Aus der Provinzialhauptstadt. 1
Gießen, den 23.November 1932. fernbleiben. Die Feier ist doch in erster Linie fr föi INN und Zweck der Jubiläums- »» Glieder der Petrusgemeinde bestimmt. In Jn
Sinn und Zweck der Jubiläums
gegengesetzte und feindliche Richtun- i mus kein Hindernis finden, gen. Wie die Nationalsozialisten sei auch Hinden- I - ____
23 Fortsetzung
Nachdruck verboten
bürg von heißer Liebe zu dem Vaterland und von dem ernstlichen Willen beseelt, die deutsche Nation in ihrer Größe wieder aufzurichten. Deutschland aber sei kein guter Boden für revolutionäre Bewegungen.
kann nicht geduldet werden. Es ist eine fest- beschlossene Maßnahme von der Frau Kommerzienrat. Haben Sie sonst noch etwas, Herr De- grner?" fragte er; sein eben noch scharfer Ton wurde freundlich, aber in seinen graugrünen -lluaen stand eine Warnung, die auch Degener verstand.
Ter Beamte schwieg. Er wußte, es hatte keinen Zweck, zu widersprechen. Seit der alte Herr tot war, gab es nur einen Willen hier: den der Kommerzienrätin — und hinter diesem Willen stand dieser Fremde mit den graugrünen Augen die gefährlich aufleuchten konnten, und dem niemand hier auf dem ganzen Bremerwerk auch nur über den Weg traute.
Oie Schuldenkonferenz zwischen Hoover und Roosevelt.
Gn römisches Interview Alfred Rosenbergs
Der Legalitätskurs der NSDAP.-Südtirol und der Anschluß.
Deiner Hände Werk
Roman von Klothilde von Stegmann-Gtein.
Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale)
den Hals durch. Die Töter, denen etwa 300 Mark in die Hönde fielen, konnten unerkannt entkommen.
Aufruhr in einem norwegischen Gefängnis.
3n einem im Schloß von Akershus unterge- brachten Gefängnis brach, einer Meldung aus Oslo zufolge, ein Aufruhr aus. Eine Anzahl Strafgefangener, die sich vor einiger Zeit an einer Gefängnisrevolte beteiligt hatten und deshalb zu Zusatzstrafen verurteilt worden waren, steckten di« im zweiten Stockwerk des Gefängnisgebäudes gelegene Malerwerkstatt in Brand, schnitten die elektrischen Leitungen durch und griffen einige I Gefängnisaufseher tätlich an. Bei dem sich ent- spinnenden Handgemenge wurden einige I
N Äfien istW sSä'
Auf eine weitere Frage Farinaccis, die sich auf das Ausdehnungsbedürfnis beider Völker bezog und eine Anspielung auf Südtirol enthielt, antwortete Rosenberg: Was Südtirol angehe, so habe er den Erklärungen Hitlers nichts hinzuzufügen, der das Mißfallen gewisser irredentistischer österreichischer Kreise auf sich gezogen habe, indem er versicherte, daß das Problem der deutschen Minderheiten in Italien keine unüber ft eigbare Frage im Hinblick auf das Problem einer politischwirtschaftlichen Annäherung zwischen der italienischen und deutschen Rasse sei. Auf die An- s ch l u ßf r a g e übergehend, bemerkte Rosenberg, daß ihm die in dieser Frage zutage getretene ab- lehnende Haltung Italiens nicht verständlich sei. Italien würde nichts verlieren, aber gewinnen, zumal man doch auf diese Weise den Einfluß Frankreichs im Südosten Europas in etwa ausschalten könne. Der Anschluß würde beim Nationalsozialis-
lüftung für eine solche manche Anregung rein sicherlch mancher zu eigei dem (Betonten trägt, e Bngroelt zu verdünget trag wurde von den ! mertsanM und dankln
- TageSkalen ktadttheater, 20 bis der eabinctinnen". - Renten, 20 41jt, 6tub Deg. Dortrag über „ hum ohne MT - habe: „Data $jmu.
