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23.11.1932 Erstes Blatt
 
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Die ausgestellten Sperrschilder sind zu beachten, f Die Dolizeideamten sind angewiesen, aus die Ein­haltung der DerkehrSbestimmungen ihr 2lugen- mert zu richten.

Hauptmann Freund erzählt...

TageSkalender f ü r Mittwoch: Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr:Der Raub der Sabinerinnen". Verein Deutscher Stu­denten, 20 Llhr, Studentenheim, Leihgesterner Weg, Dortrag über »Doll ohne Daum oder Raum ohne Doll?" Lichtspielhaus, Bahnhof - strahe:Mata Hari".

" Festschrift zum 25jährigen D « - stehen des Stadttheaters Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrie­ben: Aus Anlast des 25jährigen Jubiläums un- seres Stadttheaters hat die Intendanz eine Fest­schrift herausgegeben, die infolge ihres allgemein interessierenden Inhaltes weiteste Beachtung fin­den dürfte. Schon der reiche Inhalt macht die Schrift lesenswert, nicht nur für den Gießener Theaterfreund. Auster Beitrügen aller Behörden, Grüßen und Bildern aller in Giesten gastieren­den prominenten Schauspieler (Werner Kraust, Albert Bassermann und vieler anderer) enthält die Festschrift sehr interessante Aufsätze zur Ge- schicht« des Theaters. Unsere Autoren haben eine Reihe zum Teil hier zum erstenmal veröffentlichte literarische Beiträge zur Dersügung gestellt. Der Bildteil der Festschrift enthält auher den Photos unserer prominenten Gäste etwa 50 seltene und bisher meist noch nicht veröffentlichte Bilder aus der Arbeit des Stadttheaters. Die Festschrift erscheint am 27. Rovember und ist zum Preise von 2 Mark an der Kasse und im Theater käuf­lich zu erwerben. Es kann nur eine beschränkte Stückzahl der Festschrift gedruckt werden. Es ist daher ratsam, eine Dorbestellung aufzugeben. Zu diesem Zwecke liegt an der Theaterkasse wäh­rend der Kaffenstunden ein« Einzeichnungsliste aus.

"Wiefecker Weg wieder offen. Das Polizei amt teilt mit: Nachdem die Strahenbau-

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weitere Deckungen und Käufe ln Reichsaltbesih und späten Reichsschuldbuchforderungen vornahm. Die Zunahme der Arbeitslosenziffer um 156 000 in her ersten Novemberhälfte wirkte in gewisser Hinsicht etwas deprimierend, blieb aber auf die Kursgestaltung ohne Einsluh, ebenso wie der eher schwächere Schlust der gestrigen Reuyorker Börse. Die Grundstimmung war weiterfreundlich.

Gegen die Abendbörse fetzten sich n e u e K u r s - besferungen von durchschnittlich 0,50 bis 1 Prozent durch. Am Aktienmarkt waren be­sonders Dcmberg mit plus 2 Prozent, Eonti­gummi plus 1,50 Prozent, sowie Lahmeyer und Norddeutscher Lloyd mit je plus 1,25 Prozent fester. IG. eröffneten mit 95,75 Prozent zwar 0,50 Prozent fester, gingen aber nach dem ersten Kurs wieder auf den Bortagsstand zurück. Am Elektromarkt gewannen Bekula 1 Prozent, die übrigen Werte 0,50 Prozent, mit Ausnahme von Geffürel, die nur knapp gehalten waren. Der Montanmarkt verzeichnete bei etwas regeren Hm- sähen eine Erhöhung von 0,50 bis 1 Prozent. Leicht befestigt waren noch Daimler mit plus 0,25 Prozent und Aku mit plus 0,50 Prozent.

Arn Rentenmarkt gewannen Reichsaltbesih und späte Rcichsschuldbuchforderungen etwa 0,75 Prozent, Schutzgebiete und Neubesitzanleihe je 0,13 Prozent. StahlvereinSbonds zogen nach der leich­ten Abschwächung von gestern abend 0,50 Pro­zent an.

Am festverzinslichen Markt zeigte sich kleine Nach­frage für Gold- und Liquidationspfandbriefe. Kom­munal Obligationen blieben stark gesucht. Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen setzten ihre Aufwärtsbewegung auch im Verlaufe bei ver­hältnismäßig lebhaften Umsätzen fort.

