzelnen fordern wir die sofortige lücken­lose Einführung der Kontingentie­rung landwirtschaftlicher Produkte. Die Landwirtschaft wird trotz ter Schundpreise ihre Produkte einfach nicht mehr los. Wenn der Reichsernährubgsminister sich gegenüber der zwar geringen, aber trotzdem mächtigen Auesuhrindustrie und ten Gewerkschaften nicht durchsetzen kann, dann soll er einem stärkeren Manne Platz machen. In dem Zusammenhang weisen wir auch noch auf die ungeheure Preisspanne zwischen- Erzeuger und Verbraucher hin. Don den Behörden sowolst als auch von dem Verbraucher wird jedoch dagegen nichts unternommen.

Bezüglich der Steuern und Abgaben ift es überflüssig, jetzt noch über einen Steuerstreik zu sprechen. Die Landwirtschaft befindet sich mitten in einem solchen. Dagegen sind wir machtlos, daß selbst di^ besten Landwirte jetzt ihren Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen können. Handel und Ge­werbe wollen wir, soweit dies überhaupt möglich ist, befriedigen. Mit dem Zwangsversteigerungs- schutz ist uns nicht gedient. Wir wollen uns nicht um unsere Verpflichtungen Herumdrücken, sondern auf Grund einer zielklaren Wirtschaftspolitik so gestellt werden, daß mir wenigstens bei den größten Anstrengungen unseren Anforderungen einiger­maßen gerecht werden und unseren Besitz erha.ten können. Notwendig ist deshalb auch eine starke Senkung der Verwaltungsrosten. Die geringen steuerlichen Erleichterungen der letzten Jahre sind durch das Absinken der Preise der letzten Zeit wieder mehrfach aufgewogen. Die neu eingeführte Schlachtstcuer bleibt natürlich, wie auch die erhöhte Umsatzsteuer, wieder restlos aus der Landwirtsck)aft hängen. Die Parteien haben zwar mit der Schlacht­steuer eine lebhafte Agitation getrieben, ernstlich ist aber nichts unternommen worden. Die Richtzahlen der Umsatzsteuer waren für 1932 viel zu hoch und werden zweifellos bei dem fortwährenden Absinken der Preise auch für 1933 wieder zu hoch heraus- kommen. D e vom Hessischen Finanzminister ver­fügte Ermäßigung der Hessischen Grundsteuer wirkt sich überhaupt nicht aus, u mb Einzelgesuche bringen nur bei den härtesten Fällen eine geringe vorüber­gehende Ermäßigung.

Mithin muh die hessische Regierung einen generellen Erlaß mehrerer Grundsteuerraten verfügen. Die Realsteuer ist umgehend auf den Einheilswert umzulegen, nachdem dieser durch reichsgesehliche Bestimmungen als Erlcagswert den heutigen Verhältnissen wirklich angepaht ist.

Eine besondere Belüftung stellen die Kommunal­steuern dar. Zur Entlastung der Kommunen ist sofort der G e r e k e - P l a n in Kraft zu setzen.

Als besonders drückend werten die Beiträge für Reichsunfalloersicherung (Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft) emp­funden. Die Hessische Regierung muß hier einen Teil des Defizits aus 1931 übernehmen. Sodann find sofort Maßnahmen in die Wege zu leiten, um Betriebsinhaber und Familienangehörige aus der

Zwangsversicherung herauszunehmen. Mit der Lohnfrage uno den sozialen Beiträgen wird sich der Arbeitgeberverband desoniters beschäftigen.

Nicht zuletzt ist eine einschneidende Senkung der Zinsen aller Art zu fordern. Hierbei muß die Reichsregierung den Haupttoert auf die Sen­kung der Auslandsginsen legen, wenn die Zins- senkung praktisch überhaupt eine Bedeutung er­langen soll.

Hiermit haben wir unsere Forderungen im Großen und zum Teil auch im Einzelnen nieder­gelegt. Die Parlamente haben, wie schon seit der Revolution durchgreifende Maßnahmen für die Landwirtschaft nicht getroffen. So sind auch dies­mal wieder die landwirtschaftlichen Anträge in den Reichstagsausschüssen steckengeblieben. Für die taktischen Maßnahmen der Parteien haben wir kein Verständnis. Es muß daher das. Vertrauen zu ten Parteien immer mehr schwinden.