" Festschrift zt »ehen des Stak Aus dem Stodttheater ben: Aus Anlah des stres Stadttheaters ha: lchüst herausgegeben, l nktellierenben Inhalte fr» Schm ter kchn t lesensivett, n:ch Theaterfreund. Außer C und Dildern a SL^njinenten Schau LWn,t ehr intet Theaters, ü
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Luser meist verschlossen sei fcuh sprach Hauptmann Befteiaung des Piz Berni AjefAfchen Berges, bei «litt von den Schwierig rischer und (teile ®w ichmal^ Lisbrücken, die, t kgileiger auf Schritt ui tat (ein lassen. Man h Baissen, die eine soll Sat, man hörte aber c leütn und unerläßlichen 1
Aufseher leicht verletzt. Polizei und köi^ liche Wachtsoldaten verhinderten zunächst weil« älnruhen und stellten die Ruhe wieder her.
Feuer, das inzwischen auch auf das dritte 6t«!. werk übergegriffen hatte, wurde von der Feurr. wehr gelöscht. Einige Strafgefangene wurden » ein anderes Gefängnis geschafft.
Tukanchamons Grab wird wieder geöffnet.
Der durch seine Ausgrabungen bekannte englifa Forscher Howard Carter ist von Kairo nnfi Luxor abgereift. Er wird in kurzem zusammen ob dem Unterrtchtsministerium die nötigen Schritte!> greifen, jim das Grab Tutanchamons zu öffnen.
Mailand, 23. Nov. (TUtt Arturo Fari- n Erste faschistische Parteisekretär, harte
. fred Rosenberg, dem Chefredakteur des „Völkischen Beobachters", in Rom eine Unterredung, die am Dienstag in Farinaccis Blatt „II Regime Fascista" wiedergegeben wird. Farinacci erklärte Rosenberg, daß man unter den revolutionären italienischen Fasch.sten für das Zögern °er Hitlerbewegung und ihre Weigerung, - o" iu dem Augenblick, als auch parlamentarisch etne Mehrheit für sie vorhanden gewesen fei, resolut zuzugreifen, absolut kein Verständnis aufbringen könne. Hitler tjabe offenbar eine historische Stunde ungenützt gelassen. Demgegenüber wies Rosenberg darauf hin, daß ein brüskes Vorgehen der Hitlerbewegung nicht nur in Deutschland höchstgefährliche Erschütterungen schaffen würde. Hitler sei zu klug, fein Vaterland in Abenteuer zu stürzen. Die deutsche Innenpolitik sei immer noch von der Außenpolitik g e = bremft und kontrolliert. Außerdem beständen ganz besondere Beziehungen zwischen der Hitlerbewegung und der Regierung Hindenburg. Es handele sich im Grunde nidjtum zwei ent«
Morgenfeier im Siadtiheaier.
Eine Erklärung der Stadtverwaltung.
Die Stadtverwaltung teilt mit:
"Auf verschiedene Anfragen aus allen Kreisen der Bevölkerung, die-für das rege Interesse an unserem Stadttheater und seiner Jubelfeier zeugen, teilt die Stadtverwaltung auf diesem Wege da unmöglich alle Anfragen im einzelnen beantwortet werden können — folgendes mit:
.Ter innere Sinn der Jubiläumsfeier am Vor- mittag des 21. November muß darin gesehen wer- oen daß das Theater Gelegenheit hat, den maßgeblichen auswärtigen Behörden, den Theaterfachleuten und der Presse einen Einblick in die Arbeit zu verschaffen, die am Gießener Stadt - ter geleistet wird. Es ist ferner die Aufgabe dieser Morgenfeier, sich dessen bewußt zu sein, daß es opferfreudige Bürger waren, die vor etnern Dierteljahrhundert das Theater schufen das Theater, das es einem großen Teil der Bürgerschaft erst ermöglicht, Kunst in einem würdigen Rahmen aufzunehmen. Der Zweck dieser Querschnittsveranstaltung kann aber natürlich seicht der fein, jedem Abonennten noch einmal im Ausschnitt etwas vorzuführen, das er in den letzten Jahren schon im Theater als Dollauf- suhrung sah. Da nun der Theaterraum nicht einmal Platze genug hat, alle Abonnenten zu fassen g. schweige denn Hunderte von Spendern und die «roße Anzahl der behördlichen Vertreter, so mußte sich die Stadtverwaltung im Cinverständ- Theater-Deputation zu einer Beschränkung entschließen und konnte die Einladungen nur an die Spitzenvertreter aller aufzufordernden Kategorien ergehen lassen.