3m Verlaufe war die Tendenz fest, wobei sich Kursbesserungen von 1 Ims 1% Prozent ergaben. Tagesgeld war zu 3% Prozent unver­ändert.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M. 23. Nov. (MTV. Drahtm« l- dung.) An der Getreidebörse herrschte im Hinblick auf die innerpolitische Unsicherheit starke Zurück­haltung. Das Geschäft war daher allgemein sehr ruhig. Die Preise biteben im großen und ganzen gut behauptet. Lediglich Roggen war etwas stärker offeriert und ging namentlich im Verlaufe der Börse um etwa 1 Mark zurück. Das Mehlgeschäft blieb nach wie vor sehr still, während Futterartikel relativ lebhafte Nachfrage zu verzeichnen hatten.

Es wurden notiert: Weizen 211 bis 212 Mark, Roggen 165 bis 164, Sommergerste für Brauzwccke 180 bis 187,50, Hafer (inländischer) 137,50 bis 141,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 29,50 bis 30,50, Weizenmehl (niederrheinijches) 29,50 bis 30, Roggenmehl <60 v. H.) 23,50 bis 24,75, Weizen- kleie 8,10 bis 8,25, Roggenkleie 8,50 Mark. Ten- denz: ruhig.

Berlin fester.

Berlin, 23. Nov. (WTB. Funkspruch.) Die Börse zeigte auch heute wieder em ausgesprochen freundliches Aussehen, zumal man Die innerpolitische Lage insoweit für geklärt hält, als man allgemein annimmt, daß nur ein Präsidial­kabinett gebildet werden kann. Die Nachrichten aus der Wirtschaft lauteten nicht ganz einheitlich: jo verstimmten vormittags die Zunahme der Arbeits­losigkeit während der ersten Novemberhälfte und der eher schwächere Schluß der gcftrigen Neuyorker Börse. Anderseits verwies man aber auf die steigen­den Stickstoffabsatzziffern, den günstigen Stand der internationalen Kunstseideverhandlungen und die Zunahme der Beschäftigung im Ruhrgebiet. Be­achtung fand auch die Erholung des englischen Pfundes.

Besonders am Montanmarkt lagen wieder kleine Kaufaufträge des Publikums vor. Das Kursniveau lag zu Beginn des Verkehrs bis zu 1 v. H., in Ein- zelfällen bis zu 1,5 o. H. über dem gestrigen Schluß. Contigummi setzten ihre Aufwärtsbewegung um mehr als 2 o. H. fort. Nur aus zufälligen Gründen bemerkte man vereinzelte Rückgänge um Bruchteile eines Prozents. Bubiag und Hanfadampf waren bei minimalen Umsätzen bis zu 1,5 v. H. gedrückt. 3m Verlaufe blieb das Geschäft ruhig, nichtsdestoweniger ergaben sich erneut Steigerungen bis zu 1 v. H. Schubert & Salzer holten 3 o. H. ihres gestrigen Verlustes wieder auf.

Auch Renten tendierten heute f e ft. Lebhafteres Geschäft entwickelte sich in Altbesitzanleihe, die ms- gesamt beinahe 1 v. H. gewann. Neubesitz und Schutzgebiete zogen gleichfalls an; letztere hörte man vorübergehend mit 6 v. H. nennen. Pfandbriefe, 3n- buftrieobligationen, Reichsschuldbuchforderungen usw. hatten Besserungen bis zu 1 v. H. zu verzeichnen. Von Ausländern gingen Bosnier erneut um 0,25 v. H. zurück während die übrigen Papiere dieses Marktes vielfach Gewinne bis zu 0,25 v. H. ver­buchen konnten.

Am Geldmarkt blieb die Situation unver­ändert. Tagesgeld stellte sich an der unteren Grenze auf 4,13, teilweise auf 4 v. H. Prioatdis- fönten roai ?n auf Grund von Ultimovorbereitungen eher angeboten, Reichswechsel per 20. Februar und Reichsschatzanweisungen per 18. April wurden in kleinen Posten umgesetzt.

Frankfurt freundlich.