Deshalb fordern wir heute ten Cantesoorftanb des hessischen Landbundes und den Bundesvor­stand des Reichslandbundes auf, sich rücksichtslos für unsere Forderungen einzusehen und die für die Erfüllung unserer Forderung notwendigen Maßnahmen umgehend zu ergreifen.

Zum Schluß machen wir die Drückeberger und Fahnenflüchtigen, die aus irgendeinem Grunde abseits der Organisation stehen, mitverantwortlich. Wenn wir heute auch von weiteren Maßnahmen gegenüber diese absehen, so erwarten mir jedoch, daß zum Endkampf um die Erhaltung der heimi­schen Scholle alles antritt."

Tagung

der landwirtschaftlichen Arbeitgeber.

Im Anschluß an die Landbundversammlung tag­ten die landwirtschaftlichen Arbeit­geber. Die Richtlinien für die neuen Löhne, sowie die Dienstverträge sind bei dem Vertrauens­mann zu erfahren. Einstimmig wurde beschlossen, daß jetzt nur noch bei der Mietung die Versiche­rungsbeiträge nach den gesetzlichen Bestimmungen zu übernehmen sind. Weiter wurde beschlossen, an die Regierungen und Verficherungsbehörden heran­zutreten, daß eine Senkung der Sozial- la st en, stattftndet. Jnc-besondere wurde gefordert, daß die neu festgesetzten Ortslchne wesentlich gosenkt werten, da sie keineswegs den tatsächlichen Löhnen entsprechen und auch nach der Neufestsetzung noch nicht ermöglichen, daß die Arbeitgeber in ten Ge­nuß der Beschäftigungsprämie gelangen.

Landbund und $(eifd)preife.

Der V 0 rstand des Landbundes und des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins beschlossen durchgreifende Maßnahmen, um bei ter G e st a l tu n g d e r Preise auf dem Fleisch­markt andere Verhältnisse herbeizuführen.

Die Schlachtviehpreise für Großvieh, Kälber und ganz besonders Schweine haben zur Zeit einen Stand angenommen, der wesentlich unter den Vor- kriegspreisen liegt und somit keineswegs die Pro­duktionskosten deckt. In letzter Zeit wurden die Schweine mit 32 bis 38 Pf. pro Pfund Lebend­gewicht, mithin 43 bis 48 Pf. pro Pfund Schlacht­gewicht bezahlt. Bei Großvieh und Kälber liegen die Verhältnisse ähnlich.

Die Landwirtsä-aft muh sich gezwungenermaßen jnit diesen Preisen ab finden, hat sich aber nunmehr dazu entschlossen, mit allem Nachdruck daraus hin­zuwirken, daß dem Verbraucher das Fleisch .zu einem Preis zugefühtt wird, der sich den Prviiuktions- kvsten anpaßt und wie es die Kauftraft der Be­völkerung erträgt. Die Landwirtschaft kann nicht weiter mit zusehen, daß der hohe Stand ter Preise lediglich den Zwischeninst-anzen zugute kommt und der Derbraucherschaft oorenthalten wird.

Die Vorstände der beiden landwirtschaftlichen Or­ganisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, auf diesem Gebiet von sich aus Verhältnisse zu schaffen, welche als berechtigt angesprochen werden können. Sollte der öffentliche Hinweis nicht genü­gen, die Preise auf einen otanb .zu bringen, wel­cher als in die Zeit passend angesehen werden kann, so wird die Landwirtschaft durch Selbstfchlach - ten und Verkauf die Preise erzwingen. Schon jetzt richtet die Landwirtschaft durch ihre Vertreter die Bitte an die Derbraucherschaft, auch ihrerseits mittzuhelfen, daß durch diese Maßnahme dem Er­zeuger, dem Derbraucher und nicht zu'etzt auch dem Metzger geholfen wird. Nur so läßt sich die Wirt­schaft anfurbeln. Billige Produktion, kleine Preis­spanne, großer Umsatz.

Metzgermeister Otto V 0 n - E i f f und Frau, wohn­haft Bismarckstraße 14, begehen.

(kinaesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

S lrahenbohnwunsch aus wieseck.