Weihe der petrusko pelle.
Die Einweihung der Petruskapelle am Wetzlarer •üJeg finoet am Sonntag, 27. November (1. Advent), Mm. J5 UHr statt. Die Gemeinde sammett sich im Hof des Gemeindehauses, dort findet die Schlüsselübergabe statt. Der Architekt, Baurat Meyer, der es verstanden hat, mit geringen Mitteln etwas wirk- llch Schones und Würdiges zu schaffen, übergibt öen Schlussel an den Vorsitzenden des Gesamtkir- chenvorstandes, Pfarrer Bechtolsheimer, die- fer gibt ihn dem Superintendenten von Oberhessen Oberkirchenrat O. Wagner, der die Tür auf' schließt. Die Gemeinde begibt sich darauf in das Gotteshaus, wo die Weihe durch den Super- intenbenten vorgenommen wird. Die Festpredigt halt der Pfarrer der Petrusgemeinde, Lic. Waas, bte ©djlufjhturgie der Dekan des Dekanats Gießen, Dekan G u ß m a n n - Kirchberg. Der Verein für christliche Musik und der Frauenchor der Petrus- gemeinde werden bei der Feier mitwirken. Um eine UeberfuUung des Saales zu vermeiden, wird gebeten, daß Glieder anderer Gemeinden, soweit sie nicht besonders geladen sind, oder keinen besonderen Grund zur Teilnahme an der Feier haben, dieser
So zeugt der ganze Bau von einem Zusammenwirken vieler in gleicher Opferfreudigkeit. Die Petrusgemeinde ist dankbar, daß sie nun diese« schönen Raum für ihren Gottesdienst und die Ne- benräume für ihre Gemeindearbeit hat. Es ist zu hoffen, daß die Schaffung dieses neuen Mittel. Punktes kirchlichen Lebens zum Segen wird au$ für die Gesamtgemeinde Gießen.
Strahenbahnverkehr durch die Marktstraße/Bahnhofstraße.
Das Polizeiamt Gießen teilt uns mit: Nach« dem ab 29. November dieStraßenbahnwie« der durch die M a r k t st r a ß e—Bahnhof st r a ß e geleitet wird, muß die Marktstrah« ab 29. November 1932 für den Verkehr mit Fahrzeug enaller Art gesperrt werden.
Schreck fiel es vom Baugerüst hinab. Als die Frau dem Kinde zu Hilfe eilte, kam es ihr, als ob nichts geschehen wäre, entgegen.
Raubüberfall auf ein Pfarrhaus.
InBoenninghardt (Kreis Mörs) wurde auf den katholischen Pfarrer Sanders ein Raub- uberfall verübt. Vier Banditen drangen in das Schlafzimmer des Pfarrers ein und zwangen diesen mit vorgehaltenem Revolver, den Geldschrank zu öffnen, aus dem sie alles vorhandene Geld an [idj nahmen. Sie forderten auch noch die Brieftasche des Pfarrers. Sodann schlossen die Verbrecher den Pfarrer in sein Schlafzimmer ein. Einem Hund, der ihnen im Treppenhaus begegnete, schnitten sie
ich ihm «in bißchen zureden. Du mußt mir nur sagen, wie es um ihn steht."
„3a, wenn ich das nur selbst wüßte, Herr Moeller. Er kam rauf und sprach kein Wort und starrt seitdem nur immer vor sich hin. Wenn mir nicht die Frau Schulze von nebenan gesagt hatte, was vorgefallen ist — aus dem Vater hätte ich kein Wort herausbekommen. Es hat ihn M tief getroffen — und wissen Sie, wer schuld ist an der ganzen Sache? 3chl" Sie zeigte mit einer leidenschaftlichen Gebärde auf sich selbst.
„Kitzd. du haft wohl den Verstand verloren? Nun wird mir's aber zu bunt!"