Frankfurt a. M., 23. Nov. (WTB. Draht­meldung.) Auch die heutige Börse zeigte trotz der noch ungeklärten Regierungskrise einen gewif- senOptimismus, weil man keine wesentliche Veränderung in der seitherigen politischen und wirtschaftlicAn Entwicklung erwartet. Das Ge­schäft bat allerdings keine Belebung erfahren, abgesehen vom Rentenmarkt, an dem die Kulisse

terelfante Aufschlüsse wußte der Vortragende über hie Verhältnisse in der Schweiz, insbesondere über die Zusammensetzung der Bevölkerung hinsichtlich der Stämme zu berichten und damit manchen 3rr- tum zu beseitigen. 3m Anschluß daran wandte er sich dann dem eigentlichen Thema des Vortrages zu und schilderte an Hand von vielen ausgezeich­neten Lichtbildern die Schönheiten der Silvretta, führte von dort aus die Zuhörer im Geiste in die Schweizer Alpen, in das Engadin, dem sich der Bortragenhe in längeren Ausführungen widmete. Er schilderte das Leben an den großen Wintersport­plätzen St. Moritz, Pontresina, Schuks-Tarasp usw., erzählte von Der inzwischen berühmt-berüchtigt ge- IKta wordenen Parsenn-Abfahrt, die jetzt dank einer ", Drahtseilbahn am Tage viermal absolviert werden kann, ohne daß sich derSportler" anzustrengen I eine braucht. Bilder der großartigen Landschaft voran- - schaulichten das Wintersportparadies Engadin, das aus naheliegenden Gründen dem zukünftigen Ski- läufer meist verschlossen sein wird. Nach einer kurzen Pause sprach Hauptmann Freund dann von der Befteiaung des Piz Bernina, jenes hochaufragenden majestätischen Berges der Berninagruppe, er er- zählte von den Schwierigkeiten des Aufstiegs über Gletscher und steile Grate, über Eiswände und schmaft Eisbrücken, die, von Schnee überdeckt, den Bergsteiger auf Schritt und Tritt von Gefahr um­lauert fein lassen. Man hörte von den großartigen Erlebnissen, die eine solche Besteigung vermitteln könne, man hörte aber auch von Den Notwendig- feiten und unerläßlichen Voraussetzungen Der Aus­rüstung für eine solche Tour unD erhielt Damit manche Anregung rein praktischer Art, Die sich sicherlich mancher zu eigen machen wird, der sich mit Dem Gedanken trägt, einige Urlaubstage in der Bergwelt zu verbringen. Der unterhaltsame Vor­trag wurde von Den Zuhörern mit großer Aus- merksamkeit unD dankbarem Beifall ausgenommen.

Kiekebusch, der falsche Kriminalbeamte

W2N. Frankfurt a. M., 22. Nov. Am Mon­tag wurde Der 25jährige Hans Kiekebusch fest- genommen, weil er sich als Kriminalbe­amter ausyegeben hatte. Seit Monaten besuchte er hier Die Ämos, stellte sich als Kriminalbeamter vor unD nahm Revisionen vor. 3n mehreren Fällen borgte er sich von Den Kassiererinnen Selb. Einer Kinobesitzerin erzählte er, er habe gute Tips unD tperDe für sie wetten. Am nächsten Tage erzählte er Der Frau, Daß er für sie 20 Mk ge- Wonnen habe. Das GelD hänDigte er ihr jedoch nicht aus, sondern erbat sich neues Geld für weitere Wetten, Das er auch erhielt. Er erzählte auch in Den Kinos, Daß er mit Der Ueberwachung Der StraßenhänDler unD Straßendirnen betraut fei. Kiekebusch ist bereits wegen falscher Titelfiihrung vorbestraft.

Oer Raubübersall auf den Geldbriesträger Mohr.

WSN. Frankfurt a. M., 22. Nov. End« Mai wurd« auf einem Dienstgang morgens ge­gen 9 Llhr der 60jährige Oberpostschassner Mohr im Hause Sandweg 27 überfallen, von hin­ten zu Boden geschlagen und beraubt. Auf der Flucht warf der Täter die geraubte Geld­tasche fort, in der sich etwa 1500 Mark befanden. Als der Tat verdächtig erschien der 30jährige Arbeiter Hermann Theobald aus Bad Dürk­heim, der bisher die Tat bestritten hat. Die Staatsanwaltschaft hat nun gegen ihn An­klage wegen schweren Raubs in Tat­einheit mit gefährlicher Körperver­letzung erhoben. Die erschwerenden UmftänDe bei dem Raub werden darin erblickt, daß Th. wegen versuchten Raubs vorbestraft ist und daß er «ine Waffe bei dem Lieberfall bei sich sührt^

Durch Kohlenoxydgase vergiftet.