Die Sttaßenbahnverbindung Gießen Wieseck wurde programmgemäß gestern dem Verkehr über­geben. Eine Enttäuschung brachte jedoch das Fehlen

einer Haltestelle an der Ortsgrenze Gießen-Wieseck. Besonders für die in der Nähe der Ortsgrenze wohnenden Wiefecker ist e» sehr unbequem, den Weg von der Ecke Grabenstraße zurücklaufen zu müssen. Auch dürfte die Errichtung einer Haltestelle an der Ortsgrenze dem Wunsch der Ausflügler nach der Karlsruhe ober tem Philosophenwald entsprechen. Es ^ware sehr zu begrüßen, wenn die Direktion der Städtischen Straßenbahn Gießen die frühere Haltestelle oder doch wenigstens eine Bedarfshalte st eile an der Ortsgrenze Gießen-Wieseck errichten würde.

photographieren an den Feiertagen.

Ein paar Winke für den Amateur und den phoio-Neuling.

Don Walther Appell, Plauen.

Auch ter künstlerisch und ehrgeizig schaffende Liebhaberphotograph verschmäht es nicht, mit sei­nem Können sich bleibende Erinnerungen an schöne Tage oder besondere Marksteine tes Lebensganges zu schaffen. Sie brauchen ja nicht die steife Häßlich­keit jener langweiligen Gelegenheitsaufnahmen zu haben, die wir als (verzeihliche) Anfängersünden ablehnen. Weihnachten wird immer zu den großen Tagen" im Iahreslauf gehören. Für den Photographen umso mehr, als die Weihnachtszeit viele Motive bietet, die sonst das gan^e Jahr hindurch nicht gegeben sind. Das ist namentlich dort der Fall, wo noch alte Dolksbräuche sich erhielten, die neben der kirchlichen Seite die kulturgeschicht­liche betreffen und vielerorts noch heute lebendig sind. Für den Liebhaberphotographen kommen sie hauptsächlich als Motive in Frage, soweit sie Szenen im Familienleben schassen. Zu photogra­phieren sind diese, wohl meist mit künstlichen Lichtquellen, genau so wie andere Innenaufnah­men von Personengruppen, z. B. von spielen­den Kindern.

Schwerer als es scheinen mag, sind die ver­schiedenartigen Schmückungen zu photographieren, die zur Weihnachtszeit in vielen Häusern angetrof- fen werden. Die stille Einöde des Winters soll durch einen grünen Gruß des Waldes im Zimmer gemildert werten. Das Photographieren von 2ld- ventskranz und Christbaum wird durch die Kerzen erschwert, die dazu gehören, und die im getreuen, wirksamen Bilde natürlich brennen sollen. Ihr Licht teilt sich ter Platte sofort und kräftig mit und außerdem geben sie bei nicht ganz erstklassigem Piattenmaterial den unschönen und naturwidrigen Hof". Diese kreisförmigen Gebilde stören dann das ganze Bild. Vollends verdorben wird es, wenn die Kerzen infolge eines Luftzuges flackern und die Flammen dann häßlich groß und verzerrt aus- sehen. Trotzdem genügt dieses Licht keineswegs, um die 'dunkelgrünen Zweige des Baumes zu er­hellen, wenigstens nicht so, wie es zum Photo­graphieren nötig ist. Wir können deshalb auf eine zus-ätzliche Lichtquelle nicht verzichten. Von deren verschiedenen Arten kommen für dis hier gemeinten Aufnahmen hauptsächlich solche in Frage, die nur ein ganz kurzes De ff n en des Ver­schlusses erfordern. (Also kein Blitzlicht mit dem langsam abbrennenden Zündpapier, sondern eine ter im gewünschten Augenblick aufleuchtenden Ar­ten oder eine Heimlampe, die Momentaufnah. men erlaubt.) Vor der Belichtung empfiehlt es sich, die Dochte der Kerzen so knapp wie möglich zu beschneiten. Da die Flammen mit den durch- schn'tt.ichen Mitteln des Liebhaberphotographen meist reichlich ausfallen, bekommen mir auf diese Weise keine Weihnachtskerzen ins Bild, von deren Leuchten nachher die Phantasie die Hälfte wieder wegdenken muß. Zu beachten ift weiter, daß ein voller Lichterbaum vom Ständer bis zur Krone im Bild fast nie so anziehend (stimmungsvoll") und lebendig wirkt wie ein geschickt und geschmack­voll gewählter Ausschnitt, oder nur ein einzelner Zweig. Weiße Kerzen sind dabei farbigen vorzu­ziehen, halb heruntergebrannte werden durchweg