Erika sah den väterlichen Freund mit einem herzzerreißenden Ausdruck an. „Unö doch bin ich schuld, Herr Moeller, wenn Sie's auch nicht zugeben wollen. Hatte ich damals diesem frechen Menschen, dem Bräutigam von Fräulein Hiltrud, nicht die Ohrfeige heruntergehauen, der Vater säße jetzt nicht oben und wäre nicht aus der Stellung gejagt worden."
Der Detriebsingenieur packte das zitternde Mädchen am Handgelenk: „Du kommst jetzt in den Hausflur, Mädel, und erzählst mir genau, was da vorgefallen ist. Du hast dem Norweger eine Ohrfeige gegeben — warum?
„Weil er frech gegen mich wurde, Herr Moeller! Ich konnte mir nicht anders helfen — wie ich seine Hönde auf meinem Halse fühlte — es schüttelte mich vor Ekel — da hab' ich halt *u» geschlagen!" * ö
„6o ein Hund!" sagte Moeller zwischen den zusammengebi,enen Zahnen. „Wenn man könnte wie man wollte, Herrgott, Mädel, dem möchf man noch mal ein paar 'runterhauen, aber mit der Handschuhnummer." älnd er sah ingrimmig aufgn« Stoßen, starken Hände.
sagte Erika müde, und wieder jenen wissenden und reifen Ausdruck, den es vor wenigen Wochen 9cfcntnt hatte, „was nützt uns jetzt da- alles - wir müssen eben stillhalten. Wenn man ein armes Mädel ist, darf man es sich nicht tettten, gegen die Launen deS Herrn sich m empören."
, Nlubt nicht ungerecht sein, kleine Erikas tadelte Nkoeller .Du weißt ganz genau, wie wrr s bei dem alten Herrn hatten, und Kurt — dEst du nicht, daß er einmal ein sehr ge- Ä „fin sehr guter Arbeitgeber für seine Angestellten sein wird?
.Kurt!" Sm leises Rot kam in die blassen, verhärmten Wangen des Mädchens — und dann schwieg sie.
A^r Moeller hatte verstanden. „WaS meinst 51. Snka, ob ich dem Kurt nicht einmal einen Anef schreibe und ihm reinen Wein einschenke, ^ier dem Dremerwerk so alles begibt»
< Fortsetzung folgt)
Mittwoch nach Besprechung mit den demokratischen Kongreßführern die Fahrt nach Warmsprings fortsetzen. Die demokratischen Konareßführer haben beschlossen, allen Versuchen nach Herabsetzung oder Stteichung der Kriegsschulden Widerstand entgegen- zufetzen.
Die von verschiedenen Zeitungen unter Teilnahme der Warenhäuser veranstalteten Probe- abstimmungen haben eine große Mehrheit gegen die Vertagung der im Dezember fälligen Zahlungen der alliierten Schuldenraten ergeben. Man nimmt jedoch an, daß Hoover und Roosevelt dem Kongreß empfehlen werden, nach dem Empfang der Dezemberrate die Frage der Alliiertenzahlungsfähigkeit zu über- prüfen. Sollte Roosevelt von seiner Parteileitung dahin beraten werden, daß die Schulden- frage auf der Weltwirtschaftskon- ferenz erörtert werden könne, dann dürfte Hoover dem sofort zustimmen, da er Im Sommer diese Frage lediglich mit Rücksicht auf die Wahlkampagne von der Tagesordnung der Konferenz ausgeschlossen hatte.
Eine völlige Aufhebung des Alkoholverbotes scheint in der kommenden Tagung des alten Kongresses ausgeschlossen, dagegen wird vermutlich dreiprozentiges Bier zugelassen werden.
--- -----ö........— bestimmt.
20 Uhr ist im selben Saal noch ein Gemeind.'» abenb, bei dem Professor D. Bornkamm ite Festansprache über das Thema: „Lebendige (>e» mcinben, ein Erfordernis unserer Zeit" halten wird. Musikalische und andere Darbietungen, sowie nah wettere Ansprachen werden zur Ausgestaltung de» Abends beitragen.
i ?en Erweiterungsbau ist ein lange geh«, ter Wunsch der Petrusgemeinde in Erfüllung ct> gangen Wer etwa am Reformationsfest oder am —otenfest im Gottesdienst der Petrusgemeinde teer, mirb verstehen, baß bie ©emeinbe dankbar ist, en), hd) aus der drangvoll fürchterlichen Enge heran* zukommen. Wohl ist auch der neue Saal bescheide« — er faßt mit dem Vorsaal zusammen etwa 250 unb ohne diesen etwa 130 Personen — und er wirb |ur die großen Festtage nur knapp ausreichen: ab« Die Petrusgemeinde erkennt an, daß in der Not Der Gegenwart Bescheidenheit am Platz ist. Dafür if der neue Saal aber bei aller Einfachheit schön i
willigem Erstaunen an: „Ihre Schlußfolgerungen ftnö zwingend — wie von einem Detektiv!"