WSN. Diez (Lahn), 22. Nov. Montagsrüh fand man eine hiesige Beamtenwitwe mit ihrer 16jährigen Adoptivtochter in ihren Betten vergiftet auf. Während die Frau noch L e - benszeichen von sich gab, war das Mädchen t o L Als Ursache wurde Kohlenoxydgasver- gistung ermittelt. Das dunstige und neblige Wetter in der Nacht hatte die Gase nach unten ge­drückt, wo sie durch eine schadhafte Kaminklavpe in das Zimmer des Mädchens entwichen und da« Unglück verursachten. 3n der Wohnung selbst war nicht geheizt worden, dagegen im Stockwerk dar­über. Die Frau schwebt in Lebensgefahr und dürfte auch kaum mit dem Leben davonkommen. Oer Kapellmeister als Bühnensänger.

WSN. Darmstadt, 22. Nov. Am Sonntag wurde im Hessischen Landestheater die OperDon Carlos" von Berdi gegeben. Sn letzter Minute hatte Theo Herrmann, der sonst den König Philipp sang, abgefagL Um die Aufführung nicht in Frag« zu stellen, sprang in letzter Minute Ka­pellmeister Zwißler «in und fang mit ganz unerwartetem Erfolg die nicht gerade leichte Rolle. Es ist zwar nicht einzig, daß ein Kapellmeister einsprang, um «ine Ausführung zu ermöglichen, aber wie Kapellmeister Zwist ler ohne Bühnenprobe dieses Wagnis durch­führte, darf als bewundernswert bezeichnet werden.

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Den zünftigen und auch weniger zünftigen Skl- Iportlern in Gießen istHauptrnann Freund längst ein miter Bekannter geworden. 3m vorigen 3ahre hörte man ihn begeistert von Der Silorctta-Gruppe sprechen, in Diesem Fahre erzählte er vom Kampf um Den Piz Bernina, ohne jedoch zu vergessen, auf Die Schönheiten Der Slloretta-Gruppe, auf Galtur unD damit auf seinen engsten Wirkungskreis hinzu- tttifen. Der ReDner (Der in Diesem 3ahr« durch das Institut für Leibesübung an Der hiesigen Uni- prrfität eingclaben wurDe) erzählte zunächst hoch­interessante Einzelheiten über Die gegenroärtiae poli- tj che Situation in Tirol, wies auf Die Konsequen­zen hin. Die sich für Die Wintersportler ergeben und betonte. Daß jeder Skiläufer aus Hütten und Gast­höfen, im Bauernhause unD überall, wo er mit Den Ejr^:-im>schen in Berührung komme, dazu bei­tragt n tonne, Das Bewußtsein, zuerst Deutscher zu ein, zu fördern. Er sprach kurz über den Beruf des Skilehrers und warnte Die StuDenten eindring­lich Skilehrer, Bergführer werden zu wollen, wenn nicht Die notroe.nDtgften Dorausfetzungen für Die Süßer« Lebenshaltung zuverlässig ^erfüllt seien. 3n-

ntbar, daß sie nun dies« i Qotiesbienft unD die Jb- einbearbeit bat E- ist fl ng, bie/es neuen Thtth s zum Segen wirb au- Tieften.

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arbeiten im Wi«s«ck«r W«g beendet find, wird die Strastensperr« aufgehoben.

* Steuerfreiheit der 3u b i läu m 8 - gaben an Angestellte und Arbeiter. Born Pressedienst des Gewerkschastsbundes der Angestellten wird rnitgeieilt: Die austerordentlich verschiedenartige Handhabung der Borschristen über die Steuerfreiheit von Iubiläurnsgaben an Angestellte und Arbeiter hatte dem Gewerkschafts­bund der Angestellten (ADA) Deranlafsung ge­geben, an das Reichssinanzministerium wegen des Erlasses einheitlicher Richtlinien heranzutreten. Das Reichssinanzministerium hat nunmehr mit Er­laß vorn 7. November 1932 diesem Wunsche Rech­nung getragen. Hiernach ist zu unterscheiden zwi­schen einer 25jährigen, 40jährigen und 52jährigen BetriebszugehörigkeiL 3m ersteren Falle bleiben 3ubiläumsgaben dann steuerfrei, wenn sie den Betrag von 4200 Mark und sechs Monatsgehälter nicht überschreiten, bei 42jähriger Detriebszugehö- rigkeit erhöht sich der steuerfreie Betrag auf 8000 Mark, höchstens aber neun Monatsgehälter, bei 50jähriger Betriebszugehörigkeit auf 10 000 Mk., höchstens aber einen 3ahresgehalt. Sind diese Doraussetzungen nicht erfüllt, so ist im Rechts- rnittelversähren über die Steuerfreiheit zu entschei­den. Steuererstattungen können anläßlich dieser Neuregelung in keinem Falle verlangt werden.