(ebensgetreuer wirken als neu aufgesteckte. Unbe­dingt ift dafür zu sorgen, daß Silberfäden und anderer, stark reslektterender Schmuck (Glaskugeln und tergl.) sich nicht- bewegen. Und was für jedes Stilleben, gilt, sei auch hier in Erinnerung ge­bracht: keine Ueberiaöung! Also den für die Aufnahme bestimmten Zweig nicht extra zu diesem Zweck oollhängen! Voraussetzung für Bild­wirksamkeit ist ferner ein ruhiger, nicht ablenken­der Hintergrund, wozu grelle Tapeten mit auffal lenden Mustern nicht gehören. Ein Gelbfilter wird die Ergebnisse immer noch verbessern. Diese Ratschläge ändern nichts an der Tatsache, daß immer das beste und schönste Weihnachtsbild eine schweigende Winter l and^chaft sein wird: dunkle Tannen über weißen Fluren, Däd)er unter ter weichen Schneelast, eine ruhig nach dem Horizontwerlaufente. Spur in ter Flockendecke, ein Blick aus dem Fenster durch das Netz der Eisblu­men, GraÄiüfchel im Rauhreif am Wegrand oder erstarrten Bach ...

Nun noch Einiges für jene, die zu Weihnachten einen Photo-Apparat geschenkt bekom­men! Sie seien gewarnt, gleich am ersten Tage zu sehr ins Dolle zu gehn! Das gibt oft böse Ent­täuschungen. Nichts ist ratsamer, als den Apparat bis nach den Feiertagen still auf dem Gabentische liegen zu lassen, wenn's auch schwer fällt. Diese Zeit wird dazu verwandt, sich aus gedruckten An­leitungen ober in freundschaftlicher Unterweisung über das Nötigste zu informieren. Verzichtet dar­auf, die ganze Familie malerisch um den Baum zu gruppieren und eine Blitzlichtaufnahme zu ris­kieren! Schon die Aufregung, die für Tanten und Großmütter damit verbunden ist, macht das bedenk­lich. Kann es gar nicht vermieden werden, was mandjmal auch bei Fortgeschrittenen der Fall ist, so fei wenigstens folgendes beachtet: Wer erst am Apparat hantierte und dann bei schon geöffnetem Verschluß noch seinen Platz einnimmt, wäh.e die­sen so, daß nicht eine brennende Kerze des Bau-' mes oder Festtisches hinter ihm ift! Sonst leuchtet im Bilde hernach ein rätseHaftss Licht durch seinen Körper hindurch ... Begreiflich ist^besonters bei jugendlichen Ph"toanfängern der Stolz und die Freude, jedem Gast ten neuen Apparat zu zeigen. Dabei soll ein unnützes Herumspielen mit dem Verschluß und ter Einstellskala vermieden werden. Dasselbe trifft für die Behandlung der Raffelten, die übrigens auf dem Gabentische nicht durch an­dere Gegenstände beschwert fein dürfen, weil sic dadurch bald unerwünschten Lichtzutritt bekommen könnten. Geduldet euch, bis das Fest vorüber ist und ihr in aller Ruhe ein vernünftges, überlegtes Arbeiten beginnen könnt! Nehmt euch für ten An­fang nicht zuviel vor, beginnt aber auch nicht mit Kitsch bildern, die ihr später mehr oder weniger beschämt selber ablehnen müßt! Mit allen Ermu­tigungen für freutebringente Erfolge wünschen wir den Photo-Sportlern und namentlich den Weih- nachts-Photoansängern zum Fest ein kameradschaft­liches:

G u t Licht!

Buntes Allerlei.

Oer voreilige Händedruck.

In Berlin treibt lerdings ein Schwindler sein älnwefen, der Schauspelern und Schauspielerin- neu Engagements u..j Aufträgevermittelt", die Vermittlungsgebühr der Einfachheit halber gleich einkassiert, dann verschwindet und bis jetzt ver­geblich gesucht wird. Zwischendurch war er in Wien und München tätig und kam dann, da das Geschäft hier mehr einbringt, wieder nach Berlin zurück. Ein Künstler aber, der sich mit demDer-- mittler" treffen sollte, schöpfte Verdacht und bat einen Schupo, den Mann, dem er in wenigen Augenblicken die Hand schütteln würde, festzu­nehmen. ^lnglücklicherweise aber kam wenige Minuten später ein Kollege des Schauspielers vor­über, dem er, nichts Arges denkend, kräfttg die Hand drückte. Flugs kam der Hüter des Ge­setzes dazu und nahm den Mann beim Mantel­kragen. Bei der Gründlichkeit der Polizei dauerte cs geraume Zeit, bis der Irrtum geklart war. In­zwischen war aber der Schwindler, dem der Poli­zeigriff galt, auch um die Straßenecke gebogen, erkannte die Situation mit Blitzesschnelle, machte kehrt und ward nicht mehr gesehen.