Iva^sen lachte auf: „Nein, nur wie von einem Menschen, der eine Sache durchdenkt, lieber Moeller^ Auf alle Falle werde ich noch heute meinem Schwager schreiben und ihn bitten, uns noch eine Pause seiner neuen Konstruktion zu schicken, damit wir die Sache genau durcharbeiten können, -war wollen ihn aber mit der Diebstahlsnachricht nicht aufregen — wollen auch hier im Werk kein großes Aussehen machen, die Geschichte nach Möglichkeit totschweigen.
. Zoturlich wird man Vorsorgen müssen, daß solche Dinge nicht wieder vorkommen. Sonst be- frtz die verehrten Herren Spitzbuben das nächste Mal nicht mit ein paar guten Werkzeugen und einer Konstrultionszeichnung als Einwickel- papier, sondern gehen auch mal ins Kontor und arl die Geldfchränke. Das wäre bedeutend peinlicher, ^ch werde dafür Sorge tragen, daß die Bewachung sorgfältiger gehandhabt wird. Der alte Schmitt wird schon ein wenig unzuverlässig: K fage es Ihnen vertraulich, Herr Moeller, daß die Frau Kommerzienrat schon lange seine Pen- U,onierung erwogen hat und eine andere, jüngere Kraft wünscht.
Ehe der Ingenieur noch etwas zu erwidern vermochte, ging Ivarsen mit einem schnellen Gruß hinaus und in das Privattontor hinüber.
Der Matcrialvcrwalter Schmitt erschrak als er von seinem Inspektionsrundgang fort zu Herrn Marsen ms Privatkontor geru'en wurde. Eine Viertelstun^ später, als er hineingegangen war, kam er leichenblaß heraus: seine Augen waren abwesend und voll Schrecken — er ging unsicher Wae em Betrunkener, an dem Prokuristen vorbei' ber gerade ins Kontor hinein wollte. „Nanu' Schmitt, was ist denn mit Ihnen?" fragte er erstaunt, denn der alte Mann ging so unsicher daß er gegen ihn anrannte — aber Schmitt machte nur eine unbestimmte Bewegung und schlurfte stumm davon, den Kopf tief gesenkt.
Noch am gleichen Vormittag ging es wie ein Lauffeuer durch das ganze Werk, daß der alte Materialverwaltcr Schmitt seine Kündigung erhalten habe, und daß er die Werkswohnung zu räumen hätte, da die neue Werksleitung bereits einen Nachfolger für ihn von auswärts engagiert habe.
Ms der Prokurist, dem Ivarsen die Entlassung Schmitts kurz mitgeteilt hatte, ein Wort für den Mten einlegen wollte, hatte Ivarsen kurz und schroff erklärt:
„Mein lieber Degener, Sie müssen sich daran gewöhnen, daß die neue Leitung ihre Entschlüsse nicht durch irgendwelche sentimentale Anwand- lungen zurückzunehmen pflegt. Der alte Schmitt mag ein braver und guter Mann fein; aber so ein Diebstahl, beinah unter seinen Augen, das
Washington, 22. Noo. (WTB.) Die Unterredung über die Schuldenfrage zwischen Hoover und Roosevelt begann heute nachmittag im Weißen Haus. Es ist das erstemal in der Geschichte der Vereinigten Staaten, daß der amtierende Präsident seinen Nachfolger zur Entscheidung über wichtige politische Probleme heranzieht. Die Begegnung ist die zweier im gleichen Rang stehenden Personen und findet daher nicht in Hoovers Arbeitszimmer statt, sondern in dem von Lincoln benutzten Herrenzimmer des Prösidentenpalais. Roosevelt wohnt auch nicht als Gast im Weißen Hause, sondern hat eine Flucht von Zimmern im Hotel genommen, wo er heute abend die demokratischen Parteiführer empfangen wird; zum Diner ist er Gast des Washingtoner Presseklubs, der die Einladungen auf seine Mitglieder beschränkt hat, um Roosevelt Gelegenheit zu offener aber vertraulicher Aussprache über dre schwebenden Fragen zu geben.