Große Strafkammer Gießen.

Gießen, 22. Nov. 3m Sommer dieses 3ahres fuhr eine Gruppe von etwa zwanzig National­sozialisten zu Rad auf der Straße von Beienheim in Richtung Reichelsheim, um dort an der Weihe einer Sturmfahne teilzunehmen. Etwa 200 bis 300 Meter von der Straßenkreuzung Beienheim- Reichelsheim tarn ihnen der Schuhmacher G. von Reichelsheim mit seinem Motorrad entgegen. Er fuhr mit dem ironischen RufHeil Hitler" durch die Gruppe und warnte sie, weiterzufahren: am Kreuz warte eine Menge von 100 oder 150 Leu­ten, um sie zu verhauen. Als' die Nationalsozia­listen abstiegen, um zu beraten, was zu tun sei,

fuhr G. plötzlich brutal und mit beleidigenden Worten durch sie hindurch und begab sich ans Kreuz. Dort stieg er ab und hetzte, sich wie wild gebärdend, die Bevölkerung gegen die Ankom­menden auf. Dann ging er mit dem Treibriemen seines Motors des, den er abmontierte, in Be­gleitung des Bergarbeiters B. den National­sozialisten entgegen. Mit der Drohung, ihm sonst ins Gesicht zu schlagen, forderte B. einen ihm an Körperkraft unterlegenen Nationalsozialisten auf, die Armbinde abzunehmen, was dieser, um Streit zu vermeiden, auch tat. G. begann sofort mit feinem Treibriemen auf dieNationalfozialisten loszuschlagen. B. riß ihm den Riemen aus d^r Hand und schlug ebenfalls drauf. Einige von den Nationalsozialisten nahmen ihre Schulterriemen ab und setzten sich zur Wehr. Nach und nach kamen noch andere Bewohner von Weckesheim von der Straßenkreuzung her hinzu und be­teiligten sich an der Schlägerei. Insbesondere wurde vom Bahndamm her mit Steinen geworfen. Außer den Genannten hatten sich noch vier andere Angeklagte heute vor der Strafkammer zu ver­antworten. Das Gericht verurteilte den Schuh­macher G. zu einer Gesamtgefängnisstrafe von einem 3ahr, und zwar wegen öffentlicher Auf­reizung und Aufforderung zu Gewalttätigkeiten und wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug. Der Bergarbeiter B. erhielt eine Ge- famtgefängnisstrafe von sechs Monaten wegen Nötigung und Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug. Die übrigen Angeklagten wurden frei» gesprochen. S.e bestritten, geworfen und geschlagen zu haben und ein einwandfreier Beweis gegen sie war nicht zu erbringen. Zusammenrottung einer Menschenmenge mit Begehung von Gewalttätig­keiten mit vereinten Kräften nahm das Gericht nicht an, weil die den Angeklagten nachströmende Weng« nur nach und nach eingegriffen hätte.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen einen Kellner wegen Sittlichkeitsverbre­chens verhairdelL Der Angeklagte erhielt eine Gefängnisstrafe von neun Monaten.

Kirche unD Schule.

X Wies« ck, 22. Nov. Bei der Ersatz­wahl des Kirchenvorstandes wurden zu Kirchenvorstehern gewählt: Rangiermeister i. R. Reinhard Kling, Polsterer und Tapezierer Balthasar Leyerer und Förster i. R. Wilhelm Lotz II.

Wcttcrvorniltzsage

Das ausgedehnte 3slandtief bewegt sich östlich weiter, so Daß seine Rückseite zur Geltung kommen wird. Kühlere Luftmassen fließen süDwärts unD wer­den auch bei uns Temperaturrückgang bewirken. Dabei bleibt das Wetter ziemlich unfreundlich. Neb.'N wechselnder Bewölkung setzt zeitweise Aufklaren ein. Es treten weiterhin schauerartige Niederschlä"e auf, die auf den Bergen als Schnee niedergehen.

Aussichten für Donnerstag: Wechselnd bewölkt mit kurzem Aufklaren, kälter, noch Schauer, auf den Bergen teils als Schnee.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 22. November abends 4,3 Grad, Am 23. No­vember morgens 3,0 Grad.

- KÖNIGIN

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Weiße Zähne: Chlorodoht