Graphologie vor Gericht.

In einem Berliner Modesalon geschahen in der letzten Zeit allerlei sonderbare Geschichten. Kleider und Mäntel verschwanden plötzlich und wurden nach einiger Zeit vollkommen zerschnitten oder mit Tinte begossen wieder aufgefunden. Nach Ansicht der Besitzerin konnte nur eine der Angestellten diese mutwilligen Zerstörungen be­gangen hoben: alle Nachforschungen auch von selten der Polizei blieben jedoch ergebnislos. Als alles nichts hals, wurde die H.lfe einer Graphologin in Anspruch genommen und ihr die Handschriften aller Angestellten zur Charakter- deutung übersandt. Die Frau bezeichnete die Buchhalterin an Hand ihrerrachsüchtigen und zerstörungswütigen" Handschrift als die a'T':n in Frage kommende Täterin, worauf die F.-ma dieses Mädchen postwendend entließ. Die Buch­halterin aber ging vor das Arbeitsgericht. Zu Anfang der Tüteverhandlung las der Borsitzende ein Schreiben der Deutschen graphologischen Stu­diengesellschaft vor, in dem vor der Anwendung derartiger Gutachten zu Deweiszwecken gewarnt wird, da es nach dem heutigen Stande der Gra­phologie nicht möglich sei, zutreffende Vermu­tungen über die Schuld oder Unschuld eines Men­schen allein auf Grund seiner Schrift zu äußern. Dadurch würde nur die Forschungsarbeit der

Graphologen in Mißkredit gebracht. Es wurde dem Gericht angeboten, zwei Mitglieder der Ge­sellschaft als Sachverständige ohne Honorar zu verr chmen. Das wurde aber abgelehnt, sehr zum Leidwesen der ob des Schreibens empörten Gra­phologin, die gerne vor Gericht ihre Theorie über Handschriftendeutung gegen die Kollegen von der Studiengesellschaft verteidigt hätte. Das Gericht stellte die Unzulänglichkeit des Gutachtens als Indizienbeweis fest und strebte einen Dergleich an, der auch zustande kam.

Dreißig Zahre unter australischen Ureinwohnern.

Mehr als dreißig Jahre ihres Lebens widmet eine tapfere englische Frau, Daisy Bates, dem Studium der älreintoebner des westlichen Mit­telaustraliens, der primitivsten heute auf Erden lebenden Menschenrasse. Sie war, wie in einem Aufsatz vonMy Magazine erzählt wird, vor 33 Jahren mit ihrem Gatten in das Kimberley- Gebiet von Westaustralien gekommen, wo sie eine Farm erwarben. Nach dem Tode ihres Mannes verkaufte sie ihren Besitz, um sich ganz den Ein­geborenen widmen zu tonnen. Während der letz­ten 15 Jahre lebte Daisy Dates allein in einem Zelt oder kleinen Schuppen am Rande von Nul- labor Plain, P/2 Kilometer von der (Eisenbahn­station Coldea entfernt. Sie kam mit. einem von Kamelen gezogenen Wagen ins Land und wählte diese Stelle für ihre Arbeiten, da Coldea sie mit Wasser versorgte und zugleich ein feit undenk­lichen Zeiten von den wandernden Ureinwohnern immer wieder aufgesuchter Sammelpunkt ist. Sie beherrscht die Dialekte der Stämme, kennt ihre Sitten und Gebräuche wie kein weißer Mann und keine weihe Frau vor ihr. Eine tiefe Liebe zu den Ureinwohnern hat Frau Bates zu ihrem Tun bestimmt. Sie sucht die Lebensbedingungen der wohl noch in diesem Jahrhundert aussterbenden Stämme, innerhalb der ihnen zugewiefenen Ge­biete auf alle mögliche Weise zu verbessern. Da­bei geht sie ganz selbständig, nicht im Dienste von Kirche oder Staat stehend, zu Wert. Die zarte Frau in mittleren Jahren, die man einem solchen Leben voller Mühsale kaum gewachsen glauben möchte, will ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit diesen Stämmen in einem Buche niederlegen, das aber erst nach ihrem Tode erscheinen soll. C- wird wohl das letzte Erinnerungszeichen an eine zum Aussterben verurteilte Rasse fein.