Der zweistündigen Besprechung zwischen Hoover und Roosevelt wohnten Schatzsekretär Mills und Prof. Maley bei. In ber amtlichen Erklärung über bie Konferenz heißt es: Präsibent Hoover und Rooseoett besprachen ausgiebig bie vorliegenden Fragen. Sie hatten das Gefühl, baß ein Fortschritt erzielt wurde. Der Präsident wird am Mittwoch mit den Kongreßführern verhandeln und die Fragen weiteroerfolgen. Roosevelt wird am
Mit einer leichten Bewegung ent,zog sie sich ihm. „Der Diener kommt", flüsterte sie mahnend — und atmete wie erlöst auf, als sie draußen das leise Klirren des Kaffeeservices hörte.
„Aber du. warum bist du denn schon auf, A?el", fragte Hiltrud ihn nun.
„Ach", antwortete der ausweichend, „ich habe eine eilige Sache mit dem Betriebsingenieur zu besprechen, nichts, was dich interessieren tonnte!“ Unö er griff nach der Tasse, die der Diener ihm mit dem bernsteinfarbenen, duftenden Tee gefüllt hatte. Er konnte vor dem Diener doch nicht sprechen, und es war ihm im Augenblick auch ganz lieb.
Achtzehnte« Kapitel.
3n der Werkstatt wartete Betriebsingenieur Moeller voll Unruhe. Ivarsen trat schnell ein. »Guten Morgen, Herr Moeller!" Er schüttelte den Schnee von seinen Aermeln und Handschuhen ab und gab dem Beamten die Hand. „Also, was sind das für Räubergeschichten, um derentwillen Eie mich vor Tau und Tag aus den Federn holen?"
„Leider keine Räubergeschichten, Herr Baron!" erwiderte der Beamte bekümmert; er deutete mit ber Hand auf die Wand gegenüber dem Werk- ttsch. „Sehen Sie hier, die Zeichnung von Herrn Kurt, ich habe sie selber gestern hier angeheftet sie ist verschwunden — und alles auf dem Werk- -englisch: die Motorenteile, die Werkzeuge, alles ist durchwühlt, die Schemel umgestohen — unbegreiflich."
„Nun , meinte Ivarsen, indem er sich aufmerk- sam umschaute. „die Sache wird sich ganz einfach aufklaren; irgendwelche Diebe haben was von Wert vermutet, vielleicht haben sie es auf die Kupserfossungen abgesehen gehabt, oder die Werk-
— ja, das neue Werkgerät fehlt — na also, da haben Sie es ja."
„älnd die Zeichnungen?"
, y*1™ <Sie das gestohlene Werkzeug viel
leicht in das Papier einge aaeft haben? Das wäre doch immerhin denkbar. Die Zeichnungen an sich tonnen sie ja nicht interessiert haben; icder einiger- nwfcn Sachverständig- muß sich doch sagen, daß €11t^on'tPttcur tonc Zeichnungen doppelt aus- gefertigt hat — und es war doch deutlich, daß diese Zeichnung, die Sie mir gestern flüchtig Seiattn, eine Pause war." 1 9
Betriebsingenieur sah Ivarsen mit wider-
Aus aller Welt.
Lin Kind aus dem dritten Stock gestürzt und unverletzt geblieben.
In Berlin stürzte der 3'/2jährige F. Horst aus der Wrangelstrahe aus dem dritten Stock auf die Straße. Er erlitt dabei merkwürdigerweise nur eine leichte Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen. Das Kind hatte in Abwesenheit der Eltern das Fenster geöffnet und war auf e i nB a u g e r ü ft, das sich vor dem Fenster befand, geklettert. Dies bemerkte eine Frau aus dem gegenüberliegenden I -Hause, die das Kind namentlich a n r i e f. Dor I
®er alte Schmitt sah am Tische in dem kleinen Wohnzimmer,- er hatte die Hände flach auf die Tischplatte gelegt und sah starr vor sich hin. Seit Stunden sah er so da, redete nicht, antwortete nicht, starrte nur immerfort vor sich hin mit diesen leeren, entzündeten Augen.
Erika ging leise durch das Zimmer, angstvoll sah sie zwischen ihren Hantierungen immer wieder jum Vater hinüber; sie setzte zum Sprechen an immer wieder, aber dann stockte ihr der Laut in der Kehle. Sie hatte ja schon alles gesagt was nur zu sagen war. Vergeblich zermarterte sie
Hirn neuen Trostworten, nach Gründen » ^ter überzeugen mochten, daß das alles nicht so schlimm war. Mies hatte sie ihm gesagt, aber er hatte auf nichts geantwortet immer starrte er mit diesem Blick vor sich hin — sie konnte es nicht mehr mit' ansehen, sie hielt es nicht mehr aus — ein Schluchzen würgte sie in der Kehle — sie stellte die Lassen, die sie soeben gespült hatte, in den Schrank — und dann, wie geiagt von ihren eigenen Gedanken, riß ne den Mantel vom Haken und floh durch die Korridortür hinaus, die Treppe hinunter, hinaus. wo sie allein war und diese starren, unveränderten Augen des Vaters nicht mehr zu sehen brauchte.
Gerade, als sie unten an der Treppe war, die
-Jte*nen Wohnung hinunter auf den Werkhof führte, kam Moeller über den Hof ihr entgegen. Sein Gesicht war sorgenvoll und bitter. „Nun. Erika", sagte er und sah sie mitleidig an. „wie hat es der Vater ausgenommen — hat er was gesagt?"
Mit einer trostlosen Gebärde zuckte Erika die Schultern: „Wenn er nur was gesagt hätte. Herr Moeller — es hat ihn schrecklich getroffen, das töniwn Sie sich ja denken; aber wenn er es wenigstens aussprechen würde, dann wäre es ihm ja leichter — aber so — so..."
Sie vermochte nicht weiterzureden, die Stimme versagte ihren Dienst.
»Na, kleine Erika, nur tapfer; vielleicht kann
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I? unb schilderte an N in Lichtbildern die C Ne Mdart aus die, EtaM Alpen, 'N das Sbe in längeren Mrte tos Leben an Gegenwart Bescheidenheit am'Platz ist" Dafür ij Q^nV'iS' ber neue Saal aber bei aller Einfachheit schön und E-n Barsenn-Absah' würdig ausgestaltet, so baß ber Besucher sofort den ffilSam läge t Umdruck hat, baß er eine Kirche betritt. Der Alter, bah sich der raum ist zwei Stufen erhöht, hinter dem Altar ist der groß'
an ber Wanb ein Leuchtkreuz eingelassen, eine scsi IjJÄJJjE MW eingebaute Kanzel unb ein Raum fiir das Ho! @3
monium ist vorhanden. Die Beschaffung einer Orgel naheliegenoen u; war aus Mangel an Mitteln nicht sofort möglich, doch ist zu hoffen, daß später noch eine Orgel eingebaut werden kann. Das Kruzifix auf dem Altar, das oon Herrn Küchel, hier, angefertigt ist, ifl eine Stiftung der Frauenvereine der Gesamtge^ memde Gießen. Die Altar- unb Kanzelbekleidunz ist von ber Hessischen Landeskirche gestiftet. Da» Leuchtkreuz, die Liebertafeln, Opferbüchsen, Knie«. danke, ber Teppich im Altarraum, bie Leuchter uni Dasen auf bem Altar, bie Ausstattung bes Verein»« zimmers mit Vorhängen unb Schränken, ein In« ftrument für bas Vereinszimmer — all biefe Dinge unb noch mancherlei Kleinigkeiten finb burch Gabe, unb Stiftungen aus ber Petrusgemeinbe beschafft. Ebenso hat bie Petrusgemeinbe aus ihren Mitteln ben Turmaufbau unb bie Glockenläute-Einrichtunz bestritten, bie Glocke selbst ist oon einem Gemeinde- glieb gestiftet.


